Fluchtpunkt Tempelberg – St. Peter in Worms

Südseite mit Nikolauskapelle, Ato 01

Seit dem frühen Mittelalter haben Worms, Rom und Jerusalem enge Verbindungen. So ruht in der Saliergruft des Wormser Doms die Herzogin Judith von Kärnten, die Mutter des ersten deutschen Papstes, Gregor V., er stammte aus Worms und im 10.Jahrhundert waren Gregor gerade mal drei Jahre als Papst vergönnt. Die enge Verbindung zu Rom entstand aber bereits früher mit der Schenkung von Petrusreliquien durch Papst Gregor den Großen, im Jahr 614 an das Bistum in Worms. Auf Papst Gregor „den Großen” geht wesentlich zurück, dass der von ihm direkt über dem angeblichen Petrusgrab errichtete Altar zum Zentralort der römisch-katholischen Kirche wurde. Als erster Mönch auf dem Papststuhl verstand sich als ein „Diener der Diener Gottes“ und baute hier wie kein Zweiter die Vormachtstellung des `Petrusamtes´ aus. Damals ging die kultische Verehrung so weit, dass durch einen Spalt in das Grab hinabgelassene Tücher dann ebenfalls zu Reliquien erklärt wurden. Innerhalb der theologischen Ausgestaltung des Apostels wurde ihm die Schüsselgewalt des Himmels übertragen. Deshalb bestimmt Petrusschlüssel nicht nur das Wappen des Bistums Worms, sondern ist ebenso an vielen Stellen im Dom zu finden und ziert bis heute das Wormser Stadtwappen.

Rubens, Schlüsselübergabe um 1615, Sailko

Der Historiker Thomas Pratsch fragt in seinem Buch `Konflikt und Bewältigung, Die Zer- störung der Grabeskirche in Jerusalem ´ wohl zu Recht, ob der Salierkaiser Konrad der I. mit dem Bau des Domes in Worms wirklich nur eine dynastische Grablege schaffen wollte, .oder mit dem Bau der größten Kirche der Christenheit einen neuen Tempel Salomos errichten wollte. Zu dieser Zeit waren Salomos Gedanken allgegenwärtig und Gegenstand zahlreicher Publikationen. Nur wenige Jahre vor dem Baubeginn hatte Rabbi Raschi, der seine Ausbildung in der jüdischen Gemeinde in Worms erhalten hatte, in Troyes einen Strukturplan des ehemaligen Tempels Salomos gezeichnet. Damit erweiterte er die große Zahl von Schriften die diesen Tempel, von dem es bis heute keinerlei Zeug- nisse gibt, kommentierten und zugleich neue Rekonstrukionszeichnungen boten. Zu jener Zeit wurde Worms von Juden auch Warmaisa genannt und die dort ansässige jüdische Gemeinde wurde auch als `Kehilla Kedoscha´, als die Heilige Gemeinde, bezeichnet. Ebenso hatte sich für Worms auch der Name Klein Jerusalem eingebürgert. Obwohl erste Nachweise ab dem Jahr 960 existieren dürfte die Gemeine schon einige Zeit früher gegründet worden sein. Dies wird auch in einigen Legenden thematisiert, von denen eine erzählt, dass Juden bereits nach der ersten Zerstörung des Tempels von Jerusalem 587 v. Chr. ins Rheinland gezogen waren.

       Modell des salomonischen Tempels, Museum für Hamburgische Geschichte,        Christoph Braun

Im frühen Mittelalter galt Salomos Tempel als Vorbild eines Gotteshauses. Vor allem der im 4.Jhd. Lebende Ambrosius von Mailand (339–397) förderte die überlieferten Vorstell-ungen und sah den Salomonischen Tempel sah er als Typus der Kirche an, die von Gott gebaut wird. Auch im Werk seines Zeitgenossen des Augustinus erscheint der Jerusalemer Tempel als eine Vorausdeutung der Kirche. So schreibt Augustinus : `Als sich das Glück König David in reichem Maße zuwandte, fasste er den Plan, Gott ein Haus zu errichten.´ Eine ganz ähnliche Auffassung vertrat. der Bischof von Kyrrhos und bedeutende Theologe Theodoret. Er sah den Salomonischen Tempel als Prototyp aller Kirchengebäude auf Erd- en. So sah er in den biblischen Bauten wegen deren Gottgewolltheit die denkbar höchste Legitimität.

