Das Gudensberg Dreieck – die Wiege Hessens

Gudensberg Dreieck2

Ganz in der Nähe der Spitze des Gudensberg Dreieckes liegt eines der zahlreichen Megalithdenkmale die in der Region um Fritzlar zu finden sind: der Wotansstein. Der bearbeitete Stein ist im Boden verankert worden und ragt knapp 2 Meter in die Höhe. Sein Standort  liegt in unmittelbarer Nähe zur Spitze des Schlossberges bei Gudensberg, der den nördlichen Punkt des Dreieckes besetzt.

WodansteinMaden

Wotansstein

Dessen Stadtteil Maden gilt als einer der ältesten Orte Hessens und war einmal Mittelpunkt des Chattenlandes, einem Volks- stamm der zwischen der Fulda und dem Oberlauf der Lahn seinen Siedlungsschwerpunkt hatte. Ob es sich bei dem Ort um den von Tacitus in seinen Werk Germania beschriebenen chattischen Hauptort `Mattium´ handelt, ist nicht zweifelsfrei zu belegen. Nordöstlich des Wotansteines liegt die Basaltkuppe Maderstein, der auf der östlichen Seite des Gudenberg Dreieckes liegt, wo die Länge zwischen dem Schlossberg und dem östlich gelegenen Heiligenberg im Verhältnis 1 zu 5 teilt.

MaderStein

Blick von der Obernburg über Maden am Mader Stein nach Gensungen am Heiligenberg

Ein Sage bringt den Stein mit dem Teufel in Verbindung, denn der wollte die von Bonifatius in Fritzlar errichtete Kirche mit dem Stein zerschmettern. Da ihm aber der Stein beim Wurf im Ärmel hängen blieb, fiel er auf das Feld zwischen Maden und Obervorschütz. Doch in einer anderen Version der Legende spielt der Erzengel Michael eine entscheidende Rolle in dem      er den Wurf mit seinem Schild stoppte, so dass der Stein bei Maden auf das Feld fiel. Aus diesem Grund werden die Löcher  im Stein auch als Abdrücke seiner Teufelskrallen gedeutet.
Der Fund einer neolithischen Siedlung zeigte, dass hier bereits früh eine rege Siedlungstätigkeit herrschte.

Gudensberg Merian

Gudensberg, MattäusMerian

Der markante Hüg- el mit der heutigen Obernburg mag mit ein entscheidender Grund für die Entstehung eines Zentrums an dieser Stelle gewesen sein. In der Literatur wird der Ortsname Gudensberg in einer Beziehung zum Name Wotansberg geseh- en. Dass auf dem Schlossberg tatsächlich ein Ort für die Verehr- ung des höchsten germanischen Gottes war, drückt auch das indogermanische Adverb `ud´ aus, das empor oder hinauf be- deutet. In der Tat musste der Ort von einer zentralen Bedeutung gewesen sein, denn die Entfernungen innerhalb eines Systems der Sonnenbobachtung hatten auch eine symbolische Bedeutung.
Wird hier die Entfernung mit vormetrischen Maßen verglichen, so zeigt sich dabei eine Auffälligkeit im Maß des megalithischen Yards. Dieses Maß wurde bereits in zahlreichen Abmessungen von Gebäuden aus der Epoche der Brandkeramiker nachgewiesen. Seinen Namen erhielt es durch den schottischen Ingenieur Alexander Thom, der es in zahlreichen Steinsetzungen aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. entdeckte. In der Tabelle der vormetr- ischen Maße die Rolf C.A. Rottländer zusammen mit anderen Wissenschaftlern entwickelte, misst das MY 0,8291m und weist  eine Varianz von +/- 0,9 mm auf. Umgerechnt in MY misst einer der beiden gleichlangen Schenkel des Dreieckes, die sich auf der Spitze des Schlossberges treffen, genau 10.000 MY. Die Ganzzahligkeit des Maßes offenbart die Symbolik der 10.   Die Zahl bildet die Summe der ersten vier Zahlen (1+2+3+4). und  wurde bereits in der Frühgeschichte als ein Zeichen der   Gesamtheit, der Vollkommenheit und Vollendung gesehen. Dabei ist nicht nur die austarierte Geometrie des Dreieckes von Interesse, sondern auch seine Lage bezüglich des Äquators. Nimmt man die Spitze als Ausgangspunkt der Betrachtung liegt sie bei einem Winkle von 51.1833 ° nördlicher Breite auf einem Großkreis der eine Länge von 24768km besitzt. Zur Äquatorlänge von 40075km verhält sie sich wie 34 zu 55. Die beiden Zahlen haben die Quersumme 7 und 10, wobei die 10 auch im Maß der Entfernung zwischen den Dreieckspunkten wieder auftaucht. In der antiken Planetenlehre entsprachen beide Zahlen auch den Planeten Mond und Erde. Die Bedeutung der  Zahl 34 ist aber weitaus komplexer als dies das heutige Zahlen- verständnis erahnen lässt. In der Antike galt sie auch als Zahl des Jupiter, denn die Ziffern 3 und 4 stehen für die Trinität und den Erdkreis. Wahrscheinlich war dies auch der Grund, weshalb die 34 bis ins Mittelalter Gegenstand zahlreicher magischer Quadrate war, wie sie auch Dürer in seinem Bild der Melancholia verewigte.

Dürer Melancholia

Das magische Quadrat ais Dürers biöd Melancholia

Legt man jedoch das um 500 v. Chr. in Griechenland auftauchende System der Tetraktys zugrunde erschließt sich eine weitere Bedeutung der 34. Werden die Zahlen 1 bis 10 in das System des Dreiecks übertragen, so entstehen in ihm 3 Ebenen, die symbolisch auf den dreiteiligen Aufbau des Kosomos hinweisen der vielen Mytholgien zugrunde liegt.
Dem dritte Punkt des Gudensberg Dreieckes war in der jüngeren Geschichte weniger Glück beschert. Nach der Aufgabe einer Ansiedlung aus der La Tène B Zeit auf dem Heiligenberg, wurde dort im frühen Mittelalter eine Allerheiligen Kapelle errichtet. Sie machte später einer Burg Platz, um deren Besitz sich die Landgrafen von Hessen mit den Erzbischöfen von Mainz strit- ten. Im Jahr 1232 wurde sie während eines Sturmes endgültig zerstört.

HeiligenburgHeiligenberg

Heiligenberg

Diese Zahlensymbolik dieses Dreieckes, in dem die Eder die Basis bildet, spricht wenig für eine Laune der Natur, sondern mehr für eine bewusst gestaltete Kultanlage Anlage an die auch der naheliegende Wartenberg angebunden war. Die Kenntnis darüber muss wohl Jahrtausende lang vorhanden gewesen sein, bis sie schließlich zum Herz des Landes Hessen wurde.

 

Bilder: Wikipedia/Wotansstein, Armin Schönewolf ,Wdwdbot /Blick von der Obernburg über Maden am Mader Steinnach Gensungen am Heiligenberg , Armin Schönewolf ,Wdwdbot / Obernburg, Magnus Manske) /Heiligenberg, Armin Schönewolf ,Wdwdbot /Simulöation, sunearthtools

Nächster Teil / Fluchtpunkt Wartenberg

Fritzlar und der Stuhl des Petrus

Dom Fritzlar1

Dom Fritzlar

Die Achse des Bauwerkes Domers in Fritzlar weicht kaum erkenn- bar um 5 Grad aus der Linie der Tag- und Nachtgleiche nach Nord- en abweicht und erfüllt so die landläufige Vorstellung von der strikten Ausrichtung von Kirchen in die Ost-Westrichtung. Den- noch lässt sich hier die Frage der Ostung von Kirchenbauten gut ergründen. Die Abweichung als Baufehler auszulegen, oder auf die Zwänge von Vorgängerbauwerken zu führen wäre zu vorschnell. Auch hier verrät die Ausrichtung , wie auch bei andren Kirchen viel über die Intentionen der Erbauer und die Geschichte des Ortes.
Einiges zum Verständnis des genius loci des Ortes trägt die Krypta bei, die unterhalb des Domes liegt . Sie stammt aus dem frühen 12. Jahrhundert und war ursprünglich dreischiffig angelegt. Heute besteht sie aus der Hauptkrypta, dem Grab des Hl. Wigbert und einer Seitenkrypta, in der eine Skulptur des Apostel Petrus auf  einem steinernen Thron sitzt.

