Advanced water management and pioneer hydraulic technology in Minoan Crete (Bronze Age) — Novo Scriptorium

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Der Götzenaltar bei Königsheim

Götzenbild des goldenen Kalbes in Hartmann Schedels Weltchronik Scan, Tsujigiri~commonswiki

Der Name Götzenaltar weist weit in die Religionsgeschichte zurück und spiegelt den Kampf der Religionen um die Deutungshoheit echter Gottesverehrung wieder. Der Name, der eine Zurücksetzung anderer Götter gegenüber dem Gott der Israeliten be- deutete, taucht im Buch der Chronik, aber auch im Buch des Propheten Hesekiel auf. Hesekiel, einer der drei großen Schriftpropheten des Tanach, schildert im gleichnamig- en Buch das Unglück der Israeliten als diese begannen fremde Götter anzubeten. Dies sah Hesekiel lange im Voraus in einer Vision, in er das Innere des Tempels erblickte, In dem huldigten Priester fremden Göttern anderer Völkern. Dort wurden sie nun in Bild- ern verehrt, während der ursprüngliche Glaube der Israeliten kein Bild Gottes kannte. Tatsächlich geschieht später dann das,was der Prophet anprangerte.

Fresko in der sixtinischen Kapelle von Michelangelo, 1510, Michelangelo – Web Gallery of Art:

Die Israeliten beteten die Götzen an und gerieten daraufhin, nach der Eroberung Jerusalems und der Zerstörung des Tempels in babylonische Gefangenschaft. Den- noch endet das Buch mit der Beschreibung der Herrlichkeit eines königlichen Fried-ensreiches in der Zukunft und deutet damit bereit das Kommen des Messias an. Im Buch der Chronik, das seit dem Mittelalter in 29 Kapitel unterteilt wurde, wird haupt-sächlich der Aufbau der Gesellschaft der Israeliten geschildert. Hierbei wird aber der Schwerpunkt der Betrachtung auf die Gottesverehrung im 1. Tempel gelegt. Im Ver- gleich mit den Gottes- bildern anderer Völker steht dort: (´„kol elohei haamim elilim´), was übersetzt bedeitet: `Denn aller Heiden Götter sind Götzen;´ oder auch sinngemäß `Alle Götter der Völker sind nichts´.

Nicolas Poussin: Die Anbetung des goldenen Kalbes (1633–1634)/ Nicolas Poussin/ Bild ttp://www.cts.edu/ImageLibrary/Public_domain.cfm

Dennoch ist der deutsche Begriff Götze erst jüngeren Datums. Im Mittelhochdeutschen entspricht die Diminutivform des Wortes einer Abwertung und dem Sinn nach einem Hausgeist oder Kobold. Martun Luther gebrauchte den Begriff erstmals im jahr 1520 in der Bedeutung von Abgott oder auch flacher Gott. Eng verknüpft mit dem Wort Götze ist der des heute kaum noch gebäuchlichen Begriffes Heide. Das Wort leitet sich aus dem lateinischen paganus ab, das für ländlich oder dörflich steht. Das Woirt weist aber gleich auf zwei Entwicklungen hin: Das Aufblühen einer städtischen Kultur während der Blütezeit Roms, die die dörflich anmutetenden Oppida in den Schatten stellte und damit ein soziales Gefälle von Stadt und Land andeutet. Dies spiegelte sich auch in der Wert- schätzund dieser weit draussen lebenden Bevölkerung wieder, die als ungebildet und zurückgeblieben betrachtet wurde. Das gleiche Bild wurde dann während der Christ-ianisierung auch auf den Glauben der Landbevlkerung übetragen. Eine erste klare Ab- grenzung zwischen den Heiden und den Christeen geschah auf dem im Lukasevangel- ium geschilderten Aposelkonzil. Für das Urchristentum, das zu dieser Zeit aus zahl- reichen sektiererischen Gruppen mit unterschiedlichen Glaubensinhalten bestand, wurde auf diesem Treffen eine wegweisende Entscheidung zur Missionierung von Heiden getroffen. Als Hauptvertreter der hellenistischen Theologie vertrat hier der Apostel Paulus die Auffassung, dass Heiden durch den angenommenen Glauben an Jesus Christus und den Empfang des Heiligen Geistes gereinigt und geheiligt seien.

