Der Bussen, Beltane und die Heuneburg

Blick zum Bussen

Vor der Heuneburg erstreckt sich ein unvergleichliches Panorama das vom Bussen und bei klarer Sicht bis zum Säntis im Nordwesten reicht.    In der flachen Landschaft die die Heuneburg umgibt,  bleibt der Bussen jedoch der einzige markante Hochpunkt. Heute ist er einer der am meist besuchtesten Wallfahrtsorte und gilt als heiliger Berg Oberschwabens. Zahlreiche Sagen beschreiben diesen mythischen Ort, wie die eines Schatzes, der noch in dem Berg ruhen soll. Um ihn zu heben, muss     man durch den alten Turm Nachts um zwölf Uhr in den Berg hinabsteig- en. Kann man dort, ohne gleich die Flucht zu ergreifen, den Anblick dreier Schreckensbilder ertragen, wird man Eigentümer des Schatzes vom Bussen. Ein weiteres schreckliches Erlebnis beschreibt die Sage von   den drei riesengroßen feurigen Männer die dort an manchen Tagen mit- einander fechten, so dass Feuerfunken meilenweit weit über den Berg fliegen.   Wohl noch bekannter ist die Sage vom `Bussakindle´, das junge Paare zu erwarten haben wenn sie auf den Berg pilgern. Hintergrund dieser Sage  ist die Vermutung, dass der Bussen bereits in vorrömischer Zeit der Ort eines Fruchtbarkeitskultes war. Auch der Name des Berges selbst Bussens kann man wohl zu diesen Indizien zählen. Dem trägt auch die Deutung des Flurnamens Rechnung, die die Abstammung in den Worten Buss oder Budd sieht, die einer Verwandschaft zum bayrische Busserl, dem Kuß andeuten.

st Baptist BussenSt. Baptist auf dem Bussen

Heute steht dort die Wallfahrtskirche St. Johannes Baptist auf dem Bussen, in der in einem Gnadenbild die schmerzhaften Muttergottes verehrt wird. Eine Vorgängerkirche ist dort seit dem Jahr 805 belegt. In einer Urkunde des Jahres 892 wird der heilige Leodegar von Autun als Patron genannt, der aber um 1430 von Johannes dem Täufer abgelöst wurde. Der erste Altar der schmerzhaften Gottesmutter wurde wohl um 1221 im Zisterziens-erkloster in Schönau errichtet. Auf einer Synode in Köln, wurde dieser Gedenktag 1423 auf den vierten Freitag nach Ostern festgesetzt. Seit dem 15. Jahrhundert stellte die Kunst die volkstümliche Mater dolorosa mit den Schwertern in der Brust dar. Dass der Tag Heute am 15.September gefeiert wird ist Papst Pius VII zu verdanken der ihn 1814 zum Dank für seine geglückte Heimkehr aus der fünfjährigen, durch die Franzosen verhängten Gefangenschaft, auf dieses Datum verlegte.
Seit 2015 versuchen Archäologen mit Grabungen nach eine mögliche Verbindung der Heuneburg zum Bussen nachzuweisen. Doch wesentlich einfacher lässt sich dies bereits bei der Betrachtung der Burggeometrie erkennen. So weist ihre Nordwestkante und der schmalzulaufende Teil in Richtung des Berges. Doch allein diese Richtung ist nur ein Teil der komplexen Heuneburggeometrie. Eine weitere Richtung entsteht durch den Sonnenaufgang am 1.Mai. Bereits in vorchristlicher Zeit war dies im römischen eich ein Feiertag der Bona Dea oder wurde im keltischen Raum als Beltane gefeiert.

