Der Archäologische Park von Cambodunum

Modell von Cambodunum

https://youtu.be/ZNI5T_9MNkw

Der Wolf von Lutetia

Das Forum von Lutetia,Modell, Foto Clio20

Die gallo-römosche Stadt Lutetia, war die einstige Keimzelle des heutigen Paris. Auch bei diesem Name zeigt sich, wie rasch der Staub der Geschichte die einstige Bedeutung des Namens verdeckt. In Erklärungen wird Lutetia meist auf auf das keltische Wort Luto zurückgeführt, das Sumpf oder Schlamm bedeutet. Für eine Stadt an der Seine wäre dies also eine passende, wenngleich wenig klangvolle Umschreibung. Der Name könnte auch ein Verweis auf die Lutetia im Jahr 52.v. Chr, sein, denn dort spielten die Sümpf vor de Stadt um eine wichtige Rolle. Sie brachten den Vormarsch der Römer ins Stockenund drohten zu einem ernsthaften Hindernis zu werden..Doch Gaius Lubinius, einer der wichtigsten Befehlshaber beim Feldzug Ceasars gegen die Gallier wusste sich zu helfen. Indem er die Streitmacht aufspaltete, zwang er die Gallier zu einem Mehr- frontenkrieg, was letztendlich zu ihrer Niederlage führte. Eine andere Erklärung für den Name Lutetia bietet die Matriarachtsforscherin Kirstin Armburster, die in einem Text auf die mehrschichtige Bedeutung des Wortes hinwies. So wird das keltische Wort in der bretonischen Sprache mit loudur bezeichnet, was im Englischen auch Marschland bedeutet. Im Gegensatz zur negativen Bedeutung des Sumpfes verweist das Marsch- land auf die fruchtbare Verbindung von Erde und Wasser.

Modell der römischen Stadt Lutetia, Foto Ron4

Auf diesen fruchtbringenden Aspekt der Stadt verweist auch die Ausrichtung der spät- eren römischen Stadt. Die heute zur Isle de Cité führende Hauptverkehrsachse war Teil eines rechtwinkligen Straßensystems der neuen römischen Planstadt. Die senkrecht zu dieser Achse verlaufenden Straßen waren dann auf den Sonnenaufgang am Tag der Lupercalien ausgerichtet und damit war die neue Stadt nun durch den römischen Gründungsmythos geprägt. Ganz anders hingegen ist der Kern der alten keltischen Siedlung Isle de Cité aufgerichtet, dessen Mittellinie auf den Sonnenaufgang am 1.Februar weist, dem keltischen Fest der Göttin Brigid. Mit dem Bau der Kathedrale Notre-Dame de Paris wurde diese Ausrichtung wieder aufgegriffen und damit die keltische Tradition in neuer Form fortgesetzt.

Ausrichtung von Lutetia

Der Kult der Lupecalien, soll noch von Romulus, dem legendären Gründer Roms, selbst gestiftet worden sein. In allen überlieferten Varianten die die hinterründe des Kultes be- schreiben, setzt Lycaon, der König der Arkadier, den Göttern in Gestalt des Zeus/Jupiter Menschenfleisch zum Essen vor und dabei denkt er, dass er sie überlisten kann. Doch Lykaon täuschte sich und für seinen Frevel wird er zur Strafe in einen Wolf verwandelt. In manchen Varianten der Erzählung wird die Götterspeisung aus seinem eigenen Sohn zubereitet, in anderen wiederum ist es der Sohn von Zeus/Jupiter und Kallisto – ein junger Mann mit dem Namen Arcas. Das von den Griechen übernommene Kult war ein beliebtes Frühlingsfest der Antike und zugleich auch das letzte, das als heidnischer Götzenkult verboten wurde. Die schauerliche Erzählung der Wolfsverwandlung verweist auch auf die eigentlichen Hintergründe vieler Epen: die himmelsbeobachtung. Be- trachtete man im 6 Jhd. v. Chr. den Himmel, so könnte der Stern Sirius, den die Kelten den Weißen Wolf nannten, eine Erklärung für die alte Wolfsverwandlung bieten. Vom König Lykaon aus Atkadien führt eine Spur zum Lykaion, einem alten Heiligtum im Gebirge der griechischen Landschaft Arkadien. Dort befinden sich noch heute die Reste einer Kultstätte die Zeus geweiht war.Die Anlage wurde seit dem 3.Jahrtausend v. Chr. Benutzt , doch einem Bericht des griechischen Schriftsteller Pausanias, wurde sie bereits im 2.Jhd.v. Chr. nicht mehr genutzt.

