Die Osterinsel – das Dreieck des Vogelmannes

Moáis, Foto Bjørn Christian Tørrissen

`Die Geometrie ist vor der Erschaffung der Dinge, gleich ewig wie der Geist Gottes selbst und hat in ihm die Urbilder für die Erschaffung der Welt geliefert´,

(Johannes Kepler, Harmonice Mundi, 1619)

Das Polynesische Dreieck

In der Natur offenbaren geometrische Formen die Gesetzmäßigkeiten von Schöpfungs-prozessen der Materie. Der verläuft keinesfalls unregelmäßig, sondern planvoll, wie durch eine mathematische Formel gesteuert. Am besten offenbart dies ein Salzkristall mit seiner Oktaederstruktur, die einer gespiegelten Pyramide gleicht. Auch diese Ideal- form eines Kristalls ist eine jener 5 platonischen Körper, die der im 5. Jahrhundert v. Chr. lebende Mathematiker und Philosoph Platon als die Grundbestandteile des Kosmos sah. Diese Grundkörper haben ihre Entsprechung in den geometrischen Grundfiguren Kreis, Dreieck und Quadrat. Alle drei zählen auch zu den ersten Bild- symbolen der Menschheit, den Vorläufern der heutigen Schriftzeichen. Dabei hat das Dreieck eine besondere Bedeutung und die gleich auf mehreren Ebenen. Als gleich-schenklige Figur symbolisiert es seit der Frühgeschichte den weiblichen Schoß und steht damit für die Fruchtbarkeit. Gleichzeitig stellt das Dreieck auch ein Zeichen der Stabilität dar, denn nur mit dieser Figur können in einem Tragwerk alle Kräfte ausge-glichen werden. Als ein Zeichen der Fruchtbarkeit und der Stabilität stand das Dreieck auch immer für eine Göttertriade, die in vielen Kulturen an der Spitze aller Götter standen. Eine Landschaft, die dieser geometrischen Form geradezu ideal verkörpert, entdeckte der niederländische Admiral Jacob Roggeveen, als er mit drei Schiffen der Ost-indienkompanie im Ostpazifik kreuzte.

Arent Roggeveen

Am 5. April 1722 setzte er den Fu0 auf die Insel, der er auf Grund des Datums, eines Ostersonntages ihren Namen gab, die Osterinsel. Dem vermeintlichen Entdecker der Osterinseln, Roggeveen, war die Entdeckerfreude und die Nähe zur Wissenschaft bereits in die Wiege gelegt worden, denn er wurde als 3. Sohn des niederländischen Astronomen, Mathematikers und Nautikers Arent Roggeveen geboren. Nach seinem Jurastudium trat er 1706 in prosperierende Ostindien-kompanie ein. Neben seinem Geschäften entwickelte er aber auch eine Vorliebe für religiöse Themen, in dem er die Schriften des niederländischen Theologen Pontiaan van Hattem verbreitete, die vom mythisch und pietistischen Gedankengut geprägt waren. 16 Jahre sollte es dauern, bis er auf einer Reise durch den Pazifik als Entdecker der sagenumwobenen Insel in die Geschichte einging. Sie ist Teil des Polynesischen Dreiecks, das sich über die gesamte Fläche des östlichen Pazifiks erstreckt. Die Eckpunkte dieses Dreiecks bilden im Nord- en Hawai, im Süden Neuseeland und auf f der dazu senkrecht stehende Mittelachse liegen im Westen die Insel Samoa und im Osten die Osterinsel. Blickt man von dort am Abend des 1. Mai in Richung Samoa, sieht man über der endlos erscheinenden Was- ser fläche den Sonnenuntergang. Wie die ideale Dreiecksform die Eckpunkte dieser Wasserlandschaft markiert, ist sie durch diese Ausrichtung auch Teil eines idealen Kalenders, der in 8 Teile geteilt, am 1. Mai 3/8 einer Jahreslänge erreicht. Wie der 1. Mai die Achse der Landschaft Polynesiens markiert, so spiegelt sich die Idealform des Dreiecks in der Insel und bestimmte gleichzeitig den zyklischen Ablauf des Vogelmann-Kultes.

