Die Palme des Palmbühls

Palmbühl bei Schömberg, Postkarte 1938

Am Beginn des 14. Jahrhunderts tauchte der Flurname Palmbühl zum ersten Mal auf. Doch der Name für einen Berg bei dem Ort Schönberg im Zollern-Albkreis lässt auf den ersten Blick keinen Zusammenhang mit der ersten Kapelle erkennen.Sie war dem heiligen Leonhard geweiht, dessen Attribute die Kette, Pferde und Ochsen sind. Wilhelm Ober- müller erklärte den Flurnamen in seinem 1868 erschienen geographischen Wörter- buch mit einer Entwicklung aus dem Wort bal, oder balean, dem kleinen Bergkopf. In Anbetracht der Form des Palmbühls erscheint die Begründung Obermüllers logisch, dennoch er- scheint auch die Verbindung des Hügels mit dem Symbol der Palme nicht unbegründet.

Pietro Lorenzetti, Einzug in Jerusalem

Übersetzt bedeutet Palma die Knospe, oder der junge Spross. Sie war Altertum ein Sinnbild des Sieges. Aus diesem Grund wurde auch Christus bei seinem Einzug in Jerusalem mit Palmen empfangen und der jährliche Gedenktag dieses Einzuges heißt des halb der Palmsonntag. Das Osterfest zählt zu den beweglichen Feiertagen des Kirchen-kalenders, fällt es jedoch auf den Frühlingsbeginn, weist es damit auch auf den Sieg der Natur über den unfruchtbaren Winter hin. Mit der Palme als Sinnbild für die Wiedergeburt der Natur ist auch der Phönix verbunden. Er, der sich selbst verbrennt und damit wieder verjüngt, sitzt in den altchristlichen Grabgemälden der Katakomben. Laut einer Erzählung soll die Palme aus dem Rest der Erde entstanden sein, die bei der Erschaffung Adams übrig blieb. Auch eine Sage aus dem Islam erklärt die Entstehung der Palme im Zusammenhang mit Adam. Dort fiel Adam aus dem himmlischen Paradies auf die Insel Ceylon. Aus seinen den Tränen der Reue soll dort dann die erste Palme entstanden sein.. Die besondere Stellung des Baumes wird auch im apokryphen Evangelium geschildert, Hier heißt es: `.. während einer Ruhe auf der Flucht nach Ägypten neigte sich ein hoher Palmbaum zum Christkind herab, um ihm seine Früchte darzubieten, zugleich entsprang aus seiner Wurzel eine klare Quelle. Da befahl das Christkind aus Dankbarkeit einem Engel, einen Zweig dieser Palme in den Himmel zu tragen, und hier im Himmel wuchs aus demselben Zweige ein ungeheurer Baum….´  Also erscheint auch hier die Palme als ein Baum der einer höheren, idealen, himmlischen Vege- tation zugehörig ist. Das Sinnbild des Sieges passt aber auch zum heiligen Leonhard.

Leonhard von Limoges

Der Heilige, dessen historische Existenz nicht als gesichert gilt, lebte am Anfang des 6. Jahrhunderts wird am 6. November verehrt. Trotz seines Einflusses blieb er zeitlebens bescheiden und lebte in der Einsamkeit des Waldes bei Pauvin, in der Nähe von Limoges. Dort predigte von seiner Zelle aus und heilte die zu ihm kommenden Krüppel und Hilfs-bedürftigen. Oft besuchte er in dieser Zeit Gefangene und erreichte durch seine Für- sprache bei König Chlodwig für nicht wenige unter ihnen die Freilassung. Laut der Legende sollen bei vielen Gefangenen die den Namen Leonhards gerufen haben, auch so- fort die Fesseln abgefallen sein und die brachten sie dann dem Einsiedler im Wald. Des- halb wird Leonhard, dessen Verehrung im 19. Jahrhundert als bayrischer Bauerngott seinen Höhepunkt erreichte, auch mit Ketten in einer Hand dargestellt. Sie stehen auch für die Befreiung vom vorchristlichen Glauben und dem damit verbinden Sieg des Christen- tums.

