Im Land des Schwanes

Hallo ihr Lieben! Erstmal ein herzliches Willkommen an alle neuen Follower! Ich freue mich riesig, dass ihr jetzt auch an Bord seid! Wie einige von euch älteren Hasen schon wissen, hatte ich Ende September eine Freundin aus Amerika zu Gast. Zwei Wochen sind definitiv nicht genug, um Deutschland und Umgebung von seiner schönsten Seite zu […]

über Von Schlössern und Kutschen und Schwänen – Schloss Neuschwanstein — weltentzückt?

Das Schloss des Tannhäuser

Tannhäuser im Venusberg, John Collier 1901

Jakob Grimm deutete die Sage des Tannhäuser als `eine der anziehendsten Sagen des Mittelalters, in welcher Sehnsucht nach dem alten Heidentum und die Härte der christ-lichen Geistlichkeit rührend geschildert sind,` Für Grimm lag die Wesensgleichheit der in der Sage auftretenden Venus und der frühchristlichen Göttin Holda auf der Hand. Viel später wurde der Stoff von Wagner in der romantischen Oper Tannhäuser wieder aufge-griffen, die am 19.Oktober 1845 uraufgeführt wurde. Die Geschichte erzählt vom Minne-sänger Heinrich von Ofterdingen, genannt der Tannhäuser. Der hatte bei einem Sängerfest auf der Wartburg die Zuneigung Elisabeths, der Nichte des Landgrafen Hermann, errung- en. Doch als der Graf erneut zu einem Fest ruft, kommt Tannhäuser am Hörselberg, dem Venusberg vorbei. Dort öffnet sich ein Spalt und er sieht die zauberhafte Frau Venus. Zusammen mit der Göttin der Liebe und von sinnlichen Freuden umgeben, lebt er fortan im Berg.

Tannhäuser bei Venus

Doch nach einem Jahr ist Tannhäuser von den Sinnesfreuden übersättigt und sehnt sich in seine Welt zurück. Schließlich drängt er Frau Venus ihn ziehen zu lassen. Selbst der Zorn der Göttin, die ihm voraussagt, dass er wiederkommen würde, hält ihn nicht von seinem Entschluss ab. Als er endlich die heilige Maria anruft, versinkt der Venusberg und Tannhäuser findet sich nahe einer Mariensäule in einem Tal unweit der Wartburg wieder. Eine Jagdgesellschaft entdeckt ihn und durch sie erfährt er von der Liebe Elisabeths. Da es auf der Wartburg seit seinem Verschwinden kein Fest mehr gab, freut sich Elisabeth um so mehr auf das Wiedersehen mit ihrem Geliebten, Eine neues Sängerfest soll nun das Wesen der Liebe zum Thema haben. Wolfram von Eschenbach und Walther von der Vogelweide besingen dann als erste die Tugend der Liebe. Tannhäuser antwortet ihrem vergeistigten Gesang mit einem ekstatischen Lied das die sinnliche Liebe der Göttin Venus preist. Die anwesenden Frauen sind entsetzt und ein Ritter will den Frevel bestrafen. Tannhäuser macht sich anschließend auf eine Pilgerreise nach Rom, während Elisabeth zu Maria betet, damit sie ihrem geliebten vergibt. Doch auch in Rom findet der Minne-sänger vor der gestrengen Geistlichkeit nicht die erhoffte Vergebung. So fällt Tannhäuser in eine tiefe Verzweiflung, in der er immer lauter nach Venus ruft, zu der er zurückkehren will, so wie sie es ihm einst prophezeite. Wolfram von Eschenbach gelingt es endlich die Venus zu beschwören, doch währenddessen stirbt Elisabeth. Erst dann kommt die erlösende Vergebung aus Rom.