Heidenmission im Mittelalter, Daratellung aus dem 19. Jhd.

Damit unterlagen sie auch nicht mehr dem bis dahin praktizierten jüdischen Religions- gesetz der Beschneidung und in der Folge war dies die Trennung zwischen dem Juden- tum und den Christen. Auf der südlichen Albhochfäche, zwischen Böttingen und Kön- igsheim erinnert der Name eines Felsblocks aus dem oberen Juragestein an den heute nicht mehr gebräuchlichen Begriff Götze. Das als Götzenaltar bezeichnete Gestein musste aber bereits in frühgeschichtlicher Zeit einen besonderen Nimbus besessen haben, denn in unmittelbarer Nähe zu dem Ort befinden sich mehrere Grabhügel. Der rund 1,6m hohe Block liegt auf einer runden Steinplatte mit einem Durchmesser von knapp 25m Die ganz bewusste Gestaltung des Ortes lässt sich auch in der Ost-West-Ausrichtung des Felsens erkennen.

Götzenaltar Schwäbische Alb, Foto Manuel Mattes , http://manuel-mattes.de

Auf Grund von Keramiktresten aus der späten Bronze- und Hallstattzeit wurde früh auf die kultische Bedeutung des Ortes geschlossen. Obwohl Bewaldung heute die einstigen Sichtbeziehungen verdeckt, erscheinen drei wesentliche Richtungen für den Götzenalt- ar und die Grabhügel wichtig gewesen zu sein: Der Sonnenuntergang am 31. Oktober über dem Böttenbühl, der während der Äquinoktien über dem Galgen Berg bei Bötting- en und dem Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende über dem Stufenberg an der Oberen Bära. Die einstige Bedeutung des Ortes ist längst von zwei schauerlichen Sag- en überformt wurden. Eine erzählt vom Streit zwischen Vater und Sohn um ein Mädch- en, der in einem Gottesurteil mündete und schließlich zum Tod der beiden vor dem Stein führte. So nimmt es kein Wunder, dass er heute versteckt zwischen Bäumen liegt und seine ursprüngliche Bedeutung längst vergessen ist. Auch das Christentum hatte bald die Macht der einst angeprangerten Götzenbilder erkannt und das Medium Bild und Plastik zur weiteren Missionierung eingesetzt. Da die alte Bildsprache verloren ging, haben auch sie, heute, nach fast 2000 Jahren Missionierung, ihre große Bedeut- ung verloren, . Insofern steht der Naturaltar bei königsheim auch für den Beginn der Religionen.

Sonnenrichtung des Götzenaltares

Bilder: Wikipedia / Biblisches Götzenbild des goldenen Kalbes in Hartmann Schedels Weltchronik (Nürnberg 1493) , ScanTsujigiri~commonswiki / Fresko in der sixtinischen Kapelle von Michelangelo, 1510, Michelangelo – Web Gallery of Art/ Nicolas Poussin: Die Anbetung des goldenen Kalbes (1633–1634)/ Nicolas Poussin/ Bild ttp://www.cts.edu/ImageLibrary/Public_domain.cfm / Götzenaltar Schwäbische Alb, Foto Manuel Mattes, http://manuel-mattes.de/ simulation sunearthtools,opentopomap

Göbekli Tepe und Portasar Teil 3

Die Stele des Löwen

Einer der ungewöhnlichesten Bauwerke in Göbekli Tepe fällt durch seine rechtwinklige Geometrie auf. Auf Grund von Darstellungen katzenartiger Tiere wird es auch als `lion pillar building´ bezeichnet. In seiner Mitte stehen vier Stelen mit jeweils unterschied-lichen Abständen zu den Außenwänden. Mit den Darstellungen vergleichbare Tierkulte gab es auch in Ägypten, wo die Göttinnen Mafed in Panther- und Sachmet in einer Löwengestalt erschienen. Mafdet ist seit der ersten Dynastie belegt, also ab dem frühen 3. Jahrtausend und bedeutet die Kletterin oder auch die Läuferin.

