Mailand, von der Getreidegöttin zur Madonna im Ährenkleid

 

Außenansicht des Doms von Südwesten (2016) Foto  © Steffen Schmitz

Das wohl größte Ereignis im Mailänder Dom Santa Maria Nascente ist die Prozession der Nivola. Sie findet alljährlich zwischen dem 10. und 15. September, also in der Zeit des Festes der Kreuzerhöhung am 14. September. Bei diesem Ereignis wird der Erzbischof Mailands mit der Nivola, einem Aufzug in Wolkenform, zur Kassette über dem Hauptaltar hinauf gezogen, wo der Heilige Nagel und ein Splitter des Kreuzes auf- bewahrt werden. Ihre Entdeckung erklärt die Legende der Kaisermutter Helena, die das Heillige Kreuz während ihrer Reise nach Jerusalem entdeckt hatte. Ein Lichtwunder soll sie zu der Stelle geführt haben, was auch der Bischof von Jerusalem, Judas Cyriacus bestätigt haben soll. Cyriacus, der ein Verwandter des Urdiakons und ersten christlichen Märtyrers Stephanus gewesen sein soll, ist jedoch historisch nicht nachweisbar. Zu- sammen mit einem Teil des Kreuzes sandte Helena die gefundenen Nägel an ihren Sohn, Konstantin den Großen. Der ließ einen von ihnen in seine Eiserne Krone einarbeiten und die übrigen in die Zügel seines Zaumzeugs. In der Zeit nach Konstantin gelangten die Nägel dann durch Schenkungen in die Hände anderer Besitzer und dabei vermehrte sich aber ihre Anzahl auf wundersame Weise. Heute erheben 29 bis 34 Stätten Anspruch auf den Besitz dieser Heiligen Nägel.

Chor des Mailänder Doms mit dem Tabernakel im Gewölbe, Foto Paolo da Reggio

Der Baubeginn von Santa Maria Nascente erfolgte im Jahr 1386 auf die Initiative des Bischofs Antonio Saluzzo, sowie durch den Stadtherrn Gian Galeazzo Visconti, den späteren ersten Herzog von Mailand. 2 Jahre später wurden dann die Grundsteine der dreischiffigen Basilika gelegt, die Maria Geburt geweiht wurde. Wie bereits die Vorge-schichte der keltischen und später der römischen Ansiedlung zeigte hat Mailand eine besondere Beziehung zu einer Schutzgöttin der Fruchtbarkeit. Zu Jungfrau Maria hatte die Stadt eine besondere Beziehung, denn bereits in der Spätantike machte sich hier einer der vier Kirchenväter, Ambrosius von Mailand, Gedanken über den Segen der Jungfrau in seiner Schrift: Institution der Jungfrau und die immerwährende Jungfräu-lichkeit der hl. Maria. Auch die Herrscherfamilie, die Viscontis, zeigten durch ihr Wappenmotiv, eine Schlange die ein Kind ausspuckt, die Verbindung des Geschlechtes zu den alten chonthischen Symbolen einer Erd- und Fruchtbarkeitsgöttin.

Maria im Ährenkleid, Tafelbild von Hinrik Funhof, um 1480

Noch während der Errichtung des Domes stiftenden Mailänder Kaufleute eine silberne Madonna, der bald eine wundertätige Kraft nachgesagt wurde. Die Statue verschwand und wurde später durch ein Bild ersetzt, das die Jungfrau in einem mit goldenen Ähren besetzten Kleid zeigte.. Dieses Gnadenbild genoss auch bei der Herzogsfamilie, den Viscontis große Verehrung und wurde in der Folgezeit als Darstellung der Maria mit dem Kinde zu einem sehr beliebten Motiv in der Kunst. Über den Ursprung dieser Bild- symbolik gibt es mehrere Deutungen. Eine von ihnen zielt auf einen Ausspruch des Kirchenlehrers Albertus Magnus, der Maria als `Feld, auf dem das Korn des Heiles wächst´ be- zeichnete. Aus diesem Gedanken entwickelte sich dann die Interpretation des unbe- bauten Ackerbodens Gottes, der die Frucht aller Früchte hervorbrachte. Doch ein Aspekt in der Biografie Marias bringt sie wieder mit der römischen Göttin Ceres, oder der griechischen Demeter in Verbindung. Der Ort in dem die Frucht aller Früchte geboren wurde: Bethlehem. In der hebräischen Sprache bedeutet der der Ortsname nach einer Auslegung, ` das Haus des Brotes´. Wie die Symbolik der Demeter-Ceres auf Maria übertragen wurde, so war dies auch bei den Frühlings-festen. Deren Symbolik lebte nun im Fest Maria Verkündigung weiter, das am 25. März gefeiert wird. Obwohl der Dom im Jahr 1572 Maria geweiht wurde, wurde seine Ausrichtung wohl doch von der größten Reliquie der Stadt bestimmt, dem Heiligen Nagel und einem Splitter des Kreuzes. Bedingt durch die Zeitverschiebung im Julianischen Kalender entsprach der Sonnenaufgang am 14 September, dem Fest Kreuzerhöhung, dem heutigen Datum des 22. September. Damit folgt geite die Bauachse mit enem halben Grad Abweichung fast genau der Tagundnacht-gleiche.

Heiliger Nagel mit Reliquienbehälter (Domschatz, Trierer Dom), Foto Altera levatur

Ausrichtung des Domes.

