Der Löwe des Tempelberges

Felsendom und Kettendom, Foto Ralf Roletschek

Die Jahrtausende alte Symbolik des Löwen prägt auch das Plateau des Tempelberges und erscheint hier als Bindeglied der 3 Religionen. Für alle ist der Tempelberg von großer Bedeutung, da such den Erzählungen zufolge, hier wichtige Ereignisse zuge- tragen haben. Damit steht das Herrschaftszeichen und solare Symbol für zahlreiche Gemeinsamkeiten der 3 Religionen, die auf einen gemeinsamen Stammbaum einer Grundidee mit all den daraus entsprungenen Erzählungen hinweisen. Wie in den bib- lischen Texten, so wird auch im Koran die Sonne häufig erwähnt. Sowohl als Him- melskörper, aber auch in gleichnishaften Bildern taucht sie dort auf. Bereits bei den Erzählungen zum Stammvater der Völker, Abraham, taucht die Sonne auf, Hier erzählt Abraham von seiner Erkenntnis, dass die Sonne selbst ein Geschöpf ist und es somit ein Fehler sei, sie als göttliche Macht anzubieten. Diese Natursicht entsprechend, wird im Koran auch von der Möglichkeit erzählt, die Sonne zur Vermessung und Wegebe-rechnung zu nutzen. Wie bei anderen Religion überwiegt in den Texten des Korans aber die symbolische Bedeutung der Sonne, Sie steht hier bildhaft für das Licht, das der Prophet Muhammad im Namen Allahs ausstrahlt.

Timuridische Darstellung Mohammeds; aus dem Miradschname, 1436, Herat.

Auch das reflektierte Licht des mondes dient als Metapher. denn wie das Licht der Sonne vom Mond reflektiert wird, so wird das Licht des Propheten vom Imam Ali zurück-gestrahlt. Ein letztes Mal tritt die Sonne in den Erzählungen dann als Ankündiger auf, wenn die Wiederkunft des Imam Mahdis unmittelbar bevorsteht. An diesem Tag soll sie aber nicht im Osten, sondern im Westen aufgehen. Nahezu mittig auf dem Plateau des Tempelberges steht heute der Ende des 7. Jahrhunderts errichtete Felsendom. Er wurde dort auf einem Felsen errichtet, wo nach Islamischer Überlieferung der Prophet auf seinem Pferd in den Himmel getragen worden sein soll. Auch die Israeliten sahen diese Stelle als einen heiligen Ort an, denn hier wird auch der Brandopferalter Abrahams vermutet. Auf dem soll der Stammvater der Völker, gemäß den biblischen Erzählungen Abraham, seinen Sohn Isaak als Beweis seiner Gläubigkeit Gott zum Opfer dargeboten haben.Nach diesen Überlieferungen soll Gott selbst den Ort ausgewählt und ihn dann als seinen Wohnort auf Erden bestimmt haben.

Fels im Innern des Felsendoms, Foto Earthsound

Dieser Bestimmung folgend, soll auch König Salomo hier seinen Tempel erbaut haben, der dann von ihm zum Mittelpunkt der jüdischen Religion erklärt wurde. Der oktogonale Baukörper des Felsendomes ist im Innern durch einen Säulenumgang gegliedert, der den Zentralraum einschließt. In ihm befindet sich auch der Fels liegt, über dem der Tambour mit der Goldenen Kuppel liegt. Die Anlage hat vier Eingänge, die den jeweil- igen Himmelsrichtungen entsprechen. Mit der Form des Oktogons wurde hier auch eine Bauform aufgenommen, die bereits bei der um 540 entstanden Kirche San Vitale in Ravenna verwirklicht wurde. Mit seiner Ausführung zählt der Felsendom zu den Meisterwerken des Umayyadenstils. Dies war der Baustil eines arabischen Stammes aus der Region Mekkas, aus dem auch der Prophet Mohammed stammte. Auf dem Plateau, das einst Herodes der Große errichten ließ, verbindet nun der himmlische Löwe alle Stätten dre 3 Relgionen. So wird durch ihn auch der Name des  Golden Tores oder auch Schönes Tor genannt, erklärt. In der Lage, wie sie der Sicht um den 23. April entsprach, liegt dann sein Hauptstern Rgulus, der kleine König, auf diesem Tor.