Mafdet trägt Osiris während ihn Anubis besucht, Bild aus dem Grab des Sennedjem

Obwohl sie meist mit einem Panther gleichgesetzt wird, ist ihre Gestalt nicht eindeutig belegt. Aus den Pyramidentexten ist jedoch überliefert, dass die Wildheit des Löwen den König und Re vor dem Angriff von Schlangen und Skorpionen schützte. Ist dies aber so wortwörtlich zu sehen? Das Bild des Sternbildes weist hier in eine andere Richtung. In der Zeit der 1. Dynastie tauchte das Sternbild des Löwen kurz nach Son- nenuntergang zur Wintersonnenwende auf und mit ihm auch die Sternbilder Schlange und der Skorpion. Der Löwe folgte so in sprungbereiter Haltung und ebenso angriffs-lustig dem vorauseilenden Orion mit seinen Hunden. Doch auch die Katzengöttin Bastet wurde in Ägypten in der Regel meist als sanftmütige Göttin angesehen und in dieser Rolle galt sie als Göttin der Freude, der Musik und des Tanzes.

Bastet, Foto FDRMRZUSA

Zugleich war sie aber auch die Àmme und Mutter des Pharaos. Ihre negative Seite, die sie als das strafende Auge des Re offenbarte, gab sie später an die Göttin Sachmet ab. Auch diese Vorstellung vom strafenden Auge ist vor dem Kontext des Sternbildes besser zu verstehen. Mitte August, also in der Zeit um Mariä Himmelfahrt, erreicht die Temp- eratur in Ägypten ihr Maximum. Zu dieser Zeit, als Bastet noch das Auge des Re dar- stellte, stieg das Sternbild des Löwen kurz vor Sonnenaufgang über den Horizont und stand damit auch für die heißeste Zeit des Jahres. Wie in Ägypten, wurde die Gestalt des Löwen auch in den indischen Mythen mit einer Göttin verbinden. Hier wurde er um Reittier der meist mit 10 Armen dargestellten Göttin Durga.

Durgas Kampf gegen den Büffeldämon, Foto Mahisasur,

Im Sanskrit bedeutet der Name Festung oder Palast, der gut geschützt und unzu- gänglich ist. Sie verkörpert die reine Energie, die hilft die moralische Ordnung und Tugendhaftigkeit der Schöpfung zu bewahren. Durga gilt auch als die Unüberwindbare, die das Leid beseitigt, indem sie sich ohne Furcht dem Bösen, sowie den bedrohlichen und mächtigen Dämonen entgegenstellt die sie im Kampf tötet. In den Motiven der klassischen indischen Kunst wird Durga meist nur in ihrer Rolle als Töterin des Büffel-dämons dargestellt und auch hier zeigt sich der Ursprung dieser mythologischen Vor- stellungen in der Konstellation von Sternbildern. Verschwindet das Sternbild Stier hinter dem Horizont, sieht er aus als würde er von einem Speer getroffen, auf die Hinterbeine fallen. Währenddessen steigt aber der angriffslustig wirkende Löwe weiter in den nächtlichen Himmel auf. Die Verbindung des Löwen in unterschiedlichen Mythologien mit der Gestalt einer Muttergottheit scheint die Auffassung des Archäologen Guilo Magli zu bestätigen, der den Ursprung der runden Bauformen von Göbekli Tepe in einer Muttergöttin sah. Trotz dieser Vermutungen fehlen aber an diesem Or,t bis auf die Darstellung einer Frauenfigur mit gespreizten Beinen, eindeutige Bildnisse die diese Theorie stützen. Dies könnte aber auch ein Indiz für eine Vermutung des Archäologen Klaus Schmidt sein. Er glaubte dass die die Gesellschaft von Halbnomaden, die sich hier versammelte, weitaus abstrakter denken konnte, als es Wissenschaftler heute für möglich halten. Eine Beispiel dafür bietet der Löwe, dessen ungestüme Wildheit und Kraft  auch zum Sinnbild des plötzlichen Wachstums der Natur nach einer langen Phase der Sommerdürre wurde. Auf diese Zeit des Wachstums weist auch die Löwengestalt im `lion pillar building´ hin.

