Drei Bilder des Hohenstaufen

Drei Bilder aus unterschiedlichen Epochen zeichnen ein scheinbar völlig konträres Bild des Hohenstaufen. Sie wurden im Laufe von knapp 2 Jahrhunderten gemalt und geben ein Zeugnis seiner ursprünglichen Form wieder. Das erste Zeitzeugnis des Hohenstaufen ist das Fresko in der Oberhofener Kirche in Göppingen. Es entstand 1495 und zeigt die Burg auf einem steilen Fels die nach dem Untergang der Staufer in den Besitz der Grafen von Württemberg. gelangte.

Fresko Oberhofener Kirche                                  Auschnitt Fresko Oberhofener Kirche Göppingen

Das Motiv ist Teil einer Landschaft die sich ganz im Stil der Renaissancemalerei hinter einem ummauerten Bezirk entwickelt, in dem zwei Stifterinnen ein Kirchenmodell zeigen neben dem ein Lebensbaum wächst. Seitlich, neben dem Burgfels ist eine weitere Burg zu sehen, der Rechberg. Der Hohenstaufen ist hier in einer völlig ungewohnten Weise dargestellt, die aber nur scheinbar der künstlerischen Freiheit des Malers entsprang. Im Bild des des 1534 entstandenen Filstalpanoramas hat der Hohenstaufen aber vertrautere Proportionen. Mit dem Blick aus Südosten ist er als breitgelagerter Kegelstumpf dargestellt wie ihn auch die Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts darstellten.

Filstalpanorama                                           Ausschnitt aus dem Filstalpanorama

Das letzte Bild des Hohenstaufens, ehe ihn Landschaftmaler des 19. Jahrhunderts als ein beliebtes Motiv entdeckten, entstand durch den Artillerieoffizier Andreas Kieser. Zusam- men mit zwei Gehilfen wurde er von Herzog Karl von Württemberg beauftragt, nach den Verwüstungen des 30 – jährigen Krieges eine Bestandsaufnahme des Landes anzu- fertigen. Unter den 280 Karten und Ortsansichten entstand dabei auch die Ansicht des Ortes Hohenstaufens zusammen mit dem Berg. Doch 1685 zeichnete Kieser eine Form, die weder dem Fresko noch dem Bild des Filstalpanoramas zu ent- sprechen scheint. Die tapezförmige Ansicht besaß Seiten die mit ca. 24 ° gegen die Senkrechte geneigt waren und wich nur um wenige Prozent von den wahren Höhenver- hältnissen ab. Dem ausg- bildeten Vermesser darf wohl unterstellt werden, dass er den Berg nicht nur in seiner Höhe, sondern auch in seinem Querschnitt richtig abgebildet hatte. Mit Hilfe des südlichen Turmes, sowie des Turmes der Barbarossakirche war nicht nur eine Rekonstruktion des Standpunktes von Kieser, sondern auch des Berges in seiner ursprünglichen Form möglich. Als Kieser ihn aufnahm muss er einen Grundriss besessen haben der auf einem gestreckten Oval aufgebaut war. Da diese Form räumlich darzustellen schwierig ist, um- ging Kieser dies, indem er die seitliche Sicht von seinem Standpunkt aus als Trapez ab- bildete.

Hohenstaufen Burgmauer be              Lage der Burgmauer auf Grund des wenig tragfähigen Untergrundes

Im unteren Bereich von Kiesers Zeichnung sind als Textur Steinreihen zu erkennen, die der Grund für eine in Deutschland einmalige Burgenanlage waren. Auf Grund des schwächeren Tragverhaltens der losen Steine mussten die Mauern umlaufend um 5 m zurückgesetzt werden damit sie nicht zusammenstürzten. Aus der Sicht der Verteidiger war dies natürlich absurd. Die Löcher eines heute noch feststellbaren Pfostenwalles, inter- pretieren Archäologen deshalb fälschlicherweise als zusätzlichen Schutz, doch in Wirk- lich keit stammt dieser Wall aus einer viel früheren Zeit. Die einzige Interpretation von Kiesers Ansicht ist eine Form von Stufenberg, der mit Hilfe eines Schwergewichtsmauer-  werkes errichtet wurde, wie sie heute noch im Schweizer Raum anzutreffen ist. Die nach Nordosten gestreckte Form vereinte damit die Perspektive des Filstalpanoramas und auch die Sicht des Künstler von 1495,  der das Freskos mit der dramatischeren Frontsicht geschaffen hatte.

Hohenstaufen Rekonstruktion be                                                   Hohenstaufen Rekonstruktion

Der heutige Berg entstand erst im Zuge von Auffrostungen Ende des 19. Jahrhunderts, bei denen durch Aufschüttungen sein einstiges Profil völlig verändert wurde. Nur im oberen Teil sind noch jene waagrecht verlaufenden Stinreihen zu sehen,  die Kieser in seiner Auf- nahme zeichnete. Das Bauwerk mit einem Volumen von ungefähr 70000 m³ ist damit durchaus vergleichbar mit ähnlichen Bauwerken, die heute aus der Jungsteinzeit oder der frühen Bronzezeit dokumentiert sind.

