Das Denkmal der Völker

Völkerschlacht 1Denkmal mit Spiegelung im vorgelagerten „See der Tränen um die gefallenen Soldaten“

Es war die Entscheidungsschlacht mit der für die europäischen Völker   ein neues Zeitalter begann. Vom 16. bis zum 19. Oktober 1813 kämpft-   en südlich von Leipzig die Truppen der Verbündeten Rußland, Preußen, Österreich und Schweden gegen die Napoleon Bonapartes. An der Schlacht waren rund 600.000 Soldaten beteiligt und damit war sie wahrscheinlich die größte Schlacht des 20. Jahrhunderts. In dieser wichtigsten Schlacht der Befreiungskriege, mit der die napoleonische Herrschaft beendet werden sollte, wurde Napoleon die entscheidende Niederlage beschert, von der er such nicht mehr erholen sollte. Wenige Tage nach der Schlacht entstand bereits der Name. Der Verdienst ge- bührt dem Journalisten Achim von Arnim, der den Begriff der Völker- schlacht in einem Artikel der Berliner Tageszeitung Preußischer Corres-pondent am 22. Oktober 1813 erwähnte.

Völkerschlacht GemäldeVölkerschlacht bei Leipzig(Gemälde von Wladimir Moschkow, 1815

100 Jahre nach der blutigen Schlacht war der Leipziger Architekt und Frei- maurer Clemens Thieme, die treibende Kraft bei der Erbauung des Denk- males für die Völkerschlacht. Dieses Bauwerk dürfte auch eines der letzt- en sein, in dem die komplexe Symbolik der Antike noch einmal

Völkerschlacht 2

Figur des Erzengels Michael am Fuße des Denkmalssichtbar wurde.

Thieme war Freimaurer der Leipziger Loge Apollo im Meistergrad, jedoch war er kein hammerführender Logen- oder Altlogenmeister. Unter seiner Federführung entstanden im Kreis der Bruderschaft die Ideen und Gestalt- ungselemente für die Umsetzung der Denk-malsidee. Die Bildthematik bezieht sich sowohl auf die mittelalterlichen Steinmetzbruder-schaften   mit den unteren Graden Lehrling-Geselle-Meister, aber auch auf religiös-nation-aler Bildmotive. Ebenso wichtig für die Gestaltung war die uralte Natursymbolik, die das Licht, den Kosmos und die Gestirne abbildet. Ähnlich den Schilderungen in der Johannesoffenbarung umschließt ein Löwenrachen die den Zugang zum Denkmal. Über ihm wacht der Erz- engel Michael mit dem Flammenschwert und gebietet Ruhe auf dem Totenfeld. Über der gigantischen Skulptur, des Künstlers Christian Behrens, steht die Inschrift `GOTT MIT UNS´. Ein symbolischer Zugang zum Denkmal wird also nur dem zuteil der auch das rechte `Wort´ kennt.

Michael , der Soldat

Das Bild des Rachengels aus der Offenbarung wurde zu Beginn des     20. Jahrhunderts als christlichen Militärheiliger zum Vorbild des Soldaten erkoren. Damit hatte der Erzengel seine letzte Wandlung erlebt, ehe er aus den Augen der Öffentlichkeit verschwand. Ausgangspunkt war dessen Kult im 5. Jahrhundert, der mit dem Wunder auf dem Monte Gargano begann. Die Wandlung vom Fürsprecher und Heiler zum Vorbild der Ritter vollzog sich rasch. Auch in den 1947 entdeckten Schriftrollen vom Toten Meer aus der Frühzeit des Christentums ist von Michael als dem `Fürst des Lichts´ die Rede, der die Heerscharen Gottes gegen die Mächte des Bösen unter Belial führt. So trägt er in den Texten auch den Titel `Vizekönig des Him- mels und Anführer der Heerscharen´. In der Zeit der Errichtung des Denk- males schwand zunehmend seine einstige sakrale Funktion und das Bild Michaels wandelte zu einem identitätsstiftenden Kriegsgott. Dieses Bild diente bis zum Ende des ersten Weltkrieges als Vorbild für Kampfesmut, doch mit der Niederlage 1918 war das Motiv weitgehend sinnentleert und verschwand. Nur auf Friedhöfen diente die der heilige Michael, wie auch der heilige Georg noch als Gefallenendenkmale. Ein Sinnbild des Todes stellen auch die 16 im Kreis angeordneten Toten- wächter dar die als Beschützer der Krypta und des Grabes dienen.