Bilder: Wikipedia / Außenansicht des Doms von Südwesten (2016) Foto  © Steffen Schmitz (Carschten) / Wikimedia Commons , CC BY-SA 4.0 / Chor des Mailänder Doms, Foto Paolo da Reggio / Maria im Ährenkleid, Tafelbild von Hinrik Funhof, um 1480, Kunsthalle Hamburg Hinrik Funhof – The Yorck Project (2002), Heiliger Nagel mit Reliquienbehälter (Domschatz, Trierer Dom), Foto Altera levatur – Eigenes Werk / Simulation, sunearthtools, Heinrichs Kalenderumrechner

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Die Göttin von Montserrat.

Mare de Déu de Montserrat, Foto José Luiz Bernardes Ribeiro 

Durch der wundersame Fund einer geschnitzten Madonnenfigur Im Jahr 880 wurde das Bergmasiv bei Barcelona zu einem Zentrum von Gläubigen. In diesem Jahr fanden zwei Schafhirten nach einer geheimnisvollen Lichterscheinung in der Cova del Montserrat die Statue. Als die jedoch in einer feierlichen Prozession ins Tal getragen werden sollte, wurde sie immer schwerer, so dass sich der örtliche Bischof entschloss, ihr zu Ehren am Fundort eine Kapelle zu erbauen. Im Jahr 888 fand sie auch erstmalig eine Erwähnung in einer Urkunde. Eine Legende berichtet über die Madonna, dass sie der Evangelist Lukas noch höchst persönlich geschnitzt habe. Doch diese, heute in der Basilika ausgestellte Figur `Mare de Déu de Montserrat´, Mutter Gottes von Montserrat, stammt aus dem 12. Jhd., der Zeit also, in der das Kloster gegründet wurde. Wegen ihrer schwarzen Oberfläche wird sie auch `La Moreneta´, die kleine Braune genannt.

Das Kloster in der umgebenden Landschaft, Foto Misburg3014

Die Entdeckung der Figur ereignete sich in einer Epoche, die von wachsenden Kämpfen in Spanien geprägt war und der Ausgang von Schlachten oft durch wund- ersame Ereignisse bestimmt wurde. Begonnen hatte die Rückeroberung Spaniens mit der Schlacht von Covadongo, die in der Nähe des gleichnamigen Mariengheiligtums erfolgte. Während der Schlacht gegen die Sarazenen soll sich durch die Macht dieses Heiligtums das Schlachtenglück zugunsten der Spanier gewendet haben. Doch nicht nur die Jungfrau Maria sorgte während der Reconquista für das Schlachtenglück, auch Jakobus soll durch seine wundersame Erscheinung zum Sieg der Spanier während der Schlacht von Clavigo im Jahr 844 verholfen haben. In der gleichen Zeit sahen die Katalanen ihr Vorbild in der Gestalt des Heiligen Georg. Als unerschrockener Märtyrer und Kämpfer für den Glauben soll Georg, der in Katalonien Jordi genannt wird, einer Sage zufolge den Königen bei der Eroberung Mallorcas geholfen haben. Zahlreiche Kirchen und Kapellen wurden ihm geweiht und unter seinem Zeichen auch ein Ritter- orden gegründet. Deshalb beschloss das katalonische Parlament im Jahr 1456, den Jorditag als offiziellen Festtag einzuführen. Beide Heilsgestalten scheinen auch in der 1580 errichteten Klosterkirche von Montserrat miteinander verbunden zu sein. Ihre Bauachse ist auf den Sonnenaufgang über dem Sant Llorenç del Munt gerichtet, einem ähnlich zerklüfteten, im 4. Jtds. v. Chr. ebenfalls besiedelten Bergmassiv. Auch hier war einst ein heiliger Ort, an dem noch die Ruinen einer im 11. Jhd. errichteten, dem St. Laurentius geweihten  Benediktiner Abtei zu sehen sind. 

Ausrichtung der Basilika von Montserrat

So entsprach die Baulinie in der Zeit der Errichtung der Basilika noch genau der Winkel- halbierenden zwischen den Sonnenaufgangspunkten am Jorditag und an Maria Himmel-fahrt. Durch den 2 Jahre später eingeführten Gregorianischen Kalender hat sich die Situation geändert: Heute zielt die Bauachse genau auf den Sonnenaufgang am 27. April, dem Feiertag der Madonna von Montserrat. Dieser Aspekt lässt aber noch einen anderen Schluss zu: Die geplante Zeitkorrektur des wenige Jahre nach Baubeginn ein- gegeführten Gregorianischen Kalenders war den Erbauern der Kirche bereits bekannt. Als Schlachtenlenkerin während der Reconquista trug die Madonna ebenso zum Erfolg bei, wie bei den Eroberungen der Spanier auf dem amerikanischen Kontinent. Doch dauerte es bis zum Jahr 1881, ehe Papst Leo XIII., am 11, September Maria neben Sant Jordi zum Schutzpatronen Katalaniens erklärte. Die aus Pappelholz geschnitzte Figur der Madonna von Montserrat ist ca. 95 cm groß und bis auf das schwarze Gesicht und Hände vollständig in Gold gefasst. In ihrer formalen Erscheinung gleicht sie dem byzant-inischen Madonnentyp der Nikopoia, der thronenden Madonna. Sie wird durch eine Frauenfigur verkörpert, die in königlicher Haltung auf einem Thron sitzenden und einen meist stehenden Jesusknaben mit einer Siegesgeste hält.

