Petersfels in Beuron

Petersfels aus der Nähe

Sicht des Petersfelsen vom Kloster

Der Petersfels bildet den Endpunkt einer Reihe größerer Felsentürme im südlichen Hangabschnitt des Donautales bei Beuron. Auffällig ist die markante Spitze des Felsens mit ihrem Kreuz, die auf die Erzabtei in Beuron gerichtet ist.Wie ein Fingerzeig weist der Fels in den Himmel, für den , gemäß eines biblischen Textes Petrus die Schüsselgewalt übertragen wurde. Die Schlüssel, die so zu den festen Attributen des Apostels gehören, werden aber auch als Symbole der neuen Gesetzesübergabe interpretiert, Mit seinem Kreuz auf der Spitze verkörpert der Petersfels nicht nur den Namen Petrus, der im Lateinischen der Fels bedeutet, sondern weist mit seiner Längsrichtung auch in das Land des Apostels, Galiläa. Damit erinnert er Fels gleich auf mehrfache Weise an den Apostel. Sein Hauptfest findet am 29. Juni zusammen mit dem Gedenken an Paulus statt, dessen Todeszeitpunkt aber unbekannt ist.

Der heilige Petrus, Ikone 6. Jhd, Katharinenkloster (Sinai), Foto Ghirlandajo

Außerdem wird Petrus noch am 22. Februar gedacht, mit der Feier Cathedra Petri, der Petristuhl-Feier. Diese Feiertag verweist auf das römische Totenfest Carista, das am gleichen Tag stattfand, wo während der Feier ein leerer Stuhl für den Toten freigehalten wurde. Der eigentliche Gedenktag des Petrus ist aber der 29. Juni, der bereits seit dem Jahr 354 dokumentiert ist. In eingen Erzählungen gilt er auch als möglicher Tag seines Martyriums, währenddessen er kopfüber gekreuzigt wurde. In einem Normaljahr ist der Gedenktag des Petrus der 180 Tag des Jahres und verweist damit auf biblische Zahl- ensymbolik der 18, wie auch der 3 und der 6. Die Zahl 18. verweist gemäß dem Lukas-Evangelium auf die Tätigkeit von Jesus, die 18 Jahre nach dem er 12 Jahre alt wurde begann. Eine ausführliche Analyse zur Zahl 18 und ihren Bezug zur Schöpfung gibt es auf der Website ttp://www.zeitundzahl.de. Die damalige Bedeutung der Zahlensymbolik zeigt sich auch im Namen Petrus, dessen Buchstabensumme wieder der Zahl 18 ent- spricht. Aber auch die Verbindungslinie von Abteikirche und Petrusfels enthält wieder eine auffällige zahlensymbolische Bedeutung, denn deren Azimut beträgt 128° Gad. Die Zahl entspricht dem Produkt aus 8 x 16 und verweist mit beiden Zahlen auf die himmlische Herrlichkeit, wie auf die Unendlichkeit Dennoch ist vom Kloster aus hier kein Sonnenaufgang an einem der Petrus-Gedenktage zu sehen.

