Der Esel von Burdigala

Amphitheater von Burdigala,Auguste Bordes,1840

Eine keltische Stadt der Biturogen bildete die Keimzelle des heutigen Bordeaux. Vor der römischen Landnahme siedelte der Volksstamm siedelte im Gebiete der Loire und war gemäß der Schriften des römischen Geschichtsschreibers Livius um 550 v. Chr. der mächtigste gallische Stamm. Übersetzt bedeutet der keltische Name Weltenlenker, aber auch die ewige Herrscher. Nach dem das Land zu über- völkern drohte, soll König Ambicatus, so Livius, seine beiden Neffen Bellovesus und Segovesus, befohlen haben, mit einem Teil des gallischen Volkes aus- zuwandern. Dabei wanderte ein Teil in das nördliche Italien und der zweite in Hercynischen Wald, einem Teil Euopas der die dicht bewaldeten Teile der Mittel-gebirge umfasste. Die Lage der Stadt war günstig, denn sie lag in der Nähe des Meeres und im Schnittpunkt von Fernhandelswegen. Unter der Herrschaft der Römer erlebte die Stadt mit dem Namen Burdigala dann ihre erste Blütezeit. Das fruchtbare Gebiet entlang der Garonne wurde zu einer der Kornkammern Roms und von hier aus wurden große Mengen an Weizen per Schiff nach Rom exportiert. Ebenso soll in dieser Zeit auch der Weinbau in der Region eingeführt worden sein, der später zu einem Markenzeichen derStadt Bordeaux wurde.

Stadtplan Burdigala, Auguste Bordes,1840 (nicht genordet)

Burdigala wurde als typische Planstadt auf einem nahezu rechteckigen Grundriss an- gelegt. Über die Stadt berichtete m 4. Jahrhundert der Dichter Ansonius unter ander- em auch von einem Tempel des Belenus. Doch dafür gibt es keine gesicherten Beweise. Die Ausrichtung der Stadtgrundrisses weist aber einen Aspekt bei zahl- reichen Stadtgründungen in Gallien unter römischer Herrschaft hin. Wie in zahl- reichen anderen Orten, wurde die in Rom verehrte phrygische Gölttin Kybele mit ihrem Attribut der Stadtkorne auch hier Patronin der Stad. Obwwohl nur wenige Zeugnisse ihres Kultes gefunden wurden, sind fast die Hälfte der einstigen Weihe-steine in der knapp 140km von Bordeaux entfernten Kleinstadt Lectoure ausge-stellt. Archäologische Funde bei Tournay, einem Ort zwischen Amsterdam und Ypern, weisen auch auf einen eigenen Kult hin, bei dem die beiden Göttinnen Isis und Kybele zugleich verehrt wurden. Auf diese mythologische Sicht weist auch die Ausrichtung des Stadtgrundrisses von Burdigala hin.

Burdigala, Sonnenrichtungen am Tag der Isis und der Kybele

Nach Nordosten war er auf den Sonnenaufgang am 4. April, dem Beginn der Ludi Megaleneses ausgerichtet und in der Gegenrichtung auf den Sonnenuntergang am 5.März, dem Isisfest, das zugleich den Beginn der Seefahrt markierte. In Gallien musste sich auch der Kult der Kybele großer Beliebtheit erfreutt haben, denn Gregor von Tours berichtet von ihr in seiner Ende des 6.Jhd`s entstanden Univer-salgeschichte des Christentums. In dem Werk schreibt er von einer süd-gallischen Verehrung der Kybele unter dem Namen Verecynthia. Dieser Beinamen verweist auch direkt auf ihren Ursprung im Gebirge Berecynthus in Phrygien. Einen ihrer Tempel will er auf seinen Missionsreisen in Autun zerstört haben, wo auch In- schriften einer Göttin Brigindo gefunden wurden. Neben ihrer Rolle als Frucht-barkeitgöttin und Verkörperung der Erde spielte die Kybele bereits im Gründ-ungsmythos Roms eine wichtige rolle. In einem entscheidenden Augen Augenblick hilft sie auch dem geflohenen Trojanerprinz Aeaneas und Stammvater der Römer bei seinem Kampf gegen den Latinerkönig Turnus. Damit ist Kybele lange vor dem offiziellen Staatskult der Kybele,  durch den Aeneas-Epos als Magna Mater bereits Teil der römischen Gründungslegende. Er erklärt ncht nur die mythische Ab- stammung der Römer von der Göttin Venus, sondern auch den Weg zur zuvor prophezeiten neen Heimat des trojanischen Prinzen. Dieses Epos feiert ebenso die niemals endende Herrschaft (imperium sine fine) der Römer, und weist auf auch den stets gezeigten Beistand der Götter hin. Zugleich wirbt die Aeneis aber auch um Mitgefühl für die Opfer der römischen Vorherrschaft. Für eine Stadt inmitten einer fruchtbaren Region, die zudem vom prosperierenden Weinbau lebte, war die Wahl der Kybele als Schutzgöttin also geradezu ideal. Dazu passte auch der Name Burdigala, dessen erster Teil dem lateinischen Wort burdu, der Maulesel, ent- spricht. Esel waren zu dieser Zeit heilige Tiere der Kyvbele, die mehrfach in Erzähl- ungen der Göttin auftauchten. Deshalb trugen Esel auch bei den Festen die Heiligtümer der Göttin. So hat auch die Mondsichel im Wappen von Bordeaux noch einen Bezug zur Kybele, denn sie war Mond- und Erdgöttin zugleich.

 

Kybele(Epona) und Esel,Foto Owen Cook

Bilder: archives.bordeaux-metropole.fr / Amphitheater von Burdigala,Auguste Bordes, 1840 / Stadtplan Burdigala 1. und 2.Version , Auguste Bordes,1840/ Wikipedia: Kybele (Epona) und Esel,Foto Owen Cook / Simulation; sunearthtools