Limeseum und Römerpark Ruffenhofen (Teil 1) — Archäologie verstehen

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Im Hinterland des obergermanisch-rätischen Limes, der seit 2005 zum UNESCO-Welterbe „Grenzen des Römischen Reiches“ gehört, entstanden ab ca. 100 n. Chr. Kastelle, deren Besatzung die Grenze schützen sollte. Eines dieser Lager entstand gut 2 km vom Limes entfernt beim heutigen Ort Ruffenhofen im Kreis Ansbach. Das römische Kastell von Ruffenhofen lag zwischen den Kastellen Aalen […]

über Limeseum und Römerpark Ruffenhofen (Teil 1) — Archäologie verstehen

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Acropolis of Athens: Architecture, part II — Delving into History ® _ Periklis Deligiannis

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Modern reconstruction of the Hellenistic loggia (peristyle) of Eumenes at Acropolis‘ south incline.

über Acropolis of Athens: Architecture, part II — Delving into History ® _ Periklis Deligiannis

Von Mars zu Josef – das Kastell Rainau-Buch

Kastell, Ansicht des Südtores mit den aktuellen Schautafeln (2009),Foto Haselburg-müller

in manchen Gegenden wird am 19. März noch der Josefstag gefeiert. In bayern trägt er den Namen Josefitag, doch in der Schweiz wird er Tag auch Seppltag genannt. An diesem Tag, der zugleich auch ein Lostag im Bauernkalender ist, wird dem heiligen Josef, dem Bräutigam er Gottesmutter gedacht. Einige Sprüche des Bauernkalenders wie, `Ein schön- er Josefstag ein gutes Jahr verheißen mag´, oder auch, `Wenn’s erst einmal Josefi ist, so endet auch der Winter gewiss´, erinnern noch an den Zeitpunkt der antiken Früh- lingsfeste während des Äquinoktiums im März. Josef war von Beruf Zimmermann und stammte aus dem zu dieser Zeit unbedeutenden Ort Nazareth. Im Neuen Testament wird Josef nur wenige Male erwähnt und dort auch der Ziehvater Jesu genannt. Er stammte aus dem Geschlecht Davids, aus dem gemäß den Prophezeiungen auch der Messias hervorgehen sollte. Seine Attribute sind der Wanderstab, der auch als Vorform des blühenden Stockes gedeutet werden kann, sowie das Richtmaß. Im Stock, wie auch im Name, der mit `er fügt hinzu´ übersetzt wird, zeigt sich das alte Bild aufkeimender Fruchtbarkeit. Auf diesen Aspekt weist auch der Name Nazareth hin, der grüner Zweig bedeutet. Er entstand hier im übertragenen Sinn in Gestalt des Messias, als der Engel Gabriel Maria aufsuchte und ihr die kommende Empfängnis ankündigte. Ähnlich wie Mars, so entwickelte sich auch Maria bereits während des 8. Jhd`s. In Spanien zur Schlacht-engöttin, eine Rolle die sie bis ins 18.Jhd. Ausfüllte. Doch im römischen Reich wurde am 19. März noch einer der wichtigsten Gottheiten gedacht, dem Mars.

Der hl. Josef mit Jesus, bulgarische Ikone (um 1850), Foto Unbekannt

Ähnlich wie Maria, so klang auch der Name des Kriegsgottes Mars noch in der Sprache der Etrusker, die ihn Maris nannten. Legionäre riefen ihn später auch unter dem ebenso noch aus etruskischer Zeit stammenden Namen Mamaras, oder auch als Marspiter an. In Gestalt des Heilgottes Lenus-Mars wurde er zu einer beliebten Gottheit nördlich der Alpen. So folgt auch die Ausrichtung des Kstells in Buchen-Rainau dem Datum der Marsfeier Quinquatrus / Quinquatria (maiores), zu Ehren von Mars. Sie bildete auch den Auftakt der jährlichen Kriegszüge. Mit der geringen Abweichung aus der Ost-Westrichtung ist die Achse auf den Sonnenaufgangspunkt am 19. März und gleichzeitig auf den Sonnenunter- gang am 23. März ausgerichtet worden.

