Landschaftstempel Hohenstaufen

Hohenstaufen westsüdwestHohenstaufen aus Westsüdwest

Nicht nur die Ausrichtung des Hohenstaufen auf den Sonnenaufgang am ersten Mai weckt fragen, auch die Entfernungen zu wichtigen Landschaftsmarken. So beträgt die Ent- fernung von der Mitte des Hohenstaufens zum Stuifenhorn7461m, was einer Länge von 9000 Megalithischen Yards entspricht, einem bis in die Bronzezeit verwendeten Läng- enmaß von 0,829m. Ein ähnlich auffälliges Maß ergibt sich auch zur Mitte des Rechberges mit 5658m, was einer Entfernung von 6900 MY entspricht. Meist ist die Zahl 69 heute nur noch als Code für sexueller Praktiken bekannt, während ihre Symbolik völlig in Vergessenheit geriet. Dabei ist die 69 einer der bedeutendsten Zahlenwerte innerhalb der Bibel, denn mit dieser Zahl wird die Chronologie der Jahrwochen dargestellt die Daniel in einer Prophezeiung mit geteilt wurden. In ihr erfährt Daniel dass es bis zum erscheinen des Messias genau 69 Wochen dauern wird. Diese Wochen haben jeweils eine symbolische Dauer von mehreren Jahrhunderten auf die hier nicht näher eingegangen werden soll.

Hohenstaufen EntfernungenKarte der Abstände in Megalithischen Yard

Nun ist kaum zu vermuten, dass sich weit voneinander entfernt existierende Kulturen auf den gleichen Sinnzusammenhang bezogen. Viel mehr ist wohl ein ganz natürlicher Er- eignis Urgrund dieses symbolischen Zeitbegriffes. Wie so oft findet man am Himmel eine Erklärung und in diesem Fall ist sie für jeden auch deutlich spürbar. Dieses Schauspiel wiederholt sich während des 18 Jahre und 11.3 Tage dauernden Saroszyklus, in dem nach 223 Vollmonden Erde und Mond wieder die gleiche Stellung erreichen. In dieser Zeit er- eignen sich jeweils 69 Sonnenfinsternisse, die früher die Menschen in Angst und Schrecken versetzt hatten.

Sonnenfinsternis

Sonnenfinsternis aus dem 18. Jahrhundert, ausgestellt in der Benediktinerabei Weltenburg

Ein weitere Auffälligkeit ergibt sich auch bei der Entfernung zum exakt gleich hohen Braunenberg bei Aalen. Hier ist es nicht nur die Entfernung von 33160m die umgerechnet 40000 MY ergibt, sondern auch die Geometrie des Hohenstaufen mit seinen nahezu parallel Höhenlinien. Ausgemittelt weist seine Achse auf den Sonnenaufgangspunkt des 1. Mai, der auf dem Braunenberg liegt. Aus mitteleuropäischen Regionen sind Berge meist als formlose Kultstätten mit einfachsten Altären überliefert. Meist sehen Archäologen sie als Höhensiedlungen oder auch Fürstensitze, ähnlich den mittelalterlichen Burgen. Ganz fern liegt jedoch die Vorstellung einer bearbeiteten Landschaft. Nur der 37m hohe Silbury Hill in der Grafschaft Wiltshire mit einer Plattform für Zeremonialzwecke wird bislang als künstliches Bauwerk anerkannt. Doch auch hier herrschte lange Zeit eine völlig andere Sicht, denn auf Grund seiner Form wurde lange Zeit für ein Fürstengrab gehalten. Bei Grabungen wurde im Innern des Hügels jedoch keinGrab, sondern eine raffinierten Kalksteinstruktur entdeckt, die zur Stabilisierung der Erdmassen diente.