Der Löwe und die Fruchtbarkeit, Löwenstele, Foto Nelson

Hier wurde der Löwe so abgebildet, wie er während des Herbstäquinoktiums, kurz nach Sonnenuntergang, zum ersten Mal am Nachthimmel zu sehen war. Ähnlich wie später die Sphinx in Ägypten, blickte er auch hier dem aufgehenden Sternbild entgegen. Mit diesem Datum begann auch die erneute Einsaat und damit stand der Löwe für die kommende fruchtbare Periode. Die hier von den übrigen Bauformen abweichende Geometrie des Raumes ist auffällig und könnte wie das Motiv des Löwen, auf eine bereits im 1. Teil dargestellte, mögliche Verbindung zur ägyptischen Kultur hinweisen. Die Bilder des Schwans, des Löwens oder auch des Skorpions zeigen aber auch, dass Sternbilder bereits wesentlich früher als Gesamtform erkannt wurden und sie wie erst viel später dokumentiert, als Zeitmarkierung dienten. Die Größe des Kultortes und seine aufwendige bauliche Struktur stellen aber auch die Frage nach dem Wohnort der Menschen die sich hier versammelten. War dies etwa Sanliurfa, in dem nach den biblischen Beschreibungen Abraham das Licht der Welt erblickte?

 

Bilder: Wikipedia Bastet, Foto FDRMRZUSA ,/ Durgas Kampf gegen den Büffeldämon, Foto Mahisasur/ Karte Pillar room, homers heimat/ Lion Pillar, Foto Nelson, Simulation, sunearthtools, stellarium

Nächster Text: Masada und der Mythos des Pflügers

 

Göbelki Tepe – Portasar 02

Göbekli Tepe, Siedlungshügel bei Şanlıurfa, Pfeiler 43, Foto; Klaus-Peter Simon

Zeichnung des Pfeilers

Auf den Reliefs der Stelen in Göbekli Tepe tauchen mehrere Tiergestalten auf, deren symbolische Bedeutung bis in die Gegenwart von Bedeutung sind. Eines dieser Tiere ist ein Vogel, der auf dem Pfeiler 43, dem Vulture Stone, abgebildet ist, Dort gleicht er einer anthropomorphen Gestalt, die mit konzentriertem Blick Gestalt eine Scheibe auf ihren Flügeln balanciert. Der englische Autor und Musiker Collins, der sich mit den Bildern auf den Stelen ausgiebig beschäftigte, sieht in diesem Vogel das Abbild des Sternbildes Cygnus, dem Schwan, der hier den Himmelspol auf seinen Flügeln hält. Damit erscheint ihm auch die Botschaft eindeutig zu sein, denn in der nordischen Mythologie stellte der Himmelspol den Zugang zur jenseitigen Welt dar. Das Bild des Vogels stand also für das Ziel der Verstorbenen, die Welt jenseits des Himmelspols zu erreichen. Diesen Gedanken unterstützt auch ein weiterer Stein, der mittig zwischen den zwei großen Pfeilern steht. Er ist mit seinem runden Loch in der Mitte und einem Azimut von 350.5° auf die Richtung ausgerichtet, in der um das 9. Jahrtausend auch das Sternbild Cygnus zu beobachten war. Zu dieser Zeit schwebte der Schwan  mit seinen ausgebreiteten Flügeln am Nachthimmel über dem leuchtenden Band Milch-straße, die bei den meisten Völkern zum festen Bestandteil des Mythenschatzes zählte. Im alten Ägypten stand sie mit Hathor, dee großen Muttergöttin und Göttin der Frucht-barkeit in Verbindung.