Krypta Petrus

Petrus auf dem Thron

Wie der Missionar Bonifatius kam auch Wigbert aus England. Der Mönch, dessen Name übersetzt ` der Glänzende´ bedeutet, stam- mte aus dem angelsächsischen Kloster Glastonbury. Dort war er Schüler von Bonifatius. Von ihm wurde er auch als erster Abt und Schulvorsteher des neu gegründeten Benediktinerklosters in Fritzlar eingesetzt. Hier bildete Wigbert auch den Mönch Sturm- inius aus, der später ebenfalls Missionar wurde und das Kloster in Fulda gründete. Wigberts Attribute sind ein Stab in der rechten Hand, sowie ein Buch in der linken mit einer darauf liegenden Traube. Diese Traube geht zurück auf ein wundersames Ereignis das sich das sich während einer Messe zugetragen haben soll. Als bei der Messfeier einmal kein Wein vorhanden war, soll Wigbert der Erzählung zufolge nach einer Traube in einem imaginären Weinstock gegriffen haben, die er anschließend über dem Kelch ausgepresste. Aus einer noch nicht zerdrückten Beere, die er dann vor der Kirche in den Boden gesteckt haben soll, wurde dann ein mächtiger Weinstock. Nach langer Krankheit starb Wigbert in Fritzlar und hier ruhten auch lange Zeit seine Reliquien. Im Jahr 780 wurde dann der größte Teil in das neu gegründete Kloster in Hersfeld überführt.

Wigbert

Heiliger Wigbert

Auch der Apostel Petrus war als Missionar tätig und gelangte  den Überlieferungen zufolge bis nach Antiochia, dem heutigen Antakya in der Türkei. Dort wurde er im Jahr 42 Bischof der Stadt. Als deren Statthalter ihn ins Gefängnis werfen ließ, erreichte der mitreisende Paulus seine Freilassung auf Probe. Als es Petrus gelang den längst verstorbenen Sohn des Statthalters wieder zum Leben zu erwecken, ließ sich Theophilus bekehren. Damit alle den Apostel sehen und seine Worte hören konnten, setzte er ihn auf einen hohen Stuhl. Danach blieb Petrus sieben Jahre lang als Bischof in Antiochia und in dieser Zeit trafen sich die Gemeinden in einer Höhle oberhalb der Stadt. Die Höhle wird heute Petrusgrotte genannt und gilt als erste christliche Kirche. Heute ist in der Grotte ein weißer Steinaltar der Thron des Petrus zu sehen, die beide noch aus der Zeit des Apostels stammen sollen.

Petrusgrotte

Petrusgrotte

Dieser Stuhl diente auch als Name für eines der ältesten christlichen Feste, Cathedra Petri oder auch Petri Stuhlfest genannt. Mit diesem, in Rom ursprünglich am 18. Januar gefeierten Fest, gedachte die Kirche an die Übertagen des Hirtenamtes an Petrus und die Errichtung seines Bischofsstuhles (cathedra) in Rom. Auch in Gallien wurde dieses Fest am 18. Januar gefeiert, doch im Laufe  der Geschichte hatte es sich mit dem in Rom am 22. Februar statt- findenden Sesselmahl vermischt und dieses Datum gilt heute auch als offizieller Gedenktag für den Stuhl des Petrus. Mit ein Grund für diese zweite Datum liegt in der Tradition des römischen Toten- gedenkens begründet, denn die Zeit vom 13. bis zum 22. Februar waren den Tagen des Totenkultes vorbehalten. In der Zeit der Parentalia wurde den verstorbenen Eltern, `parentes´ und auch den anderen Familienvorfahren gedacht. Das Gedenken an die abgeschiedenen Seelen war ein eminent wichtiges und auch vielgestaltiges Thema in der römischen Religiosität. So begannen die Feiern mit einem mittäglichen Opfer, der vestalis maxima, und endeten am letzten Tag mit der Hauptfeier am 21. Februar, den feralia. Ovid schreibt dazu, dass an den Gräbern Gebete gesproch- en und zur Besänftigung der Totenseelen kleine Opfergaben, wie Kränze, Früchte, Salzkörner und weingetränktes Brot dargebracht wurden. Familienzwistigkeiten ruhten selbstverständlich in dies- en Tagen und bei den Feiern stand stets ein leerer Stuhl für die Ver- storb enen mit am Tisch. Da die Kirche diese Form des Totenge- denkens strikt ablehnte, wurde das Motiv des leeren Stuhles      einfach als Lehrstuhl oder Bischofsstuhl des Petrus umgedeutet.

Fritzlar Dom2

Ausrichtung  St. Peter in Fritzlar

Das Motiv mit Petrus auf dem Thron dient in Fritzlar auch zur Erklärung für die Winkelabweichung des Domes aus der Ostricht- richtung, denn sie resultiert aus den beiden Sonnenaufgangs-punkten, umgerechnet auf den Julianischen Kalender. Der erste Winkel resultiert aus dem Sonnenaufgang am Tag von Cathedra Petri und der zweite aus dem am 15.Mai, dem Tag als die Gebeine des heiligen Wigbert nach Fritzlar übertragen wurden. Durch diese Überlegung konnte die Kirche annähernd nach Osten ausgerichtet werden, was auch ihre städtebauliche Situation auf dem Domhügel unterstrich. Auch eine  Verbindung zum Heiligen- berg blieb gewahrt, denn innerhalb des Gudensberg Dreieckes ist  vom Domhügel aus dort der Sonnenaufgang während des Äqui- noktiums zu beobachten. Dieses Dreieck folgt aber nicht nur den Richtungen der Sommersonnenwende, sondern hat auch eine bemerkenswerte Abmessung. Umrechnet in Megalithische Yard, entsprechen zwei Seitenlängen dieses Dreieckes genau 10000 MY.

Gudensbergdreieck dt

Gudensberg Dreieck

 Bilder:Wikipedia, Dom Fritzlar, HubiB/ Innenansicht,Wogner / Petrus. Domgemeinde/Hl. Wigbert in St. Marien Burlo mit Traube und Weinfass,Günter Seggebäing Watzmann / Petrusgrotte,Rotatebot /Simulation sunearthtools

 

 

 

 

Hirschlanden, Arktur und die Sieben

krieger Hirschlanden KopieDer Krieger von Hirschlanden

Im Buch Himmel der Kelten wurde bereits ein Merkmal von Grabanlagen aus der Hallstatt- und La-Tène-Zeit dargestellt. Ihre Gruppierungen lassen sich als allegorische Bilder deuten die Fundstücke, eine Verwandtschaft  zu den Sagenzyklen der griechisch-römischen Mythologien aufweisen. Einen ähnlichen Gedanken kann man auch in der Zuordnung der beiden Hügel-gräber in Hochdorf und Hirschlanden entdecken das 1963 entdeckt wurde. Bekannt wurde der Fundort durch die in unmittelbare Nähe ge- fundene Sandsteinfigur eines unbekleideten Kriegers, dessen Standort auf der Kuppe des Grabhügels vermutet wird. Eine genauere Betrachtung des Ortes zeigt, dass er einst Teil eines übergeordneten Planes gewesen sein musste, denn als erstes fällt die Entfernung zum Fürstengrab in Hochdorf ins Auge.

hirschlanden planDas Hirschlandendreieck

Sie misst von den beiden Mittelpunkten aus 6227,4m. Eine Prüfung mit vormetrischen Maßen zeigt ein auffälliges ganzzahliges Vielfaches bei der Verwendung der Nippur Elle. Hier entspricht die Entfernung dem Maß von 12015 NE der durchschnittlichen Länge. Dabei ist der Fehler von 0,12 % immer noch geringer als die bislang bekannten Abweichung der Nippur Elle. Bei einem Maß der Nippur Elle von 0,5184m entspräche die Distanz dann exakt den 12000 Ellen. Die Lage bei Hirschlanden weist aber noch eine weitere geometrische Anomalie auf, denn in Bezug zum Grab in Hochdorf weicht sie um 1° vom Meridian ab. Aber nur so konnte der Ge- ländesporn auf dem die Ruine der Nippenburg steht in ein gleichschenk- liges Dreieck mit zwei Winkeln von 49° einbezogen werden. Die Burg wurde erstmal 1160 in einer Urkunde erwähnt und gilt als die älteste im Umkreis von Stuttgart.

