Hexenprozess in Obernheim

Das alljährliche Hexenfeuer

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Der Götzenaltar bei Königsheim

Götzenbild des goldenen Kalbes in Hartmann Schedels Weltchronik Scan, Tsujigiri~commonswiki

Der Name Götzenaltar weist weit in die Religionsgeschichte zurück und spiegelt den Kampf der Religionen um die Deutungshoheit echter Gottesverehrung wieder. Der Name, der eine Zurücksetzung anderer Götter gegenüber dem Gott der Israeliten be- deutete, taucht im Buch der Chronik, aber auch im Buch des Propheten Hesekiel auf. Hesekiel, einer der drei großen Schriftpropheten des Tanach, schildert im gleichnamig- en Buch das Unglück der Israeliten als diese begannen fremde Götter anzubeten. Dies sah Hesekiel lange im Voraus in einer Vision, in er das Innere des Tempels erblickte, In dem huldigten Priester fremden Göttern anderer Völkern. Dort wurden sie nun in Bild- ern verehrt, während der ursprüngliche Glaube der Israeliten kein Bild Gottes kannte. Tatsächlich geschieht später dann das,was der Prophet anprangerte.

Fresko in der sixtinischen Kapelle von Michelangelo, 1510, Michelangelo – Web Gallery of Art:

Die Israeliten beteten die Götzen an und gerieten daraufhin, nach der Eroberung Jerusalems und der Zerstörung des Tempels in babylonische Gefangenschaft. Den- noch endet das Buch mit der Beschreibung der Herrlichkeit eines königlichen Fried-ensreiches in der Zukunft und deutet damit bereit das Kommen des Messias an. Im Buch der Chronik, das seit dem Mittelalter in 29 Kapitel unterteilt wurde, wird haupt-sächlich der Aufbau der Gesellschaft der Israeliten geschildert. Hierbei wird aber der Schwerpunkt der Betrachtung auf die Gottesverehrung im 1. Tempel gelegt. Im Ver- gleich mit den Gottes- bildern anderer Völker steht dort: (´„kol elohei haamim elilim´), was übersetzt bedeitet: `Denn aller Heiden Götter sind Götzen;´ oder auch sinngemäß `Alle Götter der Völker sind nichts´.

Nicolas Poussin: Die Anbetung des goldenen Kalbes (1633–1634)/ Nicolas Poussin/ Bild ttp://www.cts.edu/ImageLibrary/Public_domain.cfm

Dennoch ist der deutsche Begriff Götze erst jüngeren Datums. Im Mittelhochdeutschen entspricht die Diminutivform des Wortes einer Abwertung und dem Sinn nach einem Hausgeist oder Kobold. Martun Luther gebrauchte den Begriff erstmals im jahr 1520 in der Bedeutung von Abgott oder auch flacher Gott. Eng verknüpft mit dem Wort Götze ist der des heute kaum noch gebäuchlichen Begriffes Heide. Das Wort leitet sich aus dem lateinischen paganus ab, das für ländlich oder dörflich steht. Das Woirt weist aber gleich auf zwei Entwicklungen hin: Das Aufblühen einer städtischen Kultur während der Blütezeit Roms, die die dörflich anmutetenden Oppida in den Schatten stellte und damit ein soziales Gefälle von Stadt und Land andeutet. Dies spiegelte sich auch in der Wert- schätzund dieser weit draussen lebenden Bevölkerung wieder, die als ungebildet und zurückgeblieben betrachtet wurde. Das gleiche Bild wurde dann während der Christ-ianisierung auch auf den Glauben der Landbevlkerung übetragen. Eine erste klare Ab- grenzung zwischen den Heiden und den Christeen geschah auf dem im Lukasevangel- ium geschilderten Aposelkonzil. Für das Urchristentum, das zu dieser Zeit aus zahl- reichen sektiererischen Gruppen mit unterschiedlichen Glaubensinhalten bestand, wurde auf diesem Treffen eine wegweisende Entscheidung zur Missionierung von Heiden getroffen. Als Hauptvertreter der hellenistischen Theologie vertrat hier der Apostel Paulus die Auffassung, dass Heiden durch den angenommenen Glauben an Jesus Christus und den Empfang des Heiligen Geistes gereinigt und geheiligt seien.

