Prag, Libusa und der Pflüger

Die Prager Burg von Südwesten, Foto Diliff

Nicht nur in de Antike gab es zahlreiche Legenden die die Gründung und Kultur einer Stadt oder eines Herrschergeschlechtes erklärten. Auch in den Sagen Böhmens findet sich eine Erzählung, in der sich Parallelen zu den alten Vorbildern finden lassen. Zwei Legenden, die Histoianslegende, wie auch die Chronica Boemorum berichten über die Entstehung des böhmischen Herrscherge-schlecht- es. So sollte die Wahrsagerein Libusa eines Tages die Nacholge ihres Vaters Krok werden. Er war Richter und zugleich auch Nachfahre des Čech, des legendären Stammvaters der Tschechn, der Urvater Cech. Libusas Stellung wurde aber von den Ältesten angezweifelt, worauf sie ihrem Volk den Verlust der Freiheit voraussagte. Um das Volk aber zu retten, willigte Libusa in eine Heirat ein, Auf ihren Rat hin zog eine Abordnung zu einem weisen Mann mit Namen Premysl. Die Abordnung traf ihn in der Nähe der heutigen Stadt Ústí nad Labem , wo er damit beschäftigt war, sein Feld mit zwei gescheckten Ochsen zu pflügen. Přemysl lud alle zu einem Essen ein und steckte anschließend eine Haselrute in die Erde. Während alle die Mahlzeit genossen, verdorrten aber zwei der Triebe. Dies be- trachtete Přemysl als Omen und erklärte dies so: Fortan sollte es immer nur einen Herrscher aus seinem Geschlecht geben. Nachdem das Mahl beendet war, packte er seine Bastschuhe ein, die ebenso ein Zeichen seines einfachen Lebens waren und begleitete die Abordnung zur Burg der Libusa, wo anschließend die Hochzeit stattfand.

Přemysl der Pflüger. Fresko in der Znaimer Katharinenrotunde, Anonym

Die Legende gibt es mehrere Varianten, wobei eine das Geschehen ins 7. Jahr- hundert verlegt. Sie erzählt auch, wie die Gründung der Prager Burg erfolgt sein soll. Eines Tages soll die hier Libusa, als Prinzessin beschrieben, zusammen mit ihrem Gatten auf einer Klippe an der Moldau gestanden sein. Dort soll die prophe- tisch begabte in einer Vision den Standort der neuen Stadt erblickt und daraufhin auf einen Hügel gedeutet haben. Dabei rief sie dann; `ich sehe eine große Stadt, deren Ruhm bis zu den Sternen reichen wird!´ Anschließend gab sie den Auftrag dort ein Schloss zu errichten, doch dort hatte gerade ein Mann begonnen die Schwelle zu einem neuen Haus zu errichten. Aus dem Grund nannte sie die neue Stadt nach dem Tschechischen Wort für Schwelle, Prahi. Im 9.Jahrhundert machte die Premyslid-Dynastie Prag dann tatsächlich zu ihrem offiziellen Sitz. Dort erwähnt die älteste Schrift für diesen Zeitraum die Gründung einer Marienkirche durch den ersten belegten belegten Přemyslidenfürsten Bořivoj.

Ludwig von Schwanthaler/Ferdinand von Miller: „Libuše“ (1851), Foto Leonce49

Der Ursprung des Namens der Libusa wird in der slawischen Sprache vermutet und mit ‚Liebling‘ oder ‚Liebe‘ gedeutet. Zu dieser Interpretation würde auch der bereits erwähnte Sonnenaufgang am 1.Mai passen, mit dem der Monat der liebenden beginnt. Auch der Name des Vater Krok verweist auf ein Symbol der Sehnsucht. Krok, der in manchen Varianten der Erzählung auch als Krokus bezeichnet wird, entspricht in dieser Form der uralten Kulturpflanze die im Orient den Safran liefert. Er ist Gewürz und Heilpflanze zugleich, zugleich gilt er aber auch als Symbol des Wohlstandes, Fruchtbarkeit und der Macht. Doch der zentrale östliche Teil des trapezförmigen Bergspornes war bereits lange vorher besiedelt und durch einen 4m breiten Graben abgetrennt. Legt man jedoch eine Mittellinie über diesen Berg- sporn wird ersichtlich, weshalb das Gelände nicht allein durch seine erhöhte Lage über der Moldau, sondern ebenso durch seine Ausrichtung von mytho-logischer Be deutung war.

Die Prager Burg und das Sternbild des Pflügers

So zielt die Mittellinie des Bergsporns heute auf den Sonnenaufgang am 30. April, der umgerechnet im 12./13.Jhd., dem Sonnen- auf gang am Georgstag entsprach. In Gegenrichtung war dann am Morgen des 1, Februar Arcturus, der hellste Stern des Boötes oder auch des Pflügers zu sehen, bis er im Licht der Sonne verblasste. Dies führt zurück zur Legende der Libusa, die einen Mann sah, der eine Schwelle Die Schwelle bedeutet Übergang, aber auch grenze. So kann im übertragenen Sinn auch das Datum des 1. Februar als Schwelle gedeutet werden, denn mit diesem Datum begann auch das neue Bauernjahr. Doch auch die poly- gonale Form der Burg deckte sich mit der Gestalt des verstirnten Pflügers, denn am Morgen des Lukastages war er so am himmel zu sehen und entsprach damit dem Grundriss der Burg. Neben seiner Rolle als wichtigste Evangelist. hat Lukas für Prag noch eine ganz besondere Bedeutung.In Santa Giustina in Padua hatten die Benedikt-inermönche fr die Reliquien des Lukas in einen Sarkophag gebaut und ihm dann eine eigen Kapelle errichtet Zahlreiche Pilger kamen dann nach Padua, um dort das Grab des Heiligen zu besuchen. Unter ihnen war auch Kaiser Karl IV., König von Böhmen. Für den Veitsdom in Prag, das zu dieser Zeit Hauptstadt des Kaiserreichs war, ließ  er sich den Schädel des Leichnams übergeben. Seitdem wird de Evangelist auch in Prag verehrt. Die Position des Pflügers erinnerte an dieses. für das Chrstentum wichtige Zeugnis des Evangelisten und den Ort seiner Reliquie.

