Das Gudensberg Dreieck – die Wiege Hessens

Gudensberg Dreieck2

Ganz in der Nähe der Spitze des Gudensberg Dreieckes liegt eines der zahlreichen Megalithdenkmale die in der Region um Fritzlar zu finden sind: der Wotansstein. Der bearbeitete Stein ist im Boden verankert worden und ragt knapp 2 Meter in die Höhe. Sein Standort  liegt in unmittelbarer Nähe zur Spitze des Schlossberges bei Gudensberg, der den nördlichen Punkt des Dreieckes besetzt.

WodansteinMaden

Wotansstein

Dessen Stadtteil Maden gilt als einer der ältesten Orte Hessens und war einmal Mittelpunkt des Chattenlandes, einem Volks- stamm der zwischen der Fulda und dem Oberlauf der Lahn seinen Siedlungsschwerpunkt hatte. Ob es sich bei dem Ort um den von Tacitus in seinen Werk Germania beschriebenen chattischen Hauptort `Mattium´ handelt, ist nicht zweifelsfrei zu belegen. Nordöstlich des Wotansteines liegt die Basaltkuppe Maderstein, der auf der östlichen Seite des Gudenberg Dreieckes liegt, wo die Länge zwischen dem Schlossberg und dem östlich gelegenen Heiligenberg im Verhältnis 1 zu 5 teilt.

MaderStein

Blick von der Obernburg über Maden am Mader Stein nach Gensungen am Heiligenberg

Ein Sage bringt den Stein mit dem Teufel in Verbindung, denn der wollte die von Bonifatius in Fritzlar errichtete Kirche mit dem Stein zerschmettern. Da ihm aber der Stein beim Wurf im Ärmel hängen blieb, fiel er auf das Feld zwischen Maden und Obervorschütz. Doch in einer anderen Version der Legende spielt der Erzengel Michael eine entscheidende Rolle in dem      er den Wurf mit seinem Schild stoppte, so dass der Stein bei Maden auf das Feld fiel. Aus diesem Grund werden die Löcher  im Stein auch als Abdrücke seiner Teufelskrallen gedeutet.
Der Fund einer neolithischen Siedlung zeigte, dass hier bereits früh eine rege Siedlungstätigkeit herrschte.

Gudensberg Merian

Gudensberg, MattäusMerian

Der markante Hüg- el mit der heutigen Obernburg mag mit ein entscheidender Grund für die Entstehung eines Zentrums an dieser Stelle gewesen sein. In der Literatur wird der Ortsname Gudensberg in einer Beziehung zum Name Wotansberg geseh- en. Dass auf dem Schlossberg tatsächlich ein Ort für die Verehr- ung des höchsten germanischen Gottes war, drückt auch das indogermanische Adverb `ud´ aus, das empor oder hinauf be- deutet. In der Tat musste der Ort von einer zentralen Bedeutung gewesen sein, denn die Entfernungen innerhalb eines Systems der Sonnenbobachtung hatten auch eine symbolische Bedeutung.
Wird hier die Entfernung mit vormetrischen Maßen verglichen, so zeigt sich dabei eine Auffälligkeit im Maß des megalithischen Yards. Dieses Maß wurde bereits in zahlreichen Abmessungen von Gebäuden aus der Epoche der Brandkeramiker nachgewiesen. Seinen Namen erhielt es durch den schottischen Ingenieur Alexander Thom, der es in zahlreichen Steinsetzungen aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. entdeckte. In der Tabelle der vormetr- ischen Maße die Rolf C.A. Rottländer zusammen mit anderen Wissenschaftlern entwickelte, misst das MY 0,8291m und weist  eine Varianz von +/- 0,9 mm auf. Umgerechnt in MY misst einer der beiden gleichlangen Schenkel des Dreieckes, die sich auf der Spitze des Schlossberges treffen, genau 10.000 MY. Die Ganzzahligkeit des Maßes offenbart die Symbolik der 10.   Die Zahl bildet die Summe der ersten vier Zahlen (1+2+3+4). und  wurde bereits in der Frühgeschichte als ein Zeichen der   Gesamtheit, der Vollkommenheit und Vollendung gesehen. Dabei ist nicht nur die austarierte Geometrie des Dreieckes von Interesse, sondern auch seine Lage bezüglich des Äquators. Nimmt man die Spitze als Ausgangspunkt der Betrachtung liegt sie bei einem Winkle von 51.1833 ° nördlicher Breite auf einem Großkreis der eine Länge von 24768km besitzt. Zur Äquatorlänge von 40075km verhält sie sich wie 34 zu 55. Die beiden Zahlen haben die Quersumme 7 und 10, wobei die 10 auch im Maß der Entfernung zwischen den Dreieckspunkten wieder auftaucht. In der antiken Planetenlehre entsprachen beide Zahlen auch den Planeten Mond und Erde. Die Bedeutung der  Zahl 34 ist aber weitaus komplexer als dies das heutige Zahlen- verständnis erahnen lässt. In der Antike galt sie auch als Zahl des Jupiter, denn die Ziffern 3 und 4 stehen für die Trinität und den Erdkreis. Wahrscheinlich war dies auch der Grund, weshalb die 34 bis ins Mittelalter Gegenstand zahlreicher magischer Quadrate war, wie sie auch Dürer in seinem Bild der Melancholia verewigte.

