Avebury Stone Circle

Steinsetzung in Avebury

https://youtu.be/QmeMBn1HPlI

Das Grab des Boötes

Kollektion Djed Pfeiler, Nationalmuseum Alexandria,Foto Néfermaât

Amulette waren im alten Ägypten ein häufig verwendeter Alltagsgegenstand. Gemäß den damaligen Vorstelllungen boten sie in einer Welt die von Planeten- und Stern-göttern beherrscht wurde, einen Schutz gegen die unwägbaren Entschlüsse der Götter. Ebenso sollten die Kräfte dieser magischen Elemente dazu dienen, böse Einflüsse abzuhalten und die Erfüllung eigener Sehnsüchte herbeizuführen. Der Ursprung des Wortes ist ebenso ungeklärt, wie die Wirkung dieser Gegenstände. So führt die Ent- stehung des Wortes zum lateinischen Begriff amuletum, das sich mehrfach in der aus dem 1. Jhd. stammenden Schrift Naturalis historia von Plinius’ des Älteren wieder findet. Bildnisse von Gottheiten wurden in dieser Zeit ebenso als Amulette angesehen, wie die Jupiterquadrate mit ihren symbolischen Zahlenkombinationen. Auch aus der Zeit der Ägypter sind eine ganze Reihe unterschiedlicher magischer Zeichen überliefert. Dort wurden diese Gegenstände sowohl im diesseitigen Leben benutzt und sie dienten aber auch als Grabbeigabe für den Schutz des Lebens im Jenseits. Eines dieser Zeichen war der Djed-Pfeiler, der zu den am häufigsten verwendeten Amuletten jener Epoche gehörte. Der Pfeiler, der in dieser Form auch zur Vermessung der Landflächen nach der jährlichen Nilflut diente, wurde als ein Symbol der Dauer, Stabilität und Be- ständigkeit gesehen. Das wohl bekanntes ägyptische Zeichen ist aber das Anch-Kreuz, das für die ewige Existenz der Götter steht und gleichzeitig die Eigenschaften von Luft und Wasser besitzt, dem Ursprung allen Lebens. Dieses Zeichen stand damit für das Leben, aber auch als Schutzsymbol für ein langes Leben.

Amulett aus Lepenski Vir

Ein ähnliches Zeichen ist auch aus der Lepenski Vir Kultur bekannt, die vor rund 6000 Jahren im Donauraum existierte. Auch sie stellt eine Verbindung zweier Formen dar, ein- em Kreis und einem Kreuz das anthropomorphe Züge aufweist Dass auch Grabablagen eine bildliche Symbolik aufweisen, zeigen die zahlreichen Gigantengräber auf Sardinien. Sie stellen die größten pränuraghschen Kultanlagen der Megalithepoche auf Sardinien dar. Baulich unterscheiden sie sich durch großformatige Monolithe, die als Portalsteine dienten, sowie einer vorgelagerten Exdra, Sie wird durch zwei Seitenarme der Graban- lage gebildet, die einen ellipsoiden Vorhof einrahmen. Dieses Bauelememt der Exedra taucht in Bauwerken des antiken Griechenland ebenso auf wie später bei den Römern. In der christlichen Basilika entwickelte sich die Exedra als Nische dann zur Apsis des Chores, oder dem Kapellenkranz in gotischen Kirchen weiter.

