Das Grab der Könign

Queen Maeve`s grave

https://youtu.be/HMuqDypBFA8

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Der Lemberg und der Fluch der bösen Mutter

Der Lemberg um 1899

In der Nähe der Stadt Rottweil erhebt .sich der Lemberg und bildet dort den Westrand der Schwäbischen Alb. Er gehört zur Reihe der 10 Tausender-Berge, die sich auf einem ver- hältnismäßig kleinen Gebietes von 20 Km² befinden. Er gilt als einer der Zeugenberge, die ein Zeugnis der seit Jahrmillionen andauernden Erosion der Alb geben. Seine Vorsilbe lem soll aus dem keltischen Wort Sumpf entstanden sein, was als Hinweis auf die zahlreichen Quellen an den Abhängen des Lemberges gedeutet wird. Tatsächlich wurden auf dem Plateau des Lemberges keltische Spuren in Gestalt von Siedlungsresten aus der Hallstattzeit gefunden. Doch die Geschichte hinterließ nur eine Sage, die trotz ihres tragischen Hintergrundes ein ganz anderes Bild des Lemberges zeichnet. Es ist die Sage vom Fluch der bösen Mutter und dem verwunschen Fräulein.

Der Lemberg von Wilflingen aus gesehen, Foto Captainoliver

Im Hochberg, der zusammen mit dem Lemberg einen gemeinsamen Bergstock bildet, gibt es eine Höhle. Sie führt tief in diesen Berg, wo seit Jahrhunderten ein edles Fräulein sitzt, das von seiner Mutter verwunschen wurde. In dieser Höhle, so berichtet die Sage schmachtet das schöne Kind, eingesperrt durch schwere Eisengitter, auf einer Kiste voller Gold. Dort wartet das junge Fräulein seit Jahrhunderten auf seine Erlösung. Aber irgend- wann wurde der Eingang der Höhle zugeschüttet und niemand kennt ihn mehr. Dennoch soll es immer noch zahlreiche Hinweise geben, die nur richtig gedeutet werden müssen, um das Fräulein erlösen zu können. Die Deutung des Namen mit dem Ursprung Sumpf weist auf einen Denkansatz, der an zahlreichen Orten zu beobachten ist, die mit keltischer Kultur In Verbindung gebracht wird. Durch die abwertende Deutung wird er als unwirtlich dargestellt und verschwindet somit aus dem Blickfeld. Doch im keltischen Wörterbuch von Heinrich Tischner findet sich kein vergleichbares Wort für Sumpf, sondern nur das Wort lemo, die Stimme, oder auch lemos, die Ulme. Auch im mittel-hochdeutschen Wortschatz führt die Suche nicht zum Sumpf, sondern mit den Worten Lembel, das Lämmchen und lemesle. die Lähmung.

Feldulme (Ulmus minor) , Foto: Darkone

Diese Worte erlauben auch eine ganz andre Deutung des Flurnamens. So ist die Ulme ist ein Baum, der gemäß den Erzählungen der Edda tief mit der Menschheitsgeschichte verbunden ist. Dort wird geschildert, wie die ersten Menschen aus Bäumen entstanden, der Mann aus der Esche und die Frau aus der Ulme. Damit werden Sie zu Stammeltern der Menschheit. Der asymmetrische Blattansatz der Ulme stand so einst symbolisch für die zwei Welten, das Diesseits und die Anderswelt. Deshalb war in Griechenland die Ulme Hermes geweiht, der als Seelenführer die Verstorbenen, zusammen mit geflügelten Ulmenfrüchten, in die Welt der Ahnen führte. Vor diesem mythologischen Hintergrund ist es auch verständlich, dass Särge früher aus Ulmenholz gefertigt wurden. Mit Lemos, birgt der Lemberg birgt nicht nur den Nahmen der Urahnin, auch aus der Luft betrachtet, verweist er mit der Form des Bergstockes Lemberg und Hochberg auf sie. So gleicht die dreiarmige Figur der keltischen Triskele. Dieses Symbol verkörperte die Dreiheit, die zahlreichen Lebensbereichen eine ordnende Struktur gibt. In der mythologischen Welt der Kelten hatte die Zahl 3 eine große Bedeutung, denn sie verkörpert die Dreiteilung der Welt in Erde, Himmel und Wasser. Gerade deshalb waren den Kelten die Bäume heilig, denn sie verkörperten die Verbindung zwischen diesen 3 Elementen.

