Der Hirte der Habsburger

Jesus als guter Hirte, Fresko 3. Jhd`s, Calixtus-Katakombe, Rom , Foto Waffles9761

Das Bild des guten Hirten als Regent ist heute wieder höchst aktuell. Dabei gründet dieses Bild auf der frühen Weidewirtwirtscaft die noch heute als Pastrolalismus bezeichnet wird. Bereits im Alten Testament taucht das Motiv des Hirten in Gestalt des David auf, dessen Rolle im neuen Testament dann Christus fortführte. In frühen Dar- stellungen wird er in den Katakomben Roms meist mit einem Lamm auf seiner Schulter abgebildet. Bereits Apostel, wie Paulus übertrugen dieses Bild des Hirten dann auch auf Regierende, wie Bischöfe und Könige. So verband der Apostel Paulus einst das Amt des Bischofs in seinen Briefen mit dem des Hirtendienstes. Mit diesem Amt verbunden, sah Paulus das Leiten, Regieren und das Mahnen in einer Person vereint. Doch erst der historisch fassbare Kirchenlehrer Gregor der Große schuf im 6. Jahr- hundert die theoretische Grundlage für das geistliche und weltliche Pastorat. die Herrschaft des Hirten.

Gregor d. Große, Bild um 1500, Germanisches Nationalmuseum, Foto GNM-MA

Seine Schrift ist in 3 Teile gegliedert, wobei Gregor sämtliche Leitungspersonen wie Bischöfe und weltliche Herrscher in sein Konzept des Pastorates mit einbezieht Seiner Auffassung zufolge unterlagen diese Personen ganz besonders den Geboten Gottes und mussten diese, getreu ihrer Rolle als Hirte, auch befolgen. Diese Hirten sollten aber nicht durch gewaltsames Herrschen hervortun, sondern durch Mahnen ihre Herde zur Befolgung der Gebote auffordern. Sollte dieses Mahne aber nicht ausreichen, so befürwortete Gregor aber auch harte Strafen, damit die Untertanen die Autorität der Hirten respektierten. Parallel dazu entstand auch ein ähnliches Werk, die Regula Benedicti“, in der das Bild des Hirten einer väterlichen Rolle gleichgesetzt wird. Sie wurde vom ebenfalls im 6. Jhd. lebenden Benedikt von Nursia verfasst, der auch den gleichnamigen Orden gründete. Im Unterschied zu Gregor galten seine Anweisungen hauptsächlich den Mönchen. Benedikt sah den Abt als Vater gleich, der lehren und erziehen muss. Gleichzeitung muss er aber auch Uneinsichtige mit harter Hand bestrafen. In diese Rolle eines Mahners sah sich auch Alkuin, der Berater von Karl dem Großen. Er schrieb seine Mahnbriefe noch in der Zeite als Abt von St,Martin in Tours. Dabei verglich er seine Rolle mit den frühen Propheten, die wie er, Herrscher und Gemeindepriester ermahnten. Eine Dynastie, die ähnlich wie Karl der Große die Geschicke Europas bestimmte, warenauch die Habsburger, Ihre Geschichte begann im 11. Jhd. in einer kleinen Burg im Argau,

Südwestliche Seite der Habsburg. Foto Roland Zumbuehl

Ganz im Geiste des Pastorates sprachen sich die Habsburger Frömmigkeit, Freigebig- keit und Milde zu. All dies waren Eigenschaften, die als Teil der Imitatio Christi zum mittelalterlichen Herrscherideal gehörten. Ihr Stammsitz, die kleine Gipfelburg in der Nähe von Argau, wurde von Graf Radbot erbaut, der die Macht der Habsburger durch umfangreichen Zukauf von Ländereien rasch ausweiten konnte. Ihre tiefe Verbundenheit zum Glauben zeigten die Habsburger auch durch die Stiftung von Klöstern und die Gründung von Wallfahrtsorten. Gerade der Jungfrau Maria fühlten sich die Habsburger aber stets be- sonders treu verbunden und schrieben viele ihrer Siege ihrem Beistand zu. So trug auch Karl V. lange nach der Gründung der Stammburg noch stets das Bild der Maria, auf der Mondsichel stehend, auf seiner Rüstung. Wie die Heiligenverehrung des Mittelalters mit der Symbolik des Hirten verbunden werden konnte, zeigt auch die Habsburg. Ihre Geometrie entsprach der Sicht des himmlischen Hirten am Morgen des Michaelitages.

Die Habsburg und der Bärenhüter am Abend von Michaeli

Seit dem Wunder von Gargano hatet er sich zu einem Kämpfer gegen das Böse gewandelt und wurde so ab dem frühen Mittelalter zu einem Vorbild der Ritter, Er war das Symbol der ecclesia militans, der wehrhaften Kirche und hatte den Titel: `Princeps militiae coelestis quem honorificant angelorum cives´ („Fürst der himmlischen Hee- scharen. Boötes in Gestalt des Hirten und Pflügers bietet nun auch eine Interpretation des Namens Habesburg, denn seine Symbolik verweist auf das lateinische Wort habere. Mit der Bedeutung glauben, wissen und beherrschen, drückt die auch wesent- liche Aspekte des Bärenhüters aus: Boötes als Sinnbild des Hirten – der den Glaube ver- breitet und Boötes als Sinnbild des ersten Pflügers – der das Wissen als Kulurbringer verbreitet udf ebenso Bötes als Wächter des Nordens – der herrscht über den Raum und die Zeit und steht damit sinnbildlich für das zukünftige Herrscher- geschlecht.

