Die Reichenau und der steinerne Löwe

Münster St. Maria und Markus von Norden, Foto © Hilarmont

Der Mythus der Markusreliquien auf der Insel Reichenau entstand gut 170 Jahre nach deren Erwerb durch den Heiligen und Veroneser Bischof Radolt. In der Legende `De miraculis et virtutibus beati Marci evangelistae´ wird geschildert, wie Radolt unter dem Siegel strengster Verschwiegenheit die Gebeine des Markus bei einem Kaufmann in Venedig erstanden hatte. Unter Eid musste er ihm versprechen, die wahre Identität des der Gebeine nicht zu seinen Lebzeiten zu offenbaren. Doch um sicherzugehen, dass dies auch die Gebeine des Evangelisten Markus waren, musste der Kaufmann ihm dies beim Kesselfang schwören. Diese sogenannte Wasserprobe war ein archaisches Element der Rechtsgeschichte und wurde bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. im Codex Ur-Nammu, e-wähnt, wo sie als Flussprobe bei Zauberei empfohlen wurde. Gerade im Mittelalter galt die juristische Wasserprobe mit heißem Wasser (iudicium aquae ferventis) als ein Mittel, um die Wahrheit durch ein sogenanntes Gottesurteil ermitteln.zu lassen Auch hier wurde diese Methode wieder in Gesetzestexten, wie dem des Hinkmar von Reims aufgeführt. Damit musste auch der Verkäufer der Markusgebeine, getreu der Methode, seine Hand zum Schwur heben und dabei gleichzeitig mit der linken Hand einen Stein aus kochendem Wasser herausheben. Da das kochende Wasser bei ihm aber keine Spuren hinterlassen hatte, galten die Relikte des Markus fortan als echt. Im Jahr 830 schenkte sie Radolt dem Kloster auf der Reichenau, wo sie in der ersten Zeit als Reliquien des heiligen Calens verehrt wurden. Die Gebeine genossen anscheinend nur wenig Aufmerksamkeit, so dass der Heilige laut der Legende nun selbst zur Tat schritt und dem Konstanzer Bischof Gebhard im Traum erschien. Dabei beklagte er sich über die höchst unwürdige Unterbringung. seiner Gebeine. Doch es bedurfte aber noch zwei weiterer Erscheinungen des Markus bis der Bischof endlich für eine angemessene Aufbewahrung der Gebeine sorgte.

Inneres nach Westen; Markusaltar, Klosterkirche Reichenau, Foto Wam

Aber auch später erschien Markus noch einmal einer Gruppe von Ordensbrüdern, die an der Echtheit der Gebeine zweifelten. Nachdem Markus sie vor kommenden Über- fällen warnte, die sich in Gestalt der Ungarneinfälle tatsächlich ereigneten, verstum- mten fortan alle skeptischen Stimmen. Die nun besser aufbewahrten Reliquien wurden dann während des Mittelalters von zahlreichen Herrschern besucht. Erst die Stiftung Königin Elisabeth, Gemahlin König Albrechts I. ermöglichte im Jahr 1303 den Bau des vergoldeten Markusschreines, der heute in der Schatzkammer des Münsters aufbewahrt wird. In Gestalt eines Hauses, das mit einem Walmdach versehen wurde, weist der Schrein auf die ewige Wohnstätte des Markus hin. Dass Markus mit dem Löwen identi- fiziert wurde, hatte er im Wesentlichen dem im 4. Jahrhundert lebenden Kirchenlehrer Hieronymus zu verdanken, der den 4 Evangelisten die vier noch heute gültigen Symbole zuordnete. Diese Ordnung der vier Gestalten gründet auf der babylonischen Himmels-ordnung, die von 4 Planetengöttern bestimmt wurde. In den den biblischen Erzählungen taucht diese Symbolik der Vier nun mit Adler, Löwe, Stier und Mensch auf.in unter- schiedlichen Zusammenhängen auf. Hieronymus ordnete diese Symbolik und wies dabei dem Evangelisten Markus endgültig den Löwen zu. Mit der Tiersymbolik nahmen dann die 4 Evangelisten jenes Bild vorweg, das im 4. Kapitel der Offenbarung des Johannes geschildert wird. Dort ist von vier Wesen die Rede: Löwe, Stier, Mensch und Adler. Sie stehen alle neben dem Thron Gottes. Als Sternbilder am Himmel stehen sie jeweils eine unterschiedliche Jahreszeit, wobei der Mensch durch das Sternbild des Aquarius vertreten ist. Das Münster St.Maria und Markus wird von dieser christlichen Symbolsprache gleich auf 2-fache Weise bestimmt. So war zur Zeit der Erbauung die Baulinie auf den Sonnenaufgang an Mariä Lichtmess ausgerichtet und in entgegen- gesetzter Richtung auf den Sonnenuntergang am Gedenktag des Evangelisten Markus.

