ROMA ARCHEOLOGIA e RESTAURO ARCHITETTURA: The Imperial Fora – Rome: A Virtual Tour of the Ancient City. Dr Matthew Nicholls, the University of Reading, U.K. (2018-19). [Foto: Original = 1170 x 5363]. — Rome – The Imperial Fora: Archaeological News & Related Studies 2010-19

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ROMA ARCHEOLOGIA e RESTAURO ARCHITETTURA: The Imperial Fora – Rome: A Virtual Tour of the Ancient City. Dr Matthew Nicholls, the University of Reading, U.K. (2018-19). [Foto: Original = 1170 x 5363]. ROME – Rome: A Virtual Tour of the Ancient City. Explore the architecture and history of Rome, walking around a 3D digital model […]

über ROMA ARCHEOLOGIA e RESTAURO ARCHITETTURA: The Imperial Fora – Rome: A Virtual Tour of the Ancient City. Dr Matthew Nicholls, the University of Reading, U.K. (2018-19). [Foto: Original = 1170 x 5363]. — Rome – The Imperial Fora: Archaeological News & Related Studies 2010-19

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Nemrut Dagi und das Bild des Löwen

Nemrut Dağı von Norden, Foto saipal

Im Südosten der Türkei erhebt sich der Gipfel des 2150 m hohen Berges Nemrut Dag. Hier ließ König Antiochos I. Theos in der Mitte des 1. Jhd`s v. Chr. ein Bauwerk erricht- en, das eine Mischung aus einem Bergheiligtum und einer monumentalen Grabstätte darstellt. Dieses Hierothesium sollte zum Zentrum einer neuen Religion werden, das die pers- ische, wie auch die griechische Mythologie in sich vereint. Damit wollte Antiochos auch ein Zeichen setzen, für einen neuen Vertrag mit den Göttern. Das Zentrum dieses Landschaftsbauwerkes bildet der mit Geröll aufgeschüttete Hügel, der eine Höhe von 50m und einen fast dreifach so großen Durchmesser aufweist. Ihm Vorgelagert sind in östlicher und westlicher Richtung jeweils eine Terrasse, die kultischen Zwecken diente. Unter ihnen ist die Westterrasse die bedeutendere, denn dort stehen die steinernen, aus 7 Schichten zusammengesetzten Monumentalfiguren. Sie sind in einer Reihe und in sitzender Position angeordnet, wobei Antiochos den linken Platz einnimmt, gefolgt von Kommagene, dem personfzierten Königreich, Zeus-Oromasdes, Apollon-Mithras, Helios-Hermes und Herakles-Artagnes-Ares. Beidseitig werden sie von einem überlebens-großen Adler und einem Löwen flankiert. Die Zahl 7 die sich in en Figuren spiegelt war ebenso eine heilige Zahl des Mithraskultes, denn sie bestimmte die Stufen der Ein- weisung in das Geheimnis der Weisheit. Im römischen Cultus begann sie in der ersten Stufe mit dem Corax, dem Raben und endete mit der siebten, dem Pater, der eine Ver- bindung zum Schöpfergeist aufgenommen hat.

Die Throne der Ostterrasse, Klaus-Peter Simon

Prägende Richtung, der von Antiochos I. vertretenen Religionsphilosophie war eine hel- lenisierte Form des Zoroastrismus. Diese Glaubensvorstellung entstand vermutlich zwischen dem 7. und 4. Jhd. im östlichen iranischen Hochland. Ihr Stifter war Zara- thustra, über dessen Leben aber kaum etwas bekannt ist. Laut einer Legende soll er im Jahr 660.v. Chr., begleitet von zahlreichen Wundern, von einer 15 Jahre alten Jungfrau geboren worden sein. Nach seiner Jugend lebte er als Eremit, bis ihm im Alter von 30 Jahren in einer Vision ein Engel erschien. Der teilte ihm mit, dass es nur einen wahren Gott gäbe, Ahura Mazda, und er fortan sein Prophet sein würde. Ahura Mazda be- deutet übersetzt, `der weise Herr´, oder auch der `Herr der Weisheit´. Sein Bild ent- spricht in den indischen Veden dem Himmelsgott Varuna, der im antiken Griechenland dann unter dem Namen n Oromasdes bekannt wurde. Der weise Herr wurde als der aus dem reinsten Licht entstandene Urheber der guten Dinge und als Schöpfer der Welt gesehen. Doch zwischen ihm und dessen ständigem Widersacher Anromainyus, den späteren Ahriman hatte dann der Mensch sich zu entscheiden.