 

Bilder: Wikipedia / Die Prager Burg von Südwesten, Prague_Panorama_-_Oct_2010, Foto Diliff , CC BY-SA 3.0 / Přemysl der Pflüger. Fresko in der Znaimer Katharinenrotunde , Anonymhttps://pf.ujep.cz/~velimskyt/Dejiny_umeni/Dejum07/rsc031a.jpg , gemeinfrei /Ludwig von Schwanthaler/Ferdinand von Miller: „Libuše“ (1851), Foto Leonce49 CC BY-SA 3.0 de – Prager Burg und Pflüger / stellarium, sunearthtools

 

 

Der Hirte der Habsburger

Jesus als guter Hirte, Fresko 3. Jhd`s, Calixtus-Katakombe, Rom , Foto Waffles9761

Das Bild des guten Hirten als Regent ist heute wieder höchst aktuell. Dabei gründet dieses Bild auf der frühen Weidewirtwirtscaft die noch heute als Pastrolalismus bezeichnet wird. Bereits im Alten Testament taucht das Motiv des Hirten in Gestalt des David auf, dessen Rolle im neuen Testament dann Christus fortführte. In frühen Dar- stellungen wird er in den Katakomben Roms meist mit einem Lamm auf seiner Schulter abgebildet. Bereits Apostel, wie Paulus übertrugen dieses Bild des Hirten dann auch auf Regierende, wie Bischöfe und Könige. So verband der Apostel Paulus einst das Amt des Bischofs in seinen Briefen mit dem des Hirtendienstes. Mit diesem Amt verbunden, sah Paulus das Leiten, Regieren und das Mahnen in einer Person vereint. Doch erst der historisch fassbare Kirchenlehrer Gregor der Große schuf im 6. Jahr- hundert die theoretische Grundlage für das geistliche und weltliche Pastorat. die Herrschaft des Hirten.

Gregor d. Große, Bild um 1500, Germanisches Nationalmuseum, Foto GNM-MA

Seine Schrift ist in 3 Teile gegliedert, wobei Gregor sämtliche Leitungspersonen wie Bischöfe und weltliche Herrscher in sein Konzept des Pastorates mit einbezieht Seiner Auffassung zufolge unterlagen diese Personen ganz besonders den Geboten Gottes und mussten diese, getreu ihrer Rolle als Hirte, auch befolgen. Diese Hirten sollten aber nicht durch gewaltsames Herrschen hervortun, sondern durch Mahnen ihre Herde zur Befolgung der Gebote auffordern. Sollte dieses Mahne aber nicht ausreichen, so befürwortete Gregor aber auch harte Strafen, damit die Untertanen die Autorität der Hirten respektierten. Parallel dazu entstand auch ein ähnliches Werk, die Regula Benedicti“, in der das Bild des Hirten einer väterlichen Rolle gleichgesetzt wird. Sie wurde vom ebenfalls im 6. Jhd. lebenden Benedikt von Nursia verfasst, der auch den gleichnamigen Orden gründete. Im Unterschied zu Gregor galten seine Anweisungen hauptsächlich den Mönchen. Benedikt sah den Abt als Vater gleich, der lehren und erziehen muss. Gleichzeitung muss er aber auch Uneinsichtige mit harter Hand bestrafen. In diese Rolle eines Mahners sah sich auch Alkuin, der Berater von Karl dem Großen. Er schrieb seine Mahnbriefe noch in der Zeite als Abt von St,Martin in Tours. Dabei verglich er seine Rolle mit den frühen Propheten, die wie er, Herrscher und Gemeindepriester ermahnten. Eine Dynastie, die ähnlich wie Karl der Große die Geschicke Europas bestimmte, warenauch die Habsburger, Ihre Geschichte begann im 11. Jhd. in einer kleinen Burg im Argau,

Südwestliche Seite der Habsburg. Foto Roland Zumbuehl

Ganz im Geiste des Pastorates sprachen sich die Habsburger Frömmigkeit, Freigebig- keit und Milde zu. All dies waren Eigenschaften, die als Teil der Imitatio Christi zum mittelalterlichen Herrscherideal gehörten. Ihr Stammsitz, die kleine Gipfelburg in der Nähe von Argau, wurde von Graf Radbot erbaut, der die Macht der Habsburger durch umfangreichen Zukauf von Ländereien rasch ausweiten konnte. Ihre tiefe Verbundenheit zum Glauben zeigten die Habsburger auch durch die Stiftung von Klöstern und die Gründung von Wallfahrtsorten. Gerade der Jungfrau Maria fühlten sich die Habsburger aber stets be- sonders treu verbunden und schrieben viele ihrer Siege ihrem Beistand zu. So trug auch Karl V. lange nach der Gründung der Stammburg noch stets das Bild der Maria, auf der Mondsichel stehend, auf seiner Rüstung. Wie die Heiligenverehrung des Mittelalters mit der Symbolik des Hirten verbunden werden konnte, zeigt auch die Habsburg. Ihre Geometrie entsprach der Sicht des himmlischen Hirten am Morgen des Michaelitages.

