Top 26: Brightest Stars from Earth — BeatleJuice

Zitat

Chances are, you’ve looked up and seen at least a few distinctively, bright stars in the night sky. No matter how little equipment you own or how light polluted your viewing conditions, so long as you can see the sky you will always be able to see these 26 Brightest Stars from Earth. Number […]

über Top 26: Brightest Stars from Earth — BeatleJuice

Die Weisheit des Mammuts

Rekonstruktion des Wollhaarmammuts und seiner Umwelt, Mauricio Antón, CC BY 2.5

Bei Grabungen im Hohle Hels konnte im Jahr 2017 ein beeindruckender Fund geborgen werden, eine gut erhaltene und zugleich bearbeitete Rippe eines Mammuts. Sie stammt aus der Schicht des Gravettien, also einer Zeit des 31. bis 22. Jahrtausends v. Chr. Obwohl Mammutrippen in dieser Zeit sehr häufig als Rohmaterial für Artefakte benutzt wurden, konnte derartige Fundstücke bislang auf der Schwäbischen Alb noch nie ge- borgen werden. Außergewöhnlich sind bei dem Fund die Markierungen, sowie die ab- gerundeten Enden, die auf eine spezielle Nutzung schließen lassen. Die parallelen, geritzten Markierungen bilden jeweils zwei Blöcke von 83 und 90 Kerben. An einer weit- eren Stelle weist die Mammutrippe noch 13 weitere, längere Einschnitte auf.

Wollhaarmammut / Elefant, Foto Dantheman9758

Eine Betrachtung des Mammuts und dem mit ihm verwandten Elefanten zeigt, dass das Tier, wie von einigen Forschern vermutet, zu dieser Zeit wohl eine kultisch, religiöse Bedeutung besessen haben musste. Der Name Mammut stammt vermutlich aus der waldjurakischen Sprache, einer heute ausgestorbenen Sprache der Uralbevölkerung. im russischen wurde es dann zu mamut verkürzt und tauchte wurde im 19. Jahrhundert als mammouth im Französischen auf. Das Mammut zählt zu einer vor rund 6000 Jahren ausgestorbenen Gattung der Elefanten. Diese Gattung entstand in Afrika, während des Übergangs vom Miozän zum Pliozän und besiedelte in der Folgezeit ebenso die weiten Kaltsteppen des eiszeitlichen Europa. Je nach Unterart hatte es verschiedene Größen, wobei das nordische Wollhaarmammut am bekanntesten ist. Von den längst ausge-storbenen Mammuts ist nur eine Sage der indigenen Bevölkerung Sibiriens aus dem 18. Jahrhundert überliefert. Dort wurde erzählt, dass die Tiere unter der Erde leben und sterben müssten wenn sie der Erdoberfläche zu nahe kommen.

Zeitgenössische Ganesha-Statue, Foto Jonoikobangali, gemeinfrei

Wesentlich umfangreicher sind da die Legenden und Mythen die rund um den Ele- fanten. Zahlreich sind sie in Südostasien und Indien entstanden, wo Elefanten heute noch verehrt werden. Ihre Symbolik ist vielfältiger Natur. So steht der Elefant für Frucht-barkeit, Macht Weisheit, Frieden, Glück, Kraft und Festigkeit. und stellt zugleich ein kön- igliches Wesen dar. Diese Vorstellung zeigt sich auch im hinduistische Gott der Weisheit und des Erfolges, Ganescha, der meist mit einem Elefantenkopf dargestellt wird. Eben- so spielt der Elefant als Reittier der Götter eine wichtige Rolle innerhalb der hindu-istischen Mythologie. Außerordentliche Intelligenz wurde dem Elefanten auch in der abendländischen Antike zugeschrieben und deshalb wurde er zum Attribut des Gottes Merkur. Die griechisch-römische Literatur schreibt ihm Eigenschaften wie Gelehrigkeit, Sanftmut, aber auch Keuschheit zu. Sie machte den Elefanten im Christentum auch zu einem Symbol Marias.Wurden all die Eigenschaften, die dem Elefanten zugeschrieben wurden, von den Menschen des Gravettien auch im Mammut gesehen, so war der gefundene Knochen geradezu ideal geeignet, um das sorgsam gehütete Wissen darauf festzuhalten. So eignet sich die gekrümmte Form des Knochens, um den zu dieser Zeit, die am Nordhimmel flach verlaufenden Bahnen der hellsten Sterne Arktur und Vega, wie auf einer Schablone zu beobachten.