Nippenburg Ruine KopieRuine Nippenburg

Sie wurde vermutlich zu beginn des 11.Jahrhunderts von einem örtlichen Adelsgeschlecht auf dem Bergsporn erbaut. Dieser Punkt auf dem die Nippenburg liegt ist nicht weit entfernt von einem dem Schnittpunkt zwei- er Sonnaufgangslinien die beide Grabanlagen ebenfalls verbinden. Der Aufgangspunkt der Wintersonnenwende, der von Hochdorf über der Lemberg bei Feuerbach zu sehen ist und der von Hirschlanden aus zu sehende Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende über der Anhöhe der Nippenburg. Als Ort der Sonnenbeobachtung hatte das Gelände um der Burg in der vorchristlichen Zeit also eine ganz andere Bedeutung. Dies wirft auch ein Licht auf den Namen, der wie viele zu jener Zeit, wie aus dem Nichts der Geschichte auftauchte. Im altdochdeutschen Wortschatz bedeutete nippen, mit kurz geöffneter Lippe, in kleinen abgesetzten Zügen schlürfen, oder auch ein wenig schlafen. Beides trifft als Bild auf die Anhöhe oberhalb des Glemstales zu, wo die Sonne nach einem kurzem Schlaf wieder auftauchte und in ihrem Pendelbogen die Richtung wechs- elte.
Wie die Entfernung die Symbolzahl 12 enthält, verweisen die Winkel mit 49° auf die Bedeutung der Zahl 7. Die auf die Zeit von 600 bis 450 datierte Errichtung der Anlage fällt mit dem Wirken der Schule der Pythagoreer zusammen. Sie sahen in der Zahl sieben ein Abbild des Universums. Sie stellt die Summe aus der göttlichen Trinität und der vier dar, dem Sinnbild der Erde mit ihren vier Himmelsrichtungen. Aber sie ist auch die Zahl des Aufstieges zum Zentrum. Am Himmel zeigt sich die 7 in den Plejaden ebenso wie in dem Götterwagen, dem Sternbild Ursa Major. Wie in den Sternen zeigt sich die Zahl auch im Rhythmus der Zeit. Als Teiler des Mondzyklus wie auch in der Anzahl der Wochentag.

Parmenides KopieRaffael, Parmenides in Die Schule von Athen

Wie der Makrokosmos durch die 7 geprägt wurde, so sah der Antike Philosoph Parimides auch den Aufbau der Seele von der 7 bestimmt.
Seiner Meinung zufolge bestand sie aus 7 Teilen, wobei die Wärme des Körpers den Embyro nach 7 Tagen ausbildete. Ein weitere Aspekt des Dreieckes ist seine Beziehung zum Hohenasperg, denn eine Verlänger- ung eines Winkelschenkels berührt das Plateau des Berges im südöst-lichen Teil. Am Morgen der Tag- und Nachtgleiche, dem vorchristlichen Schwellen- fest, war in dieser Richtung über dem Hohenasperg der hellste Stern aus dem Sternbild Bärenhüters zum letzten Mal zu sehen. Der Astronom Ptolemäus war er Überzeugung, dass der Stern Arktur mit seinem rötlich schimmernden Licht einen Jupiter- und Marscharakter auf den Menschen ausübte. Diese Kräfte sollen in ihm Hitze und Antrieb aus- lösen. Auch die Astronom- en der Chaldäer kannten Arktur bereits und nannten ihn den wachenden Boten, während er später in Arabien auch als Wächter des Himmels bezeichnet wurde. Mit seinem Auftauchen kündigte er in Mesopotamien das Ende der Regenzeit und den Beginn der Aussaat an. Arktur war also seit frühester Zeit ein Leitstern für die ländliche Bevölk-erung.

BootesSternbild Bärenhüter

Einmal mehr zeigt auch das Beispiel Hirschlanden dass dem Bezug zum Hohenasperg zu dieser Zeit eine ganz andere Bedeutung beigemessen wurde, als dies die Forschung heute sieht. Die ihm heute zugeschriebene Funktion eines Fürstensitzes führt im Grunde nur die Sicht des Mittelalters fort, wo Burgen als Adelssitze dienten. Nicht nur das Beispiel der Nippen- burg zeigt, dass im frühen Mittelalter Burgen an den Orten errichtet wurden wo sich einst spirituelle Zentren befanden. Deren Nimbus nutzte der auf- strebende Adel für seine neue Namen. Dass es der Blick zum Hohen-asperg war, der den Grund für seinen Namen lieferte, soll die Betrachtung des Fürstengrabes von Hochdorf zeigen.

Bilder: Wikipedia, Parmenides / tomisti/ Nippenburg /Harke- CC BY-SA 3.0 Simulation: Stellarium, sunearthtool

Das Bild der Gottheit

Im Jahr 1838 entdeckte der Archäologe E. Paulus in der Nähe von Holz- gerlingen eine Statue. Die doppelgesichtige Skulptur, deren Arme wie ein Rahmen den Oberkörper umschließen, wurde aus gelblich grauem Stub- ensandstein hergestellt. Paulus selbst sagte über seinen Fund: ´… entd- eckte man im Jahre 1838 auf dem Schützenbühl bei Holz-gerlingen ein überaus merkwürdiges, räthselhaftes Denkmal ältester Bildhauerarbeit,  die colossale Statue eines Götzen mit Janusartigem Doppelkopfe. Das- selbe ist 8′ hoch, aus grobkörnigem Keupersandstein (Stubensandstein) äußerst roh gearbeitet; seltsam sind die weit über den Kopf hinaus- ragenden Ohren, von denen sich übrigens nur eines noch erhalten hat.´

holzgerlingen zeichnungStele von Holzgerlingen

Diese von Paulus als Ohren bezeichneten Ausbuchtungen werden heute als stilisierte Blattkrone gedeutet obwohl ihre Geometrie mehr einer Gloriole gleicht, die ab dem 5. Jhd. v. Chr. als Attribut antiker Gottheiten auftauchte. Als Vergleich gibt es nur wenige ähnliche Statuen gibt wie die vom Glauberg. Auf Grund formaler Unterschiede vermuten Archäologen deshalb, dass es sich hier nicht um das Abbild eines Fürsten handelt, sondern um das Bildnis einer nicht näher bestimmten Gottheit. Eine Analyse der Proportion scheint diesen Gedanken zu bestätigen. Mit einer Länge von 230cm entspricht das Maß der Skulptur der 8-fachen Länge des vormetrischen Baumaßes von 0.2879m.

Holzgerlingen PlanStatue mit Proportionen

Der aus der Nippur Elle entstandene Nippur Fuß mit einer Länge von 0,2764m ist ein Teilmaß des bislang ältesten dokumentierten Maßstabes. Er wurde zunächst in 16 Fingerbreiten, den digiti geteilt, bis er in Meso- potamien mit 12 Teilen verwendet wurde. Von dort aus gelangte er über Handelsstraßen in den Osten, wo aber im dekadischen System gerechnet wurde. Dort wandelte er sich zum Erdfuß mit einer 10-er Teilung und einer Länge von 0,2307m. Auch bei den vormetrischen Maßen gab es eine Tendenz immer längere Maßstäbe zu verwenden. Aus dem ursprünglichen Nippur-Fuß entstand durch 16Teilung eine Fingerbreite von 1.4398 cm. Bei der Rückwanderung des Maßstabes wurde daraus das pygon mit 20 Einheiten und einer Länge von 0.2879m Dieses Maß war auch noch bis ins Mittelalter als Längenmaß gebräuchlich. Mit diesem Maß lässt sich nun die Proportion der Figur in ganzzahligen Verhältnissen beschreiben. Dabei steht der Durchmesser des Kopfes in einem Verhältnis von 11/100, zwei Zahlen die mit ihrer symbolischen Bedeutung auf eine Gottheit verweisen.