Das Polynesische Dreieck und die heilige Insel- Karte, Foto User Kahuroa

Bilder: Wikipedia / Moáis, Foto Bjørn Christian Tørrissen , CC BY-SA 3.0 / Arent Roggeveen, Foto Fitmoos , Arent Roggeveen, Fitmoos – Template:Roggeveen, J. (1838). Dagverhaal der ontdekkings-reis van Mr. Jacob Roggeveen, met de schepen Den Arend, Thienhoven en de Afrikaansche Galei, in de jaren 1721 en 1722 (Vol. 1). Gebroeders Abrahams. / Das Polynesische Dreieck mit seinen Eckpunkten Hawaii (1), Neuseeland / Aotearoa (2) und der Osterinsel (3) sowie Samoa (4) und Tahiti / Französisch-Polynesien (5), Foto User:Kahuroa , Simulation Sunearthtools

Teil 2 – Das heilige Dreieck / Artikel in Q`Phaze 3/2019

Tuttlingen und das Mondtor der Donau

Honberg um 1900

War es ein alamannischer Stammesfürst, oder doch eine Sage mit gewichtigem Hinter- grund die zum Name der Stadt Tuttlingen führte. Eine Herleitung des Stadtnamens die häufig auch in anderen Städten anzutreffen ist, ist die konstruierte Verbindung mit einem Stammesfürsten. Auch der Name der Stadt Tuttlingens wird gerne auf einen Tuto zurückgeführt, einen historisch nicht belegten alamannischen Stammesfürst. Eine and- ere Erklärung bietet die Sage von der Dttfee aus dem nahen Duttental. Gundula Tatschner, aber Georg Rohrecker haben dazu einiges zusammengetragen. Rohracker ging den alten Erzählungen nach und erwähnte die Sage in seinem Sagenbuch. Im Duttental, das nach einhelliger Auffassung nicht geheuer war und das sich in süd- westlicher Richtung von Tuttlingen aus erstreckt, soll sich eines Tages ein Zug voller Gläubigen vor einer pferdehütenden Jungfrau in Luft aufgelöst haben. Auch im nahen Heiligental soll es einst drei Zauberinnen gegeben haben, deren Schimmel auf einer Weide grasten. An sie wandten sich die Bewohner Tuttlingens bei Seuchen, Sorgen und Krankheiten. Die drei verstanden etwas von Hexerei, genauso wie sie der Tier- sprache mächtig waren. Eine Erklärung für den Namen findet sich im Alemannischen wie im Hochdeutschen, wo der Dutt als das Flechten eines Zopfes zu einem kreisgförmigen Nest bedeutet.

Die Technik eines gewickelten und gezwirnten Haarknotens, Foto, CMoi

Sie gleicht dann auch der Scheibe des Mondes hat weshalb der Dutt in Italien auch als Sinnbild des Mondes gilt. Beides, der Mond und die Fee verbinden sich dann auf ideale Weise. Mit dem Dutt als Bild des Mondes hat die Duttfee in Tuttlingen aber noch eine Berechtigung. So muss der Mond einst für den Ort eine besondere Bedeutung be- sessen gaben, denn die Donau ließt hier durch ein Tor dessen Ausrichtung durch die große Mondwende bestimmt ist, Dieses Tor wird durch die nordwestlich gelegen Eichhalde den südöstlich gelegen Honberg bestimmt, auf dem Graf Eberhardt im Barte 1460 eine der größten Landesfestungen errichten ließ. Neben der Ausrichtung dieses Tores scheint auch die Entfernung der beiden Bergsporne einst von besonderer Bedeutung gewesen zu sein. So beträgt die Entfernung von den beiden Bergspornen ca. 1,9 km und diese Strecke entspricht dann ziemlich genau 4000 Salamiselllen mit je 0,483m.