Dürer Melancholia

Das magische Quadrat ais Dürers biöd Melancholia

Legt man jedoch das um 500 v. Chr. in Griechenland auftauchende System der Tetraktys zugrunde erschließt sich eine weitere Bedeutung der 34. Werden die Zahlen 1 bis 10 in das System des Dreiecks übertragen, so entstehen in ihm 3 Ebenen, die symbolisch auf den dreiteiligen Aufbau des Kosomos hinweisen der vielen Mytholgien zugrunde liegt.
Dem dritte Punkt des Gudensberg Dreieckes war in der jüngeren Geschichte weniger Glück beschert. Nach der Aufgabe einer Ansiedlung aus der La Tène B Zeit auf dem Heiligenberg, wurde dort im frühen Mittelalter eine Allerheiligen Kapelle errichtet. Sie machte später einer Burg Platz, um deren Besitz sich die Landgrafen von Hessen mit den Erzbischöfen von Mainz strit- ten. Im Jahr 1232 wurde sie während eines Sturmes endgültig zerstört.

HeiligenburgHeiligenberg

Heiligenberg

Diese Zahlensymbolik dieses Dreieckes, in dem die Eder die Basis bildet, spricht wenig für eine Laune der Natur, sondern mehr für eine bewusst gestaltete Kultanlage Anlage an die auch der naheliegende Wartenberg angebunden war. Die Kenntnis darüber muss wohl Jahrtausende lang vorhanden gewesen sein, bis sie schließlich zum Herz des Landes Hessen wurde.

 

Bilder: Wikipedia/Wotansstein, Armin Schönewolf ,Wdwdbot /Blick von der Obernburg über Maden am Mader Steinnach Gensungen am Heiligenberg , Armin Schönewolf ,Wdwdbot / Obernburg, Magnus Manske) /Heiligenberg, Armin Schönewolf ,Wdwdbot /Simulöation, sunearthtools

Nächster Teil / Fluchtpunkt Wartenberg

Der Runde Berg – ein Sonnenkalender

Runder BergDer Runde Berg bei Bad Urach

Der Runde Berg erhebt sich zwischen zwei Wasserfällen ungefähr 250m über ein Seitental bei Bad Urach, Sein Plateau hat damit fast die Höhe des ihn umgebenden Albrandes. Bereits 1897 wurde der Berg als archäolog- isches Denkmal aufgeführt, wobei zu dieser Zeit der Landeskonservator Eduard Pauls auf dem Plateau noch eine Opferstätte vermutete. Doch neue Überlegung die auch auf den Gedanken des Tübinger Historikers Heinrich Dannenbauer gründeten, sahen in dem Berg einen Fürstensitz. Im Gegensatz zu der in der Romantik entstandenen Vorstellung von ger- manischen Stämmen als Verbände von Freien sah Dannenbauer eine Gesellschaft die von Adligen regiert wurde.
Eine Grabungskampagne, die von 1967 bis 1984 dauerte, führte zahlreiche Funde zu Tage die ein detaillierteres Bild der Besiedelung ermöglichten
Sie ergaben dass das Plateau seit dem frühen Neolithikum genutzt wurde, doch erst ab der frühen Bronzezeit wurde es für längere Zeit dauerhaft genutzt. Nach einer längeren Epoche ohne Nutzung wurde der Berg um 550 v. Chr. erneut besiedelt ehe die Anlage um 400 v. Chr. zerstört wurde. Erst ab dem 2.Jahrhundert n. Chr. sind dort wieder neue Siedlungsspuren zu erkennen.
Auf dem Kalksteinplateau wurden bei den Grabungen zahlreiche Vertief- ungen von Pfostenhäusern und einer einem Wall aus Doppelpfosten ge- funden. Obwohl sich die Vertiefungen zur Einspannung der Holzpfosten auf Grund zeitlicher Überschneidung nur schwer einzelnen Gebäuden zuzuordnen waren, war dennoch der Umriss eines größeres Gebäudes unübersehbar. Dieses  Bauwerk, mit einer Fläche von 20m Länge und 9m, Breite bildete das Zentrum der Anlage. Archäologen sehen das Gebäude als Indiz für den dort vermuteten alemannischen Fürstensitz, doch eine geometrische Analyse des Plateaus zeigt dass die Einschätzung von E.Paulus der einstigen Funktion des Runden Berges wohl am nächsten kam. Bereits die Ausrichtung des langgestreckten Bergkammes auf den Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende zeigt, dass sich der Name Rund nicht aus seinerForm entwickelt haben kann. Nur von Bad Urach aus, wo die abgerundete Frontsicht auch die besten Aufnahmen ergibt, erscheint er auch tatsächlich abgerundet. Betrachtet man die von den Archäologen freigelegte Grundrissstruktur der Anlage, scheint sie auf den ersten Blick dem Verlauf der Landschaft zu folgen.
Doch bei genauerer Betrachtung war dies genau umgekehrt. Während die West- und die Ostseite der Befestigung der Richtung der großen Mond- wende Nord folgen, sind die Seiten der schräg zulaufenden Spitze, sowie des westlichen Abschlusses, auf Sonnenaufgangspunkte am 1.Februar und den 1.Mai ausgerichtet. .Durch diese perfekte angelegte Geometrie erschließt sich nun auch der eigentliche Zweck des Gebäudes auf dem Runden Berg.