Zarathustra, Geburt bis Erleuchtung, Foto Ariapars

Eines der Bilder, die den astronomischen Bezug des Hierothesiums sofort offenbaren, ist das Löwenrelief mit den 19 auf dem Bild verteilten Sternsymbolen. Es gilt als das Löwenhoroskop des Antiochos. Auf Grund der Konstellation von Planeten, dem Mond und den Fixsternen sollte es seiner Herrschaft eine gute Prognose ausstellen. In griechischer Schrift wurde er hier auch als `der Scheinende des Zeus, der Glänzende des Apollon und der Feurige des Herakles´ bezeichnet. Dennoch ist auf dem Relief kein Hinweis über die Zuordnung der Planeten zu entdecken. Drei 16-strahlige Sterne unterscheiden sich von den anderen Sternen und werden als Planetenkonstellation gedeutet, wobei aber keine richtige Deutung möglich ist. Nur der sichelförmige Mond unter dem Kopf des Löwen unterscheidet sich von den Sternmotiven. Diese Komposition weist aber bereits auf die 4 Jahrhunderte später, vom Astrologen Antigonos von Nikaia perfektionierte Lehre der Fixsternvorhersage hin. Sie geht zurück auf das Ptolemäische Erbe und die astronomisch-astrologoschen Forschungen in Babylon. Aus dieser Zeit sind auch erstmals Überlegungen überliefert, die das Schicksal des Menschen mit den Konstellationen des Mondes und den Fixsternen in Verbindung bringen. Wie über die dargestellten Planeten Uneinigkeit herrscht, so ist dies auch beim Motiv des Löwen.

Sonnensymbolik und Löwenmotiv

Doch ein Blick auf den Himmel am Morgen des vermuteten Geburtstages von Antiochos verweist auf den Hintergrund dieser Sonnensymbolik des Löwen. An diesem Tag stieg er einst mit der Sonnenscheibe auf einer Pranke in den Himmel, während Jupiter und Venus der Sonne vorausgingen. Noch besser zur beschriebenen Konstellation passt aber das zweite vermutete Datum am 17. Juli 98 v, Chr, denn dann liegen Venus, Jupiter und Merkur vor der Sonne, die nun am Kopf des Löwen steht und ihn erhellt. Wie die Sonne hier mit dem Bild des Löwen verknüpft ist, so bestimmte sie auch die Ausrichtung des Hierothesium. Mit einem Azimut von 67° ist die Anlage auf den Sonnenaufgang am 2.August ausgerichtet. Dies wäre der 6, Feiertag eine 8-teiligen Kalenders mit Sonnenfesten und zugleich spiegelt sich hier das Klima ab, das in diesem Zeitraum sein Maximum erreicht.

Ausrichtung des Hierothesiums

In gleicher Richtung lag am östlichen Rand der Anlage die abgestufte Plattform eines Feueraltars, der in Blickrichtung der Monumentalstatuen angeordnet ist. Blickte man von hieraus während des Herbstäquinoktiums, dem Beginn der regnerischen Zeit zum Grabhügel, so fand hinter dieser Kulisse jenes Schauspiel statt, dass bereits die Babylonier faszinierte. Zu diesem Zeitpunkt stand Orion mit der Geste des Siegers über dem Stier und scheint ihn zu töten. Aus dieser Sicht ist auch der Name Nimrut verständlich, der aus einer Sage entstand, die es in der nahen Stadt Urfa gibt. In ihr wird geschildert, wie Nimrod, der mythische Jäger und Städtegründer aus Sumer, auf dem Berg die Köpfe seiner Feine versteinern ließ.