Heuneburg Plan  SonneHeuneburg Geometrie

Diese Richtung bestimmt, ausgehend von den beiden südwestlichen Ecken, den Knickpunkt den Walles und die Lage des Haupttores. Wird   die Linie verlängert, so trifft sie die Mitte des Ortes Uttenweiler, der Stadt der seligen Uta. Der Name Uta der aus dem althochdeutschen Begriff ot, Reichtum entstand, bedeutet `die Reiche´. Über die wahrscheinlich im Jahr 722 verstorbene Uta von Uttenweiler ist sind ihrer Legende kaum etwas überliefert. Jedenfalls berichtet sie, dass Uta auf Grund ihrer sprich- wörtlich Aufopferungsbereitschaft und vor allem wegen ihrer Kinderliebe schon zu ihren Lebzeiten verehrt wurde. Ihr zu Ehren 1449 ein Augustiner- kloster erbaut, wobei die Mönche aber ein distanziertes Verhältnis zu der Seligen hatten. Dennoch ist der Ort bis heute das Ziel der jährlich statt-findenden Wallfahrten die auf den Dautenberg bei Uttenweiler führen, wo heute die Uta-Kapelle steht.

Heuneburg Plan  Sonne 2Heuneburg, der Bussen und Uttenweiler

zus BussenDie Heuneburg und der Bussen

Was die drei Orten verbindet, ist in der Sonnenlauf am 1. Mai. Während  sie von der Heuneburg aus betrachtet am 1. Mai über Uttenweiler aufgeht, so geht sie von der Kirche in Uttenweiler aus gesehen an diesem Tag über dem Bussen wieder unter.
Heute wird der 1. Mai eist nur noch als Tag der Arbeit oder Vorbereitung für die Walpurgisnacht gesehen. Die erinnert an die heilige Walburga, die die germanisch – angelsächsische Göttin Walburg ersetzte. Auch die bereits erwähnte Bona Dea. die gute Göttin, war eine reine Frauengottheit deren Name von den Priesterinnen geheim gehalten wurde. Bona Dea war mit dem Wolfsgott Faunus, dem Beschützer von Bauern und Hirten verbund- en. Hauptmerkmale waren ihre heilende Kraft und die weibliche Fruchtbar- keit. Im irisch-keltischen Kalender hieß der Tag `der erste Sommerliche` und markierte den Beginn des hellen Sommerhalbjahres, dass das dunkle Winterhalbjahr ablöste. Eine der Erklärungen sieht in den Worten bel, leuchtend und teine das Feuer, also das leuchtende Feuer als Symbol der strahlenden Sonne den Ursprung des Namens. Im Brauch des Maibaumes hat der alte Fruchtbarkeitskult bis heute überdauert.  Dieser Reichtum spiegelte sich ebenso im Name Uta wieder,  deren männliches Pendant Ottmar, im Mittelalter ein beliebter Namen für Grafen, Herzöge und Könige war. Dank weitreichender Handelsbeziehungen war er auch der Heune- burg zu eigen, bis ein Feuer im 5. Jahrhundert v. Chr. ihr ein jähes Ende bereitete.

Bilder: Wikipedia – Blick von Heudorf zum Bussen/ Andreas Praefcke, CC BY 3.0 – St. Baptist / Dietrich Kriege, CC BY-SA 3.0 , Simulation: Stellarium, Sunearthtool

Ales Stenar, der Kalender und die Doppelraute

Ales Stenar 3Das Sonnenschiff

Ales Stenar, oder die Steine von Ale ist eine Steinsetzung an der Süd- küste Schwedens, der nähe von Ystad. Unter Fachleuten gibt es über     die Zeit der Entstehung der als Sonnenschiff bezeichneten Figur unter-schiedliche Auffassungen. Auf Grund der Datierung von Menschen-knochen und Kohlestücken die innerhalb der Steinsetzung gefunden wurden, halten einige Archäologen auch eine Entstehungszeit im frühen Mittelalter für möglich. Zeitlich würde dies mit der Vendelzeit zusammen-fallen die die Epoche der Völkerwanderungszeit ablöste. Einer der typ- ischen Bestattungsformen jener zeit waren Bootsgräber, in denen Tote in speziell für diesen Zweck konstruierten Booten bestattet wurde. Doch die Form und auch die Geometrie der Steine von Ale weisen aber auf eine viel frühere Entstehungszeit hin.

