Swanegow

Brahma auf dem Schwan

Sein weißes Gefieder machte den Schwan zu seinem Sinnbild der Reinheit und Wand- lungsfähigkeit. Seine Stimme und seine Anmut ließen ihn in vielen Kulturen zu einem Tier der Götter werden. So ritt der Hindu-Gott Brahma auf einem Schwan, welcher ihm als eine Art Kutsche diente. Ein ähnliches Bild findet man auch bei den Kelten, welche verzauberte Schwäne vor ihren Kultwagen spannten. In der lateinischen Fassung des Physiologus, einer Naturlehre die um 830 entstand, ist von den herausragenden Eigenschaften des Schwanes noch keine Rede, doch im Jahr 856 berichtet Hrabanus Maurus in seiner Schrift `De rerum naturis´ mehr über den Schwan. Er schreibt, dass so gut singen könne, weil er einen langen und biegsamen Hals hat. Ebenso erwähnt er die Schwäne als Wahr- sagevögel der Griechen die sie auch bei einem Schiffbruch nicht untergehen ließen. Den legendären Ton des Schwanes, der einer Posaune gleicht, greift auch die  frühmittel- alterlichen Schwanenklage auf und hier wird er zum Gegenstand zahlreicher Legenden. So hielt sich der Glauben an diesen Schwanengesang, den das Tier anstimmte wenn es sein Ende spürte, noch bis in das späte Mittelalter. Aber bereits im Jahr 77 schrieb der römische Dichter Plinius der Ältere: `Man erzählet von einem kläglichen Gesange der sterbenden Schwäne, aber aus einigen Erfahrungen halte ich es für falsch´. Doch ganz so abwegig wie es Plinius sah, stellt sich der Gesang des Schwanes nicht dar. So berichtete  der amerikanische Zoologe Daniel Giraud Elliot Ende des 19. Jahrhunderts von einem Pfeifschwan, der durchaus musikalische töne hervorbringen kann. Den hatte er während des Fluges geschossen und während er zu Boden glitt, schreibt Elliot, habe er eine Reihe `leidender und musikalischer Noten´ produziert, die geklungen hätten, wie wenn man leise die Töne einer Oktave spielt´.

Hiltbolt von SchwangauHiltbolt von Schwangau, Codex Manesse

Ganz im Sinne dieses Schwanenmythos lebte der um 1221 geboren Hiltbolt von Schwangau, denn er galt zu seiner Zeit als einer der berühmtesten Minnesänger. Doch zu dieser Zeit nannte sich das Rittergeschlecht bereits nach dem Höhenzug, dem Schwanenberg. Er wurde später zum Namensgeber einer ganzen Landschaft. Dafür bietet der nordöstlich gelegene Hornburg eine Erklärung. Vom Standort der beiden Vor- läuferburgen Neuschwansteins aus betrachtet, stieg der hellste Stern Deneb aus dem Sternbild des Schwans im 11. Jahrhundert über den schroffen Bergkegel auf. Auffällig ist die damalige Erstsichtung des Sternes unter einem Winkel von 43°, bezogen zur Nord- richtung. Die beiden Zahlen 4 und 3 stehen sinnbildlich für die frühe christliche Vorstell- ungen vom Aufbau der Welt. Vier Himmelsrichtungen standen für die Erde, über die eine göttliche Dreiheit herrschte. Folgerichtig taucht die vier auch in der Anzahl der Evangelien auf, die die Lehre dieser Trinität verkünden. Die Gradzahl des Vollkreises, dividiert durch die 12 führt dann wieder zurück zur Zahl der Trinität. Die 4 und die 3 addiert ergeben die 7, die bereits bei den Sumerern eine heilige Zahl darstellte, da sie die 7 Planetengötter ver- körperte. Auch bei den Pythagoreern galt sie als ganz besondere Zahl. In deren Lehre stellt  die 7 dein Sinnbild für die Spanne der Lebenszyklen eines Menschen dar.