T3 HohenstaufenSonnenkalender Hohenstaufen

Vergleichbare Bauwerke in großer Zahl finden sich jenseits des Atlantiks bei den hier kaum bekannten Moundbuilder Kulturen. Ähnlich dem Silbury Hill errichtetem sie mit unter-schiedlich Schichten aus Gesteins- und Erdmaterial terrassierte Anlagen, die entfernt an die Stufentempel in Mesopotamien erinnern. Einer der bekanntesten als Erdwerke be- zeichneten Landschaftstempel befindet sich in Cahokia, einer Metropole der einstigen Mississippi Kultur. Die Stadt in der Nähe von St. Louis, die einmal bis zu 4000 Einwohner hatte, zählt heute zum Weltkulturerbe. Obwohl sich die Mounds von Cahokia über ein Gebiet von 17km² erstrecken, bildeten 17 dieser Landschaftstempel einst das Herz der Stadt. Der nach einem in der Nähe liegenden Trappistenkloster benannte Monks Mound ist der größte unter ihnen. Für die Aufschüttung seiner terrassierten, mit Gras bewachsen Erdplattformen wurden ungefähr 700.000 m³ Material bewegt, was fast genau dem Volumen des Hohenstaufen entspricht, wie ihn Andreas Kieser 1683 in seinem Forstlagerbuch zeichnete. Den oberen Abschluss bildete die Zeremonialplattform, auf der ein Gebäude aus Holz stand das eine Grundfläche von 440 m² besaß .

Cahokiad SiedlungCahokia mit Monks Mound

Jede Mythologie hat ihre eigenen Kernthemen und so unterscheiden sich auch die Moundbilder Bauwerke in ihren Ausrichtungen. In Cahokia ist der Monks Mound zwar scheinbar nach Norden ausgerichtet, er weicht aber dennoch im Mittel 4.5° um nach Osten ab. Mit dem Wandern des magnetischen Poles kann dies nur schwer erklärt werden, da zu dieser Zeit die Abweichung ja nicht gemessen werden konnte. Viel eher ist dafür die Erklärung im Himmel zu suchen und den Tempel als Anfangspunkt einer Blickachse zu sehen, wie sie auch im barocken Landschaftsgarten zu finden ist. Unter dieser Annahme ergibt sich eine Linie, die sich aus der Stellung des Polarsternes und der Mitte der Gürtelsterne des Sternbildes Orion ergibt. War der Stern Beteigeuze, die Schulter Orion auf dem Südmeridian angekommen, hatte er himmlische Jäger den höchsten Punkt seiner Bahn erreicht. Dies war auch in der Abenddämmerung der Sonmersonnenwende der Fall.

sternbild OrionSternbild Orion

Einiges spricht dafür, dass Orion bei den Plainsindianern das unbekannte Sternbild Yin symbolisierte, das eine besondere Beziehung zur Venus hatte. Dass wir heute so wenig über die städtische Kultur des präkolumbianioschen Nordamerika wissen, liegt mit daran, dass viele Städte wie Cahaokia im 14.Jhd. aufgegeben wurden. Als Kolumbus in Amerika ankam, war der größte Teil dieser Kultur bereits Geschichte. Geschickt verteilte Pest- und Pockenerreger rafften innerhalb kurzer Zeit die meisten Überlebenden dieser Kultur hinweg. Somit blieb nur noch das von Karl May verbreitete Indianerbild des stolzen, edlen Wilden mit seinen federgeschmückten Wildlederkleidung.

Ähnlich den Indianern verlief sicher auch die Geschichte in unseren Breiten, denn die meisten Höhensiedlungen und Zeremonialanlagen wurden mit dem Auftauchen der Römer aufgegeben. Mangels schriftlicher Zeugnisse früherer Kulturen bleibt heute nur noch die Interpretation von Schriften aus römischen Ursprung. Viel zu wenig wird allerdings der Aspekt der Geometrie beachtet, die einen Schlüssel zum Verständnis einer längst vergangen Geisteswelt bietet. Von ihr sagte einst Galileo Galilei: Wer die Geometrie begreift, vermag in dieser Welt alles zu verstehen.

Bilder:Wikipedia, Hohenstaufen, Ansicht von Westsüdwest, Kreuzschnabel/Gemälde einer Sonnenfinsternis aus dem 18. Jahrhundert, ausgestellt in der Benediktinerabei Welten-burg,Jay Pasachoff, Simulation sunearthtools

Der Walser Birnbaum – Teil 2

Planetengötter Die Planetengötter

Die Legende berichtet über den Walser Birnbaum, dass er seit der Völkerwanderung auf dem Walserfeld stehen soll. Deshalb war auch das Entsetzen groß als dort der Legende zufolge 7 Birnbaum ausgerechnet am 7. Dezember 2015 gefällt wurde. Das Datum wurde als Omen betrachtet, denn die Zahl gilt als Sinnbild der Erfüllung und Vollendung. Seit Babylon gilt die Summe der 3, dass Sinnbild göttlicher Trinität und der 4, das Zeichen der Erde als heilige Zahl. So gab es in Babylon auch 7 Planetengötter die über die Menschen herrschten. Die Symbolik der 7 führt zurück zu den Quellen die die Legende des Birnbaum speisten. Wurde im Mittelalter die Birne als ein Symbol Marias betrachtet, führt auch der Vorname des Lazarus Gitschner (Günzner) ebenfalls zu ihr. Durch ihn wird der Birnbaum zu einem mehrfach codierten, biblischen Symbol.