Nippur ElleDer Vierkant der Nippur Elle

Erst die christliche Religion macht die 11 zu einem Symbol der Unvoll- kommenheit und der Sünde. Dieser Makel der 11, unvollständig zu sein,  im Schatten der zahl 12 zu stehen, hat wohl auch astronomische Gründe. In einer Zeit in der für die exakte Kalenderberechnung der Lauf des Mondes und der Sonne aufeinander abgestimmt werden mussten sind, diese 11 Tage die Differenz von Sonnen- und Mondjahr.  So fehlten nach einem Zyklus von 19 Mondjahren immer 209 Tage oder 7 Monate mit je 30 Tagen die durch Schaltjahre ausgeglichen werden mussten. Doch im pythagor- eischen Zahlensystem wo mit der 11 die Ganzheit der ersten 10 Zahlen überschritten wird deutet sich die geistige Dimension der Proportion an.   In der 11 taucht die 1 als das Symbol des Uranfanges gleich zweimal auf, doch als Quersumme erhält sie die 2 nach der Lehre des Pythagoras ist dies die erste weibliche Zahl. Zugleich ist die 2 das Symbol der Dualität, aber auch die des Gleichgewichtes. Dieser Verweis auf eine geistige Ebene taucht auch in den Zahlenwerten von Runenschriften auf. So hatte die 11. Wikingerrune die Bedeutung Sieg und das vergleichbar german- ische Zeichen die Bedeutung Sonne. Diese Zuschreibungen sind keines- falls nur in der nordischen Schrift enthalte, sondern ihre Geometrie und auch ihr Inhalt gleichen dem Tetraktyssystem der pythagoreischen Schule um 500 v. Chr. Die begriff Sieg und Sonne als Symbole für die Überwind- ung des Geistes.

Lebensbaum KopieDer Lebensbaum

Dieses Motiv der Überwindung erscheint auch in der Zahl 11 des Lebens- baumes. Er besteht aus 10 Sphären, auch Sefiroth genannt, wobei es noch eine zusätzliche gibt, Da’ath, die Sefirah ohne Zahl. In fast allen Kulturkreisen ist dieser Lebensbaum das Symbol des Mikro- und des Makrokosmos, ebenso verkörpert er das Prinzip des Universums wie den des inneren Menschen ist. In dieser Gestalt ist er eine „Landkarte“, zum Verständnis des Seins. Mit diesen zehn Sefiroth, sowie dem ohne Zahl sind 32 Pfade der Weisheit verbunden. Der Ursprung dieser in der Kabbala zusammengefassten Weisheit ist unklar, aber sie dürften auf die Mysterienkulte Ägyptens zurückzuführen sein, ebenso wie auch auf Ein- flüsse ostasiatischer Religionen. Schriftlich erwähnt wurden sie zum ersten mal im `Buch der Schöpfung´ das im 3, Jhd. n. Chr. in Palästina entstanden ist.

Kritios KnabeKritios Knabe  um 480 v. Chr.

Am Ende stellt sich dann doch die Frage, wie trotz der engen Handels- beziehungen keltischer Völker zum mediterranen Raum dieser Unter- schied im bildnerischen Gestalten zustandekommen konnte. Deshalb erscheint die Figur auch den eisenzeitlichen Skulpturen Sardiniens näher zu stehen als denen des 4. Jahrhunderts Vielleicht war die Stele von Holzgerlingen doch der Überrest einer wesentlich älteren Kultur Kultur, ähnlich den geschnitzten Holzfiguren gotischer Altäre die wir heute noch besitzen.

Stele SardinienSardinien, Stele aus der Bronzeit

Fotos: Wikipedia/Ana al’ain

Der Runde Berg – ein Sonnenkalender

Runder BergDer Runde Berg bei Bad Urach

Der Runde Berg erhebt sich zwischen zwei Wasserfällen ungefähr 250m über ein Seitental bei Bad Urach, Sein Plateau hat damit fast die Höhe des ihn umgebenden Albrandes. Bereits 1897 wurde der Berg als archäolog- isches Denkmal aufgeführt, wobei zu dieser Zeit der Landeskonservator Eduard Pauls auf dem Plateau noch eine Opferstätte vermutete. Doch neue Überlegung die auch auf den Gedanken des Tübinger Historikers Heinrich Dannenbauer gründeten, sahen in dem Berg einen Fürstensitz. Im Gegensatz zu der in der Romantik entstandenen Vorstellung von ger- manischen Stämmen als Verbände von Freien sah Dannenbauer eine Gesellschaft die von Adligen regiert wurde.
Eine Grabungskampagne, die von 1967 bis 1984 dauerte, führte zahlreiche Funde zu Tage die ein detaillierteres Bild der Besiedelung ermöglichten
Sie ergaben dass das Plateau seit dem frühen Neolithikum genutzt wurde, doch erst ab der frühen Bronzezeit wurde es für längere Zeit dauerhaft genutzt. Nach einer längeren Epoche ohne Nutzung wurde der Berg um 550 v. Chr. erneut besiedelt ehe die Anlage um 400 v. Chr. zerstört wurde. Erst ab dem 2.Jahrhundert n. Chr. sind dort wieder neue Siedlungsspuren zu erkennen.
Auf dem Kalksteinplateau wurden bei den Grabungen zahlreiche Vertief- ungen von Pfostenhäusern und einer einem Wall aus Doppelpfosten ge- funden. Obwohl sich die Vertiefungen zur Einspannung der Holzpfosten auf Grund zeitlicher Überschneidung nur schwer einzelnen Gebäuden zuzuordnen waren, war dennoch der Umriss eines größeres Gebäudes unübersehbar. Dieses  Bauwerk, mit einer Fläche von 20m Länge und 9m, Breite bildete das Zentrum der Anlage. Archäologen sehen das Gebäude als Indiz für den dort vermuteten alemannischen Fürstensitz, doch eine geometrische Analyse des Plateaus zeigt dass die Einschätzung von E.Paulus der einstigen Funktion des Runden Berges wohl am nächsten kam. Bereits die Ausrichtung des langgestreckten Bergkammes auf den Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende zeigt, dass sich der Name Rund nicht aus seinerForm entwickelt haben kann. Nur von Bad Urach aus, wo die abgerundete Frontsicht auch die besten Aufnahmen ergibt, erscheint er auch tatsächlich abgerundet. Betrachtet man die von den Archäologen freigelegte Grundrissstruktur der Anlage, scheint sie auf den ersten Blick dem Verlauf der Landschaft zu folgen.
Doch bei genauerer Betrachtung war dies genau umgekehrt. Während die West- und die Ostseite der Befestigung der Richtung der großen Mond- wende Nord folgen, sind die Seiten der schräg zulaufenden Spitze, sowie des westlichen Abschlusses, auf Sonnenaufgangspunkte am 1.Februar und den 1.Mai ausgerichtet. .Durch diese perfekte angelegte Geometrie erschließt sich nun auch der eigentliche Zweck des Gebäudes auf dem Runden Berg.

Runder Berg Plan1Ausrichtung des Walles nach Sonnen – und Mondrichtungen

Mit seiner Ausrichtung auf den Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende ist es durchaus vergleichbar mit einem auf dem Mont Lassois liegenden Gebäude. Bekannt wurde die keltische Ansiedlung bei Chatillon-sur-Seine im burgundischen Dép. Côte d’Or. Durch die in den 50-er Jahren erfolgte Entdeckung des Grabes der Madame von Vix. Das zentrale Gebäude dieser Anlage auf dem Mont Lassois war ein Apsidengebäude mit einer Länge von 35m und einer Breite von 15m. Dort sollen zwei Tore den Blick nach Nordosten freigegeben haben. Auch hier ist die Blickrichtung auf ein Ereignis am Himmel abgestimmt. Neben einer möglichen Ausrichtung auf einen Sonnenaufgangspunkt gibt es noch eine wesentlich eindeutigere Erklärung, die Ausrichtung auf den Aufgangspunkt des Sternbildes Jung- frau während der Wintersonnenwende.

