Theatrum sacrum in Beuron

Aerial view of Beuron convent in the Danube valley, Foto Simisa

Knapp 90 Jahre nach dem für Europa verheerenden 30-jährigen Krieg, beauftragte Abt Rudolff II von Strachwitz 1732 den Rottweiler Baumeister Matthäus Scharpf mit dem Baue einer neuen Kirche im Kloster Beuron Kloster. Sie sollte die alte, noch aus dem Mittelalter stammende Basilika ersetzen. Sie entstand in einer Epoche voller Span- nungen, denn trotz des vergangenen Krieges blieb Europa religiös gespalten. Auch die Gefahr, der der am 12. September 1683 bei der Schlacht am Kahlenberg in Wen be- siegten Osmanen war noch immer akut. Wie unversöhnlich sich die beiden Konfessionen immer noch gegenüberstanden. zeigt die Ausweisung von 20000 evange-lischen Christen aus dem Fürstentum Salzburg im Jahr des Baubeginns in Beuron. Diese Vertreibung der Exilanten, von denen die meisten nach Preussen auswanderten, war eine Folge der Gegenreformation, mit der die römische Kurie den reformierten Glauben wieder zuück drängen wollte. Sie fand ihren künstlerischen Ausdruck im Baustil des Barock, der unter Kunsthistorikern als der letzte Baustil angesehen wird, der dem Begriff eines Gesamtkunstwerkes gerecht wird.

Langhaus der Beuroner Klosterkirche St. Martin, Beuron, Foto Zairon

Nur ein Jahr nach dem Baubeginn in Beuron, begannen auch die beiden Asam-Brüder in München mit dem Bau ihrer Privatkirche, die heute den Namen der beiden berühmten Baumeister und Stuckateure trägt. Die Kirche in der Sendlinger Straße gilt als eines der bedeutendesten Kirchen des süddeutschen Spätbarocks. In diesem Baustil findet die Religiosität, aber auch die Intentionen der Gegeneformation ihrer vollkommensten Aus- druck. Die Ausdrucksformen katholischer Liturgie und Frömmigkeit werden hier zu Elementen einer theatralischen Inszenierung verbunden. Architektur, Plastik und Malerei werden mit Hilfe der Lichtführung zu einem Erlebnisraum vereint, dem Theatrum sacrum. Der große Menge der Bevölkerung die des Lesens unkundig war, sollte so die richtige Heilslehre durch ein dramatisches Erleben nahegebracht werden. Diese figur- ative Kunst war nun von ausdrucksstarken Gebärden und Mimik geprägt. Sie sollte den Betrachter zum Mitfühlen bewegen. Eine besondere Aufgabe dieser sakralen Theat- erkunst hatte die kirchlichen Festdekorationen, die auch mit ‚apparato‘ oder , ‚machina‘ bezeichnet wurde. Bekanntesten Beispiele dieser Form des ‚theatrum sacrum‘ sind die sogenannten Quarantore-Dekorationen, die bevorzugt in der Karwoche aus Anlass des 40-stündigen Gebets errichtet wurden. An dem einst in der Kirche er- richteten Hochaltar, sind heute nur noch einige Skizzen Feichtmayers und ein Foto er- halten.

Asamkirche Innenansicht, Foto Berthold Werner

An dem Werk arbeitete Feichtmayr und die Gebrüder Dürr drei Jahre lang, bis der Altar im Jahr 1763 geweiht werden konnte. Feichtmayr stammte in der 4. Generation aus einer Dynastie Wessobrunner Baumeister und Stuckateure Mit seinen großen Arbeiten in den Stiftkirchen von Einsiedeln und Engelberg erreichte er in den 1730-er Jahren seinen endgültigen Durchbruch. Den Höhepunkt seines Schaffens erreichte Feichtmayr mit seinen Arbeiten in der Kirche von Birnau. Knapp 150 Jahre hatte das Kunstwerk bestand, bis es Benediktinermönche am 12. August, 3 Tage vor dem Feiertag Mariä Himmelfahrt. Mit dieser kirchengeschichtlich wohl einmaligen Tat, sollte der Altar für neue liturgische Erfordernissen vorbereitet werden.