Mitte des 15. Jahrhunderts gab es auf dem Palmbühl eine erste Kapelle. Sie entstand gemäß der Palmbühlsage durch ein wundersames Ereignis. Die dem heiligen Leonhard geweihte Kapelle verfiel im 16. Jahrhundert, doch dann spendete ein Schömberger Bürger Geld für einen Neubau. Der wurde im Jahr 1631, mitten im Dreißigjährigen Krieg, be- gonnen. Diese neue Kapelle wurde 1660 fertiggestellt. Neben dem heilige Leonhard, war sie nun auch St. Martin und den Vierzehn Nothelfern geweiht. Der Andrang auf den Palmbühl war aber so groß, dass 1680 eine größere Kirche gebaut werden musste. Die konnte aber erst 53 Jahre später, im Jahr 1733 geweiht werden. Die im Barockstil erbaute Wallfahrtskirche der  `Schmerzhaften Muttergottes´ entspricht dem Bautyp einer Saa- lkirche. Große Teile der Ausstattung werden dem einheimischen Künstler Urban Faulhaber zugeschrieben. Das Fest Fest zum Gedächtnis der Sieben Schmerzen Mariens (mater dolorosa, die schmerzensreiche Mutter) gab es bereits im 12. Jahrhundert. Doch erst 1443 wurde das Fest dann auf den 4. Freitag nach Ostern verlegt. In dieser Zeit wurde das Bild der Schmerzensreichen Mutter zu einem beliebten Motiv in der Kunstgeschichte.

Sonnenkalender Palmbühl

Auf dem Palmbühl weist aber nicht nur die Marienkapelle auf den Sieg des Glaubens hin, sondern auch die Möglichkeit zur Beobachtung des Sonnenaufganges. Die Präzision mit der dies im Zusammenspiel des östlich gelegenen Plettenbergs möglich ist, deutet auch auf eine weit zurückliegende Bedeutung des Palmbühl als Sonnenkultort hin. Während die Sonne in der Mitte des Plettenberges während des Äquinoktiums aufgeht, ist ihr Aufgang jeweils einen Monat vor und nach dem Datum an den beiden Enden des Berges zu sehen. Nicht nur der Sieg des Glaubens steht im Zeichen der Palme, sondern auch der Früh- lingsbeginn, denn er zeigt den Sieg über die kalte Jahreszeit. Zwar wurden Reste einer keltischen Befestigung auf dem Plettenberg, doch seine Nutzung als Steinbruch verhindert heute weitere Untersuchungen. Auf eine weitere keltische Spur führt der Blochta, wie er im Volksmund genannt, während der Sommersonnenwende. Zu diesem Datum geht sie von der Großgrabanlage Magadelenenberg bei Villingen aus gesehen, direkt über den Pletten- berg auf. Dass die Schömberger Kirche St Peter und Paul ebenfalls auf dieser Linie liegt, könnte ein weiteres Indiz für die Bedeutung dieser früheren Blickbeziehung sein.

Bilder: Palmbühl, Altar- Postkarten 1938 / Wikipedia / Pietro Lorenzetti Einzug in Jerusa- lem, User Lamré on sv.wikipedia – Unbekannt / Der hl. Leonhard als Fürsprecher der Gefangenen vor dem Thron des Merowingerkönigs Chlodwig I., Darstellung aus dem Vie des Saints des Richard de Montbaston, (14. Jh.)./ Wallfahrtskapelle Palmbühl bei Schömberg, Zeitblom1 / Simulation, sunearttools, opentopomap

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Mysterienstätte Odilienberg

Der Odilienberg übt seit Jahrhunderten eine magische Anziehungskraft aus, noch heute ist er der meistbesuchte Wahlfahrtort im Elsass. Manfred Gödrich unternimmt in seinem Buch „Das Kloster Odilienberg als Zentrum des esoterischen Christentums“ aus anthroposophischer Sicht eine erkenntnisreiche Spurensuche und kommt zu tiefgeistigen Erkenntnissen über den Einfluss des Geisteslebens rund um den Odilienberg auf ganz Europa.

über Die Buch-Rezension „Das Kloster Odilienberg als Zentrum des esoterischen Christentums“ von Manfred Gödrich — Riccis Literaturweltblog

Silvanus und der Hohenzollern

Burg Hohenzollern kurz nach Sonnenaufgang

Die Zeugenberge der Schwäbischen Alb gelten als geologische Reste der Schichtstufen-landschaft. Wie sie einst entstanden, darüber herrscht unter Fachleuten bis heute Uneinigkeit. Jedenfalls für die Alb gibt es nur einen Brocken weißen Juragesteins, der im Schlot des Scharnhäuser Vulkans gefunden wurde. Er dient als Beweis, dass die Schicht-stufenlandschaft einst bis dort hin reichte. Auch der dem Albrand vorgelagerte Hohen- zollern wird zu dieser Grippe der Zeugenberge gezählt.Doch die Form des Berges scheint ganz ähnlich wie beim bereits vorgestellte Berg Tabor nicht ganz zufällig entstanden sein. Auch hier lassen sich an seiner Ausrichtung mythologische Vorstellungen und ein seit Jahrtausenden gültiger landwirtschaftlicher Kalender ablesen. Ganz entgegen der Er- wartung dass ein Zeugenberg aus Zufälligkeiten der Natur entstand, lässt sich beim Hohenzollern ebenso eine ellipsoide Form erkennen, die ganz und gar nicht zur Aus- richtung der dort errichteten Burg passen will.

