Der Riese des Untersberges

König Artur kämpft gegen einen Riesen

Legenden und Sagen sind voll von Erzählungen über Riesen. Sie werden als gewalttätige Naturgeister, Wetterriesen oder auch als übergroße wilde Männer, wie der Riese Rübe- zahl dargestellt. In vielerlei Erzählungen werfen sie mit Felsblöcken um sich, oder hinter-ließen in felsigen Landschaften ihre Fußabdrücke. Als archetypische Figur verkörperte der Riese ein ungebändigtes Triebwesen, das mit seiner Gier zerstörerisch wirkt und erst durch die Götter gebändigt werden musste.

Der heilige Christophorus. Rechter Teil des Flügelaltars –  Die Perle von Brabant

Einer der Riesen, die das Leben der Gläubigen bis zur Neuzeit begleitete, war der heilige Christophorus. Prägend für die Entstehung seiner Legende ist die Schrift Legenda Aurea des Jacobus de Voragine die zwischen 1263 und 1273 geschrieben wurde. Sie berichtet von frühesten Ereignissen seiner Verehrung durch die Weihe einer Kirche im Jahr 454 in Chalkedon – dem heutigen Stadtteil Kadiköy in Ístanbul. Der Ort wurde nicht ohne Grund gewählt, fand doch hier 3 Jahre zuvor eines der wichtigsten Konzile statt. In Chalkedon entstand die Lehre der Chalcedonense, der bis heute gültigen christologischen Lehrgrundlage der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und der protestantischen Kirche. Die Legende des Christophorus erzählt von einem Riesen der ursprünglich Reprobus, der Verworfene genannt wurde und aus Kanaan stammte. Einst wollte er dem mächtigsten aller Herrscher dienen. Deshalb wurde er zunächst Knecht des Königs. Da er dort immer wieder den Namen des Teufels hörte, glaubte Reprobus endlich den wahren Herrscher gefunden zu haben dem er dienen müsste. Als der eines Tages vor einem Kreuz floh, wusste er, dass noch einen mächtigeren Herrscher gab. So gelangte er zu einem Einsiedler der ihm den Weg wies. An einem Fluss baute er eine Hütte und brachte Reisende auf seinen Schultern über den Fluss. Eines Tages kam ein Kind. Mitten im Fluss wurde es immer schwerer und Reprobus tauchte unter. Dabei wurde er getauft und erhielt den Namen Christophorus, der Christusträger. Am anderen Ufer erkannte er endlich den, den er immer gesucht hatte.

St Georg Hohensalzburg,Christophorus Relief, Blick zum Gaisberg (Aufstieg des Orion)

Auch in der Kirche auf der Festung Hohensalzburg hat der Heilige einen Platz ge- funden, denn dort ist ein überlebensgroßes Relief des Christophorus zu finden. Aber auch im dortigen Kloster St Peter wird noch ein Kunstwerk auf bewahrt das der heilige Thiemo, Erzbischof von Salzburg geschaffen hat. Es ist die aus Elfenbein geschnitzte Figur des Christusträgers. Nicht nur die ersten Beschreibungen des hundsköpfigen Reprobus, auch sein ungestümes Wesen und vor allem das Motiv des Kindes auf der Schulter des Riesen, erinnern an die Legende des Riesen Orion. Nachdem Orion auf der Insel Chios, Merope, die Tochter des Oinopion, verführt hatte, wurde er geblendet. Orion befragte das Orakel was er tun solle um wieder sehend zu werden. Es rät ihm gegen Sonnenaufgang zu gehen. So folgt er blind den Hammer-schlägen der Kyklopen und gelangt so nach Lemnos in die Schmiede des Hephaistos. Dort erbittet er einen Führer der ihn zu Helios bringen soll. Der Gott des Feuers gibt ihm Kedalion, einen seiner jungen Schmiedelehrlinge als Führer mit. Orion setzt ihn auf seine Schulter, und mit ihm durchwatet er das Meer. Hier erlangt er im Licht der aufgehenden Sonne sein Augenlicht wieder.

