Rosslyn Chapel und der Green Man

Green Man – Dore Abbey

Der Mythos des Green Man führte seit dem 2. Jahrhundert zu einem häufig verwendeten Bildmotiv. Als erste verwendete es wohl römische Bildhauer bei Masken, die eine Misch- ung aus vegetativer Struktur und menschlichem Antlitz darstellten. Sie verwiesen damit auf die Verbindung zwischen der Natur und Gottheiten wie Dionysus , Silvanus, Pan oder Bacchus. Unter diesen Gottheiten ihnen entwickelte sich Dionysus im Laufe der Zeit zum beliebten Gott Bacchus, der für Ausgelassenheit, Freude, aber auch Tod und Wieder-geburt stand. Das frühe Christentum adaptierte die Symbolik der Dionysischen Mythos. Sie vermischte sich mit der keltischen Vorstellung vom Kopf als Sitz der Seele. Wohl aus diesem Grund tauchten erste Bilder des Green Man auch erstmals in irischen Hand- schriften auf, wie dem aufwendig gestalteten `Book oft Kelts`.Trotz der wachsenden Kirchenmacht während des Mittelalters, ist die Blütezeit der Green Man Darstellungen in der Zeit zwischen dem 11. und dem 15, Jahrhundert . In diesem Zeitraum entstanden in zahlreichen Kirchen und öffentlichen Gebäuden seine Bildnisse. Dabei waren sie stets eingebunden in florale Dekoration. Unter dem Einfluss muslimischer Handwerker, die im Laufe der ersten Kreuzzüge nach Europa kamen, wurden diese Motive zunehmend aufwendiger dargestellt. In vielen dieser Reliefs quellen Attribute der Natur aus dem Mund des Green Man. Sie sollten zeigen, dass was er sagt und denkt im Einklang mit den Ge- setzen der Natur steht. Deshalb ist auch die Maskendarstellung insgesamt in grüner Farbe gehalten. Neben dieser Reminiszenz an die paganen Kulte existieren aber auch groteske Varianten des Green Man mit erigierendem Glied, die den abschreckende Charakter ungezügelter Sexualität darstellen sollten. Die Neuübersetzung griechisch-römischer Mythen während der Renaissance machten dann das Motiv allgemein salonfähig. Die floralen Masken wurden wieder zu dem, was sie darstellten sollten: Bilder der alten Vege- tationsgötter.

Green Man,  Rosslyn Chapel

Einer der Kirchen, die in erster Linie durch Dan Browns `Da Vinci Code berühmt wurde, ist Rosslyn Chapel bei Edinburgh. in der dem Apostel Matthias und der Maria geweihten Kirche ist das Green Man Motiv fast 100 mal zu sehen ist. Doch die Kirche bereitet Forschern auf Grund ihrer zahlreichen symbolischen Zeichen seit Jahrhunderten Kopf- zerbrechen. Einer der Gründe sind auch die Reliefs von Maiskolben und Kakteen, die zum Entstehungszeitpunkt der Kirche, als dem Jahr 1456, in Europa noch gar nicht bekannt sein konnten. Die rätselhafte Symbolik von Rosslyn Chapel ist wohl auch Ursache mehrerer Gerüchte die berichten, dass in der Kirche ein wichtiges Relikt des Christen- tums verborgen wird. Die Rede ist von den vermissten Schriftrollen von Salomons Tempel oder gar der Kopfrelique von Johannes dem Täufer. Sie soll während der Kreuzzüge aus Jerusalem in die Kapelle gebracht worden sein. Die Kirche wurde von einem Mitglied der angesehenen Familie der Sinclairs erbaut, der auch Verbindungen zu dem 1312 auf- gelösten Orden der Templer nachgesagt werden. Vorbild für die überlängte Form des Grundrisses soll der Tempel des Herodes gewesen sein. Das Bauwerk ist auf vierzehn Säulen errichtet, wobei am östlichen Ende die vierzehnte Säule mit drei weiteren eine Arkade zwischen dem Kirchenschiff und der Lady Chapel bilden.