Heidenmission im Mittelalter, Daratellung aus dem 19. Jhd.

Damit unterlagen sie auch nicht mehr dem bis dahin praktizierten jüdischen Religions- gesetz der Beschneidung und in der Folge war dies die Trennung zwischen dem Juden- tum und den Christen. Auf der südlichen Albhochfäche, zwischen Böttingen und Kön- igsheim erinnert der Name eines Felsblocks aus dem oberen Juragestein an den heute nicht mehr gebräuchlichen Begriff Götze. Das als Götzenaltar bezeichnete Gestein musste aber bereits in frühgeschichtlicher Zeit einen besonderen Nimbus besessen haben, denn in unmittelbarer Nähe zu dem Ort befinden sich mehrere Grabhügel. Der rund 1,6m hohe Block liegt auf einer runden Steinplatte mit einem Durchmesser von knapp 25m Die ganz bewusste Gestaltung des Ortes lässt sich auch in der Ost-West-Ausrichtung des Felsens erkennen.

Götzenaltar Schwäbische Alb, Foto Manuel Mattes , http://manuel-mattes.de

Auf Grund von Keramiktresten aus der späten Bronze- und Hallstattzeit wurde früh auf die kultische Bedeutung des Ortes geschlossen. Obwohl Bewaldung heute die einstigen Sichtbeziehungen verdeckt, erscheinen drei wesentliche Richtungen für den Götzenalt- ar und die Grabhügel wichtig gewesen zu sein: Der Sonnenuntergang am 31. Oktober über dem Böttenbühl, der während der Äquinoktien über dem Galgen Berg bei Bötting- en und dem Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende über dem Stufenberg an der Oberen Bära. Die einstige Bedeutung des Ortes ist längst von zwei schauerlichen Sag- en überformt wurden. Eine erzählt vom Streit zwischen Vater und Sohn um ein Mädch- en, der in einem Gottesurteil mündete und schließlich zum Tod der beiden vor dem Stein führte. So nimmt es kein Wunder, dass er heute versteckt zwischen Bäumen liegt und seine ursprüngliche Bedeutung längst vergessen ist. Auch das Christentum hatte bald die Macht der einst angeprangerten Götzenbilder erkannt und das Medium Bild und Plastik zur weiteren Missionierung eingesetzt. Da die alte Bildsprache verloren ging, haben auch sie, heute, nach fast 2000 Jahren Missionierung, ihre große Bedeut- ung verloren, . Insofern steht der Naturaltar bei königsheim auch für den Beginn der Religionen.

Sonnenrichtung des Götzenaltares

Bilder: Wikipedia / Biblisches Götzenbild des goldenen Kalbes in Hartmann Schedels Weltchronik (Nürnberg 1493) , ScanTsujigiri~commonswiki / Fresko in der sixtinischen Kapelle von Michelangelo, 1510, Michelangelo – Web Gallery of Art/ Nicolas Poussin: Die Anbetung des goldenen Kalbes (1633–1634)/ Nicolas Poussin/ Bild ttp://www.cts.edu/ImageLibrary/Public_domain.cfm / Götzenaltar Schwäbische Alb, Foto Manuel Mattes, http://manuel-mattes.de/ simulation sunearthtools,opentopomap