Bilder: Wikipedia / Jesus als guter Hirte, Fresko des 3. Jahrhunderts in der Calixtus-Katakombe, Rom , Foto Waffles9761 , gemeinfrei / Teil einer Votivtafel mit 16 Legendenszenen und Heiligen, Gregor d. Große, Franken, um 1500, Germanisches Nationalmuseum in Nürnberg.…, Foto GNM-MA ,CC BY-SA 4.0 / Südwestliche Seite der Habsburg. Foto Roland Zumbuehl , CC BY-SA 3.0 / Habsburg und der Bärenhüter am Abend von Michaeli / stellarium

Dänische SAGA / Trelleborg — FIGUREN UND GESCHICHTEN

Und weiter geht die Rundreise durch Dänemark, immer auf den Spuren der Wikinger und der dänische SAGA. In diesem Bericht geht es um das dänische Trelleborg, nicht zu verwechseln mit dem schwedischen Trelleborg, das so mancher als Fährhafen und Ausgangspunkt seiner Schwedenreise kennen könnte. Wie schon im letzten Bericht über das königliche Jelling kurz angerissen, […]

Dänische SAGA / Trelleborg — FIGUREN UND GESCHICHTEN

Die Lyra und das Gjellestad Schiff

Sternbild Lyra, Herkules und nordliche Krone, Himmelsatlas von Alexander Jamieson, London 1822

Zu den Sternen, die zur Navigation auf hoher See angepeilt werden können, zählt auch das relativ unscheinbare Sternbild der Leier. Verlängert man eine Seite des Parallelo-gramms der Leier bis zur Vega, dem dritt hellsten Stern am Nordhimmel, so beträgt die Linie bis zum Polarstern den 7-fache Abstand Für die Hochseefahrten der Wikinger war diese stellare Navigation unverzichtbar. Sie wird heute noch in nautischen Handbüchern als Hilfe bei Notfällen geschildert.

Navigation mit Stern Wega, Grafik:https://ueberlebenskunst.at/blog

Doch die Leier und ihr Stern Vega hatten auch eine große Bedeutung innerhalb der Mythologie im Norden, wie im Süden. So war die Lyra doch jenes Instrument, das den besten Sänger Orpheus berühmt machte. Dessen Geburtsort lag gemäß den ältesten Überlieferungen im Heiligtum der Aphrodite in Dion, einem Ort nahe der nordgriechisch- en Stadt Pimpleia Dort soll sich nach dem Tod des Orpheus auch eine wundersame Erscheinung zugetragen haben. Die Legende beichtet, dass er nach dem Tod seiner Geliebten Eurydike allen Frauen entsagte. Sie verstarb nach einem Schlangenbiss und als sie danach in den Hades gelangte versuchte Orpheus den Gott der Unterwelt durch sein Lyraspiel zu bewegen, seine Geliebte mit ihm gehen zu lassen. Hades gewährte ihm den Wunsch unter der Auflage, dass er sich beim Aufstieg nicht nach Eurydike umsehen darf. Als Orpheus aber die Schritte seiner Geliebten nicht mehr hörte, verstieß er gegen die Auflage und Eurydike verschwand wieder im Hades. Die Entsagung des Orpheus verärgerte die Anhängerinnen des Dionysos-Pankultes, so sehr, dass sie beschlossen, den Sänger zu ermorden.

Orpheus mit Lyra Mosaik aus Arae Flaviae (Dominikanermuseum Rottweil), Foto Agnete,

Als die Mörderinnen daraufhin in einem Fluss ihre Hände waschen wollten, verweigerte der dies und versiegte. Später soll der Fluss dann bei dem Ort Dion wieder ans Tag- eslicht gekommen und  durch das Heiligtum geflossen sein. Doch bereits der Vater des Orpheus, der Flußgott Oiagros, weist auf die Verbindung des Sängers zum Wasser hin. Wie der Sänger, so ist aber auch sein Instrument göttlicher Herkunft, denn er erhielt es vom Licht- und Heilgott Apollon geschenkt. Selbst Löwen sollen Orpheus zu Füßen gelegen sein, als sein Gesang zum Spiel der Lyra zu hören war. Zum Dank für seine Leistungen wurde dann von Zeus die Lyra als Sternbild an den Himmel versetzt Frühchristliche Kirchenlehrer, wie Eusebius von Caesarea, sahen in dem Sänger einen „poeta theologus“ und damit auch eine Präfiguration von Christus. Seinen Abstieg in die Unterwelt verglichen sie mit der im Neuen Testament beschriebenen Höllenfahrt von Christus nach dessen Kreuzigung. Mit der Lyra und dem Navigationsstern Vega kann aber auch das Schiffsgrab in Nydby in Verbindung gebracht werden.

