Das Land des Schwanes

Das schöne an Füssen ist, dass man per Fahrrad bequem Schwangau erreichen kann. Hier gibt es die weltberühmten Schlösse „Schloss Hohen-Schwangau“ und vor allem „Schloss Neuschwanstein“. Der Fahrradweg dorthin ist schön flach, so dass auch nichtsportliche ohne große Schwierigkeiten dort hinkommen können. Dort angekommen stellen wir fest, dass wir nicht die einzigen sind, die sich […]

über Sommer 2017 4. Schwangau — Der Weg ist das Ziel

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Das Schloss des Tannhäuser

Tannhäuser im Venusberg, John Collier 1901

Jakob Grimm deutete die Sage des Tannhäuser als `eine der anziehendsten Sagen des Mittelalters, in welcher Sehnsucht nach dem alten Heidentum und die Härte der christ-lichen Geistlichkeit rührend geschildert sind,` Für Grimm lag die Wesensgleichheit der in der Sage auftretenden Venus und der frühchristlichen Göttin Holda auf der Hand. Viel später wurde der Stoff von Wagner in der romantischen Oper Tannhäuser wieder aufge-griffen, die am 19.Oktober 1845 uraufgeführt wurde. Die Geschichte erzählt vom Minne-sänger Heinrich von Ofterdingen, genannt der Tannhäuser. Der hatte bei einem Sängerfest auf der Wartburg die Zuneigung Elisabeths, der Nichte des Landgrafen Hermann, errung- en. Doch als der Graf erneut zu einem Fest ruft, kommt Tannhäuser am Hörselberg, dem Venusberg vorbei. Dort öffnet sich ein Spalt und er sieht die zauberhafte Frau Venus. Zusammen mit der Göttin der Liebe und von sinnlichen Freuden umgeben, lebt er fortan im Berg.

Tannhäuser bei Venus

Doch nach einem Jahr ist Tannhäuser von den Sinnesfreuden übersättigt und sehnt sich in seine Welt zurück. Schließlich drängt er Frau Venus ihn ziehen zu lassen. Selbst der Zorn der Göttin, die ihm voraussagt, dass er wiederkommen würde, hält ihn nicht von seinem Entschluss ab. Als er endlich die heilige Maria anruft, versinkt der Venusberg und Tannhäuser findet sich nahe einer Mariensäule in einem Tal unweit der Wartburg wieder. Eine Jagdgesellschaft entdeckt ihn und durch sie erfährt er von der Liebe Elisabeths. Da es auf der Wartburg seit seinem Verschwinden kein Fest mehr gab, freut sich Elisabeth um so mehr auf das Wiedersehen mit ihrem Geliebten, Eine neues Sängerfest soll nun das Wesen der Liebe zum Thema haben. Wolfram von Eschenbach und Walther von der Vogelweide besingen dann als erste die Tugend der Liebe. Tannhäuser antwortet ihrem vergeistigten Gesang mit einem ekstatischen Lied das die sinnliche Liebe der Göttin Venus preist. Die anwesenden Frauen sind entsetzt und ein Ritter will den Frevel bestrafen. Tannhäuser macht sich anschließend auf eine Pilgerreise nach Rom, während Elisabeth zu Maria betet, damit sie ihrem geliebten vergibt. Doch auch in Rom findet der Minne-sänger vor der gestrengen Geistlichkeit nicht die erhoffte Vergebung. So fällt Tannhäuser in eine tiefe Verzweiflung, in der er immer lauter nach Venus ruft, zu der er zurückkehren will, so wie sie es ihm einst prophezeite. Wolfram von Eschenbach gelingt es endlich die Venus zu beschwören, doch währenddessen stirbt Elisabeth. Erst dann kommt die erlösende Vergebung aus Rom.