Orion und Kedalion

Östlich vom erwähnten Stift St Peter liegt Aigen und der Gaisberg. In dieser Gegend beginnt die Legende eines weiteren Riesen lebendig zu werden, der Abfalter vom Untersberg. Von ihm berichtet die Erzählung, dass Abfalter am Fuße des Gais- berges einst einer Riesenjungfrau begegnet sei, welche vom Abersee kommend, Steine in der Schürze trug. Die wollte sie benutzen um auf ihnen als Trittsteine über die Salzach zu schreiten. Doch ihre Schürze hatte ein Loch, weshalb sie die Steine unterwegs bei Plainfeld verlor. Der kräftige Abfalter soll sie dann aber über die Salzach getragen haben. Doch fortan führte er ein ruheloses Leben und wartete auf die Sonne, um die Jungfrau wieder sehen zu können. Auch Abfalter soll wie andere Riesen mit großen Steinen geworfen haben die er auf dem Untersberg sammelte. Von seinen Würfen sollen mehrere große Felsbrocken stammen, die heute in der Nähe zahlreicher Kirchen rund um den Untersberg noch zu sehen sind. Sein Lager, so die Legende, hatte der Abfalter aber in einer Felsspalte auf dem Berg. Wie die Legende den Gaisberg und den Untersberg auf geschickte Weise verband, zeigt das Sternbild des Orion, des wilden Jägers, der jeden Tag mit seinen beiden Jagdhunden über den Horizont aufsteigt. Um 1600, also dem Zeitraum der ersten schriftlichen Fassung der Abfaltersage innerhalb der Erzählung des Lazarus, stieg Orion am Gedenktag des heiligen Christophorus über dem östlich von Salzburg gelegenen Gaisberg auf. Viel später ging er dann über dem Untersberg wieder unter, wo auch das Lager Abfalters vermutet wurde. Der Name Abfalter entwickelte sich aus dem althochdeutschen affrolta, der Apfelbaum. Hier schwingt noch die keltische Bedeutung des Apfels mit, der einst vor 7000 Jahren von Zentralasien nach Mitteleuropa kam. In der keltischen Mythologie galt der Apfel als ein Symbol der Weisheit und des Wissens. Ihm wurde die Kraft zugeschrieben, ewige Jugend zu verleihen und den Tod zu überwinden. Mit dieser Weisheit verbindet der Abfalter bis heute zwei energetisch bedeutsame Berge.

Abfalter / Orion, der Gaisberg und der Untersberg

Wikipedia / König Arthus bekämpft einen Riesen (Kupferstich von Walter Crane)/ Der heilige Christophorus. Rechter Teil des Flügelaltars Die Perle von Brabant Meister der Perle von Brabant, (1467–1468), Dierick Bouts / St Georg Hohensalzburg,Andrew Bossi, Wikimedia, CC BY-SA 2.5 / Landscape with Orion or Blind Orion Searching for the Rising Sun, Metropolitan Museum of Ar /Simulation Stellarium

Der Walser Birnbaum – Teil 2

Planetengötter Die Planetengötter

Die Legende berichtet über den Walser Birnbaum, dass er seit der Völkerwanderung auf dem Walserfeld stehen soll. Deshalb war auch das Entsetzen groß als dort der Legende zufolge 7 Birnbaum ausgerechnet am 7. Dezember 2015 gefällt wurde. Das Datum wurde als Omen betrachtet, denn die Zahl gilt als Sinnbild der Erfüllung und Vollendung. Seit Babylon gilt die Summe der 3, dass Sinnbild göttlicher Trinität und der 4, das Zeichen der Erde als heilige Zahl. So gab es in Babylon auch 7 Planetengötter die über die Menschen herrschten. Die Symbolik der 7 führt zurück zu den Quellen die die Legende des Birnbaum speisten. Wurde im Mittelalter die Birne als ein Symbol Marias betrachtet, führt auch der Vorname des Lazarus Gitschner (Günzner) ebenfalls zu ihr. Durch ihn wird der Birnbaum zu einem mehrfach codierten, biblischen Symbol.