SonnenbarkeSonnenbarke im Alten Ägypten

Das Motiv des Sonnenschiffes findet sich bereits im alten Ägypten, eben- so wie in Bildnissen der nordischen Bronzezeit. In seiner Bedeutung ist es dem Bild des in der griechischen Mythologie verankerten Sonnenwagens gleichzusetzen. Da die Barke in Ägypten ein wichtigstes Fortbewegungs-mittel war, hatte sie dort nicht nur eine hohe repräsentative, sondern auch eine hohe kulturelle Bedeutung. Wie der Sonnenwagen symbolisierte das Sonnenschiff, oder auch die Sonnenbarke, den Lauf der Sonne. In der Mythologie des Re-Kultes der sich in der 5. Dynastie etablierte, fuhr der Sonnengott während des Tages mit seiner Sonnenbarke über den Him- melsbogen und durchquerte nachts auf ihr das Wasser der Unterwelt. Somit stellte die Sonnenbarke die himmlische Königssbarke des Sonnen-gottes Re dar.

Schiffsdarstellung Raul FlemmingKaul Flemming, Schiffsdarstellungen in Petroglyphen

Ein ähnliches Motiv findet sich in der Bilderwelt der Nordischen Bronze- zeit. Neben Pferdedarstellungen sind Schiffe und Sonnenmotive die am häufigsten anzutreffenden Symbole. Das Motiv des Sonnenschiffes ist  hier in Felsritzungen, aber auch auf verzierten Rasiermessern zu finden. Vergleichbar mit den Vorstellungen der Ägyptern stellt es je nach seiner Ausrichtung, die Fahrt der Sonne während des Tages oder in der Nacht durch die Unterwelt dar. In der Ähnlichkeit der Motive sieht der dänische Forscher Flemming Kaul einem Beweis, dass es innerhalb der bronze-zeitlichen, nordischen Gesellschaft eine weitgereiste Elite gab, die Ken- ntnis von der ägyptischen Religion hatten und deshalb das Sonnenschiff von dort übernommen haben könnten. Wer hält es auch für möglich,   dass sie auf diesem Weg auch Elemente anderer ausländischer Kultur- en bewusst auswählten und in die Religion der Nordischen Bronzezeit integrierten.

Ales Stenar Wintersonnenwende LWintersonnenwende

Der Zweck der Steinsetzung zu der noch weitere, heute verschwundene Anlagen gehörten scheint bis heute unklar zu sein, obwohl bereits die ein- deutige Ausrichtung auf ihren früheren Gebrauch schließen lässt. Doch dazu hat Bob G. Lind eine überzeugende Theorie veröffentlicht die in der Fachwelt immer noch auf Ablehnung stößt.bis. Ausgerichtet auf den Son- nenuntergang während der Wintersonnenwende stellten die 60 Steine von Ales Stenar einen prähistorischen Sonnenkalender dar. Dabei folgten die Steine die den Umriss des Schiffes bilden der Geometrie einer Raute. Innerhalb der 60 Steine hat Lind 12 an die Haupthimmelsrichtungen ge- bundene Sonnensektoren ausgemacht, wobei jeweils einer der Zeit von ca. 1,5 Stunden entspricht.

SonnenjahrkalenderDer Sonnenkalender

Er wurde gleichzeitig durch den Schattenwurf eines im Mittelpunkt der Raute stehenden, geneigten Stabes markiert. Gründe für einige Abweich- ungen aus diesem System sieht er in mehreren falsch verstandenen Re- staurierungsversuchen der Steinsetzung . Allein die Funktion der Stein- setzung als Sonnenkalenders verbietet die Datierung auf die Zeit nach der Völkerwanderung. Auch ein Vergleich mit vormetrischen Maßen zeigt ein ähnliches Ergebnis. Weder die frühe schwedische Elle, noch der Fuß, oder auch das Maß der Wikinger zeigen ein ganzzahliges Ergebnis , wie dies das Megalithische Yard ermöglicht. Umgerechnet hat die Raute dann eine Länge von 82 MY und eine Breite von 23 MY. Die Summe beider Zahlen ergibt 105, die sich wieder in die Faktoren 3x5x7 zerlegen lässt. In dieser Rechnung stellt die Zahl 82 auch ein Symbol der Weltachsen dar. Neben den 8 Hauptrichtungen die auch durch Steine markiert sind gibt es zwei weitere: oben und unten.

