Die Toteninsel Mont Saint-Michel

Die Toteninsel, Arnold Böcklin, 1880

Eines der wichtigsten Werke der Symbolik stammt von Arnold Böcklin, der es in 5 Versionen zwischen 1880 und 1886 geschaffen hat. Das Gemälde die Toteninsel zeigt in düsteren Farben gemalte, aus dem Meer aufragende Felseninsel. Zwischen den Zypressen, sind zahlreiche in Felsen eingelassene Grabkammern zu sehen, die ein Boot ansteuert, auf dem ein Sarg zu sehen ist. Das Bild thematisiert eine Vorstellung, die seit der keltischen Mythologie aus dem Bewusstsein der Menschen verschwunden ist: Das auf der Erde sichtbare Tor zu einer anderen Welt.  In dieser Kultur herrschte die Vorstellung einer Durchdringung beider Welten, die beide eine Einheit bildeten. Deshalb gab es auch Orte, an denen beide aufeinander trafen, wie heilige Haine oder Berge wie der Silevenamon, die zu be stimmten Zeiten wie an Samhain, dem heutigen Aller-heiligen, durchlässig für Kontakte mit der Anderswelt waren.

Der Slievenamon aus Nordosten, Foto Trounce – einer der Mythenberge Irlands

In dieser Anderswelt, so die damaligen Vorstellungen, würden die Körper der Menschen ohne die Sorgen der realen Welt in einem paradiesischen Zustand weiter existieren. Weit verbreitet waren deshalb auch Vorstellungen von einem Seelenführer, welcher den Verstorbenen auf ihrem Weg in die Anderswelt begleiteten. Bei den Kelten übernahmen Krähen diese Rolle, während die Wikinger, ähnlich dem Charon in der griechischen Mythologie, einen Seelen-Fährmann in dieser Funktion sahen. In jener Welt führten die Seelen ihr Leben weiter, was antike Autoren als Vorstellung von Wiedergeburt inter-pretierten. Das Motiv der wieder geborenen Seele war noch lange nach keltischer Zeit fester Bestandteil irischer Sagen und Mythen. Auch der im 6. Jahrhundert lebende römische Schriftsteller Prokopius schrieb über diesen geheimnisvollen Aspekt der keltischen Kultur. Laut dessen Beschreibungen lebte an der Küste Galliens ein Stamm, deren mit der Aufgabe betraut war, die Seelen Verstorbener zur Toteninsel nach Nordbritannien zu überführen. Mehrere Inseln werden vor der englisch-irischen Küste heute noch mit dem Brauch verbunden, Tote auf eine Insel zu überführen.Die wohl bekannteste unter ihnen ist die vor der wallisischen Küste gelegene Insel Bardsey.

Bardsey,Insel der 20000 Heiligen, von Mynydd Mawr aus gesehen, Foto Nowster

Auch der heutige Mont Saint-Michel soll einst eine solche Toteninsel gewesen sein. Letzte Spuren dieser Vorstellung sind auch noch in der jüngsten Vergangenheit zu entdecken, denn noch bis bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts kannten die Einwohner von Pleine-Fougères, einem Dorf zehn Meilen von Mont-St-Michel entfernt, einen Brauch, der an die keltische Anderswelt auf dem Felsenberg erinnerte: Starb dort ein Bewohner des Dorfes, so wurde sein Sarg auf einen Hügel der Bucht gebracht und für einige Augenblicke in die Richtung des Mont Saint Michel gedreht. Berichte über diesen längst aufgebenen Brauch zufolge, hatten die Dorfbewohner geglaubt, dass der Mont St. Michel mit dem Übergang der Seele in die andere Welt verbunden sei. Die Vorstellung eines Seelenführers wurde in den frühen Vorstellungen des Heiligen Michael adaptiert, der so die keltische Vorstellung einer Anderswelt in veränderter Form weiterführte. Auch die Vorstellung einer Toteninel taucht dort im frühen Name auf, wo die Insel Mont-Tombe genannt wird. Der Name lässt sich auf das lateinische Wort ‚tumba‘, das Grab zurückführend.