TotenwächterDie Totenwächter

Die Zahl 16 kann als nebeneinander-gestellte Einzelzahl, als Produkt, aus 2×8, oder auch in der Quersumme gedeutet werden. Während die 1, den Beginn des ewig Seienden, also Gott darstellt, steht die 6 für die erste vollkommene Zahl und gleichzeitig auch für den Mensch, der damit nicht ohne Grund am 6. Tag der Schöpfungsgeschichte erschaffen wurde. Die Pythagoreer sahen in ihr die Zahl des Kosmos, denn in der Architektur ihres des Zahlenmodelles spielt sie eine entscheidende Rolle. Doch neb- en der Zahlensymbolik bietet das Denkmal auch ein synästhetisches Zahlenerlebnis das aus den Wurzeln der Freimaurerei stammt, der ägypt- ischen Mysterienlehre. Der ägyptische Gott Osiris war ein Sohn des Erd- gottes Keb und der Göttin Nut. Sein Gemahlin und Schwester war Isis,    die sich in der Gestalt des Sternes Sirius personifizierte und die jährliche Nilflut ankündigte. Er folgte dem Sternbild Orion, der ab dem Mittleren Reich mit Osiris identifiziert wurde. Osiris wurde von seinem rachsücht- igen Bruder Seth getötet und zerstückelt, der ihn anschließend auf die Gaue Ägyptens verteilte. Von Isis der `Zauberreichen´ wurde er wieder zusammenge- setzt und wiederbelebt. So konnte er als Gott der Unterwelt zurückkehren und wurde zu einem Sinnbild der Wiedergeburt. So nimmt es nicht Wund- er dass das Denkmal genau auf den Punkt ausgerichtet ist wo am Aller- heiligen Tag 1813 die mittlere Gürtelsterne des Sternbildes Orions stand als der Tag endete. Ebenso war am Tag des ersten neuen Lichtes, Maria Lichtmess, Lichtes die Erstsicht dieses Sternes in der Mitte Orions, in dieser Fluchtrichtung zu sehen.

Völkerschlacht PlanDie Ausrichtung des Denkmales

Bilder: Wikipedia / Völkerschlachtdenkmal, Steffen Guenther / Völker-schlacht bei Leipzig(Gemälde von Wladimir Moschkow, 1815, Hohum / Figur des Erzengels Michael am Fuße des Denkmals , Sir James / Totenwächter, D.j.mueller , Simulation: Stellarium

Der Stern der Walhalla

Walhall doeplerWalhall, Emil Doepler um 1905

In der nordischen Mythologie wird Walhall als eine prächtig geschmückte Halle mit 540 Toren beschrieben. Sie war Teil von Odins Burg Gladsheim, die in den Vorstellungen mit Gold und Edelsteinen verziert war und im jenseitigen Reiche der Asen lag. Je 800 Einherjer, die Gefallen der letzten Schlacht berichtet die Sage, konnten nebeneinander durch die Türe in Walhall einziehen. Einen Brückenschlag zwischen nordischer Mythologie und antiker Begeisterung bildet das Bauwerk an der Donaustuf bei Regensburg.