Die Habsburg und der Bärenhüter am Abend von Michaeli

Seit dem Wunder von Gargano hatet er sich zu einem Kämpfer gegen das Böse gewandelt und wurde so ab dem frühen Mittelalter zu einem Vorbild der Ritter, Er war das Symbol der ecclesia militans, der wehrhaften Kirche und hatte den Titel: `Princeps militiae coelestis quem honorificant angelorum cives´ („Fürst der himmlischen Hee- scharen. Boötes in Gestalt des Hirten und Pflügers bietet nun auch eine Interpretation des Namens Habesburg, denn seine Symbolik verweist auf das lateinische Wort habere. Mit der Bedeutung glauben, wissen und beherrschen, drückt die auch wesent- liche Aspekte des Bärenhüters aus: Boötes als Sinnbild des Hirten – der den Glaube ver- breitet und Boötes als Sinnbild des ersten Pflügers – der das Wissen als Kulurbringer verbreitet udf ebenso Bötes als Wächter des Nordens – der herrscht über den Raum und die Zeit und steht damit sinnbildlich für das zukünftige Herrscher- geschlecht.

Bilder: Wikipedia / Jesus als guter Hirte, Fresko des 3. Jahrhunderts in der Calixtus-Katakombe, Rom , Foto Waffles9761 , gemeinfrei / Teil einer Votivtafel mit 16 Legendenszenen und Heiligen, Gregor d. Große, Franken, um 1500, Germanisches Nationalmuseum in Nürnberg.…, Foto GNM-MA ,CC BY-SA 4.0 / Südwestliche Seite der Habsburg. Foto Roland Zumbuehl , CC BY-SA 3.0 / Habsburg und der Bärenhüter am Abend von Michaeli / stellarium

Der Herrscher von Theben

Die Ruinen von Theben, 1882

Eine der zahlreichen Legenden der griechischen Stadt Theben gleicht auch der des mythischen Alten Hu Gadarn. So berichtet der im 1. Jh. BC lebende römische Schrift-steller Varro von Theben, als der ältesten griechischen Stadt. Sie soll König Ogygos noch vor der großen Flut erbaut haben. Gemäß einer Legende soll sich dies aber lange vor der Deukalionische Flut ereignet haben, die gemäß der Parischen Chronik, im Jahr 1529/8 v. Chr., stattfand. Es war die Zeit, als Kranaos König von Athen war. In Theben soll auch eines er 7 Tore, das Ogygische, den Namen des Gründerkönigs erhalten haben. Wesentlich detialiierter ließ sich der im 1. Jhd AC lebende römische Reiseschrift-steller Pausanias über die Landschaft Boötien und dessen Hauptstadt Theben aus. Er schrieb, dass die ersten, die das Land Theben besetzten, die Ectenes gewesen seien, deren König Ogygus, von den Ureinwohnern stammte. Aber auch hier muss der zeitliche Abstand zu den Ereignissen beachtet werden, der auf Grund der Flutereignessie zur Zeit des Pausanias bereits über 2000 Jahre betrug.

Kadmos und der Drache, Foto Bibi Saint-Pol

In der griechischen Mythologe war Kadmos, der Gründer der Burg Theben. Sein Name leitetnsich von dem phönizischen Wort Cadam, der Morgen, ab. Aber der Name verweist ebenso auf Arcturus, den Hauptstern des Boötes. Seine Rolle als Zeitmarkierer durch seinen Frühaufgang vor der Sonne beschrieb im 7. Jhd. BC de griechische Bauern-dichter Hesiod in seinem Buch Werk und Tage. Der Morgen kann aber auch als der Neubeginn verstanden werden und verweist damit auf die Ankunft der aus dem Vor- deren Orient stammenden Siedler.Andere Interpretationen sehen den Ursprung des Namens aber in den Bezeichnungen Feldherr oder Anführer. Auch hier zeigen sich wieder Parallelen zum bereits geschilderten mythschen Anführer der Brittanoi. Mit Kadmos beginnt auch die Legende des Bärenhüters, denn auf der Hochzeit des Königs mit Harmonia verliebte sich die Göttin Demeter in den Sterblichen Iasion.

Demeter und Iasion, Reginault,1765

Zeus der selbst in Demeter verliebt war, tötete daraufhin Iasion mit einem Blitz. Doch zuvor gebar Demeter zwei Söhne, Pultis , der Reichtum verköpete und Philomenos , den Freund der Lieder. Während Pulitis die Fülle auf den fruchtbaren Feldern schützte, erfand Philomenos den Pflug und zum Dank dafür versetzte ihn Demeter später als Sternbild des Pflügers an den Himmel. Boötes kann also als der berühmteste Sohn der Stadt bezeichnet werden. Da seine Mutter Demeter eine Tochter der Titanen Kronos und der Rhea war, war sie damit auch die Schwester von Poseidon, Zeus, Hestia, Hera. Somit war Boötes auch ein Neffe des Meeresgottes Poseidon. In den Küstentädten Attikas, wo der Auf- und der Untergang des Boötes auf dem Meer beobachtet werden konnte, war dies eine durchaus plausible Verwandtschaftsbeziehung. Die Namen der Könige, die in den unterschiedlichen Legenden genannt werden, aber auch die Zahl der 7 Tore Thebens verweisen ebenso auf eine wichtige Rolle des Bpötes. Bereits die Form der Stadt gleicht mit ihrem Umriss auch der Form des Boötes, der mit seinen 7 Sternen  dem Wegenetz des Stadtplans entspricht. Selbst wenn der Jahrhunderte später ge- zeichnete Plan die Struktur idealisiert, zeigt er doch den entscheidenden Gedanke. Durch die Festellung der Stadtstruktur mit Boötes wurde er wie in anderen Städten zu einer Art von Schutzgottheit und Zeitmarkierer.