Tannhäuser Aufführung Bayreut, 1930

Bei der Niederschrift der Sage fragte sich Grimm was aus Holda, der einstigen Mutter-gottheit geworden ist, die einst für das Wachstum auf den Feldern und die Ordnung im Haushalt sorgte. Während der Christianisierung wurde aus ihr eine Hexe und Teufelin. Gleichzeitig entstand aber in Maria jenes Bild der wundertätigen Muttergottheit, die zuvor auch Holda verkörperte. In der verführerischen, mit Zauberkräften ausgestatteten Venus und der Maria lebten so die beiden Aspekte jener Vorstellung alter Muttergöttinnen weiter. Auch bei Wagner, den mit dem Ludwig eine tiefe Freundschaft verband, spielt Maria eine wichtige Rolle. Mit dem Ruf `Mein Fried, mein Heil ruht in Maria, löst sich Tannhäuser nach langen inneren Kämpfen endlich wieder von Frau Venus´. Für Wagner ist das Motiv der Venus ein Sinnbild für die Hingabe an den gelebten Augenblick. Dies ist die Gegenwelt zur christlichen Ordnung, deren Fürsprecherin Maria darstellt. In seinem Stück Tannhäuser thematisierte Wagner jene Spaltung der Wesenszüge der alten Muttergöttin, die das Christentum erst hervorgerufen hatte.

Ausrichtung Schloss Linderhof

Das Schloss Linderhof in den Ammergauer Alpen ist das kleinste der drei Schlösser Ludwigs II. und zugleich aber das einzige, das noch zu Lebzeiten des Königs vollendet wurde. Es gilt aber als das Lieblingsschloss des Märchenkönigs, in dem er sich mit großem Abstand am häufigsten aufhielt. Ein Abbild jener Venusgrotte, die den Tannhäuser aus Wagners Musikstück in ihren Bann gezogen hatte, wurde im Park des Schlosses verwirklicht. Obwohl sein Vater Maxiimilian II seinen Sohn Ludwig vom Besuch der Wag- neraufführungen abgehalten hatte, begeisterte er sich früh für dessen Musik und Philo-sophie. Doch erst 1861 hatte er zum ersten Mal selbst eine Aufführung des Lohengrin besuchen können. In Wagner sah Ludwig II. aber nicht nur den genialen Künstler, sondern auch eine Art Vaterfigur. Aber auch Wagner war von dem schwärmerischen König. an- getan. 1864 begegnete er Ludwig mit großer Dankbarkeit, nachdem der ihn vor dem finanziellen Ruin bewahrt hatte und sagte: `Und dieses Leben, sein letztes Dichten und Tönen, gehört nun Ihnen, mein gnadenreicher junger König: Verfügen Sie darüber als über Ihr Eigentum´. Die Motive in Wagners Musikspiel Tannhäuser, die beiden Aspekte der alten Göttin, für die Ludwig II. in der Venusgrotte ein Denkmal schuf, bestimmten auch die Lage von Schloss Linderhof. So ist die Querachse auf den Sonnenaufgang an Mariä Verkünd- igung ausgerichtet und die Längsachse in Richtung der Venusgrotte, auf das Erscheinen des Sternes Sirius. Er verkörperte seit der Antike die Göttin Venus und war in dieser Richtung am Abend des Frühlingsäquinoktiums zum ersten Mal zu sehen.

Bilder. Wikipedia / John Collier: Tannhäuser im Venusberg. (1901) John Collier – Wikiart. / Tannhäuser bei Venus, Arbeitszimmer Neuschwanstein /Schluss der Tannhäuser-Inszenie­rung der Bayreuther Festspiele 1930, Bundesarchiv, Bild 183-2004-0512-501 / Simulation Sunearthtools, Stellarium

Das Herz von Herrenchiemsee

Blick durch das Gartenparterre auf die Fassade des Schlosses

Über die Geschichte der Insel Herrenchiemsee vor dem 7. Jahrhundert ist kaum etwas bekannt. Zwar verweisen ein Wall aus dem 6. Jahrhundert und Funde aus der Bronzezeit auf der nördlich gelegenen Fraueninsel auf für Siedlungstätigkeiten hin, doch diese Spuren scheinen sich nach der Errichtung eines Klosters im 7. Jahrhundert verwischt zu haben. Die Ungarneinfälle während der Jahrtausendwende setzten auch dem Klosterleben zu und von ihm blieb wenig mehr übrig als einige Mönchszellen.Wohl deshalb schenkt Kaiser Otto I. im Jahr 969 den gesamten Besitz dem Salzburger Erzbischof. Der gründete im Jahr 1130 an der Stelle des alten Klosters ein Stift für Chorherren . Seine größte Blüte erlebte das Stift während des 15.Jahrhunderts, doch bereits 100 Jahre später erfolgte bereits sein Niedergang. Dieser war ein Folge der Misswirtschaft, der Verschuldung und einer fehlende Ordenszucht. Im Jahr 1803 erfolgte seine Auflösung und anschließend bewohnt ein Graf die Insel, der sie schließlich an Spekulanten verkaufte. Ludwig II. von Bayern erwieß sich schließlich als Retter der Insel. 1873 erwarb der König Herrenchiem- see als Standort des späteren `Neuen Schlosses´. Im Jahr 1878 wurde das Schloss unter dem als Märchenkönig bezeichneten Ludwig II. nach dem Vorbild des Schlos- ses von Versailles bei Paris erbaut. Die Entwürfe für den Bau im historisierenden Baustil des Neobarock stammen vorwiegend von Georg von Dollmann, während die Ausführung der Öster-reicher Julius Hofmann übernahm.