Beuron und die Geburt des Mondes

Beuron, Foto by Adrian Michael

Der Ursprung des Ortsnamens Beuron wird im mittelhochdeutschen Wort bur gesehen, das Haus bedeutet. Somit deutet, oberflächlich betrachtet, der Ortsname auf eine An- sammlung von Gebäuden hin. Doch war war das Vorhandensein einiger abgelgener Bauernstellen an einer Donauschleife der eigentliche Grund, um hier eines der be- deutensten Klöster an der Donau zu errichten? Im germanischen Wortschatz hat das Wort `bur´ aber noch weitere Bedeutungen. So bedeutet bura auch geboren und ebenso empor oder hoch. Dieser Inhalt öffnet einen neuen Blickwinkel, auch vor dem Hintergrund der Darstellung von der Krönung Marias auf dem Hochaltar des Beuroner Klosters. Die Darstellung mit Christus, der Maria die Krone aufsetzt spielt sich vor einem goldenen Hintergrund ab, der von zahlreichen Sternen, der Sonne und dem Mond umgeben ist Der neue Hochaltar wurde nach einer Zerstörung des alten im Jahr 1872, im Stil der Beuroner Kunstschule gestaltet. Diese Schule wurde von ihrem Prota-gonisten und Förderer Desiderius Lenz ins Lebem gerufen und strebte nach dauerhaft gültigen, verbindlichen Gestaltungsprinzipien innerhalb der kirchlicher Kunst. Wie be- reits im Altarbild zu sehen, gehörte dazu ein ikonogragraphischer Bezug zur Kunst des Alten Ägypten, die für Len die Urform aller Künste darstellte.

Erzabtei Beuron: Altar

Gnadenkapelle (Nordseite der Beuroner Abteikirche), Foto Andreas Praefcke

Lenz glaubte, mit Hilfe den heiligen Maßen Ägyptens, in denen er die Gesetze der `ästhetischen Geometrie´ verborgen sah, wieder eine heilige Kunst ins Leben rufen zu können. Auch dort standen die Sonne, wie auch der Mond im Zentrum der Verehrung. Während im Laufe der Entwicklung Ägyptens der Sonne in Gestalt der Sonnengottheit Ra eine dominierende Rolle zugewiesen wurde, blieb der Mond im Denken und Glaub- en der altorientalischen Kulturen wichtiger. Seine Verehrung spielte vor allem in Ländern wie Mesopotamien, Kleinasien und Syrien-Palästina eine besondere Rolle. Spuren dieser Mondgottheiten, wie der orientalische Sin, finden sich heute noch Namen wie dem Berg Sinai versteckt.

Mondgott Sin

Mit dem Mond sind auch einige Phänomene verbunden, die ihn wohl einst seine Macht als Gottheit unterstrichen. Der Wandel seines Aussehens geht einher mit den Frucht-barkeitsyklen der Frau, wie auch mit Ebbe und Flut. Damit waren für frühere Kulturen die Einflüsse desMondes auf das menschliche Leben unmittelbar erkennbar. Sein Ver- schwinden bei der abnehmenden Mondphase. bracht ihn auch in Zusammenhang mit der Unterwelt und so hatte der Mondgott einst auch die Funktion eines Toten – Schicksals und Orakelgottes. Von den Sumerern und der Stadt Ur ist hier der Kult des Mondgottes Nanna überliefert. Dort galt er als der Vater des Sonnengottes Utu, was zugleich seine Vorrangstellung im Götterpantheon der Summer zeigt. Diese Vorrang-stellung hatte auch astronomische Gründe, denn die Macht des Mondes wurde auch darin gesehen, dass er auch während des Tages sichtbar ist und seine Bahn etwas höher als die der Sonne verläuft. Auf diese herausragende Bedeutung lässt auch der Name der sumerischen Mondgöttin `Nin.gal´, die große Herrin, schließen. Veränder- ungen seines Zyklus, wie Mond- und Sonnenfinsternisse riefen stets große Beunruhig- ung bei den Menschen hervor hervor und galten im Altertum als negatives Zeichen des Mondgottes, dem mit umfangreichen Ritualen begegnet wurde. Auf Grund dieser Angst vor Finsternissen konnten diese oft auch von kriegsentscheidende Bedeutung sein. In solchen Auseinandersetzungen war der war im Vorteil, der diese Finsternisse auf Grund umfangreicher Beobachtungen auch berechnen konnte. Dazu bot der Talkessel von Beuron mit seinen markanten Felsen als Visierpunkte, sowie dem nach Nordwesten Nordwesten weisenden Taleinschnitt eine hervorragende Möglichkeit. Wie der Mond selbst, ist hier die Landschaft durch die Talflanken annähernd kreisrund geformt und spiegelt damit seine Form. Die beiden großen nördlichen Mondwenden konnten so von einem Punkt im heutigen Friedhof nördlich der Klosterkirche beobachtet werden.

