Der Berg der bösen Mutter

Luftbild Lemberg – Schwäbische Alb

https://youtu.be/h1D7Wlb2-Es

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Wilhelm Hauff und sein Riese Heim

Wilhelm Hauff nach einem Gemälde von J. Behringer, Pastellkreide 1826

In der kurzen Zeit seines Lebens schuf der Stuttgarter Schriftsteller Wilhelm Hauff einen farbenprächtigen Kosmos an fantastischen Erzählungen und Märchen. Die Orte der Er- zählungen lagen auf dem Mond, im Orient, aber auch an heimischen Plätzen im Schwarz- wald oder auf der Schwäbischen Alb. Dort hatte es im eine Ruine besonders angetan, der Reußenstein. Ihre Entstehung erklärte er mit einer Volkssage, die weit mehr als eine erbauliche Geschichte darstellt. Schon die Beschreibung des Reußensteins, von dem Hauff erzählt, dass er auf einem jähen Felsen liegt und dort keine Nachbarschaft habe außer den Wolken und den Mond, weist auf einen entrückten Ort hin.. Dieser Eindruck bestätigt sich, wenn man sich der Ruine aus Neidlingen kommend nähert und sie com Tal aus, auf dem Felsenturm erblickt.

Blick von Südwesten auf die Ruine Reußenstein, Foto Stefan Karl

Noch immer ist dieser besondere Ort Tag-täglich das Ziel von Wanderern und Kletterern, die sich an dem Felsenturm erproben. Oben angelangt, glaubt wohl jeder Besucher, dass, diese Mauern nur durch außergewöhnliche Umstände zustande gekommen sein konnten. Hauff, der vorgab, hier eine noch ältere Sage niedergeschrieben zu haben, erzählt hier von einem Riesen. Der lebte in der im westlich gelegenen Höhle unterhalb des Heimsteines. Er hatte unermessliche Goldschätze angehäuft und wollte eines Tages ebenso schöne Burg besitzen, wie die übrigen Ritter des Landes. Da er selbst aber nicht bauen konnte, rief er die Handwerker des Landes zu sich, damit sie ihm auf dem Reußenstein eine Burg bauten. Die aus allen Orten herbeigeeilten Meister und Gesellen bauten was der Riese ihnen auftrug. Als er schließlich einzog, entdeckte er voller Grimm m obersten Fenster ein- en fehlenden Nagel. Die Schlosser, die ihn vergaßen entschuldigten sich und versprach- en ihn einzuschlagen. Die wildesten Burschen, die sich dafür anboten hatten den Nagel einzuschlagen, traten von der Aufgabe zurück als sie vom Fels in den Abgrund blickten. Nach dem die Meister den 10-fachen Lohn boten, trat ein armer Geselle auf, der sich das Geld verdienen wollte um seine Liebste heiraten zu können. Der hartherzige Vater der Braut willigte nun in die Verbindung ein, denn er hoffte insgeheim, dass sich der Geselle bei der Arbeit den Hals brechen würde. Doch der Geselle hatte Glück. Er weckte den Riesen, der ihm mit seinem kräftigen Arm über den Abgrund hielt damit er so den letzten Nagel einschlagen konnte. Am Ende erhielt er seine Braut erhielt und vom Riesen auch noch die Burg als Geschenk.

.Burgruine Reußenstein, Blick aus einem der Höfe 2016, Foto Ursus minor

Mit dem Riesen, dem Fenster, dem Nagel und auch den Handwerkern verwendet Hauff Motive, die einen vielschichtige Symbolik besitzen. Seit alters her hat der Nagel die mythische Bedeutung auch etwas Immaterielles zusammen zuhalten. Schon die Römer schätzten seine zeichenhaften Charakter, in dem an der Stelle, wo sich auf dem Kapitol die Tempel der Minerva und des Jupiter berührten, jedes Jahr der heilige Nagel eingeschlagen wurde. Im Christentum dienen die 5 Nägel, mit denen Jesus ans Kreuz geschlagen wurde, der Erinnerung an das Leid, das er auf sich genommen hatte. Auch das Motiv des Fensters stammt aus dem christlichen Kontext, der dem studierten Theologen wohl vertraut war. Im Christentum gewann das Fenster eine besondere Bedeutung, denn es erlaubte dem göttlichen Licht ins innere des Kirchenschiffes zu dringen, dem Symbol der Gemeinde. Licht war sorgte somit für die Erkenntnis auf dem Weg zu Gott Auch die Handwerker, die in fast allen Erzählungen Hauffs auftauchen, haben hier eine symbolische Bedeutung. Für Hauff war Handwerk nicht nur Arbeit, sondern forderte durch die Beanspruchung der Sinne, den Geist, die Ethik und die Kraft des Menschen.

