Ein neuer Blick auf den Zederhain

An Assyriologist at the University of London (UCL) has discovered that a stolen clay tablet inscribed with ancient cuneiform text that was recently acquired by a museum in Iraq, contains 20 previously unknown lines to the epic story of Gilgamesh, the oldest known epic poem and widely regarded as the first great work of literature […]

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Hun Ahaw, die mythische Göttin Venus

An ancient Mayan text captured the moment when a royal astronomer made a scientific discovery about the movement of Venus across the night sky.The text, called the Dresden Codex, contains laborious measurements of the rising and setting of Venus. Based on these recordings, historians can now place this astronomer within a 25-year span within the […]

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Sonnenwunder Heidenkapelle

Heidenkapelle Andreas KieserHeidenkapelle, Andreas Kieser – Forstlagerbuch 1683

Bereits im ausgehenden 8. Jahrhundert soll auf der Anhöhe zwischen Mössingen und Belsen eine Kapelle gestanden sein. Doch die heutige Kapelle, die auf Grund der im Mauerwerk eingelassenen Reliefs auch als Heidenkapelle bezeichnet wird, wurde um 1140 erbaut und entspricht dem Bautyp der Chorturmkirche. Die einstige halbrunde Apsis des Chores wurde im 15.Jahrhundert abgerissen und durch einen gotischen Chor ersetzt. Geheimnisvoll wirken hier nicht nur die Reliefs am West- und Südportal die teils noch aus vorchristlicher Zeit stammen sollen, sondern auch das von Dr. Stefan Wintermantel in seinem Buch `Die Belsener Kapelle` ausführlich beschriebene einstige Sonnenwunder in der Kapelle. Leider bleibt dieses Wunder seit 1824 aus, als durch das Dach des zu dieser Zeit errichteten Sakristeianbaues das Loch verdeckt wurde. Auch die zeitgleich eingebaute Empore hätte die Wanderung des Lichtfleckes unterbunden. Zuvor war dieses Loch an der Ostwand des Kirchenschiffes sichtbar und ermöglichte während dem Frühjahrsäquinktion die Wanderung eines Lichtfleckes innerhalb des Halbbogens über dem Haupteingangs. Innerhalb von drei Tagen wanderte dort der kreisrunde Lichtflickfleck, Abbild der Sonne, durch die Mittelachse des Bogens. Das Sonnenwunder, wie auch die Ausrichtung der Kirche gemäß den Feiertagen der Heiligen wurde bei der Heidenkapelle exakt austariert. So wurde der Baukörper wie bei anderen Kirchen durch den Sonnenaufgangswinkel an einem Gedenktag der Kirchenpatrone bestimmt. In Belsen scheint die Baulinie allerdings allein durch den Tag der Auffindung der Kopfrelique von Johannes dem Täufer bestimmt worden zu sein. Dies deutet auch daraufhin, dass Maximin der 2. Kirchenpatron, erst später hinzugefügt wurde.  Ebenso ist Johannes, dessen Gedenktag 2 Tage nach der Sommersonnenwende am 24. Juni stattfindet, ein Indiz dafür, dass sich hier einmal eine frühchristliche Kultstätte befand. Dies unterstützt auch die 1678 erschienene Schrift Theologia moralis des Tübinger Theologen Johann Adam Osiander. Er sah die Ab- stammung des Namens Belsen in dem Wort Beelsamen, einer Abwandlung des phönizischen Sonnengottes Baal, den der Kirchenvaters Eusebius von Caesarea dem Teufel gleichgesetzt hatte.

Heidenkapelle JohannesDie Ausrichtung der Kapelle

Trotz seiner Schlichtheit bietet die Kirche eine Reihe von programmatischen Botschaften, die eine genaue Kenntnis der alten Symbolik erfordert. So weist die Bauachse der Kapelle auch auf eine vorchristliche Bedeutung des Ortes hin, denn sie weist genau zum Höllenloch auf dem Filsenberg. Diese Spur in die Vergangenheit findet sich auch als pro- grammatische Aussage in den figürlichen Darstellungen am Westgiebel. Hier sind in der Mittelachse eine vereinfachte Darstellung des Kindes zu sehen , zwei Bienen und das Kreuz. Die Symbolik wurde sicher bewusst gewählt, denn das scheinbare Sterben der Bienen im Winter wurde schon in der Frühzeit des Christentums zu einem Symbol von Tod und Wiederauferstehung. Zudem verkörperte die Biene auf Grund ihrer typischen Lebensart das Ideal der Jungfräulichkeit und wurde so auch zu einem beliebten Symbol der Maria. In gotischen Tafelbildern wurde dieser Aspekt häufig in Gestalt eines Bienenkorbes dargestellt. Insofern bietet dieses Motiv einen direkten Hinweis auf die Geburt des Kindes das durch Johannes verkündet wurde, aber ebenso für den späteren Tod und die Wiederauferstehung.