Das Mondtor in Tuttlingen, die Ausrichtung des Honberges

Diese Längeneinheit gehört zu den ältesten nachgewiesenen Längenmaßen. An der Donau wurde es bereits bei den Hausgrundrissen von Lepenski Vir identifiziert, einer der bekanntesten Siedlung en der Donaulkultur aus dem 7. Jhts. v. Chr. In früheren Zeiten scheint noch eine wesentlich größere Bedeutung genossen zu haben als die Sonne. Zahlreiche Bauwerke, wie Menhirreihen in Frankreich oder die Steinsetzungen in Callanish auf der Hebrinden-insel Isle of Lewis, wurden einst nach Mondwenden aus- gerichtet.

Callanish 1, Foto Chmee2

Wissenschaftler nehme heute an, dass diese Ausrichtung aber eine vorwiegend kult- ische Bedeutung besaß und so die beherrschende Rolle des Monde gewürdigt wurde. Da seine Bahn etwas höher als die der Sonne verläuft und auch sein Pendelbogen größer ist, könnten dies Anhaltspunkte sein, für seine früher dominierende Stellung in einem Götterpantheon. Der Mond und seine Bedeutung führt nun zu einer weiteren Sage, die Sage des Tuttlinger Kistenmännles. Laut der Erzählung hat es einst auf dem Honberg sein Unwesen getrieben. Zu seinen Lebzeiten galt das Kistenmännle als geldgieriger Vogt, der für seine Herrschaft eine gewaltige Steuerlast verlangte. All seine Schätze sammelte er einer Truhe, die er auf dem Honberg versteckte. In die soll er eines Tages hineingefallen und elend verhungert sein.Das von Ludwig Bechstein im 19.Jhd. verfasste Märchen `vom Mann im Monde´, macht die bildhafte Symbolik der Mondkrater wieder populär. Das Bild der Mondkrater wird in allen Kulturen unterschiedlich gedeutet. In der christlichen Deutung wurde es gemäß dem 4. Buch Mose, als ein zur Strafe auf den Mond versetzter Mann mit einem Reisigbündel gedeutet.(4 Mos 15,32-36).

Mögliche Interpretationen des Mondgesichts, Grafik: D.Helbe

In Chinas Sagenwelt jedoch gab es die Erzählung vom Hasen im Mond. Viel realer und zugleich umstritten ist das Mondholz, dass früher um Bau von Fachwerkhäusern benutzt wurde. So ändert sich der Feuchtegehalt des Holzes während der Mondphasen beträchtlich und deshalb hat bei abnehmenden Mond geschlagenes Holz ein höhere Festigkeit, wie eine Studie der ETH Zürich nahelegt. Auf Grund dieser Eigenschaften wurden deshalb früher auch Truhen und Kisten aus diesem Holz hergestellt. Damit verbindet die Sage gleich mehrere Epochen. Eine zeitnahe ,in der das Wesen des Holzes noch anders gesehen wurde und eine weit zurück-liegende, in der der Mond noch über die Menschen herrschte. Dass auch der Graf sich der alten Mond- und Sonnensymbolik bediente, zeigt die Ausrichtung der Fest- ung auf dem Honberg. So war die Hauptburg im Julianischen Kalender. sinnfällig zum Beginn der Herrschaft, auf den Sonnenuntergang am 1. Januar und damit zu- gleich das 1. Marienfest ausgerichtet, während in Gegenichtung der Sonnen- auf- gang am Johannitag zu sehen war, ein im Bauernleben und Brauchtum ehedem wichtiger Tag.

Festung auf dem Honberg

Bilder: Wikipedia / Die Technik eines gewickelten und gezwirnten Haarknotens, Foto, CMoi , CC BY-SA 3.0 / Callanish 1, Foto Chmee2 / Mögliche Interpretationen des Mondgesichts, darunter Mann/Frau mit Brennholz (ganz oben), der Mondhase (zweiter von oben) und die Frau im Mond (ganz unten)…D.Helbe / Plan Honberg, Burgenwelt / Simulation opentopomap, . Heinrichs Kalenderumrechner

Frühlingsbeginn über der Achalm

Frühlingsbeginn  über der Achalm

Kultort Scheibengipfel

`Über den Fildern, über den Bäumen,

auf der Achalm hohem Haupt,

fand ich sie im Gold des Morgens,

hat sie mir das Herz geraubt.

