Mythos Bethlehem Teil 1

Der Stern von Bethlehem

Conrad von Soest: Die Geburt Christi, 1404

Im 2. Kapitel des Lukasevangeliums wird die Geburt Jesu und deren Begleitumstände geschildert. In der Erzählung wird der Ort Bethlehem genannt, der bereits im Alten Testament mehrmals eine wichtige Rolle gespielt hatte. Lukas schildert wie ein Engel zu den Hirten auf dem Feld kam und ihnen die Botschaft von der Geburt verkündete. Nachdem er ihnen den Weg in die Stadt Davids gewiesen hatte, fingen sie dort hin und trafen dort auf ein Kind, das in Windeln gewickelt, in einer Kuppe lag. Doch der Ursprung des Stadtnamens Bethlehem ist vieldeutig. Allgemein wird die hebräische Bezeichnung `bêt læḥæm´, das `Haus des Brotes´ hier angeführt. Im übertragen Sinn wäre hier also das Brot als geistige Nahrung zu sehen, deren Ursprung dann in Gestalt des Kindes in dem Ort zu finden war. Brot, das wahrscheinlich im Vorderen Orient erfunden wurde, kommt hier eine ganz besondere Bedeutung zu. Es entsteht durch menschliche Arbeit, denn durch sie wird Korn mit Hilfe von Sonne, Wasser und Erde in ein Nahrungsmittel verwandelt und galt deshalb zu dieser Zeit auch als gesegnetes Gut. Diese Verwandlung einer Kornähre machte das Bot im Altertum auch zum Sinnbild der Verwandlung. Doch der Ortsname kann auch anders gedeutet werden, denn læḥæm kann ebenso auf die Wortwurzel l-ḥ-m. zurückgeführt werden, die kämpfen bedeutet. Damit wäre Bethlehem auch das Haus des Kampfes gewesen. Auch dies wäre ein Sinnbild des Glaubens, denn jeder neue Gedanke bedarf eines Kampfes um sich durchzusetzen. Einen Hinweis für diese Interpretation bieten die zwischen dem 14.und 13. Jhd. BC, zur Zeit des Pharaos Echnaton, entstanden Amarna Briefe. Auf einer der zahlreichen Tontafeln beklagt der Herrscher in Jerusalem, dass der Ort bet nin.ib von ihm angefallen sei. Diese Schreibweise deutet hier auf einen Ort des „Herrn der Erde“ und die Bezeichnung könnte auf den sumerischen Kriegs- und Vegetationsgott, Ninurta hindeuten.

Ninurta kämpft mit einem Vogelungeheuer Foto Hedning

Seine Symbole sind der Bogen, die sprechende Doppellöwenkopfkeule `Šarur´ und der Löwe, auf dem er stehend abgebildet wurde. Oft wurde er auch im Kampf mit dem Vogeldämon Anzu dargestellt, oder aber in Siegerpose auf einem Bergrücken. Mit dieser Symbolik diente Ninurta so als Vorbild verschiedener Herrscherdarstellungen. Seine Identifizierung mit einem Gestirn, oder eine Sterne- konstellation ist dagegen ebenso zweideutig wie der Name Bethlehems. In Texten erscheint es, dass er mit dem Planet Saturn assoziiert wurde, der in der griechischen Mythologie dem Titanen Kronos ent- spricht. Doch die Abstammung Ninurtas spricht nicht dafür, denn sein Vater soll der akkadische Gott des Windes, Enlil gewesen sein. Doch Enlil wurde schon früh mit dem späteren griechischen Sternbild Boötes assoziiert, so dass die Abstammung des Planeten aus einem Sternbild unlogisch erscheint. Ninurta wird als Riese, mit über- menschlichen Kräften beschrieben und die stellte er bei seinem Kampf gegen den Stiermenschen und dem sechsköpfigen Widder unter Beweis, in dem, er beide erschlug, Wie viele Gottheiten in der Vergangenheit, so  war auch Ninurta wandlungsfähig, denn in babylonischer Zeit verschmolz sein Bild mit dem Stadtgott Marduk. Der babylonische Stadtgott, dessen Kult über mehrere Jahrhunderte hinweg andauerte, verkörperte sich dann aber im Planeten Jupiter. Was, außer einem dürftigen Hinweis auf Jahrtausende alten Tontafeln könnte dann die Bedeutung Bethlehems herbeigeführt haben? Die Erklärung bilden biblische Texte, die nicht nur eine perfekte gematrische Konstruktion von Texten darstellen, sondern auch eine ebenso symbolisch bedeutsamem Landkarte. Deren Bilder zeigen nun den Übergang von der alten zur neuen Religion. Betrachtet man nun den Ort Bethlehem vom Tempelberg aus, hat auch die Beschreibung im Lukas- evangelium einen Bezug.

.Southern aerial view of the Temple Mount Foto Andrew Shiva 

So heißt der Berg mit dem riesigem, unter der Regentschaft des Herodes entstanden Plateau, im Hebräischen `har habait´ `Berg des Hauses Gottes´ . Auch im Islam, wird der Berg als edelstes Heiligtum angesehen, denn von hier aus soll der Prophet auf seinem Pferd in den Himmel geritten sein. Tatsächlich entsteht von hier aus auch ein Bezug zu Saturn und auch zu  Großen Konjunktion, dem Zusammentreffen von Jupiter und Saturn. Diese Konjunktion gilt in der Forschung ja als eine der möglichen Erscheinungsfomen des Sternes von Bethlehem. Sie ist auch als wahrscheinlichste anzusehen, denn vom Tempelbeg aus war er Untergang zur vermuteten Geburt von Jesus über dem Ort des Brotes, oder auch dem Ort Ninurtas/Saturn zu sehen. Damit war die Erscheinung ein sichtbarer Hinweis für die Geburt des Neuen und zeigte zugleich den Untergang der Alten Götter.

Die Große Konjunktion – Untergang über Bethlehem,eigen

 

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Bilder: Wikipedia / Conrad von Soest: Die Geburt Christi, 1404. Gemeinfrei / Ninurta kämpft mit einem Vogelungeheuer, wahrscheinlich Anzu oder Azag, Foto Hedning to Swedish Wikipedia, Gemeinfrei / .Southern aerial view of the Temple Mount Foto Andrew Shiva , CC BY-SA 4.0 / Die Große Konjunktion – Untergang über Bethlehem,eigen, opentopomap, stellarium,

 

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