steinrelief westgiebelSteinreliefs Westgiebel

tympanon WestportalSymbolik Tympanon Westportal

Stellten die Motive eine klare und für damalige Bevölkerung erkennbare Botschaft dar, gehörte zu Erkennen der Sonnen- und Monddarstellungen im Torbogen einige Kenntnis der Symbolik. Sie verbindet Zeitmessung und die Zahlensybolik der Bibel. Auf der linken Seite befinden sich 7 sonnengleiche Felder mit Strahlenkränzen von 20, 21 und 19 Ein- kerbungen. Dabei hat das oberste Feld 21 Einkerbung und liegt auf einer Höhe mit dem waagrechten Kreuzbalken des Kreuzes das den Halbbogen teilt. Diese Zahl stellt mit dem Produkt aus 3 und 7 die göttliche Trinität und mit der 7 ein Symbol göttlicher Vollkommen- heit dar. Diese Bedeutung der 7 zeigt sich nicht nur in den 7 Schöpfungstagen, sondern bis heute in der Anzahl der Kontinente. Für den geübten Betrachter war also ersichtlich, dass die 21 stellvertretend für einen göttlichen Heilsplan steht. Die Biene, die in der Antike als heiliges Tier von Zeus und der Artemis galt, führt zurück zur besonderen Atmosphäre des Ortes die auch den Dichter Gustav Schwab zu seinem Gedicht `Die Heidenkapelle´ anregte. Hier schreibt er der ersten Strophe:

Es braust der Sturm, es flammt der Blitz,
Der Mutter fehlt ihr Kind,
Da geht sie aus in finst’rer Nacht,
Im Regen und im Wind.

Die Urgewalten, das frühere Sonnenwunder und auch die Mutter in Schwabs Gedicht verweisen auf die antiken Frühlingsfeste. In Mitteleuropa ist das Fest der Göttin Nerthus, der Erdmutter, der auch der römische Schriftsteller Tacitus in seinem Werk Germania ein Kapitel widmet. Nerthus, deren Name sich wohl auch aus dem keltischen Wort `nrthos´, die Kraft ableitete, wurde während der Zeit des Äquinoktiums mit einer Wagenprozession gefeiert. Trotz ihrer einstigen Bedeutung scheinen sich ihre Spuren in der Geschichte verloren zu haben. Nur im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens findet sich ein Hinweis auf den 17. März, der ja in etwa dem astronomischen Frühjahrsbeginn entspricht. An diesem Datum ist der Tag der heiligen Gertrude an dem eine alte Bauernregel sagt: `St. Gertraud führt die Kuh zum Kraut, ’s Roß zum Zug, die Bain (Bienen) zum Flug´.

Heidenkapelle Karte SonneSonnenaufgangspunkte

Zwei dieser fliegenden Bienen sind ja im Westgiebel gut zu sehen und bilden damit eine Brücke zum Glaubensverständnis der vorchristlichen Zeit. Eine weitere Spur in diese Zeit zeigen die Sonnenaufgänge zur Sommersonnenwende und dem 1. Mai. Der erste kann von er Heidenkapelle über der abgegangenen Burg First und der zweite über dem Roßberg beobachtet werden. Doch dieser, einer dreiseitigen Pyramide gleich geformten Berg, ist es wert gesondert betrachtet zu werden.

Bilder: Tymphanon Westportal, Westgiebel, Belsener Kapelle – Stefan Wintermantel / Simulation, sunearthtools

Der Mond und die Lau – der geheimnisvolle Blautopf

LauDie schöne Lau

Eine alte Sage berichtet hier über die schöne Lau, die aber am Blautopf nicht zu Hause war. Der Sage zufolge war sie ein Wesen mit halbmenschlichem Geblüt, die mit einem alten Donaunix am Schwarzen Meer vermählt war. Dort war sie stets traurig und gebar dem Nix nur tote Kinder. Auf Grund ihrer Traurigkeit hatte ihr die Schwiegermutter schon vor der Vermählung prophezeit, dass sie kein lebendes Kind gebären würde, ehe sie nicht fünfmal von Herzen gelacht haben würde. Nach dem 5. toten Kind schickte sie der Nix zusammen mit Kammerzofen und Mägden, die alle auf Entenfüßen gingen, die Donau hoch. Am oberen Ende fanden sie den Blautopf wo sie sich niederließen. Dort scherzten, tanzten und musizierten sie. In der weiteren Erzählung erlernte die Lau Dank eines Gesellen wieder das Lachen, was sie am Ende zu ihrem Gemahl zurückführte.

Sequanagallo-römische Göttin Sequana

Die Entenfüße der Wasserweiber, wie sie in der Sage genannt werden, vereisen bereits auf die antike Bezüge der Ente zu Göttinnen, aber auch auf das mittelalterliche Hexen-attribut des Entenfußes. In der Antike galt die Ente als ein beliebtes Opfertier und stand auch der ägyptischen Muttergottheit Isis nahe. In der hellenistischen Kunst wurde Eros, der griechische Gott der Liebe mit einer Ente dargestellt. Bei den Etruskern wurde sie als ein Vogel verehrt, dem die Fähigkeit zugesprochen wurde mit dem Jenseits Kontakt aufzunehmen. In Gallien war die Ente das heilige Tier des Volksstammes der Sequaner und ihrer Göttin Sequana. In dieser Rolle spiegelte sie eine Muttergöttin in dreifacher Gestalt ähnlich den 3 Hauptphasen des Mondes: Als Jungfrau verkörperte sie den zunehmenden Mond, ebenso wie den Morgen oder den Frühling. Als reife Frau und Mutter den Vollmond, oder den Mittag wie den Sommer. Das Jahr vollendete sie als Greisin, ähnlich dem abnehmenden Mond der auch Herbst und Winter symbolisierte.