Die Mondwende in Beuorn +ber Burgruine Spaltfels, Foto Spaltfels Joachim Haller

So kann dort der Mondaufgang während der großen nördlichen Mondwende über dem Spaltfels und dessen Untergag über dem Ende des nordwestlichen Taleinschnittes. Ebenso kann von dort der Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende über dem südlich des Spaltfelsen gelegen Felskonglomerat beobachtet werden und der am 1. Februar über dem Petersfelsen. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, gewinnt auch der Ur- sprung des Wortes bur eine ganz andere Bedeutung. Die große Mondwende markiert einen Zyklus von knapp 19 Jahren. Mit dem Erreichen seines nördlichsten Bahnpunktes war ein Zeitabschnitt beendet und im übertragenen Sinne wurde dann neu geboren, so wie die Sonne mit ihrem neuen Licht über dem Petersfelsen am 1. Februar. An diesem Tag wurde in keltischer Zeit das neue Licht gefeiert und bis ins 19. Jahrhundert hinein begann da auch das neue Bauernjahr. Die Suche des Beuroner Kunstschule nach den ursprünglichen Wurzeln der Kunst geschahen also an einem Ort der bereits mit den Gestirnen und den alten Mythologien verbunden war. Sie lebten auch in den Psalmen fort, wo der Mond ehemals gemeinsam mit der Sonne als Garant für Beständigkeit genannt werden (Ps 72,5; Ps 89,37f.).

Wikipedia/ Bencés Főapátság Beuron, Foto by Adrian Michael / Chor der Beuroner Klosterkirche St. Martin, Beuron, Foto Zairon / Gnadenkapelle (an die Nordseite der Beuroner Abteikirche angebaut), Foto Andreas Praefcke /Burgfels nordöstlich des Klosters Beuron,Foto. Joachim Haller CC BY 3.0 / Simulation, opentopomap, sunearthtools

Tuttlingen und das Mondtor der Donau

Honberg um 1900

War es ein alamannischer Stammesfürst, oder doch eine Sage mit gewichtigem Hinter- grund die zum Name der Stadt Tuttlingen führte. Eine Herleitung des Stadtnamens die häufig auch in anderen Städten anzutreffen ist, ist die konstruierte Verbindung mit einem Stammesfürsten. Auch der Name der Stadt Tuttlingens wird gerne auf einen Tuto zurückgeführt, einen historisch nicht belegten alamannischen Stammesfürst. Eine and- ere Erklärung bietet die Sage von der Dttfee aus dem nahen Duttental. Gundula Tatschner, aber Georg Rohrecker haben dazu einiges zusammengetragen. Rohracker ging den alten Erzählungen nach und erwähnte die Sage in seinem Sagenbuch. Im Duttental, das nach einhelliger Auffassung nicht geheuer war und das sich in süd- westlicher Richtung von Tuttlingen aus erstreckt, soll sich eines Tages ein Zug voller Gläubigen vor einer pferdehütenden Jungfrau in Luft aufgelöst haben. Auch im nahen Heiligental soll es einst drei Zauberinnen gegeben haben, deren Schimmel auf einer Weide grasten. An sie wandten sich die Bewohner Tuttlingens bei Seuchen, Sorgen und Krankheiten. Die drei verstanden etwas von Hexerei, genauso wie sie der Tier- sprache mächtig waren. Eine Erklärung für den Namen findet sich im Alemannischen wie im Hochdeutschen, wo der Dutt als das Flechten eines Zopfes zu einem kreisgförmigen Nest bedeutet.