Alignement Mont Saint-;Michel /Avranches (Karte Ancient Wisdom)

Die Geschichte der Felseninsel reicht aber viel weiter zurück, wie ein Alignement von mehreren Dolmen zeigt. Es beginnt bei Dol de Betragne und führt über Saint Broladre und La Doultiere, dem Mont-Saint Michel weiter zum Burgberg von Avranches. Diese Linie gleicht im Wesentlichen der weitaus berühmteren St. Michaels-Line im Süden Englands. Auch sie verbindet auf ganz ähnliche Weise zahlreiche Orte des Megalith-Zeitalters. Beide besitzen aber auch die gleiche Ausrichtung, denn sie weisen auf den Sonnenaufgang am 6. Mai, also 2 megalithiche Monate nach dem Frühlimgsäqiunokt- ium, Dies deutet auch darauf hin, dass die Insel bereits im 3.Jtsd. ein bedeutender ritueller Ort war. Steht am aber am Abend von Samhain, dem heutigen Allheiligentag auf dem südwestlich von Avranches gelegenen Aussichtpunkt, dem Bois guerins, wird man wieder zurückversetzt in die Mythologie er Kelten. Dort erinnern nicht nur die vielen seltenen Pflanzen an eine längst vergangene Welt, sondern auch der Sonnenuntergang am 31. Oktober über dem Mont Saint-Michael.

Mont Saint–Michel ,Samhain

Mont Tomba,Rekonstruktion aus dem 11.Jhd.

In Avranches ist laut den Erzählungen Bischof Aubert im Jahr 708 der Erzengel er- schienen und hatte dem anfangs zögerlichen Bischof aufgetragen auf dem Monte tomba eine Kirche zu bauen. Nachdem Aubbert den Entschluss gefasst hatte, schickte er gleichzeitig Abgesandte zum Michaelsheiligtum nach Gargano, die sich dort um die Beschaffung von Reliquien kümmern sollten. Mit einem Teil des Mantels von Michael und einem Stein auf dem sein Fußabdruck zu sehen ist kamen sie zurück,so dass ein Jahr später, am am 16.Oktober die erste Kirche geweiht werden konnte. Diese Weihe erfolgte am Tag der ersten Erscheinung, am 16.Oktober, nur einen Tag nachdem in der Antike so beliebten Opferfest, dem Oktoberpferd zu Ehren des Mars. Der Bau von dem sich Reste im Gewölbelabyrinth erhalten haben, hatte noch bescheide Ausmaße. Doch mit dem Eintreffen der Benediktinermönche im Jahr 966 begann sich das Gesicht der Felseninsel zu wandeln. Im Laufe der Geschichte entstand hier, neben dem ersten europäischen Michaelsheiligtum in Gargano das zweite, das noch heute zahlreiche Wallfahrer anzieht.

Bilder: Wikipedia 7 Vista del Mont Saint Michel alla fine del X secolo (incisione del 1910 di Paul Gout)., Paul Gout (1852-1923) / Die Toteninsel, Arnold Böcklin 1880 ,Foto Unbekannt 2. The Bridgeman Art Library, / Alignement Mont Saint-;Michel /Avranches (Karte Ancient Wisdom) Bardsey von Mynydd Mawr aus gesehen, Foto Nowster / Simulation, sunearthtools,opentopomap

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Das Heiligtum von Skellig Michael

Skellig Michael, Foto User:Gdr

Vor der Küste im Südwesten Irlands liegt ungefähr 12 Kilometer vom Dorf Portmagee entfernt die steil aufragende Felsinsel, Skellig Michael. Bereits in frühen Aufzeichnung- en taucht sie als fester Bestandteil der irischen Gründungslegenden auf. Eine dieser Legenden stammt aus der Zeit des 3. Jhd`s. n. Chr und erzählt, dass sich hier Daire Domhain, der König der Welt, auf eine Schlacht gegen die Riesen der Fianna – Armee vorbereitete. Domhain war ein Enkel des mythischen Conaire Mór, der als erster Hoch- könig Irland regiert haben soll. Er war das Kind der zauberkräftigen Mes Buachalla, die ihn nach einem Beischlaf mit einem Unbekannten in Vogelgestalt empfangen hatte. Im Irischen bedeutet der Name fian eine Kriegerschar, die im Sagenkreis des Finnzyklus eine Gruppe von freien Männern darstellte, die die Freiheit Irands verteidigten. Eine zweite Sage berichtet von der zweiten Landname Irlands durch die vom Norden Spaniens kommenden Milesier, bei der der 3. Sohn des Königs Milesius ums Leben kam.

The Coming of the Sons of Miled“, illustration by J. C. Leyendecker

Milesius war der Sohn des gallischen Königs Breohgan und wurde von ihm nach Skythien geschickt, wo er eine skytische Prinzessin heiratete. Nachdem sie verstarb, gelangte er nach Ägypten, wo er alles über die Künste, die Wissenschaft und die Schriften erfuhr. Dort blieb er einige Jahre und heiratete Sscotia, die Tochter des Pharaos. Mit ihr zeugte er die Söhne Heremon, Ir und Heber. Bei der Landnahme Irlands, die auf die Zeit um 1700 v. Chr. datiert ist, kommandierte ir eines der Schiffe der Flotte, doch ein Sturm trennte das Schiff von den anderen und es zerschellte an den Klippen von Skellig Michael. Dort wurde er dann auch begraben. In der Literatur wird der Name Skellig meist als `Fels im Meer´ interpretiert, ein Bild das sicher auch den Intentionen der Mönche entsprach, durch ein einsames Leben auf dem Fels inmitten des Meeres Gott möglichst nahe zu sein.