Boötes über dem Gigantengrab von Su Monte de s’Ape, 2200 BC 

Die Großsteinbauwerke der Megalithkultur, die sich über den eurasischen Kontinent bis nach Japan ausgebreitete, hat Gabmäler in einer völlig nuen Dimension geschaffen. Der Ethnograph Ellegard Jensen sieht dafür den Grund in einer einem sehr ausge- prägten Toten- und Ahnenkult. der ihm mit großformatigen Steine den Ausdruck von Dauer und Macht verleihen sollte. Neue Kultfomen sind aber auch immer ein Ausdruck globaler Veränderungen die Ängste n den Menschen wecken. Ein Blick in das zu Ende gehende 4. Jahrtausend ereignen sich mehrere große Katastrophen, die wohl das Ver- trauen der Menschen in die alten Kulte nachhaltig erschütterte. In dieser Zeit ging in der Sahara die letzte letzte grüne Phase zu Ende und damit begann die Wüstenbildung, die bis heute anhält. Neolithische Bauern, die das Gebiet im Laufe des 6. Jahrtausends besiedelt hatten, waren gezwungen ihr Land zu verlassen. Eine vergleichbare Veränd- erung brachte auch der Wassereinbruch im Bosporus im 5. Jtsd. Dort ließ einström- endes Wasser aus dem Mittelmeer den Wasserpeigel ansteigen und vertrieb die Bevölkerung aus den zahlreichen ufernahen Siedlungen. Für die Bauernkulturen des 3. Jahrtausends waren diese Erlebnisse und Erfählungen wohl eine traumatische Erfahr- ung und könnten dann einen Grund für die Monumentalität der Bauwerke geliefert haben. Nach der Überzeugung des britischen Prähistorikers Andrew Sherratt diente der neue Kult auch dazu, einen inneren und zugleich dauerhaften Zusammenhalt der Bauerngesellschaften herzustellen. Der war auch notwendig geworden, denn nur Dank der bessern Nahrungsherstellung konnten sich größere Gesellschaften entwickeln, die wie in Uruk, große Städte gründeten. Zwei Sternbilder verkörperten die wohl wichtige Glaubensbilder der damaligen Zeit, Boötes und Orion. In seiner waagrechten Lage, in der er seinen Arm scheinbar schwebend über die Erde hielt, war er im 2. Jahrtausend BC am Morgen des Frühlingsäquinoktiums zu sehen. War es das Götterbild des Schöpfergottes Enlils, das sich von Nippur aus, sich in den Kulturen im Mittelmeerraum verbreitet hatte, so schützte er auch das Gigangtengrab bronze-zeitlichen Bonnanaro-Kultur auf dem Monte de s’Ape südwestlich des Flughafens Olbia. So wie er am Morgen des 1. August zum lezten Mal zu sehen war, deckte sich die Geometrie des Boötes auch mit der im 2. Jstd. entstandene Anlage. Aber auch die Stele in der Mitte der Exdedra  entspricht mit ihren Proportionen wieder dem alten Götterbild.

Stele des Gigantengrabes von Coddu Vecchju, Foto Stahlkocher

Bilder: Collection de piliers Djed, Musée national, Alexandrie, Égypte). Foto Néfermaât CC BY-SA 2.5 , Kollektion Djed Pfeiler, Nationalmuseum Alexandria,Foto Néfermaât / Amulett aus Lepenski Vir. Boötes über dem Gigantengrab von Su Monte de s’Ape / Stele des Gigantengrabes von Coddu Vecchju, Foto Stahlkocher / Simulation stellarium, googlemap

Das Haus des Enlil

Die Hörnerkrone auf einem Thron, Zeichen von Enlil, Foto Rama

Enlil ist er Hauptgott des sumerischen Kultur und wurde später das Vorbild für Gottheiten anderer altorientalischer Kulturen. Als Gottheit trug er die Bezeichnungen König von Himmel und Erde, König der Länder, oder auch Vater der Götter. Übersetzt bedeutet sein Name Herr der Menschen, oder allgemein Schöpfer der Menschen. Enlil bildet mit der Göttin Ninlil, der Stadtgöttin von Šurrupag ein Götterpaar das an der Spitze des sumerischen Götterpantheons stand. Enlil ist der einzige Sohn des Gottes An und dessen Frau Antu. An, dessen Zeichen ein 5-stahliger Stern ist, ist der Stadtgott von Uruk. Er stand am Beginn der Schöpfung, wo er zum Herrscher des Himmels wurde, als sich während der Entstehung des Kosmos Himmel und Erde voneinander trennten. Trotz seiner Bedeutung blieb An aber ein farbloser Gott, über den nur relativ wenig bekannt ist. Die wenigen Beschreibungen schildern ihn dann zumeist als eine mürrische, unfreundliche und eher menschenfeindliche Gottheit. Innerhalb der simer-ischen Ggotterlegende waren An und Antu die Eltern der neun weiteren Gottheiten Martu, Erra, Baba, Gibil, Nisaba, Enlil, Gatumdu, Lamaštu, und des Wettergottes Iškur. Damit glich diese Neunheit der Vorstellung von neun Schöpfergottheiten des ägyptischen Götterpantheons. Obwohl Enlil als Schöpfer der Menschen galt, wurde in seinen Beschlüssen oft eine zerstörerische Wirkung gesehen. So berichtet eine der Überlieferungen, dass Enlil sobald ihm die Menschen zu laut wurden, er beschloss sie auszulöschen. Vielleicht entstand aus diese Furcht auch die Übereinkunft ihn nicht als Ganzes darzustellen, denn als Sinnbild Enlils genügte das Bild der Hörnerkorne auf einem Thron.