Die Schwarze Madonna von Montserrat, F. Dep.de Premsa, Comunicació de Montserrat

In dem Datum des 27. April lässt sich trotz des wundersamen Ereignisses der Erschein- ung aber auch das Weiterführen älterer Feste erkennen, denn bereits in römischer Zeit wurde am 28. April ein sehr beliebtes Fest gefeiert. An diesem Tag wurde mit dem Fest Floralia die altitalische Vegetationsgöttin Flora gefeiert, der bereits vom sabinischen König Titus Tatius einer der ersten Kulttempel auf dem Quirinal in Rom errichtet wurde. Trotz der Beliebtheit stand Ihr Kult immer aber im Schatten der viel bedeutenderen Ge- treidegöttin Ceres und war nur während der unsteten Witterung am Ende des April von Bedeutung. Mit dem wundersamen Fund der Madonnenfigur wurde auf dem Montserrat wohl auch die Tradition einer Kultstätte von Muttergottjheiten weitergeführt, die weit in die Geschichte zurückreicht. Ein Bindeglied zu dieser Tradition stellt hier ein römischer Tempel her, in dem einst die Göttin Venus verehrt wurde. Archäologische Fund auf früherer Zeit zeigen aber, dass die zahlreichen hier vorhandenen Höhlen auf dem Montserrat bereits im 4. Jahrtausend v. Chr. besiedelt waren. Dessen zerklüfteten Fels- en, die wie von Zyklopen aufgeschichtet erscheinen, weckten seit jeher die Fantasie der Menschen. So tragen einige unter ihnen Namen wie das Kamel, der Elefantenrüssel, oder der verzauberte Riese. Das Kamel des Sant Jordi, des heiligen Hieronymus, einem der vier Kirchenväter, hat die Gestalt eines Kamelhöckers und ist von drei, in einer schnurgeraden Linie aufgereihten Felsgipfeln oberhalb des Klosters gut zu sehen.

Der hl. Hieronymus in seiner Studierstube, Werkstatt Pieter Coecke van Aelst (um 1530)

Dieser Höcker erinnert an eine Episode aus der Legende des Heiligen als er in seinem Kloster in Bethlehem lebte. Dort hatte er einmal einem hinkenden Löwen von einem Dorn befreit. Der nun friedliche Löwe stürzte sich aber eines Tages auf eine Karawane von Kaufleuten, die mit Kamelen und Eseln nach Bethlehem zogen und vertrieb sie. Anschließend brachte er die Kamele und Esel ins Kloster. In der Antike waren beide Tiere auch Attribute von Fruchtbarkeitsgöttinnen. Das Kamel war das Reittier der im nordarabischen Raum sehr beliebten Göttin Al-Lāt, die bereits im 5.Jhd. v. Chr, von Herodot beschrieben wurde. Der Esel jedoch war ein Attribut der im gallischen Raum verbreiteten, späteren Pferdegöttin Epona.

al-Lāt reitet auf einem Kamel. Relief aus Ta’if in Saudi-Arabien, um 100 n. Chr.

Beide wiesen auch ähnliche Aspekte auf, wie die orientalische Muttergöttin Magna Mater. Hatten sich diese Bilder hier vermischt, so bekam das Kamel des Saint Jordi in der Zeit Herodots einen ganz anderen Sinn. Stand man am 4. April am nördöstlichen der drei Gipfel, so sah man am Morgen die Sonne über dem Kamelrücken aufgehen und in der Fluchtrichtung der Felsgipfel am Abend zum ersten Mal den Stern Sirius auf- leuchten. Später begannen bei den Römern an diesem Tag dann die Kultfeiern die der Magna Mater gewidmet waren. Nach dem heiligen Hieronymus, dem Verfasser der ersten maßgeblichen Bibelübersetzung, ist auch der höchste Berggipfel des Montserrat benannt. Er stellt damit ein sichtbares Zeichen dar, dass die Heilssuche auf dem Berg mit Maria ein neues Bild erhielt, denn über sie schrieb er ja einst, dass in ihr alle Gnade vereinigt sei.

Sant Jeroni, Magna Mater und die Sonnenwende

Bilder: Wikipedia, Mare de Déu de Montserrat, Foto José Luiz Bernardes Ribeiro / CC BY-SA 3.0 / Das Kloster in der umgebenden Landschaft, Foto Misburg3014 / Die Schwarze Madonna von Montserrat, Foto Departament de Premsa i Comunicació de Montserrat – Departament de Premsa i Comunicació de / Der hl. Hieronymus in seiner Studierstube, Werkstatt Pieter Coecke van Aelst (um 1530) Pieter Coecke van Aelst und Werkstatt – Walters Art Museum: / al-Lāt reitet auf einem Kamel. Relief aus Ta’if in Saudi-Arabien, um 100 n. Chr.

 

Der Code des Meisters von Meßkirch

`Alles ist Zahl ´, (Pythagoras) – Herme des Pythagoras (um 120 n. Chr.); Kapitolinische Museen in Rom. Galilea

Die Ordnung der Welt erfolgt durch Zahlen. Diese Erkenntnis der pythagoreischen Schule half Künstlern, wie dem Meister von Meßkirch, ihre Bildräume ebenso zu gliedern. Diese e Proportionen waren Teil eines Weltbildes das eine feste Ordnung kannte. Zu dieser Zeit hatten Zahlen noch eine ureigene Bedeutung und waren fester Bestandteil einer Symbol-sprache, die heute zum großen Teil verloren gegangen ist. Auch in biblischen Texten bestimmt diese Zahlensymbolik die zeitliche Abfolge von Handlungen und deren Be- deutung. Damit bildet sie eine Art architektonisches Gerüst der Texte. Zwei wichtige Zahlen, die auch eine besondere mathematische Eigenschaft besitzen, bestimmten die Einteilung des Altarbildes. In der Senkrechten wird das Geschehen durch 18 Teile und in der Waagrechten durch 10 Teile.