Der Hohenstaufen – ein Bauwerk

Innerhalb der Geologie gilt der Hohenstaufen als Zeugenberg der Schwäbischen Alb. .Zusammen mit weiteren Bergen soll er ein Zeugnis des einst weiter nördlich verlaufenen Randes der Alb sein. Doch bis Heute ist die Entstehung von Zeugenbergen nicht schlüssig geklärt und auch für den Rand der Schwäbischen Alb gibt es nur einen wirklichen Beweis:  Juragestein, das in einem Schlot des Scharnhäuser Vulkans gefunden wurde. Dabei wird jedoch immer übersehen, dass der Ausbruch des Schwäbischen Vulkans, bei dem die Fläche von Filderstadt bis Kirchheim wie ein Küchensieb perforiert wurde, im Zusammen- hang mit dem Einschlag des Ries-Meteors zu sehen ist.
Ähnliche Geländeformationen wie der Hohenstaufen die im Vorderen Orient, Griechenland oder Rumänien anzutreffen sind, werden dort von Archäologen mit dem arabischen Wort Tell bezeichnet. Das bedeutet so viel wie Siedlungshügel. Im Persischen werden sie Tepe, im Griechischen Magoula oder auch Toumba genannt.

Tell  Zeraa                                                               Tell Zeraa

Ein Tell kann durch die stufenweise Überlagerung von Siedlungsmauern in die Höhe ge- wachsen sein, oder auch durch das Anschütten von Erd- und Gesteinsmaterial. Einer der typischen Tell Siedlungen ist der Tell Zerā‛a im heutigen Dreiländereck Jordanien, Syrien und Israel, oder auch der 50m hohe Altıntepe in Ostanatolien.

Altintepe 01Er wird auch `Goldener Hügel´ bezeichnet und besitzt ungefähr das Volumen und die Form des Hohenstaufen. Auf ihm lag einst eine urartäische Residenz mit einem Rund- tempel. In seinem Innern wurden zwei Grabkammern gefunden die im 7. Jahrhundert v. Chr. Errichtet wurden.

Altintepe Mauern Plateau                                   Plateau mit zerstörten Mauern

Die Führung, die im Rahmen des Kulturprogramms `Sommer der Verführungen´ des Landkreises Göppingen zusammen mit dem Manuela Kinzel Verlag stattfindet, zeigt die wesentlichen Merkmale des Bauwerkes und die Irrtümer der Geologen. die im Hohenstaufen noch immer einen Zeugenberg sehen.

Termin: 23.07.2014 / 18°° Treffpunkt Barbarossakirche Hohenstaufen
Foto : SWCC BY-SA

Ein Berg aus Stein

Noch bis ins 19. Jahrhundert hatte der Hohenstaufen ein völlig anderes Gesicht. Da der Berg völlig kahl war, wurde die Ortschaft bei Starkregen oft von Überschwemmungen heimgesucht. Um dieses Überschwem-mungen zu vermeiden, begann in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Aufforstung des Berges. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Berg auch zu einem begehrten Motiv für der süddeutschen Landschaftsmalerei. Doch eines der aussagekräftigsten Bilder des Hohenstaufens entstand aber bereits 1685. Zu dieser Zeit erstellte der Herzoglich-Württembergische Kriegsrat und Artillerieoffizier Andreas Kieser im Auftrag des Herzogs Friedrich Karl von Württemberg eine Zustandsbeschreibung der Württembergischen Forste, um die Zerstörungen nach dem 30 jährigen Krieg zu dokumentieren. Sein Forstlagerbuch enthält neben Aufstellungen und Karten auch zahlreiche detaillierte Ortsansichten. Eine davon zeigt den Hohenstaufen mit einer trapezförmigen Ansicht, deren Seiten einen Winkel von 66° aufweisen. Da ohne einen Bewuchs, Regen bei diesem Gefälle jegliches Erdreich abträgt, muss der Berg zu diesem Zeitpunkt noch aus reinem Gestein bestanden haben. Dies deutete Andreas Kieser auch in seiner Zeichnung an. Genau diese, im oberen Teil des Bildes sichtbaren, waagrechte Steinreihen finden sich noch Heute auf der Nord- Westseite des Berges. Sie sind ein Schlüssel zum Verständnis der Goldenen Landschaft.

Forstlagerbuch Hohenstaufen

Bild: Haupstaatsarchiv Baden Württemberg

Steinreihe Nord-Westseite 

Bild: Wolfgang Graf

Steinzeitfunde im Goldenen Schnitt

Bis vor 11 000 Jahren bevölkerten Mammuts weite Teile der Landschaft Europas. Eine vollständig aus Elfenbein geschnitzte Figur dieses Tieres wurde im Jahr 2006 bei Grabungen in der Vogelherdhöhle, einer Karsthöle im Lonetal bei Niederstotzimgen gefunden. Das nur 3,7 cm große Mammut soll wie auch die übrigem 11 dort gefunden Tierskulpturen um 32.000 v.Chr. entstanden sein. Damit werden sie als die ältesten vollständig erhaltenen Kleinkunstwerke der Menschheit angesehen. Trotz ihrer unscheinbaren Größe offenbaren die Figuren aber bereits ein präzises Verständnis für das abstrahierende Abbild und die Verwendung von Proportionen. Nicht nur bei der Figur des Mammuts wird es offensichtlich, dass es mit den Proportionen des Goldenen Schnittes gefertigt wurde, sondern auch bei Funden wie Faustkeilen und Waffenteilen.Das Bild zeigt, dass nicht nur die die gesamte Figur des Mammuts im Golden Winkel entwickelt wurde, sondern auch einzelne Elemente den Verhältnissen des Goldenen Schnittes entsprechen. Genau dieses, vor  tausenden von Jahren entwickelte  Proportionsverständnis bestimmt auch Landschaftschaftspanorama zwischen Rems- und Filstal.

Goldener Schnitt Mammut be