Die Technik eines gewickelten und gezwirnten Haarknotens, Foto, CMoi

Sie gleicht dann auch der Scheibe des Mondes hat weshalb der Dutt in Italien auch als Sinnbild des Mondes gilt. Beides, der Mond und die Fee verbinden sich dann auf ideale Weise. Mit dem Dutt als Bild des Mondes hat die Duttfee in Tuttlingen aber noch eine Berechtigung. So muss der Mond einst für den Ort eine besondere Bedeutung be- sessen gaben, denn die Donau ließt hier durch ein Tor dessen Ausrichtung durch die große Mondwende bestimmt ist, Dieses Tor wird durch die nordwestlich gelegen Eichhalde den südöstlich gelegen Honberg bestimmt, auf dem Graf Eberhardt im Barte 1460 eine der größten Landesfestungen errichten ließ. Neben der Ausrichtung dieses Tores scheint auch die Entfernung der beiden Bergsporne einst von besonderer Bedeutung gewesen zu sein. So beträgt die Entfernung von den beiden Bergspornen ca. 1,9 km und diese Strecke entspricht dann ziemlich genau 4000 Salamiselllen mit je 0,483m.

Das Mondtor in Tuttlingen, die Ausrichtung des Honberges

Diese Längeneinheit gehört zu den ältesten nachgewiesenen Längenmaßen. An der Donau wurde es bereits bei den Hausgrundrissen von Lepenski Vir identifiziert, einer der bekanntesten Siedlung en der Donaulkultur aus dem 7. Jhts. v. Chr. In früheren Zeiten scheint noch eine wesentlich größere Bedeutung genossen zu haben als die Sonne. Zahlreiche Bauwerke, wie Menhirreihen in Frankreich oder die Steinsetzungen in Callanish auf der Hebrinden-insel Isle of Lewis, wurden einst nach Mondwenden aus- gerichtet.

Callanish 1, Foto Chmee2

Wissenschaftler nehme heute an, dass diese Ausrichtung aber eine vorwiegend kult- ische Bedeutung besaß und so die beherrschende Rolle des Monde gewürdigt wurde. Da seine Bahn etwas höher als die der Sonne verläuft und auch sein Pendelbogen größer ist, könnten dies Anhaltspunkte sein, für seine früher dominierende Stellung in einem Götterpantheon. Der Mond und seine Bedeutung führt nun zu einer weiteren Sage, die Sage des Tuttlinger Kistenmännles. Laut der Erzählung hat es einst auf dem Honberg sein Unwesen getrieben. Zu seinen Lebzeiten galt das Kistenmännle als geldgieriger Vogt, der für seine Herrschaft eine gewaltige Steuerlast verlangte. All seine Schätze sammelte er einer Truhe, die er auf dem Honberg versteckte. In die soll er eines Tages hineingefallen und elend verhungert sein.Das von Ludwig Bechstein im 19.Jhd. verfasste Märchen `vom Mann im Monde´, macht die bildhafte Symbolik der Mondkrater wieder populär. Das Bild der Mondkrater wird in allen Kulturen unterschiedlich gedeutet. In der christlichen Deutung wurde es gemäß dem 4. Buch Mose, als ein zur Strafe auf den Mond versetzter Mann mit einem Reisigbündel gedeutet.(4 Mos 15,32-36).

Mögliche Interpretationen des Mondgesichts, Grafik: D.Helbe

In Chinas Sagenwelt jedoch gab es die Erzählung vom Hasen im Mond. Viel realer und zugleich umstritten ist das Mondholz, dass früher um Bau von Fachwerkhäusern benutzt wurde. So ändert sich der Feuchtegehalt des Holzes während der Mondphasen beträchtlich und deshalb hat bei abnehmenden Mond geschlagenes Holz ein höhere Festigkeit, wie eine Studie der ETH Zürich nahelegt. Auf Grund dieser Eigenschaften wurden deshalb früher auch Truhen und Kisten aus diesem Holz hergestellt. Damit verbindet die Sage gleich mehrere Epochen. Eine zeitnahe ,in der das Wesen des Holzes noch anders gesehen wurde und eine weit zurück-liegende, in der der Mond noch über die Menschen herrschte. Dass auch der Graf sich der alten Mond- und Sonnensymbolik bediente, zeigt die Ausrichtung der Fest- ung auf dem Honberg. So war die Hauptburg im Julianischen Kalender. sinnfällig zum Beginn der Herrschaft, auf den Sonnenuntergang am 1. Januar und damit zu- gleich das 1. Marienfest ausgerichtet, während in Gegenichtung der Sonnen- auf- gang am Johannitag zu sehen war, ein im Bauernleben und Brauchtum ehedem wichtiger Tag.