Die Jahresteilung entspricht den megalithischen Monaten nach Thom

Dabei sind Sternsichtungen am Abend und am Morgen eines Jahres möglich, das wohl in 16 Monate zu 3 Monaten mit 22 Tagen und 13 Monaten mit 23 Tagen eingeteilt war. Somit ergab sich eine Jahresteilung in annähernd 8 gleiche Zeitabschnitte, die sich geometrisch ebenso auf der gekrümmten Mammutrippe abbilden ließen. Justierte man den Zeitzeiger so, dass am rechten Ende der Markierung die Erstsicht Arkturs zur Wintersonnenwende zu sehen war, so war am linken Ende der Skala von 90 Strichen die Letztsicht Arkturs zum Frühlingsäquinoktium zu sehen. Wird dieser Zeitabschnitt am 3 Februar geteilt, so ergeben sich zwei Monate zu 22 Tagen und zwei zu 23Tagen, mit einer Gesamtsumme von 90 Tagen. Bei Verfügbarkeit ähnlicher Knochen ließ sich dieses Schema bequem reproduzieren. So erscheint es durchaus möglich, dass im Umfeld des Hohle Fels neben den bekannten Tierplastiken auch diese Messstäbe hergestellt wurden.

Die Mammutrippe als Beobachtungsschablone für die Zeit um 31000 BC

Obwohl die Kenntnis von Raum- und Zeiteinteilung dieser Kulturstufe nicht zuge- sprochen wird, bringt der griechische Philosoph Zenon von Elea das Problem des Raumes treffend auf den Punkt. Er schrieb in seiner Schrift `Über die Natur´ : „[…] wenn das Seiende keine Größe besitze, es auch nicht vorhanden sei. […] Ist es aber vorhanden, so muss ein jeder seiner einzelnen Teile eine gewisse Größe und Dicke und Abstand vom anderen haben. […] Denn kein derartiger Teil desselben [des Ganzen] wird die äußerste Grenze bilden, und nie wird der eine ohne Beziehung zum anderen sein. Wenn es also viele Dinge gibt, so müssen sie notwendig zugleich klein und groß sein: klein bis zur Nichtigkeit, groß bis zur Unendlichkeit. Der denkende Mensch wird genau dies erkennen und versuchen all diese Beziehungen zu ergründen. Wichtig ist dazu die Kenntnis von Raum und Zeit, die ihm nicht nur das Überleben sicherte, sondern auch zur Erkenntnis der inneren Zusammenhänge der Welt führte.

Bilder: Wikipedia / Rekonstruktion des Wollhaarmammuts und seiner Umwelt, Mauricio Antón, CC BY 2.5 / Comparison of a woolly mammoth (left) and an American mastodon (right), Dantheman9758 at the English Wikipedia / Simulation Stellarium, Foto Uni-Tübingen