Rosslyn Chapel

Die drei Säulen im Chor des Kirchenschiffes sind jedoch besondere Säulen und tragen auch alle einen Namen: Master Pillar, Journeyman Pillar und der Apprentice Pillar. Unter den Säulen ist jedoch der Apprentice Pillar am bekanntesten. Diese Säule, auch Prentice Pillar genannt, erhielt ihren Namen aufgrund einer Legende. Sie erzählt von einem Meister der seinem Gehilfen nicht zugetraut habe, dass der die komplizierten Reliefs erschaffen könne, ohne die Originalvorlage dazu zu sehen. Der Meister soll daraufhin nach Rom ge- reist sein um das Original selbst zu sehen. Bei seiner Rückkehr hatte der Gehilfe jedoch die Säule schon in meisterhafter Form bearbeitet. Das rief den Zorn des Meisters hervor, der dann den Gehilfen voller Neid mit einem Hammer erschlug. Zur Strafe wurde das Gesicht des Meisters in die gegenüberliegende Ecke gemeißelt, auf dass er in alle Ewigkeit auf die geniale Arbeit seines Gehilfen schauen muss. Hier sieht der Freimaurer Henning Kolvekorn aber eindeutige Hinweise, dass die Säule sich direkt auf den Mythos von Yggdrasil bezieht, den Lebensbaum der germanischen und nordischen Mythologie.

Rossly Chapel – Orion,Osiris / Letztsicht am Morgen des Rosenkranzfestes

Dass jedoch die Legende jenes mythischen Green, die Erinnerung an den alten Frucht-barkeitsgott, auch die Proportion des Gebäudes beeinflusst hatte, zeigt ein Verglich mit dem Sternbild Orion. Nicht nur seine vier hellsten Sterne begrenzen das Bauwerk, auch die ab dem Mittelalter als Jakobs Himmelsleiter bezeichneten Gürtelsterne des Orion liegen dort,  wo sich der Altar von Rosslyn Chapel die Weihehandlung der Wandlung vollzog. Orion in der Gestalt des Green Man wäre auch eine Erklärung für die Legende seines Todes und der Wiedergeburt, ähnlich des ägyptischen Osiris. Auf diese Weise findet sich hier eine Fülle von symbolischen Bezügen zueinander, die ebenso keltische, christliche, jüdische, aber eben auch Verweise auf ägyptische Mythologie enthalten.

Osiris, Grab des Nefertari), 1295-1253 BC

Bilder: Wikipedia/ This wood carving of a „foliate head“ type is on the Renaissance screen at Dore Abbey., SiGarb /Osiris, ruler of the underworld and of rebirth and regeneration, was typically shown with a green face. (Tomb of Nefertari), 1295-1253 BC / Scottland, Roslyn Chapel , Sabine Perry /Green Man Rosslyn Chapel. British Heritage/ Simulation Stellarium

Ellwangen und der Jagesgouwe

Schloss Ellwangen

Eine um 1200 von Abt Kuno I erbaute Burg wurde zur Keimzelle des Schlosses ob Ellwangen. Sie wird im Jahr 1266 als castrum Ellwangen erstmals in Urkunden erwähnt. Ab der Renaissance änderte sich jedoch der Zweck der Burg , denn im Jahr 1460 wurde sie zur Residenz der Fürstpröpste, die den Rang von Reichsfürsten einnahmen. Eine grundlegende Änderung der Bausubstanz nahm Fürstpropst Johann Christoph von Westerstetten vor, denn er ließ von 1603 bis 1608 die Anlage als Renaissance-Schloss umgestalten. Aus dieser Zeit stammt auch der Arkadeninnenhof und die vier Ecktürme. Die trapezförmige Anlage schafft Raum für einen spannungsvollen Innenhof, der ganz auf eine theatralische Inszenierung ausgerichtet ist. Doch in der dieser Zeit wurde die Komposition des Raumes nicht allein dem Gefühl überlassen. Jeder Effekt wurde klar kalkuliert und wies darüber hinaus symbolische Bezüge auf. Sie spiegeln die Zeitge-schichte wieder, denn Luthers Thesen hatten die Welt des Glaubens radikal verändert und eine entschiedene Reaktion der Katholischen Kirche herausgefordert.