Meister von Meßkirch, Dreikönigsbild

Die Zahl 18 ist ein Produkt Zahlen 3 und 6, wobei die 6 die erste vollkommen Zahl ist, da ihre Faktoren 1,2,3 gleich ihren Summanden ist. Zugleich ist die 18 die einzige Zahl die das doppelte ihrer Quersumme darstellt. Die 18 setzt sich aus den beiden Zahlen 1 und 8 zusam- men, wobei die 1 für Gott selbst und die 8 für die Auferstehung und den Neuanfang steht. Diese Beziehung lässt sich schon auf Grund der Zeiteinteilung einer 7-Tagewoche nach- vollziehen, in der am 8. Tag ein neuer Zeitabschnitt beginnt. Die 8 entsteht auch durch die Multiplikation 2x2x2 und verkörpert so die erste echte räumliche Zahl. Ihrer vielschichtigen Bedeutung angemessen, steht sie auch für das Leben von Jesus. Über ihn wird von den 18 verborgenen Jahren berichtet, die er von 12 bis zu seinem Auftreten mit 30 erlebte. Er starb dann mit 33 Jahren, stellvertretend für die Menschen deren Sinnbild die Zahl 6 darstellt. Diese 6 geteilt durch die 33, ergibt dann die unendliche Zahlenfolge 0,181818. Wohl deshalb hat auch das hebräische Wort Chaj, das Leben, den Zahlenwert 18. Ge- spiegelt ergibt die 18 die Zahl 81 und diese Zahl verweist direkt auf das, was das Leben auf der Erde erst ermöglichte, die Elemente. So gibt es genau 81 stabile Elemente, die die Grundbausteine für das irdische Leben bereitstellen. Erinnert hier die 18 an das Leben das dem Kind bevorsteht, steht sie doch auch für die Zeit seines Wirkens und den Tod.

Der zwölfjährige Jesus im Tempel, Melker Altar von Jörg Breu dem Älteren, Uoaei1

Aus dem gleichen Grundmodul wie die Höhenentwicklung des Bildes ist auch die waag- rechte Einteilung des Bildes entwickelt worden. Sie besteht aus 10 Einheiten und damit steht für die Vollkommenheit, die die 10 symbolisiert. Auf mehrfache weise stellt sie dies unter Beweis. So stellt die 10 die Summe der Zahlen 1.2,3 und 4 dar und damit sind in ihr alle wichtigen Symbolzahlen Gottes, der Trinität und dem Sinnbild der Erde enthalten. Mit 10 Ziffern spiegelt sie die zehn Finger des Menschen, die zum dezimalen Zählsystem führten. Diese Eigenschaft, eine Gesamtheit auszudrücken, zeigt sich im Alten Testament in der Zahl der 10 Gebote die Moses auf dem Berg Sinai empfing. Geometrisch lassen sich die 10 Zahlen mit der 4 als Basis auch zu einem gleichschenk-ligen Dreieck kombi-nieren und zeigen damit ebenso eine formale Abgeschlossenheit. In biblischen Texten steht die 10 für den Gedanken `Gott im menschlichen Leben´. Im Bild zeigt dies ein Quadrat mit der Seitenlänge von 10 Teilen, in dem sich die gesamte Handlung abspielt.

Moses mit der Gesetzestafel (10 Gebote), Rembrandt, 1659

Der Kopf des Kindes teilt die Breite des Bildes im Verhältnis 9 zu 10 und die Höhe Ver- hältnis 7 zu 11. Auch hier unterstreicht die Proportion die Darstellung, denn die Zahl 9 steht für die 3-fache 3, dem Symbol der erhöhten Trinität. Wie die Zahl 8 ein Symbol für die Wiederauferstehung ist, so ist auch die 11 ein Sinnbild für den Beginn einer neuen Qualität. Ihr fehlt nur noch die 1 um zur vollständigen 12 zu werden. Damit hat sie den Charakter des Unvollendeten, aber auch des Verrates. Der Blick des Kindes folgt einer Linie, die die Diagonale eines Rechteckes im Seitenverhältnis 9 zu 5 bildet. Diese Diago- nale verbindet den Vorder- mit dem Hintergrund in Gestalt eines Berges, der sich weit hinter den Relikten eines verfallenen Gebäudes befindet. Mit seinen zahlreichen Rund- bogen erinnert es an den längst vergangenen Glanz Roms, aus dem der neue Glaube entstand. Mit dieser raumgreifenden Diagonale verbindet der Meister von Meßkirch den Anfang mit der Geburt und das Ende des Kindes. Der Berg entspricht wohl einem ört- lichen Motiv, doch unschwer ist darin auch der Berg Tabor zu erkennen, wo die letzte Begegnung des Messias mit seinen Jüngern stattfand. Im hebräischen bedeutet tabbur auch Nabel der Welt und deshalb trägt der Berg auch den Namen Weltenberg.  Seine linke Bergflanke führt den Blick zum 12-strahligen Stern, der die obere Spitze eines Dreieecks bildet, der ideellen Form jenes Weltenberges, der in fast allen Mythologien auftaucht. Das führt zurück zum Urbild der Könige, dem Orion. Die Mayas sahen in ihm eine Schildkröte auf dessen Panzer die Erde durch das Urmeer trieb. Die Mulitpilkation 18 x 10 ergibt die Zahl 180. Dieses Maß der Gesamtfläche lässt sich durch die 12, der ersten Zahl im Leben Jesu , sowie durch die 30, der letzten Zahl teilen. So beginnt auch das erste Wort im Neuen Testament Matthäus 1.20) mit dem Totalwert 180, und bedeutet `(das) Gezeugte´ (Christus).