(Justinus Kerner, Auf den Fildern unter Bäumen)

Treffender könnte der Eindruck am Morgen des Äquinoktiums, auf dem westlich der Achalm gelegenen Scheibengipfel nicht beschrieben werden. Während die hinter der Achalm aufgehende Sonne die umgebende Landschaft in gleißendes Licht taucht, wird der Scheibengipfel zu einer Insel, die noch einige Zeit im Dämmer-schatten des Berges liegt. Es dauert ungefähr 40 Minuten, bis die Sonnenscheibe die Spitze der Achalm erreicht hat und die ersten Lichtstrahlen auf die Fläche der am westlichen Rand liegenden Grabhügel fällt. Erst ab diesem Zeitpunkt wird die Sonnenscheibe neben dem Burgturm sichtbar, wo sie dann weiter in den Himmel steigt.

Der theatralische Effekt, der langsam aus dem Schatten auftauchenden Insel zeigt auch den besonderen Sonnenbezug des Scheibengipfels, der gleichzeitig auch auf den Ur-sprung des Namens hinweist. Einst wurde am Tag des Frühlingsäquin-oktiums das Ende des Winters gefeiert. Mit dem Schlagen von Funkenscheiben sollten dann die letzten Wintergeister ausgetrieben werden. In alemannischen Gegenden des Schwarzwaldes hat der Brauch noch überlebt. Dort werden am Abend des Äquinoktiums Buchenscheiben im Scheibenfeuer zur Glut gebracht. Sie werden dann mit Haselnussstücken auf dem Scheibenstuhl abgeschlagen, so dass sie mit hohem Bogen ins Tal fliegen.

Was viele heute jedoch für einen einen Faßnachtsbrauch halten, begann vor rund 3000 Jahren mit dem Akitu – Fest in Babylon. Es gilt als eines der ältesten überlieferten Früh-lingsfeste überhaupt und war zugleich auch das Neujahrsfest. Es begann mit den Neulicht des Mondes nach der Tagundnachtgleiche und dauerte 12 Tage. Die umfangreichen Kult-feierlichkeiten Akitu – Fest dienten hier der kultischen Reinigung, der Entsühnung. Mit der Ehrung der babylonischen Stadtgötter sollte dann vor allem die Fruchtbarkeit des kom-menden Jahres garantiert werden.

Bäume, das Bauwerk eines Wasserbehälters, wie auch die Burgmauern auf der Achalm behindern heute die Sicht auf den Aufstieg der Sonne an diesem Tag. Doch das Meer des Lichtes in dem der Scheibengipfel an diesem Tag liegt, lässt heute noch erahnen, warum die Anhöhe in der Vergangenheit ein besonderer Sonnenkultort gewesen sein muss.

Die Insel des Scheibengipfels in der von der Sonne erleuchteten Landschaft

Krodos Tempel

 

Abbildung und Deutung der Krodofigur, Sachsenchronik Conrad Bothes, 1492,

Laut den Angaben in der Sachsenchronik, einem von Conrad Bothes im Jahr 1492 er- stelltes Geschichtswerk, war Krodo bis 780 ein Gott der Sachsen. In diesem Jahr endete der Krodo-Kult, nachdem Karl der Große sein Standbild auf der Harzburg zerstörte. Bothes beschreibt den Sachsengott als einen Mann, der auf einem Fisch steht, der wiederum auf einer Säule drapiert ist. Seine Attribute sind ein Gefäß mit Blumen und ein Rad, wobei die Blumen als Ausdruck der Fruchtbarkeit gesehen wird und das Rad als Sonnen- oder auch als Schicksalsrad interpretiert wird. Parallelen zu römischen Göttern werden hier erkennbar, denn die in Abbildungen vereinfacht dar- gestellte Säule gleicht den Jupitersäulen und das Attribut Rad, war als Zeichen des Schicksals auch der römischen Göttin Fortuna zu eigen.