Die Ruinen von E-kur dem Haupttempel von Enlil, Foto Jasmine N. Walthall, U.S. Army

Der Hauptkultort seiner Verehrung war der Tempelkomplex E-Kur in Nippur, das Haus Berg. Hier besuchten ihn einmal im Jahr die anderen Götterstatuen, die mit Prozess- ionen dorthin getragen wurden um Enlil ihre Huldigung zu erweisen. Das Heiligtum weist im Grundriss ganzzahlige Proportionen auf, die auch auf eine mythologische Ver- bindung von Zahl und Raum verweisen. So haben die Seiten des Vorhofes ein Seiten- verhältnis 3 zu 4, das dem pythagoreischen Trippel 3²+ 4²+ 5² entspricht. Dieses Trippel gleicht dem Aufbau der ägyptischen 12 – Knotenschnur, die in die gleichen Abschnitte eingeteilt ist und so die einfache Konstruktion eines rechten Winkels ermöglichte. Die hier enthalten Zahlen verweisen ebenso auf die Zahlenwerte der späteren babylon-ischen Götterlisten. Dort entsprach die Mondgottheit Sin der 30, die Wassergottheit Ea der 40 und Enlil als oberste Erdgottheit der 50. Das Innerste der Anlage, das Heiligtum weist dann ein Seitenverhältnis von 2 zu 3 auf, wobei das Produkt beider Zahlen auf die erste vollkommene Zahl 6 verweist.

Tempel E_Kur, Proportionen

Die abstrakte Zahlenverhältnisse der zusammengesetzten Baukörpers verweisen in diesem Zusammenhang zwar auf das Götterpantheon, doch eine Erklärung für die Achsenverschiebung innerhalb der Anlage gibt erst das Sternbild Enlils selbst. So wie Enlil im 3. Jahrtausend BC am Morgen der Wintersonnenwende zum letzen Mal am Himmel zu sehen war, deckte sich die Lage seiner Sterne mit den bestimmenden Linien der Tempelanlage.

Tempel E_Kur, 3. Jtsd, Boötes(Enlil) letzte Sicht des Arcturus zur Wintersonnenwende

Diese Bedeutung des Sternbildes für die damalige Mythologie lenkt den Blick die griechische Sagenwelt, in der mehrere Erzählungen die Entstehung des Sternbildes erklären. Eine Legende, in der der schöpferische Geist des obersten Gottes der Sumerer weiterlebte ist die des Ikarios. Gemäß der Bibliothek des Apollodor gilt Ikarios als ein wichtiger Übermittler und Verbreiter des göttlichen Wissens. Die Legende spielt in einer Zeit als auch Demeter mit der Gabe des Kornanbaues auf der Erde erschien und zugleich der Gott des Weines, Dionysos über die Erde wandelte. Ohne den Gott des Weines zu erkennen ,bewirtete ihn Ikarios gastfreundschaftlich mit Ziegenmilch. Da die Dionysos nicht schmeckte, machte er Ikarios mit dem Wein und dessen Anbau vertraut. Beim Abschied gab Dionysos ihm dann den Auftrag, mit einem Ochsengespann und dem dem Wein über das Land zu fahren.

Ikarios mit Ochsengespann und Wein, Unknown roman empire – http://foodmuseum.cs.

Damit sollte er den unwissenden Bauern auf die neue Frucht aufmerksam zu machen. Als die aber vom Genuss des unbekannten Getränkes völlig berauscht waren, glaubten sie von Ikarios vergiftet worden zu sein. Im Rausch töteten sie den Kulturbringer und verscharrten seine Leiche unter einem Bbaum. Erst nach langer Suche fand seine Tochter Erigone, begleitet vom treuen Hund Meira sein Grab. Aus Trauer um den Getöteten, nahmen sich anschließend beide das Leben. Nur Zeus hatte Mitleid mit den drei Gstalten und versetzte Ikarios als Ochsentreiber, Maira als Stern Sirius im Sternbild des Großen Hundes und Erigone als Sternbild Jungfrau an den Himmel. In dieser Form bildeten sie wohl bereits in den Anfängen des Mythos vom obersten Gott ein Dreigestirn am Himmel, von dem am Ende nur noch die Sage erzählt.

Bilder:Wikipedia/ Die Hörnerkrone auf einem Thron, Zeichen von Enlil, Foto Rama und ein weiterer Urheber,CC BY-SA 2.0 fr / Die Ruinen von E-kur dem Haupttempel von Enlil , Foto Jasmine N. Walthall, U.S. Army Ikarios und das Ochsengespann mit Wein, Unknown roman empire m, ttp://foodmuseum.cs.ucy.ac.cy/web/guest/36/civitem/2716?p=%CE%9A%CF%8D%CF%80%CF%81%CE%BF%CF%82+%CE%BA %CF% 81%CE%B1%C/ 83%CE% AF /Tempel E_Kur, Proportionen / Tempel E_Kur, 3. Jtsd, Boötes(Enlil) letzte Sicht des Arcturus zur Wintersonnenwende / Simulation stellarium