Der Scheibengipfel und die Achalm

Achalm, Scheibengipfel

Die verebnete Fläche ist der westliche Ausläufer der Achalm und begrenzt als Anhöhe den Nordrand Reutlingens. Dass die Fläche bereits in der Eisenzeit von Bedeutung war, zeigt ein Grabhügelfeld das am Rande der Fläche gefunden wurde. Doch weniger im Charakter der ebenen Landschaft, sondern mehr in einem alten Brauchtum sieht die Beschreibung des Oberamtes von 1893 den eigentlichen Grund für deren Namen. Dort wird auf den Brauch des Funken- und Scheibenschlagens verwiesen, das in frühgeschichtlicher Zeit zu Ehren Donars oder eines Sonnengottes dort abgehalten worden sein soll. Das Christen- tum übernahm später diesen Brauch, der in katholisch geprägten Gegenden am ersten Fastensonntag und auch am ersten, dem so genannten Weißen Sonntag nach Ostern ausgeführt wird. Er ist ein Rest des vorchristlichen Frühlingsfestes, das die Kirche durch das Osterfest ersetzte und im Zusammenhang mit dem Johannisfeuer am 24. Juni zu sehen ist, dem christlichen Ersatz des Sommersonnwendfestes. Auch hier steht das Feuer und die Scheibe als solare Symbole im Mittelpunkt eines Rituals. Brennende Stroh-räder, die Abhänge hinuntergestoßen werden, sollen so eine am Himmel hinabrollende Sonne darstellen.

Bürgler Funkenfeuer, Dornbirn

Die Überformung des frühchristlichen Brauches des Winteraustreibens und eines gleich-zeitig stattfindenden Fruchtbarkeitskultes trägt heute regional ganz unterschiedliche Nam- en. Neben dem bekannten Namen Funkensonntag, heißt er auch Holepfannsunntag, Kassunnti, Küachlisunntig, oder auch Alti Fasnet. Eine der Hochburgen des Funken-schlagens ist der Ort Bernau im Schwarzwald, wo bis zu acht Scheibenfeuer über die ganze Dauer der ganzen schwäbisch-alemannischen Fasnachtswoche (außer Ascher-mittwoch) brennen. Auch in Eschbach bei Stegen im Dreisamtal herrschen noch die strenge Brauchtumsregeln über die ein Scheibenvater die Aufsicht führt. Doch über die Dauer der Zeit hat hier jeder Ort ein eigenes Ritual entwickelt. So auch am Hirzberg bei Freiburg, wo die Männer mit Narrenkappen auf dem Kopf und langen Holzstäben in den Händen rufen: `Schiebi, Schiebo, wem soll die Schiebe go?´ Eine dumpfer Schlag von Holz auf Holz erfolgt dann und schon sucht sich die knapp neun mal neun Zentimeter große, rotglühende Buchenscheibe mit dem Loch in der Mitte ihren Weg in den nächtlichen Hirzberg-Himmel. Der Feuerbrauch erinnert hier entfernt an ein Golfspiel, wenn die geübten Zünftler mit einer schwungvollen Drehbewegung auf der Holzrampe die funkensprühenden Scheiben in Richtung Tal abschlagen.

Scheibenschlagen vor dem Nachthimmel in Zams, Tirol

Trotz des frühchristlichen Ursprungs hat der Brauch auch heute noch eine enge Ver- bindung mit dem christlichen Glauben. Auch wenn keine Funde aus frühchristlicher im Wagensteigtal eine Besiedlung bis in römische Zeit andeuten, ist hier der Brauch noch doch eng mit der Kirche verbunden. Durch das Tal führte einst eine der ältesten Durchgangsstraßen vom Neckar- und Donaugebiet über den Schwarzwald in das Rheintal. Aber erst ab dem Mittelalter ist bekannt, dass der Weg von den Zähringern als Verbindungsstraße von Freiburg im Breisgau, über den Schwarzwald nach Osten in Richtung auf die Baar und nach Villingen ausgebaut wurde. Auch im Wagensteigtal wurde der Brauch christianisiert und bis heute wird beim Entzünden des großen Scheibenhaufens von den Scheibenbuben der `Engel des Herrn gebetet´. Dazu läutet im Wagensteigtal selbstverständlich die Glocke der alten Dorfkapelle. Mit dem Spruch, `Schiebi Schiebo Schiebi Schiebo, wem soll die Schiebe si? Die Schieb soll de heiligschde Dreifaldigkeit, dem Pfarrer und dem Bürgermeister si´, beginnt hier mit dem Einbruch der Dunkelheit dann das eigentliche Scheibenschlagen. Jetzt werden von allen Bürgern des Ortsteils Wagensteig glühende Holzscheiben ins Tal geschlagen werden. Längst vergessen sind die Zeiten, als die Kirche mit Märtyrer-legenden, wie der des Vinzenz von Agen den Brauch bekämpfte. So soll Vinzenz während seiner Folter mit einem Kreuzzeichen das Feuer eines Feuerrades zum Erlöschen gebracht haben.