Lycaon in einem Druck von Hendrick Goltzius.1589

In diesem Zeitraum waren auch bereits die zahlreichen Legenden über Lykaon und seine Götterspeise entstanden. Betrachtet man jedoch die Ausrichtung der Kultstätte, so weist die Richtung nach Südwesten auf die Sicht des Sternes Sirius am 4. Apri hin, an dem später in Rom die Feiern zu Ehren der Magna Mater begannen. Das Datum deutet auf eine Verbindung beider Gottheiten, wie sie auch die Erzählung über die Entstehung der Kybele schildert. Laut dieser Erzählung schlief Zeus auf dem Berg Agdos in Phrygien ein und ließ dabei seinen Samen zu Boden fallen. An dieser Stelle wuchs sofort der zwitterhafte Agdistis aus einem Felsen heraus. Er hatte ein furchter- regendes Wesen und wurde deshalb von den übrigen Göttern kastriert und so ver- wandelte Agdistis zur Großen Mutter Kybele. In jener Zeit markierte der `Wolf´ in Gestalt des großen Hundes auch das Datum des 15. Februar. Kurz nach Sonnenuntergang tauchte er an diesem Tag m Südosten auf und stand der Stern Riegel aus dem Sternbild des Orion auf dem Südmerodian, Als `Zeitmarker´könnte dieses Bild dann auch den Grund für die Geschichte der Wolfsverwandlung geliefert haben. Das neue  in Lutetia war nun der Wolfkult  und mit ihm rückte ein Tier in den Mittelpunkt, das sich auch bei den Kelten großer Beliebtheit erfreute. Doch auch die entgegengesetzte Richtung der hauptachse wies auf ein verbindendes Fest beider Kulturen, auf den Tag das beliebten indogermanische Ritual des `Oktobrpferde´ in Gestalt der `equus October´zu Ehren des Mars. Nach all den Kämpfen war die Verbindung dieser Mythologien wohl ein kluger Schachzug der Integration.

Sirius und Orion am Abend der Lupercalien

Bilder: Wikipedia/ Le forum de Lutèce, maquette, Foto Clio20, CC BY-SA 3.0 / Modell der römischen Stadt Lutetia, Foto Ron4 CC BY-SA 3.0 / Lycaon in einem Druck von 1589 Hendrick Goltzius – http://instruct1.cit. cornell.edu/courses/shum404/gallery.htm / simulation, sunearthtools,stellarium

Der Esel von Burdigala

Amphitheater von Burdigala,Auguste Bordes,1840

Eine keltische Stadt der Biturogen bildete die Keimzelle des heutigen Bordeaux. Vor der römischen Landnahme siedelte der Volksstamm siedelte im Gebiete der Loire und war gemäß der Schriften des römischen Geschichtsschreibers Livius um 550 v. Chr. der mächtigste gallische Stamm. Übersetzt bedeutet der keltische Name Weltenlenker, aber auch die ewige Herrscher. Nach dem das Land zu über- völkern drohte, soll König Ambicatus, so Livius, seine beiden Neffen Bellovesus und Segovesus, befohlen haben, mit einem Teil des gallischen Volkes aus- zuwandern. Dabei wanderte ein Teil in das nördliche Italien und der zweite in Hercynischen Wald, einem Teil Euopas der die dicht bewaldeten Teile der Mittel-gebirge umfasste. Die Lage der Stadt war günstig, denn sie lag in der Nähe des Meeres und im Schnittpunkt von Fernhandelswegen. Unter der Herrschaft der Römer erlebte die Stadt mit dem Namen Burdigala dann ihre erste Blütezeit. Das fruchtbare Gebiet entlang der Garonne wurde zu einer der Kornkammern Roms und von hier aus wurden große Mengen an Weizen per Schiff nach Rom exportiert. Ebenso soll in dieser Zeit auch der Weinbau in der Region eingeführt worden sein, der später zu einem Markenzeichen derStadt Bordeaux wurde.