Goldenes Tor 2018 von außen, Foto Fallane

Damit verweist hier die Farbe Gold, wie bei der Kuppel ds Felsendmes, auch auf die solare Symbolik des Löwen. Nach neueren Unterschungen stammt dieses Tor aus frühislamischer Zeit,. Es wurde als umayyadische Doppeltoranlage errichtet und stammt damit aus einer ähnlichen Epoche wie der Felsendom. Mit dem Beginn der Kreuzzüge gewann das Tor eine ganz andere Bedeutung, denn nach den Erzählungen soll hier Jesus auf einem Esel in die Stadt geritten sein. Deshalb wurde es in der Zeit der Kreuzfahrer auch nur zu den jährlichen Palmsonntagsprozessionen geöffnet. Deshalb befand sich vor dem Tor einst ein Friedhof, der aber nach de Rückeroberung durch den Islam aufgelöst wurde. Das Tor wurde dann dauerhaft geschlossen, doch christliche Reisende konnten aber weiterhin wundersame Fragmente des Tores bei muslimischen Händlern kaufen.

Tempel des Herodes, Asher S. Kaufman / Sicht des Löwe am Abend des 23. April (Jupiterfest Rom, Georgstag kath. Kirche…..)

Mit seiner Lage verbindet nun der Kopf des Löwen die Stätten der beiden großen Relig-ionen. Er ist das Zentrum des Löwen, der für Aspekte wie Beständigkeit, Leben, Macht, Würde, Vollendung, Eintritt und Übergang steht. So stehen die beiden Sterne Eta und Gamma Leonis, der die Mähne des Löwen verkörpert auch für unerschüttelichen Mut. Das dieser von Dauer sein soll, zeigt beide Sterne bei dieser Lage des Löwen, in dem sie die Ostwestrichtung vor dem Ausgängen des Felsedoms markieren. Ebenfalls Auch in symbolisch richtig liegt dann Epsilon Leonis, der im Arabischen Ras Elased Australis, der Kopf des Löwen bedeutet. Hier markiert er die Mittelachse des Herodanischen Tempels, direkt am Zugang. Mit diesem Stern verweist Damit verbindet hier die Symbolik des Löwen alle drei Religionen, und verweist nicht auf ihren gemeinsamen Ursprung, sondern wohl auch auf das Verständnis islamischer Astronomiekunde, die die Eurpäer im Laufe es 10.Jhd`s mit Begeisterterung aufnahmen Es wäre also ein Gebot der Stunde, im Löwen diese Gemeinsamkeit wieder zu erkennen.

Bilder: Wikipedia / Felsendom und Kettendom, Foto Ralf Roletschek , GFDL 1.2 / Timuridische Darstellung Mohammeds; aus dem Miradschname, 1436, Herat. Das Werk befindet sich in der Sammlung der Bibliothèque nationale in Paris.…, Autor unbekannt – „Mi‘rajnama: The Book of the Prophet Muhammads Ascension“ / Fels im Innern des Felsendoms, Foto Earthsound , gemeinfrei / Goldenes Tor 2018 von außen, Foto Fallane,, CC BY-SA 4.0 – Tempel des Herodes, Asher S. Kaufman / Sicht des Löwe am Abend des 23. April (Jupiterfest Rom)

Der Himmel über Tel Shilo

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Tel Shilo (Khirbet Seilun), Foto Abraham Sobkowski OFM – CC BY-SA 3.0

Über 70000 Besucher kommen jährlich zum Tel Shilo, wo lange Zeit vor Jerusalem das wichtigste religiöse Zentrum der Israeliten war. Dort stand nach den Erzählungen des Buches Josua und dem Buch der Richter auch die Stiftshütte, in der das zentrale Heilig- tum, die Bundeslade aufbewahrt wurde. Heute wird Tel Shilo mit dem Ort Chirbet Selun identifiziert, der 16km nördlich von Bet El im Westjordanland liegt und etwa 1050 v. Chr. von den Philistern zerstört wurde. Josua, dessen Name so viel bedeutet wie, `der Herr ist die Rettung´ , gilt als der Verfasser des gleichnamigen Buches, das von der Ein- nahme des verheißenen Landes erzählt. Damit stellt es die Fortsetzung des Buches Moses dar, der kurz nachdem Anblick des Landes vom Berg Nebo am Ostufer des Jordans verstorben war. Die anschließende Landnahme erfolgte dann im Glauben an den einzig richtigen Gott, der auch ausdrücklich die Ausrottung der dort lebenden Völker erlaubte. Als Grund wird angeführt, das sich diese durch Greuelsünden und ver- derbten Götzendienst schuldig gemacht hätten. Im 22.Kapitel des Buches war dieser als gerecht empfunden Kampf beendet und alles eroberte Land durch einen Losent scheid an die einzelnen Stämme des Volkes verteilt worden. Als der von Moses Auserwählte fühlt sich Josua als `Knecht des Herrn´ der seinem Volk über den Jordan vorangehen musste. In seiner Rolle als Anführer eines neuen Zeitalters gilt er deshalb als Präfig-uration des kommenden Jesus. Trotz des am Ende erfolgreichen Kampfes, erfolgte die Landnahme, so wie aktuell, doch nicht vollständig. Am Ende blieb ein Teil in der Hand der Kanaiter und dies sollte sich viel später rächen.