Lazarus, FlandesDie Auferweckung des Lazarus von Juan de Flandes, um 1500–1510

Der Namensgeber Lazarus lebte in Bethanien und war der Bruder von Maria und Martha. Als Jesus von dessen Tod erfuhr, kam er vier Tage später in den Ort und weckte ihn von den Toten auf. Die Wiedererweckung bildete den Endpunkt der zeichenhaften Predigten von Jesus und lieferten den Rat der Hohen Priester den eigentlichen Grund der Verur-teilung. Hier scheint sich tatsächlich eine alte mythologische Erzählung zu spiegeln, denn auch der griechische Halbgott Asklepios wurde von den Göttern zum Tode verurteilt als er mit seiner Heilkunst die Grenze überschritt und einen Toten erweckte. Die berührende Geschichte war im Mittelalter sehr beliebt und deshalb wurde das Ereignis der Wieder-erweckung in zahlreichen Lazarusspielen nachgespielt. Dazu berichtet das Lukasevang-elium, dass Lazarus nach seinem Tod von Engeln in Abrahams Schoß getragen wurde. Abraham, dessen Name eigentlich `Stammvater vieler Völker´ heißt , gilt heute als Stammvater Israels und in seinem Garten stand jener Baum der als das Urbild des Birnbaumes gelten kann.

Steineiche Mamre`Eiche Abrahams´ im  russisch-orthodoxen Heilig-Geist-Kloster in Hebron

Im Hain Mamre bei Hebron ist laut Genesis 13,18 der Wohnort Abrahams. Einst soll er ganz mit Steineichen bewachsen gewesen sein die dort seit der Erschaffung der Welt wuchsen.Hier war auch der Ort an dem Abraham eine denkwürdige Begegnung mit Gott hatte bei der ihm dabei den erhofften Nachwuchs voraussagte. Mamre ist also ein Ort der Prophezeiung für das Entstehen der kommenden Menschheit. Zahlreiche Legenden um geben auch diesen Ort wie die von dem im 14. Jhd. lebenden Jehan de Mandeville. Er verbreitete nach einer Reise ins heilige Land die Erzählung, dass die Eiche bei der Einnahme Jerusalems und der Kreuzigung verdorrte sei. Am Ende aller Zeiten soll an diesen Baum ein Retter der Menschheit seinen Schild aufhängen und die Weltordnung wieder herstellen. Diesen Retter der Welt sahen die Menschen des Mittelalters lange Zeit im sagenumwobenen Priesterkönig Johannes, dessen Reich zahlreiche Ritter irgendwo in im Osten de europäischen Kontinents liegen sollte.

Sultan Süleyman I. , Kunsthistorisches Museum Wien

Die Sehnsucht nach gerade solch einem Retter war sicher auch im Jahr 1529 vorhanden, dem Jahr in dem Gitschner die Entrückung in den Berg erfuhr. So standen im Herbst osmanische Truppen unter dem Kommando von Sultan Süleyman I. ,dem Prächtigen, nach langen Kämpfen vor den Toren Wiens und hatten die damals größte Stadt des Heiligen Römischen Reiches vollständig eingeschlossen. Mehrere Sturmangriffe auf die Stadt, bei denen wichtige Teile der Stadtbefestigung durch Mineure gesprengt wurden, misslangen dennoch unter großen Verlusten. Als am 14. Oktober schlechtes Wetter aufzog, entschloss sich der Sultan überraschend Sultan zum Abbruch der Belagerung. Doch der Sieg war trügerisch denn die Gefahr eines erneuten Angriffes blieb bestehen und sollte sich 150 Jahre später wiederholen. Buchstäblich in letzter Sekunde konnte mit der Schlacht am Kahlenberg der Fall des Goldenen Apfels verhindert werden. Doch dies war nicht der einzige Schrecken, denn im Jahr 1529 erreichte eine heimtückische Krankheit auch das Gebiet des Heiligen Römischen Reiches, der Englische Schweiß. Die heute kaum noch bekannte Krankheit rief kalten Schweißausbrüche hervor und endete meist tödlich. Bis heute blieb die Krankheit und ihre Ursachen rätselhaft. Selbst mit modernsten Analysemethoden gelang es während der Untersuchung von Knochenresten nicht die DNA der Erreger zu Isolieren. Das Schreckensjahr 1529 war also geradezu prädestiniert dazu um die Hoffnungen eines biblischen Retters der Menschheit zu wecken wie es die Erzählung des Lazarus Gitschner versprach. Mit der Erzählung in der der Birnbaum die Rolle des `Dürren Baumes` aus Abrahams Garten verkörperte war die Hoffnung geboren. Wohl nicht zufällig wurde ausgerechnet der Ort auf dem Walserfeld ausgewählt, denn von hieraus gibt es auffällige Sichtbeziehungen.