Der Hornburg

Neuschwanstein und der Schwan

Der Mensch steht auch im Mittelpunkt der Heilkraft des seltenen Minerals Coelistin, des- sen Vorkommen im Hornburg belegt ist. Der Name Coelestin stammt vom griechischen Wort `ceolestis´, was so viel wie himmlisch oder himmelblau bedeutet. In früheren Zeiten glaubten die Griechen, dass die Kraft des Steines nur dann wirkte wenn man ihn als Geschenk von einem Freund bekäme. Dadurch, so der Glaube, ist war er auch in der Lage alles Böse aus dem Körper zu heraus zu spülen. Die Römer nannten ihn auch Aura-Aura, weil sie um die Heilkräfte des Minerals bei Verletzungen und Wunden wussten, ebenso auch auf dessen stärkende Eigenschaft auf die Seele vertrauten. Als Heilstein wird dem Coelestin eine besonders starke Wirkung zugesprochen. Coelestin zählt auch heute noch zu den wichtigsten Heilsteinen. Ihm wird nachgesagt dass er Körper und Seele in Einklang bringt, gleichzeitig zu mehr Stabilität und Tatkraft verhilft.

Coelestin

Erste Aufzeichnungen zur Wirkung von Steinen gibt es in den Schriften der Veden. Dort wird beschrieben, wie unterschiedliche Steine zu Heilzwecken aufbereitet werden müssen. Parallel dazu entstand auch die eine kosmologische Sicht ihrer Heilwirkung. Auch im Mittelalter fand diese Steinheilkunde eine besondere Anerkennung. Bücher über Heilsteine, wie das Lapidarium des Benediktinermönches Marbod von Rennes, waren weit verbreitet. Hildegard von Bingen verband diese Leeren dann zu einer eigenen Stein-heilkunde. Sie glaubte, dass sich in der Seele des Menschen kosmische und göttliche Kräfte vereinten, die durch die Energie von Edelsteinen aktiviert werden. Dieser besondere Blick auf einen Berg, dessen himmlisches Mineral Heilung versprach und über dem zugleich der Schwan in den Himmel stieg, verhalf dem Höhenzug, wo heute Schloss Neuschwanstein steht, wohl zum redenden Namen `Swanegow´ , die Landschaft des mythischen Schwanes.

 

Bilder: Wikipedia / Brahma on Hamsa, Admin1 / Autorbild des Codex Manesse, Meister des Codex Manesse / Cölestin Fundort: Sakoany , Rob Lavinsky, iRocks.com / https://kinicounty.blogspot.de/  2016/10/unsere-bergwanderung-in-schwangau-auf.html / Berg Hornburg / Simulation Stellarium

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Das Land des Schwanes

Das schöne an Füssen ist, dass man per Fahrrad bequem Schwangau erreichen kann. Hier gibt es die weltberühmten Schlösse „Schloss Hohen-Schwangau“ und vor allem „Schloss Neuschwanstein“. Der Fahrradweg dorthin ist schön flach, so dass auch nichtsportliche ohne große Schwierigkeiten dort hinkommen können. Dort angekommen stellen wir fest, dass wir nicht die einzigen sind, die sich […]

über Sommer 2017 4. Schwangau — Der Weg ist das Ziel

Gralsburg Neuschwanstein

Das Schloss von Osten, kolorierte Fotografie um 1900

Neuschwanstein gilt meist als das Märchenschloss eines eskapistischen Königs, der seinen träumerischen Visionen eine bauliche Gestalt verlieh. Wie die Schlösser Herren-chiemsee und auch Linderhof bereits zeigten, sind diese Bauwerke aber auch Abbilder einer verzweifelten Suche nach Erlösung, die erst mit seinem Tod Kudwigs im Starn-berger See ihr Ende fand. `Stark ist der Zauber des Begehrenden, doch stärker der des Entsagenden´, lautet das Motto des musikdramatischen Werkes Parisfal von Richard Wagner. König Ludwig II. erwähnt es nicht nur mehrmals in seinen Briefen an Wagner, sondern es taucht auch an unterschiedlichen Stelle in seinem Tagebuch auf. Bereits als 15 jähriger hatte sich Ludwig mit der Musik und der philosophischen Auffassung Wagners befasst. In dieser Zeit hatte Ludwig in Tränen sein höchstes Entzücken darüber geäußert und in der Einsamkeit seines Zimmers lernte er Texte aus Wagners Werken auswendig. Erst im Jahr 1861, als der Tannhäuser in Paris uraufgeführt wurde, erhielt er die Erlaubnis eine Aufführung des Lohengrin zu besuchen.Das Unverständnis, mit dem ihm seine nächste Umgebung begegnete, führte zu einem Leben, in dem er Schmähungen und Bitternis ertragen musste. Dies ließ ihn immer wieder Zuflucht im Gebet suchen, in dem er sich an die Jungfrau Maria wandte. In ihr sah Ludwig ein machtvolle Fürsprecherin bei Gott.