Boötes, Theben und die Attischen Feste

Theben wurde von Homer als Stadt der 7 Tore bezeichnet und stand damit über Troja, die gegnerische Stadt Thebens, die nur 2 Tore besessen haben soll. Auch hier passt die Zahl 7 zu den 7 wichtigen Sternen des Bärenhüters. Passend zur Legende des Trojanischen Krieges, versammelte sich auch die griechische Flotte vor dem Auslaufen nach Troja im Hafen Aulis, der vor Theben lag. Viel später greift Ptolemäus das Bilder der 7 Tore in seinen Texten aufgreift und führt den Gedanken Homers weiter, als er die gleichnamige Stadt Theben in Unteräypten mit 100 Toren beschrieb. Diese Stadt ,war also für ihn weitaus prächtiger als das in der Bronzezeit ausgebaute Theben in Griechenland. Trotz seiner Geschichte hat das griechische Provinzstädtchen heute kaum noch eine Bedeutung. .Zahlreiche Zerstörungen und Erdbeben haben dafür ge- sorgt, dass dort vom einstigen Glanz nicht mehr viel übrig blieb. Entsprechend der einstigen politischen und wirtschaftlichen Bedeutung der Stadt, sind hier auch wichtige Mythen angesiedelt So war das griechische Theben nicht nur der Ort der Kadmos Sage, sonder darin eingebettet auch der Sage des Pentheus, die wiederum mit dem Dionysuskult verknüpft war. Ebenso ist die Erzählung von dem Kampf der 7 ein wichtiger Teil der griechischen Mythologie. Diese Mythen steigerten die Bedeutung Thebens als Machtzentrum und begründeten dessen legendären Ruf, mit Boötes, dem Pflüger, als heimlichen Herrscher Thebens.

Bilder: Wikipedia/ Ruins of Thebes, published 1882 – Cassell’s History of the World, gemeinfrei /Kadmos und der Drache (schwarzfigurige Amphora von Euboea, um 550 v. Chr., Louvre (E 707), Paris) , Foto Bibi Saint-Pol, gemeinfrei /Demeter und Iasion, eginault,1765  – Boötes und die Attischen Feste, stellarium

Mythos Hu Gardan

Hu Gadarn

Eine walisische Erzählung berichtet von Hu Gadarn, einem mythischen Anführer, der den Pflug erfand und seinem Volk auch lehrte Korn anzubauen. Das Volk lebte fortan glücklich und in Wohlstand bis es von Fremden angegriffen wurde. Daraufhin beschloss Hu Gardarn sein Volk zu einem neuen, noch unbewohnten Land zu führen. Sie er- reichten dieses Land nach einer langen Seereise und nahmen dort ein, so die Erzähl- ung, völlig menschenleeres, nur von Tieren bevölkertes Land in ihren Besitz. Dieses Land war fruchtbar, so wie es ihnen ihr Anführer beschrieben hatte. Dort erwies sich Hu Gadarn als großer Lehrer, der seinem Volk wichtige Kulturtechniken lehrte, wie den Bau der coracles, der kleine kiellosen Boote aus Weidengeflecht.

Hu Gadarn im Coracle

Auf Grund der Fülle des Honigs, den die n Siedler in dem neuen Land fanden, tauften sie es honey island. Hu Gadarn lehrte sie dort aber auch Gebäude zu bauen, Felder anzulegen und gab ihnen Gesetzte. Ebenso zeigte er ihnen, wie sie Schreine anlegen sollten um den Göttern für ein gute Zukunft zu danken. Da noch keine Schrift erfunden war, lehrte Hu Gadarn ihnen Gesänge, um so das Wissen auf spätere Generationen übertragen zu können. Wohl deshalb wurden die Walliser viel später auch ihre Gesänge und ihre Dichtkunst bekannt. Der mythische Anführer schien lange in Vergessenheit geraten zu ein, denn erst im 14. Jahrhundert erwähnte ihn Iolo Goch in seinem Gedicht Y Llafurwr („Der Pflüger“) und brachte ihn damit mit dem Pflügen in Verbindung. An diese Interpretation knüpfte 500 Jahre später auch Edward Williams an, der unter dem Pseudonym Iolo Morganwg über Druiden und die Landnahme dr ersten Britonen und ihre Reise ins Land des Honigs schrieb, Die Erzählung gleicht anderen Gründungs- legenden, in denen ein mythischer Anführer wie Moses, oder Abraham, die ihr Volk in ein neues Land führten. Hu Gadarns Bezug zum Pflügen verweist hier auch auf die griechische Legende des Philomelos.