Sonnenrichtungen Petersfelsen

Dagegen zeigt hier der Sonnenaufgang am 2. Februar, dem einstigen Fest Mariä Licht- mess, dass die Abtei wahrscheinlich auf einem vorchristlichen Kultort errichtet wurde. Auf diese Siedlungsphase der Frühgeschichte im Talkessel von Beuron verweisen auch die Funde in der Petershöhle, einer großen Höhlenöffnung unterhalb des Felsens. Sie bietet einen Panoramablick über die Abtei hinweg zum gegenüberliegenden Talhang. Die Höhle, die nur über eine Holztreppe zu erreichen ist, wird heute als Rückzugsort der Beuroner Mönche gesehen, wenn Gefahr für die Abtei drohte. Dabei stützen zahlreiche Funde aus dem späten Mittelalter diese Vermutung. Keramikreste aus der Eisen- und der Bronzezeit deuten aber darauf hin, dass die Höhle lange vorher genutzt wurde. Im Zeitraum der Bronzezeit erschließt sich auch der eigentliche Zweck der Anlage, denn dann war der Stern Arktur am Morgen des Sonnenaufganges während der Sommer-sonnenwende in Blickrochtung zum letzten Mal zu sehen, während im nordwestlichen Taleinschnitt dann am Abend die Sonne unterging. Da 8 Tage nach der Sommerson- nenwende das Fest Peter und Paul gefeiert wird, bot sich der Ort auch für die Mönche an, das Fest mit der christlichen Sonnensymbolik zu verbinden. Wo bei anderen Heiligen deren Todestag gedacht wird, ist genau dieses Datum bei Petrus, wie auch bei Paulus völlig unklar. Doch es nicht einmal gesichert, dass Petrus überhaupt in Rom war. So fehlen bis heute, trotz intensiver Suche, Beweise für dessen Anwesenheit in Rom. Das Datum des 29. Juni orientiert sich hier an der Legende, die von einer Überführung von deren Gebeinen auf der Via Appia erzählt. In Rom selbst fiel das Datum mit einem bedeutenden Festtag zusammen, denn am 29. Juni weihte Kaiser Augustus den Quirinustempel ein. Quirinus war ein Gott der altrömischen Religion und soll bereits von den Sabinern verehrt worden sein. Seine Eigenschaften glichen denen des Mars, der ihn aber im Lauf der Geschichte ablöste. Nach dem Mars aber Bedeutung gewonnen hatte, wurde Quirinus mit dem mythischen Stadtgründer Roms, Romulus gleichgesetzt. Deshalb nannten sich die Römer in der Frühzeit auch die Quiriten Erst später diente diese Bezeichnung dann als Anrede in der Volksversammlung. Auf Grund der Möglichkeit den Tag Peter und Paul  beim Sonnenuntegang zu gedenken, hat also der Petersfels seinen Namen zu Recht vereint. Der Abend Sommersomnenwende bietet aber nocheine weitere Erklärung für die Ausrichtung des Petersfelsens, denn dann scheint die untergehende Sonne frontal auf den Fels, dessen Spitze als Rest eines steinernen Kopfes gedeutet werden könnte.

Petersfels und der `Kopf´, Blickrichtung Sonnenuntergang Sommersonnenwende

Bilder: Petersfels Nahaufnahme, eigen / Petersfels vom Klöster, eigen, Wikipedia: Der heilige Petrus, Ikone aus dem 6. Jahrhundert, Katharinenkloster (Sinai)found and uploaded by en:User:Ghirlandajo . Gemeinfrei , Simulazion,opentopomap, sunearthtools.

 

 

Beuron und die Geburt des Mondes

Beuron, Foto by Adrian Michael

Der Ursprung des Ortsnamens Beuron wird im mittelhochdeutschen Wort bur gesehen, das Haus bedeutet. Somit deutet, oberflächlich betrachtet, der Ortsname auf eine An- sammlung von Gebäuden hin. Doch war war das Vorhandensein einiger abgelgener Bauernstellen an einer Donauschleife der eigentliche Grund, um hier eines der be- deutensten Klöster an der Donau zu errichten? Im germanischen Wortschatz hat das Wort `bur´ aber noch weitere Bedeutungen. So bedeutet bura auch geboren und ebenso empor oder hoch. Dieser Inhalt öffnet einen neuen Blickwinkel, auch vor dem Hintergrund der Darstellung von der Krönung Marias auf dem Hochaltar des Beuroner Klosters. Die Darstellung mit Christus, der Maria die Krone aufsetzt spielt sich vor einem goldenen Hintergrund ab, der von zahlreichen Sternen, der Sonne und dem Mond umgeben ist Der neue Hochaltar wurde nach einer Zerstörung des alten im Jahr 1872, im Stil der Beuroner Kunstschule gestaltet. Diese Schule wurde von ihrem Prota-gonisten und Förderer Desiderius Lenz ins Lebem gerufen und strebte nach dauerhaft gültigen, verbindlichen Gestaltungsprinzipien innerhalb der kirchlicher Kunst. Wie be- reits im Altarbild zu sehen, gehörte dazu ein ikonogragraphischer Bezug zur Kunst des Alten Ägypten, die für Len die Urform aller Künste darstellte.

Erzabtei Beuron: Altar

Gnadenkapelle (Nordseite der Beuroner Abteikirche), Foto Andreas Praefcke

Lenz glaubte, mit Hilfe den heiligen Maßen Ägyptens, in denen er die Gesetze der `ästhetischen Geometrie´ verborgen sah, wieder eine heilige Kunst ins Leben rufen zu können. Auch dort standen die Sonne, wie auch der Mond im Zentrum der Verehrung. Während im Laufe der Entwicklung Ägyptens der Sonne in Gestalt der Sonnengottheit Ra eine dominierende Rolle zugewiesen wurde, blieb der Mond im Denken und Glaub- en der altorientalischen Kulturen wichtiger. Seine Verehrung spielte vor allem in Ländern wie Mesopotamien, Kleinasien und Syrien-Palästina eine besondere Rolle. Spuren dieser Mondgottheiten, wie der orientalische Sin, finden sich heute noch Namen wie dem Berg Sinai versteckt.