Scheibenschlagen Oberried

Der Feuerkult mit Scheiben oder Räder hat vielfältige Quellen und eine liegt auch in die keltische Welt. So erinnert das Motiv der Scheibe doch an die Darstellung des keltischen Radgottes Taranis, der mit einem 6 – Speichenrad und einem Donnerkeil in seiner rechten Hand dargestellt wurde. Mit diesem Rad soll Taranis laut der Mythologie die Riesen niedergeschmettert haben, die die Welt bedrohten.

Äquinoktium, Sonnenaufsteig über der Achalm

Dass der Scheibengipfel eine ideale Fläche für die Verbindung von Sonnenbeo-bachtung und dem Feuerkult bot, zeigt sich im Zusammenhang mit der Achalm. Während des Äquinoktiums im Frühjahr ist von hier aus entlang der Bergsilhouette der Aufgang der Sonne zu beobachten, deren Scheibe dann für einen Augenblick über dem Plateau steht. In der Dämmerung boten hier die Abhänge des Scheiben-gipfelplateaus die ideale Fläche für das vom Oberamt beschriebene Scheiben-schlagen.

Bilder: Wikipedia, Glühend auf ihren Stöcken rotierend bewegte Scheiben beim Bürgler Funkenfeuer, Dornbirn, Österreich, Februar 2012, Thomas Loß, Scheibenschlagen vor dem Nachthimmel (Zams, Tirol, Februar 2008), Josef Saurwein/ Scheibenschlagen Oberried, http://www.frsw.de/fotos08feb/oberried080209.jpg /Simulation, sunearthtools

Die Achalm und der kühne Aar

 Ludwig Uhland auf einer Lithographie von R. Hutsteiner

Eine alte Legende erklärt die Namensentstehung der Achalm. Sie griff der Dichter Ludwig Uhland in der 11. Strophe seiner Ballade `Die Schlacht um Reutlingen´ auf. Doch im Kontext blendete Uhland die Tatsache aus, dass der Überfall auf Reutlingen und die Schlacht etwa 200 nach der Zeit stattfand als der Name Achalm bereits längst existierte. Auch der zur Schwäbischen Dichterschule gehörende Gustav Schwab griff die Legende auf und dichtete: `Ein Ritter schützt die Birg, sie steht in Flammen als er sich in den Kampf wirft und ihn ein Pfeil trifft. Doch was er rief in letzter Not. Das halbe Wort: Ach allm – Das hat gewiß getönt vor Gott als wie ein ganzer Psalm. Ja selbst dem Feinde klang es schön. Das ernste Scheidewort, Er baute frisch auf diesen Höhn und hieß Achalm den Ort. Ursprung dieser Interpretationen Deutung ist eine Erzählung die auf die letzten Worte des tödlich getroffenen Burgherrn Graf Egino zurückgeht, der einem Mordanschlag zum Opfer fiel. Auf Grund seines raschen Todes konnte er die Worte `Ach Allmächtiger!´ nicht mehr vollständig aussprechen, so dass das Kürzel später zum Name des Berges wurde. Die Deutung passt auch zum mittelhochdeutschen Wort achen, das seufzen oder weh- klagen bedeutet. Noch 1587 spricht der Chronist Martin Crusius von dem Berg Achel, was auf eine ähnliche Interpretation hinweist.