Walser Birne SterneWalser Birne, die Sonne und der Meerstern

So verbindet einer der mythologisch bedeutendsten Sterne, der Stern Sirius, den Ort mit dem Untersberg. Er tauchte vom Standort des Birnbaumes aus betrachtet noch um 500 n. Chr. Zum Märzfest der Isis, in der Abenddämmerung über dem Berchtesgadener Hochthron auf. Doch um 1500 hatte die Sicht auf den Sirius längst gewechselt. Jetzt stand der nun als Meerstern bezeichnete, am Morgen von Marias Geburtstag über der gleichen Stelle. Dass Sirius zum Symbol Marias wurde wird zum einen auf einen Übersetzungsfehler der Kirchenväter zurückgeführt und ebenso auf eine Vision des Propheten Elias auf dem Berg Karmel. Er sieht dort eine Wolke über dem Meer zu stehen scheint (l. Könige 18, 41 — 45): die er als Zeichen der Hoffnung erkennt. Das Bild wird auf Maria übertragen Aus diesem Grund trägt auch die Marienkirche auf dem Berge Karmel den Titel `Stella Maris´. Passend zum Symbol der Birne und der Geburt Marias ist vom Birnbaum aus der Sonnenaufgang an Lichtmess über dem Schmittenstein zu beo- bachten, Teil eines von Höhlen durchzogenen Karstgebirges. Ebenso steht der Ort mit dem sagenumwobenen Kapuzinerberg in Verbindung, denn dort ist der Sonnenaufgang am 1. Mai zu sehen. Somit könnte der Birnbaum eine letzte Erinnerung an einen ganz besonderen Ort der Frühgeschichte sein.

Bilder:Wikipedia, Die Auferweckung des Lazarus von Juan de Flandes, um 1500–1510 /Die „Eiche Abrahams“ auf dem Gelände des russisch-orthodoxen Heilig-Geist-Klosters in Hebron ,Copper Kettle /Sultan Süleyman I. (Unbekannter Künstler aus dem Umkreis Tizians, Wien, Kunsthistorisches Museum) , Simmulation: sunearthtools und stellarium

Die Walser Birne

Birnbaum WalserfeldIm Westen Salzburgs steht ein legendäres Naturdenkmal, der Walser Birnbaum. Einge- rahmt mit einer Steinfassung gibt er ein Zeugnis vom sagenumwobenen Kaiser Karl der mit seinen Getreuen im Untersberg wohnen soll. Die Geschichte führt zurück zu jener Legende des Lazarus Gitschners, eines Knechtes des Stadtschreibers von Bad Reichenhall. 35 Jahre nach seinem Besuch im Berg und dem Kontakt mit den dort lebenden Mönchen liegt er auf dem Sterbebett. Mit seinen letzten Worten erwähnt er den Birnbaum und sagt: `Siehe, dort auf dem Walserfelde steht ein ausgedörrter Birnbaum zum An- und Vorgedenken dieser letzten Schlacht , so schon dreimal umgehauen worden; aber seine Wurzel wurde dermaßen beschützt, daß er wiederum zu grünen anfanget und wieder ein vollkommener Baum daraus werde. Viele Jahre, bevor sich die gräuliche Schlacht auf diesem Walser Feld wird ereignen, bleibt er ausgedörrt dastehn: wenn er aber zu grünen anfanget, wird es schon nahe sein; wenn er aber anfangen wird, Früchte zu tragen, wird das Ereignis bemeldeter Schlacht seinen Anfang nehmen´.