Ausrichtung des Hohenzollern

Auch hier lässt sich eine Mittellinie finden, die auf einen ins südöstlich liegende Killertal weisenden Geländesporn zielt. Im Jahr 1061 taucht der Name zolorin erstmals in der Chronik Bertholds von der Reichenau auf . Er nennt die Gründer der Burg, Burchardus und Wezil `de Zolorin´. Die Abstammung des Wortes vom Begriff `Mons solarius´, der Sonnenberg, scheint durchaus berechtigt, da vom Gipfel des Berges Sonnenaufgänge zu wichtigen Kalenderdaten über markanten Geländepunkten beobachtet werden können. Doch es gibt auch das althochdeutsche Wort zol, das Abgabe, Steuer, oder auch Tribut bedeutet. Dies könnte also auf eine Grenze hindeuten, die der Berg markierte. Dieser Gedanke verweist auf eine Vorstellung, die wohl noch aus römischen Zeiten, oder auch aus frühen Zeiten stammt.

Flachrelief des Gottes Silvanus, Kapitolinische Museen, J.P. GRANDMONT

Im Römischen Reich war der Gott Silvanus einer der Götter des Goldenen Zeitalters. Er war wie Faunus, der aus der griechischen Mythologie adaptierte Pan, ein Wald- gott, der das bäuerliche Weltbild repräsentierte und als Erfinder des Pflanzenbaus verehrt wurde. Die Abgrenzung zwischen ihm und Faunus waren fließend. Zuweilen galten beide auch als ein und dieselbe Gestalt. Silvanus wurde meist mit einem Pinienzapfen, oder dem Zweig eines Pinienbaumes in der Hand dargestellt. Ebenso war ein Hund sein treuer Begleiter. In der Antike verkörperte Silvanus die Grenze zwischen Stadt und Land. Es war seine Aufgabe, jene Grenzen zu schützen, die einzelne Grundstücke voneinander trennten. Ebenso hatte er die Grenzen zu bewachen, die zwischen bewirtschaftetem und bebautem Land verliefen, wie auch die, die das Land vom Meer teilten. Bauern opferten Silvanus häufig Schweine und Widder, aber auch Bären. So war die Jagd Im Namen des Gottes Silvanus eine Anerkennung seiner Kraft. Wohl deshalb trägt er auf älteren Darstellungen oft eine Mütze aus Bärenfell auf seinem Kopf.

Gott Silvanus. Relief in Rom

Die Feiern des Silvanus oder Faunus fielen auf ein Datum das charakteristisch ist für einen wichtigen Schwellenwert in der Natur. Die im Februar beginnende fruchtbare Periode kann mit einem Schwellenwert von 5° hinreichend genau definiert werden, denn ab dieser Temperatur setzt dann ein Vegetationsschub in der Pflanzenwelt ein. Vorboten der erwachenden Natur sind meist die Haselnussblüten. Vergleicht man diesen Schwellenwert mit einem heutigen Klimadiagramm aus dem nahen Balingen, so wird ersichtlich, dass dieser Wert in der Mitte des Monates Februar erreicht wird und erst wieder ab Mitte Oktober darunter absinkt. Dieser Zeitpunkt der erblühenden Natur bietet eine der Erklärungen für den Zeitpunkt des römischen Festes der Lupercalien. Dieses Fest geht auf die Gründungsmythen Roms zurück und wurde am 15. Februar gefeiert. Es begann mit einem Bocksopfer im Lupercal, auf das ein Opf- ermahl folgte. Der Lupercal, wo laut dem Gründungsmythos die Zwillingsbrüder Romulus und Remus von einer Wölfin gesäugt wurden, zählte einst zu den wicht- igsten Kultstätten Roms. Während der theatralisch inszenierten Opferfeier wurden junge Männer in den heiligen Bezirk geführt und von den Opferpriestern, die sie dann mit einem blutigen Messer an der Stern berührten. Dieses Ritual wird auch als Sühneopfer und auch als Hinweis auf wesentlich ältere Menschenopfer gedeutet.