Stadtansicht von Reutlingen – Merian, Topographia Sueviae, 1643

Während Schwab sich auf die Deutung der Legende konzentriert, bietet Uhland schon beim Auftakt seiner Ballade eine Spur die zu einer besseren Erklärung des Namens führt. So schreibt er: `Zu Achalm auf dem Felsen, da haust manch kühner Aar.´ Bereits in der Antike galt der Adler, als der König der Lüfte. Dem stärksten Vogel sagte bereits Aristoteles nach, dass er bis zur Sonne fliegen und die ihn nicht blenden kann. Auch das Christentum bediente sich der tradierten Symbolsprache und die Kirchenväter des 5. Jahrhunderts ord- neten nun den Adler dem Evangelisten Johannes zu. Er, so die Sicht der Kirchenväter, hatte sich in einem einzigartigen spirituellen Höhenflug dem `wahren Licht der Göttlichkeit des Logos´ genähert, von dem er gleich zu Beginn des Evangeliums sprach. Das Aristotelische Bild des Sonnenfluges wurde nun auch zum Sinnbild der Kontemplation und spiritueller Erkenntnis. Der Christ soll – wie ein Adler – den Blick des Geistes zur Höhe heben und das Ewige betrachten. So wurde der Adler nicht nur als Vorbild der Stärke und des Kampfesmutes betrachtet, sondern auch als Quelle der Erkenntnis. Die Quelle, die im landläufigen Sinn als Gewässer betrachtet, taucht auch in ganz ähnlicher Form im alt- hochdeutschen Wort aha auf, dem Fließgewässer.

Adlerfresko, Sakristei von St. Peter, Huisberden – Attribut des Evangelisten Johannes

Dass Uhland bei der Verwendung des Wortes Aar ein ganz reales Bild aufgegriffen haben könnte, das zeigte der Nachthimmel zu dieser Zeit über der Achalm am Feiertag Epiphanias, besser bekannt unter dem Namen Heilige Drei Könige. Vom Zentrum Reut- lingens aus betrachtet, stieg über dem Gipfel der Achalm, kurz vor Sonnenaufgang das Sternbild Adler auf. So war es bereits um 1200 zu sehen, dem Zeitraum der Burgen-gründung, wie auch zur Zeit Uhlands. Doch da stieg das Sternbild bereits über der Nordwestseite der Achalm auf. Das Bild des Mutes und der spirituellen Quelle, das gerade am Erscheinungstag des Herrn über der Achalm aufstieg, diente sicher auch dem Selbstverständnis der Grafen von Achalm. Während der Reformation wurde dieses `Neujahrserlebnis´ durch das 1566 von Martin Cornelius für die evangelische Kirche geschaffene Neujahrslied noch unterstrichen. Mit dem Titel `Allmächtiger, ewiger Gott´ bot sich nun auch eine Brücke zur späteren Legendenbildung, dem Spruch `Ach allm´. So bleibt der Name Achalm noch immer ein vielschichtiger Name, der als spiritueller Quell, aber auch mit Acheloos, dem Flußgott der griechischen Mythologie in Verbindung gebracht werden kann.

Der Adler über Reutlingen

Dass die Achalm längst vor dem Bau der Burg durch Graf Egino im 11. Jahrhundert eine Bedeutung hatte, zeigen zahlreiche Funde rund an den Abhängen des Berges. Neben dem Scheibengifel im Westen, von dem sich der Sonnenaufgang während der Äquinoktien entlang der Silhouette der Achalm verfolgen lässt, ist dies der Rappenplatz im Südosten des Berges. Funde aus der bisherigen Grabungen zeigen, dass der Rappenplatz bereits während der späten Urnenfelderzeit, also um das 1. Jahrtausend v. Chr. als Siedlungs- platz genutzt wurde. Dabei zeigte es, sich dass der Südosthang am Fuße der Achalm durch einen künstlichen Unterbau aufschüttet wurde und so eine ebene Fläche entstand. Ebenso sind hier dauerhafte Siedlungsspuren bis zum 4. Jhd. v. Chr. zu finden. Dass aus- gerechnet hier ein Siedlungsplatz entstand, hatte sicher nicht nur den Grund in der gut besonnten Lage. In jener Zeit war die Einbindung in ein Bezugssystem von Sonnenauf- gangspunkten viel wichtiger. So ist von hier aus der Sonnenaufgang zur Sommer- sonnenwende über dem Hohenneuffen und zur Wintersonnenwende über dem südöstlich gelegen Drackenberg zu sehen.