Karl der GroßeKarl der Große mit Gefolge im Untersberg

Während Gitschner die Schlacht noch mit dem bayrischen Kurfürsten in Verbindung bringt,  sieht eine Variation der Erzählung Kaiser Karl als den wahren Retter der Mensch- heit. So wird in der Salzburger Versionder Legende  erzählt, dass der Kaiser beim Anbruch der Schlacht auf dem Walser Feld mit seinem ganzen Heere aus dem Unters- berg herauskommen und sich in das Gemetzel stürzen wird. Dieses wird, so die Erzählung, so furchtbar sein, dass den Kriegern das Blut in die Schuhe hinein rinnt. Doch Kaiser Karl wird siegreich aus der Schlacht hervorgehen und am Ende sein Schild an jenen Birnbaum hängen, der auf dem Walser Feld steht.

Botanisch gehört der Birnbaum zur Familie der Rosengewächse. Er hat weiße Knospen, aus denen später die aromatischen Früchte hervorgehen. Im antiken Griechenland war die Birne der Göttin Hera geweiht, Kultfiguren wurden oft aus dem Holz des Birnbaumes geschnitzt, wie im Heraion, einem der Hera zu Ehren errichteten Heiligtum in Mykene. Auch im Mittelalter wurde das Symbol der Birne wieder aufgegriffen und sie auf die Jungfrau Maria übertragen. Aufgrund ihrer ungewöhnlichen Form, die entfernt an die Taille und Hüften einer Frau erinnert, ordnete man die Birne dem Weiblichen zu. Im Volksglauben verheißt eine üppige Birnenernte folgerichtig einen reichen Kindersegen. Mit dem Bild `Madonna Morelli´, die Madonna mit der Birne schuf der Maler Giovanni Bellini um 1487 ein Motiv das sich in der Folgezeit großer Beliebtheit erfreute und deshalb auch oft  kopiert wurde. Neben den bereits erwähnten Attributen des Weiblichen und dem damit verbundenen Kindersegen waren es auch die schneeweißen Blüten, die die Birne zu einem Symbol der Unschuld und Reinheit werden ließen. Diese Beliebtheit und Verbindung mit der Gottesmutter ließ auch die Zahl der Birnensorten rasch ansteigen. Waren im 4. Jhd. n. Chr. Gerade mal 46 Sorten bekannt, wuchs deren Anzahl bis um 1600 auf 62  und um 1700 gab es bereits 400 bekannte Birnensorten.

Bellini madonnaMadonna col Bambino ,Giovanni Bellini

Warum ausgerechnet die Birne die Brücke zu jenem mythischen Kaiser schlägt, erklärt auch ein Amulett aus dem Besitz Karls des Großen. Dieses Reliquienamulett wird im Reimser Musée du Palais du Tau aufbewahrt und soll heute Partikel vom wahren Kreuz Christi enthalten. Doch eine Legende erzählt hier eine ganz andere Geschichte. Einst soll dieses Amulett Haare der Jungfrau und Gottesmutter Maria enthalten haben und bei der Öffnung des Karlsgrabes im Aachener Dom durch Otto III. im Jahre 1000 am Hals des Frankenkaisers gefunden worden sein. Diese Entdeckung ereignete sich 38 Jahre nach einem weiteren denkwürdigen Datum, denn an Mariä Lichtmess, am 2. Februar 962. wurde Otto I. In Rom zum Kaiser gekrönt und begründete damit den Beginn des Heiligen Römischen Reiches . Einst hatte ja Karl der Große das weströmische Kaisertum erneuert und dieses Erbe wurde damit auf den ostfränkischen Staat übertragen, mit dem es über 800 Jahre verbunden blieb. Wohl aus diesem Grund wurde dieser Marienfeiertag später auch als die Geburtsstunde `Heiligen Römischen Reiches´ genannt. Die Marienverehrung Karls des Großen war auch die Grundlage zahlreicher Kirchengründungen. So wurde 4 Jahre vor seiner Körnung die Capella regia in Aachen vollendet. Eine in der ersten Hälfte des 9. Jhd.`s entstandene mittelalterliche Handschrift, die Chronik von Moissac berichtet über diese Kirche, dass sie wie viele andere Kapellen die im Auftrag Karls des Großen errichtet wurden, der Jungfrau Maria geweiht wurde.