Ales Stenar Plan1Die Geometrie von Ales Stenar

Aber auch die Flächenberechnung lässt eine mehrfache Codierung der Steinsetzung erkennen. Wird die Fläche nach der Rautenformel A=0.5xexf bemessen, so erhält man die Zahl 943. Diese Zahl stellt wiederum ein Ab- bild er Raute selbst dar. Ihre 9 Elemente bilden sich aus der Summe der   4 Eckpunkte, den dazwischen liegenden 4 Seitenlängen und der daraus entstehenden Fläche. In der 8 er 82 verbirgt sich aber auch die Doppel- raute in der zugleich auch die 23 erscheint. Sie liefert gleichzeitig die geometrische Form die als Grundlage für die Rune Dagaz der älteren Futhark-Runenschrift diente.

Plan DagazDoppeltraute

Sie diente auch als magisches Zeichen und symbolisierte die Mitte des Tages oder auch des Jahres. Damit steht sie für die positive Energie des Lichts im Zenit seiner Wirkung. Diese Codierung dürfte mit ein weiteres Indiz dafür sein, dass Ales Stenar nicht nur kalendarische Funktionen erfüllte, sondern auch als Kultort diente.
Bilder: Bob G. Lind /www,alesstenar.com / Wintersonnenwende / Sonnenschema Kalender / Zeichnung – Ansicht Westen/ Användare Jorchr– Wikipedia Sonnenbarke/ Guillaume Blanchard,Borislav CC BY-SA 2.5

Der Hirsch, Petrus und die Sonne

Die einstigen Umrisse der Viereckschanze in Fellbach- Schmiden sind heute nur noch zu erahnen. Doch der dort in einem mit Holz verkleideten Brunnenschacht entdeckte Fund verlieh ihr eine besondere Bedeutung. Die aus dem Schlamm geborgene Hirschfigur wurde zusammen mit zwei Ziegenböcken als Teil eines farbig gefassten Kultbildes aus Eichenholz identifiziert. Dendrochronologische Untersuchungen zeigten nicht nur dass das Holz aus dem Jahr 127 v. Chr. Stammte, sondern dass alle Elemente aus ein und demselben Stamm gefertigt wurden der aus der Nähe der Anlage stammte. Dabei verweisen die naturalistischen Elemente der Plastik auf den aus gallo-römischer Zeit überlieferten Fruchtbarkeitsgott Cernunnos. Eine genauere Betrachtung der Schanzengeometrie zeigt aber, dass die Hirschfigur wie geschaffen war für diesen Ort.

HirschHirsch Teilansicht

Noch im 19. Jahrhundert wurden die meist schiefwinkligen, mit Erdwällen umgebenen Anlagen als Überreste römischer Bauwerke gedeutet. Erst 1910 nannte sie der Archäologe Paul Reinecke Viereckschanzen und hielt sie für Befestigungen von keltischen Gutshöfen. Doch um 1931 änderte sich diese Einschätzung als Friedrich Drexel einen anderen Standpunkt vertrat. Er glaubte daß es sich bei diesen Anlagen um Heiligtümer hand- eln musste. Für sie gibt es mittlerweile unterschiedliche Bezeichnungen. Teilweise werden sie mit dem altgriechischen Wort `Temenos´ bezeich- net, das ein für eine Gottheit abgesondertes und geweihtes Stück Land bezeichnet. Doch in zahlreichen Beschreibungen werden wurde auch    der Begriff `Nemeton´ gewählt, einem Wort, das der keltischen Sprache entlehnt ist. Hier bezeichnet es den heiligen Hain, wie ihn auch die röm- ischen Schriftsteller Plinius und Lukan in ihren Werken bezeichneten.