Archaischer Pflüger

Er ist die Hautfigur in einer der Erzählungen, die die Entstehung des Sternbildes Bärenhüter erklären. Laut diese Erzählung Ist Philomelos der Sohn des Iasion und der Demeter. Er soll den Wagen und den von Ochsen gezogenen Pflug erfunden haben und damit auch die Grundlage für die Landwirtschaft geschaffen haben. Die landwirt-schaftlich geprägte Kultur bietet auch eine Erklärung verweist für den Name des Volkes. Bereits im 4. Jhd BC bürgerte sich die griechische Bezeichnung Prettanoi für die Bewohner Britanniens ein. Diese Bezeichnung gleicht dem Wort für schneiden oder ritzen und könnte auf das keltische Ritual der Tätowierung zurückgehen. Gleichzeitig verweist das Verb ritzen im übertragenen Sinn auch auf das Ritzen des Bodens, das Pflügen. In den Augen der Griechen wären die Prettanoi dann eben die einfachen Ackerbauern gewesen, deren Kultur sich deutlich von der, der griechischen Polis unterschied. Dass die Prettanoi ein Land fanden, das ihren mythischen Anführer verkörperte, zeigt auch dessen Geometrie, denn sie entspicht fast genau auch der Struktur des Bärenhüters. Stand er einst in Süd-Nordrichtung über dem Horizont, so wie er noch in der Bronzezeit zu sehen war, lag dann der hellste Stern Arktur auf jener Landschaft, die von Südwesten nach Nordosten durch insgesamt 6 Grafschaften verläuft. den Cotswolds.

England, das Land des Boötes. opentopomap

Die Landschaft wird auf Grund ihrer üppigen Vegetation und hügeligen Struktur auch als das Herz Englands bezeichnet. Auch der Boötes Stem Mufrid liegt an einer bedeutenden Stelle Britanniens, denn dort liegt der Ort Canterbury. Dessen Name leitet sich aus dem keltischen Volk der Cantiaci ab, das hier in der frühen Eisenzeit auf- tauchte. Auch das ähnlich klingende altkeltische Adjektiv cantara, das hell oder glänzend bedeutet, bietet auch eine Erklärung. Cäsar bezeichnete die Cantiaci am zivilisiertesten unter den Stämmen Britanniens. Mufrid bedeutet im Arabischen der Einsame des Lanzenträgers. Die Lanze ist als solares Symbol dem Sonnengott zuge- ordnet und wurde im Mittelalter das Sinnbild der Suche nach dem geistigen Licht. Dies verbreitet such von hier aus der Erzbischof von Canterbury, einer Abtei, die hier im 9. Jhd gegründet wurde. Auch der Stern Pulcherrima, der im Arabischen die Schönste bedeutet, passt zur Logik der Landschaft, denn dort wo er liegt, befindet sich die Isle of Man. Sie wird als kühle Schönheit inmitten der irischen See bezeichnet. Zwei Einwanderungswellen , im 50. und dem 20. Jhd. BC brachten wohl den im mediterranen Raum entstanden Mythos des Bärenhüters mit in das Land das wissentlich oder auch unwissentlich auch seiner Gestalt entsprach.

Bilder: Wikipedia/ Hu_Gadarn_(Y_Celt). Gemeinfrei / Hu Gadarn im Coracle, gemeinfreiArchaischer Pflüger, eigen England, das Land des Boötes. Opentopomap, stellarium

Der König von Colchester

Old King Cole“, Illustration von William Wallace Denslow (1902)

Im jahr 1708 wurde das in England sehr beliebte Kinderlied von King Cole zum ersten Mal aufgezeichnet. Das lied das mit listgen Reinem ein dicken mit den Zeilen: Good King Cole; And he call’d for his Bowle; And he call’d for Fiddler’s three; And there was Fiddle, Fiddle, …. Die Spuren des Liedes reichen zurück bis ins Mittelater, wo die Gestalt des King Coel im 12. Jhd. Bestandteil der Gründungslegende von Colchester wurde. In der Legende wird er als Vater von Kaisern Helena beschrieben, der Mutter von Kaiser Konstantin dem Großen. In diese Rolle erschien King Coel of Colchester im Werk von Henry of Huntingdon’s Historia Anglorum und ebenso in Geoffrey of Monmouth’s Werk Historia Regum Britanniae. Deshalb wurde der Name von Colchester früher auch als Burg des Coel interpretiert, ehe dann der Name in der jüngsten Vergangenheit vom Fluss Colne abgeleitet wurde.

Das Stadtzentrum von Colchester (2004) ,Foto Bierdimpfl

Doch die Erzählung über jenen, mythischen König fußt auf wallisischen Erzählungen. wie denen über Bonedd Gwŷr y Gogledd, was übersetzt bedeutet: „Die Nachkom- menschaft der Männer des Nordens“. In diesen Texten wird er auch als Coel Hen bezeichnet, der nach dem ende des Römischen Reiches, um 400 AC in Britannien geherrschat haben soll. Doch in den Königsdynastien wird er auch mit dem Namen Hen Ogledd genannt, der Alte aus dem Norden. Coel Hen wird in den unterschiedlichen Erzählungen als der Stammvater Uriens von Rheged und dem Ritter der Tafelrunde Peredur fab Efrawg genannt.In ihnen erhält er auch den Titel Godebog, der Beschützer und Schirmherr, in der Funktion als Urahn zahlreicher Geschlechter. Da sich der Name offensichtlich weder auf keltische, noch auf römische Wurzeln zurückzuführen ließ, wird angenommen, dass den Erzählungen die Geschichte eines unbekannten Heerführers zugrunde lag. Erweitert man jedoch den Bezugsraum der Erklärung, so führt das lateinische Wort coelum mit den Bedeutungen Luft, Wetter, oder auch Universum zu einer Erklärung für die Bezeichnung `der Alte aus dem Norden´. Sie bietet der Stern Arktur, der in der arabischen Astronomie des 11.Jahrhunderts auch ḥāris as-samāʾ / der ‚Wächter des Himmels‘ bezeichnet wurde. Er ist von allen Kontinenten aus zu sehen und ist auch der hellste Stern nördlich des Himmelsäquators.