Festung auf dem Honberg

Bilder: Wikipedia / Die Technik eines gewickelten und gezwirnten Haarknotens, Foto, CMoi , CC BY-SA 3.0 / Callanish 1, Foto Chmee2 / Mögliche Interpretationen des Mondgesichts, darunter Mann/Frau mit Brennholz (ganz oben), der Mondhase (zweiter von oben) und die Frau im Mond (ganz unten)…D.Helbe / Plan Honberg, Burgenwelt / Simulation opentopomap, . Heinrichs Kalenderumrechner

Magna Mater auf dem Auerberg

Blick von Ostnordosten über den Haslacher See zum Auerberg Foto Dark

In seinem mehrbändigen Werk `Die Geographie´ erwähnt der griechische Geschichts-schreiber und Geograph Strabon auch zwei Städte der im Norden lebenden Vindeliker, Kambodunum und Damasia, Er beschreibt hier Damasia als die Hauptstadt der Likatier und einer Felsenburg gleicht. Doch in der Ortsangabe bleibt er vage und da der Ort während er römischen Landnahme zerstört wurde, bot Strabons Beschreibung genüg- end Raum für mögliche Interpretationen. Als eine dieser Möglichkeiten wird der Auer- berg gesehen, der im Landkreis Weilheim-Schongau liegt. Der Berg im Alpenvor- land wird auch als Rigi des Ällgäus bezeichnet, da er, wenn auch in wesentlich kleinerer Form eine ähnliche Gipfelsilhouette aufweist wie die Königin der Berge in der Schweiz. Zahlreich waren ebenso die Versuche den Ursprung des Namens zu deuten. Richard Knussert verfolgte in seinem 1955 erschienen Buch `Das Füssener Land´ mehrere Spuren und findet dabei aber auch keine endgültige Antwort.

St.-Georgs-Kirche auf dem Gipfel des Auerbergs (Ansicht von Süden), Foto Dark

Doch der Auerbeg wartet mit einer Reihe von Eigenschaften auf die für das kultische Zentrum einer Stadt wie Damasia geradezu ideal waren. Von Westen aus führt ein schmaler Höhenrücken wie eine Rampe auf den Berg zu, der aus zwei Kuppen besteht. Gleicht sie in Ihrer Wirkung doch den Treppenanlagen sumerischer Stufentempel. Auf der ausgeprägteren der beiden Kuppen steht heute die St. Georgskirche, bei der Teile aus romanischer Zeit stammen. Wird die Richtung der `Rampe´ mit dem Sonnenaufgang in Verbindung gebracht, so ist er am Beginn um den 8. April in der Senke des Auer- berges zu sehen und am 10. April steht hier dann die Sonne auf dem Horizont. Die beiden Sonnenaufganges markieren einen Zeitraum den im römischen Reich abge- halten Fest der Magna Mater, den Lud Megalensis gleicht. Da der Kult weit verbreitet war und auch mit den Abläufen landwirtschaftlicher Tätigkeit im Zusammenhang stand, deutet dies auf eine vorrömische Kultstätte hin.

Sonnenrichtung Auerberg

Zikkurat des Mondgottes Nanna, Rekonstruktion, Foto Hardnfast

Die phrygische Göttin Kybele, die in Rom als Magna Mater verehrt wurde, holten die Römer während des Punischen Krieges aus Kleinasien.Mit dem Mythos der Kybele verband sich der Kult des Stieres, das Taurobleum. In den Kulthandlungen nahm dieses Stieropfer den zentralen Raum ein. Über den eigentlichen Vorgang des Opfers gibt es kaum verlässliche Aufzeichnungen und auch der Sinn des Tauroboleums blieb bislang im Unklaren. Eine der wenigen Überlieferung des Kultes stammt aus der Feder des im 4. Jhd. lebenden christlichen Schriftstellers Prudentius. Er schreibt wie ein Stier auf ein Gitter geführt und dort über einer Grube geschlachtet wird. Ein in der Grube sitzende Täufling wurde dann vom Blut des Stieres berieselt. Einige Zentren dieses Kultes sind aus den großen Städten des Rheinlandes bekannt, doch die Verehrung der Magna Mater lässt sich über ihre Frühformen in Anatolien bis ins 8. Jahrtausend v. Chr. Zurückverfolgen. Wohl auch aus diesem Grund hielt sich deren Verehrung auch nach der Christianisierung noch bis ins 5. Jhd. hinein.