KeltenschanzeKeltenschanze bei Schönhardt in der Nähe von Böbingen

Die Fundorte der Keltenschanzen erstreckten sich von der französischen Atlantikküste über Süddeutschland bis nach Böhmen. Allein aus Süddeut-schland sind mittlerweile über 250 Keltenschanzen bekannt. Allen gemein ist ihr viereckiger Grundriss mit unterschiedlich langen Seiten, die nach Mondwenden und Sonnenaufgangspunkten ausgerichtet sind. Ihre Größe beträgt meist zwischen 0,4 und 1,22 ha, wobei alle von einem Erdwall mit außenliegendem Graben umgeben sind. Im Innern der Fläche findet sich immer ein Schacht, der nach unterschiedlichen Sehweisen als Brunnen- oder Opferschacht interpretiert wird. Bis zu den 50-er Jahren war die Deutung der Anlagen als Kultbezirke sehr beliebt. Dazu trugen auch eine Untersuchung bei, die von den Schanzen aus betrachtet, eine Häufung  von Grabhügelfeldern in Richtung der Wintersonnenwende feststellte.
Mittlerweile findet die Gutshoftheorie aber wieder mehr Zuspruch, denn   die Schanzen liegen größtenteils in fruchtbaren Gebieten. Auch spricht   die oft vorgefundene Bebauung und Funde aus dem Alltagsleben für diese Theorie.

GutshofBebauung als Gutshof

Doch diese Theorie lässt wie so oft den Blick für die Gesamtheit ver- missen. Wie das Fellbacher Beispiel zeigt, entstand der Hirsch kurz vor der Assimilierung der keltischen Kultur durch die Römer. So ist es auch vorstellbar daß in vielen Schanzen die einstigen Verbindungen zu Grab- hügelfeldern aufgegeben und die Flächen als Gutshöfe genutzt wurden. Bis heute hält der Diskurs an ob sie tatsächlich nur Gutshöfe waren, oder wie einst vermutet, um begrenzte, heilige Bezirke. Aber die Fellbacher Schanze bietet mehr als nur ein Kultobjekt, denn ihre präzise Ausricht-  ung und vor allem ihre Lage unterstützt die These des Kultbezirkes.
Ähnlich wie die keltischen Oppida wurde die Fellbacher Schanze nach wichtigen Sonnenaufgangspunkten ausgerichtet. Hier sind dies der Korber Kopf, der Belzberg, der Kappelberg bei Beutelsbach und der Lindberg.

Schmiden Plan SonneSonnenbezüge der Keltenschanze

So ist über dem Korber Kopf, von der Schanze aus betrachtet, der Son- nenaufgang am 19. April zusehen. Diese Fluchtrichtung bestimmte auch die nördliche Kante der Schanze. Bei diesem Datum zeigt sich jedoch eine auffällige Parallelität zu dem im römischen Reich am gleichen Tag begin- nenden Fest Ceralia zu Ehren der Fruchtbarkeitsgöttin Ceres. Die röm- ische Getreidegöttin hatte eine ähnliche Funktion wie der duale Frucht- barkeitsgott Cernunnos. Im keltischen Raum wird er als Herr oder auch Herrin der Tiere, sowie als Begleiter der großen Erdgöttin angesehen. Diese Form der dualen Verehrung glich der Anbetung mütterlichen Gott- heiten in Rom. Die große Erdgöttin Tellus wurde hierbei als große Her- vorbringerin von Früchten und Menschen verehrt, dagegen war Ceres speziell dem Getreide zugeordnet. In der mythologischen Vorstellung war sie keine reine Naturgottheit, sondern griff auch in den vom Menschen geplanten Ackerbau ein. Ihre Attribute waren die Ähren, der Korb und eine Fackel. Auch Bienen waren ihre heiligen Tiere.

