Mars und Saturn in Welzheim

Westtor des Ostkastells von Welzheim, Mediatus

Die beiden großen Kastelle in Welzheim, das Reiterlager und das Numeruskastell waren Teil des Obergermanischen – Rätischen Limes. Obwohl die Kastelle entlang der Grenze immer wieder dem gleichen Schema entsprachen, gleicht dennoch kein Kastell dem anderen. Nicht nur die inneren Aufteilungen weichen voneinander ab, auch die Ausrichtungen sind nach individuellen Gesichtspunkten geplant worden. Sie können aber nicht allein durch rein verteidigungstechnische Aspekte bestimmt worden sein, sondern zielten auf Sonnenaufgangspunkte, oder den Sternsichtungen an wichtigen römischen Feiertagen. Diese Genauigkeit ging sogar soweit, so dass oftmals kein rechter Winkel im Gundriss eines Kastells festzustellen ist.

Therme des Ostkastells (Grabungen 1894–1896), Mettler, Schultz, Näher

Im 8. Jahrhundert wurde Welzheim noch Wallenzin genannt, was eine Verwandschaft zum althochdeutschen Wort wallan nahelegt. Dies hatte sich aus dem gleich-lautenden germanischen Wort entwickelt und bedeutete aufwallen, sieden, aber auch brodeln. Was als Beschreibung der hitzigen Gemüter der Bewohner gelten könnte, lenkt aber den Blick auf die Beschreibung des Welzheimer Oberamtes aus dem Jahr 1845. Dort wird vom Thierbad berichtet, das einst etwas unterhalb des Dorfes, an der Lein lag, wo ein schwach salinischer Säuerling aus dem oberen Keuper-sandstein entsprang. Dessen Heilwirkung wurde gegen unterschiedliche Krank-heiten, hauptsächlich gegen die des Unterleibes genutzt. Das Bad erreichte aber nur bescheidene Ausmaße und wurde deshalb im Laufe des 18. Jahrhunderts aufge-geben. Gesundeitsförderndes Baden hatte in Welzheim aber bereits in römischer Zeit Tradition. So befand sich im südöstlichen Kastellbereich ebenfalls eine Bade- anlage. Sie bestand aus einem Umkleideraum, dem Kaltbaderaum, dem Laubad und einem Warmbaderaum.

Plan des Westkastells

Bei Welzheim endet ein 80 km langer, ungewöhnlich präzis eingemessener Limes-abschnitt, der bereits Gegenstand eines Artikels war. Hier gab es im Vergleich zu anderen Orten gleich zwei Kastelle, das West- und das Ostkastell. Ein Oberförster entdeckte die Anlage des Westkastells mit einer Länge von 236m und einer Breite von 181Meter im Jahr1895. Die Maße entsprechen einem Verhältnis von 800 zu 611 pes Romanus dem Längenmaß des Römischen Fußes von 0,296m. Auf den ersten blick erscheint dieses Längenverhältnis unverständlich, denn nur wenige pes fehlen hier zu einem ganzzahligen Verhältnis. Doch als Produkt aus 13×47 betrachtet, lässt ein Code in der Zahl 611 erkennen. Vor dem Hintergrund des Tetrakystsystems lassen sich mit den ersten 13 Primzahlen die Punkte eines Hexagramms bezeich- nen. Dessen Strecken, Punkte und Flächen ergeben im Berechnungssystem dann die Zahl  611. Dieses Hexagramm, das bereits in Ägypten als Talismann des Thot galt, wurde später in Rom dann zum Schutzsiegel des Saturn.

Phönizische Münze mit Hexagramm

Die Deutung seines Namens bereitete anscheinend schon in der Antike Schwier-igkeiten, Cicero deute ihn als Gott der Zeit, aber und dies traf nur einen Hauptaspekt der Mythologie dieses Gottes. Nach dessen Entthronung durch Jupiter floh Saturn nach Latinium, wo er auf Inaus traf. Zusammen mit ihm übte er die Herrschaft über das fruchtbare Land aus. Zum Dank für die gastfreundschaftliche Aufnahme durch die Bewohner lehrte Saturn ihnen die Kunst des Acker- und Weinbaues. Ein im 3. Jahrhundert entstandener Mythos spricht von seiner Herrschaft als Saturnia regia, dem Goldenen Zeitalter des Saturn. In den Erzählungen wird es als eine Epoche paradiesischer Fülle geschildert, an die mit Hilfe der Zahlensymbolik wohl erinnert werden sollte. Als Zahl des Schutzsiegels sollte es wohl die römischen Legionäre unterstützen, diesen Zustand der Fülle im Römischen Reich weiter zu erhalten.