Der Wächter von Grafenbühl

Intarsien und Einlagen an der Totenliege

Die Sichtbaren Spuren des Hügelgrabes in Grafenbühl, einem Wohngebiet der Stadt Asperg, sind längst verschwunden. Wie die Grabungen im Jahr 1964 zeigten, wurde das Grab aus dem 5. Jhd. v. Chr. bereits in der Antike geplündert. Nachdem man bei den Planierungsarbeiten für die Erschließung eines neuen Wohngebietes auf Reste des Grabhügels stieß, wurde der unter der Oberleitung von Hartwig Zürn vom Staatlichen Denkmalamt untersucht. Der bereits zu diesem Zeitpunkt nicht mehr sichtbare Hügel hatte einen Durchmesser von annähernd 40 Meter und in dessen Kammer fanden sich aber noch etliche Stücke die heute im Württembergischen Landesmuseum in Stuttgart aus- gestellt sind. Darunter waren die Reste eines Trinkgeschirrs und zwei bronzene Löwen- füße eines Kesselgestells, sowie Bruchstücke eines eisernen Wagens. Doch die schönsten Fundstücke sind zwei aus Elfenbein geschnitzte Sphingen mit aufgesetzten Bernsteingesichtern.

Sphinx vom Grafenbühl mit aufgesetztem Bernsteingesicht

Der Name Sphinx entwickelte sich aus dem ägyptischen Wort spanch, das mit `das, was das Leben empfängt´ übersetzt wird. Doch in Ägypten wurde die Gestalt schlicht Hu genannt und wurde als Wächterfigur gesehen. Es gibt die Vermutung dass die Sphinx in ihrer ursprünglichen Form eine Erscheinung der Göttin Hathor war, der Mutter- und Totengöttin, deren Rolle später auf Isis übertragen wurde. So wird in einer der ägyptischen Mythen erzählt, wie die Göttin Hathor über Nacht den Sonnengott Re in ihrem Leib trägt und ihn jeden Morgen neu gebärt. Ihre Aufgabe soll damals auch die Rolle einer Unterweltsgöttin gewesen sein, die die Pforte zum Totenreich bewachte und mit ihren Fragen Unbefugte vor dem Eintritt in das Totenreich abhielt. An diese Rolle knüpft die heute bekannte Legende der Sphinx von Theben an. Gemäß den Erzählungen eines Mythos soll die Sphinx von Hera entsandt worden sein, um die Stadt Theben zu bestrafen. Dort hatte der König Laios aufgrund seiner Knabenliebe den Knaben Chrysippos aus Pisa entführt. Die von Hera entsandte Sphinx ließ sich auf dem Berge Phikion nahe der Stadt Theben nieder und gab jedem vorbeiziehenden Thebaner ein Rätsel auf, das die drei Musen sie gelehrt hatten. Sie sollte sich fortan als Plage für die Stadt erweisen, denn Reisende kamen an ihr nicht vorbei, ohne ein von ihr gestelltes Rätsel zu lösen. Gelang dies einem reisenden nicht, wurde er von ihr erwürgt und verschlungen. Die bekannteste Frage überliefert die Ödipuslegende, wo Ödipus entschlossen vor die Sphinx tritt und sie aufgefordert, ihm ihre Frage auf Leben und Tod zu stellen. Noch immer stand die Belohnung aus, durch die Beantwortung der Fragen die Stadt vor der Plage zu befreien und dafür die Königskrone samt der Hand der verwitweten Königin zu erhalten. So stellte ihm der Sphinx die bekannte Frage: ` Am Morgen ist es vierfüßig, am Mittag zweifüßig und am Abend dreifüßig und ist doch nur ein Wesen. Aber wenn es mit den meisten Füßen geht, kommt es am langsamsten vorwärts. Sag an, wer ist dieses Wesen?´ Ödipus wusste das Rätsel zu lösen und antwortete: `Das Rätselwesen ist der Mensch, denn am Lebensmorgen kriecht er auf allen Vieren, auf der Höhe des Daseins bewegt er sich auf zwei Beinen, und am Abend des Lebens benötigt er als Stütze den Stock´.