Der Riese Orion über dem Heimenstein

Die Heimensteinhöhle, der Wohnort jenes Riesen Heim, gilt als Rest eines erodierten Wasserlaufes im oberen Kalkgestein der Schwäbischen Alb. Schon damals war Sie eine Durchgangshöhle, deren Eingänge einen Höhenunterschied von 20 m aufwiesen. Doch ihre Lage und Ausrichtung ist bestechend, denn vom unteren Zugang aus kann man den Sonnenauigang über dem Reußenstein am 11. April beobachten. Die einstige Bedeutung dieses Tages ist längst vergessen. Erahnen lässt sie sich höchstens noch am Gedenktag des Ezechiel, einem der drei große biblischen Schriftpropheten, dem am Tag zuvor gedacht wird. Schließlich war er der erste, der ausführlich über seine Sichtung von Gottes Thronwagen schrieb. In Rom wurde der Tag noch gefeiert, dessen Bedeutung schon damals auf viel ältere Kulte zurückgeführt wurde.Der 11. April war das Ende der Ludi Megalenses, des Festes des Staatskultes der Magna Mater, das 7 Tage lang gefeiert wurde

Burgruine Reussenstein vom Heimenstein aus, Stahlstich aus der Zeit um 1845

Das Datum wurde wohl nicht zufällig gewählt, denn dies ist zugleich der 111. Tag nach der Wintersonnenwende. In dieser Zahl zeigt sich das göttliche Prinzip gleich dreifach. In der 1 erscheint sie als göttliche Kraft sowie als Symbol für den Beginn der Schöpfung. In der Quersumme drei wird sie dann zum Zeichen einer göttlichen Trinität. Wie die 1 für den Beginn steht , so steht die 3 für die Vollendung.  Jedem Beginn folgt so auch der Tod und an ihn erinnert der 111.Vers der Bibel. Somit dürfte auch die Bedeutung beider Orte viel weiter zurückreichen, und die Höhle für die frünen Bewohner der Alb eine kultische Bedeutung bessen haben. An die Vergänglichkeit, den Tod und die Unterwelt erinnerte im 19. Jahrhundert aber auch ein himmlisches Schauspiel über der Heimsteinhöhle. Blickte man am Morgen von Hauffs Geburtstag auf vom Reußenstein zum Heimenstein, so ver- blasste dort jener himmlische Riese Orion, der bereits die Legenden Babylons bestimmte. Kurz vor Sonnenaufgang trat er über der Höhle die Reise in seine Heimstatt die Unterwelt an. Somit wurde der Ort gleich doppelt seiner Bedeutung gerecht. Als Heimstatt des Riesen und mit ihm ein Blick auf Hauffs Spiegelbild. Wie Orion, hatte Hauff bereits in jungen Jahren viel Ruhm erworben und konnte sich so wohl zurecht als literarischer Riese betrachten.

Bilder: Wikipedia / Wilhelm Hauff nach einem Gemälde von J. Behringer, Pastellkreide 1826, J. Behringer – Klaus Günzel: Die deutschen Romantiker. Artemis, Zürich 1995, gemeinfrei / Blick von Südwesten auf die Ruine Reußenstein, Stefan Karl , CC BY-SA 4.0 / Blick aus einem der Höfe 2016, Foto Ursus minor / Simulation sunearthtools, opentopomap / stellarium

Kultort des Biel

Blick von Norden auf den Höherberg- Foto Jan Stubenitzky (Dehio)

Der Ort Bilshausen im Landkreis Göttingen soll einer Sage zufolge von sächsischen Zuwanderern gegründet wurden sein, die dort ihren Gott Biel verehrten. Dieser Name er erscheint aber nur in wenigen Schriften, wie dem Eichsfelder Sagenschatz, wo er als ein Gott des Waldes beschrieben wird. Gottfried Friedrich Klemm führt Biel in seinen Buch germanische Altertumskunde ebenso als einen angeblichen Waldgott auf, wobei er den Namen Biel auf eine entsprechende Passage der Bonifatiuslegende zurückführt. Sie beschreibt wie der Missionar ein Heiligtum Biels zerstörte um Heiden zu bekehren.