Klosterfriedhof auf Skellig Michael, Foto Jibi44

Wie die beiden Sagen aber nahelegen, muss es aber noch andre Gründe gegeben haben, die die Mönche veranlassten auf die Felseninsel ziehen. Da Skellig Michael der Endpunkt einer Linie ist, die mit geringen Abweichungen mehrere Michaelsheilgtümer verbindet, könnte der Ort bereits in der Frühgeschuchte Teil einer Reihe von bedeut- enden Kultorten gewesen sein. Eine weitere wichtige Verbindung besteht aber auch zwischen de Felseninsel und dem Mount Bolus an der Südwestspitze der irischen Küste. Das Wort Bol bedeutet in der indogermanischen Sprache Klumpen, also eine treffende Beschreibung für die isoliert liegende Landschaftsform des Mount Bolus. Doch der Sonnenaufgang, der von Skellig Michael aus, am 11. April, über dem Mount Bolus beobachtet werden kann, deutet auf eine besondere Beziehung beider Orte hin.

Einsiedlerhäuser(Bienenkörbe) und Mount Bolus. Foto Towel401

Dieses Datum markierte im römischen Reich das Ende der Magna Mater Feiern,dem Urbild der Muttergöttinnen. Mit ihr vergleichbar ist das Bild der Cailleachs, die in der schottisch-Irischen Mythologie eine Dreiheit bildeten, die sich aus der Cailleach Beara, der Cailleach Bolus und der Cailleach Corca Duidbne zusammensetzte. Als Dreiheit standen sie einst mit ihren unterschiedlichen Rollen für den Kreislauf der Natur. Doch vom Mount Bolus aus betracht, bot auch die Felsenspitze von Skellig Michael einst einen wichtigen Visierpunkt. Über ihr ging am 15. Oktober die Sonne unter, an dem Tag an dem im antiken Rom das Ritual des Oktoberpferdes zu Ehren des Mars gefeiert wurde. Mit einer Zeitspanne von 23 Tagen nach dem Herbstäquinoktium, erinnert die Feier aber auch an die Zeiteinteilung des einstigen megalithischen Kalenders.

Die Sonnenrichtungen von Sklellig Michael

Gemäß den Schriften des römischen Schriftstellers Sextus Pompeius handelte es sich bei diesem Fest um ein Ritual `für den Ausgang der Ernte. Am Ende des obligatorischen Pferderrennens wurde dann das beste Pferd geopfert und dessen blutender Kopf zum Herd der Vestalinnen gebracht. Damit knüpfte dieses Opferritual an die Verehrung von Pferdegottheiten an, die ab dem 20. Jhd.v. Chr. in Kleinasien fassbar sind. Diese Ver- ehrung setzte sich fort über die gallisch-römische Pferdegöttin Epona bis zum Mythos der irisch-wallisischen Göttin Rhiannon. Über sie wird berichtet, dass sie auf einem weißen Pferd, so schnell wie der Wind, über das Land ritt. Dabei wurde sie von Zaubervögeln begleitet, die Tote aufwecken und Lebende in einen 7 jährigen Schlaf versinken lassen konnten.Rhiannon wurde ebenso die Fähigkeit zugeschrieben, die Seelen Verstorbener in die Anderswelt zu tragen und ihnen dort zu helfen sich in ihren Dasein zurecht zu finden. Wie Rhiannon, hatte aber auch Michael am Beginn seiner Verehrung eine ganz ähnliche Rolle, in der er noch als Seelenbegleiter und Heiler gesehen wurde. War diese Verbindung am 15. Oktober entscheidend, so könnte Skellig Michael tatsächlich eine Toteninsel gewesen sein, auf die die Sage der Milesier hinweist. Damit bekäme auch der Name Skellig eine ganz andere Bedeutung. denn skellig könnte auch aus der Verbindung des griechischen Wortes skeletos und dem keltischen lica,dem Stein entstanden sein. War sie einst die steinerne Toteninsel, dann hat der Name Saint Michael hier durchaus seine Berechtigung. Auch das dem Orion/Òsiris gleichende frühe Bild des Michael als Heiler und Totenbegleiter fand auf Skellig Michael eine Entsprechung, denn während des Frühlingsäquinoktiums um 600 .Chr. ,tauchte Orion so am Südhimmel auf, dass sein Körper der Inselform entsprach.