Dreifache Muttergöttn in Gestalt der `Drei Matronen´, Foto Sockenbae

Mit den in der Erde verankerten Wurzeln hatten sie eine Verbindung zum Wasser, das sie himmelwärts in ihre Äste transportierten. Die Zahl drei verkörperte aber auch die Vorstellung von der Erdmutter die in dreifacher Gestalt verehrt wurde: als junges Mädchen zu Beginn des Jahres, als Mutter in der Mitte und als Greisin am Ende. Dieses Vorstellung spiegelte sich ebenso im Ablauf der bäuerlichen Tätigkeit wieder, die mit der Aussaat begann. Sie führte zur Ernte, nach der das scheinbar tote Brachland zurückblieb und sich regenerierte .Ebenso erinnert die gewölbte Form der Triskel-Spiralen an einen schwell- enden Bauch, was auf den Aspekt der fruchtbringenden Muttergöttin hinweist. Der Lemberg weist mit seinen Bezügen zum Hochberg nicht nur auf die Bedeutung des Mondes hin, sondern auch auf die der Sonne. So können vom Lemberg über dem Hochberg die große Mondwende Nord und Sonnenaufgänge zu wichtigen Kalenderdaten beobachtet werden.

Keltische Triskele und der Lemberg Sonnen- Mondkalender

So bietet der Sonnenbezug zur Wintersonnenwende auch eine Erklärung der Vorsilbe lem, mit der Bedeutung die Lähmung. Diesen Eindruck erweckt die Sonne während der drei Tage nach der Wintersonnenwende, wenn sie den Anschein erweckt ihre Bahn nicht verändern zu wollen. Doch seine dreigliedrige Gestalt verband sich mit dem Bild der dreigliedrigen, Frucht spendenden Muttergöttin. Diese Vorstellung wurde sicher durch die zahlreichen am Berg entspringenden Wasserquellen noch unterstützt.

Bilder: Wikipedia / Der Lemberg im Jahr 1899. Unbekannt – Scan der Ansichtskarte / Der Lemberg von Wilflingen aus gesehen, Foto Captainoliver, gemeinfrei / Feldulme (Ulmus minor) , Foto: Darkone, CC BY-SA 2.5 / Drei Matronen, Foto Sockenbae, CC BY-SA 3.0

Simulation / sunearthtools, opentopo-map, google-map.

Erkinger und die Jungfrauen von Bad Liebenzell

Bad Liebenzell, medieval castle, Hohenstaufen type. Foto, Mussklprozz

Wenn in Bad Liebenzell am ersten Maiwochenende das traditionelle Erkingerfest ange- halten wird, gilt dieses Fest einem gewaltigen Riesen, der über dem Ort einen starken Turm bauen ließ. Gewaltige Quader mussten die Männer hier auftürmen, bis der Riese endlich zufrieden war. Doch die Bürger hatten sich getäuscht, denn mit Vorliebe stahl der Riese dann die Bräute junger Burschen, gerade wenn diese Hochzeit feierten. Erkinger schleppte die geraubten in seinen Turm, wo er sie zusammen mit zwei seiner Gesellen und verspeiste. Anschließend warf er die Gebeine der Unglücklichen aus dem obersten Fenster seines Turmes hinaus. Fast eine Viertelstunde soll es gedauert haben , bis sie irgendwo herunterfielen. Dort, so die Sage, entstand aus den Knochen wieder ein neuer Berg. Keiner der im Tal wohnte, schaffte es aber den gewaltigen Riesen zu töten, um die Jungfrauen vor seinem Appetit zu bewahren.Erst als die gepeinigten Bewohner sich an den Markgrafen von Baden wandten und der die Burg belagerte, hatte der Schrecken ein Ende. Da der Riese sich nicht ergeben wollte, stürze er sich vom obersten Fenster der Burg ins Tal.