Wagner und Ludwig II, Postakrte um 1910

Zahlreiche Hinweise dazu gibt es auch im Schloss Neuschwanstein. In der Ausrichtung und der damit verbundenen Sonnensymbolik ist nicht nur Ludwigs Verehrung für Maria, der Patriona Bavariae, versteckt, sondern auch seine schwärmerische Begeisterung für Wagner. Gleichzeitig tritt damit auch seine Seelenverwandtschaft zum Gralsritter Parsifal zutage. Bereits in die Urkunde des Grundsteines von Schloss Neuschwanstein ließ Ludwig II folgende Worte eintragen: `Wir befehlen diesen Bau in den Schutz Gottes, der heiligen Maria als Patrona Bavariae, und des heilige Ludwig. Als Patrona Bavariae steht Maria auch in der Pallas Fassade. Ludwig II handelte also ganz wie seine Vorfahren, doch erweitere er hier den Schutz auf das Gebäude, wie auch auf seine eigene Person.

Neuschwanstein Patrona Bavariae

Kein Marienfest könnte Ludwigs Schutzersuchen aber besser zum Ausdruck bringen als der Tag des Festes Maria – Hilfe der Christen, das Schutzmantelfest am 24. Mai. Dieses Fest wurde von Papst Pius VII. eingeführt, als er nach dem Sieg über Napoleon am 24. Mai 1814 aus der Gefangenschaft nach Rom zurückkehren konnte. Die Anrufung Marias hat aber eine lange Tradition, deren Anfänge im frühen Mittelalter liegen. Doch erst um 1500 lässt Papst Pius V. den Gebetstitel `Titel Maria Hilfe der Christen´ in die Lauret-anische Litanei, dem zentralen Anrufungsgebet mit aufnehmen. Was heute nur noch in Kreisen von Wallfahrern bekannt ist, hatte aber zu jener Zeit einen durchaus staatspolit-ischen Hintergrund. Seit der Schlacht von Covadonga im Jahr 722. dem offiziellen Beginn der Rückeroberung Spaniens ist Maria, gleich ihren antiken Vorbildern, auch zu einer Schlachtenhelferin im Kampf gegen islamische Heere geworden. In dieser Rolle sah sie auch Heer des Heiligen Römischen Reiches, das 1683 die Osmanen in letzten großen Schlacht am Kahlenberg besiegte.

Schloss Neuschwanstein, Ausrichtung auf die Sonne

An das Schutzmantelfest erinnert der Sonnenaufgang in der nach Nordosten weisenden Gebäudeachse, wo am Morgen die Sonne an der Horizontkante steht, aber ebenso auch an Wagner, der nur zwei Tage zuvor, am 22. Mai 1813 geboren wurde. Der südwestlichen Gebäudeteil ist etwas aus dieser Achse herausgedreht und weist mit seiner Baulinie auf die Bergsilhouette zwischen Gimpel und Köllenspitze. Dort steht die Sonnenscheibe am Abend von Mariä Lichtmess genau auf der Horizontlinie.

Schwanenritter, Darstellung um 1900

Neuschwanstein ist ohne die mittelalterliche Sage vom Schwanenritter, dem Wagner einen musikalischen Rahmen verlieh, nicht denkbar. Im Zentrum der Sage steht der heilige Gral, der zu feierlichen Prozessionen gezeigt wird. Ihm wird eine wundertätige Kraft nach- gesagt, mit der er Speisen vermehren kann und dessen Anblick eine immerwährende Jugend verleiht. Ganz ähnlich wie Tannhäuser, wird auch der Schwanenritter Parzifal von einer Zaubergestalt in ein geheimes Reich entführt, ehe er als Gralsritter seine Erlösung findet. Dieses heilige Gefäß, nach dem in der Geschichte so viele Abenteurer suchten, weist aber auch erstaunliche Parallelen zur Gestalt Marias auf. So werden ihr im der Lauretanischen Litanei, dem im 13. Jahrhundert entstandenen Gebet, Namen wie Sedes sapientiae, Sitz der Weisheit; Stella matutina, der Morgenstern oder auch Vas spirituale, das geistliches Gefäß verliehen.