Talismann Karl der GroßeTalisman Karls des Großen

Über die in Aachen während der Herschafft Karls des Großen gesammelten Reliquien berichtet die Zeitschrift Gartenlaube 1874 in ihrer 33 Ausgabe aber in ganz andrem Tenor. In dem Artikel wird ein Curiositätenkabinet geschildert, in dem Knochen Edelsteine und Gewänder buntgemischt zur Schau gestellt wurden. Dieser unermessliche Schatz an gesammelten Reliquien diente Karl dem Großen auch zum Ausbau seiner Macht. Unter den Sammelstücken befand sich zu seinem besonderen Stolz auch die Kleiderkammer des Herrn, in der sich nicht nur das Unterkleid der Maria, sondern auch ihr Gürtel und Schleier befanden . Ebenso fanden sich hier die Windeln, das Lendentuch, der Gürtel und das Schweißtuch des Erlösers.

Dass sich ausgerechnet dieser Birnbaum bei Salzburg auch noch zum Symbol einer endzeitlichen Schlacht wird, Mariä Lichtmess und die alte Legende des dürren Baumes mit dem Untersberg verknüpft, macht wohl einen weiteren Ausflug in die Geschichte notwendig.

Bilder: Wikipedia, Birnbaum Luckyprof /Madonna col Bambino ,Giovanni Bellini (1430 circa–1516) – from ruwiki /Sog. Talisman Karls des Großen, Musée du Palais du Tau, Vassil

Der Venuscode des Untersberges

Karl DürerAlbrecht Dürer: Karl I., 1512, im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg

Der Nimbus Karl des Großen strahlt bis heute, obwohl er mit vielen Opfern und Deportationen aus den eroberten Gebieten das Frankenreich geschaffen hat. Trotzdem wird alljährlich in Aachen der Karlspreis an Persönlichkeiten verliehen, die sich um die europäische Ein- igung verdient gemacht hatten. In der Geschichte Europas überdauerte aber das rom- antisch verklärte Bild eines gerechten Herrschers, der ein Reich des Friedens geschaffen hatte. Im Laufe der Zeit vermischte sich dieses Bild jedoch mit den Vorstellungen eines Goldenen Zeitalters, das in antiken Erzählungen als friedliche Urphase der Menschheit vor der Entstehung der Zivilisation geschildert wird. In seinen Meta- morphosen schildert der römische Dichter Ovid Mitte des 1.Jds. v. Chr. dass seit der Entstehung des Mensch-engeschlechts 4 Zeitalter, vergangen sind. Das erste sah er als das Goldene Zeitalter unter der Regierung des Saturn und schreibt: `In dieser Epoche lebten die Menschen frei, ohne Gesetz und ohne Richter. Sie kannten nur ihre Ufer, keine Schiffe, keine Waffen, keine Krieger und Kriege; ihre Felder trugen Früchte, ohne geackert zu werden; es herrschte in diesem Zeitalter ein immerwährender Frühling´.

Goldenes Zeitalter CranachLucas Cranach der Ältere um 1530, Das Goldene Zeitalter

Zahlreiche im 16. Jahrhundert entstandene Sagen um Karl den Großen erfüllten diese Sehnsucht eines in der Zukunft wieder anbrechenden Goldenen Zeitalters. Schriftsteller nahmen es als willkommenes Motiv auf und auch Ludwig Uhland sah Karl den Großen als Held und Heiligen des deutschen Rechts, einen Urquell aller Gesetzgebung und Rechts-pflege. Berge in die einst den vorchristlichen Göttern vorbehalten waren dienten nun als Aufenthaltsort der legendären Gestalt. Als einer der berühmtesten gilt der Untersberg über den die Brüder Grimm berichten: `In dem Wunderberg sitzt außer andern fürstlichen und vornehmen Herren auch Kaiser Karl, mit goldener Krone auf dem Haupt und seinem Zepter in der Hand. Auf dem großen Walserfeld wurde er verzückt und hat noch seine Gestalt behalten, wie er sie auf der zeitlichen Welt gehabt. Sein Bart ist grau und lang gewachsen und bedeckt ihn das goldene Bruststück seiner Kleidung ganz und gar. An Fest- und Ehrentagen wird der Bart auf 2 Teile geteilt, einer liegt auf der rechten Seite, der andere auf der Linken, mit einem kostbaren Perlenband umwunden. Der Kaiser hat ein scharfes und tiefsinniges Angesicht, und er zeigt sich freundschaftlich und gemein-schaftlich gegen alle Untergebenen, die da mit ihm auf einer schönen Wiese hin- und hergehen. Warum er sich da aufhält und was sein Tun ist, weiss niemand und steht bei den Geheimnissen Gottes´.