Ausrichtung von St. Peter

Diese Begeisterung für ein Bauwerk das die Menschen dieser Zeit begeisterte spiegelt sich auch im Dom zu Worms. Mit einer Abweichung der Kirchenachse um 41,5 Grad aus der Ost-West Richtung entspricht sie keinem möglichen Sonnenaufgangspunkt, doch für diese Ausrichtung bieten sich zwei Erklärungen an. Zum Sonnenaufgang am Gedenktag von Petristuhl im Februar, wurde der Winkel des Sonnenaufgangspunktes am Tag des heiligen Amandus, dem Stadtheiligen von Worms addiert. Doch die zweite Erklärung erscheint vor dem Hintergrund der theologischen Erörterungen viel wahrscheinlicher. Der Dom wurde insgesamt auf den Standort des Salomonischen Tempels auf dem Tempel- berg in Jerusalem ausgerichtet. Dies bestätigt nicht nur die Verfolgung der Linie auf der Karte, sondern auch die Berechnung mit Hilfe eines sphärischen Dreiecks erzielt das selbe Ergebnis .

Dies beweist einmal mehr, dass den Menschen des Mittelalters die Kugelgestalt und vor allem das Maß der Erde längst bewusst war. Ohne die Kenntnis der Texte aus dem griechisch-hellenistischen Raum wäre die exakte Berechnung sicher nicht möglich gewesen. Das Gerücht dass zu dieser Zeit der Glaube von der Erde als Scheibe vorherr- schte taucht Mitte des 19. Jahrhunderts auf, um im Zuge der erstarkenden Wissen-schaften, das von der Kirche beherrschte Mittelalter als besonders `wissenschafts-feind- lich, primitiv und auch abergläubisch´ erscheinen zu lassen.

Bilder: Wikipedia / Südseite mit Nikolauskapelle, Ato 01- BY-SA 3.0 / Rubens, Schlüsselübergabe, um 1615. Berlin, Gemäldegalerie, Sailko – CC BY 3.0 / Modell des salomonischen Tempels im Museum für Hamburgische Geschichte (Detailansicht), Christoph Braun / Modell des salomonischen Tempels im Museum für Hamburgische Geschichte, Christoph Braun / Simulation https://planetcalc.com/ google map

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Eine der 7 Piligerkirchen Roms

On November 9th, the Universal Church celebrated the feast of the Dedication of the Lateran Basilica in Rome. Despite the justified attention on the Vatican and St. Peter’s Basilica, the Basilica of St. John Lateran is the cathedral of the Diocese of Rome, and the Holy Father’s Church. It is one of the four major […]

über The Lateran Basilica- the Holy Father’s Church — The Journal for Catholic Culture & Arts

Der Löwe von Leonberg

Der Engelberg im Winter

An exponierte stelle steht heute ein Wasser- und Aussichtsturm auf dem Engelberg. Im Jahr 1674 wird hier erstmals wird ein Turm erwähnt, der auf dem Engelberg wahr- scheinlich an Stelle eines älteren Bauwerks errichtet wurde, das in Kriegszeiten Wächtern zur Ausschau diente. Seinen Namen und seine Bedeutung scheint die Geschichte jedoch verwischt zu haben. Jedenfalls hieß der Berg, der am Ende eines Höhenzuges liegt, der von Stuttgart aus nach Nordwesten verläuft, noch bis ins 16. Jahrhundert hinein noch Endelberg. Erst später wurde aus dem Wort Endel , dass das Äusserste bezeichnet, dann der Engelberg. Dass der Berg etwas besonderes darstellt, spürten wohl auch die Erbauer jenes Wasserturmes, in dem 123 Stufen zur Aussichtsplattform führen. Die Zahl 123 beinhaltet die vollkommene Zahl 6 und verweist als Lautwert im biblischen Kontext des Alten Testamentes auf den Reichtum und den großen Besitz, der Leonberg wohl zu eigen ist. Reichtum galt im biblischen Kontext als ein Segen Gottes und wurde auch durch den Besitz vieler Kamele ausgedrückt, wobei das Wort Kamel ebenfalls den Lautwert 123 besitzt.