Der Altar Feichtmayers

Auch dies geschah in einer Zeit voller Spannungen, denn in Deutschland strebte de Kirchenkampf seinem Höhepunkt entgegen. Bereits bevor der preußische König deutscher Kaiser wurde, äußerten sich solche Spannungen im Großherzogtum Baden im sogenannten badischen Kirchenkampf. Es war jene Auseinandersetzung zwischen Staat und katholischer Kirche, die das Ende des 19. Jahrhunderts überschattete. Mit diesem Machtkampf, den die preußische Regierung unter Reichskanzler Otto von Bismarck betrieb, sollte die katholische Kirche weitgehend aus dem öffentlichen Leben verdrängt werden. Die einst Martin von Tour und Maria geweihte Kirche behauptete sich dennoch. Ihe beiden Patrone St. Martin und Maria wurden einst klug gewählt, denn mit Mariä Lichtmess begann einst das Bauernjahr, das am Martinitag wieder endete. Bei der Ausrichtung der Klosterkirche, die um wenige Grad von der Ost-Westachse ge- dreht wurde, wurde aber nicht St. Martin von Tour der Vorzug gegeben, sondern Maria. Sie war die Identifikationsfigur im Glaubenskampf de Gegenreformation und stand meist im Mittelpunkt jenes Theatrum sacrums. Nach dem Sieg in Wien erhielt sie einen eigenen Feiertag, der nach Papst Innozenz XI. In der gesamten Kirche gefeiert werden musste. Er legte ihn auf den Sonntag nach Maria Geburt, doch  von Papst Pius X.später wurde er  auf den 12. September verlegt.

Ausrichtung der Kirche St. Martin und Maria

Im Jahr der Grundsteinlegung fiel dieser Tag auf den 14. September und da stieg die Sonne in der Baulinie de Kirche über dem Felsenkonglemerat der gegenüberliegenden Hangkante auf. Der Ge- denktag ist wohl auch politisch gewollt, aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit doch die Klosterkirche zeigt, welch tiefgreifende Spuren der Sieg der polnischen Flügelreiter vor Wien bei den Menschen hinterlassen hat. Dass das Kloster aber nicht ohne Grund gerade an dem Ort errichtet wurde, zeigt auch Bezug zum südöstlich gelegenen Petersfels, wo vom Brunnenhof des Klosters aus, im Mittelalter der Sonnemaufgang am 2. Februar beobachtet werden konnte.

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Franziskus und der Palacio Real in Madrid

Stigmatisation des Hl. Franziskus, el Greco,1585

Der Maler El Greco wurde mit dem ursprünglichen Namen Domínikos Theotokópoulos, 1541 in Kreta geboren. Über Aufenthalte in Italien gelangte er schließlich an den Hof von Philpp II. Wie bei keinem anderen Maler spiegelte sich in seinem Werk die besondere Beziehung des spanischen Hofes um heiligen Franziskus von Assisi wieder. El Greco malte Franziskus nicht in der sonst üblichen Darstellung bei dem Empfang der 5 Wundmale Christi, sondern in der kontemplativen, entrückten Haltung und mit einem Totenkopf. Seine Bildidee führte er in zahlreichen Varianten aus, von denen noch 40 Bilder erhalten sind. Die Vielzahl dieser Motive war auch in der Popularität des Heiligen begründet, die der bereits in Spanien genoss. Laut den Überlieferungen soll er 1215 auf einer Wallfahrt nach Santiago de Compostella auch das Franziskanerkloster in Madrid gegründet haben. Das heutige Kloster wurde jedoch erst viel später gegründet. trägt den Namen Monasterio de las Descalzas Reales, das Kloster der Königlichen Unbeschuhten und wurde 1559 von Johanna von Spanien gegründet, einer Tochter Karls V. und Schwester Philipps II. von Spanien.