Lazarus, FlandesDie Auferweckung des Lazarus von Juan de Flandes, um 1500–1510

Der Namensgeber Lazarus lebte in Bethanien und war der Bruder von Maria und Martha. Als Jesus von dessen Tod erfuhr, kam er vier Tage später in den Ort und weckte ihn von den Toten auf. Die Wiedererweckung bildete den Endpunkt der zeichenhaften Predigten von Jesus und lieferten den Rat der Hohen Priester den eigentlichen Grund der Verur-teilung. Hier scheint sich tatsächlich eine alte mythologische Erzählung zu spiegeln, denn auch der griechische Halbgott Asklepios wurde von den Göttern zum Tode verurteilt als er mit seiner Heilkunst die Grenze überschritt und einen Toten erweckte. Die berührende Geschichte war im Mittelalter sehr beliebt und deshalb wurde das Ereignis der Wieder-erweckung in zahlreichen Lazarusspielen nachgespielt. Dazu berichtet das Lukasevang-elium, dass Lazarus nach seinem Tod von Engeln in Abrahams Schoß getragen wurde. Abraham, dessen Name eigentlich `Stammvater vieler Völker´ heißt , gilt heute als Stammvater Israels und in seinem Garten stand jener Baum der als das Urbild des Birnbaumes gelten kann.

Steineiche Mamre`Eiche Abrahams´ im  russisch-orthodoxen Heilig-Geist-Kloster in Hebron

Im Hain Mamre bei Hebron ist laut Genesis 13,18 der Wohnort Abrahams. Einst soll er ganz mit Steineichen bewachsen gewesen sein die dort seit der Erschaffung der Welt wuchsen.Hier war auch der Ort an dem Abraham eine denkwürdige Begegnung mit Gott hatte bei der ihm dabei den erhofften Nachwuchs voraussagte. Mamre ist also ein Ort der Prophezeiung für das Entstehen der kommenden Menschheit. Zahlreiche Legenden um geben auch diesen Ort wie die von dem im 14. Jhd. lebenden Jehan de Mandeville. Er verbreitete nach einer Reise ins heilige Land die Erzählung, dass die Eiche bei der Einnahme Jerusalems und der Kreuzigung verdorrte sei. Am Ende aller Zeiten soll an diesen Baum ein Retter der Menschheit seinen Schild aufhängen und die Weltordnung wieder herstellen. Diesen Retter der Welt sahen die Menschen des Mittelalters lange Zeit im sagenumwobenen Priesterkönig Johannes, dessen Reich zahlreiche Ritter irgendwo in im Osten de europäischen Kontinents liegen sollte.

Sultan Süleyman I. , Kunsthistorisches Museum Wien

Die Sehnsucht nach gerade solch einem Retter war sicher auch im Jahr 1529 vorhanden, dem Jahr in dem Gitschner die Entrückung in den Berg erfuhr. So standen im Herbst osmanische Truppen unter dem Kommando von Sultan Süleyman I. ,dem Prächtigen, nach langen Kämpfen vor den Toren Wiens und hatten die damals größte Stadt des Heiligen Römischen Reiches vollständig eingeschlossen. Mehrere Sturmangriffe auf die Stadt, bei denen wichtige Teile der Stadtbefestigung durch Mineure gesprengt wurden, misslangen dennoch unter großen Verlusten. Als am 14. Oktober schlechtes Wetter aufzog, entschloss sich der Sultan überraschend Sultan zum Abbruch der Belagerung. Doch der Sieg war trügerisch denn die Gefahr eines erneuten Angriffes blieb bestehen und sollte sich 150 Jahre später wiederholen. Buchstäblich in letzter Sekunde konnte mit der Schlacht am Kahlenberg der Fall des Goldenen Apfels verhindert werden. Doch dies war nicht der einzige Schrecken, denn im Jahr 1529 erreichte eine heimtückische Krankheit auch das Gebiet des Heiligen Römischen Reiches, der Englische Schweiß. Die heute kaum noch bekannte Krankheit rief kalten Schweißausbrüche hervor und endete meist tödlich. Bis heute blieb die Krankheit und ihre Ursachen rätselhaft. Selbst mit modernsten Analysemethoden gelang es während der Untersuchung von Knochenresten nicht die DNA der Erreger zu Isolieren. Das Schreckensjahr 1529 war also geradezu prädestiniert dazu um die Hoffnungen eines biblischen Retters der Menschheit zu wecken wie es die Erzählung des Lazarus Gitschner versprach. Mit der Erzählung in der der Birnbaum die Rolle des `Dürren Baumes` aus Abrahams Garten verkörperte war die Hoffnung geboren. Wohl nicht zufällig wurde ausgerechnet der Ort auf dem Walserfeld ausgewählt, denn von hieraus gibt es auffällige Sichtbeziehungen.