Frühlingsäquinoktium und Skeilig Michael als `Körper´ des und Orion

Fotos: Wikipedia/ Skellig Michael, Foto User:Gdr,CC BY-SA 3.0 / The Coming of the Sons of Miled“, illustration by J. C. Leyendecker in T. W. Rolleston’s Myths & Legends of the Celtic Race, 1911 / Klosterfriedhof auf Skellig Michael, Foto Jibi44, Simmulation, opentopomap,stellarium, sunaerthtools

Die Linse und der Michaelsberg bei Untergrombach

Michaelsberg mit Michaelskapelle in Untergrombach, Foto Der Kawana

Auch eine prägende Kultur der Jungsteinzeit verdankt dem Schlachtenhelfer und Ver- teidiger des Glaubens ihren Namen, denn erste Erkenntnisse über die Michelsberger Kultur wurden auf dem Michaelsberg bei Untergrombach gewonnen. Der Archäologe Karl August von Cohausen entdeckte im Jahr 1884 bei Grabungen.dort die Überreste der Kultur. Dabei stieß er auf ein Erdwerk, in dem knapp 100 Grubenhäuser identifiziert wurden. Die nach dem Berg benannte Kultur existierte zwischen dem 44.Jhd. und dem 35,Jhd.v.Chr. in einem Verbreitungsgebiet, das vom Pariser Becken bis nach Süd- deutschland reichte. Ein verbindendes Merkmal der zahlreichen Siedlungen waren auch die umfangreichen Erdwerke. Sie bestanden aus Wällen mit mehreren Durchlässen und vorgelagerten Gräben, die oft mehrere hundert ha große Siedlungsfläche umfassten.

Gefäße und Mahlstein der Michelsberger Kultur,Carl Schuchardt, LaMu Württemberg

Eines der Hauptnahrungsmittel dieser jungsteinzeitlichen Kultur war die Küchen-Linse, die lens-culinars Ihre Geschichte der Kultivierung reicht bis ins 9. Jtsd. zurück und sie stammt, wie die Getreidearten, ebenso aus dem Vorderen Orient. Durch die Migrations-bewegung der Ackerbauern gelangte die Linse dann bis nach Mitteleuropa. Hier steht sie nach einer langen Zeit des Schattendaseins wieder auf dem Speiseplan. Auf Grund der proteinhaltigen Eiweiße gilt sie nun als Superfood. Linsen sind genügsam und gedeihen Dank einer Symbiose mit Luftstickstoff bindenden Knöllchenbakterien auch auf kargen bis steinigen Böden. Dennoch können sich Linsen gegen Unkräuter kaum durchsetzten und so muss bei ihrer Pflanzung der Unkrautvernichtung große Aufmerk-samkeit geschenkt werden. Deshalb haben sich in der Vergangenheit Mischkulturen mit Hafer oder Gerste bewährt, die die Unkräuter während des Wachstums der Linse fernhalten. Doch diese Mischung unterschiedlicher Pflanzen macht den Linsenanbau arbeitsintensiv und aufwendig.

Linse (Lens culinaris), Illustration

Der Wert der Linse wird auch im biblischen Kontext gewürdigt, denn im 25.Kapitel der Genesis kauft Jakab seinem älteren Bruder Esau, der hungrig vom Feld heimkehrte, das Erstgeburtsrecht mittels eines Linsengerichtes ab. Später werden dann sein 12 Söhne, nachdem er sich in hohem Alter weder mit seinem Bruder versöhnte, die Stamm- väter der 12 Stämme Israels. Bis zum Mittelalter hielt sich die Beliebheit der  Linsen-speise, die auch bei Griechen und Römern sehr beliebt war. Doch ab dieser Zeit war er der Anbau stark rückläufig und die Linse bekam den Status das Brot des armen Mannes zu sein. Die ideale Zeit für die Aussaat ist von Ende April bis Anfang Mai. Diesem Monat, mit dem in keltischer Zeit das sommerliche Halbjahr begann, gab Karl der Große einst den Namen der `Wonnemonat´. Der Name Mai lässt sich auf die römische Göttin Maia zurückführen, die altrömische Wachstums- und Naturgöttin. Sie ist eine der 7 Schwestern, den Plejaden, und seit den Erzählungen Vergils gilt Maja als die Tochter des Atlas und Mutter des Hermes.