Fortuna und das Rad des Lebens, mittelalterliches Manuskript

Doch weder der Blumenkorb passt zu einer männlichen Gottheit, noch der mädchenhaft wirkende wehende Gürtel.So gleicht Krodo in Darstellungen immer einer Mischung aus den Bildern Apollons mit der Athene. Diese Mischung deutet hier weniger auf ein reales Götterbild hin, sondern viel eher auf eine Verballhornung des gestürzten Sachsen-gottes. Dafür spricht auch das ähnlich klingend mittelhochdeutsche Wort kroto. die Kröte. Gerade die christliche Symbolik der Kröte war ja ideal dafür geeignet, die alten Götterbilder möglichst abschreckend auszugestalten. So repräsentierte die Kröte, wie der Frosch, im Christentum stets das Böse, das Dummdreiste, den Irrgauben und das Verderbte. Das sie gemeinhin als giftig galten, wurde beide auch zum Symbol von Laster und Häresie, einem der schlimmsten Vergehen der damaligen Zeit. Bei all diesen negativen Merkmalen war es nur selbstverständlich, dass sie im Gefolge des allgegenwärtigen Teufels auftraten. Wer mit ihnen ihn Verbindung gebracht wurde halt damit als ein gefährliches Element der Gesellschaft. Genau dies soll laut den viel später entstanden Texten Karl der Große auch beabsichtigt haben, als ihm die Sachsen auf seine Frage, wer ist euer Gott, Krodo zuriefen. Der König soll danach prompt ge- antwortet haben `Heißt euer Gott Krodo, so heißt das fortan Krotendüwel´, eben der Krötenteufel.

Sturz des Krodo durch Karl den Großen, Druck nach einem Kupferstich Merians, 1700

Das Bild Krodos auf einem Fisch stehend, weckt Assoziationen an den vedischen Gott Vischnu, dessen erste Inkarnation ein Fisch ist. Ebenso zeigen sich Parallelen zum babylonischen Fischgott Oannes. der morgens dem Meer entstieg und edn Menschen Kulturtechniken, wie die Schrift, die Wissenschaft, die Künste und den Ackerbau lehrte. Da Krodos Name ähnlich klingt wie der des Kronos, des späteren römischen Bauern-gottes Saturn, gab es in der Vergangenheit auch Vermutungen, dass dessen Bild im Norden adaptiert wurde. Dazu führten auch Schriften, in denen eine Saterburg, oder auch eine Saturburg erwähnt wurden, die an Stelle der Harzburg bereits um 300 v. Chr. gestanden sein soll. Ähnlich wie Krodo auch als eine Abwandlung des Kronos / Saturn denkbar ist, wäre ebenso eine Verwandtschaft zum slawischen Gott Chors denkbar. Dessen Existenz ist noch aus dem 10. Jhd. überliefert, denn sein Bild gehörte zu jenen sechs slawischen Gottheiten, deren Statuen Fürst Vladimir I. 980 in Kiew aufstellen ließ. Trotz des Burgenbaus in der Mitte des 11. Jhd`s durch Heinrich IV. blieb die Mystik dem Berg erhalten. So soll im 16. Jhd. Von einem Marienbild in der dortigen Kapelle eine wundertätige Kraft ausgegangen sein, wodurch sich der Ort rasch zu einem Wallfahrtsort entwickelte. Doch der Name Chors verweist auch auf den einstigen zentralasiatischen Staat Chorasan der sich zeitgleich zu den noch unbesiegten Sachsen über das westliche Persien und Afghanistan bis nach Usbekistan erstreckte. Dieses altpersische Wort verweist noch direkt auf eine Sonnengottheit, denn übersetzt be. deutet es `Land der aufgehenden Sonne´. Insofern könnte Krodo auf Grund kultureller Beziehungen eben auch eine importierte Gottheit gewesen sein, ähnlich dem nord. ischen Lenus-Mars.

Chorasan, Ausdehung im 5. Jhd.