Mont Lassois Apsidengebäu KopieMont Lassois, Apsidengebäude

Die Ausrichtung auf die Sommersonnenwende, verbunden mit den beid- en seitlich liegenden Wasserfällen machten den Berg schon seit jeher zu einem einzigartigen Platz für einen Kultort. Durch weitere Visurpunkte, wie zum 1. Mai auf den Felsen des Schloßberges Hohenurach oder zur Som- mersonnen wende auf den westlich gelegenen Galgenberg war es auf dem Runden Berg möglich, das Jahr ähnlich einem Speichenrad, in 8 Abschnitte zu unterteilen.

Dieses Rad das in einem Bildnis des Gottes Taranis überliefert ist, wird  als Sonnensymbol. gedeutet. Vor ungefähr 2500 Jahren tauchte das Symbol im Hind uismus auf, wo als Lebensrad und als Sinnbild der Lehre Buddhas verkörpert, der damit das Rad der Lehre in Bewegung setzte. Mit diesem Symbol würde sich jezt auch der tiefer Sinn des Namens Runder Berg als ein Kultort erschließen.

Hirschkühe  Speichenrad KopieSpeichenrad mit Hirschkühen

Fotos:wikipedia/ustill/CC-BY-SA-2.0/ bcl3top.rz.uni-kiel.de

Jerusalem – Tochter Zion

Die aktuellen Anschläge in Jerusalem, die einhergehen mit wachsender Gewalt zwischen Juden und Palästinensern, zwingen zum Nachdenken über die Hintergründe der Stadt. Alle drei monotheistischen Religionen beanspruchen Jerusalem als ihre heilige Stadt. Deshalb ist auch kaum ein Ort so oft zerstört und anschließend wieder neu aufgebaut worden, Paradoxerweise heißt der Name auf Hebräisch `Jeruschalajim´, d. h. Wohnung des Friedens. Siedlungsspuren sind im Stadtgebiet ab dem 4.Jahrtausend nachweisbar, doch eine Erwähnung findet der Ort erst in ägyptischen Dokumenten des 18. Jhd.´s v. Chr. Dort wird er als Auschamen oder Ruschalimum bezeichnet. Dieser Name soll wahr- scheinlich.auf den vermuteten Gott Schalim“ zurückgehen, der in den kanaanitische Götterlisten als Gottheit der Abenddämmerung geführt wird. Er gilt als eigentlicher Patron der Stadt.

Ölberg auf elsendom 19. Jhd Georg Macco                                    Georg Macco, Jerusalem im 19. Jahrhundert

Diese Identifizierung geht auf den Archäologen und Orientalisten William Albright zurück. Er sah Šalim, mit dem auch der Gruß Shalom verwandt ist, als Gottheit der Abenddäm- merung. Als Gegenpart war ihm seine Schwester Šaḥar der Göttin der Morgendämmer- ung zugeordnet. Beide Gottheiten verweisen auf die Venus als Abend- und Morgenstern. Deshalb sind für John Gray sowohl Šaḥar als auch Šalim als eine Gottheit zu sehen, die durch die Venus verkörpert wurden.

Venus Genetrix 02                                                Venus Genetrix; Flroenz Uffizien

Durchaus ähnlich wurde sie später als `Venus genetrix´ auch als Stammmutter des römischen Volkes betrachtet. Besonders das Geschlecht der Julier bezog sich in seiner Abstammungslegende auf sie. Dass der Ursprung Jerusalems nicht auf eine männliche Gottheit sondern in Wirklichkeit auf eine Frau zurückzuführen ist zeigt sich schon in der personifizierenden Bezeichnung der Stadt als Tochter Zion (בת ציון). Die ältere Forschung sieht hier noch einen symbolischen Heilstitel des jüdischen Volkes, doch die neuere Forschung sieht in dem Name Tochter Zion eine eigene metaphorische Qualität die nicht nur mit bestimmte Motive, Formen und Inhalte verbindet, sondern auch einen spezifischen theologischen Aussagewillen erkennen lässt.
Belege für diese Personifikation finden sich in den Prophetenbüchern. Hier sind es zum einen Texte in den Klagen zum Ausdruck kommen, wo Jerusalem als leidendes Kriegs-opfer, Witwe und verlassene Mutter bezeichnet wird. Aber es gibt auch Texte, die die Stadt als Abtrünnige, Hure oder auch als Ehebrecherin beschreiben Noch heute hat das Wort Stadt in vielen Sprach ein weibliches Geschlecht, eine Tradition die zurückgeht bis zu den Ursprüngen der ersten Stadtgründungen im Zweistromland. In den Sprachen des west- semitischen Raumes wie im Hebräischen ist das Wort weiblichen Geschlechts. Weibliche Titel und sprachliche Zusätze wurden dort als Ausdruck der Verehrung gesehen. Wie es scheint, wurde der Stadt, deren Schutz einer Stadtgöttin übertragen wurde, auch göttliche Eigenschaften zugewiesen .
Doch auf Grund des Mangels von aussagekräftigen Belegen bleibt es offen, wie zu dieser Zeit das Verhältnis zwischen der Stadt und ihrer Stadtgöttin tatsächlich gesehen wurde. Ikonographische Quellen, sowie zahlreiche Münzen deuten jedenfalls daraufhin, dass eine personifizierende Darstellung von Städten mittels weiblicher Titel und Eigenschaften wie `Hohe Frau´, `Heilige´ oder ´Mutter´ zumindest möglich und in dieser Region vielerorts auch geläufig war.

Jerusalem Modell                                               Jerusalem mit Tempel, Modell

Wie die ägyptischen Texte zeigen, begann die dokumentierte Siedlungsgeschichte Jerusalems im frühen 2. Jahrtausend v. Chr. Herrschersitz wurde die Stadt um 1000 v. Chr. Durch die Eroberung König Davids, der die damals jebusitische Stadt zu seiner Residenz machte. Mit phönizischer Hilfe baute sein Nachfolger Salomo den Tempel auf dem Tempelberg Sion, dem heiligen Berg Israels, als dem festen Wohnsitz Gottes. Die Stadt wurde 586 v. Chr. durch Nebukadnezar zerstört, ab 538 v. Chr. von den Juden wiederbesiedelt, und 515 v. Chr. War der Aufbau des zweiten Tempels war beendigt. Der wurde durch Herodes d.Gr. monumental ausgebaut und nach Aufständen gegen die römische Besatzungsmacht zwischen 70 und 135 n. Chr. Erneut zerstört. Danach entstand hier ein Jupiterheiligtum.

Jerusalem Plan1                                                     Jerusalem, das Urbild

Auch am Grundriss Jerusalems zeigt sich, dass das Bild der Schutzmacht auf den Boden zu übertragen ist. Er kann als Mischung exakter Übertragung ähnlich wie in Philae und gleichzeitig als allegorisches Bild der Präfiguration  biblischer Ereignisse interpretiert werden. Während die Jungfrau am Morgen aufsteigt weist ihre Hand auf den Tempel, während die Andere mit der Kornähre über dem Gebiet des Grabes Jesu liegt. Das in Babylon entstandene Symbol der Fruchtbarkeit und Ernte steht nun im übertragenen Sinn für die Frucht des neuen Glaubens. Gegen Abend liegt sie umgekehrt und markiert die Ostgrenze mit dem Tempel. Jetzt liegt der hellste Stern Spica im Tal Kidron. Im Glauben von Christen und Juden soll das Jüngste Gericht direkt vor dem Goldenen Tor im Kidrontal stattfinden, gleichsam die letzte große Ernte der Menschheit. Damit kann der Grundriss der Stadt als eine gebaute Präfiguration der kommenden Geschichte angesehen werden

Grabmal Abschalom Kidrontal                                             Kidrontal, Grabmal des Abschalom

Maria wird von den drei großen Weltreligionen verehrt. Auch die 21 Sure des Korans be- richtet wie die heilige Schrift von einer Jungfrauengeburt. Dort bringt sie ihren Sohn unter ihrem Symbol, der Palme, als Isa bin Maryam zur Welt. `Und der, die ihre Keuschheit wahrte, hauchten Wir von Unserem Geist ein und machten sie und ihren Sohn zu einem Zeichen für die Welten´. Die Bilder zeigen wie sich im Lauf der Jahrtausende die Heilser-wartung an den Ort in ein kollektives Gedächtnis eingegraben haben und jede Religion die Deutungshoheit darüber beansprucht. Der Friede, dessen Name die Stadt ja verkörpert, kann also erst eintreten wenn dieser Heilsanspruch aufgegeben wird und endlich die ge- meinsamen Wurzeln der drei Religionen erkannt werden, die ja auf einer Reihe minimaler Unterschiede theologischer Streitigkeiten beruhen.