Korb wappenWappen der Stadt Korb

So greift nicht nur der Name Korb, auch das erst 1954 verliehen Wappen mit dem Bienenkorb bewusst, oder auch unbewusst die alte Symbolik wieder auf. Eine wichtige Beziehung der Schanze bestand ebenso zum Kappelberg bei Beutelsbach. Hier war in der unbebauten Landschaft der Sonnenaufgang am 22. Februar, dem heutigen Lostag Petri Stuhl zu sehen. Noch im Mittelalter markierte dieser Tag Beginn des Frühlings.   Der Ort besaß wohl noch im frühen Mittelalter eine besondere Ausstrahl- ung da auf dem vorgelagerten Bergsporn die Stammburg der Württem- berger entstand. So zählt die Ruine der Burg Beutelsbach heute zu den bedeutendsten historischen Stätten des Landes.

Burg BeutelsbachBurg Beutelsbach

Doch nach den Erkennt- nissen des Beutelsbacher Ortshistorikers Martin Goll war sie wohl eher  ein Wohnturm und wurde vermutlich zwischen dem 10. und 11. Jahrhundert von den Württembergern als Stammsitz erbaut. Seinen Namen erhielt der Berg wie der gleichlautende bei Fellbach von einem einst dort errichteten Kirchlein. Die Funktion eines Stammsitzes übte die Burg jedoch nicht lange aus, denn bereits am 7. Februar 1083 wurde die Kapelle der neuen Burg Wirtemberg auf dem Rotenberg bei Bad Cannstatt geweiht.

Bilder: Hirsch Bild, LAMU – Wikimedia ,Burg Beutelsbach von Hds0815 CC BY-SA 3.0
Simulation: sunearthtool

Kleinaspergle und der Phönizische

hohenasperg 01Ehemalige Festung Hohenasperg

In der aktuellen Forschung gilt der Hohenasperg als der Sitz eines kelt- ischen Adelsgeschlechtes. Auf Grund von Funden in der näheren Um- gebung ist erwiesen, dass in der Zeit um 500 v. Chr. weitreichende kulturelle und machtpolitische Beziehungen bestanden. Allerdings scheint die Blütezeit der Latènekultur nur etwa 200 Jahre gedauert zu haben, ehe ist wieder im Dunkel der Geschichte verschwand. Mit der durch die von den Grafen von Ingersheim in der 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts errichtet- en Burg auf dem Hohenasperg wurde bereits ein großer Teil der dort noch vorhandenen Substanz aus frühere Zeit zerstört der Aufschluss über die frühere Funktion des Berges geben könnte. Als Herzog Ulrich 1535 mit dem Bau der Landesfestung begann und dazu die Burg abreißen ließ, wurden die letzten Reste des einstigen Plateaus beseitigt.

Hohenasperg Dürer 1519Dürer, Hohenasperg 1519

Somit können nur die umgebenden Anlagen noch einen Anhaltspunkt   über dessen einstige Funktion liefern. Eine Möglichkeit bietet die geomet-rische Beziehung in der einige Grabhügel zu dem Berg stehen. Als auf   die Initiative von Professor Dr. Oskar Fraas im Jahr 1879 der etwa 900m südlich des Hohenasperg gelegene Grabhügel Kleinaspergle erforscht wurde ahnte noch niemand von der Bedeutung der hier untergegangen Kultur. Über die von Fraas gelieferten Maßgaben des Hügels gibt es wider-sprüchliche Angaben. Doch eine Einmessung des Archäologen Hartwig Zürn in den 70-er Jahren ergab einem Hügeldurchmesser von 60m bei einer Höhe von 7,60m. Wie andere Grabhügel vergleichbarer Größe, war auch er mit einem Kreisgraben umgeben und auf seiner Kuppe stand als weithin sichtbares Zeichen eine Stele.