Dass der Ort der Harzburg eine besondere Eigenschaft besitzt, zeigt sich in den Mög- lichkeiten zur Beobachtung von Sonnenaufgängen. So sind bei freier Sicht vom klein- en Burgberg aus, die für das Bauernjahr wichtigen Sonnenaufgänge am 1. Februar und 31.Oktober über dem Sachsenberg und der am 1. Mai über dem Eichberg zu sehen. Ebenso ist hier auch der Sonnenaufgang zu den Tagundnachtgleichen im Taleinschnitt zwischen den beiden Bergen zu beobachten. Wenn man aber am 1. März, dem Monat des römischen Gottes Mars, vom großen Burgberg den Sonnenaufgang betrachtet, so ist der dann über dem Sachsenberg zu sehen. Dies bietet auch eine Erklärung für jenen wilden Mann im Wappen der Stadt Harzburg. Mit seinem Ausdruck erinnert das Motiv an den Mars, den einstigen altitalischen Fruchtbarkeits- und Bauerngott. Sein ungezüg- eltes Temperament war einst ein Spiegel jener wieder aufblühenden Natur, die gegen Ende Februar wieder zu neuem Leben erwacht. Erst im Laufe der Zeit verschmolz diese Eigenschaft mit dem griechischen Ares und Mars wurde bei den Römern zum gefürcht- eten Kriegsgott.

Sonnentempel Harzburg

Blick auf den Brocken vom Großen Burgberg aus, Foto LauraHoeppner

Lagen die Wurzeln des sächsischen Krodo tatsächlich in den Götternbildern des zeit- gleich existierenden Chorasans, so bot der U-förmig angelegte Harzburg Berg den idealen Sonnenkultort. Gleich der Gestalt der Rune Sig sind hier die wichtigsten Son- nenaufgänge des Jahres zu beobachten. Für einen Bauerngott, vergleichbar mit Saturn oder Mars, bot der Ort alle notwendigen Sonnenbeobachtungsmöglichkeiten für den Kalender  einer bäuerlichen Gesellschaft. So kann er wohl auch zu Recht als Tempel Krodos betrachtet werden.

Bilder: Wikipedia / Erste Erwähnung, Abbildung und Deutung der Krodofigur, Sachsenchronik Conrad Bothes, 1492, Conrad Bote (Konrad Botho) , gemeinfrei / Fortuna und das Rad des Lebens, mittelalterliches Manuskript/ Sturz des Krodo, Druck nach einem Kupferstich Merians, 1700 / Blick auf den Brocken vom Großen Burgberg aus, Foto LauraHoeppner , CC BY-SA 4.0 – Chorasan, Ausdehung im 5. Jhd. / Sonnentempel Harzburg, Simulation, sunearthtools, opentopomap

Die Göttin von Montserrat.

Mare de Déu de Montserrat, Foto José Luiz Bernardes Ribeiro 

Durch der wundersame Fund einer geschnitzten Madonnenfigur Im Jahr 880 wurde das Bergmasiv bei Barcelona zu einem Zentrum von Gläubigen. In diesem Jahr fanden zwei Schafhirten nach einer geheimnisvollen Lichterscheinung in der Cova del Montserrat die Statue. Als die jedoch in einer feierlichen Prozession ins Tal getragen werden sollte, wurde sie immer schwerer, so dass sich der örtliche Bischof entschloss, ihr zu Ehren am Fundort eine Kapelle zu erbauen. Im Jahr 888 fand sie auch erstmalig eine Erwähnung in einer Urkunde. Eine Legende berichtet über die Madonna, dass sie der Evangelist Lukas noch höchst persönlich geschnitzt habe. Doch diese, heute in der Basilika ausgestellte Figur `Mare de Déu de Montserrat´, Mutter Gottes von Montserrat, stammt aus dem 12. Jhd., der Zeit also, in der das Kloster gegründet wurde. Wegen ihrer schwarzen Oberfläche wird sie auch `La Moreneta´, die kleine Braune genannt.

