Die Gräber der Könige

„Uppsalahovet“, the Uppsala hov, Carl Johan Billmark. Mitte 19. Jhd.

Noch im 17. Jahrhundert verbreiteten die alten Mythen des Nordens die Vorstellung, dass der Ort Gamla Uppsala als Wiege der Kulturen anzusehen ist. Diese Gedanken untermauerte der Universalgelehrte Olof Rudbeck einst mit der Behauptung, er hätte in unmittelbarer Nähe zu den drei, als Königshügel bezeichneten Hügeln, Spuren des untergegangen Atlantis entdeckt. Diese Vorstellungen existierten noch bis weit 19. Jahr- hundert hinein und selbst in dieser Zeit war es ein Brauch, dass jeder Politiker und jeder König auf Odins Hügel, dem östlichen der Dreiergruppe, auf das Großschwedische Reich anstieß. Diese drei in nordöstlicher Richtung aufgereihten Hügel werden auch als Königshügel, die Kungshögarna von Gamla Uppsala bezeichnet.

königliche Begräbnishügel in Gamla Uppsala, Schweden, Foto .Erik Frohne

Berühmt wurde der Ort Gamla-Uppsala durch eine Schrift des christlichen Geschichts-schreibers Adam von Bremen, der in seiner Geschichte der Hamburgischen Bischöfe, der Gesta Hamma-burgensis Ecclesiae Pontificum, über einem Golden Tempel in Uppsala. Dort , so Bremens Ausführungen, seien Thor, Odin und Freyr verehrt worden. Ganz in dessen Nähe sei auch ein immergrüner Baum an einer Quelle gestanden, an dem alle 9 Jahre ein großes Opferfest stattfand. Auffällig ist hier nicht nur die Analogie zum Weltenbaum der nordischen Mythologie, sondern auch zum Mondzyklus mit seiner Dauer von 18 Jahren. Zu diesem kultischem Fest wusste Bremen zu berichten, dass dann neun von jeder Art männlicher Lebewesen geopfert wurden, Darunter waren Hunde, Pferde und auch Menschen, die auf den, den Tempel umgebenden Bäumen aufgehängt wurden. Auch wenn eine Seuche drohte, oder auch bei einer Hungersnot, opferte man, so Bremen dem Standbild Thors. Jedoch bei Kriegen wurde das Opfer vor dem Standbild Odins und bei Hochzeiten vor dem des Frejr gefeiert. Niemandem war es erlaubt diesen Festen fernzubleiben. Wer sich in dieser Zeit bereits zum Christentum bekannt hatte, der war gezwungen sich von der Teilnahme an diesen Zeremonien freizukaufen.

„In Freyers Tempel bei Upsala“. Wägner, Wilhelm. 1882

Adam von Bremens Werk stellt zwar eines der bedeutendsten mittelalterlichen Geschichts- und Geographiewerke des nördlichen Europa dar, doch inzwischen zeigen jüngste Forschungen, dass Bremens Beschreibungen der Kulte in Uppsala in großen Teilen erdachten Fabeln gleichen. Die im Süden Schwedens gelegene Provinz Schonen wurde von ihm als die schönste Provinz Dänemarks bezeichnet. Vielleicht deshalb siedelte Bremen hier auch ein heidnisches Zaubervolk an, das so kräftige Sprüche kannte, mit deren Hilfe selbst die gewaltigsten Walfische an Land gelockt werden konnten. Auch in der Beschreibung von Landschaften, wie dem Baltischen Meer, ließ er sich Bremen mehr von der Fantasie leiten als von den tat- sächlichen Gegebenheiten. So leitete er den Namen von der Form eines Gürtels ab, der sich seiner Auffassung zufolge von den skythischen Ländern bis nach Griechenland erstreckte.

Besucher bei den Hügeln der Könige, Foto Bengt A Lundberg

Dies schmälerte jedoch alles nicht die sagenumwobene Aura der drei Hügel in Gamla Uppsala. Nachdem im Ost- und Westhügel Reste von Brandbestattungen aus dem 5. Jhd. n. Chr. gefunden wurden, gab es die Vermutung, in den drei Hügel seien Könige aus der Frühzeit Schwedens in zeitlicher Reihenfolge bestattet worden. So erhielt der mittlere der drei Hügel den Namen König Aun oder `Ane der Alte´ aus dem Ynglinga-Geschlecht der nordischen Mythologie. Der Osthügel bekam den Namen von König Auns Sohn Egil und der Westhügel den von König Egils Enkel Adil. Aun war einer der sagenumwoben Könige Schwedens der laut den Erzählungen in Uppsale 2 seiner Söhne opfern ließ und erst das Aufbegehren seiner Landsleute die Opferung des dritten Sohnes verhinderte. Da er hochbetagt im Greisenalter, ohne jegliches Siechtum starb, nannte man dieses Ableben fortan die Auns – Krankheit.