Nimrod,(Orion), Nimrut Dagi, im 1. Jhd. v.Chr, von der östlichen Terrasse gesehen

 

Bilder:Wikipedia / Nemrut Dağı von Norden, saipal-https://www.flickr.com/photos/saipal /154381524/ CC BY 2.0 / Die Throne der Ostterrasse /Klaus-Peter Simon / Zarathustra, Geburt bis Erleuchtung, Foto Ariapars / Die Throne der Ostterrasse, Klaus-Peter Simon /Nemrut Dağı von Norden, Foto saipal /imulation,opentopomap,, / Sgooglemap, sunearth-tools, stellaium,

Isis-Noreia

Keltische Stämme in Noricum um Christi Geburt. Foto Ziegelbrenner

Die erste Erwähnung eines Ortes im Norden der mit der Göttin Noreia in Verbindung gebracht werden kann, stammt von dem griechischen Geographen und Geschichts-schreiber Hekataios von Milet. Im 5 Jhd. v. Chr. unternahm er umfangreiche Forsch-ungsreisen durch Europa, Afrika und den Vorderen Orient. Deshalb ist anzunehmen, dass er die Stadt Nyrax im keltischen Land auch selbst besucht hat. Doch sie ist längst verschwunden und nur die Bezeichnung Noricum, eines Reiches das sich zwischen Slowenien und Österreich erstreckte, hat die Geschichte überdauert. Ebenso die in zahlreichen Inschriften erwähnte Göttin Isis-Noreia.

Magdalensberg Wutschein 9 Sitzstatue ISIS NOREIA , Foto Johann Jaritz

Ob diese Hinzufügung des Namens, oder aber die Gleichsetzung mit der ägyptischen Göttin Isis erst in römischer Zeit geschah, oder schon früher ist nicht geklärt. Eine auffallende Namensähnlichkeit besteht mit dem keltischen Stamm der Noriker, von denen einige Könige auf Grund von Verträgen mit den Römern bekannt sind. Das wichtigste Wirtschaftsgut der Noriker war das Ferrum Noricum, das in der Antike berühmte norische Eisen. Über dieses Metall schrieb einst Ovid: `Hart wie Eisen und Stahl, in der norischen Esse geschmolzen´. Die Kenntnis der norischen Waffen-schmiede zahlte sich aus, denn fast die gesamte Produktion wurde nach Rom verkauft, wo die Waffen maßgeblich zum Sieg römischer Legionen beitrugen.

Sankt Peter am Bichl Ulrichsberg, Weihestein ISIS NOREIA ;Foto Johann Jaritz

Deshalb genossen die Noriker auch Freiheiten, die anderen Völkern des römischen Imperiums nicht zugestanden wurden. Doch trotz der Verarbeitung von Inschriften auf zahlreichen Weihesteinen, ist außer dem Heiligtum von Hohenstein im Glantal keine weitere Kultstätte der Noreia belegt. Auch das auf dem Frauenberg vermutete Heiligtum war nach Ansicht des Leiters des gleichnamigen Museums aber der ägyptisch Göttin Isis geweiht. Wie Noreia, sind noch zahlreiche weitere Muttergöttinnen aus dem kelt- ischen Raum bekannt , deren Verehrung meist nach der Christianisierung in veränderter Form fortgeführt wurde. Sie hatten meist nur eine lokale Bedeutung und wurden als Fruchtbarkeits-, oder Heilgöttinnen verehrt. Die Göttin Noreia, die auch als Schutzgöttin des Königreiches Noricum angesehen wird, sieht P. Gleirscher, ein Experte der Frühge-schichte, innerhalb des Bildes von Muttergöttinnen der Eisenzeit, dessen Ursprünge im Orient liegen.Mehrere Weiheinschriften deuten daraufhin, dass Noreia aber auch als Schutzgöttin und Spenderin des Bergsegens und des norischen Metallreichtums verehrt wurde. Nicht eindeutig geklärt erscheint es, wann das Bild Noreias mit der ägyptischen Isis gleichgesetzt wurde, oder ob es bereist von Anfang an der Isis entsprach. Da Isis in den Darstellungen oftmals ihren Sohn Horus stillt während sie ihn auf ihrem Schoß trägt, wurde sie einem Urbild der Muttergottheit.Ihr gleichen auch die ab dem 11. Jhd. Aufkommenden Mariendarstellungen.