Das Kloster in der umgebenden Landschaft, Foto Misburg3014

Die Entdeckung der Figur ereignete sich in einer Epoche, die von wachsenden Kämpfen in Spanien geprägt war und der Ausgang von Schlachten oft durch wund- ersame Ereignisse bestimmt wurde. Begonnen hatte die Rückeroberung Spaniens mit der Schlacht von Covadongo, die in der Nähe des gleichnamigen Mariengheiligtums erfolgte. Während der Schlacht gegen die Sarazenen soll sich durch die Macht dieses Heiligtums das Schlachtenglück zugunsten der Spanier gewendet haben. Doch nicht nur die Jungfrau Maria sorgte während der Reconquista für das Schlachtenglück, auch Jakobus soll durch seine wundersame Erscheinung zum Sieg der Spanier während der Schlacht von Clavigo im Jahr 844 verholfen haben. In der gleichen Zeit sahen die Katalanen ihr Vorbild in der Gestalt des Heiligen Georg. Als unerschrockener Märtyrer und Kämpfer für den Glauben soll Georg, der in Katalonien Jordi genannt wird, einer Sage zufolge den Königen bei der Eroberung Mallorcas geholfen haben. Zahlreiche Kirchen und Kapellen wurden ihm geweiht und unter seinem Zeichen auch ein Ritter- orden gegründet. Deshalb beschloss das katalonische Parlament im Jahr 1456, den Jorditag als offiziellen Festtag einzuführen. Beide Heilsgestalten scheinen auch in der 1580 errichteten Klosterkirche von Montserrat miteinander verbunden zu sein. Ihre Bauachse ist auf den Sonnenaufgang über dem Sant Llorenç del Munt gerichtet, einem ähnlich zerklüfteten, im 4. Jtds. v. Chr. ebenfalls besiedelten Bergmassiv. Auch hier war einst ein heiliger Ort, an dem noch die Ruinen einer im 11. Jhd. errichteten, dem St. Laurentius geweihten  Benediktiner Abtei zu sehen sind. 

Ausrichtung der Basilika von Montserrat

So entsprach die Baulinie in der Zeit der Errichtung der Basilika noch genau der Winkel- halbierenden zwischen den Sonnenaufgangspunkten am Jorditag und an Maria Himmel-fahrt. Durch den 2 Jahre später eingeführten Gregorianischen Kalender hat sich die Situation geändert: Heute zielt die Bauachse genau auf den Sonnenaufgang am 27. April, dem Feiertag der Madonna von Montserrat. Dieser Aspekt lässt aber noch einen anderen Schluss zu: Die geplante Zeitkorrektur des wenige Jahre nach Baubeginn ein- gegeführten Gregorianischen Kalenders war den Erbauern der Kirche bereits bekannt. Als Schlachtenlenkerin während der Reconquista trug die Madonna ebenso zum Erfolg bei, wie bei den Eroberungen der Spanier auf dem amerikanischen Kontinent. Doch dauerte es bis zum Jahr 1881, ehe Papst Leo XIII., am 11, September Maria neben Sant Jordi zum Schutzpatronen Katalaniens erklärte. Die aus Pappelholz geschnitzte Figur der Madonna von Montserrat ist ca. 95 cm groß und bis auf das schwarze Gesicht und Hände vollständig in Gold gefasst. In ihrer formalen Erscheinung gleicht sie dem byzant-inischen Madonnentyp der Nikopoia, der thronenden Madonna. Sie wird durch eine Frauenfigur verkörpert, die in königlicher Haltung auf einem Thron sitzenden und einen meist stehenden Jesusknaben mit einer Siegesgeste hält.