Ausrichtung auf den Sonnenaufgang am 23. April und die erste Sicht des Orion am Abend des 15. Februar, kurz nach Sonnenuntergang im Süden – seitenrichtige Über- einstimmung von Hügeln und Gürtelsternen des Orion

Die drei Hügel weisen jedoch neben den Brandbestattungen mehrere Aspekte auf die eine Verbindung zu mediterranen Mythologien darstellen. Einer ist die Fluchtrichtung ihrer Reihung, die auf den Sonnenaufgang am 23. April gerichtet ist, dem Datum, an dem im römischen Reich das erste Jupiterfest gefeiert wurde. Im Mittelalter wurde dieses Fest dann durch den beliebten Georgstag ersetzt. Dieses Datum entspricht auch dem Klimadiagramm, denn Ende April endet hier die nieder-schlagsarme Zeit auf und mit dem Wachstum der Pflanzen setzt der Regen wieder ein. Diesem Sonnenaufgang am 23. April steht auf der gegenüberliegenden Seite dann der Sonnenuntergang am 15. Februar gegenüber. Auch dieses Datum biete eine Verbindung zu römischen Mythologie, denn an diesem Tag wurde mit den Lupercalien das Frühlings- und zugleich das Stiftungsfest Roms gefeiert. Mit dieser Ausrichtung erweist sich das Ensemble der drei Hügel auch als eine ausgeklügelte Konstruktion, denn am 15. Februar war im 5. Jhd. n. Chr. Orion kurz nach Sonnen-untergang zum ersten Mal exakt im Süden, in aufrechter Haltung zu sehen. In dieser Haltung erweist sich dann das Ensemble der Hügel als ein Abbild jener drei Sterne, die in der christlichen Welt auch mit den Heiligen Drei Königen identifiziert wurden, den drei Gürtelsternen des Orion.

Bilder: Wikipedia / Panorama der königlichen Begräbnishügel in Gamla Uppsala, Schweden, Foto .Erik Frohne – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 / „Uppsalahovet“, the Uppsala hov, painted by Carl Johan Billmark. Carl Johan Billmark – From http://www.arild-hauge.com/arild-hauge/carl-johan-billmark-uppsalahovet.jpg,/“In Freyers Tempel bei Upsala“. Wägner, Wilhelm. 1882. Nordisch-germanische Götter und Helden. Otto Spamer, Leipzig & Berlin. Page 23. / Notera Av dokumentationsskäl har originalbeskrivningen från Riksantikvarieämbetet behållits. Foto Bengt A Lundberg / Riksantikvarieämbetet / Simulation, sunearttools, stellarium

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Mailand, von der Getreidegöttin zur Madonna im Ährenkleid

 

Außenansicht des Doms von Südwesten (2016) Foto  © Steffen Schmitz

Das wohl größte Ereignis im Mailänder Dom Santa Maria Nascente ist die Prozession der Nivola. Sie findet alljährlich zwischen dem 10. und 15. September, also in der Zeit des Festes der Kreuzerhöhung am 14. September. Bei diesem Ereignis wird der Erzbischof Mailands mit der Nivola, einem Aufzug in Wolkenform, zur Kassette über dem Hauptaltar hinauf gezogen, wo der Heilige Nagel und ein Splitter des Kreuzes auf- bewahrt werden. Ihre Entdeckung erklärt die Legende der Kaisermutter Helena, die das Heillige Kreuz während ihrer Reise nach Jerusalem entdeckt hatte. Ein Lichtwunder soll sie zu der Stelle geführt haben, was auch der Bischof von Jerusalem, Judas Cyriacus bestätigt haben soll. Cyriacus, der ein Verwandter des Urdiakons und ersten christlichen Märtyrers Stephanus gewesen sein soll, ist jedoch historisch nicht nachweisbar. Zu- sammen mit einem Teil des Kreuzes sandte Helena die gefundenen Nägel an ihren Sohn, Konstantin den Großen. Der ließ einen von ihnen in seine Eiserne Krone einarbeiten und die übrigen in die Zügel seines Zaumzeugs. In der Zeit nach Konstantin gelangten die Nägel dann durch Schenkungen in die Hände anderer Besitzer und dabei vermehrte sich aber ihre Anzahl auf wundersame Weise. Heute erheben 29 bis 34 Stätten Anspruch auf den Besitz dieser Heiligen Nägel.