Die Plejaden im Sternbild Stier – Der rote Kreis kennzeichnet deren Position. Foto fatso

Sie wurde teils mit der Göttin Bona Dea identifiziert, aber auch als Maja und Partnin des Gottes Mercurius. Doch im 5. Jhd.v.Chr sah der der griechische Dichter Aischylos die älteste der 7 Schwestern noch als die gebärende Mutter und assoziierte sie mit Gaia, der personifizierten Erde. In mehreren seiner Stücke bezeichnete sie Aischylos auch als die Erdgöttin Gaia Maia. Bereits 2 Jahrhunderte vor Aischylos hatte auch der griech- ische Bauerndichter Hesiod die Bedeutung von Maia und ihren Schwestern erkannt. In seinem Lehrgedicht Werk und Tage, das die Abfolge landwirtschaftllcher Arbeiten be- schreibt, führte er auch die Zeitmakierung durch das Gestirn der Plejaden auf. Er beschreibt dies mit folgenden Worten: `Wann dir früh die Plejaden, des Atlas Töchter, emporgehn,`Dann sei der Ernt‘ Anfang; und des Saatpflugs, wann sie hinabgehn.´ Passend zur Aussaat Linse, dem Beginn des Sommers und der Verehrung der Frucht- barkeit, erfolgte auch die Ausrichtung des linsenförmigen Erdwerkes auf dem Michals- berg. Dessen Mittellinie zielt den Sonnenaufgang am 6. Mai und entspricht mit diesem Datum nicht nur dem Zeitraum der Linsenaussaat, sondern zugleich auch dem Beginn des sommerlichen Halbjahres im 16-monatigen Kalender der Megalithzeit.

Michaelsberg, Ausrichtung

So liegen zwischen Frühlingsäquinoktium und dem 6. Mai 2 megalithische Monate und ebenso zwei bis zur Sommersonnenwende. Dieser Sonnenaufgang erfolgt vom Michaelsberg aus betrachtet, nun ebenfalls über einem Kapellenberg, dem Kreuzberg bei Tiefenbach. Dort steht eine kleine Kapelle, die das Ende eines Kreuzweges bildet. Bei diesen Übereinstimmungen von Zeit und Raum gilt es noch einen Blick auf den so- genannten Tulpenbecher zu werfen, eines der Hauptprodukte keramischer Erzeugnisse in jener Zeit. So hat bei näherer Betrachtung, die Geometrie eines Tulpenbechers weniger der gleichnamigen Blüte, als viel mehr der geschwungenen Silhouette einer Linsenblüte.

Linsenblüte und der Tulpenbecher vom Michelsberg, Foto Anagoria

Fotos: Wikipedia / Michaelsberg mit Michaelskapelle in Untergrombach, Foto Der Kawana ,Stadtwiki Karlsruhe / Gefäße und Mahlstein der Michelsberger Kultur aus einem Grab bei Hoheneck, Landesmuseum Württemberg Stuttgart, Carl Schuchardt (1859-1943) – Carl Schuchhardt: Deutsche Vor- und Frühgeschichte in Bildern. /Linse (Lens culinaris), Illustration, Original book source: Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Gera, Germany, Permission granted to use under GFDL by Kurt Stueber / Die Plejaden im Sternbild Stier – Der rote Kreis kennzeichnet deren Position. Foto fatso / Simulation, Opentopomap, A.Dauber Plan Michaelsberg, sunearthtools/ Linsenblüte und der Tulpenbecher,Tulpenbecher vom Michelsberg, Landesmuseum Württemberg, Foto Anagoria –

 

Die Heiligen des Heiligenberges

Der Heiligenberg von bneckaraufwärts gesehen, im Vordergrund Neuenheim, Foto BishkekRocks

Mit seiner Landschaftsform eignete sich der Heiligenberg in Heidelberg geradezu ideal um in der Frühgeschichte den Kulten mehrerer Gottheiten zu dienen. Mit gleich 2 Klöst- ern auf einer Kuppe wurde der Berg dann auch seinem später entstandenen Namen gerecht. So ist doch vom Plateau des Heiligenberg, den heutigen Ruinen des Michaels-kllosters der Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende über der Kuppe Am Einsiedler zu beobachten und 52 Tage früher, am 1 Mai über dessen östlicher. Entsprechend der Flurbezeichnung Heidenknörzel ist er dann auf dessen Mitte während den Äquinoktien zu beobachten.