Illustriertes Tabernakel mit Brandopfer (Vordergrund) und der Schechina Gottes als Wolke über der Mischkan mit der Bundeslade im Innern, Charles Taze Russell (1852-1916)

Shilo wurde als der Ort ausgewählt, an dem für 369 Jahre die Stiftshütte als religiöses Zentrum ihren Platz fand. Die Mischkan, so ihre hebräische Bezeichnung, entstand nach einer Gottesvision von Moses, wo ihm die Maße des Zeltbaues mitgeteilt wurden. Dieses Zelt sollte dann das fortan ein Ort der Begegnung mit Gott werden. Sie spiegelt sich auch den Maßen wieder die durch die Zahl 3 bestimmt werden. Sie ist ein Sinnbild Jahwes, so wie es Jesaja 6:3 beschrieben wird. im biblischen Kontext steht die 3 aber auch für das Wort erschaffen, das, wie das Beispiel zeigt, bei einer Verwendung in der Bibel dann dreimal hintereinander folgt: `Gott schuf also den Mensch- en als sein Ab- bild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.“ (1. Mose 1:27). Der umzäunte Hof in dem das Allerheilgste stand, hatte eine Länge von 100 Ellen, eine Breite von 50 Ellen und eine Höhe von 5 Ellen. Mit der das Maß bestimmenden Zahl 5 findet hier die babylonische Zahlensymbolik ihre Fortsetzung, denn die 5 stand dort nicht nur für damals bekannten 5 Planeten, sondern war auch die Zahl der babylon-ischen Himmelsgöttin Ishtar, Sie stand für Sexualität und ebenso für die Fruchtbarkeit. Durch ihre rituelle Verbindung mit dem König während des Frühjahrsfestes wurde die Zahl 5 auch zu einem Sinnbild der der heiligen Hochzeit.

Tel Shilo, Basililka, Foto Yair Aronshtam

Die archäologische Beweise für die im Buch Josua vermittelte Geschichte sind dürftig, Sicher ist bislang nur, dass auf dem Hügel bereits in der mittleren Bronzezeit bauliche Strukturen errichtet wurden,wobei Teile auch ins 8.Jahrtausend v. Chr. datiert werden Zurückreichen. Gemäß den Datierungen des Archäologen Finkelstein wurde das Ge- lände um 1050 v, Chr verlassen, was mit der Zerstörung durch die Philister erklärt wird. Erst in in der späten Eisenzeit gibt es erneute Spuren einer Ansiedlung. Im frühen Christentum erlangte der Ort erneut eine große Bedeutung, wovon die Funde von Rest- en dreier byzantinischer Basiliken zeugen. Was machte aber die eher unscheinbare Anhöhe so interessant? Wesentlich geschickter zu bebauende Flächen gab es doch auf den Anhöhen im Norden, wie auch im Osten. Trotz dieser einstigen Bedeutung ist auch der Ursprung des Namens bis heute unklar. Teilweise wird sein Ursprung in den Be- griffen Friedensstifer oder Ruhe gesehen. Der Bedeutung weitaus näher käme aber die Ableitung aus dem Ausruf sheh-LOH, mit er Bedeutung `er ist es´, also die Erkenntnis nach langer Wanderung endlich den Ort Gottes gefunden zu haben. Doch der Name wird auch auf den semitischen Namen Shala zurückgeführt und der gibt auch einen Hin- weis auf die wohl entscheidende Funktion des Ortes. Trotz seines unscheinbaren Aus- sehens war er Dank seiner Umgebung ein perfektes Observatorium. Deutlich wird die Übereinstimmung von Landschaft und Gestirnsichtung während der der Winter- und Sommersonnenwende und bei den Äquinoktien. Gerade die Übereinstimmung von Son- nenaufgang und dem Aufstieg des Sternbildes Jungfrau während des Frühlingsäquin-oktiums deutet auf den eigentlichen Ursprung des Ortes hin: ein Kultort der Göttin Shala. Sie taucht auch in den Sterntafeln des MUL.APIN auf wo sie als Sternbild Jung- frau, die Ackerfurche, bezeichnet wird. Shala war nicht nur Korngöttin, sie war auch eine sumerisch-babylonische Schwurgottheit. Shilo war also der ideale Ort für die Zeremonie des Erntefestes. War also das Erbe Babylons der Ursprung des späteren Zion – Mythos?