Chor des Mailänder Doms mit dem Tabernakel im Gewölbe, Foto Paolo da Reggio

Der Baubeginn von Santa Maria Nascente erfolgte im Jahr 1386 auf die Initiative des Bischofs Antonio Saluzzo, sowie durch den Stadtherrn Gian Galeazzo Visconti, den späteren ersten Herzog von Mailand. 2 Jahre später wurden dann die Grundsteine der dreischiffigen Basilika gelegt, die Maria Geburt geweiht wurde. Wie bereits die Vorge-schichte der keltischen und später der römischen Ansiedlung zeigte hat Mailand eine besondere Beziehung zu einer Schutzgöttin der Fruchtbarkeit. Zu Jungfrau Maria hatte die Stadt eine besondere Beziehung, denn bereits in der Spätantike machte sich hier einer der vier Kirchenväter, Ambrosius von Mailand, Gedanken über den Segen der Jungfrau in seiner Schrift: Institution der Jungfrau und die immerwährende Jungfräu-lichkeit der hl. Maria. Auch die Herrscherfamilie, die Viscontis, zeigten durch ihr Wappenmotiv, eine Schlange die ein Kind ausspuckt, die Verbindung des Geschlechtes zu den alten chonthischen Symbolen einer Erd- und Fruchtbarkeitsgöttin.

Maria im Ährenkleid, Tafelbild von Hinrik Funhof, um 1480

Noch während der Errichtung des Domes stiftenden Mailänder Kaufleute eine silberne Madonna, der bald eine wundertätige Kraft nachgesagt wurde. Die Statue verschwand und wurde später durch ein Bild ersetzt, das die Jungfrau in einem mit goldenen Ähren besetzten Kleid zeigte.. Dieses Gnadenbild genoss auch bei der Herzogsfamilie, den Viscontis große Verehrung und wurde in der Folgezeit als Darstellung der Maria mit dem Kinde zu einem sehr beliebten Motiv in der Kunst. Über den Ursprung dieser Bild- symbolik gibt es mehrere Deutungen. Eine von ihnen zielt auf einen Ausspruch des Kirchenlehrers Albertus Magnus, der Maria als `Feld, auf dem das Korn des Heiles wächst´ be- zeichnete. Aus diesem Gedanken entwickelte sich dann die Interpretation des unbe- bauten Ackerbodens Gottes, der die Frucht aller Früchte hervorbrachte. Doch ein Aspekt in der Biografie Marias bringt sie wieder mit der römischen Göttin Ceres, oder der griechischen Demeter in Verbindung. Der Ort in dem die Frucht aller Früchte geboren wurde: Bethlehem. In der hebräischen Sprache bedeutet der der Ortsname nach einer Auslegung, ` das Haus des Brotes´. Wie die Symbolik der Demeter-Ceres auf Maria übertragen wurde, so war dies auch bei den Frühlings-festen. Deren Symbolik lebte nun im Fest Maria Verkündigung weiter, das am 25. März gefeiert wird. Obwohl der Dom im Jahr 1572 Maria geweiht wurde, wurde seine Ausrichtung wohl doch von der größten Reliquie der Stadt bestimmt, dem Heiligen Nagel und einem Splitter des Kreuzes. Bedingt durch die Zeitverschiebung im Julianischen Kalender entsprach der Sonnenaufgang am 14 September, dem Fest Kreuzerhöhung, dem heutigen Datum des 22. September. Damit folgt geite die Bauachse mit enem halben Grad Abweichung fast genau der Tagundnacht-gleiche.

Heiliger Nagel mit Reliquienbehälter (Domschatz, Trierer Dom), Foto Altera levatur

Ausrichtung des Domes.

Bilder: Wikipedia / Außenansicht des Doms von Südwesten (2016) Foto  © Steffen Schmitz (Carschten) / Wikimedia Commons , CC BY-SA 4.0 / Chor des Mailänder Doms, Foto Paolo da Reggio / Maria im Ährenkleid, Tafelbild von Hinrik Funhof, um 1480, Kunsthalle Hamburg Hinrik Funhof – The Yorck Project (2002), Heiliger Nagel mit Reliquienbehälter (Domschatz, Trierer Dom), Foto Altera levatur – Eigenes Werk / Simulation, sunearthtools, Heinrichs Kalenderumrechner

ART OF MEDIEVAL INDIA – The Temples with Curvilinear Roof — ArS Artistic Adventure of Mankind

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The temples with curvilinear roof (shikhara) appeared towards the 8th century (e.g. the brick sanctuary of Lakshmana in Sarpur (Rajasthan), and the temples of Papanatha and Jambulinga). From the beginning of the ninth century, the use of these curvilinear roofs extended to the northern kingdoms, where its use was perpetuated until the contemporary era, at […]

über ART OF MEDIEVAL INDIA – The Temples with Curvilinear Roof — ArS Artistic Adventure of Mankind

What’s on this ornate Milan Cathedral door? Milan’s role in a turning point in early Christian history. Constantine the Great’s famous Edict of Milan, and how Europe became Christian.

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