Johann Gehrts (1855-1921), Wikinger Bestattung, gemeinfrei

Über eine dieser Formen der Bestattung in der Kultur der Wikinger gibt es zahlreiche Überlieferungen, unter denen sich auch die des Arabers Ahmad Ibn Fadlān aus den Jahren 971/972 befinden. Der Reisende schildert in seinen Berichten das Begräbnis eines Schiffsführers der Rus, einem in Osteuropa siedelnden Volkes, das seine Wurzeln in der Kultur der Wikinger hatte. Bei dem Begräbnis wurde der Schiffsführer mit seinem Schiff, den Waren und einer rituell getöteten Sklavin bestattet. Dieses Ritual der Schiffs-bestattung wurde auch in zahlreichen nordischen Liedern und Epen beschrieben. In diesen wird auch ein Begräbnis in Unnr geschildert, wo die Tote nach einem Mahl in ein Schiff gelegt wurde das von einem Hügel bedeckt war. Eines der größten, bislang bekannten Schiffsgräber, entdeckte das Norwegian Institute for Cultural Heritage Research (NIKU) bei einer geophysikaliscen Untersuchung in der Nähe von Oslo. Dieser Fund wurde 2018 unter dem Namen Gjellestad Schiff bekannt. Das Grab ist aber nicht isoliert errichtet worden, sondern ist von mindestens 8 weiteren umgeben. Mit ein- er Abweichung von 6° vom Meridian wies die Keillinie des Schiffes im 9. Jhd. auf die erste Sicht des Sternes Vega am 5. März. dem Tag, an dem , der im römischen Reich  doe Göttin Isis gefeiert wude.

Der Tag verweist auch das Fest Ploiaphesia, am dem im römischen Reich traditionell die Ausfahrt des Schiffes der Isis gefeiert wurde. Dieses Fest beschreibt der antike Schriftstellers Apuleius auch ausführlich in seinen im 2.Jhd. BC entstandenen Meta- morphosen. An diesem Tag, der Göttin Isis gedacht, die bereits in Griechenland die Schutzgöttin der Seefahrt war. Und deren jährlicher Auftakt wurde mit diesem Fest gefeiert. Apuleius beschreibt das Ritual, so wie es sich im Isisheiligtum von Kenchreai, einem der Häfen in Korinth zugetragen hatte. Dort zog die Bevölkerung dann in einer Prozession zum Hafen, angeführt von Priesterinnen, die Lampen, dem Symbol der Iisis trugen. Zahlreiche Opfergaben wurden bei dieser Prozession mitgeführt, die in einem eigens dafür gebauten und Schiff niedergelegt wurden. An Ende des Rituals wurden dann dessen Segel gesetzt und das Schiff trieb mit den Wünschen für eine glückliche Seefahrt auf das offene Meer hinaus, Damit bietet das Gjellestad Schiff ein komplexes Bild von Vorstellungen, die den Tag der Göttin der Wiedergeburt ebenso einschließen, wie den Weg des Orpheus aus der Unterwelt zurück an das Tageslicht.

Bilder: Wikioedia/ Sternbild Lyra, Herkules und nordliche Krone, Himmelsatlas von Alexander Jamieson, London 1822 /Orpheus mit Lyra , Mosaik aus Arae Flaviae (Dominikanermuseum Rottweil), Foto Agnete, gemeinfrei / Johann Gehrts (1855-1921), Wikinger Bestattung, gemeinfrei, Paul Gerhardt Heims: Seespuk: Aberglauben, Märchen, und Schnurren in Seemannskreisen. Leipzig 1888/ Navigation mit Stern Wega, Grafik:https://ueberlebenskunst.at/blog / Vega und das Gjellestad Schiff , Museum of Cultural History, Oslo, stellarium

Der Löwe des Tempelberges

Felsendom und Kettendom, Foto Ralf Roletschek

Die Jahrtausende alte Symbolik des Löwen prägt auch das Plateau des Tempelberges und erscheint hier als Bindeglied der 3 Religionen. Für alle ist der Tempelberg von großer Bedeutung, da such den Erzählungen zufolge, hier wichtige Ereignisse zuge- tragen haben. Damit steht das Herrschaftszeichen und solare Symbol für zahlreiche Gemeinsamkeiten der 3 Religionen, die auf einen gemeinsamen Stammbaum einer Grundidee mit all den daraus entsprungenen Erzählungen hinweisen. Wie in den bib- lischen Texten, so wird auch im Koran die Sonne häufig erwähnt. Sowohl als Him- melskörper, aber auch in gleichnishaften Bildern taucht sie dort auf. Bereits bei den Erzählungen zum Stammvater der Völker, Abraham, taucht die Sonne auf, Hier erzählt Abraham von seiner Erkenntnis, dass die Sonne selbst ein Geschöpf ist und es somit ein Fehler sei, sie als göttliche Macht anzubieten. Diese Natursicht entsprechend, wird im Koran auch von der Möglichkeit erzählt, die Sonne zur Vermessung und Wegebe-rechnung zu nutzen. Wie bei anderen Religion überwiegt in den Texten des Korans aber die symbolische Bedeutung der Sonne, Sie steht hier bildhaft für das Licht, das der Prophet Muhammad im Namen Allahs ausstrahlt.