Relief an der Pfarrkirche Altenkirchen, eventuell den Gott Svantevit darstellt.,                  Carl Schuchhardt (1859–1943)

Der Name des vermeintlichen Waldgottes verweist jedoch auf mehrere Bedeutungs-ebenen. So gibt es das althochdeutsche Wort bil, das Beil, das in der Bronzezeit als solares Symbol galt und zugleich als Herrschaftsinstrument betrachtet wurde. Als bil wurde aber auch ein Schwert bezeichnet, das wie das Beil ein Ausdruck der Macht war. Den Erzählungen zufolge hat Biel den Wald beschützt und das Wachstum der Bäume ge- fördert, wobei seine Priester auch die Beile der Waldarbeiter geweiht haben sollen. Vermutlich alle im Wald tätigen Personen unterstanden seinem Schutz.Sein Verbreit- ungsgebiet soll sich einst über den Thüringer Raum bis in den Harz hinein erstreckt haben, wobei seine Kultstätten auf mehreren Bergen vermutet werden.

Stele des Baal, 15. – 13. Jhd. v. Chr., Baaltempel in Ugarit, Foto.Jastrow

Biel wurde mit unterschiedlichen Gottheiten, wie dem biblischen Gott Baal, dem keltischen Belenus, oder auch mit dem slawischen Bilovog in Verbindung gebracht. Dort war er neben zahlreichen Namensabwandlungen auch unter Bieleboh bekannt und wurde als Gott des Lichtes verehrt. So lässt sich auch sein Name auf das slawische Wort biely zurückführen, das die Farbe Weiß bezeichnet. Während im Thüringer Raum Biel noch mit Pferdeopfern in Verbindung gebracht wurde, ist bei der slawischen Variante bei Opfern von Festessen und fröhliche Feiern die Rede. Bilder des alten Gottes Biel/Bilovog leben noch in weißrussischen Sagen fort, wo er als alter Mann mit dem Namen Belun auftritt. Dort hat er einen Bart, trägt einen breitkrempigen Hut, einen lange weißen Mantel und einen Spazierstock. Ähnlich wie in Flurname die mit Bil beginnen hat, hat der Name auch im Bilebohberg bei Bautzen überlebt, wo Karl Preusker im Jahr 1841 eine Felsformation beschrieb, die er als Altar des Bielboh identifizierte. Lange Zeit wurde diese Sicht ins Reich der Fantasie abgetan, bis Forscher der Sternwarte Sohland die Felsformation untersuchten und erkannten, dass in der Öffnung des Teufelsauge die Sonne genau während des Äquinoktiums zu sehen war.

Szenen aus dem Leben des Bonifatius, Fuldaer Sakramentar (Anfang 11. Jhd.)

Ebenso denkbar ist hier aber auch eine Verwandtschaft Bils zum nordischen Sonnengott Balder. Ein Hauptkultort des Biel soll der Bielstein bei Ilfeld, oder später die Bielhöhe bei Katlenburg gewesen sein. Dort soll der heilige Bonifatius einst auf seiner Missionsreise Biels Bildnis angetroffen und den Berghang hinabgestürzt haben. Einige Bielpriester sollen es dann der Sage zufolge auf den Höherberg gebracht haben, wo sie den Gott weiter mit Menschen- und Tieropfern verehrt haben sollen. Das Beil als Herrschaftssymbol in Gestalt der Doppelaxt, der Labrys, ist das Herrschaftszeichen Minoischhen Kultur der frühen Bronzezeit des 3. Jahrtausends. Archäologen vermuten in dieser Doppelaxt eine zere- monielle Waffe der Priesterinnen, die in Wirklichkeit ein Symbol der Fruchtbarkeit dar- stellte. Dr. Jack Dempsey schreibt in einem Artikel für die Grete Gazette auch über diese minoische Doppelaxt. Er erkennt in ihrer geschwungenen Form und deren Proportionen eine Verbindung zum Sonnen- wie zum Mondjahr. Damit hat sie für ihn die Bedeutung eines symbolischen Kalenders. Eine Erinnerung an die alten Sonnenkulte bietet heute noch der Höherberg mit der 1856 gestifteten Wallfahrtskapelle `Zu den vierzehn heiligen Nothelfern´.