Tel Shilo mit idealen Visurpunkten in der Landschaft

Bilder: Wikipedia / Tel Shilo (Khirbet Seilun), Foto Abraham Sobkowski OFM – CC BY-SA 3.0 / Illustriertes Tabernakel mit Brandopfer (Vordergrund) und der Schechina Gottes als Wolke über der Mischkan mit der Bundeslade im Innern, Charles Taze Russell (1852-1916), Tel Shilo, Basililka, Foto Yair Aronshtam , Simulation,Opentopomap, sunearthtools, Stellarium

Tabor, der Weltenberg

Berg Tabor, Eliot

Kaum ein Berg könnte den Zusammenhang von kultischer Götterverehrung und Aus- richtung seiner Form besser darstellen als der Berg Tabor. Er blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die sich bis ins 2. Jahrtausend v. Chr. zurückverfolgen lässt. Zu dieser Zeit lebte hier das Volk Kanaanäer, das auf dem Berg Tabor den Gott Ba’al verehrte. Einer seiner Mythenzyklen stammt aus Ugarit, in dem Baal als Wettergott beschrieben wird, der über Wind, Wolken und Regen herrscht. Auch wurde er als Spender der Fruchtbarkeit gefeiert, in dem er nach der Dürre des Sommers für den nötigen Regen sorgte. Innerhalb des Baal Mythos herrschte eine enge Verbindung von König und Götterbild, denn die ver- storbenen Könige wurden vergöttlicht und erreichten dann den gleichen Rang wie Baal. Im Bild des Baal erschien Mars , ebenso wie Saturn in jeweils unterschiedlichen Rollen. Verbunden mit der Verehrung des Baal war der Adoniskult. Dieser Begriff stammt aus der semitischen Sprache, in der Adonia, der Herr bedeutet.

Ugaritische Baal-Bronzestatue, gefunden in Ras Shamra (14. bis 12. Jahrhundert v. Chr.)

Als Adonis stand Baal für die Frühlingssonne, in der Gestalt des Mars für die alles aus- löschende Glutsonne des Sommers und als Saturn für die fruchtbringende Regenzeit des Herbstes. In der Beschreibung der Landnahme werden die Israeliten mit der Göttervor-stellung Baals konfrontiert. Auch sie übernehmen diese Göttervorstellung und pflegen die Verehrung Baals mit Rächerwerk und Schlachtopfern weiter.(1. Kön 18,22). Selbst als nach der Aufforderung des Propheten Elias, Feuer großes Verderben über die Diener des Baal brachte, wurde dessen Verehrung nicht beendet. Erst König Jehus, der mit dem Beginn des 8. Jhds. regierte, änderte dies. Er ließ die Anhänger des Baal töten und zerstörte deren Tempel (2. Kön 10,18–28).

Probe auf dem Karmel – Das Feuer JHWHs gegen die Baalspropheten

Mit dem Beginn der römischen Herrschaft verschwand der Baalkult und in dieser Zeit soll es auf dem Gipfel des Tabor ein Zeusheiligtum gegeben haben. Die Bedeutung des Berg- es spiegelt sich auch in seinem Namen wieder, für den es zwei Erklärungen gibt. Einer- seits wird er als Weltenberg betrachtet, weil im Hebräischen das Wort tabbur Nabel bedeutet und so der Beiname Weltenberg entstand. Andererseits könnte der Name auch aus der Kombination der beiden Worte ta und dbr entstanden sein und damit sprechen bedeuten. Mit diesem Namen könnte er auf eine Orakelstätte hindeuten, deren symbol- ische Bedeutung von der christlichen Geschichtsschreibung adaptiert wurde. Sie be- schreibt das Ereignis der `Verklärung des Herrn´ das die katholische Kirche am 6. August feiert. Das Ereignis wird im Lukasevangelium (Lk 9,28–36 EU) beschrieben, wo der Beginn mit folgenden Worten geschildert wird: `Er stieg mit ihnen hinauf, um zu beten. Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes und sein Ge- wand wurde leuchtend weiß.´ Bei seinem Aufstieg auf den Berg Tabor wurde er von den drei Jüngern Petrus, Jakobus und Johannes begleitet. Während dem als Metamorphosis beschriebenen Ereignis erschienen dann zwei wichtige Gestalten aus dem Alten Testa- ment, Mose und Elija. Sie redeten mit Jesus. Die Erscheinung beider lässt sich vor dem Hintergrund biblischer Geschichte erklären, denn Moses war der Vertreter des Gesetzes und Elia der Vertreter bedeutender Propheten.