Stich aus dem Sternatlas von Johann Elert Bode, 1782

Im Sternbild des Bärenhüters folgt er zirkumpolar dem Sternbild des Großen Bären. Diese steige Drehbewegung machte ihn auch zum Sinnbild der kosmischen Stabilität. Er bietet nun gleich eine Erklärung des Name der `Alte des Nordens´. So war er nicht nur Garant des ewigen Zyklus, sondern im Frühlingsdreieck , zusammen mit den Sternen Regulus und Spica auch ein Zeitmarkierer und Wetterverkünder. Mit dem Namen Hen verweist die Bezeichnung des Alten auch auf hebräische Wurzeln den Hen ist eine Kurzform des Namens Johannes, der übersetzt bedeutet:` Gott ist gnädig´. Damit ver- weist der Name Coel Hen auf die eigentliche Rolle jenes mythischen Urkönigs hin, der der Ahnherr so vieler Geschlechter sein soll. Als der König des Himmels betrachtet be- stimmte er damit das Schicksal zahlreiche Völker. Dies aber nicht nur als wichtiger Zeitmarkierer, sondern ebenso mit seine astrologischen Wirkung. So sah Ptolemäus im rötlich schimmernden Stern Arkturus auch eine Wirkung die Jupiter und Mars gleichkam, als Macht, Reichtum und Stärke vermittelte. Weil er am Nordhimmel eine wichtige Rolle spielt tauct er auch in zahlreichen Mythen auf So sehen die australischen Ureinwohner in Arcturus den Anzeiger für die Jahreszeiten denn sein Untergang, gemeinsam mit der Sonne im Westen, ist immer das Zeichen für den Beginn des Sommers. Deshalb erhielt er auch mehrere Namen und so bezeichnete ihn das Volk der Wotjobaluk Koori ihn als Marpean-kurrk, die Mutter von Djuit, die durch hellen Stern Antares im Sternbild Scorpius verkörpert wird. Auch die Polynesier schätzen Arcturus, wo er “Ana-tahua-taata-metua-te-tupu-mavae”.genannt wird. Dieser Name bedeutet in der Sprache der Ureinwohner so viel wie “eine unterstützende Säule” und Arcturus gilt dort als eine der zehn “Säulen des Himmels”. Er ist auch einer er wenigen Sterne, die in der Bibel als Hiobstern und Leitstern erwähnt werden.urd. “Was Arcturus, Orion und Plejaden und die Kammern des Südens macht”, (38:32) “Kannst du Mazzaroth zu seiner Zeit her- vorbringen? oder kannst du Arcturus mit seinen Söhnen führen?”. Betrachtet man vor diesem Hintergrund den Plan von Camulodunum, dem römischen Vorgänger con Colchester, so wird die Rolle des Old King Cole, dem Boötes, ersichtlich. So entsprach die Sicht des Sternbildes mit seiner Geometrie der Stadtstruktur am Morgen des Festes Vinalia Priora und ebenso am Morgen des Marsfestes Armilustrium. Damit definierte er wesentliche Punkt der Stadt und kann wohl zu Recht, als ihr König bezeichnet werden.

King Cole und Roman Colchester – Camulodunum

 

Bilder: Wikipedia / Old King Cole“, Illustration von William Wallace Denslow (1902) , gemeinfrei / Das Stadtzentrum von Colchester (2004) ,Foto Bierdimpfl~commonswiki (talk , CC BY-SA 3.0 / Stich aus dem Sternatlas von Johann Elert Bode, 1782, gemeinfrei / King Cole und Roman Colchester – Camulodunum, stellarium, sunearthtools

Die Riesen der Hillforts

Camelot auf einer Illustration aus Gustave Dorés „Idylls of the King“,1868

Die ursprüngliche Erzählung über König Artus und dessen Tafelrunde stammte aus der Feder des Mönchs Geoffrey of Monmouth, der das Werk im Jahr 1135 verfasste. Er nannte als Ort der legendären Burg König Artus die walisische Ortschaft Xaerleon mit der römischen Siedlung Isca Silurum. Die dortige Ruine des Amphitheaters deutete der Autor als Überreste der Königsburg. Doch erst in den Schriften des französischen Dichters Chrétien de Troyes erhielt die Burg den Namen Camelot. Da der Oort aber immer nur vage beschrieben wurde, bot dies Raum für zahlreiche Spekulationen. So glaubte im Jahr 1542 der englische Schreiber John Leland in Cadbury Castle den wahr- en Ort des einstigen Camelot erkannt zu haben. Er sah in der aus der Eisenzeit stam- mende Wallanlage Cadbury den Rest der legendären Artusburg.