Ödipus und die Sphinx von Gustave Moreau, 1864

Auch aus Nordsyrien ist aus der Epoche der Eisenzeit eine Sphinx bekannt. Sie hatte ihr Revier in einer phantastischen, vom Menschen unberührten Natu., Als Tier der Berge und der ungezähmten Wildnis wurde sie im Zusammenhang mit dem Wettergott gesehen, der dort auch eine zentrale Rolle im Ahnenkult besaß. So gewann die Sphinx im Laufe des 10. Jhds. v. Chr. auch hier eine besondere Be- deutung als Tier der Toten. Ab dem 8. Jhd. verlor sich jedoch dieser Aspekt und die Sphinx wandelte sich im Kontext mit der Palmensäule zu einem Symbol für Wohlergehen und zu einem Wächter der Fruchtbarkeit.

Grafenbühl, Sonne und Arktur über dem Hohenasperg

Doch der Grabhügel in Grafenbühl hatte nicht nur in Gestalt der Sphingen einen Be- zug zu einer Wächtergestalt, sondern gleichzeitig auch zu einer himmlischen. So war von hier aus am 1. Mai, dem Beginn des Sommerhalbjahres in der keltischen Welt, hier aus der Sonnenuntergang über der Mitte des Hohenasperg zu sehen, während am Morgen über der Nordspitze des Berges die Letztsicht des Sternes Arktur aus dem Sternbild des Bärenhüters zu sehen war. Arktur ist der vierthellste Stern am Nachthimmel der Erde. Aus astrologischer Sicht hat nach den Schriften des griechischen Astronomen Ptolemäus seine rötlich schimmernde Farbe einen Jupiter- und Marscharakter. Über den Stern, der auf der Erde mit freiem Auge sichtbar ist, gibt es in allen Völkern jede Menge Mythen und Geschichten. Die Ureinwohner Polynesiens bezeichnen ihn als “Ana-tahua-taata-metua-te-tupu-mavae, als eine unterstützende Säule des Himmels. Viel besser in den Kontext des Hügelgrabes passt jedoch der von arabischen Astronomen überlieferte Name: der Hüter des Himmels.

Bilder: Wikipedia / Intarsien und Einlagen an der Totenliege, Wuselig / Sphinx vom Grafenbühl mit aufgesetztem Bernsteingesicht, Wuselig / Ödipus und die Sphinx von Gustave Moreau, 1864 (Metropolitan Museum of Art, New York), Ad Meskens, Simulation Stellarium, sunearthtools

La Valletta und der Hirte

hafen-von-la-valletta-1801Valletta mit St. Elmo an der Spitze, unbekannter Künstler um 1800

Auch das Beispiel La Vallettas zeigt, dass der Gedanke eine Festungsstadt zu errichten mehr bedeutet als nur die neuesten Erkenntnisse der Militärtechnik anzuwenden. Auch sie wurde nach einem ausgeklügelten Bezugssystem das ein Glaubensbekenntnis darstellt. Trotz der Symbolik nimmt die Stadtgeometrie, ähnlich antiken Stadtanlagen, aber Rücksicht auf die landschaftlichen Gegebenheiten.. Begonnen wurde die Festung im Jahr 1565, nachdem Sieg des Malteserordens über die Osmanen. Nach den Zerstörungen die während der Belagerung entstanden, entschloss sich der Ritterorden auf der Landzunge des Monte Sciberras eine komplett neue Festungsstadt zu bauen. Ihre Geometrie orientierte sich an den Theorien der Idealstadt, doch gleichzeitig fanden beim Bau der Stadt die neuesten Erkenntnisse der Festungsarchitektur ihre Anwendung.

plan-von-la-vallettaDie Festungsstadt, La Valletta

Am am 28. März 1566 wurde durch den Großmeister des Ordens, Jean de la Valette der Grundstein für diese Stadt gelegt. Die Stadt mit ihrem rechtwinklig, nach Nordosten ausgerichtetem Straßensystem wurde vom dem italienischen Architekten und Festungs-baumeister Francesco Laparelli geplant. Um aber die gewählte Ausrichtung zu verstehen ist ein Blick in die Geschichte des Malteserordens notwendig. Die Kirche des ersten Hospitals der Malteser in Jerusalem war Johannes dem Täufer geweiht und führte so wohl mehr zufällig zu seiner Rolle als Schutzpatron des Ritterordens. Die Hospitalgemeinschaft machte sich die Person des Täufers und letzten großen Propheten vor Christus als Vorbild zu eigen. Ihr ursprünglicher Name lautete daher: `Orden des hl. Johannes vom Spital zu Jerusalem´, oder kurz, `Johanniter´. Deshalb tragen Kirchen und Kapellen der Malteser in aller Welt auch den Namen des hl. Johannes des Täufers und er wird dort auch durch Bildnisse und Statuen in besonderer Weise verehrt.