Münster St. Maria und Markus, Sonnen-und Löwensymbolik, eigen

Auch die dreischiffige Kreuzbasilka, die unter Abt Haito I.entstand spiegelt das Symbol des Evangelisten wider. Sie wurde im ersten Abschnitt im Jahr 816 geweiht  Abt Erlebad ergänzte die Basilika um ein Langhaus-Joch und fügte das Westwerk hinzu. Doch erst Mitte des 15. Jahrhunderts erhielt die Kirche unter Abt Friedrich von Wartenberg einen Chor und damit ihr endgültiges Erscheinungsbild. Nun blickte der steinerne Löwe des Markus  auch der unt- ergehende Sonne am Makustag entgegen. Fast 1400 Jahre, nachdem ursprünglich nur mündlich weitergegebene Botschaft des Markus im Jahr 330 von dem Kirchenlehrer Athanasius aufgezeichnet und später durch den Bischof Cyril von Alexandria stark erweitert wurde, hatten die Reliquien des Markus einen würdigen Ort gefunden.

Bilder:Wikipedia/Münster St. Maria und Markus von Norden, Foto © Hilarmont (Kempten)CC BY-SA 3.0 de / Inneres nach Westen; Markusaltar, Klosterkirche_Reichenau_20090821_011.jpg: Foto Wam, Wikipedia gemeinfrei    Münster St. Maria und Markus, Sonnen-und Löwensymbolik, eigen, Stellarium sunearttools

The Child of the Darkness Eros — Ancient-Mystery.com

Eros, is the Greek god of love. To which there are also darker elements, and the true context must be understood. In Rome his counterpart was Cupid meaning “desire”. In the earliest account, he is a primordial god, while in later accounts he is described as one of the children of Aphrodite and Ares and,…

The Child of the Darkness Eros — Ancient-Mystery.com

Giant Tales: The Making of the Wrekin

Under the influence!

The Wrekin, Shropshire – Public Domain

The Wrekin 

In Shropshire, England, is a large hill called the Wrekin. It is about 407 metres (1,335 feet) high situated about five miles west of Telford. It is an impressive landmark visible from miles around, including  Cleeve Hill, Gloucestershire, Staffordshire and the Black Country and even Beetham Tower, Manchester, and Winter Hill, Lancashire.  Probably because of its prominence a number of myths, legends and folklore traditions are associated with it.  Here we look at two different folktales that tell how it was by giants and there are several versions some may differ in detail.  The first concerns a Welsh giant who sought revenge against the people of the town of Shrewsbury.  The second tells how the hill and nearby River Severn were created by two exiled giants working to build themselves a new home.  

 Gwendol Wrekin ap Shenkin ap Mynyddmawr 

Long ago…

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CHRIST the SUN — MARY the MOON

Come Down O Love Divine

Immaculate Conception DC Christ

In traditional Mariology there is what might be called a binary unity- in-communion between Christ and Mary in the analogy of Sun and Moon. It is at least as old as the Adam – Christ, Eve – Mary binary analogy, but is based in apocalyptic eschatology and the centrality of Johannine theology and Christology. It begins with the famous Marian text, Rev. 12: 1-2:

Bougereau Regina-Angelorum-large

And a great portent appeared in heaven, a woman clothed with the sun, with the moon under her feet, and on her head a crown of twelve stars; and she was with child and she cried out in her pangs of birth, in anguish for delivery. (RSV: Catholic Edition)

This text from the Johannine apocalypse is paired with the even more familiar Prologue to the Gospel of John, Jn. 1: 1-18;

In the beginning was the Word, and the Word was with God, and the Word…

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Vinland — Logarithmic History

1003 – 1058 Toward the year 1000, the Scandinavians, under Leif Eriksson, reached the coast of America. No one bothered them, but one morning (as Erik the Red’s Saga tells it) many men disembarked from canoes made of leather and stared at them in a kind of stupor. “They were dark and very ill-looking, and the hair […]

Vinland — Logarithmic History

A History of Hoax Relics in Christianity – Charles Freeman

The Bonds of Brotherhood (Ribaat ul-Ukhuwa)

Free Inquiry.

The Shroud of Turin and the Image of Edessa: A Misguided Journey

by Charles Freeman
2012 May 24

Introduction

When I was researching my book on medieval relics, Holy Bones, Holy Dust, How Relics Shaped the History of the Medieval World, Yale University Press, 2011, I decided to leave out the Shroud of Turin. Relic cults come and go and the Turin Shroud is very much a cult of the past fifty years, not a medieval one. The debates over its authenticity have been acrimonious and inconclusive. However, having been sent a copy of Thomas de Wesselow’s The Sign, the Shroud of Turin and the Secret of the Resurrection, Viking, 2012, I had strong reservations about much of the historical evidence presented to provide an narrative history of the Shroud before 1350. Despite many years of research de Wesselow uncritically accepts much of the work of the…

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