Tragisch wäre es, wenn die im Grundriss Jerusalems angelegte Präfiguration der Ge- schichte durch Menschenhand gewaltsam herbeigeführt würde. Diese Sehnsucht nach Erfüllung eines alten Planes ist eng mit dem Heilsversprechen verknüpft das Theologen selbst erschaffen haben. Aber diese `letzte Ernte´, das Jüngste Gericht im Kidrontal, auf die die Ähre der Jungfrau am Spätnachmittag hinweist, würde aber auch das Ende der drei mono-theistischen Religion bedeuten. Aber vielleicht ist dies auch ein unabänderlicher Zyklus auf den die Kornähre im Kidrontal hinweist, der den alten Baumeistern noch durch- aus bewusst war. So war bisher mit jedem Sternbildwechsel im Frühlingspunkt auch ein Paradigmenwechsel der Religion verbunden. Also müssen wir noch ungefähr 200 Jahre warten, bis der nächste Wechsel des Frühlingspunktes in das Sternbild Wassermann ein ganz natürliches Ende der drei Religionen herbeiführt.

Sternbild Wassermann

Philae, Europa und Rosetta

Philea Landeeinheit                                          Philea auf Komet 67/P – Fotomontage

Am 15. November, kurz nach 1 Uhr MEZ erloschen vorerst die Hoffnungen dass die Sonde Philae funktionsfähig arbeiten würde Nun liegt sie zur Seite gekippt im Schatten einer Ge- steinsformation des Kometen 67P. Damit können ihre Solarzellen keinen Strom mehr produzieren. Hält der anspruchsvolle Name was seine Symbolik verspricht, könnte die Sonde aber eines Tages wieder zu neuem Leben erwachen. Der Name Philae, der über- setzt `Haus des Anfangs´ bedeutet, bezeichnet eine durch das Wasser des Assuan-dammes überflutete Insel im Nil.

Philea David Roberts 1838                                              David Roberts, Philae um 1836

Bekannt wurde sie durch die große Tempelanlage die Isis und Osiris geweiht war. Erst im 6. Jhd. nach Chr. wurde dort der Kult der Isis auf Befehl des römischen Kaisers Justinian I verboten. Den Priestern wurde dann der Zutritt zu dem Heiligtum verboten und die Anlage in eine Kitche umgewandelt, die dem heiligen Stephanus geweiht wurde. Stephanus gilt heute als der erste christlicher Märtyrer, der vom hohen Rat in Jerusalem zum Tode verurteilt wurde. Im Osiris Mythos ist die Insel Philae der Ort an dem Isis das Herz ihres Mannes entdeckte, nach dem ihn sein Bruder Seth zerstückelt und über das ganze Land verteilt hatte Als sie mit Hilfe ihrer Schwester Nephthys den Leichnam zusammensetzen konnte entschwand Osiris ins Jenseits und Isis gebar den Knaben Horus. Nach der römischen Eroberung verbreitete sich dieser Kult im gesamten Imperium und Isis wurde auch hier als Göttin der Fruchtbarkeit, der Liebe und der Erlösung verehrt. Im Laufe der Zeit erhielt Isis zahlreiche Namen. Sie war die Liebreiche Mutter, die thronende Göttin, Sancta Regina die Himmelskönigin, die Gnadenspenderin, die Unbefleckte, aber auch die Mater Dolorosa die den toten Sohn beweint. Damit nahm sie alle Bezeichnungen der späteren Maria vorweg. Mit dem Titel Himmelskönigin trägt sie auch den Namen des Urbildes aller Göttinnen weiter, den der sumerischen Göttin Ištar. Sie war die wichtigste Göttin die als Morgen und Abendstern verehrt wurde. In Babylon wurde Ištar als Göttin aller Göttinnen verehrt. Sie war die Herrin aller Häuser und die Führerin des Menschenge- schlechts.

Philea Tempel Isis                                                    Isis Tempelanlage heute

Neben der Venus, die sie verkörperte war aber auch das Sternbild Jungfrau ihr Symbol. Als Heiligtum der Himmelskönig musste wohl auch der Ort Philae diesem Umstand Rech- nung tragen und einen besonderen Umriss erhalten. Was lag also näher, als die Anlage im Verlangen eine Harmonie zwischen Himmel und Erde herzustellen, nach den Sternen ihres Himmelssymbols umzugestalten. Ähnlich wie bereits am Beispiel von Palmyra aus- geführt dienten auch hier zwei Positionen des Sternbildes dazu, den Umriss, sowie die Lage der wichtigsten Gebäude zu markieren.

philae Plan 1

Bodenhimmel von Philae

Der Name der Sonde Philae ist nicht von ungefähr imit einer langen Tradition verbunden die einst bei den Sumerern begann, denn auch die Fahne Europas trägt diesem Umstand Rechnung. Ihre 12 Sterne entstammen dem Sternenkranz der neuen Himmelskönigin Maria und das Blau des Hintergrundes von ihrem Mantel, dem im Mittelalter entstandenen Schutzmantelmotiv. Ganz im Sinne dieser Tradition beendete Philae am Morgen eines 15. Wochentages seine Arbeit und hielt sich damit exakt an die Fünfzahl, dem Symbol der Venus, der einstigen Göttin Ištar, der alten Himmelskönigin.

FlaggeIsis Maria                                    Isis mit dem Horusknaben / Maria mit Kind

 

Simulation mit Stellarium, Fotos wikipedia/blueshade / Flora Myftori

Mythos Externsteine

Externsteine van Lennep 1663                              Externsteine: kupferstich von Elias van Lennep ,1863

Das Beispiel der Mittagsscharte zeigte wie die Gesteinsformation, für die Zeitmessung in einer begrenzten Epoche genutzt werden konnte. Natürlich hätte dies auch einfacher be- werkstelltigt werden können, doch schon die Größen der um 5000 v. Chr. entstandenen Kreisgrabenanlagen in Mitteldeutschland weisen auf einen weiteren Aspekt der Zeitmes- sung hin. Der pragmatsiche Ansatz im Lehrgedicht `Werk und Tage´ des griechischen Dichters Hesiod weist  auf die Verbindung der Zeitbestimmung zur landwirtschaftlichen Tätigkeiten hin, doch diese waren immer auch mit religiösen Riten verknüpft, die auch Macht und Prestige ausdrückten.

Externsteine See                                              Wiembecketeich und Externsteine

Mit der gleichen Methode kann auch eines der umstrittensten Gesteinsformationen be- trachtet werden, die Exzernsteine im Teuteburger Wald.Auch hier weist das Erschein- ungsbild der Gesteinswand innerhalb der saxonischen Gebirgsbildung geometrische Ano- malien auf die in dieser Form kaum alle natürlichen Ursprungs sind. Auf Grund der Verwit- teungsbeständigkeit des Gestein sollten im Umfeld eigentlich ähnliche Formationen zu erwarten sein. Auch die lineare Anordnung bis zum See deutet eine bestimmte Absicht an. Auch deshalb drängt sich hier der Gedanke auf, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt ein die Optik störendes Umfeld weiterer Gesteinstürme beseitigt wurde. Vergleicht man ähn- liche Sandsteinformat- ionen, wie die im Bryce Canyon, so sind diese meist in Gruppen angeordnet.