Der Hügel von Cadbury Castle mit den eisenzeitlichen Wällen, Foto Tim Heaton

Dort ausgegrabene Relikte deuteten auf einen mächtigen Burgherrn hin der hier herrschte und zudem berichtete die Bevölkerung auch von Geistern, die dort ihr Unwesen trieben. Bereits die erste Fassung der Erzählung entstand gut 600 Jahre nach der Epoche in der sie spielt.Es war die Zeit kurz nach dem Untergang des Römischen Reiches in der sich auf Grund des Machtvakuums kleine Fürstentümmer gegenseitig bekämpften. Deshalb hofften die Menschen auf eine Erlösergestalt, die Frieden bringt und alle vereinte. In der Erzählung wird Artus als eine Art göttergleicher Erlöser geschildert, der aber am Ende auf Grund eines Verrates scheitert. Der vornehmste Ritter seiner Tafelrunde der 12 Ritter, die Artus an seinem runden Tisch versammelte, ist Sir Galahad. Am Pfingstmorgen, einem für das Christentum symbolisch bedeutsamen Tag wurde der Ritter laut der Erzählung, vom Zauberer Merlin in die Tafelrunde eingeführt und er wurde auch auserwählt den heiligen Gral zu finden. Dieses Gefäß, in dem das Blut von Jesus aufgefangen worden sein soll, ist Teil einer ganz eigenen Legende. Zahllose Menschen haben sich bis heute auf die Suche nach dem verschollenen Gefäß´gemacht. Im Laufe der Geschichte wurde der Gral und die Suche nach ihm zum Sinnbild der Erlösung. Auf die Form des Gefäßes, in Verbindung mit der Wintersonnenwende als symbolischen Datum der Wiedergeburt, verweist auch das Sternbild Orion. Betrachtete man den Abendhimmel zur Zeit der Entstehung der Artus-Erzählung während der Wintersonnenwende, so stieg zu dieser Zeit das Sternbild Orion kurz nach Sonnenuntergang über den Horizont.

Cadbury Castle und das Sternbild Orion

Ungefähr zeitgleich mit der Entstehung der griechischen Sternenmythen entstand in der frühen Eisenzeit auch der Ringwall von Cadbury. Auch hier decken sich der Umriss, wie die Hauptzugänge wieder mit der Gestalt des Orion an zwei wichtigen Kalendertagen, dem 1. Februar und dem Frühlingsäquinoktium. Mit dem himmlischen Jäger wird in der irisch-keltischen Kultur `hern the hunter´´ assoziiert, der hier in zahlreichen Sagen auftaucht. Von Angel-sachen soll er einst im Gebiet des Windsor Forest verehrt worden sein. Im Süden Britanniens mischte sich die Vorstellung jedoch mit dem Bild der Naturgottheit Cernunnos. Dass die polygonalen, scheinbar freien Formen der Hillforts mit Hilfe von Bildern damaliger Gottheiten angelegt wurden, zeigt sich ganz deutlich auch bei der Wallanlage von Old Oswestry.

Old Oswestry und Sternbild Boötes, Stellarium,

Mit den imposanten Wällen wird Old Oswestry meist als Verteidigungsanlage, oder als letzter Rückzugsort der Bevölkerung bei Angriffen geschildert. Auf dem Plateau wurde aber nur eine weitere innere Abgrenzung mit Pallisaden entdeckt, sowie die Spuren einige Rundhütten. Die impos- ante Bauleistung steht als in keinem Verhältnis zu den gefunden Spuren. Vergleicht man hier aber die Positionen des Sternbildes Boötes im 8. Jhd BC am Abend des 11. April , dem Ende des römischen Festes de Magna Mater und dem Herbstäquinoktium, so decken die sich mit der Geometriedes Ringwalles. Damit könnten diese beiden Positionen auch den Zweck der Anlage erklären. War die Anlage also einst ein Heiligtum, so bietet hier die Vorsilbe Os einen Verweis. Natürlich kann die auch auf den ersten Grundherrn zurückgeführt werden, doch in der germanischen Sprache hieß der Ochse noch Ohse oder os. Zudem gab es in der altenglischen Sprache auch das Wort os oder esa, die Gottheit.

Bilder: Wikipedia/ Camelot auf einer Illustration aus Gustave Dorés „Idylls of the King“, 1868, Gustave Doré – Enid, by Lord Alfred Tennyson. London: Edward Moxon & Co., 1868, gemeinfrei / Der Hügel von Cadbury Castle mit den eisenzeitlichen Wällen, Foto Tim Heaton, CC BY-SA 2.0 / Cadbury Castle und Sternbild Orion, Stellarium/ Old Oswestry und Sternbild Boötes, Stellarium,

 

 

 

Mount Pleasant und der Wächter

The Mount Pleasant „Superhenge“:- Lost History, England : Film: cf-apps7865

In Zeitalter des Neolithikums gab es einen Bauboom während dem zahlreiche kreis-ähnliche Erdwerke entstanden. Ihr Aufbau war meist ähnlich. Sie waren mit Gräben umgeben, die teilweise mehrere konzentrische Palisadenringe umschlossen. Der in England für diese Form der Anlagen gebräuchliche Begriff Henge stammt von Sir Thomas D. Kendik, der den Suffix von Stonhenge als Bezeichnung für die neu ent- deckten Erdwerke benutzte. Die Henges, aber auch die in Mitteleuropa entdeckten, ganz ähnlich aufgebauten Kreigrabenanlagen. hatten zwischen einem und vier Zu- gängen. Sie waren meist als große Tore ausgebildet, die dann meist mit Sonnenpeil- ungen an wichtigen Kalenderdaten in Verbindung gebracht werden. In der Mitte der Anlagen wurden oft  Steinsetzungen, Gräber, oder auch nur Posten identifiziert. Am Beginn der Erforschungen entstanden unterschiedliche Theorien über den eigentlichen Zweck der Erdwerke. Sie reichten von einer reinen Befestigungsanlage, über Tiergatter bis hin zu Kut- und Opferplätzen. Erst in Jüngster Zeit erscheint die Nutzung der Henges als Observatorien auch Archäologen diskussionsfähig zu sein.