Walser Birne SterneWalser Birne, die Sonne und der Meerstern

So verbindet einer der mythologisch bedeutendsten Sterne, der Stern Sirius, den Ort mit dem Untersberg. Er tauchte vom Standort des Birnbaumes aus betrachtet noch um 500 n. Chr. Zum Märzfest der Isis, in der Abenddämmerung über dem Berchtesgadener Hochthron auf. Doch um 1500 hatte die Sicht auf den Sirius längst gewechselt. Jetzt stand der nun als Meerstern bezeichnete, am Morgen von Marias Geburtstag über der gleichen Stelle. Dass Sirius zum Symbol Marias wurde wird zum einen auf einen Übersetzungsfehler der Kirchenväter zurückgeführt und ebenso auf eine Vision des Propheten Elias auf dem Berg Karmel. Er sieht dort eine Wolke über dem Meer zu stehen scheint (l. Könige 18, 41 — 45): die er als Zeichen der Hoffnung erkennt. Das Bild wird auf Maria übertragen Aus diesem Grund trägt auch die Marienkirche auf dem Berge Karmel den Titel `Stella Maris´. Passend zum Symbol der Birne und der Geburt Marias ist vom Birnbaum aus der Sonnenaufgang an Lichtmess über dem Schmittenstein zu beo- bachten, Teil eines von Höhlen durchzogenen Karstgebirges. Ebenso steht der Ort mit dem sagenumwobenen Kapuzinerberg in Verbindung, denn dort ist der Sonnenaufgang am 1. Mai zu sehen. Somit könnte der Birnbaum eine letzte Erinnerung an einen ganz besonderen Ort der Frühgeschichte sein.

Bilder:Wikipedia, Die Auferweckung des Lazarus von Juan de Flandes, um 1500–1510 /Die „Eiche Abrahams“ auf dem Gelände des russisch-orthodoxen Heilig-Geist-Klosters in Hebron ,Copper Kettle /Sultan Süleyman I. (Unbekannter Künstler aus dem Umkreis Tizians, Wien, Kunsthistorisches Museum) , Simmulation: sunearthtools und stellarium

Die Walser Birne

Birnbaum WalserfeldIm Westen Salzburgs steht ein legendäres Naturdenkmal, der Walser Birnbaum. Einge- rahmt mit einer Steinfassung gibt er ein Zeugnis vom sagenumwobenen Kaiser Karl der mit seinen Getreuen im Untersberg wohnen soll. Die Geschichte führt zurück zu jener Legende des Lazarus Gitschners, eines Knechtes des Stadtschreibers von Bad Reichenhall. 35 Jahre nach seinem Besuch im Berg und dem Kontakt mit den dort lebenden Mönchen liegt er auf dem Sterbebett. Mit seinen letzten Worten erwähnt er den Birnbaum und sagt: `Siehe, dort auf dem Walserfelde steht ein ausgedörrter Birnbaum zum An- und Vorgedenken dieser letzten Schlacht , so schon dreimal umgehauen worden; aber seine Wurzel wurde dermaßen beschützt, daß er wiederum zu grünen anfanget und wieder ein vollkommener Baum daraus werde. Viele Jahre, bevor sich die gräuliche Schlacht auf diesem Walser Feld wird ereignen, bleibt er ausgedörrt dastehn: wenn er aber zu grünen anfanget, wird es schon nahe sein; wenn er aber anfangen wird, Früchte zu tragen, wird das Ereignis bemeldeter Schlacht seinen Anfang nehmen´.