Verklärungsbasilika auf dem Berg Tabor, Berthold Werner

Doch wichtiger als dies ist die abschließende Himmelserscheinung, die auch als eine Vorwegnahme des kommenden Leidensweges gesehen wird. Die Stimme aus den Wolken über dem Berg Tabor, die ihren Schatten auf Jesus werfen, verkündet dann Jesus als Sohn Gottes. Das Datum der Feier am 6. August ist zuerst irritierend, denn im Kirchenjahr erfolgt die Passionsgeschichte des Osterfestkreises ja vor diesem Feiertag. Das Datum geht jedoch auf das Kirchweihfest der in der 2. Hälfte des 4. Jhd. von der Kaiserin Helena auf dem Berg Tabor errichteten Verklärungskirche zurück. In der armen-ischen Kirche finden sich noch Spuren eines Zusammenhanges zwischen Kalender- rechnung, Klima und diesem Fest, denn dort wurde es einst am 11. August, dem Neujahrsfest gefeiert.

Klimadiagramm

Betrachtet man ein Klimadiagramm der Landschaft, so erschließt sich damit auch die Bedeutung des Berges. Mit seiner ellipsoiden Form ist er genau mit seiner Südostspitze auf den Sonnenaufgang Anfang Februar ausgerichtet, in der die Sonneneinstrahlung ansteigt. Im Gegensatz dazu reduziert sie sich Ende Oktober wieder, mit der beginnenden Regenzeit. Doch seine Nordwestspitze ist auf den Höhepunkt der heißen Jahreszeit am Beginn des Monates August ausgerichtet und in diese Richtung weist auch die Verklärungskirche. Insofern bot der Berg einen idealen Ort für den Kult des Baal und die ihm nachfolgenden Glaubensvorstellungen, in dem die Landschaft, die Zyklen der Natur mit den jeweiligen Ritualen geschickt verbunden wurden.

Ausrichtung des Tabor

Bilder: Wikipedia / Berg Tabor, Mount_Tabor3.jpg: Eliot from The Negev derivative work: TheCuriousGnome / Ugaritische Baal-Bronzestatue, gefunden in Ras Shamra (14. bis 12. Jahrhundert v. Chr.) Unbekannt – Jastrow / Probe auf dem Karmel – Das Feuer JHWHs gegen die Baalspropheten (Hans Holbein der Jüngere, 1497–1543), Abbildung Nr. 46 des Werkes, Herausgegeben von: „Hind, Arthur Mayger, 1880-1957“ im Jahr 1912. / Verklärungsbasilika auf dem Berg Tabor, Berthold Werner / Simulation: Sunearthtools. opentopomap

Die Zahl des Goliath

Städte der Philister

Die biblische Erzählung berichtet von einem Riesen aus der Stadt Gat. Sie zählte zu ein- em von Philistern gegründeten Städtebund, zu denen die Küstenmtädte Gaza, Aschkelon, Aschdod, Gat und Ekron zählten. Anfänglich stand die Ansiedlung noch ganz unter der Schirmherrschaft des fernen Ägypten, wo bei die Städte von lokalen Fürsten regiert wurd- en. An vier Stellen wird im Alten Testament jener Kampf geschildert, der sich zwischen den Riesen Goliath und David, dem zukünftiger Herrscher der Israeliten ereignet haben soll. Im Vertrauen auf die Hilfe Gottes trat David schließlich seinem hünenhaften Gegner entgegen und nahm den Kampf auf. So steht in 1. Buch Samuel (1.S/ 17 EU):

David präsentiert den Kopf des Goliath, Gustave Doré (19. Jhd.)

`Da trat aus dem Lager der Philister ein Vorkämpfer namens Goliat aus Gat hervor. Er war sechs Ellen und eine Spanne groß. Auf seinem Kopf hatte er einen Helm aus Bronze und er trug einen Schuppenpanzer aus Bronze, der fünftausend Schekel wog. Er hatte bronzene Schienen an den Beinen und zwischen seinen Schultern hing ein Sichelschwert aus Bronze. Der Schaft seines Speeres war (so dick) wie ein Weberbaum und die eiserne Speerspitze wog sechshundert Schekel. Sein Schildträger ging vor ihm her.´