Die Himmelskuh, Foto Jeff Dahl

Hathor wurde schon früh mit Kuhhörnern und einer goldenen Sonnenscheibe daz- wischen dargestellt. Im Mythos wurde sie dann als Kuh gesehen, deren Milch sich in der Milchstraße über den Himmel ergießt. In den kosmologischen Mythen gehören die Milch und die Kuh zu den Symbolen des Ursprungs. So erzählt auch der indische Schöpf-ungsmythos von einer Großen Mutter in Gestalt des Milchmeeres, die den Weltozean quirlt, um so die Milch zur Essenz des Lebens gerinnen zu lassen. Auch im Altem Testament, wie im 2.Buch Moses, wurde die Metapher der himmlischen Milch, denn dort steht: `Das gelobte Land Kanaan verhieß Überfluss und göttliche. Güte, da dort Milch und Honig fließen´. In der Geschichte der Mythen wird die Milch zu einem Lebenstrank, der im besonderen Maß den Göttern zusteht. Symbolisch wird mit ihr auch die Über- tragung der göttlichen Macht dargestellt. So auch bei den Darstellungen der stillenden Isis, die auch den bereits erwachsenen Horus stillt. Auch die christliche Kunst des Mittelalters bedient sich dieses Jahrtausende alten Bildes, denn in dieser Zeit entstand mit der stillende `Maria Lactans´ oder der `Maria galakto-trophusa´ das Bild der neuen `Isis´. Ihr widmet Konrad von Würzburg Im späten Mittelalter sein Werk `Die goldene Schmiede´, das eine Sammlung von Lobgesängen der Marienverehrung enthielt. Wihelm Grimm, der 1840 Konrads Buch neue editierte, vermutete einst, dass die in den Marienliedern genannten Namen Marias, wie Himmelsstraße, Himmelspfad. oder Gnad- enfluth, dieses Jahrtausende alte Vorstellung von der Milchstraße weiterführten. Auch für diese Vorstellung war Göbekli Tepe der ideale Ort, denn hier war die Landschaft des Höhenzuges auf dieses Bild am Himmel ausgerichtet. Ihr nordwestlichster Punkt ist auf den Sonnenuntergang zur Sommersonnenwende ausgerichtet. Doch dieser Punkt bot an diesem Tag noch ein weiteres Schauspiel, denn am Morgen war dort Deneb aus dem Sternbild des Schwans auf dem leuchtenden Band der Mmilchstraße zu sehen, ehe ihn die Sonne verblassen lies.

Der Schwan, die Milchstraße und die Sommersonnenwende

Für wenige Augenblicke scheint also der Schwan, im übertragenen Sinn,  die aufgeh- ende Sonne zu halten, so wie es das Bild auf der Stele andeutet. Dass sich in Göbekli Tepe die Menschen hauptsächlich zum Mittsommerfest versammelte, zeigen auch die neuesten Funde von Speiseresten, deren Früchte hauptsächlich diesem Zeitraum zuzuordnen sind. In vielen Mythologien ist dieses Fest auf Grund der nun wieder absteigenden Sonnenbahn mit der Vorstellung vom Tod verbunden. Deshalb mussten auch Sonnengottheiten einen rituellen Tod erleiden. Nur so konnten sie dann zur Wintersonnenwende wiedergeboren werden. Im keltischen Kulturkreis musste der Eichenkönig, sterben und in den nordischen Mythen war dies der Zeitpunkt von Balders Tod. Wie das Bild der Milchstraße in der christlichen Mythologie weiterlebte, so wurde auch dieses Fest adaptiert. Doch jetzt wurde nicht mehr der Tod der Sonne gefeiert, sondern mit ganz ähnlichen Bräuchen die Geburt von Johannes dem Täufer,

Johannisschüssel in St. Johann in Rot an der Rot, Foto Bene16

Er ist auch neben Maria der einzige Heilige, dessen Geburt die Kirche feiert. Mit den Bräuchen der Johanninacht, zu denen auch der Tanz um das Johannis- oder Würzfeuer zählt, lebt   die Tradition des Mittsommers noch heute weiter, die auf der Stele Nr, 43 in Göbekli Tepe dokumentiert Ist. Der Schwan, der auf dem Band der Milchstraße, dem Symbol der Fruchtbarkeit schwebte, stand auch für das Kontinuum des Sonnen-kreislaufs. Wie fragil dieser Zyklus sein konnte war den Pilgern von Göbekli Tepe sicher bewusst, denn die starken Klimaschwankungen um 12000 v. Chr. deuten auf ein katastrophales Ereignis hin, dass den Menschen jener Epoche sicher noch in Erinnerung war.