Tannhäuser Aufführung Bayreut, 1930

Bei der Niederschrift der Sage fragte sich Grimm was aus Holda, der einstigen Mutter-gottheit geworden ist, die einst für das Wachstum auf den Feldern und die Ordnung im Haushalt sorgte. Während der Christianisierung wurde aus ihr eine Hexe und Teufelin. Gleichzeitig entstand aber in Maria jenes Bild der wundertätigen Muttergottheit, die zuvor auch Holda verkörperte. In der verführerischen, mit Zauberkräften ausgestatteten Venus und der Maria lebten so die beiden Aspekte jener Vorstellung alter Muttergöttinnen weiter. Auch bei Wagner, den mit dem Ludwig eine tiefe Freundschaft verband, spielt Maria eine wichtige Rolle. Mit dem Ruf `Mein Fried, mein Heil ruht in Maria, löst sich Tannhäuser nach langen inneren Kämpfen endlich wieder von Frau Venus´. Für Wagner ist das Motiv der Venus ein Sinnbild für die Hingabe an den gelebten Augenblick. Dies ist die Gegenwelt zur christlichen Ordnung, deren Fürsprecherin Maria darstellt. In seinem Stück Tannhäuser thematisierte Wagner jene Spaltung der Wesenszüge der alten Muttergöttin, die das Christentum erst hervorgerufen hatte.

Ausrichtung Schloss Linderhof

Das Schloss Linderhof in den Ammergauer Alpen ist das kleinste der drei Schlösser Ludwigs II. und zugleich aber das einzige, das noch zu Lebzeiten des Königs vollendet wurde. Es gilt aber als das Lieblingsschloss des Märchenkönigs, in dem er sich mit großem Abstand am häufigsten aufhielt. Ein Abbild jener Venusgrotte, die den Tannhäuser aus Wagners Musikstück in ihren Bann gezogen hatte, wurde im Park des Schlosses verwirklicht. Obwohl sein Vater Maxiimilian II seinen Sohn Ludwig vom Besuch der Wag- neraufführungen abgehalten hatte, begeisterte er sich früh für dessen Musik und Philo-sophie. Doch erst 1861 hatte er zum ersten Mal selbst eine Aufführung des Lohengrin besuchen können. In Wagner sah Ludwig II. aber nicht nur den genialen Künstler, sondern auch eine Art Vaterfigur. Aber auch Wagner war von dem schwärmerischen König. an- getan. 1864 begegnete er Ludwig mit großer Dankbarkeit, nachdem der ihn vor dem finanziellen Ruin bewahrt hatte und sagte: `Und dieses Leben, sein letztes Dichten und Tönen, gehört nun Ihnen, mein gnadenreicher junger König: Verfügen Sie darüber als über Ihr Eigentum´. Die Motive in Wagners Musikspiel Tannhäuser, die beiden Aspekte der alten Göttin, für die Ludwig II. in der Venusgrotte ein Denkmal schuf, bestimmten auch die Lage von Schloss Linderhof. So ist die Querachse auf den Sonnenaufgang an Mariä Verkünd- igung ausgerichtet und die Längsachse in Richtung der Venusgrotte, auf das Erscheinen des Sternes Sirius. Er verkörperte seit der Antike die Göttin Venus und war in dieser Richtung am Abend des Frühlingsäquinoktiums zum ersten Mal zu sehen.

Bilder. Wikipedia / John Collier: Tannhäuser im Venusberg. (1901) John Collier – Wikiart. / Tannhäuser bei Venus, Arbeitszimmer Neuschwanstein /Schluss der Tannhäuser-Inszenie­rung der Bayreuther Festspiele 1930, Bundesarchiv, Bild 183-2004-0512-501 / Simulation Sunearthtools, Stellarium

Das Herz von Herrenchiemsee

Blick durch das Gartenparterre auf die Fassade des Schlosses

Über die Geschichte der Insel Herrenchiemsee vor dem 7. Jahrhundert ist kaum etwas bekannt. Zwar verweisen ein Wall aus dem 6. Jahrhundert und Funde aus der Bronzezeit auf der nördlich gelegenen Fraueninsel auf für Siedlungstätigkeiten hin, doch diese Spuren scheinen sich nach der Errichtung eines Klosters im 7. Jahrhundert verwischt zu haben. Die Ungarneinfälle während der Jahrtausendwende setzten auch dem Klosterleben zu und von ihm blieb wenig mehr übrig als einige Mönchszellen.Wohl deshalb schenkt Kaiser Otto I. im Jahr 969 den gesamten Besitz dem Salzburger Erzbischof. Der gründete im Jahr 1130 an der Stelle des alten Klosters ein Stift für Chorherren . Seine größte Blüte erlebte das Stift während des 15.Jahrhunderts, doch bereits 100 Jahre später erfolgte bereits sein Niedergang. Dieser war ein Folge der Misswirtschaft, der Verschuldung und einer fehlende Ordenszucht. Im Jahr 1803 erfolgte seine Auflösung und anschließend bewohnt ein Graf die Insel, der sie schließlich an Spekulanten verkaufte. Ludwig II. von Bayern erwieß sich schließlich als Retter der Insel. 1873 erwarb der König Herrenchiem- see als Standort des späteren `Neuen Schlosses´. Im Jahr 1878 wurde das Schloss unter dem als Märchenkönig bezeichneten Ludwig II. nach dem Vorbild des Schlos- ses von Versailles bei Paris erbaut. Die Entwürfe für den Bau im historisierenden Baustil des Neobarock stammen vorwiegend von Georg von Dollmann, während die Ausführung der Öster-reicher Julius Hofmann übernahm.