Runder Berg Plan1Ausrichtung des Walles nach Sonnen – und Mondrichtungen

Mit seiner Ausrichtung auf den Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende ist es durchaus vergleichbar mit einem auf dem Mont Lassois liegenden Gebäude. Bekannt wurde die keltische Ansiedlung bei Chatillon-sur-Seine im burgundischen Dép. Côte d’Or. Durch die in den 50-er Jahren erfolgte Entdeckung des Grabes der Madame von Vix. Das zentrale Gebäude dieser Anlage auf dem Mont Lassois war ein Apsidengebäude mit einer Länge von 35m und einer Breite von 15m. Dort sollen zwei Tore den Blick nach Nordosten freigegeben haben. Auch hier ist die Blickrichtung auf ein Ereignis am Himmel abgestimmt. Neben einer möglichen Ausrichtung auf einen Sonnenaufgangspunkt gibt es noch eine wesentlich eindeutigere Erklärung, die Ausrichtung auf den Aufgangspunkt des Sternbildes Jung- frau während der Wintersonnenwende.

Mont Lassois Apsidengebäu KopieMont Lassois, Apsidengebäude

Die Ausrichtung auf die Sommersonnenwende, verbunden mit den beid- en seitlich liegenden Wasserfällen machten den Berg schon seit jeher zu einem einzigartigen Platz für einen Kultort. Durch weitere Visurpunkte, wie zum 1. Mai auf den Felsen des Schloßberges Hohenurach oder zur Som- mersonnen wende auf den westlich gelegenen Galgenberg war es auf dem Runden Berg möglich, das Jahr ähnlich einem Speichenrad, in 8 Abschnitte zu unterteilen.

Dieses Rad das in einem Bildnis des Gottes Taranis überliefert ist, wird  als Sonnensymbol. gedeutet. Vor ungefähr 2500 Jahren tauchte das Symbol im Hind uismus auf, wo als Lebensrad und als Sinnbild der Lehre Buddhas verkörpert, der damit das Rad der Lehre in Bewegung setzte. Mit diesem Symbol würde sich jezt auch der tiefer Sinn des Namens Runder Berg als ein Kultort erschließen.

Hirschkühe  Speichenrad KopieSpeichenrad mit Hirschkühen

Fotos:wikipedia/ustill/CC-BY-SA-2.0/ bcl3top.rz.uni-kiel.de

Jerusalem – Tochter Zion

Die aktuellen Anschläge in Jerusalem, die einhergehen mit wachsender Gewalt zwischen Juden und Palästinensern, zwingen zum Nachdenken über die Hintergründe der Stadt. Alle drei monotheistischen Religionen beanspruchen Jerusalem als ihre heilige Stadt. Deshalb ist auch kaum ein Ort so oft zerstört und anschließend wieder neu aufgebaut worden, Paradoxerweise heißt der Name auf Hebräisch `Jeruschalajim´, d. h. Wohnung des Friedens. Siedlungsspuren sind im Stadtgebiet ab dem 4.Jahrtausend nachweisbar, doch eine Erwähnung findet der Ort erst in ägyptischen Dokumenten des 18. Jhd.´s v. Chr. Dort wird er als Auschamen oder Ruschalimum bezeichnet. Dieser Name soll wahr- scheinlich.auf den vermuteten Gott Schalim“ zurückgehen, der in den kanaanitische Götterlisten als Gottheit der Abenddämmerung geführt wird. Er gilt als eigentlicher Patron der Stadt.

Ölberg auf elsendom 19. Jhd Georg Macco                                    Georg Macco, Jerusalem im 19. Jahrhundert

Diese Identifizierung geht auf den Archäologen und Orientalisten William Albright zurück. Er sah Šalim, mit dem auch der Gruß Shalom verwandt ist, als Gottheit der Abenddäm- merung. Als Gegenpart war ihm seine Schwester Šaḥar der Göttin der Morgendämmer- ung zugeordnet. Beide Gottheiten verweisen auf die Venus als Abend- und Morgenstern. Deshalb sind für John Gray sowohl Šaḥar als auch Šalim als eine Gottheit zu sehen, die durch die Venus verkörpert wurden.

Venus Genetrix 02                                                Venus Genetrix; Flroenz Uffizien

Durchaus ähnlich wurde sie später als `Venus genetrix´ auch als Stammmutter des römischen Volkes betrachtet. Besonders das Geschlecht der Julier bezog sich in seiner Abstammungslegende auf sie. Dass der Ursprung Jerusalems nicht auf eine männliche Gottheit sondern in Wirklichkeit auf eine Frau zurückzuführen ist zeigt sich schon in der personifizierenden Bezeichnung der Stadt als Tochter Zion (בת ציון). Die ältere Forschung sieht hier noch einen symbolischen Heilstitel des jüdischen Volkes, doch die neuere Forschung sieht in dem Name Tochter Zion eine eigene metaphorische Qualität die nicht nur mit bestimmte Motive, Formen und Inhalte verbindet, sondern auch einen spezifischen theologischen Aussagewillen erkennen lässt.
Belege für diese Personifikation finden sich in den Prophetenbüchern. Hier sind es zum einen Texte in den Klagen zum Ausdruck kommen, wo Jerusalem als leidendes Kriegs-opfer, Witwe und verlassene Mutter bezeichnet wird. Aber es gibt auch Texte, die die Stadt als Abtrünnige, Hure oder auch als Ehebrecherin beschreiben Noch heute hat das Wort Stadt in vielen Sprach ein weibliches Geschlecht, eine Tradition die zurückgeht bis zu den Ursprüngen der ersten Stadtgründungen im Zweistromland. In den Sprachen des west- semitischen Raumes wie im Hebräischen ist das Wort weiblichen Geschlechts. Weibliche Titel und sprachliche Zusätze wurden dort als Ausdruck der Verehrung gesehen. Wie es scheint, wurde der Stadt, deren Schutz einer Stadtgöttin übertragen wurde, auch göttliche Eigenschaften zugewiesen .
Doch auf Grund des Mangels von aussagekräftigen Belegen bleibt es offen, wie zu dieser Zeit das Verhältnis zwischen der Stadt und ihrer Stadtgöttin tatsächlich gesehen wurde. Ikonographische Quellen, sowie zahlreiche Münzen deuten jedenfalls daraufhin, dass eine personifizierende Darstellung von Städten mittels weiblicher Titel und Eigenschaften wie `Hohe Frau´, `Heilige´ oder ´Mutter´ zumindest möglich und in dieser Region vielerorts auch geläufig war.

