Die Collage der Venus

Ansichten der Figurine von allen vier Seiten, Foro Bjørn Christian Tørrissen

Mehre Funde prähistorischer Figuren, die in unterschiedlichen Abstraktionsgraden Frauenkörper mit üppigen Büsten darstellen, werden als Venus-Figuren bezeichnet. Ob- wohl hinter der Bezeichnung ein völlig anderes Schönheitsideal steht, hielt sich diese Bezeichnung bis heute. Die Überbetonung des weiblichen Geschlechts in diesen Venus-Figuren nährte auch die Theorien eines prähistorischen Matriarchats, das erst durch eine patriarchale Herrschaftsform während des Neolithikums abgelöst worden sein soll. Die üppigen Formen dieser Venus-Figuren werden hier mit in erster Linie mit dem Aspekt der Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht. Sie beinhaltet die Fähigkeit Nachkommen zu zeugen, die für de verstreut lebenden Gemeinschaften der Eiszeitjäger überlebensnotwendig war. Zugleich war die Betonung der Fruchtbarkeit auch ein Sinn- bild der Natur. Die heute meist idealisierenden Vorstellungen von einem frühgeschicht-lichen Matriarcht verstellen aber den Blick auf die Lebensumstände von Urgesell-schaften, wie sie noch bei indigen Stämmen im Amazonasbecken zu beobachten sind. Dort ist die Rolle der Frau zwiespältig, denn in der Rangfolge steht sie hinter den Männern, was sich auch in der Tötung weiblicher Säuglinge zeigt. Dies erfolgt, obwohl stets ein Frauen- mangel herrscht, was dann zu einem Frauenraub bei benachbarten Stämmen führt. Somit herrscht stets eine Konkurrenz unter Männern im Werben um vorhandene Frauen. Der Kampf um die Fruchtbarkeit für eigene Nachkommen, wie die Abhängigkeit von fruchtbarer Natur, könnten die Gründe für eine Überbetonung weib- licher Merkmale bei prähistorischer Figuren gewesen sein.

Paläolithische Figur, Venus vom Hohlefels (Mammutelefenbein), Foto Foto Ramessos

Trotz den meist gravierenden Abweichungen vom Ideal griechisch-römischer Vorbilder, werden die Figuren mit dem Namen der Liebesgöttin bezeichnet. Auch die als Venus vom Hohle Fels bezeichnete Figur passt in die Reihe von weiblichen Darstellungen mit überbetonten Körpermerkmalen. In zahlreiche Einzelteile zerfallen, konnte sie aus einer Schicht, 3 m unterhalb der Erdoberfläche geborgen werden, die auf einen Zeitraum zwischen 33.000 und 38.000 BC datiert wird. Das wuchtige Aussehen der Figur täuscht eine Größe vor, die sie gar nicht besitzt. Die 33,3 Gramm schwere Figur ist nur 5,97 cm hoch und 3,45 cm breit. Ohne Kopf, aber mit einer Öse am schräg gestellten Ober- körper sowie mit den rudimentär dargestellten Beinen passt die Plastik nur bedingt in das Schema der naturnah dargestellten Frauenfiguren.

Venus als Collage, eigen / Venus, Foto Claus Rudolph, Urgeschichtliches Museum

Auch die dünnen Beine sowie die Gestaltung der Brüste erwecken eher den Eindruck, dass die Figur, gleich einer Collage, aus mehreren Bildvorstellungen zusammengesetzt wurde: So etwa mit der Formung der Brüste, die an Eicheln erinnern, welche zu dieser Zeit als Nahrung und Nährstofflieferant von Proteinen in den geschützten Flusstälern gesammelt werden konnetn. Während die Eichel mit ihrer Symbolik der Fruchtbarkeit auf den Reichtum der Natur verweist, zeigt der Gesamtkörper der Venus eine auf- fallende Ähnlichkeit mit der Gestalt eines gebratenen Singvogels. Die Collage aus Vogelkörper und Eicheln könnte auf mehrere Beweggründe zurückzuführen sein. Ein Vogel, der auch in der Antike eine mythische Bedeutung hatte, war der Stieglitz. In Griechenland wurde er Akalanthis genannt und gleichzeitig war dies auch einer der Bei- namen der Jagd- und Waldgöttin Artemis. Als Tier der Artemis stand der Vogel für Aspekte wie Ausdauer, Fruchtbarkeit und Beharrlichkeit. Diese Symbolik wurde später auch in der christlichen Bildsprache adaptiert, wo sie in zahlreichen Marienbildern zu sehen ist. Aber auch das Bild des Zugvogels könnte ein Beweggrund für die Collage des Venuskörpes gedient haben. So sind doch Zugvögel verlässliche Zeitgeber und mit ihrem Auftauchen lässt sich auch die weitere Entwicklung des Klimas und damit die Fruchtbarkeit der Natur abschätzen. Der Vogelflug verweist aber auch auf die spirituelle Verbindung mit einer anderen Anderswelt, der Welt der verstorbenen und deren Seelen. Eine dieser Vorstellungen vom Vogel und seine Verbindung in eine Anderswelt lebt bis heute in de gestalt des Paradiesvogels weiter. Eichel und Vogel erklären aber noch den Kopflosen Körper der Venus. Erst das Bild des Sternbildes Orion erklärt die Schiefe, sowie die Proportion der Figur und durch ihn erhält die Collage der Venus  auch jenen Ausdruck universeller Fruchtbarkeit. Orion, der in vielen Kulturen ganz unterschiedlich gesehen wird, könnte hier als eine Art von Amulett gedient haben, und mit Hlfe der öse  bequem getragen werden.

Venus-Orion, Aufstieg Orion am Abend de WSW um 40000BC, Stellarium

 

Bilder: Ansichten der Figurine von allen vier Seiten, Foro Bjørn Christian Tørrissen – Own work, by uploader, https://bjornfree.com/travel/galleries/ CC BY-SA 4.0 / Paleolithic figure Venus of Hohlefels (of mammooth ivory), Foto Ramessos, CC BY-SA 3.0/ Venus als Collage, eigen / Venus, Foto Claus Rudolph, Urgeschichtliches Museum Blaubeuren (urmu)/ Venus-Orion, Aufstieg Orion am Abend de WSW um 40000BC, Stellarium

 

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