Höhlen bei Qumran

In einer in der Höhle bei Qumran gefunden Schriftrollen wird die Größe Goliaths mit vier Ellen und einer Handbreit angegeben. In späteren Übersetzungen wurde der Wert dann auf 6 Ellen und eine Handbreite erhöht. Da eine Handbreite 1/7 Elle entspricht, betrug als das ursprüngliche Maß des Riesen 29/7 Ellen. Legt man hier das Maß der ägyptischen Königselle zugrunde, dürfte also die reale Größe des vermeintlichen Riesen bei knapp 2.20 gelegen haben. Im Vergleich zur damaligen Körpergröße der Israeliten war dies kein allzu großer Unterschied. Allein diese Größe hätte das Bild eines übergroßen, unbesiegbaren Wesens nicht rechtfertigen können. Doch auch hier bieten die Zahlen einen Weg zum Verständnis des Riesen. Die 29 wird im hebräischen als 20+9 geschrieben. Dabei hat der Buchstabe Kaph den Lautwert 20 und bedeutet `die Hand die zupackt´. Diese Handlungsfähigkeit öffnet nun eine weitere Möglichkeit und führt zum Lautwert 9, dem Teth. Dieser Buchstabe symbolisiert die Gebärmutter, den Ort aus dem sich alles Neue entwickelt. Im Quotient 29/7 steht all dies nun im Verhältnis zur Zahl 7. Sie wird durch den Buchstaben   Sajin verkörpert , der auch als Sinnbild für eine Waffe steht.  Das Neue entwickelt sich also mit der angemessenen Verwendung einer Waffe. In diesem Fall war aber sicher das Potential des Geistes gemeint und keine reale Waffe. Dieses sich entwickelnde Neue erforderte auch einen neuen Mittelpunkt, den David schließlich nach seinem Sieg mit der Steinschleuder bildete. Dass die 29 diesen Mittelpunkt darstellt, zeigt ein Beispiel aus dem Modell der Pythagoreeschen Tetraktys. Werden in einem Kreis, vom Mittelpunkt aus, beidseitig die Punkte 1 bis 5 mit den dazwischen liegen Strecken abgetragen, so ergeben ihre Summen die 29. Dieses Fähigkeit die Mitte zu strukturieren ist aber nur eine ihrer mathematischen Eigenschaften, denn die 29 zugleich die erste Primzahl, die die Summe dreier Quadratzahlen darstellt: 2² + 3² 2 + 4 ² = 29  Der röm- ische Dichter Horaz, der in seinen Versen immer eine komplexe Zahlensymbolik verbarg, räumte wohl auch aus diesem Grund der 29 eine so herausragende Bedeutung ein und spricht ihr damit den Ausdruck einer höchsten göttlichen Seinswirklichkeit zu.

Die göttliche Zahl 29

David hatte sich geprüft und einen Weg gefunden, sich seiner verantwortungsvollen Aufgabe zu stellen. Kein jüdischer Feiertag dürfte diesen Aspekt der Prüfung besser verkörpern als der Feiertag Jom Kippur. Die Vergebung steht zu Jom Kippur im Mittelpunkt , doch der zweite Aspekt ist die Pflicht zur Selbstprüfung und der Entschlossenheit, es besser zu machen, um die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Aber gerade zu dieser Zeit war das Schicksal eines gestürzten Riesen am Horizont sichtbar, dort wo auch seine Heimatstadt Stadt Gat lag. Hier stürzte jener Riese hinter den Horizont, von dem die Legende erzählt, dass er zahlreichen jungen Kriegern neben dem Kampf mit dem Schwert auch den Kampf mit der Steinschleuder gelehrt hatte. In der Stellung des stürz- enden Riesen war Orion während des Jom Kippur Festes am Morgen kurz vor Sonnen- aufgang zu sehen. In dieser Position war es für David wohl kein Kunststück ihn zu Fall zu bringen.

Sicht von Jerusalm: Der Sturz Goliaths

Gemäß der biblischen Erzählung machte der Sieg David zum ersten bedeutenden König über Juda und Israel. Doch aus Sicht der Forschung wird dies bis heute angezweifelt. Von einem Großreich Israel kann auf Grund fehlender archäologischer Nachweise und den fehlenden Erwähnungen in den Aufzeichnungen benachbarter Reiche keine Rede sein. Auch von David ist bislang nur ein einziger Namenshinweis aus einem Siedlungshügel im Norden Israels bekannt. Doch der Name war zu dieser Zeit weit verbreitet und deutet keinesfalls auf die biblische Gestalt hin. Ist der Mythos Goliaths also  ein weiterer Hinweis auf einen konstruierten Geschichtsverlauf, dessen Hintergrund in Wahrheit eine Sternen-legende ist? Aber wenn Goliath durch Orion verkörpert wurde, wer war dann David? Gemäß den Überlieferungen war sein Vater Isais, über den kaum etwas erzählt wird und dessen Herkunft im Dunkeln liegt. Auf Grund des von ihm begründeten Stammbaumes erhielt David später in der christlichen Lehre auch den Beinamen  `Blüte aus der Wurzel Isais´. Wenn sich aber Goliath aus einer Sternenlegende entwickelte, so dürfte dies bei David wohl ganz ähnlich sein. Ist Goliath/Orion am Horizont verschwunden, so strahlt der ihm folgende Sirius noch immer und der bietet dann die Erklärung für den Sieger mit der Steinschleuder.