Stadtplan Burdigala, Auguste Bordes,1840 (nicht genordet)

Burdigala wurde als typische Planstadt auf einem nahezu rechteckigen Grundriss an- gelegt. Über die Stadt berichtete m 4. Jahrhundert der Dichter Ansonius unter ander- em auch von einem Tempel des Belenus. Doch dafür gibt es keine gesicherten Beweise. Die Ausrichtung der Stadtgrundrisses weist aber einen Aspekt bei zahl- reichen Stadtgründungen in Gallien unter römischer Herrschaft hin. Wie in zahl- reichen anderen Orten, wurde die in Rom verehrte phrygische Gölttin Kybele mit ihrem Attribut der Stadtkorne auch hier Patronin der Stad. Obwwohl nur wenige Zeugnisse ihres Kultes gefunden wurden, sind fast die Hälfte der einstigen Weihe-steine in der knapp 140km von Bordeaux entfernten Kleinstadt Lectoure ausge-stellt. Archäologische Funde bei Tournay, einem Ort zwischen Amsterdam und Ypern, weisen auch auf einen eigenen Kult hin, bei dem die beiden Göttinnen Isis und Kybele zugleich verehrt wurden. Auf diese mythologische Sicht weist auch die Ausrichtung des Stadtgrundrisses von Burdigala hin.

Burdigala, Sonnenrichtungen am Tag der Isis und der Kybele

Nach Nordosten war er auf den Sonnenaufgang am 4. April, dem Beginn der Ludi Megaleneses ausgerichtet und in der Gegenrichtung auf den Sonnenuntergang am 5.März, dem Isisfest, das zugleich den Beginn der Seefahrt markierte. In Gallien musste sich auch der Kult der Kybele großer Beliebtheit erfreutt haben, denn Gregor von Tours berichtet von ihr in seiner Ende des 6.Jhd`s entstanden Univer-salgeschichte des Christentums. In dem Werk schreibt er von einer süd-gallischen Verehrung der Kybele unter dem Namen Verecynthia. Dieser Beinamen verweist auch direkt auf ihren Ursprung im Gebirge Berecynthus in Phrygien. Einen ihrer Tempel will er auf seinen Missionsreisen in Autun zerstört haben, wo auch In- schriften einer Göttin Brigindo gefunden wurden. Neben ihrer Rolle als Frucht-barkeitgöttin und Verkörperung der Erde spielte die Kybele bereits im Gründ-ungsmythos Roms eine wichtige rolle. In einem entscheidenden Augen Augenblick hilft sie auch dem geflohenen Trojanerprinz Aeaneas und Stammvater der Römer bei seinem Kampf gegen den Latinerkönig Turnus. Damit ist Kybele lange vor dem offiziellen Staatskult der Kybele,  durch den Aeneas-Epos als Magna Mater bereits Teil der römischen Gründungslegende. Er erklärt ncht nur die mythische Ab- stammung der Römer von der Göttin Venus, sondern auch den Weg zur zuvor prophezeiten neen Heimat des trojanischen Prinzen. Dieses Epos feiert ebenso die niemals endende Herrschaft (imperium sine fine) der Römer, und weist auf auch den stets gezeigten Beistand der Götter hin. Zugleich wirbt die Aeneis aber auch um Mitgefühl für die Opfer der römischen Vorherrschaft. Für eine Stadt inmitten einer fruchtbaren Region, die zudem vom prosperierenden Weinbau lebte, war die Wahl der Kybele als Schutzgöttin also geradezu ideal. Dazu passte auch der Name Burdigala, dessen erster Teil dem lateinischen Wort burdu, der Maulesel, ent- spricht. Esel waren zu dieser Zeit heilige Tiere der Kyvbele, die mehrfach in Erzähl- ungen der Göttin auftauchten. Deshalb trugen Esel auch bei den Festen die Heiligtümer der Göttin. So hat auch die Mondsichel im Wappen von Bordeaux noch einen Bezug zur Kybele, denn sie war Mond- und Erdgöttin zugleich.

 

Kybele(Epona) und Esel,Foto Owen Cook

Bilder: archives.bordeaux-metropole.fr / Amphitheater von Burdigala,Auguste Bordes, 1840 / Stadtplan Burdigala 1. und 2.Version , Auguste Bordes,1840/ Wikipedia: Kybele (Epona) und Esel,Foto Owen Cook / Simulation; sunearthtools

Aquae Granni und das Senfkorn

Münstertherme, Rekonstruktion, Foto archaeologie-aachen.