KrausWalhalla KopieEinweihung Walhalla 1842, Lithografie

Dort legte Leo von Klenze, einer der bedeutendsten Architekten des Klas- sizismus im Auftrag König Ludwig I, 1830, am 17. Jahrestag der Völker- schlacht bei Leipzig den Grundstein für einen Ruhmestempel deutscher Größen. Nach dem Vorbild des Parthenon in Athen erhielt das Bauwerk   die Gestalt eines dorischen Peripteros Tempels. Ausgeführt in Marmor hat er eine Länge von 66,7m und eine Breite von 31,6m. Allein die metrischen Maße sagen nichts mehr über die allen Details des Bauvorhabens zu Grunde liegende Symbolik aus. Werden die Maße jedoch in die damals gebräuchliche bayrische Elle von 0,83301m umgewandelt, so bekommt der Tempel ganzzahlige Maße mit einer Länge von 80 Ellen und eine Breite von 38 Ellen.
Doch die Geschichte des Bauwerkes begann bereits 30 jahre zuvor, denn mit der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches im Jahr 1806 erlebte Deutschland eine tiefe Niederlage. Ein Großteil der Staaten, die sich im Rheinbund zusammengeschlossen hatten, standen nun unter dem Ein- fluss Napoleons. Bereits zu diesem Zeitpunkt ließ der damalige Kronprinz Ludwig eine Serie von Büsten `rühmlich ausgezeichneter Teutscher´ erschaffen.

Büsten WalhallaBüstengruppe Walhalla

Als die Walhalla beendet war schrieb, er über den eigentlichen Zweck des Bauwerkes, in dem er eine identitätsstiftende Wirkung sah, die letztendlich zu einer gemeinsamen Sprache führen sollte: `Möchte Walhalla förderlich sein der Erstarkung und der Vermehrung deutschen Sinnes! Möchten alle Deutschen, welchen Stammes sie auch seien, immer fühlen, dass sie ein gemeinsames Vaterland haben, ein Vaterland auf das sie stolz sein kön- nen, und jeder trage bei, soviel er vermag, zu dessen Verherrlichung.´
Zusammen mit dem patriotisch gesinnten Schweizer Geschichtsschreiber Johannes von Müller, der auch den Namen Walhalla vorschlug, wählte Ludwig I Persönlichkeiten aus, die von Kaisern längst vergangener Zeiten bis zu zeitgenössischen Persönlichkeiten reichten.

Walhalla_PanoramaWalhalla, Panorama

Der auf einem imposanten Sockel, 82m über der Donau stehenden lenkt der Bau den Blick in die Ferne. Ein Topos einer idealisierten Geschichte, die direkt Bezüge zur antiken Archtiktur aufnahm. Auffällig sind hier nicht nur die symbolischen Maße, die Klenze ganz im Sinne der antiken Tradit- ion wählte. So steht die Symbolik der 8 für in der christlichen Symbolik für den glücklichen Anfang und den Neubeginn, während in der 38, die darin enthaltene 19 auf die 19 Elemente der pythogeerischen Tetraktys verweist, einem antiken Modell zur Erklärung des Kosmos. Doch die Bezüge zur Völkerschlacht in Leipzig verweisen nicht nur auf den Sieg über Napoleon, sondern auch auf die Symbolsprache der Freimauer. Wie die Walhalla, ist auch das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig, das dem Wirken des Leip- ziger Architekten und Freimaurer Clemens Thieme zu verdanken ist, ein Bauwerk voller verborgener Zeichen und Symbole.

VölkerschlachtVölkerschlachtdenkmal

So verweist die Zahl 17 des Jahrestages der Völkerschlacht bei der Grund steinlegung auch auf die biblische Bedeutung der 17. Sie steht in der Heil- igen Schrift einerseits für das kommende Gericht und das Leiden, aber gleichzeitig auch für die Gnade, und Freude der Errettung. Auch der Jahr- estag der Fertigstellung greift mit der Zahl 29 eine besondere Symbolik auf . So stellt die 29 die Summe dreier aufeinanderfolgender Quadratzahlen dar: 2^2+3^2+4^2 = 29. Innerhalb des bereits erwähnten System der Tet- raktys ist die 29 die Summe der Teile eines Doppelrautenkreuzes, dem Sinnbild des Erdkreises. Die Vereinigung der Freimaurer widmet sich mit ihren Zielen dem Streben nach Wahrheit, Liebe und Menschlichkeit, symbolisiert durch die Suche nach dem Licht. Diesem Umstand Rech- nung tragend, ordnete um 1600 der Jurist Johann Bayer die bis dahin nur unzureichend geordnete Sterne nach dem Grad ihrer Helligkeit. In seiner Liste führte er auch den Stern Alpha Orionis, auch bekannt als Beteigeuze, den hellsten Stern des Sternbildes Orion an. Mit einer Leuchtkraft die 10.000-mal heller ist als die Sonne ist er der zehnthellste Stern am Nacht- himmel und bildet dort die starke Schulter des Orion. Mit dem Stern des Orion knüpft die Bildsymbolik an eine Tradition an, die bei den chaldä- ischen Astronomen Mesopotamiens begann. Doch erst in Ägypten wurde er zusammen mit dem Stern Sirius zu jenem Topos von Tod und Wieder- geburt. Die griechische Mythologie griff wieder auf das chaldäische Bild des Jägers zurück, Als Sohn des Poseidon und Bruder des Zeus werden seine Heldentaten gerühmt. Als er aber im Auftrag des Königs von Chios die wildesten Stiere erlegen musste entbrannte seine Liebe zur Königs- tochter Merope. Der erzürnte König ließ ihn blenden, doch die Strahlen der aufgehenden Sonne gaben ihm sein Augenlicht zurück.