Meister von Meßkirch, Dreikönigsbild, Ausschnitt

Bilder: Wikipedia / Herme des Pythagoras (um 120 n. Chr.); Kapitolinische Museen, RomDer ursprünglich hochladende Benutzer war Galilea , CC BY-SA 3.0 / Der zwölfjährige Jesus im Tempel, Melker Altar von Jörg Breu dem Älteren, 1502, Jörg Breu der Ältere – User:Uoaei1, gemeinfrei / Moses mit der Gesetzestafel, Rembrandt, 1659 Rembrandt – kQHX7sr3-DlCHA at Google Cultural Institute, gemeinfrei/ Meister von meßkirch, Dreikönigsbild, Scanned from a book by Andreas Praefcke, Ausschnitt/

Mehr zur Zahlensymbolik der Bibel in: http://www.zeitundzahl.de

Rosslyn Chapel und der Green Man

Green Man – Dore Abbey

Der Mythos des Green Man führte seit dem 2. Jahrhundert zu einem häufig verwendeten Bildmotiv. Als erste verwendete es wohl römische Bildhauer bei Masken, die eine Misch- ung aus vegetativer Struktur und menschlichem Antlitz darstellten. Sie verwiesen damit auf die Verbindung zwischen der Natur und Gottheiten wie Dionysus , Silvanus, Pan oder Bacchus. Unter diesen Gottheiten ihnen entwickelte sich Dionysus im Laufe der Zeit zum beliebten Gott Bacchus, der für Ausgelassenheit, Freude, aber auch Tod und Wieder-geburt stand. Das frühe Christentum adaptierte die Symbolik der Dionysischen Mythos. Sie vermischte sich mit der keltischen Vorstellung vom Kopf als Sitz der Seele. Wohl aus diesem Grund tauchten erste Bilder des Green Man auch erstmals in irischen Hand- schriften auf, wie dem aufwendig gestalteten `Book oft Kelts`.Trotz der wachsenden Kirchenmacht während des Mittelalters, ist die Blütezeit der Green Man Darstellungen in der Zeit zwischen dem 11. und dem 15, Jahrhundert . In diesem Zeitraum entstanden in zahlreichen Kirchen und öffentlichen Gebäuden seine Bildnisse. Dabei waren sie stets eingebunden in florale Dekoration. Unter dem Einfluss muslimischer Handwerker, die im Laufe der ersten Kreuzzüge nach Europa kamen, wurden diese Motive zunehmend aufwendiger dargestellt. In vielen dieser Reliefs quellen Attribute der Natur aus dem Mund des Green Man. Sie sollten zeigen, dass was er sagt und denkt im Einklang mit den Ge- setzen der Natur steht. Deshalb ist auch die Maskendarstellung insgesamt in grüner Farbe gehalten. Neben dieser Reminiszenz an die paganen Kulte existieren aber auch groteske Varianten des Green Man mit erigierendem Glied, die den abschreckende Charakter ungezügelter Sexualität darstellen sollten. Die Neuübersetzung griechisch-römischer Mythen während der Renaissance machten dann das Motiv allgemein salonfähig. Die floralen Masken wurden wieder zu dem, was sie darstellten sollten: Bilder der alten Vege- tationsgötter.

Green Man,  Rosslyn Chapel

Einer der Kirchen, die in erster Linie durch Dan Browns `Da Vinci Code berühmt wurde, ist Rosslyn Chapel bei Edinburgh. in der dem Apostel Matthias und der Maria geweihten Kirche ist das Green Man Motiv fast 100 mal zu sehen ist. Doch die Kirche bereitet Forschern auf Grund ihrer zahlreichen symbolischen Zeichen seit Jahrhunderten Kopf- zerbrechen. Einer der Gründe sind auch die Reliefs von Maiskolben und Kakteen, die zum Entstehungszeitpunkt der Kirche, als dem Jahr 1456, in Europa noch gar nicht bekannt sein konnten. Die rätselhafte Symbolik von Rosslyn Chapel ist wohl auch Ursache mehrerer Gerüchte die berichten, dass in der Kirche ein wichtiges Relikt des Christen- tums verborgen wird. Die Rede ist von den vermissten Schriftrollen von Salomons Tempel oder gar der Kopfrelique von Johannes dem Täufer. Sie soll während der Kreuzzüge aus Jerusalem in die Kapelle gebracht worden sein. Die Kirche wurde von einem Mitglied der angesehenen Familie der Sinclairs erbaut, der auch Verbindungen zu dem 1312 auf- gelösten Orden der Templer nachgesagt werden. Vorbild für die überlängte Form des Grundrisses soll der Tempel des Herodes gewesen sein. Das Bauwerk ist auf vierzehn Säulen errichtet, wobei am östlichen Ende die vierzehnte Säule mit drei weiteren eine Arkade zwischen dem Kirchenschiff und der Lady Chapel bilden.