Das Schloss von Versailles, das Vorbild für Herrenchiemsee

Wie das Schloss Herrenchiemsee wird auch das in den Wäldern von bei Viroflay gelegene Schlosses von Versailles von monumentalen Sichtachse bestimmt. Auch sie verbindet das Bauwerk mit der Landschaft, sondern genauso mit der Geschichte des Landes. In Versailles ist die Achse ist im Nordwesten auf den Sonnenuntergang an Mariä Himmelfahrt und im Südosten auf den Sonnenaufgang am 29. Oktober, dem Gedenktag der heiligen Genoveva ausgerichtet. An diesem Tag wurden die Gebeine der Stadtheiligen von Paris in einer feierlichen Prozession ins Pantheon überführt. Wie in Bayern, so spielte auch in Frankreich Maria eine wichtige Rolle in der Staatsphilosophie der Bourbonen. So war der Gründer von Versailles Ludwig XIII. wie alle Bourbonen ein glühender Marienverehrer, der es liebte, in den Heilig-tümern der Muttergottes zu beten. Wohl aus diesem Grund erließ er am 10. Februar 1638, knapp 20 Jahre vor dem Beginn des Baubeginns von Versailles in seinem Schloss von Saint-Germain-en-Laye ein feierliches Schreiben verfassen, worin er Maria zur besonderen Schutzherrin seines Reiches erwählte und ihr seine Person, seine Krone und seine Untertanen weihte.

Versailles Ausrichtung

Nahezu zeitgleich ist in Bayern eine ganz ähnliche Entwicklung zu beobachten. Bald nach seiner Amtsübernahme pilgerte Kurfürst Maximilian I. zum Bayerns bekannt- esten Marienwallfahrtsort Altötting und proklamierte dort Maria als Schutzpatronin Bayerns. Im Jahr 1610 ließ er dann eine Medaille prägen, die sie als Schutzheilige über der Landeshauptstadt mit dem Gebetsruf zeigt, `Sub tuum praesidium´ (Unter deinem Schutz) 6 Jahre später wurde dann die berühmte Bronzesatue angefertigt, die in einer Nische an der Westseite der Münchner Residenz ihren Platz fand. Sie zeigt die gekrönte Gottesmutter auf einer Mondsichel stehend, in der linken Hand das Zepter und im rechten Arm das Christuskind haltend. Eine Inschrift weist sie dort als `Patrona Bavariae´ aus.

Herzschale Ludwig II Altötting

Auch König Ludwig II. konnte sich beim Bau seines Schlosses der Tradition der Wittelsbacher nicht entziehen. Auch seine sterblichen Überreste folgten ihr nach seinem bis heute ungeklärtem Tod im Starnberger See. Während sein Leichnam heute in der Gruft der Münchner St, Michalskirche ruhen, ist sein Herz in der Gnad- enkapelle von Altöttng bestattet. In einer prächtigen Urne aus vergoldetem Silber wurde es am 16. August 1886, einen Tag nach Mariä Himmelfahrt, in einem festlich- en Trauerzug in die Wallfahrtskapelle übertragen. Aber bereits vor der Regentschaft des Märchenkönigs ließ das Haus Wittelsbach die Herzen ihrer Ahnen in kunstvoll gestalteten Urnen, auch Herzschalen genannt, gegenüber dem Gnadenbild der Schwarzen Muttergottes von Altötting bestatten. So galt doch das Herz seit der Antike als das Sinnbild für das Innerste im Menschen. In ihm wurde der Sitz der Seele, des Glaubens und der Weisheit vermutet. Diese Auffassung galt noch bis ins frühe 20. Jahrhundert fort. Hier in Altötting wurde das Bestattungsritual als ein Zeichen der engen Verbundenheit des Herrscherhauses mit der Marienverehrung gesehen.