Schloss Ellwangen Innenhof

17 Jahre nach Luthers Thesenanschlag gründete 1534 Ignatius von Loyola den Jesuiten-orden. Von Papst Gregor XIII. entschieden gefördert, hatte er einen bedeutenden Anteil an der Gegenreformation, zu deren künstlerischem Ausdrucksmittel später der Barockstil zählte. Der im Kirchenbau auch als Theatrum Sacrum bezeichnete Stil beeinflusste genauso auch die Palastbauten des Adels. Die Gegenreformation förderte auch tatkräftig den am Ende des Mittelalters wieder abgeflauten Marienkult. Maria wird nun gerne als hoheitsvolle Herrscherin, Regina Coeli, oder als Immaculata, die Unbefleckte dargestellt. Während das Kreuz zum Symbol der Evangelischen Kirche wurde, wurde das Altarsakrament, die Hostie und deren Verehrung zu einem abgrenzenden Kennzeichen der katholischen Lehre. Die Verehrung des Sakramentes, wie die der Maria, wurde in aufwendig inszenierten Prozessionen gefeiert. In der damaligen Vorstellung zertrat sie den Kopf der Schlange, des Satans, und galt auch als die Siegerin aller Schlachten Gottes. Ganz deutlich ist hier die Auffassung einer Schlachtenlenkerin zu spüren, deren Hilfe ja bei der Reconquista und der Eroberung Südamerikas von Erfolg gekrönt war. Ihrer Bedeutung angemessen, floss auch ein wichtiger Gedenktag Marias in die Konzeption des Schlosses mit ein. So wurden die Schrägen nicht durch das subjektive Raumgefühl bestimmt, sondern ganz passend zu den geistlichen Schlossherrn und deren Marienverehrung vom Sonnenauf- und Untergang zu Mariä Geburt.

Ausrichtung des Schlosshofes in Ellwangen

Die Lage des Schlosses weist aber noch auf eine Verbindung auf, in die frühe Geschichte der Region zurückreicht. So bestimmt der Sonnenaufgang am 2. Februar eine Linie, die vom Einkorn bei Schwäbisch Hall. über den Schlossberg in Ellwangen, zum Schloss Baldern, bis zum Hexenfelsen auf der Marienhöhe bei Nördlingen führt. Die Geschichte des Einkorns, der bis zum18.Jahrhundert für das Wallen auf den Einkorn bekannt war , begann bereits in der Steinzeit. Zahlreiche hier gefundene Werkzeuge deuten auf eine rege Siedlungstätigkeit zur dieser Zeit auf dem Berg hin. Der Endpunkt der Linie, eine einst unbewaldete Kalksteinstruktur im Süden Nördlingens, diente im Mittelalter als Galgenberg und als Brandstätte während der hier intensiv betriebenen Hexenverfolgung. Später bekam der Ort anlässlich der Hochzeit von Kronprinz Maximilian von Bayern mit Marie von Preußen im Jahr 1834 den gefälligen Namen Marienhöhe.

Sicht auf Capella am Tag Epiphanias ( 8. Jhd.)

 

Der Schlossberg ragt in das Flusstal der Jagst, deren Name von der einstigen Land- schaftsname Jagesgowe stammt. Der wurde erstmals 768 in Urkunden erwähnt. Auch hier wurde ein keltischer Ursprung des Namens gesehen, doch deren Epoche lag zum   Zeitpunkt der Namensentstehung schon gute 1000 Jahre zurück. In der mittelhoch-deutschen Sprache gab es das Wort jagōn*. Das entwickelte sich später im Hoch- deutschen zu jagen, mit den Bedeutungen jagen oder verfolgen. Damals waren aber auch noch die Bedeutungen `in die Fluchtschlagen´ oder `vertreiben´durchaus  gebräuchlich. Neben dem bereits in keltischer und auch in römischer zeit gerühmten Heilmittel Wasser wurden Wasserläufe einst auch als Gottheiten verehrt. Dadurch bekamen sie auch eine mythologische Bedeutung für die Landschaft. Ein letzter Rest der alten Vorstellungen ist heute wohl im Fluss als Sinnbild für das Verfließen der Zeit enthalten. Während der Entstehung des Namens Jagesgowes wurde die auch in Fließrichtung der Jagst gezeigt. Am Ende der 12 Rauhnächte, als die Dämonen des alten Jahres endgültig vertrieben waren und dem neuen Jahr Platz gemacht hatten, markierte der Stern Capella den Tag Epiphanias.  In Fließrichtung der Jagst war er an diesem Morgen zum letzten mal sehen.