Kleinaspergle KopieKleinaspergle

Während seiner bergmännisch vorgetriebenen Erkundung stieß Fraas zwar auf ein zerstörtes Hauptgrab, aber das Nebengrab enthielt noch zahlreiche Gegenstände. Die dort gefundene Henkelkanne, die als Etrus-kerkanne mit keltischem Henkel bezeichnet wurde, lassen erkennen welchen Einfluss mediterrane Kulturen auf den Latènekultur hatten. Diese Verbindung in den Mittelmeerraum zeigt sich in den Bildern mytholgischer Vorstellungen die die Lage des Grabhügels beeinflusst haben mussten. Auch sie stammten wie die Stilelemente der Fundstücke aus dem gleichen Kulturkreis. Aus heutiger Sicht könnte die von Fraas eingemessene Nord- Südrichtung des Grabes als Ausrichtung gemäß den Hauptachsen des Erdkreises verstanden werden.

Zeichnung prof häberlin KopieProfessor Häberlin, Zeichnung des Stollens

Kleinaspergle GrabPlan von Oskar Fras, Grab in Nord-Südrichtung

Doch um 430 v. Chr., also zur Zeit der Bestattung, gab es exakt auf      diesem Meridian im Norden ein ganz besonderes Schauspiel am Nachthimmel. Zur Wintersonnenwende tauchte dort der heutige Stern Polaris, das Schwanzende des kleinen Bären, erstmals kurz nach Sonnenuntergang auf. Doch dieses Ereignis allein erklärt nicht die Lage des Grabhügels. Eine zweite Beziehung hat er zum Gipfelplateau des Hohenasperg. Hier fand am ehemaligen Totentag Samhain die letzte Sichtung des Sternes statt, ehe ihn im Osten die aufgehende Sonne verblassen ließ. Beide Sichtungen sind eng verknüpft mit der Bedeutung dieses Sternes in den antiken Mythologien.

Kleinaspergle PlanDie Ausrichtung

Polaris, oder auch Stella Polaris der heutige Nordstern genannt, hieß bei den Griechen noch Phoenice, der Phönizische´. Diesen Namen erhielt     er auf Grund einer Verwechslung. Vielfach bestand die Meinung dass die Phönizier ihn zur Navigation auf hoher See nutzten. Doch zur Blütezeit der phönizischen Kultur kreiste er um den Himmelspol, den in Wirklichkeit der Stern Kochab, der Schulterstern des kleinen Bären markierte. Durch ihm zugesprochene Orientierungshilfe und sein Kreisen um den Pol wurde er Teil der griechischen Mythologie. Dort wurde er zuerst als die Hesperiden gedeutet, die Nymphen, die die den Baum mit den goldenen Äpfeln der ewigen Jugend bewachten. Dies entsprach seiner Bewegung um den Pol der damaligen Vorstellungswelt auch gleichzeitig die Spitze des Welten-baumes war.

UrsaMinorUrsa Minor

Seit der Antike galt der Apfel als Symbol für Fruchtbarkeit, aber auch       als Sinnbild der Erlösung und Unsterblichkeit. Auch im Norden besaß der Apfel diese Symbolik, wo die altnordische Göttin Iduna die Äpfel hütete die ewige Jugend  verliehen. Sein Kerngehäuse, dass der Figur eines Penta- grammes entspricht, machte ihn zu einem Symbol der Venus. Sie wurde durch den gleichnamigen Planeten verkörpert, der während seines Um- laufes innerhalb von 8 Jahren 5 mal zwischen Erde und Sonne steht und diese 5 Positionen entsprechen genau den 5 Punkten die den Fünfstern zum Symbol der Venus machten. Aber auch im Gold der Äpfel spiegelt sich die Vorstellung vom Wesen der Unsterblichkeit. Seine psychologische Wirkung rührte von seinem lichten Schimmer und seinem hohen Wert. In höchster Reinheit hergestellt, bewahrt Gold seinen unveränderlichen Glanz und stand damit für spirituelle Werte, für Unsterblichkeit und Ewigkeit, aber auch Vollendung und Erleuchtung.
Aus diesem Grund werden in vielen Kulturen Archetypen des Ursprungs als Wesen aus Gold beschrieben. Das das kosmische Ei, das Brahma zugehört, sowie das Fleisch der ägyptischen Götter entsprach diesen Vorstellungen. Unter diesem Blickwinkel betrachtet kann die Rolle des Phöniziers als eine Art Lotse interpretiert werden, ähnlich wie bei den Seefahrern, der den Verstorbenen am Totentag der keltischen Kultur und zur Wintersonnenwende durch die Nacht geleitete.