Riese Erkinger, Skulptur aus Sandstein, Foto Klaus Gablenberger

In Wirklichkeit entstand die Spornburg in Bad Liebenzell im Laufe des 12.Jahrhunderts auf ganz normalem Wege. Im typischen Stil jener Zeit der ersten Burgenbauphase wurde sie durch Grafen von Calw, mit Palas und Schildmauer errichtet. Aber es nicht allein der Geländesporn, der sich durch seine markante Lage über der Stadt auszeichnet, vielmehr ist es der gegenüberliegender Taleinschnitt beim Teilort Monakam. Dessen perfekte, auf den Sonnenlauf abgestimmte Geometrie, lässt an das Werk eines Riesen denken. Währ- end auf der nördlichen Seite des Einschnittes von der Burg aus betrachtet, der Sonnen- aufgang zur Wintersonnenwende zu sehen ist, wird der Einschnitt durch die Aufgänge am 1. Mai, dem 11. April (Magna Materkult) und dem Äquinoktium in 3 gleiche Abschnitte ge- teilt. Eine ideale Übereinstimmung gab es noch bis ins 18. Jahrhundert hinein, dem Ent- stehungszeitraum zahlreicher Volkssagen. beim Sonnenaufgang am 1. August, wo Orion der Sonne vorausging.

Der Sonnenkalender der Burg Bad Liebenzell

Der Geschichte des Erkinger, der bevorzugt Jungfrauen verspeiste, erinnert an den die Erzählung des biblischen Gott Moloches, dem Kinder geopfert wurden. In späteren Abwandlungen der Erzählung wurden aus den Kindern auch Jungfrauen die dem gefräßigen Gott dargebracht wurden. Dessen Name ist eine Kombination des phönizischen Wortes mlk, das auf ein Opfer hinweist und dem hebräischen Wort für König, Melekh. Zudem floss auch noch das Wort für Schande ein, so dass aus allen dreien die heute noch bekannte Bezeichnung Moloch entstand. Es wird vermutet, dass die Stauten des Gottes Moloch aus Metall gefertigt waren und für die damalige Zeit ein riesenhaftes Ausmaß besaßen. Sein Kult hatte auch eine enge zu Opferhandlungen, wie auch eine Beziehung zum Feuer. Dieser angeblich furchterregende Kult wird in der bib- lischen Erzählung über das Ende Salomos geschildert. Dort steht, dass Gott in den letzten Tagen des Königs den Namen trug: `das Gräuel der Ammoniter´. Da die Frauen Salomos Moloch verehrten, ließ der König Moloch auf einem Berg einen Tempel bauen. Aus diesem Grund weihten auch die Israeliten ihre Kinder diesem Gott, in dem sie sie durch das heilige Feuer laufen ließen. Missverständliche Übersetzungen machten in spät- erer Zeit daraus jene berüchtigten Menschenopfer die den Gott so furchterregend er- scheinen ließen.Eine dieser Textpassagen stammt aus (5. Mo 12,31), wo steht: `Von Israel wird berichtet: `Sogar ihre Kinder, die sie mir geboren, haben sie ihnen durchs Feuer geh- en lassen zum Fraß … wenn sie ihre Kinder ihren Götzen schlachteten´. Das Motiv des gefräßigen Riesen lässt sich also weit zurückverfolgen und war dank biblischer Erzählung stets ein warnendes Beispiel für alle, nicht vom Glauben abzufallen. Einen kleinen Wink auf die alten Bezüge konnten sich wohl auch die Schöpfer der Sage nicht verkneifen. In dem Wort Erkinger mischen sich eine Reihe von Bezügen die der Intention, die Menschen von jenem Ort abzubringen, der auf Grund seiner Sonnenbezüge wohl Jahrtausende lang als Kultort gedient haben mag.