Jerusalem Modell                                               Jerusalem mit Tempel, Modell

Wie die ägyptischen Texte zeigen, begann die dokumentierte Siedlungsgeschichte Jerusalems im frühen 2. Jahrtausend v. Chr. Herrschersitz wurde die Stadt um 1000 v. Chr. Durch die Eroberung König Davids, der die damals jebusitische Stadt zu seiner Residenz machte. Mit phönizischer Hilfe baute sein Nachfolger Salomo den Tempel auf dem Tempelberg Sion, dem heiligen Berg Israels, als dem festen Wohnsitz Gottes. Die Stadt wurde 586 v. Chr. durch Nebukadnezar zerstört, ab 538 v. Chr. von den Juden wiederbesiedelt, und 515 v. Chr. War der Aufbau des zweiten Tempels war beendigt. Der wurde durch Herodes d.Gr. monumental ausgebaut und nach Aufständen gegen die römische Besatzungsmacht zwischen 70 und 135 n. Chr. Erneut zerstört. Danach entstand hier ein Jupiterheiligtum.

Jerusalem Plan1                                                     Jerusalem, das Urbild

Auch am Grundriss Jerusalems zeigt sich, dass das Bild der Schutzmacht auf den Boden zu übertragen ist. Er kann als Mischung exakter Übertragung ähnlich wie in Philae und gleichzeitig als allegorisches Bild der Präfiguration  biblischer Ereignisse interpretiert werden. Während die Jungfrau am Morgen aufsteigt weist ihre Hand auf den Tempel, während die Andere mit der Kornähre über dem Gebiet des Grabes Jesu liegt. Das in Babylon entstandene Symbol der Fruchtbarkeit und Ernte steht nun im übertragenen Sinn für die Frucht des neuen Glaubens. Gegen Abend liegt sie umgekehrt und markiert die Ostgrenze mit dem Tempel. Jetzt liegt der hellste Stern Spica im Tal Kidron. Im Glauben von Christen und Juden soll das Jüngste Gericht direkt vor dem Goldenen Tor im Kidrontal stattfinden, gleichsam die letzte große Ernte der Menschheit. Damit kann der Grundriss der Stadt als eine gebaute Präfiguration der kommenden Geschichte angesehen werden

Grabmal Abschalom Kidrontal                                             Kidrontal, Grabmal des Abschalom

Maria wird von den drei großen Weltreligionen verehrt. Auch die 21 Sure des Korans be- richtet wie die heilige Schrift von einer Jungfrauengeburt. Dort bringt sie ihren Sohn unter ihrem Symbol, der Palme, als Isa bin Maryam zur Welt. `Und der, die ihre Keuschheit wahrte, hauchten Wir von Unserem Geist ein und machten sie und ihren Sohn zu einem Zeichen für die Welten´. Die Bilder zeigen wie sich im Lauf der Jahrtausende die Heilser-wartung an den Ort in ein kollektives Gedächtnis eingegraben haben und jede Religion die Deutungshoheit darüber beansprucht. Der Friede, dessen Name die Stadt ja verkörpert, kann also erst eintreten wenn dieser Heilsanspruch aufgegeben wird und endlich die ge- meinsamen Wurzeln der drei Religionen erkannt werden, die ja auf einer Reihe minimaler Unterschiede theologischer Streitigkeiten beruhen.

Tragisch wäre es, wenn die im Grundriss Jerusalems angelegte Präfiguration der Ge- schichte durch Menschenhand gewaltsam herbeigeführt würde. Diese Sehnsucht nach Erfüllung eines alten Planes ist eng mit dem Heilsversprechen verknüpft das Theologen selbst erschaffen haben. Aber diese `letzte Ernte´, das Jüngste Gericht im Kidrontal, auf die die Ähre der Jungfrau am Spätnachmittag hinweist, würde aber auch das Ende der drei mono-theistischen Religion bedeuten. Aber vielleicht ist dies auch ein unabänderlicher Zyklus auf den die Kornähre im Kidrontal hinweist, der den alten Baumeistern noch durch- aus bewusst war. So war bisher mit jedem Sternbildwechsel im Frühlingspunkt auch ein Paradigmenwechsel der Religion verbunden. Also müssen wir noch ungefähr 200 Jahre warten, bis der nächste Wechsel des Frühlingspunktes in das Sternbild Wassermann ein ganz natürliches Ende der drei Religionen herbeiführt.

Sternbild Wassermann

Mythos Externsteine

Externsteine van Lennep 1663                              Externsteine: kupferstich von Elias van Lennep ,1863

Das Beispiel der Mittagsscharte zeigte wie die Gesteinsformation, für die Zeitmessung in einer begrenzten Epoche genutzt werden konnte. Natürlich hätte dies auch einfacher be- werkstelltigt werden können, doch schon die Größen der um 5000 v. Chr. entstandenen Kreisgrabenanlagen in Mitteldeutschland weisen auf einen weiteren Aspekt der Zeitmes- sung hin. Der pragmatsiche Ansatz im Lehrgedicht `Werk und Tage´ des griechischen Dichters Hesiod weist  auf die Verbindung der Zeitbestimmung zur landwirtschaftlichen Tätigkeiten hin, doch diese waren immer auch mit religiösen Riten verknüpft, die auch Macht und Prestige ausdrückten.