Sonnenrichtungen auf dem Heiligenberg

Wie an vergleichbaren Orten auch, wurden die bestehenden Heiilgtümer der Kelten von den Römern mit Bauwerken überformt, so dass Kult und Erinnerung an sie ver- schwanden. Meist waren dies dann Ensembles mit kleineren Tempel wie sie in der Eifel noch sehen sind. So wird die dortigen Reste eines Tempels gallisch-römischen Gott Mercurius Cimbrianus zugeordnet. Doch die Ausrichtung des Tempels lässt keine Ver- bindung zum Feiertag des Mercurius erkennen. Viel mehr deutet die Ausrichtung der Querachse Tempels daraufhin, dass bei dessen Bau der Sonnenaufgang am Tag des Beginns der Magna Mater Feiern von entscheidender Bedeutung war. Dass gerade Michael als Schutzpatron gewählt wurde hängt aber nicht nur mit der einstigen Be- deutung des Kultortes während der Frühgeschichte und in römischer Zeit zusam- men.Während im Jahr 709 Bischof Aubert von Avranches nach einer Vision auf dem heutigen Mont St Michel eine Kirche bauen ließ, hatten die Mauren bereits die Pyrenäen überschrittten und drangen bis in die Mitte Europas vor. Dort wurden sie 732 von Karl Martell und seinen Verbündeten bei Poitiers unter dem Zeichen der Michaels- fahne geschlagen. Durch diesen Sieg verbreitet sich die Michaelsverehrung noch rascher in Europa und diente damit auch einer gemeinsamen Identifikation. Mit Karl dem Großen und der Weihe seiner Länder dem heiligen Michael bekam diese Verehrung dann eine staatspolitissche Dimension. Fortan trug sein Heer auch bei jeder Schlacht die Fahne mit seinem Bild. Im Jahr 813 legte er dann auf er Synode in Mainz den Feiertag des Michael, der bis dahin an unterschiedlichen Tagenund, meist nur regional gefeiert wurde, auf dem 29. September. An diesem Tag hatte bereits im 5.Jahrhundert Papst Leo I. In Rom die Kirche S.Michele geweiht. Doch dieses Datum offenbart gleich in mehrfacher Hinsicht eine Symbolik eng verknüpft ist mit der biblischen Zahlenmystik. So liegt das Datum 7 Tage nach dem Herbstäquinoktium, dem vermuteten Beginn der Feiern zu Ehren des germanischen Gottes Wodan/Odin. und zugleich auch 87 Tage vor dem Weihnachtstag. Als Produkt von 3×29 verweist die Zahl sowohl auf die Symbolik der 87, der 3, wie auch in der 29, So verkündet der 87.Vers im des letzten Buch der Bibel , dass Christus auf die Erde kommen musste, um das Böse zu überwinden.

Das Doppelrautenkreuz und die Zahl 29, aus http://www.decemsys.de/horaz

Die eigentliche Bedeutung der Zahl 29 hatte auch der römische Dichter Horaz erkannt, der in ihr eine der wichtigsten Zahlen des pythgoreischen Tetraktys sah, einem Zahl- enmodell zur Erklärung des Kosmos. Diese Bedeutung offenbart sich in der Summe der Elemente des Doppelrautenkreuzes, wie auch in der Summe der zahlen 1 bis 5 auf einem Kreisdurchmesser. Werden die jeweils beidseitg aufgetragen, ergeben sie so die Summe 25.Aber auch die erste Zeitspanne, vom Datum des Wunders von Garagano am 8. Mai, dem 128.Tag im Jahr, bis zum Michaelitag verweist noch deutlicher auf die Heilsbotschaft der Bibel und die Rolle des Michael. Sie beträgt 144 Tagen und verweist mit der Zahl auf das biblische Ereignis, das am Ende der Heilsbotschaft geschildert wird, wo 144000 Menschen gerettet werden: So steht im Text der Offenbarung des Johannes (Offenbarung 14,1) „Keiner vom Volk Gottes wird vom Gericht Jesu getroffen. Sie alle können in der Endzeit bestehen und werden vor den sieben Plagen verschont, denn Jesus hat sie durch seinen Namen und den Namen des Vaters als sein Eigentum gekennzeichnet.  50 Jahre nach der Entscheidung Karls des Großen,den Feiertag auf den 29. September zu legen, wurde im Jahr 863 des Michaelklosters auf dem Heiligenberg bei Heidelberg gegründet. Aber auch beim anschließenden Neuau des Klosters im Jahr 1023, durch Abt Reginbald, dem späteren Bischof von Speyer, wurde auf ein symbolisches Datum geachtet. So erfolgte der Neubau doch genau 160 nach der Gründung. Trotz der Michelsweihe des Klosters lassen sich auf den ersten Blick aber keine Verbindung in der Ausrichtung der Anlage zu den Michaelsfeiertagen erkennen. Doch zwei Gedenktage von Heiligen, denen Michael in einer Vision erschien und die auch ein Vorbild für Reginbald gewesen sein könnten, bieten hier eine Erklärung. So war zur Zeit des Neubaues der Sonnenaufgang in der Bauachse am 3. September zu sehen, dem Feiertag von Gregor dm Großen.