ordensbotschaft-in-pragOrdensbotschaft  der Malteser in Prag

Gerade für den Ritterorden der Malteser spiegelt die Person des Johannes die erstrebenswerten Kardinaltugenden wieder. Dies waren die Tugend des Maßhaltens in einer asketischen Lebensführung (Mk 1,6;). Die Tugend der Klugheit, die sich in den Predigten des Johannes offenbarte (Lk 3,2ff). Die Tugend der Gerechtigkeit, die sich in dessen Forderung an Zöllner, Soldaten und im Eintreten für die eheliche Treue gegenüber Herodes offenbarte und vor allem die Tugend der Tapferkeit, die Johannes während seines Martyriums zeigte ( Mt 14,3-12). Als `größter unter den von einer Frau Geborenen´ (Mt 11,11ff) war Johannes neben Maria in besonderer Weise Schutzpatron für die Malteser und die ihnen Anvertrauten.

maria-und-johannes-der-taeuferMaria mit Kind, Johannes dem Täufer und der heiligen Katharina, Palma Il Vecchio

In den biblischen Erzählungen sind beide Biographien eng miteinander verknüpft, denn Johnannes war der Sohn von Marias Cousine Elisabeth. So folgten auch die Malteser der Frömmigkeit des 12. Jahrhunderts und wählten Maria als ihre Schutzpatronin. Bereits in der ältesten Ordensregel wird sie neben dem hl. Johannes dem Täufer als Patronin genannt. Sichtbarer Ausdruck dieser Verehrung ist die Ikone der `Muttergottes von Philermos. zurück. Sie stammt aus der Zeit als der Orden die Insel Rhodos in seinen Besitz brachte und begleitete die Malteser in zahlreichen Kopien auf ihren weiteren Wegen. Der Bedeutung der Schutzpatrone angemessen bestimmten sie auch die Planung La Vallettas. Doch die Ausrichtung des Straßenrasters folgte der Ausdehnung der Landzunge und liegt damit außerhalb des Pendelbogens der Sonne. Aber an zwei Tagen im Jahr markierten einst Gestirne die Tage der beiden Schutzpatrone. In nordöstlicher Richtung war dies Deneb mit der Letztsicht am 1. Januar, dem Fest der `Namensgebung des Herrn´ und gleichzeitig dem ersten Marienfest des Jahres. Dabei weist die Symbolik des Schwans nicht nur auf die Reinheit Marias, sondern eben auch auf das seit dem frühen Mittelalter beliebte Bild des unerschütterlichen Mutes, der dem Tier zugesprochen wurde und als Vorbild für die Ritter diente.

la-valetta-planLa Valletta, die Ausrichtung

Auf der Gegenseite war dies am Tag von Johannes dem Täufer der Stern Arktur mit der Erstsicht am Abend des 24. Juni, dem Gedenktag des Täufers. Dessen arabischer Name lautet `ḥāris as-samā´ ‚ Wächter des Himmels. Einer Legende zufolge wurde das Sternbild Bärenhüter auch als ein Pflugwagen gesehen der von Ochsen gezogen wird und war damit auch ein Sinnbild er Fruchtbarkeit. Die bekanntere Legende sieht ihn als Antreiber und Hüter der Bären, mit denen er sich stetig um den Pol bewegt. Dies weckt die Assoziation des Hirten und Herdenführers, als den das Sternbild bereits in der Früh- geschichte betrachtet wurde. Neben dieser symbolischen Bedeutung darf aber auch die astrologische Wirkung der Sternbilder nicht außer Acht gelassen werden. So erklärte Ptolemäus im Fall Arktur dessen Wirkung wie die des Jupiter und Saturn.