Rosslyn Chapel

Die drei Säulen im Chor des Kirchenschiffes sind jedoch besondere Säulen und tragen auch alle einen Namen: Master Pillar, Journeyman Pillar und der Apprentice Pillar. Unter den Säulen ist jedoch der Apprentice Pillar am bekanntesten. Diese Säule, auch Prentice Pillar genannt, erhielt ihren Namen aufgrund einer Legende. Sie erzählt von einem Meister der seinem Gehilfen nicht zugetraut habe, dass der die komplizierten Reliefs erschaffen könne, ohne die Originalvorlage dazu zu sehen. Der Meister soll daraufhin nach Rom ge- reist sein um das Original selbst zu sehen. Bei seiner Rückkehr hatte der Gehilfe jedoch die Säule schon in meisterhafter Form bearbeitet. Das rief den Zorn des Meisters hervor, der dann den Gehilfen voller Neid mit einem Hammer erschlug. Zur Strafe wurde das Gesicht des Meisters in die gegenüberliegende Ecke gemeißelt, auf dass er in alle Ewigkeit auf die geniale Arbeit seines Gehilfen schauen muss. Hier sieht der Freimaurer Henning Kolvekorn aber eindeutige Hinweise, dass die Säule sich direkt auf den Mythos von Yggdrasil bezieht, den Lebensbaum der germanischen und nordischen Mythologie.

Rossly Chapel – Orion,Osiris / Letztsicht am Morgen des Rosenkranzfestes

Dass jedoch die Legende jenes mythischen Green, die Erinnerung an den alten Frucht-barkeitsgott, auch die Proportion des Gebäudes beeinflusst hatte, zeigt ein Verglich mit dem Sternbild Orion. Nicht nur seine vier hellsten Sterne begrenzen das Bauwerk, auch die ab dem Mittelalter als Jakobs Himmelsleiter bezeichneten Gürtelsterne des Orion liegen dort,  wo sich der Altar von Rosslyn Chapel die Weihehandlung der Wandlung vollzog. Orion in der Gestalt des Green Man wäre auch eine Erklärung für die Legende seines Todes und der Wiedergeburt, ähnlich des ägyptischen Osiris. Auf diese Weise findet sich hier eine Fülle von symbolischen Bezügen zueinander, die ebenso keltische, christliche, jüdische, aber eben auch Verweise auf ägyptische Mythologie enthalten.

Osiris, Grab des Nefertari), 1295-1253 BC

Bilder: Wikipedia/ This wood carving of a „foliate head“ type is on the Renaissance screen at Dore Abbey., SiGarb /Osiris, ruler of the underworld and of rebirth and regeneration, was typically shown with a green face. (Tomb of Nefertari), 1295-1253 BC / Scottland, Roslyn Chapel , Sabine Perry /Green Man Rosslyn Chapel. British Heritage/ Simulation Stellarium

Ellwangen und der Jagesgouwe

Schloss Ellwangen

Eine um 1200 von Abt Kuno I erbaute Burg wurde zur Keimzelle des Schlosses ob Ellwangen. Sie wird im Jahr 1266 als castrum Ellwangen erstmals in Urkunden erwähnt. Ab der Renaissance änderte sich jedoch der Zweck der Burg , denn im Jahr 1460 wurde sie zur Residenz der Fürstpröpste, die den Rang von Reichsfürsten einnahmen. Eine grundlegende Änderung der Bausubstanz nahm Fürstpropst Johann Christoph von Westerstetten vor, denn er ließ von 1603 bis 1608 die Anlage als Renaissance-Schloss umgestalten. Aus dieser Zeit stammt auch der Arkadeninnenhof und die vier Ecktürme. Die trapezförmige Anlage schafft Raum für einen spannungsvollen Innenhof, der ganz auf eine theatralische Inszenierung ausgerichtet ist. Doch in der dieser Zeit wurde die Komposition des Raumes nicht allein dem Gefühl überlassen. Jeder Effekt wurde klar kalkuliert und wies darüber hinaus symbolische Bezüge auf. Sie spiegeln die Zeitge-schichte wieder, denn Luthers Thesen hatten die Welt des Glaubens radikal verändert und eine entschiedene Reaktion der Katholischen Kirche herausgefordert.

Schloss Ellwangen Innenhof

17 Jahre nach Luthers Thesenanschlag gründete 1534 Ignatius von Loyola den Jesuiten-orden. Von Papst Gregor XIII. entschieden gefördert, hatte er einen bedeutenden Anteil an der Gegenreformation, zu deren künstlerischem Ausdrucksmittel später der Barockstil zählte. Der im Kirchenbau auch als Theatrum Sacrum bezeichnete Stil beeinflusste genauso auch die Palastbauten des Adels. Die Gegenreformation förderte auch tatkräftig den am Ende des Mittelalters wieder abgeflauten Marienkult. Maria wird nun gerne als hoheitsvolle Herrscherin, Regina Coeli, oder als Immaculata, die Unbefleckte dargestellt. Während das Kreuz zum Symbol der Evangelischen Kirche wurde, wurde das Altarsakrament, die Hostie und deren Verehrung zu einem abgrenzenden Kennzeichen der katholischen Lehre. Die Verehrung des Sakramentes, wie die der Maria, wurde in aufwendig inszenierten Prozessionen gefeiert. In der damaligen Vorstellung zertrat sie den Kopf der Schlange, des Satans, und galt auch als die Siegerin aller Schlachten Gottes. Ganz deutlich ist hier die Auffassung einer Schlachtenlenkerin zu spüren, deren Hilfe ja bei der Reconquista und der Eroberung Südamerikas von Erfolg gekrönt war. Ihrer Bedeutung angemessen, floss auch ein wichtiger Gedenktag Marias in die Konzeption des Schlosses mit ein. So wurden die Schrägen nicht durch das subjektive Raumgefühl bestimmt, sondern ganz passend zu den geistlichen Schlossherrn und deren Marienverehrung vom Sonnenauf- und Untergang zu Mariä Geburt.