Monasterio de las Descalzas Reales

Es wird vom zweiten Orden, den Clarisssen geführt den Franziskus zusammen mit Klara von Assisi gegründet hat. Ganz der spanischen Tradition verpflichtet, die Jungfrau Maria zu verehren, ist das Kloster der Nuestra Señora de la Visitación geweiht. Diese spezifische franziskanische Frömmigkeit wurde von Prinzipien bestimmt, die bereits den beiden Ordensgründer Franziskus und Klara leiteten. Sie lassen sich in den drei Bildern zusammenfassen die das Christentum bestimmen: Krippe, Kreuz und Eucharistie. In seinem Leben suchte Franziskus stets die Armut, die das Leben Jesu von der Krippe bis zu seinem Tod prägte. Den Weg zur Erlösung von irdischen Sünden sah er deshalb in der imitatio (Nachahmung) und der compassio (Mitleiden), die ihren mystischen Aus- druck in seiner Stigmatisation erhielt. Seine 5 Wundmale gelten auch als erster über- liefert Fall der Stigmatisation in der Kirchen- geschichte. Franziskus erhielt sie , als er sich im Spätsommer des Jahres 1224 auf den Berg La Verna zurückzog, wo er seit 1212 eine kleine Felsnische als Einsiedelei benutzte.

Kloster la Verna, Joachim Schäfer, Heiligenlexikon

Dort traten sie 3 Tage nach dem Fest Kreuzerhöhung am 17. September auf. Der Be- deutung des Ordens in Spanien entsprach auch seine wichtige Rolle bei der Mission-ierung der Neuen Welt. So begleitete bereits eine Gruppe von Franziskanern Kolumbus auf einer ersten Entdeckungsfahrt. In der Folgezeit errichteten die Brüder dann die ersten Klöster in Santo Domingo und la Vega, in der heutigen Dominikanischen Re- publik. Wie Kolumbus, so begleiteten sie auch weitere Eroberer und missionierten so weite Teile des neuen Kontinents. Diese Verehrung des heiligen Franziskus spiegelt sich auch im Plan des Palacio Real wieder, der königlichen Residenz in Madrid. Mit dieser, Mitte des 1734 bis 1764 errichteten Residenz, drückten die neu an die Macht gekommen Bourbonen ihr Selbstbewusstsein und ihre Stärke aus. An einem Abhang gelegen, bildet der Palacio Real zusammen mit der Santa Maria la Real De La Almudena den westlichen städtebaulichen Abschluss Madrids.

Palacio Real

Santa María la Real de La Almudena

Mit seiner Querachse weicht das Bauwerk jedoch um 5 Grad von der Ostrichtung ab und weist damit bereits auf die Zahl der Wundmale des heiligen Franziskus hin. Auch der sich daraus ergebende Azimutwinkel von 95 Grad verbirgt eine symbolische Bedeutung. Die Zahl stellt das Produkt aus 19 und 5 dar.Neben der 5 ist die 1 die Zahl die im biblischen Kontext für Gott steht und 9, die für das göttliche Geheimnis steht, Doch die eigentliche Symbolik entsteht dann durch den Sonnenaufgang am Tag des heiligem Franziskus, am 4.Oktober. Zugleich weist  die Querachsse in Gegenrichtung  dann auf den Sonnenuntergang am 12. September, dem Tag von Maria Namen. Er wurde nach dem entscheiden Sieg der über die Türken bei der 2. Belagerung Wiens durch Papst Innozenz XI., als Fest für die ganze Kirche eingeführt. Wie der Glaube an die Jungfrau den Spaniern zum Sieg während der Reconquista verhalf Belagerung. Maßgeblich zum Sieg trug hier der polnische König Jan III. Sobieski bei der am 12. September, nach der Frühmesse auf dem Kahlenberg bei Wien, mit einer Statue der Jungfrau Maria in die Schlacht zog.