Externsteine See                                              Wiembecketeich und Externsteine

Mit der gleichen Methode kann auch eines der umstrittensten Gesteinsformationen be- trachtet werden, die Exzernsteine im Teuteburger Wald.Auch hier weist das Erschein- ungsbild der Gesteinswand innerhalb der saxonischen Gebirgsbildung geometrische Ano- malien auf die in dieser Form kaum alle natürlichen Ursprungs sind. Auf Grund der Verwit- teungsbeständigkeit des Gestein sollten im Umfeld eigentlich ähnliche Formationen zu erwarten sein. Auch die lineare Anordnung bis zum See deutet eine bestimmte Absicht an. Auch deshalb drängt sich hier der Gedanke auf, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt ein die Optik störendes Umfeld weiterer Gesteinstürme beseitigt wurde. Vergleicht man ähn- liche Sandsteinformat- ionen, wie die im Bryce Canyon, so sind diese meist in Gruppen angeordnet.

Bryce canyon1                                                              Bryce Canyon

Dass Monumente nicht immer gebaut werden müssen, sondern auch im Umkehrver- fahren aus dem Stein herausgearbeitet werden können, zeigen die Beispiele der Labilla Kirchen in Äthiopien.In Teilen der Felsen sind Bearbeitungsspuren aus unterschiedlichen Zeiten zu erkennen. Die wichtigsten Veränderung die bislang nachweislich von Menschen erschaffen wurden, sind im Grottenfelsen und im Turmfelsen zu sehen. Am Rande einer Feuerstelle in einer Grotte gefundene Zeichen wurden 1881 von Carl Dewitz als Runen- zeichen beschrieben. Diese Beschreibung wurde in der Folgezeit von anderen Forschern auch als Binderune oder auch als Yulzeichen interpretiert. Sie dienten der ab dem 19 .Jahrhundert erwachten Begeisterung für das germanische Erbe als Beweis einer Kult- stätte zur Sonnenbeobachtung. Inzwischen konnte der Astronom Burkhard Steinrücken von der Sternwarte Recklinghausen durch eine umfangreiche Studie nachweisen, dass die Öffnung in der Turmkammer durchaus für Bestimmungen von Sonnenwende geeignet ist.

Externsteine Plan1                                              Sternpeilung von den Externsteinen

Doch diese Beobachtung des Sonnenuntergangspunktes aus der Turmnische dürfte  ganz am Ende einer langen Geschichte astronomsicher Beobachtungen bie den Externsteine gestanden haben. Wie die Mittagsscharte uaf dem Untersberg,  gibt die Steinreihe eine ideale Peilrichtung vor, die hier zusammen mit dem Licht des Sonnen-unterganges gesehen werden kann. Auf dem Wasser konnten ideale Marken angelegt werden um Jahr für Jahr das gleiche Maß der ersten Sonnenstrahlen bestimmen zu können, während vom Turm aus der entsprechende Stern angepeilt werden konnte. Er musste in einer Fluchtrichtung bei 313°Nord-West liegen und unter einem bestimmten Winkel über dem Horizont stehen der heute nur geschätzt werden kann.

spiegelung Wasser                                            Sonnenspiegelung auf dem Wasser

Da erste Siedlungsspuren hier schon kurz nach dem Ende der letzten Eiszeit doku- mentiert sind, könnte dieses Phänomen als bereits sehr früh erkannt worden sein. Um 10.500 v. Chr konnte während der Wintersonnenwende in dieser Richtung Deneb, der hellste Stern aus dem Sternbild Schwan angepeilt werden. Er bildet mit Wega und Altair auch das Sommerdreieck. Im Zeitraum um 5600 v. Chr. war zum gleichen Zeitpunkt dann der Stern Vega zusehen und mit dem Stern Arktur um um 800 v. Chr. Der musste bereits unter einem flacheren Winkel angepeilt werden. Auch zu dieser Ziet wurden wieder Siedlungsspuren nachgewiesen. Somit ist gut vorstellbar dass dieses Monument auch dem Ende der Peilmöglichkeit jahrtusendelang verlassen wurde. Nach dem Stern Arktur gab es keine weiteren gleich hellen Sterne mehr, die zeitgleich mit dem Sonnenuntergang die Peilachse durchliefen. Die so verloren Funktion der Steinreihe musste nun durch eine direkte Peilung ersetzt werden und das Wissen über den einstigen Zweck der Extern-steine geriet in Vergessenheit.  Wahrscheinlich änderte sich damit auch insgesamt die Blickrichtung hin zum Äquinoktium, dessen Linie bei dem Ortsteil Bellenberg auf zwei auffällige Geländeformationen trifft. Trotz des Bruches mit den Tradtitionen verbindet das Kreuzabnahmerelief mit seinen Proportionen die alte Zahlenmystik mit dem neuen Glaube.

Simulation mit Stellarium / Fotos: Wikipedia/Janericloebe

Das Maß des Sonnenwagens

Im Jahr 1902 wurden in einen Moor bei Trundholm in der dänischen Provinz Seeland mehrere Teile eines Miniaturwagens, sowie eines kleinen Pferdes gefunden. Aus ihnen ließ sich das Ensemble rekonstruieren das als Sonnenwagen von Trundholm Geschichte machte. Die bestimmenden Elemente der Plastik aus dem 14. Jahrhundert. v. Chr. sind die vergoldete Scheibe mit ihrem Dekor und das kleine Pferd, die beide ein auf Räder stehendes Gespann bilden.