Timuridische Darstellung Mohammeds; aus dem Miradschname, 1436, Herat.

Auch das reflektierte Licht des mondes dient als Metapher. denn wie das Licht der Sonne vom Mond reflektiert wird, so wird das Licht des Propheten vom Imam Ali zurück-gestrahlt. Ein letztes Mal tritt die Sonne in den Erzählungen dann als Ankündiger auf, wenn die Wiederkunft des Imam Mahdis unmittelbar bevorsteht. An diesem Tag soll sie aber nicht im Osten, sondern im Westen aufgehen. Nahezu mittig auf dem Plateau des Tempelberges steht heute der Ende des 7. Jahrhunderts errichtete Felsendom. Er wurde dort auf einem Felsen errichtet, wo nach Islamischer Überlieferung der Prophet auf seinem Pferd in den Himmel getragen worden sein soll. Auch die Israeliten sahen diese Stelle als einen heiligen Ort an, denn hier wird auch der Brandopferalter Abrahams vermutet. Auf dem soll der Stammvater der Völker, gemäß den biblischen Erzählungen Abraham, seinen Sohn Isaak als Beweis seiner Gläubigkeit Gott zum Opfer dargeboten haben.Nach diesen Überlieferungen soll Gott selbst den Ort ausgewählt und ihn dann als seinen Wohnort auf Erden bestimmt haben.

Fels im Innern des Felsendoms, Foto Earthsound

Dieser Bestimmung folgend, soll auch König Salomo hier seinen Tempel erbaut haben, der dann von ihm zum Mittelpunkt der jüdischen Religion erklärt wurde. Der oktogonale Baukörper des Felsendomes ist im Innern durch einen Säulenumgang gegliedert, der den Zentralraum einschließt. In ihm befindet sich auch der Fels liegt, über dem der Tambour mit der Goldenen Kuppel liegt. Die Anlage hat vier Eingänge, die den jeweil- igen Himmelsrichtungen entsprechen. Mit der Form des Oktogons wurde hier auch eine Bauform aufgenommen, die bereits bei der um 540 entstanden Kirche San Vitale in Ravenna verwirklicht wurde. Mit seiner Ausführung zählt der Felsendom zu den Meisterwerken des Umayyadenstils. Dies war der Baustil eines arabischen Stammes aus der Region Mekkas, aus dem auch der Prophet Mohammed stammte. Auf dem Plateau, das einst Herodes der Große errichten ließ, verbindet nun der himmlische Löwe alle Stätten dre 3 Relgionen. So wird durch ihn auch der Name des  Golden Tores oder auch Schönes Tor genannt, erklärt. In der Lage, wie sie der Sicht um den 23. April entsprach, liegt dann sein Hauptstern Rgulus, der kleine König, auf diesem Tor.

Goldenes Tor 2018 von außen, Foto Fallane

Damit verweist hier die Farbe Gold, wie bei der Kuppel ds Felsendmes, auch auf die solare Symbolik des Löwen. Nach neueren Unterschungen stammt dieses Tor aus frühislamischer Zeit,. Es wurde als umayyadische Doppeltoranlage errichtet und stammt damit aus einer ähnlichen Epoche wie der Felsendom. Mit dem Beginn der Kreuzzüge gewann das Tor eine ganz andere Bedeutung, denn nach den Erzählungen soll hier Jesus auf einem Esel in die Stadt geritten sein. Deshalb wurde es in der Zeit der Kreuzfahrer auch nur zu den jährlichen Palmsonntagsprozessionen geöffnet. Deshalb befand sich vor dem Tor einst ein Friedhof, der aber nach de Rückeroberung durch den Islam aufgelöst wurde. Das Tor wurde dann dauerhaft geschlossen, doch christliche Reisende konnten aber weiterhin wundersame Fragmente des Tores bei muslimischen Händlern kaufen.

Tempel des Herodes, Asher S. Kaufman / Sicht des Löwe am Abend des 23. April (Jupiterfest Rom, Georgstag kath. Kirche…..)

Mit seiner Lage verbindet nun der Kopf des Löwen die Stätten der beiden großen Relig-ionen. Er ist das Zentrum des Löwen, der für Aspekte wie Beständigkeit, Leben, Macht, Würde, Vollendung, Eintritt und Übergang steht. So stehen die beiden Sterne Eta und Gamma Leonis, der die Mähne des Löwen verkörpert auch für unerschüttelichen Mut. Das dieser von Dauer sein soll, zeigt beide Sterne bei dieser Lage des Löwen, in dem sie die Ostwestrichtung vor dem Ausgängen des Felsedoms markieren. Ebenfalls Auch in symbolisch richtig liegt dann Epsilon Leonis, der im Arabischen Ras Elased Australis, der Kopf des Löwen bedeutet. Hier markiert er die Mittelachse des Herodanischen Tempels, direkt am Zugang. Mit diesem Stern verweist Damit verbindet hier die Symbolik des Löwen alle drei Religionen, und verweist nicht auf ihren gemeinsamen Ursprung, sondern wohl auch auf das Verständnis islamischer Astronomiekunde, die die Eurpäer im Laufe es 10.Jhd`s mit Begeisterterung aufnahmen Es wäre also ein Gebot der Stunde, im Löwen diese Gemeinsamkeit wieder zu erkennen.