Taurobolium,unter Antoninus Pius, Bernhard Rode, um 1780

Auf eine Verbindung zum Stier wies in jener Zeit auch der Aufweg zum Auerberg hin, denn genau in der Zeit des Sonnenaufganges , stieg in dieser Richtung auch das Sternbild des Stieres zusammen mit der Sonne auf. Über den eigentlichen Vorgang des Opfers gibt es kaum verlässliche Aufzeichnungen und auch der Sinn des Tauroboleums blieb bislang im Unklaren. Eine der wenigen Überlieferung des Kultes stammt aus der Feder des im 4. Jhd. lebenden christlichen Schriftstellers Prudentius. Er schreibt wie ein Stier auf ein Gitter geführt und dort über einer Grube geschlachtet wird. Ein in der Grube sitzende Täufling wurde dann vom Blut des Stieres berieselt. Einige Zentren dieses Kultes sind aus den großen Städten des Rheinlandes bekannt, doch die Verehrung der Magna Mater lässt sich über ihre Frühformen in Anatolien bis ins 8. Jahrtausend v. Chr. Zurückverfolgen. Wohl auch aus diesem Grund hielt sich deren Verehrung auch nach der Christianisierung noch bis ins 5. Jhd. hinein.

Heiliger Theodor, Reliquiar des Heiligen, in Mannheim, Foto Altera levatur

Einen Ersatz dieser Jahrtausende alten Muttergöttin brachte dann die im Jahr 431 beim Konzil in Ephesos getroffene Entscheidung, die Jungfrau Maria zur Gottesgebarerin zu erklären. Deshalb sehen einige Autoren diese Entscheidung auch als eine Weiter-führung der alten Tradition, eben nur in einem neuen Gewand. Über den in einer Legende geschilderten Bruder des heiliger Georg ist die Kybele auch mit dem großen Märtyrer des Christentums verbunden. Theodor, der hier weniger bekannte Bruder Georgs war zuerst ein einfacher Soldat im Heer von Kaiser Maximian. Der überzeugte Christ war am Ende Kommandant einer Garnison in Galatien. Dort soll er bei einer der letzten römischen Christenverfolgung unter Maximinus Daia in Amaseia, der Hauptstadt der ehemaligen römischen Provinz Helenopontus, gefangen genommen worden sein. Nachdem ihm vorgeworfen wurde, einen Kybeletempel in Brand gesteckt zu haben, wurde er grausam gemartet und gefoltert. Im Jahr 1572 wurde der Berg erstmals als Avvenberg urkundlich bezeugt. Nimmt man hier jedoch das italienische Wort avvent-atezze, die Unbesonnenheit, als Grundlage, könnte dies als versteckter Hinweis ge- deutet werden, den alten Glaube an Kybele/Magna Mater als Irrweg anzusehen.

Wikipedia: Blick von Ostnordosten über den Haslacher See zum Auerberg, Foto Dark ,CC BY-SA 3.0 / St.-Georgs-Kirche auf dem Gipfel des Auerbergs (Ansicht von Süden) , Foto Dark, Zikkurat des Mondgottes Nanna (Nordostseite) in rekonstruiertem Zustand , Foto Hardnfast, BY-SA 3.0 ,Bernhard Rode, Taurobolium, (Weihe d. Priester d. Cybele) unter Antoninus Pius, um 1780 /Heiliger Theodor, Reliquiar des Heiligen, in Mannheim, Foto Altera levatur/ Auerberg Sonnenrichtun, google-map, sunearttools, stellariuem.