Statue des ammonitischen Gottes Moloch aus dem Film Cabiria, F. Jean-Pierre Dalbéra

In der mittelhochdeutschen Sprache bedeutete erken, sich ekeln, was für den beabsicht- igten Schauer der Geschichte sicher von Vorteil war. Aber erken bedeutete ebenso eine Eigenart, was wiederum auf die besondere Qualität des Ortes hinweist und ebenso erkennen. Die Qualität des Ortes hatten die Grafen von Eberstein, die Bauherrn der Burg, zweifellos erkannt. Wie bei anderen Burgen, wurde auch hier das Bauwerk mit einer himmlischen Symbolik verbunden. So führten die Grafen eine 5- blättrige Rose in ihrem Wappen, denn sie wurde im Verlauf des Mittelalters zur Rose mystika, einem Symbol der Anrufung der Jungfrau Maria.

Wappen der Grafen von Eberstein

Dieser wachsenden Marienverehrung jener Zeit trug auch die Ausrichtung der Burg mit dem Palas und der Schildmauer Rechnung war. Sie waren einst auf den Punkt am Himmel gerichtet, wo am Abend von Maria Lichtmess das Sternbild Schwan zum letzten Mal zu sehen war. Es war nicht nur das Sinnbild ritterlichen Mutes, sondern auch das der Reinheit, eben jenem Wesenszug der Jungfrau. Das am Ende der Riese Erkimger die Jungfrauen verspeist hette,  kann vor diesem Hintergrund nun auch als Verballhornung jener tief gläubigen Zeit gedeutet werden

Die Burg und der Schwan

Bilder: wikipedia/Bad Liebenzell, medieval castle, Hohenstaufen type. Foto, Mussklprozz , CC BY-SA 3.0 / In der Mitte, eine Bronzestatue des kanaanitischen, ammonitischen und phönizischen Gottes Moloch aus dem Film Cabiria von Giovanni Pastrone im „Museo nazionale del Cinema“ (Turin)… Foto Jean-Pierre Dalbéra from Paris, France – Le musée du cinéma / Wappen der Grafen von Eberstein, verschiedene unbekannte Künstler – Bayerische Staatsbibliothek Cod.icon. 312 c, Simulation, sunearttools, stellarium, googlemap/opentopomap

Wilhelm Hauff und sein Riese Heim

Wilhelm Hauff nach einem Gemälde von J. Behringer, Pastellkreide 1826

In der kurzen Zeit seines Lebens schuf der Stuttgarter Schriftsteller Wilhelm Hauff einen farbenprächtigen Kosmos an fantastischen Erzählungen und Märchen. Die Orte der Er- zählungen lagen auf dem Mond, im Orient, aber auch an heimischen Plätzen im Schwarz- wald oder auf der Schwäbischen Alb. Dort hatte es im eine Ruine besonders angetan, der Reußenstein. Ihre Entstehung erklärte er mit einer Volkssage, die weit mehr als eine erbauliche Geschichte darstellt. Schon die Beschreibung des Reußensteins, von dem Hauff erzählt, dass er auf einem jähen Felsen liegt und dort keine Nachbarschaft habe außer den Wolken und den Mond, weist auf einen entrückten Ort hin.. Dieser Eindruck bestätigt sich, wenn man sich der Ruine aus Neidlingen kommend nähert und sie com Tal aus, auf dem Felsenturm erblickt.

Blick von Südwesten auf die Ruine Reußenstein, Foto Stefan Karl

Noch immer ist dieser besondere Ort Tag-täglich das Ziel von Wanderern und Kletterern, die sich an dem Felsenturm erproben. Oben angelangt, glaubt wohl jeder Besucher, dass, diese Mauern nur durch außergewöhnliche Umstände zustande gekommen sein konnten. Hauff, der vorgab, hier eine noch ältere Sage niedergeschrieben zu haben, erzählt hier von einem Riesen. Der lebte in der im westlich gelegenen Höhle unterhalb des Heimsteines. Er hatte unermessliche Goldschätze angehäuft und wollte eines Tages ebenso schöne Burg besitzen, wie die übrigen Ritter des Landes. Da er selbst aber nicht bauen konnte, rief er die Handwerker des Landes zu sich, damit sie ihm auf dem Reußenstein eine Burg bauten. Die aus allen Orten herbeigeeilten Meister und Gesellen bauten was der Riese ihnen auftrug. Als er schließlich einzog, entdeckte er voller Grimm m obersten Fenster ein- en fehlenden Nagel. Die Schlosser, die ihn vergaßen entschuldigten sich und versprach- en ihn einzuschlagen. Die wildesten Burschen, die sich dafür anboten hatten den Nagel einzuschlagen, traten von der Aufgabe zurück als sie vom Fels in den Abgrund blickten. Nach dem die Meister den 10-fachen Lohn boten, trat ein armer Geselle auf, der sich das Geld verdienen wollte um seine Liebste heiraten zu können. Der hartherzige Vater der Braut willigte nun in die Verbindung ein, denn er hoffte insgeheim, dass sich der Geselle bei der Arbeit den Hals brechen würde. Doch der Geselle hatte Glück. Er weckte den Riesen, der ihm mit seinem kräftigen Arm über den Abgrund hielt damit er so den letzten Nagel einschlagen konnte. Am Ende erhielt er seine Braut erhielt und vom Riesen auch noch die Burg als Geschenk.