Walhalla Plan OrionSichtachse Walhalla

In seiner Geschichte wurde Orion aber auch mit dem heiligen Michael, dem Bild des wehrhaften Verteidigers des Christentums identifziert. Durch Karl den Großen wurde er zum Schutzpatron des Heiligen Römischen Reiches und erfreute sich mit Beginn des 19. Jahrhunderts wieder einer wachsenden Beliebtheit. Dieses Bild des Hoffungsträgers einer Reichs- einigung auch die Sichtachse der Walhalla auf, die um Mitternacht des Weihnachtstages 1830, dem Baubeginn, auf seine Schulter zielte. Währ- end sein Arm mit dem Schwert im Meridian liegt, hat er den höchsten Punkt seiner Bahn erreicht. Damit verkörperte er nicht nur die Erlösung sondern auch den streitbaren Geist, in dem sich die Hoffnung der Einigung bündelten.
Bilder: Wikipedia/ Emil Doepler – Doepler, Emil. ca. 1905. Walhall, die Götterwelt der Germanen,Bloodofox~commonswiki / Einweihung der Walhalla 1842, Lithografie von Gustav Kraus , Artsolutions / Büstenruppe Walhalla, Arbeiterreserve / Walhalla Panorma 2, Mijozi / Völkerschlacht bei Nacht, Reity007

Das Licht und die Grabkapelle

Rotenberg 2Grabkapelle auf dem Rotenberg

Im Zeitalter der Monarchie dienten Ehen auch dazu, die politischen Ver- hältnisse zwischen zwei Staaten zu verbessern. So hatte die Teilnahme Württembergs am Rußlandfeldzug Napoleons das Verhältnis mit dem Zarenreich, trotz der engen verwandschaftlichen Verbindungen merklich abgekühlt.

KöniginKatharinaKönigin Katharina Pawlowna, Franz Seraph Stirnbrand, 1819

Eine Möglichkeit dieses wieder zu normalisieren bot sich in der Heirat zwischen der verwitweten Tochter des russischen Zaren, Großfürstin Katharina Pawlowna und dem württembergischen Kronprinzen Wilhelm . Nur wenige Monate nach der im Januar 1816 in St.Petersburg geschlos- sene Ehe trat König Wilhelm I sein schweres Regierungsamt an, denn  das Land war von Missernten und Hungersnöten geplagt. Nur zwei Jahre zuvor ereignete sich eine folgenschwere Vulkanexplosion in Indonesien, die Europa den Sommer ohne Sonne bescherte. Sie führte nicht nur zu einem Temperaturabfall, sondern auch zu lang anhaltenden Regenfällen.