Mondgott Sin

Mit dem Mond sind auch einige Phänomene verbunden, die ihn wohl einst seine Macht als Gottheit unterstrichen. Der Wandel seines Aussehens geht einher mit den Frucht-barkeitsyklen der Frau, wie auch mit Ebbe und Flut. Damit waren für frühere Kulturen die Einflüsse desMondes auf das menschliche Leben unmittelbar erkennbar. Sein Ver- schwinden bei der abnehmenden Mondphase. bracht ihn auch in Zusammenhang mit der Unterwelt und so hatte der Mondgott einst auch die Funktion eines Toten – Schicksals und Orakelgottes. Von den Sumerern und der Stadt Ur ist hier der Kult des Mondgottes Nanna überliefert. Dort galt er als der Vater des Sonnengottes Utu, was zugleich seine Vorrangstellung im Götterpantheon der Summer zeigt. Diese Vorrang-stellung hatte auch astronomische Gründe, denn die Macht des Mondes wurde auch darin gesehen, dass er auch während des Tages sichtbar ist und seine Bahn etwas höher als die der Sonne verläuft. Auf diese herausragende Bedeutung lässt auch der Name der sumerischen Mondgöttin `Nin.gal´, die große Herrin, schließen. Veränder- ungen seines Zyklus, wie Mond- und Sonnenfinsternisse riefen stets große Beunruhig- ung bei den Menschen hervor hervor und galten im Altertum als negatives Zeichen des Mondgottes, dem mit umfangreichen Ritualen begegnet wurde. Auf Grund dieser Angst vor Finsternissen konnten diese oft auch von kriegsentscheidende Bedeutung sein. In solchen Auseinandersetzungen war der war im Vorteil, der diese Finsternisse auf Grund umfangreicher Beobachtungen auch berechnen konnte. Dazu bot der Talkessel von Beuron mit seinen markanten Felsen als Visierpunkte, sowie dem nach Nordwesten Nordwesten weisenden Taleinschnitt eine hervorragende Möglichkeit. Wie der Mond selbst, ist hier die Landschaft durch die Talflanken annähernd kreisrund geformt und spiegelt damit seine Form. Die beiden großen nördlichen Mondwenden konnten so von einem Punkt im heutigen Friedhof nördlich der Klosterkirche beobachtet werden.

Die Mondwende in Beuorn +ber Burgruine Spaltfels, Foto Spaltfels Joachim Haller

So kann dort der Mondaufgang während der großen nördlichen Mondwende über dem Spaltfels und dessen Untergag über dem Ende des nordwestlichen Taleinschnittes. Ebenso kann von dort der Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende über dem südlich des Spaltfelsen gelegen Felskonglomerat beobachtet werden und der am 1. Februar über dem Petersfelsen. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, gewinnt auch der Ur- sprung des Wortes bur eine ganz andere Bedeutung. Die große Mondwende markiert einen Zyklus von knapp 19 Jahren. Mit dem Erreichen seines nördlichsten Bahnpunktes war ein Zeitabschnitt beendet und im übertragenen Sinne wurde dann neu geboren, so wie die Sonne mit ihrem neuen Licht über dem Petersfelsen am 1. Februar. An diesem Tag wurde in keltischer Zeit das neue Licht gefeiert und bis ins 19. Jahrhundert hinein begann da auch das neue Bauernjahr. Die Suche des Beuroner Kunstschule nach den ursprünglichen Wurzeln der Kunst geschahen also an einem Ort der bereits mit den Gestirnen und den alten Mythologien verbunden war. Sie lebten auch in den Psalmen fort, wo der Mond ehemals gemeinsam mit der Sonne als Garant für Beständigkeit genannt werden (Ps 72,5; Ps 89,37f.).

Wikipedia/ Bencés Főapátság Beuron, Foto by Adrian Michael / Chor der Beuroner Klosterkirche St. Martin, Beuron, Foto Zairon / Gnadenkapelle (an die Nordseite der Beuroner Abteikirche angebaut), Foto Andreas Praefcke /Burgfels nordöstlich des Klosters Beuron,Foto. Joachim Haller CC BY 3.0 / Simulation, opentopomap, sunearthtools