Isis mit Horus, 680 bis 640 v. Chr. – Walters Art Museum

Im Römischen Reich waren der Isis zwei große Festtage gewidmet: Navigium Isidis am am 5. März, an dem der Ausfahrt der Isis zur Suche ihres getöteten Gatten gedacht wurde.Dieses Datum war zugleich der jährliche Beginn der Seeschifffahrt. Der zweite Feiertag wurde am 3. November begangen, mit der Inventio Osiridis, der Auffindung des Osiris. Auf Grund der Ausrichtung lässt sich das Heiligtum in Hohenstein aber mit keinem Sonnenaufgangspunkt an einem dieser Tage in Verbindung bringen. Doch am Morgen des 29. August, an dem später im Christentum bezeichnenderweise der Enthauptung des Johannes gedacht wurde, war in der Achse des Heiligtums der Stern Sirius zum letzten Mal zu sehen. Damit fand das Ereignis 46 Tage nach der Sommer-sonnenwende statt, einem Zeitpunkt, an dem auch die sommerlichen Temperaturen in dieser Region rasch wieder sinken. Auch diese Zahl kann mit ihrer Quersumme 10 als Symbol verstanden werden, denn die 1 ist der Mittelpunkt eines Kreises, der in der ägyptischen Mythologie die Sonne darstellte. Sie stand für Fruchtbarkeit, Vitalität und auch für Reichtum.

Schloss Hohenstein, FotoJohann Jaritz

Ausrichtung des Isis-Noreia Heiligtums in Hohenstein

Die Göttin Isis ging einst aus der früheren Sothis hervor, die sich im Stern Sirius verkörperte, Dessen heiialklischer Aufgang verkündete im alten Ägypten dann das Eintreffen des Nilhochwassers. Sothis / Sirius war die Göttin des alten Ägyptens, die dort für die Fruch-tbarkeit, aber auch den Tod stand. Beide Begriffe waren seit jeher eng miteinander verknüpft und so spielte Sothis auch für die Toten eine wichtige Rolle. Neben Orion und dem Morgenstern Venus galt sie als auch Helferin der Toten. Ab der 5. Dynastie, also um 2500 v. Chr, ging Sothis in Isis auf und parallel dazu entstand auch der Isis-Osiris Mythos. In den ägyptischen Texten wird Sirius die Seele der Isis genannt. `Isis ist als Sothis im Himmel´. Dargestellt wurde Sothis aber in einer Frauengestalt mit einem Stern auf dem Kopf. Diese Ausrichtung auf die letzte Sicht des Sirius am 29. August knüpfte dann auch direkt an die ägyptische Tradition an, denn um 30 v. Chr. wurde der 1.Thot, der Neujahrs-tag, an dem das Eintreffen des Nilhochwassers gefeiert wurde, ebenfalls zwischen dem 26. und 29. August gefeiert. Wohl deshalb erhielt Isois-Noreia einst auch den Beinamen August. Diese Fortführung der ägyotisch-römischen Tradition führt zum Ursprung des namens. So bedeutet das lateinische Verb nare schwimmen. Und dessen Konjugation nor, `ich werde geschwommen´. War also Isis-Noreia am Ende also `die über das Meer herbeigeschwommene Göttin´, deren ursprünglicher Mythos, passend zum regionalen Klima, weiter kultisch verehrt wurde?.