Schloss Herrenchiemsee, die Ausrichtung

Diese Vorgeschichte macht es verständlich, dass die Blickachse von Herrenchiem- see auf den Sonnenuntergang an Mariä Geburt und zugleich auf den Sonnenaufgang am Rosenkranzfest ausgerichtet ist. Doch dies war nicht nur der Tradition des Fürst-enhauses geschuldet, sondern auch der ganz persönlichen Glaubensvorstellung Ludwigs II.

Bilder: Wikipedia/ Blick durch das Gartenparterre auf die Fassade des Schlosses, Jan Beckendorf from Graz, Austria / Das Schloss von Versailles, das Vorbild für Herrenchiemsee, Jean- Christophe BENOIST / H.Heine/Verkehrsbüro Altötting / Herzschale Ludwig II., Simulation, sunearthtools

Herrenchiemsee – Versailles im Chiemgau

König Ludwig II ist weit über Bayern hinaus bekannt durch seine gigantischen Schlossbauten. Bereits zu seinen Lebzeiten sorgten diese millionenschweren Bauprojekte für heftigen Diskussionsstoff und ließen so manchen Bajuwaren an der geistigen Zurechnungsfähigkeit des Königs zweifeln. Im Nachhinein gesehen zeigen sich diese Schlösser mit Brunnen- und Gartenanlagen als wahre Tourismusattraktionen und geben Einblick in die Traumwelt des Märchenkönigs. […]

über Auf den Spuren von König Ludwig II — filmpatrone

Deggingen und der Tag des Bernhard von Clairvaux

Alt Ave

In einem Vortrag zur Wallfahrtsgeschichte in Deggingen erwähnt Pater Leonhard auch die Quelle, die im oberen Teil des Hanges bei Deggingen liegt. Er beschreibt sie als einen von Bäumen umsäumten Ort, in deren Mitte eine besonders großes Exemplar steht. In der Tat zeichnet diese Quelle, dem heutige Alte Ave und Ursprungsort der Wallfahrten, neben der heilenden Wirkung noch zwei weitere Auffälligkeiten aus. Eine ist die ungewöhnliche Fließ-richtung des aus der Quelle entspringenden Baches. Der bildet zusammen mit dem unter der benachbarten Buschelkapelle Bach ein rechtwinkliges Dreieck. Die zweite ist der Son- nenuntergang zur Wintersonnenwende. Er ist  von Alt Ave über der benachbarten Busch-elkapelle zu sehen, die heute neben der Ruine der aufgelassenen Burg Berneck steht. Wohl auch aus diesem Grund bezeichnet Pater Leonard Alt Ave als Ort eines früh- geschichtlichen Heiligtums, das während der Christianisierung einen anderen Inhalt be- kommen hatte. Getreu dem Grundsatz von Papst Gregor I., der seine Missionare ange- wiesen hatte nichts zu zerstören, alles zu verwandeln und auf heidnischen Kultstätten Kapellen zu erbauen, geschah dies auch bei der Quelle über Deggingen.

Die Sonnenrichtung von Ave Maria

Im Jahr 861 errichteten Benediktiner aus Wiesensteig hier eine erste Holzkapelle, die im 15. Jahrhundert durch eine Kirche im gotischen Stil ersetzt wurde. Zwei Jahrhunderte später, zwischen 1716 und 1718, entstand jene Wallfahrtskirche im Barockstil, für dessen Stuckornamentik sich Ulrich Schweizer und Sohn Jakob aus Deggingen verantwortlich zeigten. Im Gegensatz zu vielen anderen Kirchen, bei denen die Baulinie auf den Sonnen-aufgangspunkt am Tag des Kirchenpatroziniums gerichtet ist, steht hier der ein Spruch Bernhard von Clairvauxs im Mittelpunkt. Verfolgt vom Eingangsportal der Kirche den Son- nenuntergang am 18. Oktober, so liegt der in der Baulinie der Kirche und erfolgt über dem Bergsporn bei Mühlhausen im Täle.