Ausrichtung des Kastells Rainau-Buch

Eine Spur zur dortigen Verehrung des Mars fand sich in einem der Brunnen, die zur Lag- er- siedlung des Kastells gehörten. In dem Brunnen Nr.7 wurde eine knapp 10cm große Statue aus provinzialer Herstellung gefunden. Sie zeigt Mars auf einem 2,6 cm Zentimeter hohen Podest in der Uniform eines Offiziers und mit voller Bewaffnung. Wie auch bei anderen Kastellen üblich, so gab es auch hier ein Bad, das außerhalb der be- stehenden Militäranlage lag. Der Aufenthalt im Bad war für Soldaten genau geregelt und ein wichtiger Teil der Freizeitgestaltung nach dem sonst harten Militärtraining während der kriegsfreien Zeit. Es diente der Körperreinigung, der Pflege, wie auch medizinischen Diensten und trug so zur Verbesserung des Gesundheitszustandes bei. Der konnte hier bei entsprechender Anwendung der Bäder zur Vollendung gebracht werden. An das Bild dieser Vollendung ver- weist auch die Ausrichtung des Kastellbades mit einem Azimut von 165°. Er weist auf die Letztsicht des Altair am Geburtstag der Venus hin und sein Zahlenwert lässt sich ebenso als Produkt aus 3×55 darstellen. Dabei stellt die 55 die Summe der Zahlen 1-10, also der Punkte des Tetraktysdreieckes dar. Symbolisch steht die 10 als Zählgrenze auch für An- fang und Ende und somit stellt die 10 auch ein Bild der Vollkommenheit dar, wie es der Badende im Kastellbad ja auch erreichen sollte.

Marsstatue, publikationen.uni-tuebingen, Tafel 18 Ausschnitt

In Rainau-Buch zeigt sich ebenso, die bei römischen Anlagen häufig zu beobachtende Abweichung vom rechten Winkel. Auch hier weicht die nach Süd-Südost weisende Kastellseite mit einem geringen, aber dennoch auffälligen Wert von ihm ab, als dass dies durch Messfehler bei der Erbauung erklärt werden könnte. Eine mögliche Erklärung dazu bietet das in der Mitte der Ludi Romani, am 15. September stattfindende Fest der Göttin Feronia. Sie vermutlich aus sabinischer Tradition stammende Feronia war Göttin der Wälder, der Heilquellen und der Heilkräuter. In dieser Funktion wurde Feronia auch Teil des römischen Staatskultes. Einer besonderen Beliebtheit erfreute sie sich bei Freigelassenen und Sklaven. Das Kastell offenbart neben seinen geometrischen Bezügen aber noch eine weitere Eigenart die bereits beim Kastell in Halheim zur Sprache kam, Auch hier liegt der Standort strategisch günstig, doch seine Sonnenbezüge offenbaren, dass der Ort wohl schon vor der Landnahme der Römer von Bedeutung war. Auf diesen Aspekt weisen drei die Sonnenaufgangspunkte die südlich des Kastells anvisiert werden können: Der Son. nenaufgang zur Wintersonnenwende über der Kapfenburg, der am 1. Februar über der Germhalde und der am Äquinoktium über dem Hornberg. Auf allen drei Bergen wurden später Burgen erbaut, von denen nur die Kapfenburg überdauert hat. Dies könnte also auch ein Hinweis sein, dass die Römer, wie später die christlichen Missionare, ihre An- lagen auf angestammte Kultorte errichteten, um so Religion und Gesellschaft am besten beherrschen zu können.

Sonnenbezüge in Rainau Buch

Bilder:Wikipedia / Ansicht des Südtores mit den aktuellen Schautafeln (2009), Haselburg-müller / Der hl. Josef mit Jesus, bulgarische Ikone (um 1850), Foto Unbekannt – Varna Archaeological Museum, Marsstatue, publikationen.uni-tuebingen.de Tafel 18 Ausschnitt, Simulation, Stellarium, Sunearthtools, opentopomap

Dalkingen und die Ordnung der Zahl

Das Limestor wurde in sechs Ausbauphasen errichtet (1995).. Foto Mediatus (H.J.

Um römische Bauwerke besser verstehen zu können, lohnt sich ein Besuch der Website von Armin Rieble. Dort präsentiert der Gymnasiallehrer aus Stephanskirchen seine Er- kenntnisse, nachdem er in den 80-er Jahren auf das berühmte Satorquadrad gestoßen war. Der mathematische Schriftsteller und Rätselspezialist Dr. Aloys Christof Wilsmann vermutete einst hinter dem fünfzeiligen Palindrom, das waagerecht wie senkrecht die gleiche Wortstruktur darstellt, ein mathematisches Rätsel. Aufbauend auf dessen Erken- ntnis erforschte Rieble die mathematisch-sprachliche Struktur des Hexagramms, des Tetraktyssternes und dessen Bedeutung für die römische Geisteswelt. Doch Ursprung dieses komplexen Systems mathematisch-symbolischer Bedeutungen liegt in in den Erkenntnissen des griechischen Mathematikers und Philosophen Pythagoras. Er hatte einst erkannt, dass in den zahlen 1-4 das gesamte Zahlsystem enthalten ist. So nannte er die Schichtung der Zahlen 3, 2 und 1 zu einer Pyramide nannte er Tetraktys. Die Vierer- gruppe. Innerhalb der Schule des Pythagoras bildete sich dann die Lehre von der symbol- ischen Bedeutung der Zahlen heraus, die später von den Römern im Rahmen des Vesta- kultes übernommen wurde.