.Burgruine Reußenstein, Blick aus einem der Höfe 2016, Foto Ursus minor

Mit dem Riesen, dem Fenster, dem Nagel und auch den Handwerkern verwendet Hauff Motive, die einen vielschichtige Symbolik besitzen. Seit alters her hat der Nagel die mythische Bedeutung auch etwas Immaterielles zusammen zuhalten. Schon die Römer schätzten seine zeichenhaften Charakter, in dem an der Stelle, wo sich auf dem Kapitol die Tempel der Minerva und des Jupiter berührten, jedes Jahr der heilige Nagel eingeschlagen wurde. Im Christentum dienen die 5 Nägel, mit denen Jesus ans Kreuz geschlagen wurde, der Erinnerung an das Leid, das er auf sich genommen hatte. Auch das Motiv des Fensters stammt aus dem christlichen Kontext, der dem studierten Theologen wohl vertraut war. Im Christentum gewann das Fenster eine besondere Bedeutung, denn es erlaubte dem göttlichen Licht ins innere des Kirchenschiffes zu dringen, dem Symbol der Gemeinde. Licht war sorgte somit für die Erkenntnis auf dem Weg zu Gott Auch die Handwerker, die in fast allen Erzählungen Hauffs auftauchen, haben hier eine symbolische Bedeutung. Für Hauff war Handwerk nicht nur Arbeit, sondern forderte durch die Beanspruchung der Sinne, den Geist, die Ethik und die Kraft des Menschen.

Der Riese Orion über dem Heimenstein

Die Heimensteinhöhle, der Wohnort jenes Riesen Heim, gilt als Rest eines erodierten Wasserlaufes im oberen Kalkgestein der Schwäbischen Alb. Schon damals war Sie eine Durchgangshöhle, deren Eingänge einen Höhenunterschied von 20 m aufwiesen. Doch ihre Lage und Ausrichtung ist bestechend, denn vom unteren Zugang aus kann man den Sonnenauigang über dem Reußenstein am 11. April beobachten. Die einstige Bedeutung dieses Tages ist längst vergessen. Erahnen lässt sie sich höchstens noch am Gedenktag des Ezechiel, einem der drei große biblischen Schriftpropheten, dem am Tag zuvor gedacht wird. Schließlich war er der erste, der ausführlich über seine Sichtung von Gottes Thronwagen schrieb. In Rom wurde der Tag noch gefeiert, dessen Bedeutung schon damals auf viel ältere Kulte zurückgeführt wurde.Der 11. April war das Ende der Ludi Megalenses, des Festes des Staatskultes der Magna Mater, das 7 Tage lang gefeiert wurde