Bilder: Wikipedia/ Keltische Stämme in Noricum um Christi Geburt. Foto Ziegelbrenner – Eigenes Werk /Source of Information: Sabine Rieckhoff: Geschichte der Chronologie der späten Eisenzeit in Mitteleuropa , CC BY-SA 3.0 / Klagenfurt Woelfnitz Sankt Peter am Bichl Ulrichsberg Kirchenruine Weihestein ISIS NOREIA ;Foto Johann Jaritz / Magdalensberg Wutschein 9 Sitzstatue ISIS NOREIA , Foto Johann Jaritz / Egyptian – Isis with Horus the Child 680 bis 640 v. Chr. – Walters Art Museum / Schloss Hohenstein, FotoJohann Jaritz/ Simulation Stellarium

Artemis in Ephesos

Artemisstatue aus Ephesos im Museum von Selçuk,125-175 AD, Foto Carole Raddato

In der griechischen Göttermythologie sind die Göttin Artemis und ihr Zwillingsbruder Apollon Kinder der Titanin Letho und des Göttervaters Zeus. Als von der Schwanger-schaft der Titanin erfuhr, versuchte Hera die Niederkunft der Titanin zu verhindern, weil ihr prophezeit wurde, dass die beiden mächtiger sein würden als sie. Doch ihr Vorhaben misslang, denn den Göttern gelang es, die Geburtsgöttin Eileithyia mit einem Halsband zu bestechen, das Hephaistos aus dem Mond geschmiedet hatte. Obwohl Artemis und ihr Zwillingsbruder Apollon in den Erzählungen immer wieder als Paar auftreten, wurde sie dennoch als einzelne Göttin an drei wichtigen Kultorten auf unterschiedliche Weise verehrt. Als Artemis Bauronia in der böotischen Hafenstadt Aulis, als Artemis Orthi in Sparta und als Artemis/Diana ephesia im kleinasiatischen Ephesos. Von der dort auch die römische Kopie der bekannten Statue erhalten, die gerne als vielbrüstige Artemis bezeichnet wird.

Artemis bricht mit den Nymphen zur Jagd auf, Peter P. Rubens, um 1615, F. clevelandart

Allen zu eigen ist ihre jungfräuliche Erscheinung und ihre Rolle als Göttin der Jagd, wie als Schützerin der Geburt. Diese Rolle hatte wohl bereits frühchristliche Autoren im 4. Jhd. dazu verleitet, Artemis als die `Vielbrüstige´ zu bezeichnen. Dieser Beiname wurde dann kritiklos von anderen Autoren übernommen und prägte damit das Bild der Artemis. Anatomische Fehler dieser Deutung, wie die fehlenden Brustwarzen, störten dabei niemand. Dabei sind für die sackförmigen Verzierungen ihres Gewandes ebenso Stier- hoden denkbar, denn ihre Form bietet eine viel bessere formale Übereinstimmung und ergänzen zudem auch den mit symbolhaften Tierdarstellungen übersäten Gewand-schmuck. Sie schaffen aber auch eine Verbindung zu den zahlreichen, in Ephesos vor- handen Stiermotiven, die auf einen dort praktizierten Stierkult hinweisen. Das Stieropfer, die Tauroktonie ist auch das Hauptmotiv des in Persien entstandenen Mithraskultes, das zur Erneuerung der Welt dargebracht wurde: Bei diesem Ritual sollte sich aus dem Blut und dem Samen des Stieres die Welt erneuern.