Bilder: Wikipedia / Göbekli Tepe, Siedlungshügel bei Şanlıurfa, Südosttürkei, Anlage D Pfeiler 43, Foto; Klaus-Peter Simon / Die Himmelskuh, Foto Jeff Dahl ,Johannisschüssel in St. Johann in Rot an der Rot, Foto Bene16 , Simulation, sunearthtools, Stellarium, opentopomap

Göbelki Tepe – Portasar 03/ der Löwe

Göbekli Tepe – Portasar 01

Gesamtansicht des Grabungsfelds mit den Anlagen A–D, 2011,Foto Teomancimit

Der prähistorische Fundort Göbekli Tepe liegt knapp 15 Kilometer nordöstlich der Stadt Sanliurfa, in der nach den Erzählungen des Alten Testaments auch islamischeTradition der Patriarch Abraham geboren wurde. Göbekli Tepe, das am höchsten Punkt des einer in südöstlicher Richtung verlaufenden Bergkamms von Germus liegt und entspricht mit der Verteilung der vier Fundorte der Geometrie einer Raute. In der kurdischen Sprache bedeutet der wird der Ort auch `bauchiger Hügel´ beeichnet, was die kahle, abge- rundete Landschaftsform treffend charakterisiert. Doch der Autor Freddy Silva hat in seinem Buch `The Missing Land, von dem ein Auszug im Online Magazin Ancient Origins erschien, noch weitere Namen entdeckt. Sie beschreiben seiner Auffassung zu- folge die einst dort praktizierte Götterverehrung viel treffender. So lautet der armenische und damit wesentlich ältere Name dagegen Portasar. Er gliedert sich in die Silben `port´ und `asar´. Mit `port´ kann der Nabel oder auch die Nabelschnur identifiziert werd- en. Diese Begriffe könnten nach Silvas Meinung auch an das Epizentum, dem Kultort, der längst vergangen Welt von Gölbeki Tepe stehen.

Blick vom Göbekli Tepe in die Harran-Ebene Vordergrund Anlage E mit zisternenartigen Vertiefungen, Foto Klaus-Peter Simon

Dass die besondere Situation Göbekli Tepes nicht allein von der Sichtbarkeit auf dem Höhenzug bestimmt wurde zeigt die Lage auf dem Breitenkreis von 37.2230 N, denn der hat eine Länge von 31905 km verhält sich bis auf einen geringen Fehler zur Länge des Äquators wie 70 zu 88. Die Silben `asar´ weisen aber noch auf eine weitere Spur des Namens, denn der ägyptische Gott Osiris trug mehrere Namen wie Wesir, Ausar, Ausir oder eben auch Asar. Damit wäre Göbekli Tepe auch eine der Kultstätten in denen Osriris / Orion verehrt wurde. Was aber spricht für Silvas Theorie? Die Tierdarstell- ungen selbst geben darüber noch keinen Aufschluss. Auffallend an den vier Fundorten ist die Rautenform und sie offenbart bereits ein geometrisches Verständnis, das eine Zeichenhaftigkeit des Ortes nahelegt.