Ausrichtung des Palacio Real

Doch Maria bestimmte aber nicht nur den Ausgang von Schlachten, sondern auf geradezu wundersame Weise auch die Entdeckerfahrt des Kolumbus.Mit seinem Flagschiff Santa Maria brach er einen Tag nach Marienfeiertag Portiuncula auf, der zum Andenken an das von Franziskus benutzte Kirchlein Santa Maria degli Angeli gefeiert wird.Die Überfahrt schilderte in dramatischen Berichten, doch auch hier hielt Maria ihre schützende Hand über ihn und brachte ihn termingerecht zu einem der bedeuten spanischen Marienfeste ans Ziel. Am 12. Oktober, am Tag an dem das Marienfeste Pilár, gefeiert wird, ging er in der neuen Welt an Land. Mit seiner Ausrichtung verweist der Palacio Real damit auf den Glauben an zwei der wichtigsten Gestalten, die die Geburt Spaniens ermöglicht hatten.

Bilder: Wikipedia/ Stigmatisation des Hl. Franziskus, el Greco,1585 ,Monasterio de San Lorenzo de El Escorial, The Yorck Project / Monasterio de las Descalzas Reales, eigen / Kloster la Verna, Joachim Schäfer, >Ökumenisches Heiligenlexikon</a> / Palacio Real, eigen / Santa María la Real de La Almudena, eigen , Simulation, googlemap, sunearthtools

Schwetzingen und das Fenster zum Kalmit

Schwetzinger Schloss (Gartenseite), Foto Berthold Werner

Nach mehreren Bränden und Zerstörungen erhielt das Schloss in Schwetzingen seine heutige Gestalt unter der Regentschaft von Johann Wilhelm, auch `Jan Wellem´ genannt, Er war Pfalzgraf-Kurfürst und zugleich auch Erzschatzmeister des Heiligen Römischen Reiches. Jan Wellem wurde am 19. April 1658 als Sohn des Kurfürsten Philipp Wilhelm von der Pfalz und Elisabeth Amalia von Hessen-Darmstadt geboren. Seinem Vater folgte er am 2. September 1690 als Kurfürst nach, nachdem der ihm zuvor schon die Herrschaft über die jülich-bergischen Gebiete überlassen hatte. Das Schloss mit seinen Außenanlagen wurde dann 9 Jahre später, in mehreren Abschnitten errichtet. Dabei zeigt die nähere Betrachtung, dass die Anlage im Vergleich zu anderen eine Besonderheit aufweist, denn die Achse des Hautgebäudes weicht minimal von der be- stimmenden Visur der Gartenachse ab. Die zielt auf den knapp 35km entfernten, bei der Ortschaft Maikammer liegenden Berg Kalmit. Das leicht verschwenkte Hauptge- bäude weist mit seiner Achse dann auf den Sonnenaufgang über dem Königsstuhl bei Heidel- berg.

Die Kalmit von Osten, Foto Steffen 962

Der Kalmit, dessen Name schon zahlreiche Deutungen erfahren hat, ist der höchste Berg des Pfälzerwalds. Eine der möglichen Deutungen sieht den Namen als Entwick- lung aus em lateinischen Begriff calvus mons, der kahle Berg. Aber auch das lateinische Verb calemus passt um genius loci des Ortes. Mit der Übersetzung `wir brennen´ ist dies zugleich eine Metapher des Glaubens, den der streng katholische, von Jesuiten erzog- ene Kurfürst vertrat. Die Symbolik des `Brennes für den Glauben´ spiegelt sich auch im Sonnenuntergang am 11. Oktober über dem Kalimit, dem Gedenktag von Phillipus dem Evangelisten wieder. Das Datum ist nicht nur eine Referenz an den Vater Jan Willems, sondern in Gestalt des Apostels Philippus ebenso Vorbild für sein eigenes Wirken. Von den Aposteln wurde Philippus zu einem der 7 Urdiakone Jerusalems gewählt, wobei er später über Samaria bis nach Äthiopien gelangte und dort als Begründer der äthiop-ischen Kirche gilt. Diese besondere Fähigkeit des Apostels führt der Kirchenlehrer Clemens von Alexandria in seinen Schriften auf eine Begegnung mit Jesus zurück. Er schrieb darüber, dass Jesus zu Philippus sagte, er solle ihm ohne Zögern nachfolgen und die Toten ihre Toten begraben lassen.