Karl der GroßeKarl der Große mit Gefolge im Untersberg

Während Gitschner die Schlacht noch mit dem bayrischen Kurfürsten in Verbindung bringt,  sieht eine Variation der Erzählung Kaiser Karl als den wahren Retter der Mensch- heit. So wird in der Salzburger Versionder Legende  erzählt, dass der Kaiser beim Anbruch der Schlacht auf dem Walser Feld mit seinem ganzen Heere aus dem Unters- berg herauskommen und sich in das Gemetzel stürzen wird. Dieses wird, so die Erzählung, so furchtbar sein, dass den Kriegern das Blut in die Schuhe hinein rinnt. Doch Kaiser Karl wird siegreich aus der Schlacht hervorgehen und am Ende sein Schild an jenen Birnbaum hängen, der auf dem Walser Feld steht.

Botanisch gehört der Birnbaum zur Familie der Rosengewächse. Er hat weiße Knospen, aus denen später die aromatischen Früchte hervorgehen. Im antiken Griechenland war die Birne der Göttin Hera geweiht, Kultfiguren wurden oft aus dem Holz des Birnbaumes geschnitzt, wie im Heraion, einem der Hera zu Ehren errichteten Heiligtum in Mykene. Auch im Mittelalter wurde das Symbol der Birne wieder aufgegriffen und sie auf die Jungfrau Maria übertragen. Aufgrund ihrer ungewöhnlichen Form, die entfernt an die Taille und Hüften einer Frau erinnert, ordnete man die Birne dem Weiblichen zu. Im Volksglauben verheißt eine üppige Birnenernte folgerichtig einen reichen Kindersegen. Mit dem Bild `Madonna Morelli´, die Madonna mit der Birne schuf der Maler Giovanni Bellini um 1487 ein Motiv das sich in der Folgezeit großer Beliebtheit erfreute und deshalb auch oft  kopiert wurde. Neben den bereits erwähnten Attributen des Weiblichen und dem damit verbundenen Kindersegen waren es auch die schneeweißen Blüten, die die Birne zu einem Symbol der Unschuld und Reinheit werden ließen. Diese Beliebtheit und Verbindung mit der Gottesmutter ließ auch die Zahl der Birnensorten rasch ansteigen. Waren im 4. Jhd. n. Chr. Gerade mal 46 Sorten bekannt, wuchs deren Anzahl bis um 1600 auf 62  und um 1700 gab es bereits 400 bekannte Birnensorten.

Bellini madonnaMadonna col Bambino ,Giovanni Bellini

Warum ausgerechnet die Birne die Brücke zu jenem mythischen Kaiser schlägt, erklärt auch ein Amulett aus dem Besitz Karls des Großen. Dieses Reliquienamulett wird im Reimser Musée du Palais du Tau aufbewahrt und soll heute Partikel vom wahren Kreuz Christi enthalten. Doch eine Legende erzählt hier eine ganz andere Geschichte. Einst soll dieses Amulett Haare der Jungfrau und Gottesmutter Maria enthalten haben und bei der Öffnung des Karlsgrabes im Aachener Dom durch Otto III. im Jahre 1000 am Hals des Frankenkaisers gefunden worden sein. Diese Entdeckung ereignete sich 38 Jahre nach einem weiteren denkwürdigen Datum, denn an Mariä Lichtmess, am 2. Februar 962. wurde Otto I. In Rom zum Kaiser gekrönt und begründete damit den Beginn des Heiligen Römischen Reiches . Einst hatte ja Karl der Große das weströmische Kaisertum erneuert und dieses Erbe wurde damit auf den ostfränkischen Staat übertragen, mit dem es über 800 Jahre verbunden blieb. Wohl aus diesem Grund wurde dieser Marienfeiertag später auch als die Geburtsstunde `Heiligen Römischen Reiches´ genannt. Die Marienverehrung Karls des Großen war auch die Grundlage zahlreicher Kirchengründungen. So wurde 4 Jahre vor seiner Körnung die Capella regia in Aachen vollendet. Eine in der ersten Hälfte des 9. Jhd.`s entstandene mittelalterliche Handschrift, die Chronik von Moissac berichtet über diese Kirche, dass sie wie viele andere Kapellen die im Auftrag Karls des Großen errichtet wurden, der Jungfrau Maria geweiht wurde.