Saturnus, Hendrick Goltzius, Kopie nach Original eines Freskos (Polidoro da Caravaggio)

Doch erst im 17. Jahrhundert, als Rabbiner aus Prag das Hexagramm zum Siegel Salomons erklärten, erhielt es seine heutige Bekanntheit. Der Legende zufolge soll David aber bereits einen sechszackigen Schild als Schutz bei seinem Kampf gegen Goliath getragen haben. Innerhalb der jüdischen Glaubenslehre wird dies weniger als realer Gegenstand, sondern mehr als ein Schild Gottes gesehen, also himmlischen Beistand beim Kampf. Einer weiteren Legende zufolge soll Salomon den hexa- gramförmigen Ring als Schutz gegen Dämonen und Geister benutzt haben. Im Zuge der Entdeckung antiker magischer Bräuche im 15. Jahrhundert, wurde das Hexa- gramm neben dem Pentagramm zum Gegenstand magischer Rituale.

Kastelle Welzheim. Lageplan des West- und Ostkastells mit ihrer Verbindungsstraße,  Sonnenausrichtung

Die Maße, wie auch die Ausrichtung des Kastells in Welzheim zeigen deutlich, dass  hier mythologische Gesichtspunkte die Belange der Verteidigung überlagerten. Folgt man diesen Gedanken, erscheint es als selbstverständlich, dass neben der Zahlen-symbolik, mit Hilfe der Richtung eine Verbindung zu himmlischen Mächten erzielt werden sollte. So weist beim Westkastell die Achse auf den Sonnenaufgangspunkt am 17. März, der Agonium Feiern zu Ehren des Gottes Mars, während die Aus- richtung des Ostkastells auf den Sonnenaufgang am 1. April, dem Geburtstag der Stammmutter der Römer, der Göttin Venus zielt.

Bilder: Wikipedia / Westtor des Ostkastells von Welzheim, Mediatus / Therme des Ostkastells (Grabungen 1894–1896), Mettler, Schultz, Näher – A. Mettler und P. Schultz: Die Kastelle bei Welzheim. In: ORL Abt. B Band IV / Lageplan des West- und Ostkastells mit ihrer Verbindungsstraße (Grabungen 1894–1896), Mettler, Schultz, Näher – A. Mettler und P. Schultz: Die Kastelle bei Welzheim. In: ORL Abt. B Band IV / Saturnus. Copied by Hendrick Goltzius from an original fresco by Polidoro da Caravaggio Tetraktys: http://www.decemsys.de/system/zahlen/pz-235.htm, Hexagramm und Zahl 611 /

Simulation: Sunearthools

Symbolik der Ausrichtung – die Johanneskirche am Feuersee

Johanneskirche Stuttgart 1913

Drei Jahre nach der Verabschiedung des Eisenacher Regulativs auf der Eisenacher Kirchen- konferenz im Jahr 1861 wird in Stuttgart der Grundstein für die Johanneskirche am Feuersee gelegt. Auch deren Architekt, der Oberbaurat Christian Friedrich von Leins war damals Teilnehmer dieser für den evangelischen Kirchenbau richtungsweisenden Konferenz. Auf ihr wurden 11 Punkte formuliert, die den Baustil, die Gebäudeform, den Raum und die Ausrichtung der zukünftigen Kirchen bestimmen sollten. Bereits im 1. Punkt wird auf die Sonnensymbolik, eingegangen.

Johannesstraße 1895

In diesem Punkt forderte das Eisenacher Regulativ eine Ausrichtung des Altarraums auf den Sonnenaufgang, wobei die Methode aber nicht weiter präzisiert wurde. Die städtebau- liche Situation mit der um 1830 angelegten Straße, die als erster Prachtboulevard Stuttgarts gilt, machte es aber unmöglich, die Kirche auf den Sonnenaufgang am Feiertag von Johannes dem Evangelisten am 27. Dezember auszurichten. Im 3.Punkt des Regelwerkes wird gefordert, dass die Würde des Kirchenbau Anschluss an einen der geschichtlich entwickelten christlichen Baustile, finden soll. Diese Baustile wurden neben den geschichtstypischen Architekturelementen auch immer durch eine Zahlensymbolik bestimmt, die die Proportionen des Baukörpers bestimmte. Mit der Zahl ihrer 9 Bauachsen verweist sie auf die 9, dem Sinnbild des göttlichen Geheimnisses. Wie der Rhythmus des Baukörpers durch die Symbolik der Zahl bestimmt wird, so ist dies auch bei der Aus- richtung der dem Evangelisten Johannes geweihten Kirche der Fall. Welche Zahl könnte wohl besser den wortstarken Apostel mit dem Beinamen Donnersohn symbolisieren,  als die Zahl 26?