Ausrichtung des Schlosshofes in Ellwangen

Die Lage des Schlosses weist aber noch auf eine Verbindung auf, in die frühe Geschichte der Region zurückreicht. So bestimmt der Sonnenaufgang am 2. Februar eine Linie, die vom Einkorn bei Schwäbisch Hall. über den Schlossberg in Ellwangen, zum Schloss Baldern, bis zum Hexenfelsen auf der Marienhöhe bei Nördlingen führt. Die Geschichte des Einkorns, der bis zum18.Jahrhundert für das Wallen auf den Einkorn bekannt war , begann bereits in der Steinzeit. Zahlreiche hier gefundene Werkzeuge deuten auf eine rege Siedlungstätigkeit zur dieser Zeit auf dem Berg hin. Der Endpunkt der Linie, eine einst unbewaldete Kalksteinstruktur im Süden Nördlingens, diente im Mittelalter als Galgenberg und als Brandstätte während der hier intensiv betriebenen Hexenverfolgung. Später bekam der Ort anlässlich der Hochzeit von Kronprinz Maximilian von Bayern mit Marie von Preußen im Jahr 1834 den gefälligen Namen Marienhöhe.

Sicht auf Capella am Tag Epiphanias ( 8. Jhd.)

 

Der Schlossberg ragt in das Flusstal der Jagst, deren Name von der einstigen Land- schaftsname Jagesgowe stammt. Der wurde erstmals 768 in Urkunden erwähnt. Auch hier wurde ein keltischer Ursprung des Namens gesehen, doch deren Epoche lag zum   Zeitpunkt der Namensentstehung schon gute 1000 Jahre zurück. In der mittelhoch-deutschen Sprache gab es das Wort jagōn*. Das entwickelte sich später im Hoch- deutschen zu jagen, mit den Bedeutungen jagen oder verfolgen. Damals waren aber auch noch die Bedeutungen `in die Fluchtschlagen´ oder `vertreiben´durchaus  gebräuchlich. Neben dem bereits in keltischer und auch in römischer zeit gerühmten Heilmittel Wasser wurden Wasserläufe einst auch als Gottheiten verehrt. Dadurch bekamen sie auch eine mythologische Bedeutung für die Landschaft. Ein letzter Rest der alten Vorstellungen ist heute wohl im Fluss als Sinnbild für das Verfließen der Zeit enthalten. Während der Entstehung des Namens Jagesgowes wurde die auch in Fließrichtung der Jagst gezeigt. Am Ende der 12 Rauhnächte, als die Dämonen des alten Jahres endgültig vertrieben waren und dem neuen Jahr Platz gemacht hatten, markierte der Stern Capella den Tag Epiphanias.  In Fließrichtung der Jagst war er an diesem Morgen zum letzten mal sehen.

Bilder: Wikipedia/ Ansicht des Schlosses ob Ellwangen (1627) / Innenhof (2014) Grzegorz1964 / Simulation Stellarium, Sunearthtools

La Valletta und der Hirte

hafen-von-la-valletta-1801Valletta mit St. Elmo an der Spitze, unbekannter Künstler um 1800

Auch das Beispiel La Vallettas zeigt, dass der Gedanke eine Festungsstadt zu errichten mehr bedeutet als nur die neuesten Erkenntnisse der Militärtechnik anzuwenden. Auch sie wurde nach einem ausgeklügelten Bezugssystem das ein Glaubensbekenntnis darstellt. Trotz der Symbolik nimmt die Stadtgeometrie, ähnlich antiken Stadtanlagen, aber Rücksicht auf die landschaftlichen Gegebenheiten.. Begonnen wurde die Festung im Jahr 1565, nachdem Sieg des Malteserordens über die Osmanen. Nach den Zerstörungen die während der Belagerung entstanden, entschloss sich der Ritterorden auf der Landzunge des Monte Sciberras eine komplett neue Festungsstadt zu bauen. Ihre Geometrie orientierte sich an den Theorien der Idealstadt, doch gleichzeitig fanden beim Bau der Stadt die neuesten Erkenntnisse der Festungsarchitektur ihre Anwendung.

plan-von-la-vallettaDie Festungsstadt, La Valletta

Am am 28. März 1566 wurde durch den Großmeister des Ordens, Jean de la Valette der Grundstein für diese Stadt gelegt. Die Stadt mit ihrem rechtwinklig, nach Nordosten ausgerichtetem Straßensystem wurde vom dem italienischen Architekten und Festungs-baumeister Francesco Laparelli geplant. Um aber die gewählte Ausrichtung zu verstehen ist ein Blick in die Geschichte des Malteserordens notwendig. Die Kirche des ersten Hospitals der Malteser in Jerusalem war Johannes dem Täufer geweiht und führte so wohl mehr zufällig zu seiner Rolle als Schutzpatron des Ritterordens. Die Hospitalgemeinschaft machte sich die Person des Täufers und letzten großen Propheten vor Christus als Vorbild zu eigen. Ihr ursprünglicher Name lautete daher: `Orden des hl. Johannes vom Spital zu Jerusalem´, oder kurz, `Johanniter´. Deshalb tragen Kirchen und Kapellen der Malteser in aller Welt auch den Namen des hl. Johannes des Täufers und er wird dort auch durch Bildnisse und Statuen in besonderer Weise verehrt.