Zoller,Südwestansicht, Der Messer

Sonnenaufgang am 18, Februar über dem Hohenzollern

Dieses Datum scheint, wie das Diagramm verdeutlicht, führte nicht nur in Rom zu einem wichtigen Fest, sondern eben auch in Mitteleuropa. Diese Spuren eines Silvanus, oder einer ihm ähnlichen Gottheit lassen sich auch beim Hohenzollern finden. Dessen Höhenlinien im oberen Teil folgen exakt der Richtung des Sonnen- aufganges am 15. Februar, der vom Plateau aus über dem südöstlich gelegenen Himberg aus zu beobachten ist. Auch hier vermutet der Reutlinger Autor Jürgen Meyer eine längst vergessene , frühgeschichtliche Kultstätte. Wie die benachbarte Bismarckhöhe bei Wessingen zeigt, muss es für das Festritual wohl noch eine weitere Kultstätte gegeben haben, denn von dort ist an diesem Tag der Sonnen- aufgang über dem Zollerberg zu verfolgen und die Sonnenscheibe steht dann in Blickrichtung für einen Augenblick auf seiner Spitze.

Bilder: Wikipedia / Burg Hohenzollern kurz nach Sonnenaufgang, Zollernalb , Own work / Flachrelief dekoriert in Gestalt des Gottes Silvanus der Kapitolinische Museen, Rom. Unbekannt – User:Jean-Pol GRANDMONT (2011)Fprum Traiani, Silvanus Relief Rom / Zoller,Südwestansicht, Der Messer / Simulation sunearthtools, opentopomap

Tabor, der Weltenberg

Berg Tabor, Eliot

Kaum ein Berg könnte den Zusammenhang von kultischer Götterverehrung und Aus- richtung seiner Form besser darstellen als der Berg Tabor. Er blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die sich bis ins 2. Jahrtausend v. Chr. zurückverfolgen lässt. Zu dieser Zeit lebte hier das Volk Kanaanäer, das auf dem Berg Tabor den Gott Ba’al verehrte. Einer seiner Mythenzyklen stammt aus Ugarit, in dem Baal als Wettergott beschrieben wird, der über Wind, Wolken und Regen herrscht. Auch wurde er als Spender der Fruchtbarkeit gefeiert, in dem er nach der Dürre des Sommers für den nötigen Regen sorgte. Innerhalb des Baal Mythos herrschte eine enge Verbindung von König und Götterbild, denn die ver- storbenen Könige wurden vergöttlicht und erreichten dann den gleichen Rang wie Baal. Im Bild des Baal erschien Mars , ebenso wie Saturn in jeweils unterschiedlichen Rollen. Verbunden mit der Verehrung des Baal war der Adoniskult. Dieser Begriff stammt aus der semitischen Sprache, in der Adonia, der Herr bedeutet.

Ugaritische Baal-Bronzestatue, gefunden in Ras Shamra (14. bis 12. Jahrhundert v. Chr.)

Als Adonis stand Baal für die Frühlingssonne, in der Gestalt des Mars für die alles aus- löschende Glutsonne des Sommers und als Saturn für die fruchtbringende Regenzeit des Herbstes. In der Beschreibung der Landnahme werden die Israeliten mit der Göttervor-stellung Baals konfrontiert. Auch sie übernehmen diese Göttervorstellung und pflegen die Verehrung Baals mit Rächerwerk und Schlachtopfern weiter.(1. Kön 18,22). Selbst als nach der Aufforderung des Propheten Elias, Feuer großes Verderben über die Diener des Baal brachte, wurde dessen Verehrung nicht beendet. Erst König Jehus, der mit dem Beginn des 8. Jhds. regierte, änderte dies. Er ließ die Anhänger des Baal töten und zerstörte deren Tempel (2. Kön 10,18–28).