Bilder: Wikipedia / Felsendom und Kettendom, Foto Ralf Roletschek , GFDL 1.2 / Timuridische Darstellung Mohammeds; aus dem Miradschname, 1436, Herat. Das Werk befindet sich in der Sammlung der Bibliothèque nationale in Paris.…, Autor unbekannt – „Mi‘rajnama: The Book of the Prophet Muhammads Ascension“ / Fels im Innern des Felsendoms, Foto Earthsound , gemeinfrei / Goldenes Tor 2018 von außen, Foto Fallane,, CC BY-SA 4.0 – Tempel des Herodes, Asher S. Kaufman / Sicht des Löwe am Abend des 23. April (Jupiterfest Rom)

Die Reichenau und der steinerne Löwe

Münster St. Maria und Markus von Norden, Foto © Hilarmont

Der Mythus der Markusreliquien auf der Insel Reichenau entstand gut 170 Jahre nach deren Erwerb durch den Heiligen und Veroneser Bischof Radolt. In der Legende `De miraculis et virtutibus beati Marci evangelistae´ wird geschildert, wie Radolt unter dem Siegel strengster Verschwiegenheit die Gebeine des Markus bei einem Kaufmann in Venedig erstanden hatte. Unter Eid musste er ihm versprechen, die wahre Identität des der Gebeine nicht zu seinen Lebzeiten zu offenbaren. Doch um sicherzugehen, dass dies auch die Gebeine des Evangelisten Markus waren, musste der Kaufmann ihm dies beim Kesselfang schwören. Diese sogenannte Wasserprobe war ein archaisches Element der Rechtsgeschichte und wurde bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. im Codex Ur-Nammu, e-wähnt, wo sie als Flussprobe bei Zauberei empfohlen wurde. Gerade im Mittelalter galt die juristische Wasserprobe mit heißem Wasser (iudicium aquae ferventis) als ein Mittel, um die Wahrheit durch ein sogenanntes Gottesurteil ermitteln.zu lassen Auch hier wurde diese Methode wieder in Gesetzestexten, wie dem des Hinkmar von Reims aufgeführt. Damit musste auch der Verkäufer der Markusgebeine, getreu der Methode, seine Hand zum Schwur heben und dabei gleichzeitig mit der linken Hand einen Stein aus kochendem Wasser herausheben. Da das kochende Wasser bei ihm aber keine Spuren hinterlassen hatte, galten die Relikte des Markus fortan als echt. Im Jahr 830 schenkte sie Radolt dem Kloster auf der Reichenau, wo sie in der ersten Zeit als Reliquien des heiligen Calens verehrt wurden. Die Gebeine genossen anscheinend nur wenig Aufmerksamkeit, so dass der Heilige laut der Legende nun selbst zur Tat schritt und dem Konstanzer Bischof Gebhard im Traum erschien. Dabei beklagte er sich über die höchst unwürdige Unterbringung. seiner Gebeine. Doch es bedurfte aber noch zwei weiterer Erscheinungen des Markus bis der Bischof endlich für eine angemessene Aufbewahrung der Gebeine sorgte.

Inneres nach Westen; Markusaltar, Klosterkirche Reichenau, Foto Wam

Aber auch später erschien Markus noch einmal einer Gruppe von Ordensbrüdern, die an der Echtheit der Gebeine zweifelten. Nachdem Markus sie vor kommenden Über- fällen warnte, die sich in Gestalt der Ungarneinfälle tatsächlich ereigneten, verstum- mten fortan alle skeptischen Stimmen. Die nun besser aufbewahrten Reliquien wurden dann während des Mittelalters von zahlreichen Herrschern besucht. Erst die Stiftung Königin Elisabeth, Gemahlin König Albrechts I. ermöglichte im Jahr 1303 den Bau des vergoldeten Markusschreines, der heute in der Schatzkammer des Münsters aufbewahrt wird. In Gestalt eines Hauses, das mit einem Walmdach versehen wurde, weist der Schrein auf die ewige Wohnstätte des Markus hin. Dass Markus mit dem Löwen identi- fiziert wurde, hatte er im Wesentlichen dem im 4. Jahrhundert lebenden Kirchenlehrer Hieronymus zu verdanken, der den 4 Evangelisten die vier noch heute gültigen Symbole zuordnete. Diese Ordnung der vier Gestalten gründet auf der babylonischen Himmels-ordnung, die von 4 Planetengöttern bestimmt wurde. In den den biblischen Erzählungen taucht diese Symbolik der Vier nun mit Adler, Löwe, Stier und Mensch auf.in unter- schiedlichen Zusammenhängen auf. Hieronymus ordnete diese Symbolik und wies dabei dem Evangelisten Markus endgültig den Löwen zu. Mit der Tiersymbolik nahmen dann die 4 Evangelisten jenes Bild vorweg, das im 4. Kapitel der Offenbarung des Johannes geschildert wird. Dort ist von vier Wesen die Rede: Löwe, Stier, Mensch und Adler. Sie stehen alle neben dem Thron Gottes. Als Sternbilder am Himmel stehen sie jeweils eine unterschiedliche Jahreszeit, wobei der Mensch durch das Sternbild des Aquarius vertreten ist. Das Münster St.Maria und Markus wird von dieser christlichen Symbolsprache gleich auf 2-fache Weise bestimmt. So war zur Zeit der Erbauung die Baulinie auf den Sonnenaufgang an Mariä Lichtmess ausgerichtet und in entgegen- gesetzter Richtung auf den Sonnenuntergang am Gedenktag des Evangelisten Markus.