Bryce canyon1                                                              Bryce Canyon

Dass Monumente nicht immer gebaut werden müssen, sondern auch im Umkehrver- fahren aus dem Stein herausgearbeitet werden können, zeigen die Beispiele der Labilla Kirchen in Äthiopien.In Teilen der Felsen sind Bearbeitungsspuren aus unterschiedlichen Zeiten zu erkennen. Die wichtigsten Veränderung die bislang nachweislich von Menschen erschaffen wurden, sind im Grottenfelsen und im Turmfelsen zu sehen. Am Rande einer Feuerstelle in einer Grotte gefundene Zeichen wurden 1881 von Carl Dewitz als Runen- zeichen beschrieben. Diese Beschreibung wurde in der Folgezeit von anderen Forschern auch als Binderune oder auch als Yulzeichen interpretiert. Sie dienten der ab dem 19 .Jahrhundert erwachten Begeisterung für das germanische Erbe als Beweis einer Kult- stätte zur Sonnenbeobachtung. Inzwischen konnte der Astronom Burkhard Steinrücken von der Sternwarte Recklinghausen durch eine umfangreiche Studie nachweisen, dass die Öffnung in der Turmkammer durchaus für Bestimmungen von Sonnenwende geeignet ist.

Externsteine Plan1                                              Sternpeilung von den Externsteinen

Doch diese Beobachtung des Sonnenuntergangspunktes aus der Turmnische dürfte  ganz am Ende einer langen Geschichte astronomsicher Beobachtungen bie den Externsteine gestanden haben. Wie die Mittagsscharte uaf dem Untersberg,  gibt die Steinreihe eine ideale Peilrichtung vor, die hier zusammen mit dem Licht des Sonnen-unterganges gesehen werden kann. Auf dem Wasser konnten ideale Marken angelegt werden um Jahr für Jahr das gleiche Maß der ersten Sonnenstrahlen bestimmen zu können, während vom Turm aus der entsprechende Stern angepeilt werden konnte. Er musste in einer Fluchtrichtung bei 313°Nord-West liegen und unter einem bestimmten Winkel über dem Horizont stehen der heute nur geschätzt werden kann.

spiegelung Wasser                                            Sonnenspiegelung auf dem Wasser

Da erste Siedlungsspuren hier schon kurz nach dem Ende der letzten Eiszeit doku- mentiert sind, könnte dieses Phänomen als bereits sehr früh erkannt worden sein. Um 10.500 v. Chr konnte während der Wintersonnenwende in dieser Richtung Deneb, der hellste Stern aus dem Sternbild Schwan angepeilt werden. Er bildet mit Wega und Altair auch das Sommerdreieck. Im Zeitraum um 5600 v. Chr. war zum gleichen Zeitpunkt dann der Stern Vega zusehen und mit dem Stern Arktur um um 800 v. Chr. Der musste bereits unter einem flacheren Winkel angepeilt werden. Auch zu dieser Ziet wurden wieder Siedlungsspuren nachgewiesen. Somit ist gut vorstellbar dass dieses Monument auch dem Ende der Peilmöglichkeit jahrtusendelang verlassen wurde. Nach dem Stern Arktur gab es keine weiteren gleich hellen Sterne mehr, die zeitgleich mit dem Sonnenuntergang die Peilachse durchliefen. Die so verloren Funktion der Steinreihe musste nun durch eine direkte Peilung ersetzt werden und das Wissen über den einstigen Zweck der Extern-steine geriet in Vergessenheit.  Wahrscheinlich änderte sich damit auch insgesamt die Blickrichtung hin zum Äquinoktium, dessen Linie bei dem Ortsteil Bellenberg auf zwei auffällige Geländeformationen trifft. Trotz des Bruches mit den Tradtitionen verbindet das Kreuzabnahmerelief mit seinen Proportionen die alte Zahlenmystik mit dem neuen Glaube.

Simulation mit Stellarium / Fotos: Wikipedia/Janericloebe

Das Maß des Sonnenwagens

Im Jahr 1902 wurden in einen Moor bei Trundholm in der dänischen Provinz Seeland mehrere Teile eines Miniaturwagens, sowie eines kleinen Pferdes gefunden. Aus ihnen ließ sich das Ensemble rekonstruieren das als Sonnenwagen von Trundholm Geschichte machte. Die bestimmenden Elemente der Plastik aus dem 14. Jahrhundert. v. Chr. sind die vergoldete Scheibe mit ihrem Dekor und das kleine Pferd, die beide ein auf Räder stehendes Gespann bilden.

Trundholm Moor                                            Fundort 1902,  Moor bei Trundholm

Dieses Motiv, einer von Pferden gezogenen Sonne, die ein Wagenlenker über den Himmel zieht findet sich in vielen Mythologien. Eine der bekanntesten unter ihnen ist die Legende des griechischen Sonnengottes Helios, dessen Aufgabe darin bestand, den von 4 Heng- sten gezogenen Sonnenwagen über den Himmel zu lenken. Nur einmal soll es bei dieser Fahrt zu einem Unglück gekommen sein, als der Sohn des Helios, Phaethon, den Son- nenwagen seines Vaters stiehlt und selbst das Gespann über den Himmel lenkt. Schon bald gerät der Wagen mit dem unerfahrenen Lenker außer Kontrolle und stürzt Erde in eine Katastrophe, die der römische Schriftsteller Ovid mit dramatischen Worten be- schreibt: `Die Erde geht in Flammen auf, die höchsten Gipfel zuerst, tiefe Risse springen auf, und alle Feuchtigkeit versiegt. Die Wiesen brennen zu weißer Asche; die Bäume werden mitsamt ihren Blättern versengt, und das reife Korn nährt selbst die es verzehr- ende Flamme… Große Städte gehen mitsamt ihren Mauern unter, und die ungeheure Feuersbrunst verwandelt ganze Völker zu Asche.“

Sonnenwagen                                                  Sonnenwagen im Museum

Zeus, der von der Erdgöttin Gaia zu Hilfe gerufen wurde , zerstört den Wagen mit einem Blitz worauf Pheathon getötet wird und in den Fluss Eridanus stürzt.. Der amerikanische Autor Immanuel Velikovsky sah in dieser Erzählung einen Hinweis darauf, dass sich in der Bronzezeit eine globale Katastrophe ereignet hatte. Er interpretierte die außer Kontrolle geratene Sonne als den Zusammenprall der Erde mit einem Meteor der bei seinem Auf- prall die Erdachse ins Trudeln brachte. Im Wagen von Trundholm taucht die Sonne als direktes Bild in der Scheibe und als abstraktes Motiv in den Vierspeichenrädern auf. Sie entsprechenden dem in Nord- und Mitteleuropa weit verbreiteten Motiv des Rad- oder auch Sonnenkreuzes..Dieses ist in Petroglyphen oder Steinsetzungen der Jungsteinzeit ebenso zu finden, wie in zahlreichen Funden der Bronzezeit. Mit den beiden gekreuzten Linien ver- eint es die Darstellung der vier Himmelsrichtungen, ebenso wie die Unterteilung des Tages in zwei Abschnitte. Hier zeigt es den Sonnenlauf während des Tages und den während der Nacht,  in der die Sonne in den damaligen Vorstellungen eine Unterwelt durchlaufen musste. Doch nicht die astronomische Interpretation der Scheibe soll hier im Mittelpunkt stehen, sondern das verwendete Maß. Unter Archäologen finden Maße und Proportionen heute kaum Beachtung, obwohl in diesen das Wissen und die Vorstellungen einer Kultur weit besser codiert sind als in vielen Fundstücken.