Bilder: Wikipedia/ Ansicht des Schlosses ob Ellwangen (1627) / Innenhof (2014) Grzegorz1964 / Simulation Stellarium, Sunearthtools

La Valletta und der Hirte

hafen-von-la-valletta-1801Valletta mit St. Elmo an der Spitze, unbekannter Künstler um 1800

Auch das Beispiel La Vallettas zeigt, dass der Gedanke eine Festungsstadt zu errichten mehr bedeutet als nur die neuesten Erkenntnisse der Militärtechnik anzuwenden. Auch sie wurde nach einem ausgeklügelten Bezugssystem das ein Glaubensbekenntnis darstellt. Trotz der Symbolik nimmt die Stadtgeometrie, ähnlich antiken Stadtanlagen, aber Rücksicht auf die landschaftlichen Gegebenheiten.. Begonnen wurde die Festung im Jahr 1565, nachdem Sieg des Malteserordens über die Osmanen. Nach den Zerstörungen die während der Belagerung entstanden, entschloss sich der Ritterorden auf der Landzunge des Monte Sciberras eine komplett neue Festungsstadt zu bauen. Ihre Geometrie orientierte sich an den Theorien der Idealstadt, doch gleichzeitig fanden beim Bau der Stadt die neuesten Erkenntnisse der Festungsarchitektur ihre Anwendung.

plan-von-la-vallettaDie Festungsstadt, La Valletta

Am am 28. März 1566 wurde durch den Großmeister des Ordens, Jean de la Valette der Grundstein für diese Stadt gelegt. Die Stadt mit ihrem rechtwinklig, nach Nordosten ausgerichtetem Straßensystem wurde vom dem italienischen Architekten und Festungs-baumeister Francesco Laparelli geplant. Um aber die gewählte Ausrichtung zu verstehen ist ein Blick in die Geschichte des Malteserordens notwendig. Die Kirche des ersten Hospitals der Malteser in Jerusalem war Johannes dem Täufer geweiht und führte so wohl mehr zufällig zu seiner Rolle als Schutzpatron des Ritterordens. Die Hospitalgemeinschaft machte sich die Person des Täufers und letzten großen Propheten vor Christus als Vorbild zu eigen. Ihr ursprünglicher Name lautete daher: `Orden des hl. Johannes vom Spital zu Jerusalem´, oder kurz, `Johanniter´. Deshalb tragen Kirchen und Kapellen der Malteser in aller Welt auch den Namen des hl. Johannes des Täufers und er wird dort auch durch Bildnisse und Statuen in besonderer Weise verehrt.

ordensbotschaft-in-pragOrdensbotschaft  der Malteser in Prag

Gerade für den Ritterorden der Malteser spiegelt die Person des Johannes die erstrebenswerten Kardinaltugenden wieder. Dies waren die Tugend des Maßhaltens in einer asketischen Lebensführung (Mk 1,6;). Die Tugend der Klugheit, die sich in den Predigten des Johannes offenbarte (Lk 3,2ff). Die Tugend der Gerechtigkeit, die sich in dessen Forderung an Zöllner, Soldaten und im Eintreten für die eheliche Treue gegenüber Herodes offenbarte und vor allem die Tugend der Tapferkeit, die Johannes während seines Martyriums zeigte ( Mt 14,3-12). Als `größter unter den von einer Frau Geborenen´ (Mt 11,11ff) war Johannes neben Maria in besonderer Weise Schutzpatron für die Malteser und die ihnen Anvertrauten.

maria-und-johannes-der-taeuferMaria mit Kind, Johannes dem Täufer und der heiligen Katharina, Palma Il Vecchio

In den biblischen Erzählungen sind beide Biographien eng miteinander verknüpft, denn Johnannes war der Sohn von Marias Cousine Elisabeth. So folgten auch die Malteser der Frömmigkeit des 12. Jahrhunderts und wählten Maria als ihre Schutzpatronin. Bereits in der ältesten Ordensregel wird sie neben dem hl. Johannes dem Täufer als Patronin genannt. Sichtbarer Ausdruck dieser Verehrung ist die Ikone der `Muttergottes von Philermos. zurück. Sie stammt aus der Zeit als der Orden die Insel Rhodos in seinen Besitz brachte und begleitete die Malteser in zahlreichen Kopien auf ihren weiteren Wegen. Der Bedeutung der Schutzpatrone angemessen bestimmten sie auch die Planung La Vallettas. Doch die Ausrichtung des Straßenrasters folgte der Ausdehnung der Landzunge und liegt damit außerhalb des Pendelbogens der Sonne. Aber an zwei Tagen im Jahr markierten einst Gestirne die Tage der beiden Schutzpatrone. In nordöstlicher Richtung war dies Deneb mit der Letztsicht am 1. Januar, dem Fest der `Namensgebung des Herrn´ und gleichzeitig dem ersten Marienfest des Jahres. Dabei weist die Symbolik des Schwans nicht nur auf die Reinheit Marias, sondern eben auch auf das seit dem frühen Mittelalter beliebte Bild des unerschütterlichen Mutes, der dem Tier zugesprochen wurde und als Vorbild für die Ritter diente.

