Der Gott Arkonas

Der vierköpfige Svantovit, künstlerische Nachbildung am Kap Arkona

Laut den Überlieferungen besaß das aus Holz gefertigte Kultbild des Hauptgottes der Rügenslawen vier Gesichter. in einer Hand trug Svantevit ein Schwert und in der anderen ein Trinkhorn. Bis zur Christianisierung war er der oberste Gott aller Slawen und in seiner Bedeutung vergleichbar mit dem altnordischen Wotan. Mehrere archäologische Funde belegen, dass slawische Völker in ganz unterschiedlichen Regionen Svantevit-Heiligtümer besaßen. Dazu gehörten die Heiligtümer von Tarnopol und Kaminiec (Galizien). Doch das Hauptheiligtum Svantevitkultes befand sich einst auf der Insel Rügen und stand auf der Landspitze von Arkona. An die Priester dieses Heiligtums zahlten auch die festländischen Slawen ihre jährlichen Abgaben. Die wichtigsten Zeugnisse, in denen das Heiligtum von Arkona beschrieben wird, sind die Gesta Danorum des dänischen Priesters Saxo Grammaticus, die Chronica Slavorum Helmolds von Bosau, sowie die skandinavische Knytlingasaga. Saxo hatte nach der Eroberung der Burg von Arkona durch den dänischen König Waldemar und dessen Bischof und Heerführer Absalom Im Jahr 1168 die Ge- legenheit das Heiligtum zu besichtigen und beschrieb es eingehend.

Saxo GrammaticusPhantasievolle Darstellung des Saxo Grammaticus, Louis Moe 1898

`Im Tempel stand ein gewaltiges Götterbild, den menschlichen Körper an Größe weit übertreffend, wunderlich anzusehen durch seine vier Köpfe und ebenso viel Hälse. Zwei der Köpfe schienen nach der Brust und ebenso viele nach dem Rücken zu sehen. Im Übrigen schien von den vorderen wie von den hinteren der eine nach links, der andere nach rechts zu blicken. Die Bärte waren rasiert dargestellt, die Haare geschnitten, so daß es schien, der Fleiß des Künstlers hätte die Art der Rugianer in der Pflege der Haare nachgeahmt. In der Rechten hielt die Figur ein Trinkhorn, aus verschiedenen Metallen gebildet, das der Priester jährlich neu zu füllen gewohnt war, um aus der Beschaffenheit der Flüssigkeit die Ernte des kommenden Jahres zu weissagen. Der linke Arm bildete, in die Seite gestemmt, einen Bogen. Der Rock war so beschaffen, daß er an die Schenkel reichte, die aus verschiedenem Holz geformt und mit dem Kniegelenk verbunden waren, daß man den Ort der Verbindung nur bei genauem Hinsehen erkennen konnte. Die Füße berührten den Boden, ihre Basis war in der Erde verborgen. Nicht weit davon hingen Zaum und Sattel und andere Herrschaftszeichen der Gottheit; seine Bewunderungs-würdigkeit vermehrte ein Schwert von ungeheurer Größe, dessen Scheide und Griff, abgesehen von dem sehr schönen Treibwerk, das silberne Äußere auszeichnete.´

Svantowitstein in der Pfarrkirche Altenkirchen

Der Archäologe Zdenék Váňa deutet den Namen Svantovit als heiliger Herrscher, oder auch als der Sieger. Damit sieht der den Namen als eine Verbindnung der beiden Worte svet, heilig oder mächtig, und vit, das in zahlreichen slawischen Personennamen in der Bedeutung von Herr, Herrscher, oder Sieger vorkommt. Das charakteristische Merkmal der Statue, deren Vierköpfigkeit sieht er als Verweis auf den erhabenen Status Svantovits. Der Blick in alle vier Himmelsrichtungen deutet nicht nur die Macht über die Erde an, sondern auch dessen Macht über den gesamten Kosmos. Neben dem Schwert, das ihn auch als Kriegsgott ausweist, war das weiße Pferd sein Hauptattribut. Im Heiligtum stand es stets bereit zum Ausritt. Zuweilen soll es auch Nachts, obwohl es dort angebunden war, mit Schweiß bedeckt gewesen sein. Im Vergleich mit den europäischen Mythologien verweist auch hier das Pferd auch auf eine solare Bedeutung des Gottes hin. Der Name heiliger Herrscher führt zum Name des Ortes Arkona. Seinen Ursprung sieht der deutsche Slawist Heinrich Kunstmann im griechischen Wort Archon, was ebenfalls Herrscher bedeutet.

Arkona , Ausrichtung- Aufstieg Orion zur Wintersonnenwende im 9. Jahrhundert

Über die Ursprünge des Kultes gibt es ur wenige detaillierte Studien wie die des Slawisten Ignác Jan Hanuš. Hanuš veröffentlichte 1842 unter dem Titel `Die Wissenschaft des Slawischen Mythos´ eine umfangreiche Studie, in der er zahlreiche Parallelen zwischen der slawischen Mythologie und der in den Veden beschriebenen indischen Mythologie aufzeigte. Dort ist Prajapati der Herr der Geschöpfe, das erste aller Wesen. Prajapati schuf aus eigener Kraft unzählige Kinder, darunter auch Ushas, die Göttin der Morgenröte. Er ist das männliche Weltprinzip, das sich mit Vac, der Göttin der Sprache und dem weiblichen Prinzip, paart.

Prajapati

In seiner Rolle als erstes aller Wessen ist er auch der Schöpfergott des Kosmos und wird so auch Vishvakarman genannt. In der Vorstellungen der indischen Mytholgie zeigt sich Prajapati am Himmel in der Gestalt des Orion. Auch Svantovits Mythologische Gestalt gleicht den antiken Vorstellungen des mythischen Jägers und scheint auch im Svantovitstein von Altenkirchen durch. Am besten verkörperte er diese Vorstellungen bei seinem Aufstieg über den Osthorizont am Abend der Wintersonnenwende im 9. Jahrhundert. Auf diesen Punkt am Horizont zielte auch das Heiligtum.

Bilder: Wikipedia, Der vierköpfige Svantovit als künstlerische Nachbildung am Kap Arkona, Lapplaender / Phantasievolle Darstellung des Saxo Grammaticus, Louis Moe (1857–1945), 1898, Louis Moe / Svantowitstein in der Pfarrkirche Altenkirchen, Lebrac / Simulation, Stellarium

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