Ausrichtung Schloss Schwetzingen

In dem nach geometrischen Prinzipien des Barock gestalteten Garten, mit einen unter-schiedlich terrassierten Flächen, verweist zwar die strenge Geometrie auf die Ordnung des Glaubens hin, doch die Bilder sind hier von antiken Mythen bestimmt. Der zentrale Brunnen, der Airon gewidmet ist, sowie  Götterstatuen und Tempel prägen das Bild. Die Darstellung der Legende des Sängers Airon wirft auch ein Licht auf die damalige Geist-eswelt, in der christliche ideale, antike Mythen, wie freimaurerische Gedanken neben-einander existierten. Der Sänger, der nach einem Wettstreit in Sizilien reich beschenkt wurde, wurde dann auf See von den Schiffsleuten beraubt. Er bat, ein letztes Mal singen zu dürfen, ehe sie ihn zwangen in die Fluten zu springen. Doch zu seinem Gesang erschienen Delfine, die ihn sicher an Land brachten. Auch in der christlichen Ikonografie wird dem Delphin die Rolle des Retters zugeschrieben, doch hier verkörpert er Christus, den Auferstandenen, als den neuen Seelenretter.

Fontäne in der Gartenmitte, Foto Erdie

Das Bild der Wiederauferstehung spiegelt sich auch im Sonnenaufgang am 11. April über dem Königstuhl, denn dieses Datum verweist auf den Ostersonntag des Jahres 1658, dem Geburtsjahr Jan Willems. Ebenso findet hier der Sonnenaufgang am 2 September statt, dem Datum, an dem seine Regentschaft in der Kurpfalz begann. Die Sonnensymbolik der Anlage in Schwetzingen öffnet das Fenster zu einer weiterer ikono-grafischen Ebene, in der das Licht ein zentrales Motiv ist, die Lichtsymbolik der Freimaurer.

Luftaufnahme des Barockgartens (Kreisparterre mit vier Achsen), Foto Schlurcher

Vier Elemente

Obwohl der Erbauer des Schlosses sich nie öffentlich zur Freimaurerei bekannte, muss er doch den Idealen der Logen nahe gestanden haben. Waren doch enge Berater, wie der Baumeister des Schlosses, Graf Matteo Alberti alle Mitglieder von Logen. Sie waren Anhänger des Schwedischer Ritus, oder Schwedisches Ritual genannt, der eine christlich orientierte Lehrart der Freimaurerei darstellt. Bereits der Auftakt, der um Kalmit führenden Sichtachse offenbart mit dem Kreisparterre und dem zentralen Arionbrunnen mit vier breit angelegte Achsen, die Symbolik der Feimaurerei. Sie verweisen auf die 4 Elementelehre antiker Philosophie, wo Feuer, Wasser, Luft und Erde als der Schlüssel zum Verständnis der Natur, des Lebens und des bewussten Seins gesehen wurden. So beginnt auch der Weg des Freimaurers mit einer Reise, die ihn durch Feuer, Wasser, Luft und schließlich Erde führt. Diese vier Elemente bestimmen aber auch Einrichtung eines Freimaurer Tempels und wiederholen sich im Ritual der Selbsterkenntnis. In ihm sollen Weisheit, Stärke und Schönheit erst durch ihr Zusammenwirken zum Ziel der Vollkommenheit führen. Der Weg des Rituals führt so vom `erkenne dich selbst´, zum `beherrsche dich selbst, über `veredle dich selbst´, zum letzten Stadium `du findest dich selbst´. Diese Kunst, Architektur, Gartengestaltung und Natur mit der Lichsymbolik der Sonne zu verbinden zeigt die Anlage in Schwetzingen.