Rekonstruktion der Kreisgrabenanlage von Pömmelte, Foto Torsten Maue

Auch Funde, wie die Himmelscheibe in Nebra trugen mit dazu bei, in diesen Anlagen eine Form vo Kalenderbauwerken zu sehen. Doch die Vorstellung von einem Bauwerk als einen reinen Zeitmesser greift hier zu kurz. In seiner Zeit, in der die Menschen mit ihrer Arbeit auf Gedeih und Verderb vom Klima abhänigig waren, waren diese Bau- werke, die auf wichtige Daten der Landwirtschaft ausgelegt waren, auch immer Kult- und Ritualbauwerke. In dieser Funktion gleichen sie auch den Jahrtausende später ent- standen Kirchen mit ihren Reliquienschreinen, wo ebenfalls Heilige an für die Landwirt- schaft wichtigen Kalendertagen verehrt wurden. Gerade in der Zeit der Christian- isierung zeigte sich erneut die Verbindung paganer Feiertage mit der Landwirtschaft und der in dieser Zeit erfolgten Überformung mit neuen Vorstellungen. Einer dieser Tage, der bereits in römischer Zeit als wichtiger Feiertag des Jupiter mit Trankopfern des neuen Mostes begangen wurde, ist der Georgstag am 23. April.

Georgiritt in Ampflwang im Hausruckwald (2015).Foto Moneskom

Dessen Verehrung breitete sich ab dem 4. Jhd. vom vorderen Orient nach Europa aus, wo ab dem 9Jhd auf der Insel Reichenau seine Reliquien verehrt wurden. Im Griech- ischen bedeutet sein Name übersetzt der „Landmann“. Deshalb gab auch der römische Dichter Ovid seiner Anleitung zum Landbau den Namen „Georgica“. In der offiziellen Darstellung war Georg der Drachenkämpfer und damit war er das Beispiel des standhaften Kämpfers für den wahren Glauben. Deshalb wurde er meist hoch zu Ross,,als Reiter in voller Rüstung und mit einer weißen Fahne dargestellt. Doch der Georgstag galt in der Vergangenheit auch als wichtiger Lostag zur Wetterschau und Beobachtung der Natur war. Dies zeigen Sprüche wie, ´wenn das Korn zu Georgi so hoch ist, dass sich eine Krähe verstecken kann´, Da mit dem Georgstag in der Regel die Weidezeit begann, wurde der Heilige auch der Schutzpatron der Herden und der Stalltiere, die an diesen Tag zum letzten Mal das gelagerte Grünfutter bekamen. Weil Georg auch der Schutzpatron der Pferde ist, finden an diesem Tag auch de Umritte mit festlich geschmückten Pferden statt. An einen ähnliche Verehrung. wie die des Georg, erinnert auch der Henge auf dem Mount Pleasant. Mit einem Durchmesser von ca. 370m zählt der Henge von Mount Pleasant bei Dorchester zur Klasse der Super Henges Die Anlage, die einst von einem Wall und einer Palisade umgeben war, soll nach dem heutigen Kenntnisstand ungefähr in der Mitte des 3. Jahrtausends errichtet worden sein. Das bauchig geformte Erdwerk lässt sich mit einer Kreiskonstruktion erklären, aber ebenso auch mit dem Lauf des Sternbildes Bärenhüter.

Mount Pleasant und der Bärenhüter

Doch nur in der Zeit des 15. Februar war einst das Sternbild nahezu waagrecht am Himmel zu sehen, so,dass dann auch der Stern Arktur auf der Mitte des Timber Cercles lag. Waren zu dieser Zeit die Temperaturen proportional zu den heutigen, markierte das Datum den Beginn des Temperaturanstieges in der Mitte des Monats Februar. Der Tag bietet dann auch eine Erklärung für die Lage des Zuganges im Südosten, denn dort war dann am Morgen der Sonnenaufgang zu beobachten. Vom Eingang zum Timber Cercle konnten dann sowohl der Sonnenaufgang am 15. Februar, wie der während es Äqui- noktiums beobachtet erden. Die Konzeption des Henge mit seinem innen liegenden, wohl heiligen Bezirk des Arktur, verweist damit auch auf den Urprung vieler religiöser Feste in den Arbeitsszyklen der Landwirtschaft.. Mit der Sicht des Boötes am 15. Februar, dem Zeitraum des Temperaturanstieges dürfte er eine ebenso wichtie Rolle in der Mythologie gespielt haben, wie Jahrtausende Später der heilige Georg.

Bilder Panorama, Youtube: The Mount Pleasant „Superhenge“:- Lost History, England : Film: cf-apps7865 / Wikipedia: Rekonstruktion der Kreisgrabenanlage von Pömmelte, Foto Torsten Maue – https://www.flickr.com/photos/erwinrommel/30550869921/in/album-72157675752782786 / /CC BY-SA 2.0/ Georgiritt in Ampflwang im Hausruckwald (2015).Foto Moneskom , CC BY-SA 4.0 / Mount Pleasant und der Bärenhüter, Stellarium, Sunearthtools