KönigWilhelm IKönig Wilhelm I. von Württemberg im Jahr 1827

Katharina Pawlowna nahm sich sofort dem Schicksal der Bevölkerung    an und wurde durch die Gründung eines `Zentralen Wohltätigkeitsvereins bekannt, in dem sie gemeinsam mit bürgerlichen Männern und Frauen an der Linderung der Not arbeitete. Doch ihre Ehe war überschattet durch das kurz nach der Heirat wieder aufgeflammte Verhältnis des Königs mit der italienischen Adligen Blanche de la Flèche.
Als Katharina Pawlowna ihn im Januar 1819 in Scharnhausen mit seiner Geliebten entdeckte, fuhr sie im offenen Wagen zur nach Stuttgart zurück. Kurz darauf verstarb sie an den Folgen einer schweren Erkältung. In der Folge entfalte der König zahlreiche Aktivitäten um sein Verhältnis zu ver- tuschen. Wohl auch aus diesem Grund entstand ein Bauwerk, dass das Morgenblatt für gebildete Stände schon vor der Fertigstellung als `ein Meisterstück der Baukunst´ bezeichnete und es mit den `schönsten Denkmälern des Alterthums´ vergleicht. In der Tat dürfte die Grabkapelle eines der letzten Bauwerke gewesen sein, bei dem die Ausrichtung auf Sonnenaufgangs- oder Untergangspunkte noch eine entscheidende    Rolle spielten.

Burg WürttembergBurg Württemberg

Sie entstand zwischen 1820 und 1824 nach dem Entwurf des italienisch- en Hofbaumeisters Giovanni Salucci an dem Ort, an dem einst die Burg Wirtemberg stand, die Stammburg des Hauses Württemberg. Während das Äußere der Grabkapelle an Palladios Villa Rotonda erinnert, lässt der Kuppelraum im Eingangsgeschoss die Assoziation an das Pantheon in Rom wach werden. In Beschreibungen des Bauwerk ist von einem herr- lichen Ausblick über das Neckartal die Rede, doch allein der genügt nicht die dem Bauwerk zugrunde liegende Symbolik zu erklären. die bestim- mende Punkt für die Ausrichtung der Grabkapelle liegt tatsächlich im Südwesten, wo die Sonne am Abend des Reformationstages hinter dem Horizont verschwindet. Damit lieferte Luthers reformatorische Entdeck- ung, dass Gott selbst in Jesus Christus die Sündenschuld der Menschen.
tilgt, den Gedanken für die Ausrichtung der Kapelle.

Grabkappele Rotenberg PlanAusrichtung der Grabkapelle

 Allerseelen zählt neben dem einem Tag zuvor gefeierten Allerheiligen zu den Hochfesten des liturgischen Kalenders. Der Gedenktag für die Ver- storbenen geht zurück auf den Abt Odilo von Cluny und ist in Rom seit dem Beginn des 14. Jahrhunderts bezeugt. Theologisch eng verknüpft ist der Feiertag mit der Vorstellung vom Leiden der Verstorbenen in einem Fegefeuer, dessen Qualen mit Hilfe von Gebeten, Fasten oder Almosen verkürzt werden konnten. Der Ausrichtung auf das Jenseits folgt auch die Symbolik der Architekturbauteile. Während die Zahl vier als Sinnbild der vier Himmelsachsen sich in den Portiken widerspiegelt, wird der Innen- raum mit sein 16 Säulen durch die auf den Sonnenuntergangspunkt aus- gerichtete Längsachse in 2×8 Säulen geteilt.