Die Schwarze Madonna von Montserrat, F. Dep.de Premsa, Comunicació de Montserrat

In dem Datum des 27. April lässt sich trotz des wundersamen Ereignisses der Erschein- ung aber auch das Weiterführen älterer Feste erkennen, denn bereits in römischer Zeit wurde am 28. April ein sehr beliebtes Fest gefeiert. An diesem Tag wurde mit dem Fest Floralia die altitalische Vegetationsgöttin Flora gefeiert, der bereits vom sabinischen König Titus Tatius einer der ersten Kulttempel auf dem Quirinal in Rom errichtet wurde. Trotz der Beliebtheit stand Ihr Kult immer aber im Schatten der viel bedeutenderen Ge- treidegöttin Ceres und war nur während der unsteten Witterung am Ende des April von Bedeutung. Mit dem wundersamen Fund der Madonnenfigur wurde auf dem Montserrat wohl auch die Tradition einer Kultstätte von Muttergottjheiten weitergeführt, die weit in die Geschichte zurückreicht. Ein Bindeglied zu dieser Tradition stellt hier ein römischer Tempel her, in dem einst die Göttin Venus verehrt wurde. Archäologische Fund auf früherer Zeit zeigen aber, dass die zahlreichen hier vorhandenen Höhlen auf dem Montserrat bereits im 4. Jahrtausend v. Chr. besiedelt waren. Dessen zerklüfteten Fels- en, die wie von Zyklopen aufgeschichtet erscheinen, weckten seit jeher die Fantasie der Menschen. So tragen einige unter ihnen Namen wie das Kamel, der Elefantenrüssel, oder der verzauberte Riese. Das Kamel des Sant Jordi, des heiligen Hieronymus, einem der vier Kirchenväter, hat die Gestalt eines Kamelhöckers und ist von drei, in einer schnurgeraden Linie aufgereihten Felsgipfeln oberhalb des Klosters gut zu sehen.

Der hl. Hieronymus in seiner Studierstube, Werkstatt Pieter Coecke van Aelst (um 1530)

Dieser Höcker erinnert an eine Episode aus der Legende des Heiligen als er in seinem Kloster in Bethlehem lebte. Dort hatte er einmal einem hinkenden Löwen von einem Dorn befreit. Der nun friedliche Löwe stürzte sich aber eines Tages auf eine Karawane von Kaufleuten, die mit Kamelen und Eseln nach Bethlehem zogen und vertrieb sie. Anschließend brachte er die Kamele und Esel ins Kloster. In der Antike waren beide Tiere auch Attribute von Fruchtbarkeitsgöttinnen. Das Kamel war das Reittier der im nordarabischen Raum sehr beliebten Göttin Al-Lāt, die bereits im 5.Jhd. v. Chr, von Herodot beschrieben wurde. Der Esel jedoch war ein Attribut der im gallischen Raum verbreiteten, späteren Pferdegöttin Epona.

al-Lāt reitet auf einem Kamel. Relief aus Ta’if in Saudi-Arabien, um 100 n. Chr.

Beide wiesen auch ähnliche Aspekte auf, wie die orientalische Muttergöttin Magna Mater. Hatten sich diese Bilder hier vermischt, so bekam das Kamel des Saint Jordi in der Zeit Herodots einen ganz anderen Sinn. Stand man am 4. April am nördöstlichen der drei Gipfel, so sah man am Morgen die Sonne über dem Kamelrücken aufgehen und in der Fluchtrichtung der Felsgipfel am Abend zum ersten Mal den Stern Sirius auf- leuchten. Später begannen bei den Römern an diesem Tag dann die Kultfeiern die der Magna Mater gewidmet waren. Nach dem heiligen Hieronymus, dem Verfasser der ersten maßgeblichen Bibelübersetzung, ist auch der höchste Berggipfel des Montserrat benannt. Er stellt damit ein sichtbares Zeichen dar, dass die Heilssuche auf dem Berg mit Maria ein neues Bild erhielt, denn über sie schrieb er ja einst, dass in ihr alle Gnade vereinigt sei.

Sant Jeroni, Magna Mater und die Sonnenwende

Bilder: Wikipedia, Mare de Déu de Montserrat, Foto José Luiz Bernardes Ribeiro / CC BY-SA 3.0 / Das Kloster in der umgebenden Landschaft, Foto Misburg3014 / Die Schwarze Madonna von Montserrat, Foto Departament de Premsa i Comunicació de Montserrat – Departament de Premsa i Comunicació de / Der hl. Hieronymus in seiner Studierstube, Werkstatt Pieter Coecke van Aelst (um 1530) Pieter Coecke van Aelst und Werkstatt – Walters Art Museum: / al-Lāt reitet auf einem Kamel. Relief aus Ta’if in Saudi-Arabien, um 100 n. Chr.