Trundholm Moor                                            Fundort 1902,  Moor bei Trundholm

Dieses Motiv, einer von Pferden gezogenen Sonne, die ein Wagenlenker über den Himmel zieht findet sich in vielen Mythologien. Eine der bekanntesten unter ihnen ist die Legende des griechischen Sonnengottes Helios, dessen Aufgabe darin bestand, den von 4 Heng- sten gezogenen Sonnenwagen über den Himmel zu lenken. Nur einmal soll es bei dieser Fahrt zu einem Unglück gekommen sein, als der Sohn des Helios, Phaethon, den Son- nenwagen seines Vaters stiehlt und selbst das Gespann über den Himmel lenkt. Schon bald gerät der Wagen mit dem unerfahrenen Lenker außer Kontrolle und stürzt Erde in eine Katastrophe, die der römische Schriftsteller Ovid mit dramatischen Worten be- schreibt: `Die Erde geht in Flammen auf, die höchsten Gipfel zuerst, tiefe Risse springen auf, und alle Feuchtigkeit versiegt. Die Wiesen brennen zu weißer Asche; die Bäume werden mitsamt ihren Blättern versengt, und das reife Korn nährt selbst die es verzehr- ende Flamme… Große Städte gehen mitsamt ihren Mauern unter, und die ungeheure Feuersbrunst verwandelt ganze Völker zu Asche.“

Sonnenwagen                                                  Sonnenwagen im Museum

Zeus, der von der Erdgöttin Gaia zu Hilfe gerufen wurde , zerstört den Wagen mit einem Blitz worauf Pheathon getötet wird und in den Fluss Eridanus stürzt.. Der amerikanische Autor Immanuel Velikovsky sah in dieser Erzählung einen Hinweis darauf, dass sich in der Bronzezeit eine globale Katastrophe ereignet hatte. Er interpretierte die außer Kontrolle geratene Sonne als den Zusammenprall der Erde mit einem Meteor der bei seinem Auf- prall die Erdachse ins Trudeln brachte. Im Wagen von Trundholm taucht die Sonne als direktes Bild in der Scheibe und als abstraktes Motiv in den Vierspeichenrädern auf. Sie entsprechenden dem in Nord- und Mitteleuropa weit verbreiteten Motiv des Rad- oder auch Sonnenkreuzes..Dieses ist in Petroglyphen oder Steinsetzungen der Jungsteinzeit ebenso zu finden, wie in zahlreichen Funden der Bronzezeit. Mit den beiden gekreuzten Linien ver- eint es die Darstellung der vier Himmelsrichtungen, ebenso wie die Unterteilung des Tages in zwei Abschnitte. Hier zeigt es den Sonnenlauf während des Tages und den während der Nacht,  in der die Sonne in den damaligen Vorstellungen eine Unterwelt durchlaufen musste. Doch nicht die astronomische Interpretation der Scheibe soll hier im Mittelpunkt stehen, sondern das verwendete Maß. Unter Archäologen finden Maße und Proportionen heute kaum Beachtung, obwohl in diesen das Wissen und die Vorstellungen einer Kultur weit besser codiert sind als in vielen Fundstücken.

Pferd mit Maßen                                                     Maße des Sonnenwagens

Die Gesamtlänge der Plastik beträgt 59,6cm. Wenn der Wagen nach einer Maßordnung gestaltet wurde, bildet die Scheibe den Ausgangspunkt der Betrachtung. Sie hat einen Durchmesser von 26,4cm. Setzt man als Kreiszahl die von Appollonius von Perga aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. überlieferten Werte von 3.1416 an ergibt dies einen Umfang von 82.938cm. In der Reihe vormetrischer Maße entspricht dieser Betrag dem von dem schottischen Ingenieur Thom gefundenen Megalithischen Yard. Thom ermittelte dabei eine Spreizung vom 82,7s cm bis 82.94cm. Ein viertel dies Maßes, also 20,735cm steht ab wiederum im Verhältnis von 5/2 zu dem aus Babylon überlieferten Maß der Nippur Elle. Auch das Pferd entspricht diesem Maßsystem, denn seine Länge von 59,6cm steht im Verhältnis 18/13 zum Megalithischen Yard.. Nur seine Höhe von 18, 5cm, die im Verhältnis 2/9 zum Megalitischen Yard steht, ist eine geringfügige Abweichung von 1,5 % zum Ideal- maß festzustellen. Das Mittel des von Alexander Thom festgestellten Maßes beträgt 82,85 cm. Ein Maß das auf den ersten blick willkürlich erscheint. Da das Megalithische Yard dem Umfang der Scheibe entspricht lohnt sich ein Vergleich mit dem Erdumfang. Hier zeigt es sich, dass es vor lange vor der Bestimmung des Urmeters als 10-Millionsten Teil eines Viertelquadranten des Erdumfanges schon andere vergleichbare Längenmaßfestlegungen gab. Mit einer möglichen Definition von 48 Millionen Teilen des Umfanges weicht das Megalithische Yard nur um 0.16% vom Heute gemessen Wert ab. Somit könnte der Wert 48, also 6×8, nicht nur ein Hinweis auf das in dieser zeit verwendete Hexagesimalsystem sein, sondern auch einen Einblick in die damaligen Vorstellungen vom Aufbau des Kosmos geben. Weit mehr noch ist die Proportionsordung des Sonnenwagens ein Hin- weis darauf, dass schon frühe Kulturen eine Vorstellung von der Kugelgestalt der Erde hatten und der Meter nur ein weiterer Entwicklungsschritt der Menschheit war.