Bilder:Wikipedia/ Der Hebräer David präsentiert den Kopf des Philisters Goliath (Gustave Doré), 1832-1883 / Höhlen bei Qumran, Grauesel / Grafik Zahl 29, http://www.decemsys.de/horaz/carmen-saeculare/cs5-tb.htm; Simulation, Stellarium

Jerusalem – Tochter Zion

Die aktuellen Anschläge in Jerusalem, die einhergehen mit wachsender Gewalt zwischen Juden und Palästinensern, zwingen zum Nachdenken über die Hintergründe der Stadt. Alle drei monotheistischen Religionen beanspruchen Jerusalem als ihre heilige Stadt. Deshalb ist auch kaum ein Ort so oft zerstört und anschließend wieder neu aufgebaut worden, Paradoxerweise heißt der Name auf Hebräisch `Jeruschalajim´, d. h. Wohnung des Friedens. Siedlungsspuren sind im Stadtgebiet ab dem 4.Jahrtausend nachweisbar, doch eine Erwähnung findet der Ort erst in ägyptischen Dokumenten des 18. Jhd.´s v. Chr. Dort wird er als Auschamen oder Ruschalimum bezeichnet. Dieser Name soll wahr- scheinlich.auf den vermuteten Gott Schalim“ zurückgehen, der in den kanaanitische Götterlisten als Gottheit der Abenddämmerung geführt wird. Er gilt als eigentlicher Patron der Stadt.

Ölberg auf elsendom 19. Jhd Georg Macco                                    Georg Macco, Jerusalem im 19. Jahrhundert

Diese Identifizierung geht auf den Archäologen und Orientalisten William Albright zurück. Er sah Šalim, mit dem auch der Gruß Shalom verwandt ist, als Gottheit der Abenddäm- merung. Als Gegenpart war ihm seine Schwester Šaḥar der Göttin der Morgendämmer- ung zugeordnet. Beide Gottheiten verweisen auf die Venus als Abend- und Morgenstern. Deshalb sind für John Gray sowohl Šaḥar als auch Šalim als eine Gottheit zu sehen, die durch die Venus verkörpert wurden.

Venus Genetrix 02                                                Venus Genetrix; Flroenz Uffizien

Durchaus ähnlich wurde sie später als `Venus genetrix´ auch als Stammmutter des römischen Volkes betrachtet. Besonders das Geschlecht der Julier bezog sich in seiner Abstammungslegende auf sie. Dass der Ursprung Jerusalems nicht auf eine männliche Gottheit sondern in Wirklichkeit auf eine Frau zurückzuführen ist zeigt sich schon in der personifizierenden Bezeichnung der Stadt als Tochter Zion (בת ציון). Die ältere Forschung sieht hier noch einen symbolischen Heilstitel des jüdischen Volkes, doch die neuere Forschung sieht in dem Name Tochter Zion eine eigene metaphorische Qualität die nicht nur mit bestimmte Motive, Formen und Inhalte verbindet, sondern auch einen spezifischen theologischen Aussagewillen erkennen lässt.
Belege für diese Personifikation finden sich in den Prophetenbüchern. Hier sind es zum einen Texte in den Klagen zum Ausdruck kommen, wo Jerusalem als leidendes Kriegs-opfer, Witwe und verlassene Mutter bezeichnet wird. Aber es gibt auch Texte, die die Stadt als Abtrünnige, Hure oder auch als Ehebrecherin beschreiben Noch heute hat das Wort Stadt in vielen Sprach ein weibliches Geschlecht, eine Tradition die zurückgeht bis zu den Ursprüngen der ersten Stadtgründungen im Zweistromland. In den Sprachen des west- semitischen Raumes wie im Hebräischen ist das Wort weiblichen Geschlechts. Weibliche Titel und sprachliche Zusätze wurden dort als Ausdruck der Verehrung gesehen. Wie es scheint, wurde der Stadt, deren Schutz einer Stadtgöttin übertragen wurde, auch göttliche Eigenschaften zugewiesen .
Doch auf Grund des Mangels von aussagekräftigen Belegen bleibt es offen, wie zu dieser Zeit das Verhältnis zwischen der Stadt und ihrer Stadtgöttin tatsächlich gesehen wurde. Ikonographische Quellen, sowie zahlreiche Münzen deuten jedenfalls daraufhin, dass eine personifizierende Darstellung von Städten mittels weiblicher Titel und Eigenschaften wie `Hohe Frau´, `Heilige´ oder ´Mutter´ zumindest möglich und in dieser Region vielerorts auch geläufig war.