Ausrichtung der Kultorte

Die einstige Bedeutung für den Gott Biel lässt sich zur Sommersonnenwende erkennen, wo der Sonnenaufgang über der Wolfswarte, mit dem zum Bruchberg führenden Höh- enzug, übereinstimmt. Der Bruchberg ist der zweithöchste Berg in Niedersachsen und bis auf seine Kuppe wieder dicht bewaldet. Neben der Kuppe liegt eine Anhöhe mit dem Namen Wolfswarte. Dieser Ort voller Bruchsteine wird als in Jahrmillionen ver- witterter Acker-Bruchberg-Quarzit erklärt. In Heinrich Pröhles Harzsagen gibt es dafür aber eine Erklärung. Im zerklüfteten Stein sollen sich schon immer Wölfe herumgetrieben haben und eines Tages missachtete ein Köhler die Warnungen. Mehrere Tage wartete er auf seine Frau die im Essen bringen sollte, bis er ihr entgegen ging. Da traf er auf einen Wolf, der Fasern ihres roten Kleides in seinem Maul hatte. Um diese Wölfe zu vertreiben, soll dann später der Wald zu großen Teilen abgebrannt wurden sein. Aber auch von der Katlenburg ist der Bruchberg ein idealer Visierpunkt, denn von hier aus betrachtet ist der Sonnenaufgang über dem Bruchberg am 1. Mai zu sehen. Die Verbindungen zu den Son- nenaufgängen zeigen, dass die alten Sagen vom Kult dies Biel wohl nicht der Fantasie von Schriftstellern späterer Jahrhunderte entsprungen sind, sondern auf konkreten Erinner- ungen beruhen. .

Bilder: Wikipedia, Blick von Norden auf den Höherberg- Foto Jan Stubenitzky (Dehio)/ Relief an einem Mauerstein der Pfarrkirche Altenkirchen, das eventuell den Gott Svantevit darstellt., Carl Schuchhardt (1859–1943)/ Stele des Baal, 15. bis 13. Jahrhundert v. Chr., gefunden am Baaltempel in Ugarit: Baal als Gewitter- und Wettergott: Foto, Jastrow und ein weiterer Urheber , gemeinfrei/ Szenen aus dem Leben des Bonifatius: Heidentaufe (oben) und Märtyrertod (unten) in: Fuldaer Sakramentar (Anfang 11. Jh.), Staatsbibliothek Bamberg, Msc.Lit.1, fol. 126V, Unbekannt – Illustration from the Sacramentary of Fulda / Simmulation opentopomap, sunearthtools

Der Weg nach Atlantis

Platon (links) und Aristoteles, Ausschnitt `Die Schule von Athen´ von Raffael, 1509, Web Gallery of Art

in den meisten Legenden verbirgt sich ein Stück Zeitgeschichte und gerade das macht viele dieser Erzählungen so faszinierend. Ähnlich verhält es mit der Legende des sagen- umwobenen Atlantis, das der griechische Philosoph Platon Mitte des 4 . Jahrhunderts v. Chr. als Idealstaat beschrieb. Doch bei ihm blieb es kein rein theoretisches Konstrukt, denn er verortete das Land der Utopie jenseits den Säulen des Herakles, also westlich der Meerenge von Gibraltar. Platon beschrieb diesen Staat als gewaltige Seemacht, die Teile Europas, aber auch Afrikas unterworfen hatte. Doch in seinen philosophischen Exkurs erschien dieser Aspekt nur am Rande. Viel wichtiger war Platon die Gesetze eines idealen und auf Dauer funktionierenden, gerechten Staates darzulegen. Nach seiner Auffassung spiegelte sich dessen gesellschaftlicher Aufbau in einer idealen Geometrie wieder, die von harmonischen Proportionen bestimmt wurde. Platon verarbeite hier zahlreiche zeitgenös- sische Quellen, denen ebenso die Vorstellung eines paradiesischen Urzustandes zu Grunde lagen. Doch bereits in der Antike erscheinen erste Spekulationen über den von Platon beschriebenen Ort.

fiktive Karte mit Atlantis, Athanasius Kircher, `Mundus subterraneus,´  Amsterdam 1678

Lange nach Platons Tod stellten zahlreiche Schriftsteller die Frage nach der Lage von Atlantis. Auf Grund dieser zahlreichen Spekulationen, versetzte im 17. Jahrhundert Athanasius Kircher Atlantis auf einer Karte das Land einfach zwischen die beiden Kontinente Afrika und Amerika. Doch Platon scheint damals detaillierte Geschichts-kenntnisse besessen zu haben, denn er berichtet, dass dieser Staat im 9. Jahrtausend im Laufe eines einzigen Tages untergegangen sei. Da aber bislang keine Stadtanlage gefunden wurde, die den Schilderungen Platons entsprach, wurde auch diese Angabe als Teil des philosophischen Exkurses betrachtet.

vermutlichen Lage und Ausdehnung des Doggerland um 8000 v.Chr.