Patrona Boiariae´ an der Westfassade der Münchner Residenz

Es gibt nur wenige Orte, wo sich wie Neuschwanstein, die Motive der Gralssuche mit der der Marienfrömmigkeit zu einer Vision verbinden. Szenen dieser Suche finden sich im Wohnzimmer Ludwigs und dem benachbarten Sängersaal, wo der neue Gralskönig Parifal abgebildet ist. In dieser Suche lebt die Gestalt jenes Schwanes weiter, der ebenso ein Symbol der alten Muttergöttin war, aber auch mit seinen Eigenschaften den Rittern des Mittelalters als Vorbild diente. Hier wurde er nicht ohne Grund zum Namensgeber einer ganzen Landschaft, denn bereits im frühen Mittelalter wurde der Höhenzug auf dem Neuschwanstein errichtet wurde, der Schwanenberg genannt.

Bilder: Wikipedia, Das Schloss von Osten, kolorierte Fotografie um 1900, Unbekannt / Neuschwanstein Patrona Bavariae,Philipp Perron , Altera levatur / Die Bronzeplastik der `Patrona Boiariae´ an der Westfassade der Münchner Residenz (Residenzstraße) / Ahert Haus der Bayrischen Geschichte, Postkarte aus der Zeit um 1910 zeigt König Ludwig II., der Richard Wagner / Schwanenritter, Darstellung um 1900, User:Zman / simulation, sunearthtools

Im Land des Schwanes

Hallo ihr Lieben! Erstmal ein herzliches Willkommen an alle neuen Follower! Ich freue mich riesig, dass ihr jetzt auch an Bord seid! Wie einige von euch älteren Hasen schon wissen, hatte ich Ende September eine Freundin aus Amerika zu Gast. Zwei Wochen sind definitiv nicht genug, um Deutschland und Umgebung von seiner schönsten Seite zu […]

über Von Schlössern und Kutschen und Schwänen – Schloss Neuschwanstein — weltentzückt?

Das Schloss des Tannhäuser

Tannhäuser im Venusberg, John Collier 1901

Jakob Grimm deutete die Sage des Tannhäuser als `eine der anziehendsten Sagen des Mittelalters, in welcher Sehnsucht nach dem alten Heidentum und die Härte der christ-lichen Geistlichkeit rührend geschildert sind,` Für Grimm lag die Wesensgleichheit der in der Sage auftretenden Venus und der frühchristlichen Göttin Holda auf der Hand. Viel später wurde der Stoff von Wagner in der romantischen Oper Tannhäuser wieder aufge-griffen, die am 19.Oktober 1845 uraufgeführt wurde. Die Geschichte erzählt vom Minne-sänger Heinrich von Ofterdingen, genannt der Tannhäuser. Der hatte bei einem Sängerfest auf der Wartburg die Zuneigung Elisabeths, der Nichte des Landgrafen Hermann, errung- en. Doch als der Graf erneut zu einem Fest ruft, kommt Tannhäuser am Hörselberg, dem Venusberg vorbei. Dort öffnet sich ein Spalt und er sieht die zauberhafte Frau Venus. Zusammen mit der Göttin der Liebe und von sinnlichen Freuden umgeben, lebt er fortan im Berg.

Tannhäuser bei Venus

Doch nach einem Jahr ist Tannhäuser von den Sinnesfreuden übersättigt und sehnt sich in seine Welt zurück. Schließlich drängt er Frau Venus ihn ziehen zu lassen. Selbst der Zorn der Göttin, die ihm voraussagt, dass er wiederkommen würde, hält ihn nicht von seinem Entschluss ab. Als er endlich die heilige Maria anruft, versinkt der Venusberg und Tannhäuser findet sich nahe einer Mariensäule in einem Tal unweit der Wartburg wieder. Eine Jagdgesellschaft entdeckt ihn und durch sie erfährt er von der Liebe Elisabeths. Da es auf der Wartburg seit seinem Verschwinden kein Fest mehr gab, freut sich Elisabeth um so mehr auf das Wiedersehen mit ihrem Geliebten, Eine neues Sängerfest soll nun das Wesen der Liebe zum Thema haben. Wolfram von Eschenbach und Walther von der Vogelweide besingen dann als erste die Tugend der Liebe. Tannhäuser antwortet ihrem vergeistigten Gesang mit einem ekstatischen Lied das die sinnliche Liebe der Göttin Venus preist. Die anwesenden Frauen sind entsetzt und ein Ritter will den Frevel bestrafen. Tannhäuser macht sich anschließend auf eine Pilgerreise nach Rom, während Elisabeth zu Maria betet, damit sie ihrem geliebten vergibt. Doch auch in Rom findet der Minne-sänger vor der gestrengen Geistlichkeit nicht die erhoffte Vergebung. So fällt Tannhäuser in eine tiefe Verzweiflung, in der er immer lauter nach Venus ruft, zu der er zurückkehren will, so wie sie es ihm einst prophezeite. Wolfram von Eschenbach gelingt es endlich die Venus zu beschwören, doch währenddessen stirbt Elisabeth. Erst dann kommt die erlösende Vergebung aus Rom.