Gregor I. ,Idealporträt von Antonello da Messina, um 1472/1473, The Yorck Project

Prozession von Papst Gregor, aus den Très Riches Heures (um 1415), Foto. R.M.N. / R.-G. Ojéda

Der hatte im Jahr 590, während einer Bittprozession zur Beendigung der in Rom grass-ierenden Pest eine Vision des heiligen Michael. Den Erzählungen zufolge, sah er Flammen über dem Hadriansmausoleum und über ihnen Michael mit dem Schwert. 9 Jahre vor dem Baubeginn des Klosters auf dem Heiligenberg fand auch die Pilgerreise es heiligen Franziskus nach Gargano statt. Von dort wird berichtet, dass er die Schwelle des Heiligtums küsste und anschließend ein Tau in den Stein geritzt hat. An dieses Ereignis erinnert heute auch der Franziskusaltar gleich hinter dem Eingang des Heilig- tums. Damit erzählen die Reste des einstigen Klosters nicht nur von den Vorbildern des Erbauers, sondern auch von Menschen, die an eine der wichtigsten biblischen Gestalten glaubten. Sie rahmt das Heilsgeschehen einm denn einst vertrieb sie Adam und Eva aus dem Paradies und bei Letzten Gericht würde sie, gemäß der Vision des Johannes, den Teufel in Gestalt eins Drachens besiegen.

Heilige des Heiligenberges – Michaelskloster auf dem Heiligenberg, Sonnenrichtung

Bilder; Wikipedia / Der Heiligenberg neckaraufwärts gesehen, im Vordergrund Neuenheim BishkekRocks ,CC BY-SA 3.0 / Gregor I. ,Idealporträt von Antonello da Messina, um 1472/1473) Antonello da Messina – The Yorck Project (2002) /Prozession von Papst Gregor, um das Ende der Pest zu erflehen: Michael erhört ihn und steckt sein Schwert in die Scheide. Miniatur aus den Très Riches Heures (um 1415) Brüder von Limburg – Photo. R.M.N. / R.-G. Ojéda / Doppelrautenkreuz, gematrischeAnalyse, http://www.decemsys.de/horaz /sapere-aude3.htm / Das Doppelrautenkreuz und die Zahl 29, aus http://www.decemsys.de/horaz / Sonnenrichtungen auf dem Heiligenberg, Opentopomap, googlemap sunearthtools

Der Hohenzollern, ein Michaelsberg

Der Erzengel Michael von Raffael (1518), Louvre

Das Jahr 1566 überschatteten 2 Katastrophen. Im Juli wurden nach lang anhalten Regenfällen zahlreiche Städte entlang des Hochrheins und im Bodenseegebiet überflutet. Wenig später, am 10. August, wurde durch die Zerstörung religiöser Bilder in einer Kirche in Steenvoorde die Grundlage für den 80 Jahre dauernden Krieg der Niederlande gegen Spanien gelegt. Angesichts dieser Ereignisse erscheint die Arbeit des Froben Christoph von Zimmern nur allzu verständlich, denn er verfasste im Schloß Meßkirch die nach ihm benannte Zimmerische Chronik. Neben einer fantasiereich geschilderten Geschichte des Landes, erwähnt er auch den heutigen Hohenzollern mit dem heute völlig unbekannten Namen Michaelsberg. Später wurde dies, wie auch andere Details, als reine Erfindung des Herrn von Zimmern abgetan.

Zimmersche Chronik,Handschrift B, aufgeschlagen, Foto FA2010

Doch bei genauer Betrachtung liefert die Beschreibung des Hohenzollern einen Hinweis zu einem bislang weitgehend unbeachteten Phänomen, der Ausrichtung der Landschaft auf Gestirnssichtungen. Dies ist nicht nur bei einem den Kelten zugeschriebenen Kultstätten auf Bergen wie dem Donon zu sehen, sondern auch bei kretischen Bergheiligtümern. Die Geschichte des Erzengels Michael beginnt im Alten Testament mit der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies. Später besuchte er Abraham und teilte während des Exodus mit seinem Schwert das Rote Meer. Im Christentum wurde er dann in sehr unterschiedlichen Funkt-ionen verehrt. Diese Verehrung begann mit dem Wunder im süditalienischen Gargano, auf dem heutigen Monte Sant Angelo. Am 8. Mai 492, so die Erzählung, soll Michael einigen Hirten erschienen sein und ihnen mitgeteilt haben: `Diese Grotte ist mir heilig, ich habe sie mir erwählt, …´ In der Folgezeit entstanden nicht nur auf dem Mont-Saint-Michel, sondern auch an zahlreichen anderen Orten Kirchen die dem Erzengel geweiht wurden. Unter diesen Kirchen befindet sich auch die auf dem Michaelsberg bei Cleebronn. Neben dem Feiertag am 8. Mai gab es noch den eigentlichen Michaelitag am 29.September, dem Tag seiner dritten Erscheinung in Gargano. Ebenso wurde auch das Wunder von Alexandria am 6. Juni und ebenso seine Erscheinung bei Kaiser Konstantin am 9. Juni gefeiert. Auch die Kirche auf dem Mont Saint-Michel entstand nach einer Traumvision des Bischofs von Avranches, in der er im Jahr 708 vom Erzengel den Auftrag zum Bau der Abtei erhielt. Die meisten Berge, die den Namen Michael tragen, verbindet aber nicht nur die Aussicht, sondern ebenso die Ausrichtung der Landschaft hin zu einem Sonnenauf- oder Untergang an einem der Gedenktage des Michael. Deutlich wird dies beim symmetrisch geformten Mont Saint-Michel dessen Mittellinie auf den Michaelitag am 29.September gerichtet ist oder auch beim Michaelberg in Heidelberg.