Salucci BleistiftzeichnungSalucci, Bleistiftzeichnung des Kuppelraumes

Da nach 7 Tagen mit dem 8. Tag eine neue Woche beginnt war die Zahl 8 bereits bei den Kirchenvätern ein Symbol für den Neubeginn und stand damit auch für den Tag der Auferstehung des Herrn.In der christlichen Zahlensymbolik des Mittelalters verkörpert die Zahl 8 den glücklichen An- fangs, die Neugeburt und des Neubeginns und damit auch o die geistige Wiedergeburt. Vor diesen Hintergrund ist die Zahl auch das Symbol der Taufe und prägte in der Gestalt eines Oktogons die Gestaltung zahlreicher Baptisterien des Mittelalters. Als Zahl des Gleichgewichtes symbolisiert die Zahl 8 auch die acht Richtungen der Windrose.
Diese Bedeutung wird in der Grabkapelle durch die Einbeziehung der vier Evangelisten überlagert, die in vier Mauernischen um das Zentrum grupp- iert sind. Seit dem 4. Jahrhundert werden die Matthäus, Markus, Lukas  und Johannes, die als Autoren der vier biblischen Evangelien gelten, durch vier geflügelte Symbole dargestellt: Ein Mensch, oder auch das Sternbild Aquarius steht für den Evangelist Matthäus, der Löwe für Markus, der Stier für Lukas und der Adler für Johannes. Dieser Zuordnung geht zurück auf die Visionen des Propheten Ezechiel, der im 1. Kapitel seines Buches vier Gesichter schildert, die ihm während einer Vision am Himmel erschienen. Doch hinter diesen Gesichtern Ezechiels stand in Wirklichkeit eine Erken- ntnis der frühen Astronomen Mesopotamiens. Bereits 4000 v. Chr. gab es die 4 Wächtersterne, die das Jahr in vier Jahreszeiten unterteilten.  Da- mals waren es noch Antares aus dem Sternbild Scorpion, Aldebaran aus dem Stier, zusammen mit den Plejaden, der Stern Spica aus dem Stern- bild Jungfrau und der Stern Regulus aus dem Löwen. Bei Ezechiel jedoch steht diese Vierergruppe, nach dem griechischen Begriff Tetramorph ge- nannt, steht für die Ordnung der Überlieferung die zu Beginn des Christ- entums aus einer Vielzahl konkurrierender Schriften bestand.
Ohne die Hintergründe der Symbolik zu kennen, ist nicht mehr möglich  Botschaften wie die, die der Grabkapelle zu lesen. So stehen die Aus- richtung und die Symbolik dieses Bauwerk für eine Geisteswelt, die       uns heute in großen Maß fremd geworden ist.

Bilder Wikipedia commons, Grabkapelle,Xocolatl / Burg Württemberg, Königin Katharina Pawlowna/ König Wilhelm I. von Württemberg im Jahr 1827 – Scan von Robert Uhland, 900 Jahre Haus Württemberg,Wuselig – gablenberger-klaus, Kuppel
Simulation: sunearthtools

Karlsruhe – die Stadt des Osiris

Karlsruhe Schloß                                                         Karlsruhe Schloß
In den Stadtplanungen des 18. Jahrhunderts taucht der in der Frühgeschichte entwickelte Gedanke einer Harmonie von Boden und Himmel ein letztes Mal auf, ehe die Trennung von Astronomie und Astrologie rationalen Überlegungen Platz machen. Solche Überlegungen bestimmten den Plan der amerikanischen Hauptstadt Washington, für deren Grundriss Thomas Jefferson auch den Plan der Stadt Karlsruhe als Inspiration diente. Trotz seiner sym bolischen Anspielungen erreicht der Plan Washingtons aber weitem nicht die Kom- plexität der Karlsruher Planung.

In kaum einem Stadtgrundriss ist der Gedanke einer Idealstadt wie sie Thomas Morus in dem Werk Utopia und Tommaso Campanella in seiner Schrift `Der Sonnenstaat´ pro- pagierten zu großer Vollkommenheit gelangt wie in Karlsruhe. Der Legende zufolge soll Karl-Wilhelm, Markgraf von Baden-Durlach, einem Jagdausritt im Hardtwald bei Durlach eingeschlafen sein. Dort träumte er von einem Schloss das wie eine Sonne im Zentrum seiner neuen Residenz lag. Dessen Grundsteinlegung erfolgte am 17. Juni 1715 und be- gründete die Anlage der Planstadt `Carols Ruhe, dem heutigen Karlsruhe.

Mit der Anzahl von 32 Strahlen die als Straßen den Stadtkern sternförmig mit dem Umland verbinden wurde eine Zahl gewählt die eine komplexe Bedeutung verkörpert. Während die Drei die göttliche Trias darstellt, zeigt sich in der Zwei der Gedanke der Schöpfung die aus einer Dualität von Kräften entstand. Beide Zahlen addiert ergeben wiederum die Zahl 5 in der sich die Sinne des Menschen, wie auch die Quintessenz der 5 Elemente nach der Lehre von Aristoteles zeigen. Gleichzeitig lässt sich die 32 aber auch als 5 Potenz der 2 darstellen.