Tetraktys

Tetraktys als gleichseitiges Dreieck, geometrische Darstellung der 4.Dreieckszahl., Grafik:Jossifresco

Der römischen Gründungslegende zufolge, wurde der Kult vom sabinischen König Numa Pompilius eingeführt. Es war der Kult des heiligen Herdfeuers, das von Aenaes aus Troja nach Italien gebracht worden war. Römische Konsuln und Diktatoren opferten ihm, doch das heilige Feuer wurde auch in den neu gegründeten Kolonien entzündet. Ovid schrieb einst, dass der Numa ein Schüler des Pythagoras gewesen sei, doch beide Biografien trennt mehr als 2 Jahrhunderte. Dennoch bietet der Erwähnung der außerordentlichen mathematischen Kenntnisse des Königs einen Hinweis auf die Bedeutung von Zahlens-ymboliken. Sie zeigten sich auch in seinem neuen Kalender, wo Numa der gängigen Zählung von 10 Monaten zwei weitere hinzugefügt haben soll. Deshalb wurde Numa von römischen Schriftstellern zu einer besonderen Person von kulturhistorischer Bedeutung verklärt. Cicero rühmte in seiner Schrift `De re publica´ seine besondere zivilisatorische Leistung, in dem er dessen Verdienst hervorhob, das einst rohe und wilde Gemüt des Volkes zur Menschlichkeit und Sanftmut zurückgebracht zu haben.

Ansicht von Südosten (2009), Foto Haselburg-müller

So soll Numa den Römern beigebracht haben, Beute zu machen, auch ohne große Ver- wüstungen anzurichten. Seinem Volk habe er in den 39 Jahren einer Regierungszeit höchsten Frieden und Ruhe geschenkt. Auch hier scheint die symbolische Bedeutung durch, den die Zahl 39 hat die Quersumme 12 und die verweist damit auf den Tierkreis, wie auch auf den Vollkreis. Aber sie verweist ebenso auf das Hexagon, das sich in drei sich gegenüberstehende Dreiecke mit je 13 Elementen aufteilen lässt. Das Anangramm VESTA VETAS heißt VESTA, du verbietest. Durch das nicht aussprechen wurde das göttliche Mysterium geschützt, dessen geistiges Wesen sich in Zahlenbedeutungen äuß- erte. Unaussprechbares führte so zu rationalem Denken und Handeln.. Dies bedeutete die Freiheit in der Erforschung der Zahlen als Ausdruck göttlicher Weisheit und gleichzeitig aber eine Gefangenschaft in diesem Kosmos selbst konstruierter Bedeut-ungen. Innerhalb dieses System wurde Roma zur sakralen Idee stilisiert, deren numer- ische Bedeutung mit der göttlichen Macht verbunden war. Im Christentum stieß diese Idee naturgemäß auf Ablehnung. Dennoch konnte sich die neue Glaubenslehre nicht von der pythagoreischen Lehre freimachen und so wurden auch die biblischen Texte nach der gleichen Zahlenlogik geschaffen, mit der die römischen Dichter Vergil oder Horaz die römische Götterleg- enden niedergeschrieben hatten.

Ausrichtung des Limestores in Dalkingen

Sie führen zurück zum Tor in Dalkingen, das mit einem Azimut von 29° nach Nordosten gerichtet ist. Damit vereint die Ausrichtung Zahlen- aber auch astronomische Symbolik. Innerhalb des Tetraktyssystem lässt sich die 29 als Durchmesser eines Kreises darstellen in dem jeweils von der Mitte aus die Zahlen 1 bis 5 angetragen werden. Dabei bilden dann die Zahlenpunkte die Summe 17 und die Strecken die 12. Beide zahlen verweisen damit als Bild auf den alles beherrschenden Horizont des römischen Imperium das beim Durchschreiten des Tores erreicht wurde. Der Blick zum Himmel weist hier auf ein Bild das bereits Gegenstand eines Artikels war, die aus Kleinasien adaptierte Göttin Kybele, die als Magna Mater Teil des religiösen Staatskultes Roms wurde. Auf sie verweist am frühen Morgen des letzten Tages der Magna Mater Feiern Capella, die Verstirnung der göttlichen Ziege. Sie nährte Zeus/ Jupiter bei seiner Flucht vor seinem Vater. Genau im Winkel vom 90° dazu ist am 24. Januar der Sonnenaufgang an Sementivae, dem vom 6. römischen König gestifteten Gaufest zu Ehren von Ceres und Tellus zu sehen. Dass neueste Forschungen hier gar eine Tempelanlage vermuten, ist aus dieser Sicht also gar nicht so abwegig.

Darstellung der Zahl 29 , aus http://www.decemsys.de

Bilder.Wikipedia / Das Limestor wurde in sechs Ausbauphasen errichtet (1995).. Foto Mediatus (H.J. / Tetraktys als gleichseitiges Dreieck – geometrische Repräsentation der vierten Dreieckszahl., User:Jossifresco – Hemenway, Priya – Divine Proportion pp.63, Sterling Publishing, ISBN 1-4027-3522-7 / Ansicht von Südosten (2009), Foto Haselburg-müller / Simulation, Google Earth, Stellarium, Sunearthtools