Eine Erklärung für die Zahl 48 wäre sie als Produkt der Zahlen 8 und 6 zu sehen, die beide einer symbolischen Bedeutung unterliegen. Die Zahl 6 verbindet als kleinste vollkommene Zahl die Zeitrechnung mit der Gradzahl des Erdkreises, während 8 in alten Mythologien für ein Gleichgewicht und die Vollendung einer Zeit steht. Innerhalb der platonischen Körper ist der Hexaeder, oder auch Würfel mit seinen 6 Seiten ein Symbol der Erde. Mit Hilfe von Achsen und Punkte bietet er 48 Möglichkeiten die Figur auf sich selbst abzubilden. Damit liefert das symbolische Bild der Erde als platonischer Körper eine weitere Erklärung für den Teiler 48 der zum Megalithischen Yard führte.

Die Legende des Rechberges

Ulricus de Rehperc gilt als der Erbauer der Burg auf der Schulter des Rechberges. Im Jahr 1179 taucht der staufische Gefolgsmann zum ersten mal in einer Urkunde auf die die Unterschrift Friedrich Barbarossas trägt. Buckelquader im Mauerwerk der Ruine weisen auf die Einflüsse staufischer Baukunst hin, doch Spuren in den Grundmauern deuten auf ein Vorgängerbauwerk hin, dass bereits in römischer Zeit existiert haben könnte.

Grafen v Rechberg Wappen 1340                                          Grafen v. Rechberg: Wappen um 1340

Während das um 1340 erstellte Wappen mit dem roten Löwen noch deutlich die Nähe zu den Staufern zeigt, soll aber der Name des Erbauers, wie auch der rote Hirsch im später- en Wappen auf das zahlreiche Rotwild verweisen, dass es in früheren Zeiten in den Wäld- ern um, und am Rechberg gegeben haben soll.

Grafen v Rechberg Wappen 1605                                           Grafen v. Rechberg: Wappen um 1605

Doch die diese Interpretation wird dem Hirsch als Symbolträger bei weitem nicht gerecht. Mit seinem sich jährlich sich erneuernden Geweih ist er ein Symbol der Erneuerung und Fruchtbarkeit..Dieser Zyklus wurde in früheren Zeiten auch als Abbild sich jährlich wiederholender Naturabläufe gesehen und sein Frühjahr abgescheuerter roter Bast galt in vielen Völkern als das Symbol des Sonnenfeuers. Auch die christliche Bildsprache bediente sich der bereits in der Antike formulierte Rolle des Hirsches.Wie damals tritt er wieder als Bekämpfer der Schlange auf. Doch jetzt wird er Christus identifiziert der die Schlange, dem alten Symbol der Wiedergeburt, in Gestalt den Teufels bekämpft. Die Gestalt des Hirsches erinnert gleichzeitig auch an die keltisch-germanische Gottheit Cernunnos, den gehörten Gott des Waldes. Er wurde als Begleiter der Erdgöttin gesehen und stand für die Wiedergeburt des Lichtes, die Fruchtbarkeit der Natur und den Wohlstand des Landes.

Hirschgott Gundesdrup                                gehörnte Gottheit auf dem Kessel von Gundestrup

Es gibt mehrere Punkte die auf einen frühgeschichtliche Kultort auf dem Rechberg hinweisen. Zwar gibt es von dort nur spärliche Funde aus der Steinzeit, doch die im Berg verborgene Höhle auf die auch die Lage der Kirche exakt abgestimmt ist, weist in diese Richtung. Auch die Bezüge der Sonnenaufgangsrichtung zum Hohenstaufen und zum Stuifenhorn während der Wintersonnenwende deuten auf die Nutzung als Kultort hin. Im mittelalter wurde mit dem Name Rechberg ein klingender Name geschaffen, der alte und neue Wertvorstelungen in sich vereinte. Die Ableitung des Namens vom Rotwild behielt das überlieferte Bild bei, während die Inhalte frühchristlicher Glaubensvorstellungen  eines gehörnten Fruchtgbarkeitsgottes durch die im frühen Mittelalter beginnende Wallfahrt auf den Rechberg ersetzt wurden. Auch das Geschlecht der Württemberger bediente sich später dieser Bildsprache. Mit der Qintessenz, der Hirschstange, die heute einen Teil des Wappens von Baden-Württemberg dargestellt, lebt die die Symbolik des Hirsches weiter, die die alte Vorstellung der sich ständig erneu ernden Natur verkörperte die einem Land zu Wohlstand verhalf.

Hirsch mit Kreuz                                                          Hirsch mit Kreuz

Die Burg steht auf einem Konglomerat aus Mauern unterschiedlicher Epochen. Dies lässt einen weiteren Schluss zu, auf auch die Reste eines Walles mit Wachtürmen hinweisen, dessen Reste an der gesamten Ostseite des Berges vor dem Ende des Höhlenausgang- es erkennbar sind. Der Ort auf dem die Burg errichtet wurde war einst Teil einer Gesamt-anlage, deren Zentrum das Plateau des Rechberges bildete.