Münster St. Maria und Markus, Sonnen-und Löwensymbolik, eigen

Auch die dreischiffige Kreuzbasilka, die unter Abt Haito I.entstand spiegelt das Symbol des Evangelisten wider. Sie wurde im ersten Abschnitt im Jahr 816 geweiht  Abt Erlebad ergänzte die Basilika um ein Langhaus-Joch und fügte das Westwerk hinzu. Doch erst Mitte des 15. Jahrhunderts erhielt die Kirche unter Abt Friedrich von Wartenberg einen Chor und damit ihr endgültiges Erscheinungsbild. Nun blickte der steinerne Löwe des Markus  auch der unt- ergehende Sonne am Makustag entgegen. Fast 1400 Jahre, nachdem ursprünglich nur mündlich weitergegebene Botschaft des Markus im Jahr 330 von dem Kirchenlehrer Athanasius aufgezeichnet und später durch den Bischof Cyril von Alexandria stark erweitert wurde, hatten die Reliquien des Markus einen würdigen Ort gefunden.

Bilder:Wikipedia/Münster St. Maria und Markus von Norden, Foto © Hilarmont (Kempten)CC BY-SA 3.0 de / Inneres nach Westen; Markusaltar, Klosterkirche_Reichenau_20090821_011.jpg: Foto Wam, Wikipedia gemeinfrei    Münster St. Maria und Markus, Sonnen-und Löwensymbolik, eigen, Stellarium sunearttools

Georg Hane und der `Gute Hirte´ von Schorndorf

Kieser, Andreas: Schorndorf (Württemb.), Ansicht von Nordosten

Der Historiker Klaus Graf hat in seinem Buch `Sagen rund um Stuttgart´ auch einige aus Schorndorf zusammengetragen. Unter ihnen findet sich auch die Gründungs- sage der Stadt, die zu den 2 gekreuzten Spaten im Wappen der Stadt führte.. Auf den ersten Blick erscheint sie wie eine fantasiereiche Ausschmückung von der Urbarmachung der Landschaft des Remstales, doch in dem Namen des Prota-gonisten finden sich noch andere Spuren. Die Schorndorfer Sage erzählt von dem Bauern Georg Hane, der um das Jahr 1190 im Gebiet der Stadt Schorndorf gelebt haben soll. Dort hatte er einst mit seinem Schor, der mittelhochtdeutschen Be- zeichnung für einen Spaten, den Boden umgegraben.

Wappen der Stadt Schorndorf

Noch heute ist der Spaten ist ein wichtige Gerät zur Bodenberarbeitung mit Klein-gartenbereich. Mit ihm wird der Boden gewendet und so gelangt nährstoffreicher Boden an die Oberfläche, während sich Oberboden dann in der Tiefe regenerieren kann. Die Geschichte des Spatens beginnt bereits im frühen Neolithikum, wo er als Grabstock zur Anwendung kam. In der Geschichte der Bodenbearbeitung wurde er später durch den Spaten und der dann durch den Pflug abgelöst.

Rekonstruktion eines neolithischen Ritzpflugs, ArcheoParc, Foto Wolfgang Sauber

In der Sage diente Hanes Arbeit mit dem Spaten aber dazu, um mehr Platz für den Bau von Häusern zu schaffen und so konnte Dank seiner Arbeit, schließlich der Ort Schorndorf entstehen. Doch im Namen des Bauern Hane erscheinen gleich zwei Worte, die auch auf seinen Beruf verweisen. So stammt der Name Georg aus dem Griechischen, wo er sich aus dem Wort Landarbeiter entwickelte. Im Name Hane kann unschwer das mittelhochdeutsche Wort Hahn erkannt werden, der somit auch auf den morgendlichen Weckruf, oder ein Signal verweist. Diese Signalgeber, die dem Landmann in früheren Zeiten die Abfolge landwirtschaftlicher Tätigkeiten an- zeigten, waren die Aufgänge von Gestirnen oder Sonnenaufgänge an wichtigen Kalendertagen über markanten Landschaftspunkten. Dieses Erlenntnis hat der griechische Bauerndichter Hesiod im 7. Jahrhundert v. Chr. In seiner Gedicht-sammlung `Werk und Tage´ beschrieben, mit dem er eine Verbesserung Landwirt-schaft er reichen wollte. Einer der Sterne, die Hesiod als Signalgeber der Land- wirtschaft beschrieb, war der Stern Arcturus, der hellste Stern des Sternbildes Bärenhüter und zugleich hellster am Nordhimmel. Über die Entstehung des Ge- stirnes berichtet eine griechische Sage die dem Bärenhüter, in Gestalt des Philomelos, eines Sohnes der Demeter, die Erfindung des Pfluges zuschreibt, Für seine Verdienste wurde er einst von Zeus an den Himmel versetzt und erhielt auch den Namen Ochsentreiber. Eine andere Sage berichtet jedoch, dass er vom Gott Dionysos die Kunst des Weinbaues erlernte und auf Grund der Verbreitung dieser Kenntnis dann an den Himmel versetzt wurde. Im Vorderen Orient erhielt de Bärenhüter auch den Namen der Hirte und wurde damit zum Sinnbild des guten Herrschers., dessen Symbolik auch zahlreiche Fürsten des Orients aufgriffen.