Ausrichtung der Johanneskirche

Die Zahl 26 ist eine ganz besondere Zahl, der sich Mitte 17. Jahrhunderts auch der große Mathematiker Fermat widmete. In seinem Beweis zeigte, dass die 26, die zwischen der Quadratzahl 25 (5×5) und der Kubikzahl 28 (3x3x3) liegt die einzige Zahl ist die zwischen solchen Zahlen liegt. Die Zahl ist aber nicht nur mathematisch von Interesse, sondern sie steht auch für den Zahlenwert des hebräischen Wortes Jahwe. Hier besteht es aus 4 Buchstaben, wobei im hebräischen Alphabet jedem Buchstaben ein Zahlenwert zuge-ordnet ist. Diese vier Buchstaben haben die Zahlenwerte 10,5,6 und 5, was die Gesamt-summe 26 ergibt. Die Zahl Jahwes spiegelt sich auch in der Zahl der Gener- ationen von Adam bis Moses wieder, dem sich schließlich Gott offenbarte. Im einzelnen sind dies 10 Generationen von Adam bis Noah, 5 Generationen bis Peleg, 6 bis Isaak und schließlich 5 bis zu Mose. Erst in der 26. Generation offenbarte sich Gott als Jahwe.(2. Mose 3.14)`Da sprach Gott zu Mose: Ich bin, der ich bin. Und er sprach: Also sollst du zu den Kindern Israel sagen: „Ich bin“ hat mich zu euch gesandt.´

Tympanon der Abteikirche von Moissac, die 24 Ältesten / Josep Renalias

Im Alten Testament gibt es aber auch den wachsenden, oder auch vollen Wert Jahwes, der durch eine Addition der Zahlen 4×10+3×5+2×6+5 zustande kommt und dem Wert 72 entspricht. In der Offenbarung des Johannes ist von den 24 Ältesten die Rede, deren Zahl mit 3 multipliziert die Zahl 72 ergibt. Innerhalb der Chronologie der Bibel ist die 72 auch in der Zahl 1656 enthalten dem Jahr der Sintflut. Die Zahl entspricht dem Produkt aus 23×72, wobei die 23 in der Bibel die Zahl des Todes ist. Entsprechend ihrer Bedeutung taucht die Zahl 72 auch in kosmischen Abläufen auf. Auf Grund der Eigendrehung der Erde um ihre schiefen Achse bewegt sich der Tierkreis mit seinen 12 Sternbildern alle 72Jahre um 1° weiter, so dass er nach 72Jahren x 360, also nach 25920 Jahren, wieder den selben Punkt bezüglich zur Sonne einnimmt. Dieser Zeitabschnitt wird auch als großes Platonisches Jahr bezeichnet. Damit dauert es ungefähr 2100 Jahre, bis eines der 12 Sternzeichen des Tierkreise durch den Frühlingspunkt der Sonne wandert und vom folgenden abgelöst wird. Dieser letzte Wechsel vollzog sich im Lauf des 1. Jahrhunderts v. Chr. mit dem Sternbild der Fische, das mit dem Wechsel zum Wassermann um 2100 zu Ende gehen wird. In Lukas 22 verweist der Dialog während letzten Abendmahles bereits auf diesen kommen- den Wechsel, denn dort steht: `Sie aber sprachen zu ihm: Wo willst du, daß wir’s bereiten? Er sprach zu ihnen: Siehe, wenn ihr hineinkommt in die Stadt, wird euch ein Mensch begegnen, der trägt einen Wasserkrug; folget ihm nach in das Haus, da er hineingeht.´ Es ist das den Fischen nachfolgende Sternbild des Wassermanns. Auch die Längsrichtung der Kirche weist auf eine Zahlensymbolik hin. Mit einem Azimuth von 154° verweist die Zahl auf das in Joh 21. geschilderte Ereignis des Fischfangs. Dort fangen die Jünger Jesu 153 Fische und er gibt noch einen bereits gebratenen dazu, so daß es am Ende 154 Fische sind. Jedoch nur mit Hilfe der Gematria lässt sich auf diese rätselhafte Zahl f eine schlüssige Antwort finden. Auf die Frage seiner Jünger ´Wer bist Du?´ lautet die einzig richtige Antwort dann `Ich bin das Wort´ Für den des Äaramischen kundigen, der Sprache der Urfassung war dies dann eindeutig. In der Sprache. ergab der Lautwert der Buchstaben dann die Zahl 154. Dass auch Brot und Fisch nur symbolischer Natur sind, versteht sich vor diesem Hintergrund ganz von selbst. Dass am Ende die Sonnensymbolik doch noch zum Teil des Bauwerkes wurde, hatte es einem der Gedenktage des Evangelisten zu ver- danken. Am 8. Mai soll laut einer Legende Manna aus dem Grab des Evangelisten ausgetreten sein und an diesem Tag geht die Sonne auch in der Achse des Querschiffes auf.

Bilder: Wikipedia / Tympanon der Abteikirche von Moissac – die 24 Ältesten befinden sich links und rechts der Mittelszene und darunter; alle tragen Kronen, viele halten Musikinstrumente in Händen., Josep Renalias / Simulation Sunearthtools, GoogleMap

mehr zur Zahlensymbolik in : http://www.zeitundzahl.de