Tannhäuser Aufführung Bayreut, 1930

Bei der Niederschrift der Sage fragte sich Grimm was aus Holda, der einstigen Mutter-gottheit geworden ist, die einst für das Wachstum auf den Feldern und die Ordnung im Haushalt sorgte. Während der Christianisierung wurde aus ihr eine Hexe und Teufelin. Gleichzeitig entstand aber in Maria jenes Bild der wundertätigen Muttergottheit, die zuvor auch Holda verkörperte. In der verführerischen, mit Zauberkräften ausgestatteten Venus und der Maria lebten so die beiden Aspekte jener Vorstellung alter Muttergöttinnen weiter. Auch bei Wagner, den mit dem Ludwig eine tiefe Freundschaft verband, spielt Maria eine wichtige Rolle. Mit dem Ruf `Mein Fried, mein Heil ruht in Maria, löst sich Tannhäuser nach langen inneren Kämpfen endlich wieder von Frau Venus´. Für Wagner ist das Motiv der Venus ein Sinnbild für die Hingabe an den gelebten Augenblick. Dies ist die Gegenwelt zur christlichen Ordnung, deren Fürsprecherin Maria darstellt. In seinem Stück Tannhäuser thematisierte Wagner jene Spaltung der Wesenszüge der alten Muttergöttin, die das Christentum erst hervorgerufen hatte.

Ausrichtung Schloss Linderhof

Das Schloss Linderhof in den Ammergauer Alpen ist das kleinste der drei Schlösser Ludwigs II. und zugleich aber das einzige, das noch zu Lebzeiten des Königs vollendet wurde. Es gilt aber als das Lieblingsschloss des Märchenkönigs, in dem er sich mit großem Abstand am häufigsten aufhielt. Ein Abbild jener Venusgrotte, die den Tannhäuser aus Wagners Musikstück in ihren Bann gezogen hatte, wurde im Park des Schlosses verwirklicht. Obwohl sein Vater Maxiimilian II seinen Sohn Ludwig vom Besuch der Wag- neraufführungen abgehalten hatte, begeisterte er sich früh für dessen Musik und Philo-sophie. Doch erst 1861 hatte er zum ersten Mal selbst eine Aufführung des Lohengrin besuchen können. In Wagner sah Ludwig II. aber nicht nur den genialen Künstler, sondern auch eine Art Vaterfigur. Aber auch Wagner war von dem schwärmerischen König. an- getan. 1864 begegnete er Ludwig mit großer Dankbarkeit, nachdem der ihn vor dem finanziellen Ruin bewahrt hatte und sagte: `Und dieses Leben, sein letztes Dichten und Tönen, gehört nun Ihnen, mein gnadenreicher junger König: Verfügen Sie darüber als über Ihr Eigentum´. Die Motive in Wagners Musikspiel Tannhäuser, die beiden Aspekte der alten Göttin, für die Ludwig II. in der Venusgrotte ein Denkmal schuf, bestimmten auch die Lage von Schloss Linderhof. So ist die Querachse auf den Sonnenaufgang an Mariä Verkünd- igung ausgerichtet und die Längsachse in Richtung der Venusgrotte, auf das Erscheinen des Sternes Sirius. Er verkörperte seit der Antike die Göttin Venus und war in dieser Richtung am Abend des Frühlingsäquinoktiums zum ersten Mal zu sehen.

Bilder. Wikipedia / John Collier: Tannhäuser im Venusberg. (1901) John Collier – Wikiart. / Tannhäuser bei Venus, Arbeitszimmer Neuschwanstein /Schluss der Tannhäuser-Inszenie­rung der Bayreuther Festspiele 1930, Bundesarchiv, Bild 183-2004-0512-501 / Simulation Sunearthtools, Stellarium