Das Schloss von Versailles, das Vorbild für Herrenchiemsee

Wie das Schloss Herrenchiemsee wird auch das in den Wäldern von bei Viroflay gelegene Schlosses von Versailles von monumentalen Sichtachse bestimmt. Auch sie verbindet das Bauwerk mit der Landschaft, sondern genauso mit der Geschichte des Landes. In Versailles ist die Achse ist im Nordwesten auf den Sonnenuntergang an Mariä Himmelfahrt und im Südosten auf den Sonnenaufgang am 29. Oktober, dem Gedenktag der heiligen Genoveva ausgerichtet. An diesem Tag wurden die Gebeine der Stadtheiligen von Paris in einer feierlichen Prozession ins Pantheon überführt. Wie in Bayern, so spielte auch in Frankreich Maria eine wichtige Rolle in der Staatsphilosophie der Bourbonen. So war der Gründer von Versailles Ludwig XIII. wie alle Bourbonen ein glühender Marienverehrer, der es liebte, in den Heilig-tümern der Muttergottes zu beten. Wohl aus diesem Grund erließ er am 10. Februar 1638, knapp 20 Jahre vor dem Beginn des Baubeginns von Versailles in seinem Schloss von Saint-Germain-en-Laye ein feierliches Schreiben verfassen, worin er Maria zur besonderen Schutzherrin seines Reiches erwählte und ihr seine Person, seine Krone und seine Untertanen weihte.

Versailles Ausrichtung

Nahezu zeitgleich ist in Bayern eine ganz ähnliche Entwicklung zu beobachten. Bald nach seiner Amtsübernahme pilgerte Kurfürst Maximilian I. zum Bayerns bekannt- esten Marienwallfahrtsort Altötting und proklamierte dort Maria als Schutzpatronin Bayerns. Im Jahr 1610 ließ er dann eine Medaille prägen, die sie als Schutzheilige über der Landeshauptstadt mit dem Gebetsruf zeigt, `Sub tuum praesidium´ (Unter deinem Schutz) 6 Jahre später wurde dann die berühmte Bronzesatue angefertigt, die in einer Nische an der Westseite der Münchner Residenz ihren Platz fand. Sie zeigt die gekrönte Gottesmutter auf einer Mondsichel stehend, in der linken Hand das Zepter und im rechten Arm das Christuskind haltend. Eine Inschrift weist sie dort als `Patrona Bavariae´ aus.

Herzschale Ludwig II Altötting

Auch König Ludwig II. konnte sich beim Bau seines Schlosses der Tradition der Wittelsbacher nicht entziehen. Auch seine sterblichen Überreste folgten ihr nach seinem bis heute ungeklärtem Tod im Starnberger See. Während sein Leichnam heute in der Gruft der Münchner St, Michalskirche ruhen, ist sein Herz in der Gnad- enkapelle von Altöttng bestattet. In einer prächtigen Urne aus vergoldetem Silber wurde es am 16. August 1886, einen Tag nach Mariä Himmelfahrt, in einem festlich- en Trauerzug in die Wallfahrtskapelle übertragen. Aber bereits vor der Regentschaft des Märchenkönigs ließ das Haus Wittelsbach die Herzen ihrer Ahnen in kunstvoll gestalteten Urnen, auch Herzschalen genannt, gegenüber dem Gnadenbild der Schwarzen Muttergottes von Altötting bestatten. So galt doch das Herz seit der Antike als das Sinnbild für das Innerste im Menschen. In ihm wurde der Sitz der Seele, des Glaubens und der Weisheit vermutet. Diese Auffassung galt noch bis ins frühe 20. Jahrhundert fort. Hier in Altötting wurde das Bestattungsritual als ein Zeichen der engen Verbundenheit des Herrscherhauses mit der Marienverehrung gesehen.