Schloss Leonberg mit Pomeranzengarten

Eine Erklärung für die Zusammenhänge liegt im Schloss verborgen. Es bietet nicht nur eine Erklärung für den  Namen  des Engelberges, sondern auch für den Löwen von Leon- berg. Im Jahr 1226 legte Graf Ulrich I. von Württemberg den Grundstein für das Leonberg- er Schloss. Durch die niedere Bebauung gab es zu dieser Zeit noch eine Beziehung zum Engelberg der den Namen durchaus rechtfertigte. Auf Grund der Datumsverschiebung im damals gültigen Julianischen Kalender war zu dieser Zeit der Sonnenaufgang am 25. März, dem Tag von Maria Annunziata, der Verkündigung des Herrn, genau über dem Ort des heutigen Turms zu sehen. Zu diesem Ereignis erzählt das Lukas Evangelium, dass im sechsten Monat der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret gesandt wurde. Es war der Zeitpunkt, wo Elisabeth, die Frau des Zacharias, bereits im 6. Monat mit Johannes schwanger war. Bei seinem Besuch in Nazareth begrüßte Gabriel Maria, die gerade dabei war Wasser aus einem Brunnen zu schöpfen, mit den Worten `Ave Maria, gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade. Diese Worten wurden später Teil des bekanntesten Mariengebetes, dem Angelus. Als englischer Gruß, der Engelsgruß ging diese Anrede dann in die Literatur ein.Im Evangelium wird Galiläa, wo Nazareth liegt als ein heidnisches Gebiet geschildert. Die Stadt im Norden Israels galt als unbedeutende Stadt, von der es hieß: `Kann denn aus Nazaret etwas Gutes kommen?´ Bereits Mitte des 6. Jahrhunderts wurde dieses Fest in Konstantinopel gefeiert und 1. Jhd. auch in Rom eingeführt. Dieses Fest galt damals noch als der Frühlingsbeginn und ersetzte in Rom das altitalische Fest der Quinquatria (maiores), der Festspiele zu Ehren von Mars. Dieser Termin erinnert noch an dessen ursprüngliche Rolle des Mars als Fruchtbarkeitsgott. Erst im Laufe der Zeit und mit dem Aufstieg Roms als lokale Macht, vermischte sich sein Bild mit dem des griechischen Kriegsgott Ares, den er schließlich ersetzte.

Sonnenrichtung des Schlosses

Dass der Herzog die Lage des Schlosses nicht rein zufällig, oder nur nach verteidigungs-technischen Überlegungen auswählte, zeigt auch dessen Ausrichtung. Sein Fluchtrichtung zielt auf den Sonnenaufgang am Weihnachtstag und führt damit zu Christus und der mit ihm verbundenen Symbolik des Löwen. Dieses Bild in dem Zusammenhang wird zum ersten Mal in 1.Buch Moses, Kapitel 49 erwähnt. Dort wird Juda, eine der zwölf Stämme Israels, mit einem `jungen Löwen´ verglichen. Im Brief an die Hebräer (Hb 7, 14), der zu einem Teil des Neuen Testamentes wurde, wird dieser Gedanke mit folgenden Worten weitergeführt: `Aus diesem Stamm würde in ferner Zukunft ein HELD kommen, der die Herrschaft (Zepter, Stab) innehaben wird, dem die Völker anhängen werden. Christus kam aus diesem Stamm Juda, denn es ist ja offenbar, dass unser HERR aus JUDA hervorgegangen ist…´ . Auch die Offenbarung des Johannes greift das Bild des Löwen auf und hier ist zu lesen: `Und einer von den Ältesten spricht zu mir: Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, aufzutun das Buch und seine sieben Siegel.´