Rechberg Karte Ost                              Rechberg. Höhlengang, Wallanlage auf der Ostseite

Castel del Monte – die Symbolik des Bauens Teil 5

Felsendom 03

                                   Felsendom, Jerusalem

Felsendom Innen                                               Felsendom Innenraum

Mit der Anlehnung an die Maße des Ende des 7. Jhd`s fertiggestellten Felsendoms wird Castel del Monte auch zu einem Symbol der Verbindung der beiden Religionen Islam und Christentum. Noch befand sich in Bagdad die größte Universität der damals bekannten Welt von der viele wissenschaftliche Impulse ausgingen. Auch von Friedrich dem II ist bekannt dass er sich mit einer großen Anzahl von Gelehrten, darunter dem führenden Astrologen jener zeit umgab. Durch den Kontakt mit islamischen Gelehrten wurde 11. Jhd. damit begonnen arabische und jüdische Literatur zur Astrologie, in der das antike Wissen weiterlebte, in die lateinische Sprache zu übersetzen. Astrologisches Wissen wurde zur Deutung der Zukunft, genauso wie bei Krankheiten oder der Ausrichtung von Bauwerken benutzt.Noch zur Zeit des Kirchenvaters Augustinus galt der Glaube dass das Schicksal eines Menschen unabänderlich von der Sternenkonstellation seiner Geburtsstunde bestimmt sei.
Um die Jahrtausendwende genoss die Astrologie auch in der Kirche ein hohes ansehen, denn am 9.April 999 gelangte mit Papst Sylvester II ein Mann auf den heiligen Stuhl der ein gelernter Astrologe war.Als Astrologie tätig zu sein bedeutet auch ein Astronom zu sein, denn zu dieser Zeit war eine Trennung der beiden Disziplinen noch undenkbar.Um sich darin weiterzubilden reiste Silvester eigens in den arabischen Raum, um dort sich dort von den wichtigsten Gelehrten unterrichten zu lassen.Er teilte die Astrologie in eine schänd- liche und die natürliche Astrologie auf, die er dem Kanon der Naturwissenschaften zu- ordnete. In ihr sah er eine Wissenschaft die sich durchaus mit dem christlichen Glauben vertrug, Papst Sylvester II. zweifelte auch nicht daran, dass die Planeten Einfluss auf die Natur hätten, die als unbeseelt galt. Damit bereitete er der Philosophie des Theologen Pierre Abeilard, der 11. Jhd. Lebte den Weg Auch er betonte in seinen Schriften, dass es eine Astrologie der Natur gebe, die seelenlos sei und dem Rhythmus der seelenlosen Planeten gehorchen müsse. Abeilard sah eine Nutzung dieser Einflüsse vor allem in der Landwirtschaft und im medizinischen Bereich, doch den freien Willen des Menschen, ein Bestandteil der christlichen Lehre sah er frei vom Einfluss der Planeten. Zeitgenössische Quellenangaben belegen dass Friedrich II im Jahr 1332 auf Grund seines diplomatischen Geschicks währen des Kreuzzuges vom Botschafter des Sultans al Ashrafs,ein zeltförmiges Planetarium geschenkt bekam, Er beschrieb es einmal als das Liebste was er neben seinem damals vier Jahre alten Sohn Konrad auf der Welt besaß.

8- Stern                                   8-Stern/ Mosaik

Jonas Gaiser der zusammen mit Martin Rieß die astrologische Konzeption von Castel del Monte analysierte, sieht den Termin der feierlichen Grundsteinlegung von Castel del Monte am späten Nachmittag um 16 Uhr 40 am 26. Dezember 1241, also am 47. Geburtstag von Friedrich II. Da der berühmteste Astrologe des 13. Jhds, Guido Bonatus bereits als 20 jähriger in die Dienste Friedrichs II trat ist zu vermuten dass die Zeremonie unter seiner Aufsicht stand.In seinem seinem in der Stadt Forli verfasstem Werk `Liber astronomicus´ unterteilt er die Astrologie in 10 Abhandlungen, von denen die 8. die mundane Astrologie, also auch Gründungshoroskope von Städten oder Gebäuden behandelt. Um 16.40 war die perfekte astrologische Konstellation erreicht, denn zu diesem Zeitpunkt belegten die Planeten Venus, Mars, Jupiter, Saturn und der Mond sechs Ecken eines regelmäßig in den Tierkreis einbeschriebenen Achtecks. Auch die Abweichung des Achtecks um 7.5 ° aus der Nordrichtung lässt sich nachvollziehen. Er ergab sich durch eine Mittelwertbildung der Planetenkonstellation zwischen den beiden Orten Jesi, dem Geburtsort Friedrich II und Bethlehem, dem Geburtsort Jesu. Für den errechneten Zeitpunkt benennt Gaiser die im Bild gezeigten Positionen die sich von der Mitte des Hügels aus betrachtet am Himmel erkennen ließen.

Astrologie Castel del Monte                                 Astrologisches Konzept

Mit dem Aufgreifen der Konstellation der 8 – Sternkonstellation, die die Geburt Jesu am Himmel markierte und der Wiederholung im äußeren Turmkranz, ist Castel del Monte nicht nur ein perfektes Abbild des Himmels sondern zugleich ein eindrucksvollen Symbol. Der Bau zeigt Friedrichs Bezug zur Schöpfungschronologie durch das Maß 105 wie auch seine Auffassung von der Gleichheit der Religionen. Diese Gedanken mussten die Feind- schaft des Papstes geradezu herausfordern und waren mit die Ursache für den Untergang der Staufer. Doch mit seiner Konzeption bewegte sich Friedrich II ganz in den Tradition antiker Bauten wie der Ägyptens, die am Boden die Ordnung des Kosmos widerspieg- elten.

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Quellen: Seminarkurs Ludwig-Uhland Gymnasium/ Kirchheim – Architektur Mittelalter

Studien zu Vormetrischen Längeneinheiten/Rolf.C.A, Rottländer