Ave Maria Deggingen

Im Leben des bedeutendsten Marientheologen des Mittelalters war dies ein ganz be- sonderer Tag. Laut seiner Biografie, hatte er am 18. Oktober 1146 in der Benediktinerabtei Afflighem bei Brüssel eine Begegnung mit Maria. Bernhard soll sie dort mit dem Spruch `Ave Maria´ begrüßt haben und sie soll ihm daraufhin mit `Ave Bernhard´ geantwortet haben. Wundersame Ereignisse gab es bereits in Bernhards Vorgeschichte. So soll seine Mutter Aleth vor seiner Geburt im Traum ein weißes Hündlein mit rotem Rücken gesehen haben das laut zu ihr bellte. Ihr Traum wurde dahin gedeutet, dass ihr Kind später einmal alas großer Prediger Gottes Haus bewachen und seine Stimme laut gegen die Feinde der Kirche erheben werde. Zusammen mit seinen Brüdern trat Bernhard im Jahr 1113 in das Reformkloster Cîteaux ein. Nur 2 Jahre später sandte ihn der Abt des Klosters aus, um das Kloster Clairvaux zu gründen. Bernhards Ausstrahlung zog rasch weitere Novizen an, so dass fast jedes Jahr zwei neue Klöster von Clairvaux aus errichtet werden mussten. Insgesamt gründete er am Ende 68 Klöster und mehrere weitere waren ihm unterstellt. Im Zenit seiner Tätigkeit waren dann 164 Abteien seiner geistlichen Führung unterstellt. Die Marienverehrung ist ein wichtiger Aspekt der theologischen Sicht Bernhards. Obwohl er nur selten über sie sprach, führten seine Aussagen zu einer breiten Marienfrömmigkeit während des Mittelalters. Mit seinen Gedanken wurde er zu dem Marienmystiker des 12. Jahrhunderts, der auch den Beinamen Doktor Marianus erhielt. Seinen Ruf als Marien-mystiker verdankt er aber auch seinen beiden Ordensbürdern Oglerius und Locedio, die ihre Werke nach seinem Tod verfassten und deren Schriften lange unter dem Namen Bernhards verbreitet wurden.

 Die Vision des Bernhard, Pietro Perugino 1493

Das Jahr 1146 war für Bernhard aber noch in andere Weise ein entscheidendes Jahr und offenbart ein höchst widersprüchlichen Charakter, der zwischen mystischer Marienver-ehrung und brutaler Gewalt schwankte. Im Herbst 1145 empfing Papst Eugenius III. die Nachricht vom Fall der Grafschaft Edessa als eine Delegation der Kreuzfahrer-staaten um den Beistand des Abendlandes nachsuchte. Zu dieser Zeit war Bernhard von Clairvaux bereits mächtiger als der Papst, denn er galt als einer der größten Prediger aller Zeiten. Er war sprachgewaltig und was er für richtig hielt, konnte er überzeugend darlegen. Bernhard von Clairvaux, der spätere Heilige, machte sich damit auch zur treibenden Kraft des zweiten Kreuzzuges. In seinen Briefen erweiterte er die Beweggründe der Kreuzzüge und machte Gewalt zu einem festen Bestandteil bei er Verteidigung des Christentums. Dabei rückte er den Akt der Sündenver-gebung als Belohnung für eine Teilnahme am religiösen Krieg ins Zentrum seiner Forderungen. Als der 2. Kreuzzug scheiterte war auch Bernhards Ruf beschädigt. Doch er wies alle Schuld von sich und machte die Unmoral aller Beteiligten für die Niederlage verantwortlich.

Ave Maria Deggingen am Berg

Noch heute lässt der Ort Alt Ave die Atmosphäre des alten Quellheiligtums erahnen. In der frühen Phase der Christianisierung wurde hier die Rolle der alten Gottheiten auf Maria übertragen. Sie scheinen noch in ihren zahlreichen Beinnamen durch, die ihr während des Mittelalters verliehen wurden. In den Namen  `Maria, Du Heil der Kranken , Du Kelch des Geistes,  Du Sitz der Weisheit, Du Morgenstern´ lebt jene alte Tradition weiter.

Bilder: Alt Ave, Ave Maria Deggingen, eigen/ Bernhard v. Clairvaux, Pietro Perugino: Die Vision des Bernhard, 1493, Alte Pinakothek in München, Joachim Schäfer – Ökumen-isches Heiligenlexikon. / Simulation, sunearthtools