Karl im BergKarl der Große im Untersberg

Karte Hochthronder Hochthron

Ein Ort der die Vorstellungen des saturnischen Zeitalters von einer kosmischen Harmonie der verkörpert ist der Salzburger Hochthron, denn seine Lage steht in einem ganz besonderen Verhältnis zum Äquator. Er liegt auf 47.71802° nördlicher Breite, was bei einem Cosinus von 0,6727 einer Länge des Breitenkreises von 26959 km entspricht. Wird der jedoch Äquator mit seiner Länge von 40075km mit dem Faktor 37/55 multipliziert erhält man das Ergebnis 26958.5. Beide Längen verhalten sich also wie 37 zu 55. Frühe Kulturen haben diesen Zahlenverhältnissen noch eine ganz besondere Bedeutung bei- gemessen die heute völlig verloren gegangen ist. Den Planetengöttern, den Herrschern über den Kosmos, waren Zahlen zugeordnet. So standen in der babylonischen Kos- mologie die 5 für die Venus, die 7 für den Mond, während die 1 für den Saturn, die 2 für den Jupiter, die 3 für den Mars und der Sonne die 4 zugeordnet waren. Die größte Zahl, die 8, war der Erde vorbehalten. So zeigt sich im Zahlenverhältnis des Hochthrones auch ein Idealbild der Vollständigkeit das den Vorstellungen des saturnischen Zeitalter entspricht. Während die 3 die in vielen Religionen die göttliche Trinität verkörpert stellt die 7 die Anzahl der in der Antike bekannten Planetengötter dar. Bei Pythagoras genoss die 37 eine große Wertschätzung, den sie verkörperte die Gesamtheit der Elemente des Tetraktysdreieckes mit dem er den Aufbau des Kosmos erklärte.

Tetraktys 3737 Elemente der Tetraktys:10 Punkte, 9 Flächen,18 Strecken

Die Zahl 55 ist zugleich die 8. Zahl der Fibonaccifolge und damit auch Symbol für die antike Planetenzahl der Erde. Doch die 55 ist gleich in zweifacher Hinsicht das Symbol einer Gesamtheit. Als Quersumme ergibt sie die 10 und damit das Sinnbild des vollendeten Ganzen. Mit den 10 Geboten wurde die 10 so zu einem Symbol der christ-lichen Religion. Zugleich steht die 55 als Summe für die ersten 10 Zahlen. Die hebräische Zahlenwertsprache hat der 55 eine besondere Bedeutung zugeordnet. Während die 5 die Zahl des Sohnes ist, stellt die 55 die Zahl der Braut dar und weist durch ihre Stellung im Primzahlkreuz auf ihre Beziehung zum Himmel. Die 5 verwiest aber auch auf die Sage vom Riesen Abfalter, der über mehre hundert Jahre auf dem Untersberg gehaust haben soll. Der Name des Riesen verweist auf den Apfelbaum als verbotenen Baum der Erkenntnis und damit auch auf die Frucht des Apfels. Bereits in der Frühgeschichte galt sie als Zeichen der Venus,  weil ihre Kerne in der Gestalt eines Pentagramms verteilt sind.

PostkarteDer Untersberg

Obwohl der Salzurger Hochthron nur der zweithöchste Gipfel des Untersberges ist, weist sein Zahlencode Code nicht nur auf die Venus, sondern auch auf die Sehnsüchte der Menschen nach der Wiederkehr eines Goldenen Zeitalters, das im Sagenkreis um Karl den Großen angesprochen wird.

Bilder: Albrecht Dürer: Karl I., 1512, im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg/Das Wikipedia/Goldene Zeitalter. Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren, um 1530, Alte Pinakothek, München / http://www.untersberg.org, Kaiser Karl im Berg /Tetraktys , http://www.decemsys.de /Sonnenblume mit 34 und 55 Fibonacci-Spiralen, Dr. Helmut Haß, Koblenz ,Esculapio