la-valetta-planLa Valletta, die Ausrichtung

Auf der Gegenseite war dies am Tag von Johannes dem Täufer der Stern Arktur mit der Erstsicht am Abend des 24. Juni, dem Gedenktag des Täufers. Dessen arabischer Name lautet `ḥāris as-samā´ ‚ Wächter des Himmels. Einer Legende zufolge wurde das Sternbild Bärenhüter auch als ein Pflugwagen gesehen der von Ochsen gezogen wird und war damit auch ein Sinnbild er Fruchtbarkeit. Die bekanntere Legende sieht ihn als Antreiber und Hüter der Bären, mit denen er sich stetig um den Pol bewegt. Dies weckt die Assoziation des Hirten und Herdenführers, als den das Sternbild bereits in der Früh- geschichte betrachtet wurde. Neben dieser symbolischen Bedeutung darf aber auch die astrologische Wirkung der Sternbilder nicht außer Acht gelassen werden. So erklärte Ptolemäus im Fall Arktur dessen Wirkung wie die des Jupiter und Saturn.

ankunft-lohengrinsDie Ankunft des Schwanenritters Lohengrin in Worms, August von Heckel, Neuschwanstein, Wohnzimmer des Königs, 1882/83

So begann das Jahr beginnt mit der Erinnerung an die Schutzpatronin und am Tag des Johannes wies die Symbolik des Schwanes an eine der Kardinaltugenden der Ritter des Mittelaltersordens. Doch Arktur verkörperte wohl noch mehr, denn er war eben auch ein Sinnbild des guten Hirten und Herdenführers.

Bilder: Wikipedia/ Valletta mit St. Elmo an der Spitze, unbekannter Künstler um 1800, scan by Sir Gawain – Damals. Jg. 29, Nr. 3, 1997, S. 76. / Ordensbotschaft in Prag, Hynek Moravec / Maria mit dem Kind, Johannes dem Täufer und der heiligen Katharina, Palma Il Vecchio, Jacopo (1480-1528)|, Um 1514/15 Gemäldegalerie Alte Meister / Die Ankunft des Schwanenritters Lohengrin in Worms, August von Heckel, Neuschwanstein, Wohnzimmer des Königs, 1882/83 / Simulation, Sunearthtools, Stellarium

Marienberg – die Stadt Heinrichs des Frommen

marienberg_zschopauer_strasse_und_st-_marienBlick entlang der Zschopauer Straße auf die Stadtkirche St. Marien

wappen-marienbergWappen Marienbergs

Um die Orientierung des Bergbauortes Marienberg in Sachsen verstehen zu können, ist es wichtig einen Blick auf die Frömmigkeit des Mittelalters zu werfen. Im Jahr 1506 löste Heinrich der Fromme und letzte Ritter, wie er genannt wurde, ein Gelübde ein. Im Alter von 33 Jahren brach er von Freiberg zur Wallfahrt nach Santiago des Compostela auf, dem Heiligtum des Jakobus.