Bilder: Wikipedia/ Schwetzinger Schloss (Gartenseite), Foto Berthold Werner, CC BY-SA 3.0 / Die Kalmit von Osten, Foto Steffen 962 / Fontäne in der Gartenmitte, Foto Erdie / Luftaufnahme des Barockgartens (Kreisparterre mit vier Achsen), Foto Schlurcher , Simulation, sunearthtools,Googlemap

Mannheim, Stadt des Löwen und der Apostel

Ehrenhof Barockschloss Mannheim, Foto Hubert Berberich

Eine schlichte Heirat fand der welfische Löwe, ein Goldener Löwe auf schwarzem Tuch, Einzug in das Wappen der Wittelsbacher. Sie herrschten ab 1214 über Bayern und Pfalz. Mit diesem Wappentier folgte das Fürstengeschlecht einem im Mittelalter wieder üblichen Bild der Selbstdarstellung eines Herrschers. Sich mit Löwen zu inszenieren und damit die Symbole der Macht ganz real zu zeigen, demonstrierte der Stauferkaiser Friedrich II im Jahr 1231 bei seinem Einzug in Ravenna wo er sich von mehreren Löwen begleiten ließ. Dies war nicht mehr nur ein Rückgriff auf antike Bilder, denn das Christentum hatte das Bild des Löwen in die eigene Ikonografie integriert. In der Antike war die Löwenjagd nur den Herrschern vorbehalten. So verhalf dem Jäger ein Sieg über das mächtigste Tier zu einen Nimbus der Unbesiegbarkeit, der ihn auch gegen Angriffe feindlicher Mächte schützen sollte. Vor diesem Hintergrund wurde der Löwe zu einem festen Bestandteil der Königs- und Herrscherideologie. Dieses Bild taucht auch in der Genesis, wo der Stammvater Jakob von seinem Sohn Juda, als einem Gur Aryeh spricht, das im Hebräischen für `junger Löwe´ steht.

Der Löwe Judas auf dem Wappen Jerusalems, Foto Jüppsche

In der weiteren Geschichte wird das Tier so zu einem häufig gebrauchten Bild des Herrschers und auch der Messias wird als Löwe von Juda bezeichnet, weil einige in ihm den neuen König sehen, der die römische Herrschaft beendet. Hier zeigen die beiden ganz ähnlich klingende Worte Aryeh, der Löwe und or-jah., das Licht des Herrn, das im Löwen eine Verbindung von unbesiegbarer Stärke und der göttlichen Weisheit gesehen wurde. Der Löwe war also das ideale Sinnbild für die Königsherrschaft. So taucht er auch ganz direkt als Beinamen von Königen wie Richard Löwenherz, oder Heinrich dem Löwen auf. Auf Grund der biblischen Texte und der ikonographischen Bedeutung. setz- ten sich ab der Spätantike zahlreiche Kirchenlehrer und Geistliche intensiv mit dem Wesen und dem Leben des Löwen auseinander. So so schrieb de Augustinus, dass die Kinder es Löwen drei Tage wie leblos neben der Mutter liegen, ehe sie dann der Vater mit einem Gebrüll wecke. Auch im Physiologus, einer frühchristlichen Naturlehre in griechischer Sprache, wird die Rolle des Vaterlöwen betont. Hier wird die Geburt der Löwin als Todgeburt geschildert, die erst durch den Atem des Löwen zum Leben er- wacht. Die Erweckung durch den Löwen kann damit auch als Sinnbild der Wieder-auferstehung interpretiert werden.