Zum Ursprung des Namens der Stadt Aachen gibt es fast ebenso viele Erklär- ungen wie unterschiedliche Ortsbezeichnungen. Erstmals tauchte der Name als Aquis Villa in einer Urkunde auf, als der Frankenkönig Pippin der jüngere das Weih- nachts- wie auch das Osterfest in der Stadt verbrachte. Bereits hier ist eine Abstammung aus dem lateinischen Wort aquae, das Wasser, oder auch im übertragenen Sinn, die Quelle zu erkennen. Im frühen 8, Jhd. erscheint dann nach weiteren Abwandlungen der Name Aquis Grani, was als möglicher Verweis. auf den gallo-romanischen Heilgott Apollo Grannus gedeutet wurde. Ab dem frühen Mittel- alter hat sich Name Aquae Granni mit dem doppelten n dann als Bezeichnung der fränkischen Stadt eingebürgert. Nachdem der Beiname aquae auch in Orten wie Aquae Mattiacorum, dem heutigen Mainz oder auch iin Aquae Sulis, dem heutigen Bath auftauchte, erschien es allzu wahrscheinlich, dass die römische Bezeichnung des frühen Aachen tatsächlich so lautete.

Apollon mit Kithara (Fresko, Haus des Augustus, Rom ca.20 v. Chr.,F. Cody escouade

Der gallische Quell- und Heilgott wird dem griechischen Licht-, und Heilgott, sowie dem Gott der Künste, Apollon gleichgesetzt. Die damaligen Zentren seiner Verehr- ung, lagen in den Provinzen Niedergermanien, Obergermanien und Raetia. Der Ur- sprung des Namens Grannos wird heute meist im irischen Wort grian, die Sonne gesehen. Dabei ist klingt auch das keltische Wort grano, das Korn ganz ähnlich. Auch das Wort Granne verweist auf das Korn der Gerste mit ihrer besonders lang- en Ausprägung der Grannenund diese feinen Sie Kornspitzen wurden auch gerne mit Sonnenstrahlen verglichen.

Gerste (Hordeum vulgare), Foto CSvBibra

Das lateinische granum, das Korn bedeutet aber auch seit alters her auch die Mitte eines Gedanken. Diese Mitte zu treffen gilt es auch bei der Heilung, für die viele die heißen quellen zur Behandlung aufsuchten. Die meisten Kräuter, die zur Unter-stützung eines Heilprozesses gesammelt werden, reifen nach der Sommersonnen-wende. Eines der wirksamsten unter ihnen ist das Johanniskruaft, das um den 24. Juni gepflückt, wohl seine größte Wirksamkeit entfaltet. Was lag also näher, die Suche nach der Mitte, in einer Stadt, deren Wirtschaft so stark auf die Gesundheit ausgerichtet war, auch in Grundriss darzustellen. Passend zu den mythologischen Vorstellungen, die Glück verheißend, aber auch die Tore zur Gesundheit öffnen sollten, wurde auch die Hauptachse ausgerichtet.