Talismann Karl der GroßeTalisman Karls des Großen

Über die in Aachen während der Herschafft Karls des Großen gesammelten Reliquien berichtet die Zeitschrift Gartenlaube 1874 in ihrer 33 Ausgabe aber in ganz andrem Tenor. In dem Artikel wird ein Curiositätenkabinet geschildert, in dem Knochen Edelsteine und Gewänder buntgemischt zur Schau gestellt wurden. Dieser unermessliche Schatz an gesammelten Reliquien diente Karl dem Großen auch zum Ausbau seiner Macht. Unter den Sammelstücken befand sich zu seinem besonderen Stolz auch die Kleiderkammer des Herrn, in der sich nicht nur das Unterkleid der Maria, sondern auch ihr Gürtel und Schleier befanden . Ebenso fanden sich hier die Windeln, das Lendentuch, der Gürtel und das Schweißtuch des Erlösers.

Dass sich ausgerechnet dieser Birnbaum bei Salzburg auch noch zum Symbol einer endzeitlichen Schlacht wird, Mariä Lichtmess und die alte Legende des dürren Baumes mit dem Untersberg verknüpft, macht wohl einen weiteren Ausflug in die Geschichte notwendig.

Bilder: Wikipedia, Birnbaum Luckyprof /Madonna col Bambino ,Giovanni Bellini (1430 circa–1516) – from ruwiki /Sog. Talisman Karls des Großen, Musée du Palais du Tau, Vassil

Der Untersberg – ein Kalenderphänomen Teil 2

In einer Zeit als es noch keine mechanischen Uhren gab waren die Menschen auf die exakte Beobachtung von Aufgängen der Sonne und denen von Sternbildern angewiesen um wesentliche Zeitpunkte des Jahres exakt bestimmten zu können. Dabei war es ent- scheidend dass beide Vorgänge zeitlich zueinander in Bezug gesetzt werden konnten. Diese Kenntnis die Lage von Sternbildern bestimmen zu können muss im europäischen Raum schon innerhalb der Epoche des Aurignacien, also während der letzten Eiszeit entstanden sein. Eine Untersuchung der französischen Ethnologin und Astronomin Chantal Jègues-Wolkiewiez zu den Tierdarstellungen in der Höhle von Lascaux vermittelt dazu einen guten Überblick.

Lascaux Tierdarstellung           Lascaux, Tierdarstellung um 17.0000 v. Chr als Sternbilder Stier und Zwilinng

Überlieferungen wie in früheren Zeiten der Zeitpunkt für den Wechsel der Jahreszeiten zeitlich bestimmt wurde gibt es bereits aus sumerischer Zeit. Jedes Land besaß auf Grund unterschiedlicher Klimata eigene Zeitpunkte, doch die Echdaten wie die Sonnenwenden oder die Äquinoktien waren überall gleich. Im römischen Reich wurde nur zwischen Sommer und Winter unterschieden, eine Einteilung die der keltischen ähnlich war. Dabei richtete sich aber die landwirtschaftliche Tätigkeit im Wesentlichen nach dem Aufgangszeitpunkt von Sternen. Erste Überlieferungen dazu, in denen astronomischen Erkenntnisse in Bezug zur landwirtschaftlichen Tätigkeit gesetzt wurden, stammen von dem griechischen Schriftsteller und Ackerbauren Hesiod der im 8. Jahrhundert v. Chr. lebte.