Der Löwe erweckt seine Kinder, St. Nikolai Stralsund, um 1300

Wie der Löwe den Hauch des Lebens von sich gab, war er zugleich auch eine Metapher für die größte Bedrohung des Lebens, den Tod. Ihn zu überwinden erforderte nach kirchlichen Maßstäben ein tugendhaftes und tapferes Leben, gleich dem Jäger der den Löwen bezwingt. Zahlreiche, mit Löwenmotiven verzierte Sarkophage aus der Zeit des Mittelalters bezeugen die zu dieser Zeit weit verbreitete Vorstellung. Parallel dazu wurde die Jagd auf den Löwen auch zum Gegenstand literarischer Epen, wie dem Niebel-ungenlied. Dort erlegt Siegfried von Xanten kurz vor seiner Ermordung durch Hagen noch einen Löwen im nahen Odenwald. Dass die Geometrie einer Planstadt wie Mann- heim nach alten Wegeverläufen ausgerichtet wurde ist vor diesem Hintergrund kaum vorstellbar. Wie bei den großen Vorbildern, den Idealstädten der Renaissancefürsten Italiens, oder den großen antiken Städten, bestimmte auch die Ausrichtung Mannheims eine besondere Symbolik. Sie sollte das Selbstverständnis des Fürsten, wie auch auf dessen Glaubenswelt repräsentieren.

Froimons Schlossansicht von 1725, Foto Michael Linnenbach

Sonnensymbolik des Straßenrasters

Die Grundsteinlegung für den ersten Baustein der monumentalen Anlage, der Zitadelle Friedrichsburg erfolgte am 17. März 1606. Die Bastion, im holländischen Stil als Epta- gon errichtet, schließt mit einer Seite rechtwinklig an die nach Nordnordosten führende Stadtachse an. Der Stadt selbst verlieh der protestantische Kurfürst Friedrich IV. am 24. Januar 1607, einen Tag vor dem Gedenktag des Apostels Paulus, ihre Gründungs-privilegien. Auf den Sonnenaufgang am Tag des Apostels fluchtet auch die nach Süd- osten weisende Stadtachse, denn am 25. Januar wird der Bekehrung des Apostels gedacht, der zu einem der wichtigsten Missionare des Glaubens wurde. Damit spielt der Sonnenaufgang auch das Selbstverständnis des Reformators Luther wieder, der sich als einen Geistesverwandten des Paulus betrachtete und glaubte selber ein neu- er- standener Paulus zu sein. Wie der Glaube die Ausrichtung in südöstlicher Richtung bestimmte, so ist dies auch in nordwestlicher Richtung der Fall. Dort ist der Sonnen-untergang am 25. Juli zu sehen und markierte somit den Tag des Apostels Jakobus. Wie kein anderer Heiliger wurde er im Laufe der europäischen Geschichte zur Symbolfigur bei der Verteidigung des Glaubens. Während Millionen von Pilgern sich auf den Jakobs-wegen in Richtung Santiago de Compostella aufmachten, diente er nicht nur den asturischen Rittern als Schlachtenlenker während der Reconquista, sondern auch den christlichen Heeren beim Kampf gegen die Osmanen. Zur Zeit der Stadtgründung Mannheims war erst knapp ein Jahrhundert vergangen, als das christliche Abendland bei der ersten Belagerung Wiens verteidigt wurde. Seit dem Fall Byzanz war es der ständigen Bedrohung aus dem Süden ausgesetzt, und es sollte noch ein weiteres Jahrhundert dauern, ehe die osmanische Gefahr gebannt war.

Mannheim und der Löwe

Mut und Stärke, die sich auch im Bau der Festung zeigten, hatten auch ihr Spiegelbild am Himmel. So zielte zu dieser Zeit die Stadtachse auf den Stern Regulus im Sternbild des Löwen, der während des Frühlingsäquinoktiums in dieser Richtung zum ersten Mal zu sehen war. Für die Stadt und ihre Verbindung war dies ein geradezu symbolisches Datum, das Aufbruch, Wachstum und Entwicklung versprach. Nach dem alten Grund- satz. Wie oben so auch unten folgte auch der polygonale Grundriss der Stadt dem seit der Frühgeschichte so beliebte Königssymbol.

Bilder:Wikipedia/ Ehrenhof Barockschloss Mannheim, Foto Hubert Berberich (HubiB), CC BY 3.0 / Der Löwe Judas auf dem Wappen Jerusalems, Foto Jüppsche – own work based on Jerusalem emblem / Der Löwe erweckt seine Kinder, St. Nikolai Stralsund, um 1300 / Froimons Schlossansicht von 1725, Foto Michael Linnenbach / Simulation, sunearthtools, Stellarium, googlemap