ordensbotschaft-in-pragOrdensbotschaft  der Malteser in Prag

Gerade für den Ritterorden der Malteser spiegelt die Person des Johannes die erstrebenswerten Kardinaltugenden wieder. Dies waren die Tugend des Maßhaltens in einer asketischen Lebensführung (Mk 1,6;). Die Tugend der Klugheit, die sich in den Predigten des Johannes offenbarte (Lk 3,2ff). Die Tugend der Gerechtigkeit, die sich in dessen Forderung an Zöllner, Soldaten und im Eintreten für die eheliche Treue gegenüber Herodes offenbarte und vor allem die Tugend der Tapferkeit, die Johannes während seines Martyriums zeigte ( Mt 14,3-12). Als `größter unter den von einer Frau Geborenen´ (Mt 11,11ff) war Johannes neben Maria in besonderer Weise Schutzpatron für die Malteser und die ihnen Anvertrauten.

maria-und-johannes-der-taeuferMaria mit Kind, Johannes dem Täufer und der heiligen Katharina, Palma Il Vecchio

In den biblischen Erzählungen sind beide Biographien eng miteinander verknüpft, denn Johnannes war der Sohn von Marias Cousine Elisabeth. So folgten auch die Malteser der Frömmigkeit des 12. Jahrhunderts und wählten Maria als ihre Schutzpatronin. Bereits in der ältesten Ordensregel wird sie neben dem hl. Johannes dem Täufer als Patronin genannt. Sichtbarer Ausdruck dieser Verehrung ist die Ikone der `Muttergottes von Philermos. zurück. Sie stammt aus der Zeit als der Orden die Insel Rhodos in seinen Besitz brachte und begleitete die Malteser in zahlreichen Kopien auf ihren weiteren Wegen. Der Bedeutung der Schutzpatrone angemessen bestimmten sie auch die Planung La Vallettas. Doch die Ausrichtung des Straßenrasters folgte der Ausdehnung der Landzunge und liegt damit außerhalb des Pendelbogens der Sonne. Aber an zwei Tagen im Jahr markierten einst Gestirne die Tage der beiden Schutzpatrone. In nordöstlicher Richtung war dies Deneb mit der Letztsicht am 1. Januar, dem Fest der `Namensgebung des Herrn´ und gleichzeitig dem ersten Marienfest des Jahres. Dabei weist die Symbolik des Schwans nicht nur auf die Reinheit Marias, sondern eben auch auf das seit dem frühen Mittelalter beliebte Bild des unerschütterlichen Mutes, der dem Tier zugesprochen wurde und als Vorbild für die Ritter diente.

la-valetta-planLa Valletta, die Ausrichtung

Auf der Gegenseite war dies am Tag von Johannes dem Täufer der Stern Arktur mit der Erstsicht am Abend des 24. Juni, dem Gedenktag des Täufers. Dessen arabischer Name lautet `ḥāris as-samā´ ‚ Wächter des Himmels. Einer Legende zufolge wurde das Sternbild Bärenhüter auch als ein Pflugwagen gesehen der von Ochsen gezogen wird und war damit auch ein Sinnbild er Fruchtbarkeit. Die bekanntere Legende sieht ihn als Antreiber und Hüter der Bären, mit denen er sich stetig um den Pol bewegt. Dies weckt die Assoziation des Hirten und Herdenführers, als den das Sternbild bereits in der Früh- geschichte betrachtet wurde. Neben dieser symbolischen Bedeutung darf aber auch die astrologische Wirkung der Sternbilder nicht außer Acht gelassen werden. So erklärte Ptolemäus im Fall Arktur dessen Wirkung wie die des Jupiter und Saturn.

ankunft-lohengrinsDie Ankunft des Schwanenritters Lohengrin in Worms, August von Heckel, Neuschwanstein, Wohnzimmer des Königs, 1882/83

So begann das Jahr beginnt mit der Erinnerung an die Schutzpatronin und am Tag des Johannes wies die Symbolik des Schwanes an eine der Kardinaltugenden der Ritter des Mittelaltersordens. Doch Arktur verkörperte wohl noch mehr, denn er war eben auch ein Sinnbild des guten Hirten und Herdenführers.

Bilder: Wikipedia/ Valletta mit St. Elmo an der Spitze, unbekannter Künstler um 1800, scan by Sir Gawain – Damals. Jg. 29, Nr. 3, 1997, S. 76. / Ordensbotschaft in Prag, Hynek Moravec / Maria mit dem Kind, Johannes dem Täufer und der heiligen Katharina, Palma Il Vecchio, Jacopo (1480-1528)|, Um 1514/15 Gemäldegalerie Alte Meister / Die Ankunft des Schwanenritters Lohengrin in Worms, August von Heckel, Neuschwanstein, Wohnzimmer des Königs, 1882/83 / Simulation, Sunearthtools, Stellarium