ankunft-lohengrinsDie Ankunft des Schwanenritters Lohengrin in Worms, August von Heckel, Neuschwanstein, Wohnzimmer des Königs, 1882/83

So begann das Jahr beginnt mit der Erinnerung an die Schutzpatronin und am Tag des Johannes wies die Symbolik des Schwanes an eine der Kardinaltugenden der Ritter des Mittelaltersordens. Doch Arktur verkörperte wohl noch mehr, denn er war eben auch ein Sinnbild des guten Hirten und Herdenführers.

Bilder: Wikipedia/ Valletta mit St. Elmo an der Spitze, unbekannter Künstler um 1800, scan by Sir Gawain – Damals. Jg. 29, Nr. 3, 1997, S. 76. / Ordensbotschaft in Prag, Hynek Moravec / Maria mit dem Kind, Johannes dem Täufer und der heiligen Katharina, Palma Il Vecchio, Jacopo (1480-1528)|, Um 1514/15 Gemäldegalerie Alte Meister / Die Ankunft des Schwanenritters Lohengrin in Worms, August von Heckel, Neuschwanstein, Wohnzimmer des Königs, 1882/83 / Simulation, Sunearthtools, Stellarium

Die Kalenderbauer von Ippesheim

feldbearbeitung-indienFeldbearbeitung mit Zugtieren in Indien

Das 5. Jahrtausends war eine Ära der Innovation. So wie dies im Übrigen in allen Epochen in der Folgezeit festzustellen ist, in denen das Klima die sonst gemessenen Mittelwerte deutlich überschritt. Zu diesem Zeitpunkt waren runde 7000 Jahre seit dem Ende der Würmeiszeit vergangen und die Erwärmung hatte für einen raschen Anstieg des Meeresspiegels gesorgt. Gut sichtbar sind diese einstigen Verläufe der Küstenränder noch heute auf Google Maps, wo sich die Flussmündungen am küstennahen Meeresboden noch immer abzeichnen. In diesem Zeitraum, so die heutige Sicht, beginnt auch die Entwicklung der Landwirtschaft. Dies führt zur Bildung größerer Stadtstaaten, wie sie bis heute aus Mesopotamien bekannt sind. Zur gleichen Zeit wird in den Steppen Eurasiens das Pferd domestiziert und im vorderen Orient der Ochse als Zugtier eingesetzt. Zusammen mit dem Einsatz des Hakenpfluges ermöglicht dies alles wesentlich höhere Ernteerträge. Während Mesopotamien als Wiege der Kultur gilt, finden aber ganz ähnliche Entwick-lungen in Mitteleuropa statt.

pfahlbau-unteruhldingenPfahlbauten in Unteruhldingen, Bodensee

Größere Ansiedlungen in diesem Zeitraum sind durch Erdwerke geschützt oder wurden auf Wasserflächen gebaut, wie die Pfahlbauten am Bodensee. Vorherrschend war der Holzbau, der allein auf Grund des mitteleuropäischen Klimas nur wenig Spuren hinterlässt. So kann die Konstruktionsweise, Stämme in Vertiefungen zu stellen um so ein Tragwerk für Gebäude aufzustellen, nur in Bodenveränderungen abgelesen werden. Doch das plötz- liche Aufblühen der Landwirtschaft förderte nicht nur einen Bauboom in Mitteleuropa, sondern erforderte auch eine exakte Zeitberechnung. Um das Überleben einer großen Anzahl von Menschen zu garantieren, waren verlässliche Ernteerträge notwendig. Die konnten aber nur durch eine genaue Bestimmung von Aussaat und Bearbeitungszeiten der Felder erzielt werden. Um diese Daten exakt zu bestimmen, wurden ab dem 5. Jahr- tausend Kreisgrabenanlagen verwendet.