Statuette des guten Hirten, Domitilla-Katakomben, Rom, um 300, Foto Dnalor 01

Auch die Verfasser biblischer Texte bedienten sich dieser orientalischen Tradition So wird Gott, aber auch Jesus in iihnen als `Guter Hirte´ bezeichnet. In dieser Rolle des `Guten Hirten´ wird Jesus auch bereits in Bildern der frühen Christen dar-gestellt. Gerade in Schorndorf verweist die Stadtanlage auf die Symbolik des Sternes Arkturus mit die des Hirte. Die heutige Stadtkirche Schorndorf, deren Geschichte bis ins 12. Jhd, zurück reicht, wurde einst dem heiligen Basilides geweiht. Der Gedenktag des römischen Märtyrers ist inzwischen längst Geschichte und aus Calendarium Romanum General gestrichen. Bereits am Beginn des 14. Jhd`s wandelte sich das Gesicht der Kirche durch umfangreiche Neubaumaß-nahmen, so wie durch eine liturgische Neuausrichtung. Nach der Auflösung der Kirche am unteren Tor wurde der dortige Marienaltar in diese Kirche überführt, die fortan zu einem einträglichen Zentrum des Ablasshandels wurde. Auf Grund der Symbolik des Hirten war der Standort der Kirche geradezu ideal, denn sie liegt dort, wo beim Sternbild Bärenhüter der hellste Stern Arcturus liegt. Damit verweist er auch auf den seit der dem 8. Jhd. beliebten Marientitel Stella maris, der Meerstern. So beginnt auch, der wahrscheinlich von Venantius Fortunatus feschriebene  Hymnus mit der Anrufung: `Ave maris stella, Dei Mater alma…´ `Meerstern, sei gegrüßet,Gottes hohe Mutter,…´ Unter dieser Anrufung ist sie die Schutzpatronin der Seeleute und symbolisiert den rettenden Stern, der dem Nautiker einst auf hoher See die Richtung wies. Damit wurde der Navigatonsstern der Seefahrer zum idealen Sinnbild des Sternes der Maria, der auch Gläubigen den Weg zur Kirche zeigen sollte. Mit dieser Gestaltungsgrundlage, verweist der Plan von Schorndorf aber auch auf die enge Verknüpfung von Raumvorstellung und Religion im Mittelalter .

Boötes und Schorndorf; Arcturus/Lage der Marienkirche – Izar/Lage des Rathauses

Bilder: Kieser, Andreas: Schorndorf (Württemb.), Ansicht von Nordosten / Boötes und Schorndorf; Arcturus/Lage der Marienkirche – Izar/Lage des Rathauses /Simulation Stellarium- Wikipedia / Wappen der Stadt Schorndorf, gemeinfrei / Rekonstruktion eines neolithischen Ritzpflugs, ArcheoParc Schnals, Südtirol , Foto Wolfgang Sauber , CC BY-SA 3.0

Reutlingen und der ewige Wächter

Stich aus dem Sternatlas von Johann Elert Bode

Hüter ist das altnordische Wort für einen Aufseher oder einen Wächter. Es er- scheint auch im Namen des Sternbildes Bärenhüter, dessen Stern Arktur der hellste Stern am Nordhimmel ist. Er ist mit Ausnahme der Antarktis, von allen Kontinenten aus zu sehen und dies machte den Stern auch zum Bestandteil zahlreicher Mythologien. Bedingt durch seine Eigenbewegung am Himmel, wurde er wohl ab dem 40. Jtsd. v. .Chr. zusammen mit benachbarten Sternen als Bild am Himmel erkannt. Gerade diese Rolle eines Zeitmarkers verhalf Arktur und dem Bärenhüter zu einer spirituellen Bedeutung . Dies wurde auch durch eine anthropomorphe Figur unterstützt, die Assoziationen zu einer menschlichen Gestalt ermöglichte. Diese spirituelle Bedeutung ist erkennbar an Grabanlagen auf Sardinien, oder auf Orkney, die in der Gestalt des Bärenhüters folgen.