Stierhoden nach der Schlachtung

Ebenso hätte dieser Bildschmuck am Gewand der Artemis die kultische Bedeutung der Hodensäcle unterstrichen, die bei den Stieropfern als Opfergabe am Kultbild gehängt wurden. Die gefälligen, die Fantasie anregenden Säcke lassen aber noch eine andere Deutung zu: Käselaibe. So schrieb der spartanische Lyrikerr Alkman im 7. Jhd. v. Chr. über ein Fest der Götter auf den Bergen, bei dem ihnen Artemis in einem großen Eimer Käse aus Löwenmilch zu Bewirtung herstellt. Diese Götterbewirtung bildete dann den Hintergrund des jährlichen Wettbewerbs, dem Käsediebstahl aus dem Heiligtum der Artemis. Auf den ersten Blick erscheint die Käseherstellung aus der kostbaren Milch wilder anatolischer Löwen durchaus dem Bild eines Göttermahles zu entsprechen, doch diese Löwenmilch hat ganz irdische Hintergründe. Sie gilt auch heute noch als `aslan sütü´, die Löwenmilch, als türkisches Nationalgetränk. Ein aus Weintrauben gebrannter und mit Anis veredelter Schnaps hat einen Alkohol- gehalt von rund 40%. Der verwandte Absinth, aus dem bezeichnenderweise Artemisia absinthium genannten Wermutkraut gilt heute wieder als die kulinarische Verfeinerung von einigen schweizer und französischen Käsearten. Auf der Absinthstraße gelangt man natürlich auch in die heimliche Hauptstadt des Getränks, nach Pontarlier im französischen Jura. Dort liegt unmittelbar am Marktplatz das Käsegeschäft Marcel Petite und dort erhält man die unterschiedlichsten Käsearten, alle mit Absinth veredelt wurden. Während er im Käse etwas flüchtig erscheint, entfaltet er in der dort verkauften Wurst sein Aroma umso mehr. Der vollmundige Käse, wie auch das scharfe Getränk hat viele Liebhaber und schon aus diesem Grund kann die Artemis für diesen Einfall als Ernährerin gefeiert werden. Diese Bewirtung wurde auch zum Mittelpunkt eines jährlichen Rituals in Ephesus, bei dem die Kultstatue zum Meer getragen und anschließend mit Salzwasser abgewaschen wurde.

Artemistempel Ephesos, Rekonstruktionszeichung

Für diesen Kult er Göttin Artemis wurde in Ephesos ab der Mitte des 6. Jhd. ein Tempel erbaut der in der Antike auf Grund seiner Dimension zu den 7 Weltwundern zählte, Während einer Bauzeit von 120 Jahren entstand dann ein Bauwerk mit einer Länge von 120 m Länge und 54.5m Breite, das ein Seitenverhältnis von 11 zu 5 aufwies. Der Umgangstempel mit einer Cella und dem halboffenen Vorraum hatte einst 117 Säulen. Diese Zahl lässt sich auch als Produkt aus 3×39 darstellen und verweist mit der 39 auf die Darstellung des Hexagons im Tetraktysmodel. Damit symbolisierte die Zahl auch die sechseckige Bienenwabe, denn Artemis trug auch den Beinnamen, die Bienengöttin. Mit seinem sprichwörtlichen Säulenwald war der Tempel kein Gotteshaus im abendländ- ischen Sinn, wo sich die Gemeinde zu einem Gottesdienst versammelt, sondern er war ein Schrein für die Statue der Gottheit, gleichsam ein Weihegeschenk an sie.

Ausrichtung des Artemis Tempels

Die im Schrein von Ephesus aufgestellte Statue blickte aber nicht, wie die der Athene auf der Akropolis, in die aufgehende Sonne, sondern in den Sonnenuntergang. Am 23. April,  dem späteren römischen Jupiterfest und heutigen Georgstag, stand sie in der Bauachse knapp unter dem Horizont. Von diesem Beginn des einstigen Monats Targelion dauerte das Fest dann 6 Tage, bis zum Geburtstag der Artemis am 6. Targelion. Zumindest ideell bietet der Untergang des Stiers hinter der ihn besiegenden Sonne am Himmel eine Entsprechung für den Stierkult, bei dem das Opfer für die kommende Ernte dargebracht wurde. Am Georgstag lebt in der Orthodoxen Kirche der Brauch des Erntesegens noch weiter, der hier durch den Heiligen erfolgt, Allerdings dann am 6. Mai. Am 6. Targelion stand auch die Sonne über einem vorgelagerten Küstenstreifen noch auf dem Horizont und ihr Licht schien dann auf die Statue.

Bilder: Wikipedia / Artemisstatue aus Ephesos im Museum von Selçuk,125-175 AD, Foto Carole Raddato , CC BY-SA 2.0 / Artemis bricht mit den Nymphen zur Jagd auf (Peter Paul Rubens, um 1615), Peter Paul Rubens – http://www.clevelandart.org/art/1959.190? / Stierhoden nach Schlachtung, Artemistempel Ephesus, Rekonstrukti-onszeichung / tetraktys,https:/www.decemsys.de/system/zahlen-Simulation, sunearth-tools,  opentopomap, stellarium.