Löwe von Juda; Äthiopien

Wie viele Burgenbauer des Mittelalters, suchte wohl auch Ulrich für seine Befestigung einen himmlischen Schutz. Die Ausrichtung auf den Sonnenaufgang am Weihnachtstag vermittelte ihm dieses Gefühl in Gestalt des Löwen aus Juda. In der frühchristlichen Naturlehre des 4. Jhd`s, dem Physiologus, steht über den Löwen, `dass er niemals seine Augen schließe und daher eine enge Beziehung zum Licht habe, oder dass die Löwin bringe ihr Junges tot zur Welt und wache bei demselben drei Tage lang, bis der Vater komme und ihm den Lebensatem einblase.`Den Löwen als Zeichen der Herrschaft umgab die Aura der ewigen Wachsamkeit, der Weisheit und der übernatür-lichen Macht, Eigen-schaften, mit denen sich Fürsten zu gerne identifizierten.Die Gregorianische Kalender- reform, aber auch die dichte Bebauung lassen diese ursprünglichen Bezüge heute nur noch in Ansätzen erkennen. Überdauert haben sie aber im Flurname Engelberg, aber auch im Namen der Stadt Leonberg. Dort verkörpert heute den Löwen ein riesiger Hund, der Leonberger, zu den glücklichsten seiner Gattung zählt.

Löwe erweckt seine Kinder

Bilder: Wikipedia / Engelberg im Winter, BuzzWoof , Schloss mit Pomeranzengarten, Leonberg, dealerofsalvation / Lion of Juda, Ethiopia, Frozen Emperor / Löwe des ‚Physiologus‘ erweckt seine totgeborenen Kinder, Wange des Chorgestühls im Westchor des Bamberger Doms, by meinolfschumacher (flickr)borenen Kinder (meinolfschum-acher) / Simualtion, Sunaerthtools, opentopomap, google-earth

Die Wurzeln Kölns

Es gibt 12 romanische Kirchen in Köln – Grund, diese mal fotografisch zu erkunden. Den Anfang macht St. Gereon, deren Baugeschichte bis ins 4. Jh zurückreicht. Fotografieren vom Stativ ist in St. Gereon nicht erlaubt, daher sind die meisten Bilder aus dem Inneren der Kirche mit hohen ISO Werten entstanden. Schön, dass auch mal wieder […]

über Kölner Kirchen – St. Gereon — JÖRG HAAG

Stuttgart und sein Engel

Engelburg in Mühlhausen, Stuttgart

Auch Stuttgart war einmal ein Ort der Frömmigkeit und sie beeinflusste bis ins 18. Jahr- hundert hinein auch das Bauen. Davon zeugen nicht wenige Spuren in der Stadt, wie die Engelburg in Mühhausen. Sie wurde einst auch die Biberburg genannt. Die alte Sage vom Blutturm erklärt ihre Geschichte. Sie ist mit dem Leben der beiden Brüder Ericho und Werner verknüpft, die gerne im Nesenbachtal jagten. Dort wurden die beiden von einem Ritter überrascht und suchten Schutz in einem Turm aus der Römerzeit. Kurz darauf zer- schmetterte ein Blitz eine Eiche und ein aufgescheuchtes Reh suchte Schutz vor Erichos Füßen. Während er sich über das zitternde Tier beugte, sah Werner es als willkommene Beute, ohne die sie nicht heimkehren sollten. Der unbesonnene Werner schleuderte sein- en Speer und tötete dabei seinen Bruder. Nach 6 Jahren der Buße fuhr er anschließend ins heilige Land. Dort lebte er 62 Jahre lang, wobei er hier verschiedenen Herrn als Sklave dienen musste. Bei seiner Rückkehr war der Blutturm, wie er nun genannt wurde, längst vom Aufseher des Stutengartens bewohnt. Werner verstarb bald darauf am Grab seines Bruders in Mühlhausen.