Probe auf dem Karmel – Das Feuer JHWHs gegen die Baalspropheten

Mit dem Beginn der römischen Herrschaft verschwand der Baalkult und in dieser Zeit soll es auf dem Gipfel des Tabor ein Zeusheiligtum gegeben haben. Die Bedeutung des Berg- es spiegelt sich auch in seinem Namen wieder, für den es zwei Erklärungen gibt. Einer- seits wird er als Weltenberg betrachtet, weil im Hebräischen das Wort tabbur Nabel bedeutet und so der Beiname Weltenberg entstand. Andererseits könnte der Name auch aus der Kombination der beiden Worte ta und dbr entstanden sein und damit sprechen bedeuten. Mit diesem Namen könnte er auf eine Orakelstätte hindeuten, deren symbol- ische Bedeutung von der christlichen Geschichtsschreibung adaptiert wurde. Sie be- schreibt das Ereignis der `Verklärung des Herrn´ das die katholische Kirche am 6. August feiert. Das Ereignis wird im Lukasevangelium (Lk 9,28–36 EU) beschrieben, wo der Beginn mit folgenden Worten geschildert wird: `Er stieg mit ihnen hinauf, um zu beten. Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes und sein Ge- wand wurde leuchtend weiß.´ Bei seinem Aufstieg auf den Berg Tabor wurde er von den drei Jüngern Petrus, Jakobus und Johannes begleitet. Während dem als Metamorphosis beschriebenen Ereignis erschienen dann zwei wichtige Gestalten aus dem Alten Testa- ment, Mose und Elija. Sie redeten mit Jesus. Die Erscheinung beider lässt sich vor dem Hintergrund biblischer Geschichte erklären, denn Moses war der Vertreter des Gesetzes und Elia der Vertreter bedeutender Propheten.

Verklärungsbasilika auf dem Berg Tabor, Berthold Werner

Doch wichtiger als dies ist die abschließende Himmelserscheinung, die auch als eine Vorwegnahme des kommenden Leidensweges gesehen wird. Die Stimme aus den Wolken über dem Berg Tabor, die ihren Schatten auf Jesus werfen, verkündet dann Jesus als Sohn Gottes. Das Datum der Feier am 6. August ist zuerst irritierend, denn im Kirchenjahr erfolgt die Passionsgeschichte des Osterfestkreises ja vor diesem Feiertag. Das Datum geht jedoch auf das Kirchweihfest der in der 2. Hälfte des 4. Jhd. von der Kaiserin Helena auf dem Berg Tabor errichteten Verklärungskirche zurück. In der armen-ischen Kirche finden sich noch Spuren eines Zusammenhanges zwischen Kalender- rechnung, Klima und diesem Fest, denn dort wurde es einst am 11. August, dem Neujahrsfest gefeiert.

Klimadiagramm

Betrachtet man ein Klimadiagramm der Landschaft, so erschließt sich damit auch die Bedeutung des Berges. Mit seiner ellipsoiden Form ist er genau mit seiner Südostspitze auf den Sonnenaufgang Anfang Februar ausgerichtet, in der die Sonneneinstrahlung ansteigt. Im Gegensatz dazu reduziert sie sich Ende Oktober wieder, mit der beginnenden Regenzeit. Doch seine Nordwestspitze ist auf den Höhepunkt der heißen Jahreszeit am Beginn des Monates August ausgerichtet und in diese Richtung weist auch die Verklärungskirche. Insofern bot der Berg einen idealen Ort für den Kult des Baal und die ihm nachfolgenden Glaubensvorstellungen, in dem die Landschaft, die Zyklen der Natur mit den jeweiligen Ritualen geschickt verbunden wurden.

Ausrichtung des Tabor

Bilder: Wikipedia / Berg Tabor, Mount_Tabor3.jpg: Eliot from The Negev derivative work: TheCuriousGnome / Ugaritische Baal-Bronzestatue, gefunden in Ras Shamra (14. bis 12. Jahrhundert v. Chr.) Unbekannt – Jastrow / Probe auf dem Karmel – Das Feuer JHWHs gegen die Baalspropheten (Hans Holbein der Jüngere, 1497–1543), Abbildung Nr. 46 des Werkes, Herausgegeben von: „Hind, Arthur Mayger, 1880-1957“ im Jahr 1912. / Verklärungsbasilika auf dem Berg Tabor, Berthold Werner / Simulation: Sunearthtools. opentopomap

Der Berg der Verklärung

Zum Abschied des heutigen Sonntags darf ich ein Sonett des Barockdichters Andreas Gryphius einstellen, dass er für den Tag der Verklärung Jesu am Berg Tabor geschrieben hat. Da der heutige Sonntag die gleiche Evangelienstelle gebracht hat, passt es aber ebenso gut. Der Text ist eine orthographisch modernisierte Form des Sonetts, wie es sich auf zeno.org […]

über Andreas Gryphius: Ein Sonett der Verklärung — Aus dem Hollerbusch