Schloss Herrenchiemsee, die Ausrichtung

Diese Vorgeschichte macht es verständlich, dass die Blickachse von Herrenchiem- see auf den Sonnenuntergang an Mariä Geburt und zugleich auf den Sonnenaufgang am Rosenkranzfest ausgerichtet ist. Doch dies war nicht nur der Tradition des Fürst-enhauses geschuldet, sondern auch der ganz persönlichen Glaubensvorstellung Ludwigs II.

Bilder: Wikipedia/ Blick durch das Gartenparterre auf die Fassade des Schlosses, Jan Beckendorf from Graz, Austria / Das Schloss von Versailles, das Vorbild für Herrenchiemsee, Jean- Christophe BENOIST / H.Heine/Verkehrsbüro Altötting / Herzschale Ludwig II., Simulation, sunearthtools

Herrenchiemsee – Versailles im Chiemgau

König Ludwig II ist weit über Bayern hinaus bekannt durch seine gigantischen Schlossbauten. Bereits zu seinen Lebzeiten sorgten diese millionenschweren Bauprojekte für heftigen Diskussionsstoff und ließen so manchen Bajuwaren an der geistigen Zurechnungsfähigkeit des Königs zweifeln. Im Nachhinein gesehen zeigen sich diese Schlösser mit Brunnen- und Gartenanlagen als wahre Tourismusattraktionen und geben Einblick in die Traumwelt des Märchenkönigs. […]

über Auf den Spuren von König Ludwig II — filmpatrone

Die Kunst des Einfachen

Eigentlich wollte ich heute ja einen Beitrag zu einer Jahrhundertwende-Villa in den niederösterreichischen Alpen posten – ein Blick in die Tagesnachrichten hat mich aber veranlasst, diesen für nächste Woche aufzuheben und stattdessen einen aktuellen Veranstaltungshinweis einzuschieben: Wie der ORF berichtet, startet morgen die Sign Week Vienna, die ganz im Zeichen alter Wiener Geschäftsschilder steht. Die […]

über Betriebsfassade, Wien III — Baudenkmäler in Österreich

El Escorial und das Martyrium des Lorenzo

El Escorial, Luftbild

Am 23. April 1563 begannen die Bauarbeiten der Klosterpalast Real Sitio de San Lorenzo de El, dem Königlichen Sitz Sankt Laurentius von El Escorial. Der unter Philipp II. von Spanien entstandene Palast wurde schließlich der größte Renaissancebau der Welt. Dass er dem heiligen Laurentius geweiht wurde, hatte er dem Sieg Philipps über den französischen König Heinrich II in der Schlacht von Saint-Quentin zu verdanken. Nach seinem Sieg am 10. August 1557, dem Tag des heiligen Laurentius, hatte Philipp ge- schworen, dem Heiligen ein Kloster bauen zu lassen. Als Bauplatz wählten seine Astro- logen den kastilischen Ort Escorial aus, der ungefähr 45km westlich von Madrid liegt. Der Legende zufolge lebte Laurentius zur Zeit Kaiser Valerians und Papst Sixtus II. Er war als Archidiakon von Rom für die Verwaltung des örtlichen Kirchenvermögens und seine Ver- wendung zu sozialen Zwecken zuständig.

Martyrium des heiligen Laurentius

Nach den Überlieferungen von Cyprian von Karthago fiel Sixtus den Verfolgungen unter Kaiser Valerianus zum Opfer. Dessen Erlass vom August 258 hatte das Ziel, alle Kleriker beseitigen zu lassen. Nachdem Sixtus enthauptet wurde, wurde der Diakon Laurentius ausgepeitscht und aufgefordert, den Kirchenschatz innerhalb von drei Tagen herauszu- geben. Daraufhin soll er den Schatz an Arme und Kranke verteilt haben und präsentierte sie dann als den wahren Schatz der Kirche. Zur Strafe wurde er gefoltert und auf einem glühenden Eisenrost hingerichtet. Seine letzten Worte soll er an den Kaiser gerichtet und gesagt haben: `Du armer Mensch, mir ist dieses Feuer eine Kühle, dir aber bringt es ewige Pein´. Aus diesem Grund wird Laurentius auch meist mit einem Eisenrost dar- gestellt. In Rom wurde die Erinnerung an den Heiligen wachgehalten. So zählt die ihm geweihte Kirche San Lorenzo fuori le mura zu den Patriarchalbasiliken in Rom. Auch der Rost, auf dem er der Legende zufolge sein Martyrium erlitt, wird als Reliquie in der Kirche San Lorenzo in Lucina in Rom verehrt. In Rom wird auch jedes Jahr am 10. August die Reliquie seines Hauptes auf einem Seitenaltar der kleinen Kirche der hl.Anna rechts neben den Kolonnaden des Petersplatzes gezeigt.