Lucas Cranach d. Ä.: Adam und Eva – Der Sündenfall

Werner hieß er wohl nicht zu Unrecht so, denn in seinem Namen steckt ja das althoch-deutsche Wort waron, `achtgeben´. Auf diesen Aspekt verweist auch die Zahl 62 im Text der Genesis. So folgt Eva im 62 Vers der Genesis den Worten der Schlange und begeht abschließend den Sündenfall. Deshalb stehen in der Bibel Verfehl- ung und Sünde in engem Zusammenhang mit der Zahl 62. Zu dem Weg der Buße passt auch die Symbolik des Rehs. In Märchen wird seine Gestalt gerne verwandt, um den Helden auf einen unbekannten Weg zu senden. Als Tier lockt es ihn in die Tiefe des Waldes, also einer Zone die in damaligen Vorstellungen das Jenseitige verkörperte. Selbst tapfere Ritter konnten sich seiner magischen Wirkung nicht entziehen. Auch Herkules, so glaubten dies die Römer, konnte sich einst in ein Reh verwandeln. Damit vermochte er das ritterliche Ideal der Sanftmut und der Stärke auf innigste Weise miteinander zu ver- binden. Wohl auch aus diesem Grund hieß die Burg auch zu Beginn die Biberburg. Dabei zielte der Name wohl weniger auf den heimischen Biber, sondern auf das lateinische Wort bibros, der Braune. Auf Grund seiner braunen Hautfarbe war dies auch ein Beiname des Herkules, dessen Geburtsort ja im vorderen Orient lag. In der keltischen Mythologie findet sich das Reh auch in der Gestalt der keltischen Schutzpatronin Rhyanna wieder. Sie hatte die Fähigkeit sich in ein Reh zu verwandeln, um Menschen wieder auf den rechten Weg zurückführen, wenn sie sich im Wald verlaufen hatten. In diesem Zusammenhang ver- körperte das Reh auch den kindlichen, unschuldigen und jungfräulichen Aspekt der drei- faltigen Göttin.

San Michele in Gargano

Von Herkules zum Engel ist es in Mühlhausen ist nur noch ein kleiner Schritt. Die um 1260 errichtete Burg ging im Jahr 1509 in den Besitz der Ritter von Kaltental über. Im Laufe der Jahrhunderte hat die Burg ihre Bedeutung wohl verloren, da keine nennenswerten Erwähn- ungen mehr verzeichnet sind. Ihr Namen soll, gemäß dem derzeitigen Wissensstand, auf einen Engelbold von Kaltental zurückzuführen sein. Doch eine weitere Vermutung weist darauf hin, dass die Burgkapelle wohl dem Erzengel Michael gewidmet gewesen sei. Doch diese Erklärung wird von Forschern für wenig wahrscheinlich gehalten. Betrachtet man nun die Reste der Engelburg genauer, trifft aber genau diese Vermutung zu, denn der Grundriss war im julianischen Kalender noch auf den Sonnenaufgang am 8. Mai ausge-richtet.

Engelburg Sonnenrichtung

Dies ist der Tag des Wunders auf dem Monte Gargano. Dort soll am 8. Mai 492 einigen Bauern der Erzengel Michael erschienen sein und verkündet haben: `Diese Grotte ist mir heilig, ich habe sie mir erwählt, ich selbst will ihr Beschützer sein. Dort, wo sich der Fels öffnet, werden die Sünden der Menschen vergeben´. Über der Grotte, wo heute noch das in einem Fels steckende Schwert des Michael zu sehen ist, wurde ein Sanktuarium erbaut, das zu einer wichtigen Etappe der Pilger und Kreuzfahrer wurde, die von Nord- italien ins Heilige Land reisten. Die darüber richtete Basilika wurde an einem 29. September geweiht, den heutigen Gedenktag des Michael. Der wurde der Schutzherr der Römisch-Katholischen Kirche und später auch der des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation.

Albrecht Dürer, Höllensturz 1498

Als Kämpfer gegen alles Böse wurde er zum Vorbild des Ritterstandes im Mittelalter. Neb- en der Ausrichtung auf den Tag des Wunders von Gargano weist die Burg aber noch eine weitere Eigentümlichkeit auf, die wieder einmal zeigt, dass Glaube Berge versetzten kann. Am Neckbarbogen beim Max-Eyth-See gibt es einen Taleinschnitt der nach Freiberg führt. Genau hier war im Mittelalter der Sonnenaufgang an Epiphanias, dem späteren Dreikön- igstag, zu sehen. Somit war am Ort der Engelburg Erscheinung des Herrn mit seinem ersten himmlischen Kämpfer auf ideale Weise verbunden. Trotz der wenigen, heute noch erhaltenen Grundmauern, verweist die Burg also immer noch auf eines der großen Leit- bilder christlicher Ritter des Mittelalters.

Engelburg, Mauerreste

Bilder: Eigen/ Engelburg/ Lucas Cranach d. Ä.: Adam und Eva – Der Sündenfall/Wikipedia/ Grottenkirche San Michele (UNESCO),Inviaggiocommons/ Höllensturz (Dürer 1498), Albrecht Dürer/ Simulation, sunearthtools,opentopomap