Burgruine Reussenstein vom Heimenstein aus, Stahlstich aus der Zeit um 1845

Das Datum wurde wohl nicht zufällig gewählt, denn dies ist zugleich der 111. Tag nach der Wintersonnenwende. In dieser Zahl zeigt sich das göttliche Prinzip gleich dreifach. In der 1 erscheint sie als göttliche Kraft sowie als Symbol für den Beginn der Schöpfung. In der Quersumme drei wird sie dann zum Zeichen einer göttlichen Trinität. Wie die 1 für den Beginn steht , so steht die 3 für die Vollendung.  Jedem Beginn folgt so auch der Tod und an ihn erinnert der 111.Vers der Bibel. Somit dürfte auch die Bedeutung beider Orte viel weiter zurückreichen, und die Höhle für die frünen Bewohner der Alb eine kultische Bedeutung bessen haben. An die Vergänglichkeit, den Tod und die Unterwelt erinnerte im 19. Jahrhundert aber auch ein himmlisches Schauspiel über der Heimsteinhöhle. Blickte man am Morgen von Hauffs Geburtstag auf vom Reußenstein zum Heimenstein, so ver- blasste dort jener himmlische Riese Orion, der bereits die Legenden Babylons bestimmte. Kurz vor Sonnenaufgang trat er über der Höhle die Reise in seine Heimstatt die Unterwelt an. Somit wurde der Ort gleich doppelt seiner Bedeutung gerecht. Als Heimstatt des Riesen und mit ihm ein Blick auf Hauffs Spiegelbild. Wie Orion, hatte Hauff bereits in jungen Jahren viel Ruhm erworben und konnte sich so wohl zurecht als literarischer Riese betrachten.

Bilder: Wikipedia / Wilhelm Hauff nach einem Gemälde von J. Behringer, Pastellkreide 1826, J. Behringer – Klaus Günzel: Die deutschen Romantiker. Artemis, Zürich 1995, gemeinfrei / Blick von Südwesten auf die Ruine Reußenstein, Stefan Karl , CC BY-SA 4.0 / Blick aus einem der Höfe 2016, Foto Ursus minor / Simulation sunearthtools, opentopomap / stellarium

Der Berg der Götzen

Der Götzenstein aus Südwest, Foto Ruslan Fursa, CC BY 3.0

Eine alte Sage berichtet vom Ende einer Opferstätte auf dem nördlich von Absteinach ge- legenen Götzenstein. Die Sage spielt noch in der Zeit, als der Frankenkönig Chlodwig nach dem Sieg über die Alemannen den christlichen Glauben angenommen hatte. Zu- sammen mit ihm soll die Sippe des Dietbert ins Land gekommen sein, die als einzige noch den alten Göttern huldigte. Auf jenem Götzenstein soll sie den Ort gefunden haben, wo sie den alten Göttern huldigte. Doch eines nachts stand Dietberts Haus in Flammen und ein bekehrter Christ konnte ein Kind aus dem brennenden Haus retten. Auf die Frage Dietberts, woher er die Kraft für die Tat genommen habe, erwiderte dieser: `Von meinem allmächtigen Gott und meinem Heiland Jesus Christus.´ Daraufhin ließ sich auch Dietbert zusammen mit seiner ganzen Sippe taufen und seit diesem Ereignis soll die Opferstätte auch nicht mehr benutzt worden sein. Der Name Götzenstein verweist hier auf einen Begriff, der aber erst in der Neuzeit auftauchte. Luther verwendete ihn bei seiner Bibel- übersetzung, wo er das hebräische Wort ehil, das nichtig bedeutet, mit Götze übersetzte. So übersetzte er auch eine Passage im 1. Korintherbrief des Apostels Pauls, in dem er schreibt: `Darum, meine Lieben, flieht den Götzendienst!´ Der im 19. Jahrhundert lebende Literaturwissenschaftler Friedrich Kluge vermutete, dass Luther bei seiner Übersetzung aber auch durch ein damals aufkommendes Schimpfwort inspiriert war, das sich aus dem Namen Gottfried entwickelt hatte und Dummkopf bedeutete.