Ein Ort auf den diese Schilderung zutraf, ist jenes mythische Doggerland das einst in- mitten der heutigen Nordsee lag. Dort erstreckte sich vom Ende der letzten Eiszeit, bis ins 6. Jahrtausend v. Chr. eine Landbrücke, die Europa mit Großbritannien verband. Höhere mittlere Jahrestemperaturen als heute, bescherten dem Land wahrscheinlich eine para- diesische Natur.. Doch die abschmelzenden Gletscher waren auch die Ursache, dass der stetig steigende Wasserspiegel das Land immer weiter verkleinerte. Eines Tages aber kam für die Bewohner des Doggerlandes das Ende aber völlig überraschend und diese Katastrophe hatte ihren Ausgangspunkt in Norwegen. Unter der Leitung von Dr. Hill war es einer Gruppe von Wissenschaftlern des Imperial College in London gelungen. Licht in das plötzliche Verschwinden des Doggerlandes zu bringen.Durch Computersimulationen fand- en sie die Spur, die sie nach Norwegen zum Storegga Gletscher führte. An dessen Ende hatte sich bis zum 6. Jahrtausend v. Chr. ein riesiger Gerölldamm aufgeworfen, der durch aufgestautes Schmelzwasser zum Einsturz gebracht wurde.Dieser Einsturz löste in der Nordsee eine fast 20 m hohe Flutwelle aus. Sie löschte das flache Doggerland aus. In den folgenden Jahrzehnten überflutete der weiter ansteigende Meeresspiegel das Land dann komplett. Was übrig blieb, war die Erinnerung und der Gedanke eines Sehnsuchtslandes.

Dom St. Peter in Worms, Ausrichtung

Tatsächlich gibt es einige Bauwerke, die auf solche Orte der Sehnsucht verweisen. So weist das Ishtar Tor in Babylon auf ein fernes Gebirge, dem Geburtsort einer Gottheit, oder der Wormser Dom auf den Sehnsuchtsort des Mittelalters, Jerusalem. Mit seiner Aus- richtung vereint er zwei Aspekte: Am Weihnachtstag scheint die Sonne nach dem Son- nenaufgang bis zum Altar im Westteil und durch seine Ausrichtung verweist er auf die heilige Stätte der Bibel. Diese Ausrichtung gelang den damaligen Baumeistern so perfekt, dass die Baulinie des Wormser Doms genau auf den Tempelberg zielt, wo einst der salomonischen Tempel gestanden sein soll. Ein ganz anderes Monument zielt jedoch auf das eingangs beschriebene Doggerland, die Exernsteine. Sie werden heute vielfach als germanisches Heiligtum angesehen. Doch während der Christianisierung wurden das Monument so mit neuen Symbolen überformt, dass die alten Spuren zum großen Teil verschwanden und damit einen breiten Raum zur Deutung gaben. Die Ursprünge der Anlage müssen aber viel weit- er zurückreichen, denn die Ausrichtung der Mittellinie, die um 40° von der Ost-Westachse abweicht, deutet auf eine ganz bewusste Konzeption hin. Sie wurde bereits im Text über die Externsteine geschildert.

Ausrichtung Externsteine

Dabei bleibt es dahingestellt, ob die Gesteinsformation nur freigelegt, oder aber errichtet wurde. Betrachtet man diesen prähistorischen Zeiger, so weist er wie der Wormser Dom, auf einen Ort der Sehnsucht, das einstige Doggerland, das Platon im 4. Jahrhundert als Grundlage für seiner Betrachtung diente. Einen formalen Höhepunkt erreichte dieser Zeiger auch im Laufe des 6. Jahrtausends v. Chr.. denn dann erschien der Stern Arktur genau am Morgen der Sommersonnenwende in der Achse der Externsteine. Dies war auch die Epoche, in der das Sehnsuchtsland an einem unglückseligen Tag, wie Platon schrieb, Geschichte wurde.

Bilder: Wikipedia / Platon (links) und Aristoteles – Ausschnitt aus „Die Schule von Athen“ von Raffael (1509)Web Gallery of Art: Image Info about artwork/ fiktive Karte mit Atlantis, Athanasius Kircher – Athanasius Kircher: Mundus subterraneus, vol. 1. Amsterdam 1678 – UB Heidelberg/ Karte mit der vermutlichen Lage und Ausdehnung des Doggerland um die Zeit 10.000 BP (entspricht 8050 v. Chr.) auf dem Gebiet des heutigen Europa. / Storegga Rutschung, Ort und Richtung, Lamiot und ein weiterer Urheber / Simulation opentopomap, googlemap, sunearthtools, stellarium