goseck-kreisKreisgrabenanlage Goseck

Mit geradezu grotesk anmutenden Zaghaftigkeit gestehen Archäologen dieser Kultur zu,  dass sie fähig war Daten mit Hilfe der Himmelsbeobachtung zu ermitteln. Einer dieser Himmelskalender war der Kreisgraben in Ippesheim. Er bestand aus mindestens einer Palisade mit einem tiefen umlaufenden Graben und einem davorliegenden Wall. Über Erdbrücken und mehrere Tore konnte die Anlage dann betreten werden. Eine genauere Betrachtung der Anlage zeigt jedoch, dass sie keinen exakten Kreis darstellt, sondern die Grundfläche aus zwei Kreisen zusammengesetzt wurde. Vier der Tore lassen sich unzweifelhaft den Sonnenauf- und Untergängen während den Sonnenwenden und den Untergängen während der Äquinoktien zuordnen.

ippesheim-planKreisgrabenanlage Ippesheim, die Bedeutung des Arktur für den Kalender

2 Tore, eines im Südosten und eines im Nordwesten, liegen aber nicht im Pendelbogen der Sonnenauf- und Untergänge. Doch die breiten Öffnungen weisen auf eine bislang unbeachtete Eigenschaft der Kreisgrabenanlagen hin. Sie musste neben der Sonnen- auch der Sternbeobachtung gedient haben um die jährliche Verschiebung des Kalenders zu berechnen. Dabei erwies sich die Holzkonstruktion zur Peilung von Sonnen- und Sternpositionen durch ihre leichte Veränderbarkeit wohl viel flexibler, als beispielsweise der Steinkreis von Stonehenge. Verschoben sich im Laufe von Jahrhunderten die Visurpunkte, konnte die Palisade einfach geändert werden. Damit war es möglich, sie ab 5300 v. Chr. r über einem längeren Zeitraum als Kalender zu nutzen.

caldera-des-tamboraCaldera des Tambora

Zwischen 5. und 4. Jahrtausend endete diese kulturelle Blütezeit. Die Kultur verschwand, was für reichlich Diskussion unter den Wissenschaftler sorgt. Ausufernde Gewalttätigkeit, die der Ur- und Frühgeschichtler Jörg Petrasch bei Knochenfunden feststellte, führte ihn zur Annahme dass dies die Symptome einer zusammenbrechenden Gesellschaft waren. Eine der Ursachen wird in einer Resourcenverknappung gesehen, die durch den techno-logischen Fortschritt nicht kompensiert werden konnte. Ein gewaltiger Vulkanausbruch in jener Zeit könnte diesen Vorgang noch beschleunigt haben. Mit der Entstehung der Kikai-Caldera im Norden Japans, die heute Teil des Pazifischen Feuerrings ist, wurden weit über 150 Kubikkilometer an Gesteinsmassen ausgeworfen und damit war diese Eruption mit der des Tambora 1814 zu vergleichen. Sie hatte auch schwere klimatische Aus- wirkungen auf der Nordhalbkugel hervorgerufen, deren Auswirkungen dem Jahr 1816 die Bezeichnung `Jahr ohne Sommer´, eingetragen hatten. Bei dem Begriff `Wiege der Zivilisation´ blicken wir sofort nach Mesopotamien. Doch die Kalender der Kreisgrabenan-  lagen deuten darauf hin, dass diese Wiege viel breiter angelegt war als es die Ge- schichtswissenschaft heute wahrhaben will.

Bilder: Wikipedia, Rekonstruktion der Pfahlbauten im Pfahlbaumuseum Unteruhldingen am Bodensee, H. Zell /Kreisgrabenanlage von Goseck, Einsamer Schütze / Calderaboden des Tambora, Blick Richtung Norden , Georesearch Volcanedo Germany / Simulation Stellarium, sunearthtools