Die Felsformation auf dem Götzenstein (http://kultplatz.blogspot.com/2007)

Die abgeflachte Bergkuppe des Götzensteins lässt vermuten, dass diese nicht natürlich, sondern durch Menschenhand entstanden ist. Funde zwischen den Steinkonglomeraten konnten diese Vermutung aber bislang nicht belegen. Während in Europa meist nur Vermutungen über mögliche Kultstätten auf Anhöhen existieren, sind diese im Orient ein durchaus feststehender Begriff. Auch die Israeliten verehrten auf Höhenheiligtümern ihren Gott Jahwe, bevor Salomo den ersten Tempel baute. Auf dieses verbinung von Berg und kultischer Verehrung zielt auch das hebräische Wort bêmêh, was hoch oder auch erhaben bedeutet. Darüber hinausgehend steht es auch für Hügel, auf denen Altäre errichtet wurden. Diese erhöht gelegen Kultstätten gab es in Kanaan aber schon, bevor die Israeliten dorthin kamen. Doch beim Einzug ins Gelobte Land wurde ihnen von Moses auf- getragen, diese Orte zu zerstören. Diese Forderung hielt sie in der weiteren Geschichte aber nicht davon ab diese Plätze wieder aufzusuchen. (4. Mo 33,52).

Goldenes Kalb. Hartmann Schedels Weltchronik, Nürnberg 1493

Ein Indiz für die Vermutung eines Höhenheiligtums auf dem Götzenstein findet sich in seinem Bezug zum Hardberg, dem dritthöchsten Berg des Odenwaldes. Vom Götzenstein aus betrachtet ist dort der Sonnenaufgang zur Wintersonnenwende an der Stelle zu sehen, wo sich auf der Ostseite an einer Quelle die Marienwallfahrtstätte St. Maria in Lichtenklingen befindet. Einst wurde auch an diesem Ort ein Heiligtum vermutet, das dort in keltisch-germanischer Zeit an einer Quelle existiert haben soll. In jüngerer Zeit wird diese Vorstellung jedoch als ein Fantasieprodukt romantischer Strömungen des 19. Jahr- hunderts betrachtet. Doch auch hier erklärt eine Sage die Entstehung des Kapellenbaues, denn eine nach Unter-Abtsteinach getragene Marienfigur soll immer weder auf uner- klärliche weise an diesen Ort zurückgekehrt sein. Wallfahrten machten den Ort ab dem 11. Jhd. bekannt und die wurden bis ins 16. Jhd, verzeichnet. Doch während der Reform- ation verfiel die Kapelle und die Wallfahrten kamen zum erliegen. Erst 200 Jahre danach wurden sie wieder aufgenommen und auch heute ist die Maria in Lichtenklingen das Ziel der alljährlich stattfindenden Prozession, anlässlich des Feiertages Maria Himmelfahrt.

Sonnenrichtungen Götzenstein

Die Entstehung des Steinkonglomerates auf dem Götzenstein wird von Geologen heute durch eine Wollsackverwitterung der Granitspitze des Berges erklärt. Im Zuge der Erosion sollen hier verwitterte Blöcke abgerutscht sein und nur ein kleiner Rest blieb dabei auf der Spitze der Anhöhe zurück. Die uneinheitliche Art der Verwitterung, aber auch ein aus dem Boden ragende scharfkantige, postamentartige Fläche scheint doch auf ein zerstörtes Felsheiligtum aus größeren Steinblöcken hinzudeuten, ähnlich denen, wie sie im Projekt Götterhände der Sternwarte Sohland vorgestellt werden. Ähnlich den dort vorgestellten Sonnenheiligtümer an der Lausitz, bot auch der unbewaldete Götzenstein einst einen Ideal- en Punkt, um den Sonnenauf- und Untergänge an wichtigen Kalenderdaten zu beobach- ten. Dass der Landstrich während er Christianisierung früh an Bedeutung gewann, zeigt die 773 erfolgte Schenkung Karls des Großen, bei der die Mark Heppenheim dem Reichs- kloster Lorsch übertragen wurde..

Bilder: Wikipedia/ Der Götzenstein aus dem Südwesten hinter dem Taleinschnitt des Kallstädter Bachs mit Löhrbach, Foto Ruslan Fursa, CC BY 3.0 – Die Felsformation auf dem Götzenstein, http://kultplatz.blogspot.com/2007/01/der-gtzenstein.htmlhttp://kultplatz.blogspot.com/2007/01 – Biblisches Götzenbild des goldenen Kalbes. Hartmann Schedels Weltchronik, Nürnberg 1493 , scan von Tsujigiri~commonswiki /, sunearthtools, opentopomap