Jerusalem Modell                                               Jerusalem mit Tempel, Modell

Wie die ägyptischen Texte zeigen, begann die dokumentierte Siedlungsgeschichte Jerusalems im frühen 2. Jahrtausend v. Chr. Herrschersitz wurde die Stadt um 1000 v. Chr. Durch die Eroberung König Davids, der die damals jebusitische Stadt zu seiner Residenz machte. Mit phönizischer Hilfe baute sein Nachfolger Salomo den Tempel auf dem Tempelberg Sion, dem heiligen Berg Israels, als dem festen Wohnsitz Gottes. Die Stadt wurde 586 v. Chr. durch Nebukadnezar zerstört, ab 538 v. Chr. von den Juden wiederbesiedelt, und 515 v. Chr. War der Aufbau des zweiten Tempels war beendigt. Der wurde durch Herodes d.Gr. monumental ausgebaut und nach Aufständen gegen die römische Besatzungsmacht zwischen 70 und 135 n. Chr. Erneut zerstört. Danach entstand hier ein Jupiterheiligtum.

Jerusalem Plan1                                                     Jerusalem, das Urbild

Auch am Grundriss Jerusalems zeigt sich, dass das Bild der Schutzmacht auf den Boden zu übertragen ist. Er kann als Mischung exakter Übertragung ähnlich wie in Philae und gleichzeitig als allegorisches Bild der Präfiguration  biblischer Ereignisse interpretiert werden. Während die Jungfrau am Morgen aufsteigt weist ihre Hand auf den Tempel, während die Andere mit der Kornähre über dem Gebiet des Grabes Jesu liegt. Das in Babylon entstandene Symbol der Fruchtbarkeit und Ernte steht nun im übertragenen Sinn für die Frucht des neuen Glaubens. Gegen Abend liegt sie umgekehrt und markiert die Ostgrenze mit dem Tempel. Jetzt liegt der hellste Stern Spica im Tal Kidron. Im Glauben von Christen und Juden soll das Jüngste Gericht direkt vor dem Goldenen Tor im Kidrontal stattfinden, gleichsam die letzte große Ernte der Menschheit. Damit kann der Grundriss der Stadt als eine gebaute Präfiguration der kommenden Geschichte angesehen werden

Grabmal Abschalom Kidrontal                                             Kidrontal, Grabmal des Abschalom

Maria wird von den drei großen Weltreligionen verehrt. Auch die 21 Sure des Korans be- richtet wie die heilige Schrift von einer Jungfrauengeburt. Dort bringt sie ihren Sohn unter ihrem Symbol, der Palme, als Isa bin Maryam zur Welt. `Und der, die ihre Keuschheit wahrte, hauchten Wir von Unserem Geist ein und machten sie und ihren Sohn zu einem Zeichen für die Welten´. Die Bilder zeigen wie sich im Lauf der Jahrtausende die Heilser-wartung an den Ort in ein kollektives Gedächtnis eingegraben haben und jede Religion die Deutungshoheit darüber beansprucht. Der Friede, dessen Name die Stadt ja verkörpert, kann also erst eintreten wenn dieser Heilsanspruch aufgegeben wird und endlich die ge- meinsamen Wurzeln der drei Religionen erkannt werden, die ja auf einer Reihe minimaler Unterschiede theologischer Streitigkeiten beruhen.

Tragisch wäre es, wenn die im Grundriss Jerusalems angelegte Präfiguration der Ge- schichte durch Menschenhand gewaltsam herbeigeführt würde. Diese Sehnsucht nach Erfüllung eines alten Planes ist eng mit dem Heilsversprechen verknüpft das Theologen selbst erschaffen haben. Aber diese `letzte Ernte´, das Jüngste Gericht im Kidrontal, auf die die Ähre der Jungfrau am Spätnachmittag hinweist, würde aber auch das Ende der drei mono-theistischen Religion bedeuten. Aber vielleicht ist dies auch ein unabänderlicher Zyklus auf den die Kornähre im Kidrontal hinweist, der den alten Baumeistern noch durch- aus bewusst war. So war bisher mit jedem Sternbildwechsel im Frühlingspunkt auch ein Paradigmenwechsel der Religion verbunden. Also müssen wir noch ungefähr 200 Jahre warten, bis der nächste Wechsel des Frühlingspunktes in das Sternbild Wassermann ein ganz natürliches Ende der drei Religionen herbeiführt.

Sternbild Wassermann