Bilder: Wikipedia/ Ludwig Uhland auf einer Lithographie von R. Hutsteiner, veröffentlicht in Die Gartenlaube, 1887 / Stadtansicht von Reutlingen – Merian, Topographia Sueviae, 1643 / Simulation, Stellarium

Balingen und der Hirschgulden

Balingen, Kupferstich Mathäus Merian 1653

Bei Name Balingen, einem Ort auf der südlichen Alb denkt man nicht unbedingt sofort an Uruk. Dennoch verbindet beide Orte eine Sage, die auf ganz ähnlichen Gedanken beruht. Sagen und Legenden werden heute gerne als fantastische Erzählungen gesehen, doch in ihrem Kern verbirgt sich bei jeder eine Mischung aus tatsächlicher Geschichte die oft mit einer Erklärung zum Jahreslauf der Gestirne verwoben ist. Im Zweistromland war dies die Legende von Gilgamesch, dem ersten König von Uruk und dessen Freund Enkidu. Sie wurde einst im 2. Jahrtausend v. Chr. auf 12 Tontafeln aufgezeichnet und schilderte die Abenteuer der beiden bis zum Tod seines Freundes. Auf der Suche nach ihm fand Gilga- mesch die Anderswelt, wo er durch seinen Urahn von einer drohenden Flutkatastrophe erfuhr. Durch die Prophezeiung gelang es ihm die Menschheit zu retten und später die erste Stadt Uruk zu errichten. Dieses Epos lieferte nicht nur die Gründungslegende der Stadt Uruk und das Urbild der Flutmythen, sondern auch eine Erklärung für den Lauf des Sternbildes Orion. Weit hinter der ihm vorauseilenden Jungfrau verfolgt er den Stier, den er im Epos in Gestalt eines Untieres schließlich tötet.

Rekonstruktionszeichnung der Schalksburg

Als in Uruk und im Zweistromland die ersten Stadtstaaten entstanden, scheint Balingen, zumindest aus heutiger Sicht, noch ein unbekannter Ort gewesen zu sein. Erst mit Beginn der Bronzezeit tauchen hier erste Funde auf. Eine Erwähnung in Urkunden findet zum ersten Mal im Jahr 863 statt, wo der Ort unter dem Namen Balginga erwähnt wird. In der Folgezeit gehörte er unterschiedlichen Grafen, bis er im 13. Jahrhundert zum Sitz der Herrschaft Schalksburg wurde, deren Burg weiter östlich auf einem Bergsporn lag. Im Laufe des 19. Jahrhunderts, also ungefähr 4000 Jahre nach der Entstehung des Gilga- mesch Epos, entstand die Sage von den drei Brüdern, die Gustav Schwab nach der Erzählung eines Gastwirtes aufschrieb. Diese Sage entdeckte der Schriftsteller Wilhelm Hauff als er Schwabs Reiseführer erwarb und führte sie unter dem Titel `Die Sage vom Hirschgulden´ in seinen 3. Band des Märchenalmanachs für Söhne und Töchter gebildeter Stände auf.

Burg Hirschberg, die glanzvollste burg der Sage, Holzstich zur Hirschguldensage von Wilhelm Hauff

Die Sage berichtet von drei Brüdern denen 3 Burgen rund um Balingen gehörten: die Burg Hirschberg, die Schalksburg und die Burg Hohenzollern. Die schönste und reichste war zu diese Zeit die Burg Hirschberg zu der auch das Dorf Balingen gehörte. Doch den Bruder dem die Burg gehörte befiel eine tödliche Krankheit. Die anderen konnten kaum erwarten bis er verstarb und als der Todkranke von dieser Schmach hörte, verfiel er in solchen Ärger der ihn vor dem Tod rettete. Um sich zu rächen verkaufte er seinen Besitz unter dem Siegel strikter Verschwiegenheit für einen Hirschgulden an einen Abgesandten des Grafen von Württemberg. Als er eines Tages verstarb, erfuhren seine Brüder von dem Verkauf und fluchten vergebens. Sie gingen nach Balingen um zu zechen, doch der Wirt erklärte ihnen, dass der Hirschgulden keinen Wert mehr habe. `So zogen sie ab und hatten anstatt ihres Erbes nur einen Gulden Schulden´, beendete Schwab seine Erzähl- ung. Historischer Kern dieser Sage ist der Verkauf der Herrschaft Zollern-Schalksburg an Württemberg im Jahr 1403 und seine Begleitumstände.