Aquae Granni,Sonnenausrichtung Stadt und Therme

So weist eine Hauptachse auf den Sonnenaufgang am Tag der Fors Fortuna und in der Gegenrichtung auf den Sonnenuntergang am Tag des Janus. Als Gott der Türen und Schwellen war er bestens geeignet, um auch Heilungssuchenden neue Tore öffnen. Ganz direkt auf die Bedürfnisse der Heilung waren jedoch die Thermen ausgerichtet, wo die Querachse des Bauwerks auf den Sonnenaufgang am Tag des Apollon, dem 6.Juli ausgerichtet wurden. Auch das Ende der Ludi Apollinares, deren Auftakt mit dem Sonnenaufgang am 6. Juli begann, kündigte sich am Himmel an. So markierte die erste Sicht auf Altair, dem hellsten Stern des Adler, am 13. Juli in Längsrichtung der Thermen, dann das Ende der Festspiele des Apollon. Der Beiname Granni verweist auf die solare Symbolik der Kornspitzen und damit auch indirekt wieder auf die alte Gottheit Grannus. Doch das Wort Granni bietet noch eine weitere Interpretationsmöglichkeit. Er  lenkt den Blick zwangsläufig auf die biblische Symbolik des granum, das Senfkorn. Aus dem kleinen Korn der in Palästina verbreiteten Pflanze sinapis nigra entsteht ein bis zu 10 m hoher Baum. Damit ist er die einzige Pflanze, die Heilkraut und Baum zugleich ist. Mehre Hin- weise in den Evangelien verwenden dieses Bild des Senfkornes, das zum Maß des Glaubens der Apostel werden sollte.  Aquae, die Quelle und granum als Korn/ Same des Glaubens, kann somit auch als Quelle es Glaubens interpretiert werden. Diese Quelle offenbart sich auch in der Ausrichtung der Baulinie des Domes,.sie entspricht dee Mitte zwischen den Sonnaufgangspunkten am Tag von Mariä Verkündigung und dem Tag des Schutzheiligen der Franken, dem heiligen Michael bildet. Diesem granum schafft Mitte des 12. Jhd´s der Meister Eckehard mit seinem Senfkornlied granum sinapis ein poetisches Kunstwerk. In seinem, der Mystik des Mittelalters ver- pflichtetem Lied nimmt er die Gedanken aus dem 4. Kapitel des Markusevang-eliums auf. Er schuf damit ein Lied zum Staunen, Danken und vor allem der Hoffnung. Wie Grannus noch im Beiname granni erkenbar war, so lebte auch die Vorstellung des Heilgottes Apollon weiter, nun im frühen Bild des Michael als Heiler.

Sonnenrichtung Kaiserdom Aachen

Bilder: Münstertherme, Rekonstruktion, http://www.archaeologie-aachen.de/ DE/ Geschichte / Epochen/Roemerzeit/Aachen_Roemische_Baederstadt / Wikipedia/ Apollon mit Kithara (Fresko, Haus des Augustus, heute im Palatin Antiquarium in Rom, ca. 20 v. Chr.), Foto Cody escouade delta, gemeinfrei /Gerste (Hordeum vulgare), Foto CSvBibra – Simmulation, googlemapsunearth-tools/stellarium

 

Bath und die Quelle der Sulis

Vergoldeter Bronzekopf, Bath, England, ( evt.Sulis Minerva) Foto Ad Meskens

Der keltische Name der Göttin Sul bedeutet Feuer oder Sonne. Zugleich verkörperte die Wurzel ihres Namens auch das Wort Auge. So wird das große göttliche Auge im schottisch-gällischen Raum auch als `Sùil Dhè mhòir´ bezeichnet. Die Göttin Sul wurde im bretonisch-gallischen und insel-keltischen Raum als Sonnen- und Quellgöttin verehrt. Damit war sie zugleich Hüterin der heilenden und fließenden Gewässer. Durch die Kombination von Sonne und Wasser wurde sie besonders bei Thermalquellen verehrt, so wie im römischen Ort Aquae sulis, dem heutigen Bath. Nach der Eroberung Britanniens nutzten hier die Römer die einzigen heißen Quellen der Insel, die wahr- scheinlich bereits den Kelten bekannt gewesen waren. In der Folgezeit wurden sie zu einem monumentalen Bad ausgebaut, um das dann eine luxuriöse Siedlung mit einem atypischen Charakter entstand.

Das Bad mit dem Becken aus römischer Zeit,Foto Diliff

Durch diese weitläufige Überbauung des Quellengebietes wurden aber auch alle früher- en Spuren beseitigt. Gemäß den Aufzeichnungen des römischen Schriftstellers Solinus waren diese Quellen üppigst ausgestattet. Er schrieb, dass Minerva über sie wache und in deren Tempel es ein immer währendes Feuer gäbe, dass niemals zu Asche wird. Auf diesen, für englische Städte in jener Zeit außergewöhnlichen Wohlstand, weisen auch die zahlreiche Mosaiken hin, ebenso viele beschrifteten Grab- und Weihesteine. Viele davon verweisen mit ihren Inschriften auf die von Solinus erwähnte Verehrung der Sul-Minerva. Doch die Ausrichtung der Badeanlage weist aber auf eine andere Göttin hin, denn der Sonnenaufgang am 28. April, dem Fest Floralia,  legt hier eine Verbindung zur beliebten Göttin Flora nahe. Über sie berichtete Ovid mit den Worten: `Wo immer etwas blüht, auf dem Acker, im Weinberge, in den Olivenhainen und im Baumgarten, auch in der Blume des Weins, wenn er sich im Fasse regt, sowie im Honig, dem feinsten Stoffe der Blumen, endlich in der Blüte der Jugend und eines fröhlichen Lebens-genusses – so lange die Rose blüht – da ist Flora tätig.´ 