Ausrichtung des Mont-Saint-Michel

Von ihm aus betrachtet ist der Sonnenaufgang bezeichnerzweise über dem nordöstlich gelegenen Heidenknörzel zu sehen. Auch die Landschaftsform des gleichnamigen Berges in Cleebronn weist auf ein Michaelsdatum. So deckt sih die Ausrichtung des als Wächter des Zabergäus bezeichnete Berg es mit der Verehrung in Konstantinopel wo er im von Kaiser Konstantin errichteten Michaelion am 9,Juni als Türwächter Konstantinpols verehrt wurde. Ähnlich diesen bekannten Michaelsbergen weist auch der Hohenzollern diese eigentümliche Ausrichtung der Lamdschaftsform auf. So zielte hier im Mittelalter die Mittellinie des elliptisch geformten Berges noch auf den Sonnenaufgang an jenem 8. Mai, an dem die Sonne über der Hornisrinde im Schwarzwald aufging.

Die Ausrichtung des Hohenzollern

Die Burg Hohenzollern

Mit dieser Sonnenausrichtung weist der Hohenzollern eine Eigenschaft auf die auch bei mediterranen Bergheiligtümer, wie denen der Minoischen Kultur zu beobachten ist. Auch dort standen Götterkulte und die Sonnenausrichtung der Landschaft immer in enger Verbindung. Eine Ideallinie ergibt sich beim Hohenzollern aber beim Sonnenaufgang am 2. Februar und dem Sonnenuntergang am 6.Mai. Beide Daten verweisen auf hier auf den vom schottischen Ingenieur Alexander Thom bei Stein-setzungen in England gefundenen megalithischen Kalender. Dieser Kalender hatte eine Unterteilung von 16 Monaten, in Monate mit je 23 und 22Tagen. So sind die, die Ideallinie des Hohenzollern bestimmenden Daten, genau zwei Monate vom in vielen Kulturen gefeierten Frühlungsäqutionoktium entfernt. War dies der Zeitraum der Angleichung der Landschaft an den Sonnenlauf, so bot im 30.Jhd. v. Chr. die letzte Sicht auf Acrturus, den hellsten Stern des Bärenhüters am 2. Februar eine weitere Möglichkeit einen Sonnenkalender abzustimmen. Es ist die gleiche Zeit, in der in Carnac und in England mit Steinsetzungen ebenfalls Kalenderanlagen errichtet wurden. Die Bezeichnung Michaelsberg, wie er in der Zimmerschen Chronik genannt wird, hat also hier durchaus seine Be- rechtigung. Vor diesem Hintergrund der Sonnenausrichtung gewinnt auch der in der Literatur erwähnte Name `Mons solarius´, der Sonnenberg, eine neue Bedeutung. Er bot in einer Zeit ohne Uhren hier die Möglichkeit, mit Hilfe der Sonne die Zeit zu ordnen und damit war er gleichzeitig auch ein Ort göttlicher Macht. Dass sich diese Macht ebenso in der Symbolik der Zahlen offenbart, zeigen die Daten der Michaelsfeiertage. So beträgt ist der Zeitabstand vom 8.Mai, dem Wunder von Gargano, bis zum Michaelitag am 29. September 144 Tage. Die 144 ist das Quadrat der 12. Im biblischen Kontext stehen die 1 und die 2i gemeinsam für Gort und seine Schöpfung. Als 144 taucht die Zahl  3 mal im Text der Johannesoffenbarung auf in der das letzte Weltgericht geschildert wird. Dort besiegt Michael dann das Böse in Gestalt eines Drachens und am Ende des Gerichtes werden 144000 gerettet.

Bilder: Wikipedia / Hohenzollern, Postkarte um 1938 / Der Erzengel Michael von Raffael (1518), Louvre,Raffael – Retouched from File:Le Grand Saint Michel, by Raffaello Sanzio, from C2RMF.jpg, originally C2RMF. Wiki gemeinfrei / Zimmersche Chronik,Handschrift B, aufgeschlagen, Foto FA2010 / Simmulation Sunearthtools, opentopomap, Heinrichs Kalenderumrechner