Sonnenlauf, von Balingen aus gesehen

Ähnlich wie im Gilgamesch Epos findet sich auch hier hinter der Sage eine astronom- ische Erklärung. Ein Stich Merians von Balingen aus dem Jahr 1643 rückt die beiden wichtigen Punkte des jährlichen Sonnenlaufes ins Blickfeld. Von Balingen aus betrachtet, beginnt das Jahr mit dem Sonnenaufgang über der Schalksburg und der Sonnenaufgang am 21. Februar über der Hirschburg und dem dahinterliegenden Höchst verkündet den Beginn des Frühlings. Der Hirsch wurde zu einem symbolträchtigen Motiv im Christentum. Es tauchte als  Motiv im Bild der Jagd auf wo es zum Sinnbild des Kampfes zwischen Gut und Böse wird. Kirchenväter wie Hieronymus sehen in gejagten Tieren, wie dem Hirsch, die vom Teufel bedrängten Seelen. Innerhalb der theologischen Entwicklung des Symbols Hirsch setzte sich später aber das weitaus ältere Bild durch, der Kampf des Hirsches gegen die das Böse verkörpernde Schlange. Damit wurde der Hirsch wurde zum Sinnbild von Christus und der Vorstellung von Erlösung und Wiedergeburt. Ein Brauch der die Wiedergeburt der Natur mit dem Frühlingsbeginn feiert, ist der heute noch in einigen länd- lichen Gegenden begangene Brauch des Bikebrennens der im alemannisch-schwäb- ischen Raum auch als Funkenfeuer bezeichnet wird. Am 21. Februar, dem Feiertag Kathedra Petri werden mit großen Feuern, in denen mancherorts auch Strohpuppen ver- brannt werden, die letzten Geister des Winters ausgetrieben werden. Tatsächlich wird der Tag in manchen Gegenden als Frühlingsbeginn betrachtet, denn er ist auch ein wichtiger Lostag im Bauernkalender, wo es heißt: `Die Nacht zu Petri Stuhl zeigt an, was wir noch 40 Tag für Wetter han.´

Bikefeuer

Mit dem Sonnenaufstieg zur Sommersonnenwende über dem Hohenzollern gibt der Sonnenlauf auch ein hintersinniges Bild für den Hirschgulden ab. Die Münze war im Württemberg des 17. Jahrhunderts ein weit verbreitetes Zahlungsmittel, das jedoch rasch an Wert verlor. Ein Bild für die Hoffnung auf seinen Wert und dessen Verfall zeigt der Sonnenlauf bei Balingen. Während der Wintersonnenwende (Schalksburg) weckt die Sonne die Hoffnung auf das Jahr und die scheint sich mit dem Frühlingsbeginn an Kathedra Petri (Hirschberg) zu erfüllen. Doch zur Sommersonnenwende (Hohenzollern) kommt die Erkenntnis, dass ihre Kraft nun rasch nachlässt und bis zum Jahresende fast wertlos wird. Ganz ähnlich verhielt es sich mit dem Hirschgulden, dem alten Erbe der drei Brüder, der am Ende wertlos war.

Württembergischer Hirschgulden

Bilder: Wikipedia / Balingen, Kupferstich Mathäus Merian 1653 / Ritt unter einer Zollernburg (Hirschberg?) Holzstich zur Hirschguldensage von Wilhelm Hauff, Th. Weber (Die Herrschaft Schalksburg zwischen Zollern und Württemberg, Andreas Zekorn, Peter Thaddäus Lang und Hans Schimpf-Reinhardt; / Württembergischer Hirschgulden, Wuselig /Entflammter Biikehaufen / Sönke Rahn / Rekonstruktionszeichnung der Schalksburg, http://burgrekonstruktion.de/main.php?g2_itemId=5192/ Wolfgang Braun / simulation Suneartsools, topomap