Hesiod Schriftsteller                                                                 Hesiod

Mit den beiden Werken Ilias und Odysee von Homer, gelten Hesiods Schriften heute als die Hauptquellen für das Wissen über die griechische Mythologie, sowie das Alltagsleben jener Zeit. Durch seine Schriften gilt Hesiod auch als der Begründer des diaktischen Epos in dem Dichtkunst und Anweisungen zu einer ertragreichen Landwirtschaft zusammen-flossen

Bei seinen Anweisungen zur Aussaat und Ernte unterschied Hesiod folgende Phasen: Den Beginn des Frühjahrs bestimmte er mit dem Spätaufgang des Sternes Arktur, dem hellsten Stern aus dem Sternbild des Bärenhüters. Er stieg damals 60 Tage nach der Win- terwende über dem Horizont auf. Die Erntezeit sah Hesiod beim Frühaufgang der Ple- jaden, die zusammen mit der Sonne aufstiegen und analog dazu bestimmte er die Ernte- zeit mit deren Untergang zusammen mit der Sonne. Daran anschließend sah Hesiod die Dreschzeit des Korns, die er auf den Frühaufgang des Orion legte. Das Jahr endet in Hes- iods Darstellung mit der Wintersaat, die mit dem Frühuntergang der Plejaden, der Hyaden oder des Orion einsetzte. Ähnliche Überlegungen existierten aber mit Sicherheit schon seit dem Beginn der Landwirtschaft.

Das Siedlungsgebiet der Alpen hatte seit dem plötzlichen Ende der Eiszeit ein wechsel-haftes Klima hinter sich, das sich aber ab 3150 v. Chr. wieder deutlich verbesserte und dessen Temperaturdurchschnittswerte teilweise über denen von heute lagen. Bei der Be- stimmung von Kalenderpunkten am Untersberg ist das bereits im letzten Artikel beschrieb- ene Dreieck mit dem Ettenberg, dem Eckberg sowie dem Ochsenberg genauer zu be- trachten, denn es weist schon durch die Rechtwinkligkeit und die Seitenverhältnisse auf die Besonderheit des Ortes hin. Betrachtet man nun den Lauf der Sternbilder und der Sonne, kommt nicht nur den drei Bergen eine unterschiedliche Funktion zu, sondern dann lässt sich auch der Zweck der Mittagsscharte erkennen. Nur vom Eckberg aus konnte zeitgleich ein Ereignis beobachtet werden, das den Lauf der Sterne und der Sonne zuein- ander in Bezug setzte.

Ettenberg Mittagsscharte                                                       Das Ettenbergdreieck

Um 2200 v.Chr., als genau jener Epoche, in der die beim Fuderheuberg beschriebene Straubinger Kultur die Landschaft besiedelte, tauchte während des Sonnenaufgangs der Sommersonnenwende der Stern Arktur aus dem Sternbild Bärenhüter in der Mittags- scharte auf. Arktur ist der hellste Stern des Nordhimmels und der dritthellste des ge- samten Himmels. Während der Stern durch de Scharte wanderte, stieg die Sonne über den Visurpunkt des Hochzinkens auf. Damit konnte ein eindeutiges Ereignis ermittelt werden, das für die Zeitrechnung von entscheidender Bedeutung war. Auch im Name des Ochsenberges ist noch seine ursprüngliche Bedeutung zu erkennen. Vom Ettenberg aus ist hier der Sonnenaufgang zum 1. Mai zu erkennen, dem heutigen Fest Maria Königin. In diesem Fest hat sich ein Brauch aus dem keltisch irischen Fest Beltaine bis Heute erhalten, denn an diesem Tag ziehen festlich geschmückte Ochsen den Maipfahl zum Platz des Maifestes.

Ettenberg Kirche                                              Wallfahrtskirche Maria Ettenberg

Bereits der erste Artikel über den Untersberg wies auf die geometrische Anomalie der Scharte hin. War sie als geologische Formation auch nur zum Teil vorhanden, so war auch die weitere Ausformung zu einem Dreieck eine große Herausforderung für die damalige Zeit, in der Symbolik und Zeitmessung miteinander verbunden wurden.

Simulation mit:stellarium – Sonnenstandspositionen / volker-quaschning.de/datserv