Gigangtengrab bronzezeitlichen Bonnanaro-Kultur auf dem Monte de s’Ape,

Dass die Gestalt des Wächters selbst noch im Mittelalter eine Rolle gespielt haben musste, zeigen Städte, deren Gründung zur Zeit der Staufer entstanden. So ist ist auch im ursprünglichen Stadtplan Reutlingens die Symbolik jenes frühgeschicht- lichen Wächters und Hüters zu erkennen. Der Plan ist in einer Epoche entstanden, in der der Stauferkaiser Friedrich II. mit der Burg Castel del Monte das perfekte Abbild einer astonomisch-astrologische Berechnung erstellen ließ. Mit der Ausleg- ung der Stadtgrenzen, wie auch des Hautplatzes gemäß der Geometrie des Bären-hüters,  folgte der Plan wohl ähnlichen Intentionen, wie die der neolithschen Bau- meister und bietet damit auch ein Beispiel für enge Verbindung von Stadtgestalt und religiösen Vorstellungswelt. Die Spur zur Verwendung der Symbolik des Wächters und Hirten führt führt über den ursprünglichen Namen der Stadt, die 1276 noch civitate Ruotelingen bezeichnet wurde.

Reütlingen. Stich, Matthäus Merian

In ihm ist das althochdeutsche Wort ruote erkennbar. Dieses Wort hatte mehrere Bedeutungen, wie Zweig, Reis, Stab, Stange oder auch Züchtigungsrute. Vor dem Hintergrund eines Stabes könnte der Name auch als ein Ort der Zeitmessung interpretiert werden, der durch den Stab markiert wurde. Der Stab war in der Antike auch das Attribut des Bärenhüters, der im Orient auch den Namen Rinderhirte erhielt. Hier urde er zu jener antiken mythischen Gestalt, die im als Symbol des güt- igen und weisen Herrschers betrachtet wurde. Gleich mehrere griechische Sagen erklären die Versetzung der Gestalt als Siernbild an den Himmel. Eine Erzählung berichtet von der Beziehung der Getreidegöttin Demeter zum ersten Sämann Iason. Als ihr Bruder Zeus einst die vom Zeugungsakt verschmutzen Kleider der Demeter fand, erschlug er Iason mit einem Blitz. Wenig später gebar Demeter aber ihren Sohn Philomelos, der als junger Mann Pflug und Wagen erfand. Nach seinem Tod wurde er für diese Verdienste dann von Zeus an den Himmel versetzt. Der im Vorderen Orient entstandene Mythos des Wächters, Hirten und Kulturbringers wurde dort auc auf die Rolle des guten Herrschers übertragen. Auch das Christentum übernahm diese Symbolik des guten Hriten, der bis ins frühe Mittelalter durch Jesus verkörpert wurde.

Jesus als guter Hirte, Fresko 3.Jhd. Calixtus-Katakombe, Rom, Foto Waffles9761

Dabei führt diese Vorstellung des guten Hirten Bilder des Alten Testaments fort, denn bereits Abel, Abraham, Isaak und Jakob werden hier alle als Hirten geschild- ert. Seinen eigentlichen Bezug zu Jesus erhält das Bild des Hirten aber in den Gleichnisreden des Johannesevangeliums. Dort sagt er in einer Rede von sich: „Ich bin der gute Hirte“ (Joh 10,11.14 EU) So zeichnete sich ein guter Hirte in der Antike auch dadurch aus, die Schafe erkennt und sie einzeln beim Namen rief. Im Gegensatz zum Lohnhüter war er bereit sich auch unter Einsatz seines Lebens sich für die Herde einzusetzen. In Reutlingen zeigt sich nun, ähnlich, wie in den neolith- ischen Grabanlagen eine Übereinstimmung von Stadtgrenzen und der Straßen- führung So markieren dessen Sterne die Grenzen der Mauer, wie auch den Straßenverlauf und die Lage des Hauptplatzes. Die Lage ist aber nicht zufällig gewählt, denn hier entspricht die Lage des Bärenhüters mit seiner ersten Sicht am Morgen von Mariä Lichtmess im 11. Jahrhundert, Der Beginn des Bauernjahres kann damit auch als symbolischer Neubeginn einer Stadt unter dem Schutz des Hirten verstanden werden.. Vor dem Hintergrund des biblischen Kontextes bietet das Bild des Hirten und der ruote, seinem Attribut, aber noch eine weitere Inter- pretationsmöglichkeit. In diesem Zusammenhang verweisen beide auch auf den ersten Hirten der Israeliten, König David und dessen Stammbaum. Damit kann die ruote von Reutlingen auch als ein weiterer Zweig seines Stammbaumes betrachtet werden, als den sich auch die Staufer zu jener Zeit sahen.

Reutlingen und der gute Hirte/Boötes, Sicht am Morgen von Mariä Lichtmess,

 

Bilder: Wikipedia/ Stich aus dem Sternatlas von Johann Elert Bode, Johann Elert Bode – Vorstellung der Gestirne auf XXXIV Tafeln, gemeinfrei / Reütlingen. Stich, Matthäus Merian – http://www.digitalis.uni-koeln.de/Merians/merians / Jesus als guter Hirte, Fresko des 3. Jahrhunderts in der Calixtus-Katakombe, Rom, Foto Waffles9761

eigen / Gigangtengrab bronzezeitlichen Bonnanaro-Kultur auf dem Monte de s’Ape, Googlemap/stelllarium / Reutlingen und der gute Hirte/Boötes, Sicht am Morgen von Mariä Lichtmess, stellarium