Orion und Göbekli Tepe zur Wintersonnenwende um 8000 v. Chr. (Orion am Südhorizont)

Diese Raute setzt sich aus zwei Dreiecken zusammen, die je einen Winkel von 56 und 67 Grad einschließen. Heute haben diese Zahlen ihre Bedeutung verloren, doch werden sie vor dem Hintergrund des antiken Tetraktysystems betrachtet, offenbaren sie ihre Zeichhaftigkeit. Mit 5 oder auch 6 Elementen (Punkt und Strecke) lassen sich sowohl ein Kreis, wie auch dessen Achsenkreuz darstellen. Auch die Zahl 67 weist wieder auf die Tetraktys, denn sie offenbart sich ebenfalls im Achsenkreuz und als Umkehrzahl im Hexagramm. Alle Zahlen als Gesamtsumme addiert, ergeben dann die Zahl 24, die Anzahl der Stunden eines Tages. Allein durch Zahlen entsteht aber keine Figur, denn für sie ist ein bildhafter Gedanke notwendig. Betrachtet man hier das Sternbild Orion. Eine bestimmende Richtung für Göbekli Tepe ist die Sommersonnen- wende bei der die Sonne im südwestlichen Punkt des Höhenzuges untergeht. Um 9000 v. Chr. wurde kurz nach Sonnenuntergang, im Süden das Sternbild Orion sichtbar.. Wird dieses Sternbild seitenrichtig auf die Raute projiziert, liegt dann der Schulterstern Bellatix auf dem südwestlichen Hügel und zwei weiter Sterne des Orion auf den Seiten der Raute. Mit Hilfe von Fluchtlinien,  die durch die Positionen der Sterne laufen, lassen sich so auch die Punkte der Raute bestimmen.

Orion, um 4000 v. Chr. , der himmlische Jäger

Damit würde die Geometrie Göbekli Tepes Silvas Vermutung bestätigen. Dieser optische Bezug des Orion zur Sommersonnenwende verschob sich bis um 7.Jahrtausend und bot dann am 1. August ein ähnliches Erscheinungsbild am Himmel. Vor diesem Hintergrund betrachtet, vermutet Silva wohl zurecht nicht nur einem Zusammenhang des alten Flurnamens mit Orion, sondern auch eine Verbindung zum Gizeh Plateau, das ebenfalls als Haus des Osiris bezeichnet wird. Dass beide Orte eine Verbindung unter- einander gehabt haben könnten zeigt ihre Entfernung 1080,3km. Bis auf eine Differenz von 2 Kilometern entspricht sie genau 13000 megalithischen Yards.

Alle Pyramiden von Gizeh auf einem Bild. Foto Ricardo Liberato

War das Gizeh Plateau, wie manche Autoren behaupten, bereits vor der Ersten Dynastie Ägyptens ein mythologisch bedeutender Ort, wäre dies eine Erklärung für den Bezug. Dass dieser Gedanke, Bauwerke durch die Wahl der Entfernung oder der Ausrichtung auf mythologisch bedeutsame Orte noch bis ins Mittelalter fortbestand, zeigt der der Dom in Worms. Seine Bauachse ist nach Südosten gerichtet, aber außerhalb des Sonnenpendelbogens. Im Mittelalter ermöglichte diese Ausrichtung in der Weihnachtszeit einen wandernden Lichtfleck am Rande des Hochaltars. Gleich einer göttlichen Erscheinung wies dieses Licht auf die Existenz Gottes im Allerheiligsten hin. Doch dies ist nur ein Aspekt, denn die Baulinie weist auch auf einen Ort der zur zu den Grundpfeilern der jüdisch christlichen Geschichte gehört, der Tempel Salomos auf dem Tempelberg in Jerusalem. Trotz der Bedeutung ist das streng geometrische Bild des Orion auf keiner der bislang kartierten 43 Stelen als Figur zu entdecken. Dort dominiert ein Vogel, der bisher Gegenstand zahlreicher Spekulationen ist.

Fotos: Wikipedia/ Gesamtansicht des Grabungsfelds mit den Anlagen A–D, Zustand 2011, Foto Teomancimit, CC BY-SA 3.0 / Blick vom Göbekli Tepe in die Harran-Ebene (Mesopotamien), im Vordergrund Anlage E mit zisternenartigen Vertiefungen, Foto Klaus-Peter Simon / Alle Pyramiden von Gizeh auf einem Bild. Foto Ricardo Liberato / Simulation, Karte,  stellarium