herzog_heinrich_denkmalDenkmal von Herzog Heinrich

Diese Reise entsprach ganz und gar der damaligen Praxis, den in der Vorstellungswelt der Gläubigen trug eine Wallfahrt zur Sicherung des eigenen Seelenheils bei. Nebenbei war der Besuch Santiagos auch eine Huldigung an jenen Schutzpatron, der wie kein zweiter den Beistand des inzwischen fast 700 Jahre dauernden Kampfes gegen den Islam gewährte. Ein Grund für die Angst um das Seelenheil war der Glaube eines Aufenthaltes der Seele nach dem Tod in einer Art Zwischenwelt, dem Purgatorium. Mit guten Werken und unter der Vermittlung der Kirche konnte in den damaligen Vorstellungen dieser Aufenthalt verkürzt, oder die Qualen auch gemildert werden. Diese Gedanken entsprangen waren aber schon Teil einer germanischen Vorstellungswelt, in der die Gabe erst die Gegengabe ermöglichte. Erst durch das fürbittende Gebet wurde die Gegengabe, also die Erlösung im Purgatorium ermöglicht. Über den Umfang der Minderung von Sündentaten beim Gläubigen, oder auch dem Verstorbenen gab es genaue Vorschriften. So konnten durch Ablässe gegen Geld, oder mit Hilfe von Wallfahrten die aufgelaufenen Sünden spürbar gemindert werden. Auch der Besitz von Reliquien konnte diesem Zweck dienlich sein. Einer der Wallfahrtsorte, der für die Jakobslegende ebenso von zentraler Bedeutung ist, ist  die Stadt Zaragoza durch die der Pilgerweg `camino levante´ führt. Hier wird am 12. Oktober das Fest `Unsere Liebe Frau von El Pilar´gefeiert.

maria-pilar-saragozza1Maria Pilar Saragozza

Der Legende zufolge kam die Jungfrau Maria noch zu ihren Lebzeiten an diesen Ort. Sie wurde dabei von Engeln getragen und sollte dem in Spanien missionierenden Jakobus Trost spenden. Bei diesem Ereignis soll sie dem Apostel auch auf einer Säule erschienen sein und ihm dabei aufgetragen haben eine Kapelle zu bauen. Als sie verschwand, blieb die Säule zurück auf der heute eine Staute der Maria steht. Die Legende geht wohl auf eine Epoche zurück, die noch vor er eigentlichen Reconquista lag, denn die heutige Kirche entstand erst im 11. Jahrhundert. Jedenfalls schrieb der damalige Bischof am 18. Dez- ember 1118, unter Berufung auf die Bulle des Papstes an alle Gläubigen, dass sie für die Kirche `Beatae et gloriosae Mariae in urbe Caesaraugustana´ spenden sollten. Später wurden die spanischen Habsburger zu den größten Förderern des Marienheiligtums in Zaragoza. Die symbolische Bedeutung des Festes Pilar lässt sich auch an dem Datum ermessen, dass das Mittelalter endgültig von der Neuzeit trennte, denn die Entdeckung Amerikas wurde genau auf diesen Tag terminiert. So schreibt Kolumbus in seinen Aufzeichnung von jenem Morgen im Jahr 1492, als der Matrose Rodrigo de Triana vom Bug der Pinta Land sichtete: `Eine Kanone wurde abgefeuert, damit alle die frohe Bot- schaft sofort mitbekamen.

marienberg-plan-sterneMarienberg, Auurichtung

Knapp 30 Jahre später, im Jahre 1519, begann der Aufschwung des Ortes Marienberg. Als am 17. Juli deselben Jahres Clemens Scheffel das erste Silber im Tal des Schletten-baches entdeckte, siedelten sich kurz darauf die ersten Bergleute an. Weitere Erkund- ungen des Gebirges erfolgten daraufhin in der gesamten Umgebung. Da der Zustrom von Bergleuten weiter anhielt, veranlasste dies Herzog Heinrich 1521 zur Gründung der Berg- stadt Marienberg, deren Grundriss von Ulrich Rülein aus Calw ausgearbeitet wurde. Rülein war ein anerkannter Montanwissenschaftler, Mathematiker, Städtebauer und Astrologe. Nachdem er 1496 die Anlage vion Annaberg entworfen hatte, war Marienberg war sein zweiter kompletter Stadtentwurf. Auch hier hinterließ die Vorgeschichte des Gründers ihre Spuren. So weisen die Straßen Marienbergs auf den Horizont im Nordosten der außerhalb des Sonnenaufgangsbogens liegt, doch die entgegengesetzte Richtung bietet nun eine Brücke zum Namen der Stadt. Sie zielt auf die Letztsicht des Sternes Sirius am 12. Oktober, eben jenem Marienfest Pilar. Sirius wurde in biblischen Texten ebenso wie der Polarstern, gerne mit Stella Maris, dem Meerstern und Symbol Marias identifiziert. Trotzdem spielte in Rüleins Konzept auch der Sonnenaufgang eine wichtige Rolle, denn senkrecht zur Peillinie auf den Stern Sirius erfolgt der Sonnenaufgang am Weihnachtsfest, dem 25. Dezember.