Während im vorderen Orient im 2. Jahrtausend der Mond bereits männlich besetzt war, wie dies der Mondgott Sin, Gott der Stadt Ur verdeutlicht, wurde der Mond im Norden mehr in seiner weiblichen Natur gesehen. So gab es in Griechenland die Mondgöttin Selene, die je nach Erzählung die Schwester des Sonnengottes Helios war. Das Volk der Kelten verehrte eine Mondgöttin in Gestalt der Belisana , die auch als Erfinderin der Künste galt. Weitere Mondgöttinnen der keltisch-irischen Kultur waren Cerridwen, die den Neumond verkörperte und Arianrhod mit ihrem silbernen Kleid das den Vollmond symbolisierte.

CheridwenGöttin Cerridwen

Die Geschichte der Landschaft um Blaubeuren ist reich an Funden aus der Ära der eiszeitlichen Jäger und Sammler, doch in den anschließenden Zeiträumen herrscht eine große Lücke an Funden. Weitere Erkenntnisse aus der Besiedelung der Landschaft stammen hier erst wieder aus alemannischer Zeit. Die Stadt mit dem Idyllischen Blautopf, der Blauquelle, selbst liegt heute in einer Schleife des Urstromtales der Donau. Die hat aber am Ende der Riess-Eiszeit ihr altes Bett verlassen und bei Untermarchtal ein neues Bett gegraben. Blaubeurens Stadtfläche konzentriert sich auf den westlichen Teil und schmiegt sich dabei an den Rucken, der als Umlaufberg der alten Donau erklärt wird.

Blaubeuren 2Blaubeuren und Rucken

Wie an vielen andren Orten auf der Alb scheint die Natur durch ein außerordentliches Gefühl für Symmetrie und Harmonie geordnet worden sein. Steht man am Quelltopf und blickt zum Rucken, so zielt diese Linie auf den Wendepunkt des Mondes während der großen Mondwende Süd. Gleichzeitig teilt sie das Tal in zwei gleiche Hälften. Dies führt zur zurück zur Sage der schönen Lau mit ihren 5 toten Kinder, denn sie stellen nicht nur eine Anspielung auf die Symbolik der Zahl 5 dar, sondern ebenso auf die 5 Phasen des Mondes ehe er wieder in ganzer Pracht zu sehen ist: Neumond, zunehmende Sichel, erstes Viertel, Halbmond, zunehmender Mond. Erst in der 6. Phase wird der Mond dann wieder zum richtig runden Mond, dem Vollmond. Eine weitere interessante Blickbeziehung gibt es von vom Blautopf während der Wintersonnenwende, denn an diesem Tag steigt die Sonne über der Ruine des Rusenschlosses auf. Die Burg, mehr unter dem Namen Burg Hohengerhausen bekannt, steht auf einer markanten Felsnadel über dem Blaubeurener Stadtteil Gerhausen. Sie wurde um 1080 von Graf Hartmann II. Von Dillingen erbaut und zu Beginn des 18. Jahrhunderts abgebrochen. Dass der Fels bereits in der Ära der Eiszeitjäger als Kultort diente, zeigen Funde des Archäologen Riek aus dem Jahr 1959, der hier größere Mengen Tierknochen und Werkzeuge geborgen hatte.

Blaubeuren Plan 01Der Blautopf und der Mond

Der Name Rusenschloss soll durch den letzten Forstknecht mit Namen Ruoss oder Rus entstanden sein, der bis zur letzten Hälfte des 16. Jahrhunderts das Schloss bewohnt haben soll. Auch hier vermischen sich Legende mit tatsächlichen Geschehen. Zwei Worte gibt es Mittelhochdeutschen die zur Erklärung dienen könnten: Rus bedeutet grober Bengel, währen Ruse sich später in Rose abwandelt. In dem im Wort Rus scheint auch das Wort Ross durch, eine Anspielung auf die ehemals hier wohnenden Ritter, doch es kann auch als Kurzform eines Riesen gedeutet werden. Vom Blautopf aus betrachtet, verband im 16.Jahrhundert der Aufstieg des Sternbildes Orion die beiden Punkte Rusenhalde und Rusenschloss durch auf ideale Weise.

Blaubeuren Plan 02Der `Ruse

So bietet die Landschaft am Blautopf ein weiteres Beispiel, dass die Legenden auf der Schwäbischen Alb durchaus einen realen Hintergrund besitzen, den die Fantasie der Menschen im Laufe der Jahrhunderte umgedeutet hat.

Wikipedia: Lau Statue, No/Flickr.com CC-BY-NC / Rucken, lesefunde.blogspot.de/ Rusenschloss, albverein/ Simmulation stellarium, sunearthtools