Pferd mit Maßen                                                     Maße des Sonnenwagens

Die Gesamtlänge der Plastik beträgt 59,6cm. Wenn der Wagen nach einer Maßordnung gestaltet wurde, bildet die Scheibe den Ausgangspunkt der Betrachtung. Sie hat einen Durchmesser von 26,4cm. Setzt man als Kreiszahl die von Appollonius von Perga aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. überlieferten Werte von 3.1416 an ergibt dies einen Umfang von 82.938cm. In der Reihe vormetrischer Maße entspricht dieser Betrag dem von dem schottischen Ingenieur Thom gefundenen Megalithischen Yard. Thom ermittelte dabei eine Spreizung vom 82,7s cm bis 82.94cm. Ein viertel dies Maßes, also 20,735cm steht ab wiederum im Verhältnis von 5/2 zu dem aus Babylon überlieferten Maß der Nippur Elle. Auch das Pferd entspricht diesem Maßsystem, denn seine Länge von 59,6cm steht im Verhältnis 18/13 zum Megalithischen Yard.. Nur seine Höhe von 18, 5cm, die im Verhältnis 2/9 zum Megalitischen Yard steht, ist eine geringfügige Abweichung von 1,5 % zum Ideal- maß festzustellen. Das Mittel des von Alexander Thom festgestellten Maßes beträgt 82,85 cm. Ein Maß das auf den ersten blick willkürlich erscheint. Da das Megalithische Yard dem Umfang der Scheibe entspricht lohnt sich ein Vergleich mit dem Erdumfang. Hier zeigt es sich, dass es vor lange vor der Bestimmung des Urmeters als 10-Millionsten Teil eines Viertelquadranten des Erdumfanges schon andere vergleichbare Längenmaßfestlegungen gab. Mit einer möglichen Definition von 48 Millionen Teilen des Umfanges weicht das Megalithische Yard nur um 0.16% vom Heute gemessen Wert ab. Somit könnte der Wert 48, also 6×8, nicht nur ein Hinweis auf das in dieser zeit verwendete Hexagesimalsystem sein, sondern auch einen Einblick in die damaligen Vorstellungen vom Aufbau des Kosmos geben. Weit mehr noch ist die Proportionsordung des Sonnenwagens ein Hin- weis darauf, dass schon frühe Kulturen eine Vorstellung von der Kugelgestalt der Erde hatten und der Meter nur ein weiterer Entwicklungsschritt der Menschheit war.

Eine Erklärung für die Zahl 48 wäre sie als Produkt der Zahlen 8 und 6 zu sehen, die beide einer symbolischen Bedeutung unterliegen. Die Zahl 6 verbindet als kleinste vollkommene Zahl die Zeitrechnung mit der Gradzahl des Erdkreises, während 8 in alten Mythologien für ein Gleichgewicht und die Vollendung einer Zeit steht. Innerhalb der platonischen Körper ist der Hexaeder, oder auch Würfel mit seinen 6 Seiten ein Symbol der Erde. Mit Hilfe von Achsen und Punkte bietet er 48 Möglichkeiten die Figur auf sich selbst abzubilden. Damit liefert das symbolische Bild der Erde als platonischer Körper eine weitere Erklärung für den Teiler 48 der zum Megalithischen Yard führte.

Der Untersberg – ein Kalenderphänomen Teil 2

In einer Zeit als es noch keine mechanischen Uhren gab waren die Menschen auf die exakte Beobachtung von Aufgängen der Sonne und denen von Sternbildern angewiesen um wesentliche Zeitpunkte des Jahres exakt bestimmten zu können. Dabei war es ent- scheidend dass beide Vorgänge zeitlich zueinander in Bezug gesetzt werden konnten. Diese Kenntnis die Lage von Sternbildern bestimmen zu können muss im europäischen Raum schon innerhalb der Epoche des Aurignacien, also während der letzten Eiszeit entstanden sein. Eine Untersuchung der französischen Ethnologin und Astronomin Chantal Jègues-Wolkiewiez zu den Tierdarstellungen in der Höhle von Lascaux vermittelt dazu einen guten Überblick.

Lascaux Tierdarstellung           Lascaux, Tierdarstellung um 17.0000 v. Chr als Sternbilder Stier und Zwilinng

Überlieferungen wie in früheren Zeiten der Zeitpunkt für den Wechsel der Jahreszeiten zeitlich bestimmt wurde gibt es bereits aus sumerischer Zeit. Jedes Land besaß auf Grund unterschiedlicher Klimata eigene Zeitpunkte, doch die Echdaten wie die Sonnenwenden oder die Äquinoktien waren überall gleich. Im römischen Reich wurde nur zwischen Sommer und Winter unterschieden, eine Einteilung die der keltischen ähnlich war. Dabei richtete sich aber die landwirtschaftliche Tätigkeit im Wesentlichen nach dem Aufgangszeitpunkt von Sternen. Erste Überlieferungen dazu, in denen astronomischen Erkenntnisse in Bezug zur landwirtschaftlichen Tätigkeit gesetzt wurden, stammen von dem griechischen Schriftsteller und Ackerbauren Hesiod der im 8. Jahrhundert v. Chr. lebte.

Hesiod Schriftsteller                                                                 Hesiod

Mit den beiden Werken Ilias und Odysee von Homer, gelten Hesiods Schriften heute als die Hauptquellen für das Wissen über die griechische Mythologie, sowie das Alltagsleben jener Zeit. Durch seine Schriften gilt Hesiod auch als der Begründer des diaktischen Epos in dem Dichtkunst und Anweisungen zu einer ertragreichen Landwirtschaft zusammen-flossen

Bei seinen Anweisungen zur Aussaat und Ernte unterschied Hesiod folgende Phasen: Den Beginn des Frühjahrs bestimmte er mit dem Spätaufgang des Sternes Arktur, dem hellsten Stern aus dem Sternbild des Bärenhüters. Er stieg damals 60 Tage nach der Win- terwende über dem Horizont auf. Die Erntezeit sah Hesiod beim Frühaufgang der Ple- jaden, die zusammen mit der Sonne aufstiegen und analog dazu bestimmte er die Ernte- zeit mit deren Untergang zusammen mit der Sonne. Daran anschließend sah Hesiod die Dreschzeit des Korns, die er auf den Frühaufgang des Orion legte. Das Jahr endet in Hes- iods Darstellung mit der Wintersaat, die mit dem Frühuntergang der Plejaden, der Hyaden oder des Orion einsetzte. Ähnliche Überlegungen existierten aber mit Sicherheit schon seit dem Beginn der Landwirtschaft.

Das Siedlungsgebiet der Alpen hatte seit dem plötzlichen Ende der Eiszeit ein wechsel-haftes Klima hinter sich, das sich aber ab 3150 v. Chr. wieder deutlich verbesserte und dessen Temperaturdurchschnittswerte teilweise über denen von heute lagen. Bei der Be- stimmung von Kalenderpunkten am Untersberg ist das bereits im letzten Artikel beschrieb- ene Dreieck mit dem Ettenberg, dem Eckberg sowie dem Ochsenberg genauer zu be- trachten, denn es weist schon durch die Rechtwinkligkeit und die Seitenverhältnisse auf die Besonderheit des Ortes hin. Betrachtet man nun den Lauf der Sternbilder und der Sonne, kommt nicht nur den drei Bergen eine unterschiedliche Funktion zu, sondern dann lässt sich auch der Zweck der Mittagsscharte erkennen. Nur vom Eckberg aus konnte zeitgleich ein Ereignis beobachtet werden, das den Lauf der Sterne und der Sonne zuein- ander in Bezug setzte.

Ettenberg Mittagsscharte                                                       Das Ettenbergdreieck

Um 2200 v.Chr., als genau jener Epoche, in der die beim Fuderheuberg beschriebene Straubinger Kultur die Landschaft besiedelte, tauchte während des Sonnenaufgangs der Sommersonnenwende der Stern Arktur aus dem Sternbild Bärenhüter in der Mittags- scharte auf. Arktur ist der hellste Stern des Nordhimmels und der dritthellste des ge- samten Himmels. Während der Stern durch de Scharte wanderte, stieg die Sonne über den Visurpunkt des Hochzinkens auf. Damit konnte ein eindeutiges Ereignis ermittelt werden, das für die Zeitrechnung von entscheidender Bedeutung war. Auch im Name des Ochsenberges ist noch seine ursprüngliche Bedeutung zu erkennen. Vom Ettenberg aus ist hier der Sonnenaufgang zum 1. Mai zu erkennen, dem heutigen Fest Maria Königin. In diesem Fest hat sich ein Brauch aus dem keltisch irischen Fest Beltaine bis Heute erhalten, denn an diesem Tag ziehen festlich geschmückte Ochsen den Maipfahl zum Platz des Maifestes.

Ettenberg Kirche                                              Wallfahrtskirche Maria Ettenberg

Bereits der erste Artikel über den Untersberg wies auf die geometrische Anomalie der Scharte hin. War sie als geologische Formation auch nur zum Teil vorhanden, so war auch die weitere Ausformung zu einem Dreieck eine große Herausforderung für die damalige Zeit, in der Symbolik und Zeitmessung miteinander verbunden wurden.

Simulation mit:stellarium – Sonnenstandspositionen / volker-quaschning.de/datserv