Trotz der Radikalität mit der in Karlsruhe der Gedanke einer Sonnenstadt im Sinne Camp- anellas umgesetzt wurde, wirft die Abweichung der bestimmenden Nord-Süd Achse um knapp 4° die Frage nach dem Grund auf. Der erste Gedanke zielt natürlich auf landschaft- liche Gegebenheiten die der konsequenten Umsetzung des Gedankens im Wege standen. Doch der Betrag ist zu gering als es dafür einen ersichtlichen Grund gab. Mittlerweile gibt es eine Vermutung über die auch in einem Fernsehbeitrag der Reihe Genie und Geometrie berichtet wurde. Nach den Überlegungen von Roswitha und Ronald Vaughan soll die Linkenheimer Allee, die auf den Dom zu Speyer weist, für die Abweichung verantwortlich sein.

Doch auch hier trifft die Achse den Dom nicht exakt und auch inhaltlich ist der Bezug nicht ausreichend genug als dass es diese Ausrichtung wirklich rechtfertigen würde. Dabei of- fenbart der Blick nach Süden ein Motiv, das auch mit den Anspielungen auf die zahlreichen ägyptischen Motive bei Karlsruher Bauwerken korrespondiert. Durch die minimale Ver- drehung weist die Achse auf ein Sternbild das 1717, zum Zeitpunkt der Wintersonnen- wende um Mitternacht am Himmel im Süden zu sehen war. Zu diesem Zeitpunkt Stand der göttliche Jäger Orion mit seinen drei Gürtelsternen Alnitak, Alnilam und Mintaka so dass die Achse genau den Mittlern Stern traf.

Karlsruhe Plan 1                                                     Die Achse von Karlsruhe

Drei Väter soll Orion gehabt haben. In den Erzählungen werden die Götter Zeus,Poseidon. und entweder Hermes oder Ares genannt.In Griechenland war Orion als Jäger bekannt, der in Böotien und auf Kreta lebte. Dort wurde er auf seiner Jagdzügen von seinen beiden Hunden Sirius und Procyon begleitet. Die ägyptische Mythologie setzte ihn dem Gott Osiris gleich der die Wiedergeburt des Nils verkörperte. Zugleich wurde er als Richter und Gott der Unterwelt, aber auch Herrscher des Diesseits angesehen.

Dieser Gürtel wurde seit der Spätantike auch als die Heilgen Drei Könige oder die Jakobs- leiter bezeichnet wird. Diese Deutung geht zurück auf eine Beschreibung in der Bibel. In Gen 28,11 wird beschrieben wie Jakob auf seiner Flucht vor Esau von Beerscheba nach Harran diese Leiter sie in einer Traumvision erblickte. Dort stand sie auf der Erde und ihre Spitze reichte in den Himmel. Auf ihr sieht er in der Schilderung die Engel herunter und wieder hinaufsteigen. Dass dieses Bild auch mit den landschaftlichen Gegebenheiten im Süden von Karlsruhe übereinstimmt zeigt die Weiterführung der Achse. Sie führt über den Kreuzelberg bis zu dem den Horizont abschließenden Mahlberg. Gemäß der hebräischen Auslegung des Wortes in der Bibel, das auch mit Treppe oder Stiege übersetzt werden kann, ist hier eine Landschaftstreppe zu sehen die zu diesem Zeitpunkt tatsächlich zu dem über ihr stehenden Gürtel des Orion zu führen schien.

Orion Sternbild                                               Sternbild Orion – alte Sternkarte
Orion vereinigte ein komplexes mythisches Bild. Wie sein Vorläufer Gilgamesch war Orion ein Städtegründer. Trotz seiner göttlichen Abstammung muss er aber wie alle Sterblichen Liebe und Tod erdulden, aus dem jedoch immer wieder zu neuem Leben erwacht. Dessen Wirkung in astrologischer Hinsicht beschreibt Claudius Ptolemäus in seinem Werk Tetra- biblos wo die Wirkung des Oriongürtel gleich der von Jupiter und Saturn sieht. Gerade dies sind Eigenschaften die einen König zugeordnet wurden: Kraft, Zuversicht und Vertrauen. Auch die Alchemie, die das große Interesse Karl Wilhlems weckte, sah einen Wechsel- wirkung zwischen Planeten und Erde. Alles, was sich am Himmel dem Makrokosmus abspielte, hatte nach den vorherrschenden Lehrmeinungen eine Entsprechung und Aus- wirkung auch auf der Erde, dem Mikrokosmus.