Ausrichtung der Therme auf den Tag der Flora

In Rom wurde sie als die Flora Mater, die mütterliche Göttin, und als dieGöttin des Frühlings, der Feldfrüchte verehrt. Als altitalische Göttin galt sie auch als die Seele Roms, denn der Legende zufolge,wurde sie vom sabinischen König Titus Tatius, dem Gründer Roms, in die Stadt gebracht. Dort wurde ihr im Jahr 238 v. Chr., aufgrund den Weisungen der sybillinischen Bücher ein Altar errichtet. Keinesfalls wurde Flora nur als Naturgöttin angesehen, denn sie war zugleich auch Göttin der Jugend und galt ähnlich wie Bacchus, auch als Göttin der Lebenslust und der Freuden. Das Fest der Flora fand fast zeitgleich mit dem keltischen Beltanefest statt. Mit dem am 1. Mai bei den Kelten gefeierten Fest verbinden sich ebenso die Göttin Belena oder auch Belisama, die in Britannien, wie auch in Gallien oder Norditalien verehrt wurden. Sie war eine Licht- und Heilsgöttin, deren Aspekte der irischen Brigid glichen. Dennoch setzte sie Cäsar in seinem Werk De bello Gallico die Göttin der römischen Minerva gleich. Belisama bedeutet die Leuchtendste oder auch die Strahlendste und verkörpert somit den Aspekt des Feuers. Er ist am Beginn des Monats Mai aber nicht nur in der ansteigenden Wärme der Natur zu beobachten, sondern dieser Aspekt steht zugleich auch für das inneres Feuer, das den Menschen hin zu einer spirituellen Erfüllung führt. An diese Bedeutung erinnert die Ausrichtung des Bades auf den Sonnenaufgang am 28. April. Dieses Datum fällt auf den 118.Tag des Jahres, wobei der Zahlenwert dem Produkt 2×59 entspricht. Dabei steht die 59 nicht nur für den gematrischen Aufbau der 31 Götterbeziehungen im Gedicht carmen saeculare des römischen Dichters Horaz, sond- ern ebenso für den strukturellen Aufbau des Oktaeder. Dessen Betrachtung beginnt mit der Spitze, der 1 und erst dann erkennt man 4 Flächen. In der Summe also 5 Merkmale und weitere 4 Flächen der Unterseite ergeben dann die 9. Als einer der 5 Platonischen Körper repräsentiert er die Aspekte Wissen, Weisheit, sowie die Leichtigkeit. Drei Qualitäten die auch Bestandteil der römischen Badephilosophie waren. Sie lassen Zusammenhänge zu erkennen und die richtige Lösung zu finden.

Das gematrische System der Doppelraute, Hüllfläche des Oktaeders

Die Raute erscheint hier im Doppelrautenkreuz als Hüllform des Oktaeders. Als geo- metrische Form taucht sie bereits im Neolithikum als Zeichen der Fruchtbarkeit auf und verweist verweist mit ihrer Verdopplung in der Hüllform ebenso auf die Lebensenergie, deren Erweckung in der Lehre des Taji erklärt wird. Die Mittellinie dieser Raute wird hier als Pfeiler eines Menschen bezeichnet, der quer durch seinen Körper, bis zu den Ellbogengelenken eicht und die beiden anderen Punkte dabei die Magengegend und den Kopf berühren. Die richtige Bewegung einzelner Körperteile öffnet dann den Körper des Menschen und weckt dessen Lebensenergie. Vor diesem Hintergrund ist auch der Azimut der Bauachse ein Hinweis auf den eigentlichen Zweck des Badens, den Körper im Wasser zu öffnen um damit das Innere Feuer wieder zu wecken.

Bilder:Wikipedia/ Vergoldeter Bronzekopf, Bath, England, wahrscheinlich Sulis Minerva, Foto Ad Meskens,CC BY-SA 3.0 / Das Bad mit dem Becken aus römischer Zeit,Foto Diliff CC BY 2.5 / Oktaeder/Doppelraute https://www.decemsys.de › horaz › carmen-saeculare / Simulation,sunearthtools,googlemap