Philipp II von Spanien

Zur Valerian gibt es in Philipps Leben einige Parallelen. Auch er war damit beschäftigt, einen erbitterten Kampf gegen `Ketzer und Ungläubige´ zu führen, doch der hatte kata- strophale Folgen für das Land. Indem Philipp Protestanten, Mauren und getaufte Juden durch die Inquisition überall erbarmungslos verfolgen ließ, liquidierte er gerade die Teile der Bevölkerung, die aufgrund ihrer Arbeitskraft für Spaniens Wirtschaft von größter Bedeut- ung waren. Der mit größter Strenge erzogene König war voller Misstrauen gegenüber seiner Umwelt und wohl deshalb fehlte ihm jegliches Verständnis für Menschen anderer Religion und Wesensart. So bereitete für ihm laut seinen Ratgebern auch das Alleinsein das größte Vergnügen. Diesen Ort des Alleinseins schuf mit dem aus grauem Granit errichtete Prachtbau El Escorial. Er war das Verwaltungszentrum der weltlichen Macht und stellte zugleich einen Hort der Frömmigkeit und Spiritualität dar. Schließlich verstand sich Philipp II. als ein Sachwalter Gottes auf Erden. Dabei verweist der Bau gleich mehr- fach auf den von ihm verehrten Heiligen. So zeigt sich das Motiv jenes Eisenrostes auf dem Laurentius die Stärke seines Glaubens bewiesen hatte in dem ungewöhnlichen Grundriss mit einem Seitenverhältnis von 4 zu 5, dessen Form mit den 16 Höfen auf die Gitterstruktur dieses Rostes verweist.

Ausrichtung des El Escorial

Auch bei der Ausrichtung des El Escirial bestimmte Laurentius die Richtung, wenngleich nur zu einem Teil. Allein der Heilige konnte dem aber nicht gerecht werden und so mischen sich in der Ausrichtung der Anlage nach Südosten die Sonnenaufgänge an zweier Feiertage. Dies sind umgerechnet in den gregorianischen Kalender der Sonnen-aufgang am Tag des heiligen Laurentius am 10. August und der Sonnenaufgang an Epiphanias. Das Epiphaniasfest, das Fest der Erscheinung des Herrn, ist das älteste Fest der Kirche. Es wurde im Osten bereits um 300 gefeiert. Bedingt durch die Reliquien-verehrung der heiligen Drei Könige in Köln ab dem 12. Jahrhundert, verlagerte sich in Deutschland der Schwerpunkt des Festes auf die Geschichte der 3 Weisen aus dem Morgenland. In der Geschichte der Heiligenverehrung gehörte Laurentius zu den am meist verehrten Heiligen in aller Welt. In Rom folgte er gleich auf die beiden Apostel Petrus und Paulus. Papst Leo der Große formulierte zwei Jahrhunderte nach dem Tod von Laurentius die Größe seiner Gestalt mit den Worten: `Das Feuer, das in ihm brannte, half ihm, das äußere Feuer des Martyriums zu bestehen.´ Philipp II schuf mit seinem Palast ein monu- mentales Andenken an die Martyriumslegende eines Heiligen, der lange Zeit als Vorbild diente. Heute erinnert meist nur noch der bäuerliche Kalender an ihn, denn mit dem Laurentiustag als Los- und Wettertag beginnt der Anbau der herbstlichen Feldfrüchte.

St Laurentius, Dorfkirche Hornsdorf

Bilder: Wikipedia/ Monasterio de San Lorenzo de El Escorial, Turismo Madrid Consorcio Turístico from Madrid, España – Monasterio Escorial Uploaded by Ecemaml / Philipp II. (Porträt von Sofonisba Anguissola, um 1570), Sofonisba Anguissola – Museo del Prado / Simmulation, sunearthools, http://www.heinrichbernd.de/calendar/index_html?mode=j , Kalenderumrechnung