columbusLandung des Kolumbus auf Guanahani,
Kupferstich von Theodore de Bry (1594)

Wenige Jahre nach den ersten Baumaßnahmen wechselte der Fürst, auch unter dem Einfluss seiner Frau, die Konfession. Die Reformation hielt Einzug im Lande. Fast scheint es, als hätte der Universalgelehrte Rülein dies bei seinem Entwurf bereits geahnt, denn am Reformationstag markierte einst die Erstsicht des Sternes Capella den Nordostpunkt am Horizont. Bildlich betrachtet war ja nun die neue Religion die nährende Ziege des Landes. Somit vereint der Stadtgrundriss Marienbergs wohl am besten die alte und die neue Epoche Glaubens. Ebenso verweist er mit  dem 12. Oktober auf ein wichtiges Datum der Weltgeschichte: Den Beginn der Neuzeit.

Bilder: Wikipedia/ Blick entlang der Zschopauer Straße auf die Stadtkirche St. Marien, Harke/ Herzog Heinrich Denkmal Marktplatz Marienberg , 1971markus@wikipedia.de / Maria Pilar Saragozza, Ökumenisches Heiligenlexikon / Landung des Kolumbus auf Guanahani“, Kupferstich von Theodore de Bry (1594) / Simulation Stellarium, sunearthtools

Palmanova – die Stadt der Palme

palmanova1600Palmanova als Idealstadt in Sternform nach Georg Braun und Frans Hogenberg

In einer Epoche in der Astronomie und Astrologie sich großer Wertschätzung erfreuten, wurde die Stadt Palmanova in der Provinz Udine.gegründet. Ihr Hauptzweck war eine nach neuesten Gesichtspunkten geplante Festung, die venezianischen Interessen dienen sollte.  Als Gründungsdatum der Stadt gilt der 7. Oktober 1593, 22 Jahre nach dem Sieg bei der Seeschlacht von Lepanto. Für die christlichen Mittelmeermächte war dies der erste strategische Sieg gegen die Expansionsbestrebungen des osmanischen Reiches. Nach der Besetzung Zyperns schien der Verlust des östlichen Mittelmeeres zu drohen und damit auch der Verlust der wichtigen Handelsverbindungen. Papst Pius V. Hatte daraufhin das Heer der Heiligen Liga organisiert, das unter dem Oberkommando Don Juan de Austria kämpfte und die Vormachtstellung der osmanischen Flotte beseitigen sollte.

schlacht-von-lepanto_1571Die Schlacht von Lepanto 1571.

Diesem Sieg von Lepanto ist auch der wichtige Marienfeiertag am 7. Oktober zu verdank-en, das Rosenkranzfest. Es wurde bereits ab 1547 in Spanien gefeiert, denn auch während der Reconquista hatte Maria die gleiche Funktion der Schlachtenhelferin, wie bei den Kämpfen im östlichen Mittelmeerraum. Nach dem Sieg, dem man im Nachhin- ein dem Rosenkranzgebet zuschrieb, feierte die Kirche den Tag als `Maria vom Siege´. Erst 1960, wohl auch als Geste der Aussöhnung, wurde der Tag in den heutigen Namen geändert. Als Erinnerung an diesen geschichtlichen Hintergrund trägt die Stadt auch heute noch die Palme in ihrem Wappen.

palmanova-wappenDie Palme Palmanovas

Zur Zeit als die Stadt unter dem Zeichen der Palme entstand, blickte dieses Symbol be- reits auf eine jahrtausende lange kulturelle Entwicklung zurück. Sie begann bei den Sumerern, wo sie das Zeichen des jährlich zu Neujahr begangenen Hochzeitsfestes der Götter Ea und Nirhusag darstellte und somit das weibliche und männliches Prinzip vereinte. Auch in der ägyptischen Kunst taucht die Palme als Symbol auf. Hier ist der Palmzweig ein Attribut der Göttin Renpet, der Göttin der Ewigkeit und der Jugend. In Bildern wurde sie deshalb meist als Frau mit einem Palmzweig über dem Kopf dargestellt. Die in Ägypten entwickelte Palmette hielt auch Einzug in die griechische Kunst. Hier erhielt sie die symbolische Bedeutung die dann auch das Christentum verwendete, das Zeichen des Sieges.

nikeNike, Siegesgöttin

So wurde die griechische Siegesgöttin Nike und später auch die ihr entsprechende röm- ische Siegesgöttin Victoria, meist als jugendliche Frauen mit Flügeln dargestellt. Sie trugen die Attribute Siegeskranz und Palmzweig, manchmal auch mit Trophäen. Die Palme war aber ebenso dem Heil- und Lichtgott Apollon geweiht. Dabei ist die Dattel-palme, griechisch `phoenix´ sprachlich verwandt mit dem Vogel Phoenix, der wie sie, ebenso ein Symbol der Auferstehung ist. Damit wurde die Palme zum Sinnbild des Sieges, wie auch des Sieges über den Tod. Diese Bedeutung machte sie schließlich zum Symbol des ewigen Lebens und deshalb wird der Palmzweig häufig einzeln, oder aber mit zwei gekreuzten Wedeln bei Todesanzeigen oder Trauerschleifen verwendet. Im Christen- tum wurde der Palmzweig zum Attribut von Engeln, Heiligen, aber auch der Maria, als ein Zeichen ihres Sieges über die Welt und deren Versuchungen. Zum entscheidenden Sieg hatte sie bei Lepanto verholfen und dies sollte sich auch in der Konzeption des Stadt-grundrisses niederschlagen.

palmanova-ausrichtungPalmanova, Ausrichtung

Ähnlich wie die Stadtgründungen der Römer oder die von griechischen Kolonisten in Kleinasien, wurde auch Palmanova als Planstadt angelegt. Ihre Geometrie folgte aber keinem Schachbrettmuster das bei Planstädten häufig anzutreffen ist, sondern sie wurde durch die konzentrische Figur des 9-Eckes bestimmt. Einst besaß diese Figur noch einen Kranz von vorspringen Bastionen, die eine ideale Verteidigung erlaubten. Der Gedanke entsprang den Vorstellungen der Idealstadt die Thomas Morus 1516 in seinem Buch Utopia beschrieb. Darin schildert er eine ideale Gesellschaft, die in einem sozialen Aus- gleich lebt. Angelehnt an Platons Beschreibungen von Atlantis, besaß auch der Stadtstaat Utopia eine konzentrische Form, die ebenfalls strahlenförmig gegliedert war und einem zentralen Platz besaß. Eine vergleichbare Gliederung findet sich auch in Palmanova, wo am zentralen Platz der nach Norden weisende Dogendom steht. Er ist dem heiligen Markus, dem Stadtpatron Venedigs, und der örtlichen Patronin Justina geweiht. Die Aus- richtung des Bauwerkes ist ungewöhnlich, denn in der Regel werden Kirchen, wenn auch mit einer gewissen Abweichung, nach Osten ausgerichtet. Doch hier steht Dom an einer Straßenachse, die um 3° von der Nordrichtung abweicht. Nur durch diese Abweichung zielte sie einst auf die Letztsicht von Stella Polaris am Marienfeiertag Maria Lichtmess. Seit dem frühen Mittelalter galt der Stern auch als Stella Maris, dem Symbol Marias. Er wurde nicht nur Navigation in der Hochseeschifffahrt benutzt, sondern diente auch als ein vielschichtiges Symbol zur Orientierung im Glauben.

apostel-markusApostel Markus

Mit dem Tag Lichtmess, dem Beginn des Bauernjahres wurde so auch ein symbolischer Bezug für den Neubeginn der Stadt gefunden. Zusätzlich finden sich in der Ausrichtung der zentralen Verkehrsachse zwei wichtige, mit der Geschichte Venedigs verbundene Heilsgestalten. So bestimmt der Sonnenaufgang am 15. Mai, dem Tag der heiligen Sophia die östliche Richtung. Auch ihr Attribut ist der Palmzweig. Diese Richtung korrespondiert damit mit dem Sonnenuntergang 31. Januar, dem Tag der Übertragung der Gebeine des Markus nach Venedig. Somit ist der Plan Palmanovas nicht nur ein Beispiel für den Gedanke der Idealstadt, sondern ebenso ein Symbol für die Vorstellungswelt christlicher Heils- und Schutzvorstellungen im ausgehenden 16. Jahrhundert.

Bilder: Wikipedia/ Palmanova als Idealstadt in Sternform nach Georg Braun und Frans Hogenberg / Die Schlacht von Lepanto 1571. / Wappen / Simulation: stellarium und sunearthtools