Fotos: Hohenasperg,Wikipedia USAREUR, Kleinaspergle Förderverein Kelten – Plan, Häberlin, Wolfgnang Kimmig – Kleinaspergle –  Simulation Stellarium / Kalenderumrechner, http://www.heinrichbernd.de

 

Murrhardt, Walterich und die Isis

Vom einstigen Kastell in Murrhardt sind fast alle Spuren verschwunden, nur im örtlichen Museum Schweizer kann man sich noch über die Epoche der Römer informieren. Wie bei allen Kastellen ist die Wissenschaft der Auffassung, dass das Tor der Via praetoria, der so bezeichneten Prät-  orialfront zugewandt war, also dem Feind. Doch auch hier zeigen sich Abweichungen zum dem unweit des Kastells verlaufenden Limes. Auch hier spielten örtliche Bedingungen wie die umgebenden Anhöhen und deren mythologischen Bedeut-ung eine entscheidende Rolle. Der Standort des Kastell wurde hochwassersicher an den Fuß des Rießberges gelegt und mit einem Azimutwinkel von 54° auf den östlich gelegenen Linderst, sowie in die Gegenrichtung auf den Waltersberg ausgerichtet. Durch die rechtwinklig verlaufende zweite Lagerstraßen, der Via principalis, war es möglich mehrere wichtige Zeitpunkte von Festen in das Konzept der Aus- richtung zu integrieren.

Murrhardt Felsenmeer 2Felsenmeer bei Murrhardt

Nur etwa 20 Minuten vom Stadtzentrum entfernt, auf dem Plateau des Rießberges fühlt man sich in eine fremdartige, längst vergangene Zeit zurückversetzt. Riesige, von Moos überwucherte Steinblöcke, liegen dort zwischen Bäumen. Die Stadt selbst deutet das Gelände als Reste eines Steinbruches für Stubensandstein. Doch betrachtet man die Ausrichtung der Via principalis, weist sie in Richtung des als Felsenmeer bezeichnete Gebietes. Bezieht man den Sonnenstand in die Betrachtung mit ein, wird auch der Grund ersichtlich. Am 18. Dezember, dem Feiertag der keltisch-römischen Pferdegöttin Epona taucht die Sonne über dem Felsenmeer auf. So ist es gut denkbar dass das Gebiet einst eine keltisch-römische Kultstätte darstellte. Ursprünglich war Epona die göttliche Stute, die in späterer Zeit dann eine menschliche Gestalt bekam. Schnelligkeit und Stärke, aber ihre Eigenschaften, aber auch ein Füllhorn, das Zeichen der Fruchtbarkeit war eines ihrer Attribute. Vor diesem Hintergrund übernahmen die Römer die keltische Göttin als Schutzgöttin der Reiterei. In vielen Darstellungen wird sie aber auch mit einer Mauerkrone dargestellt, einem seit der frühen Antike bekannten Motiv der Kybele. Neben der Fruchtbarkeit verkörperte Epona aber auch den Heilungs und Wiedergeburtsgedanken als Beschützerin von heiligen Quellen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAStele der Epona aus dem 3. Jhd. n. Chr.

Ein anderes Bild bietet sich auf der Achse der Via prätroria incipia die auf den Waltersberg gerichtet ist. Hier kann auch der Untergang des Sternes Sirius aus dem Sternbild des großen Hundes mit in die Betrachtung ein- be zogen werden. Wie im Namen Harald ist auch im Name Walter der altdeutsche Wortstamm `waltan´, herrschen enthalten. Dadurch erhält auch der Berg einen neuen Sinnbezug. In der Achse der Via prätoria war über dem Waltersberg regelmäßig der Untergang des Sternes Sirius zu beobachten. Doch am 3. November erhält der Untergang des Sterns, während gleichzeitig die Sonne aufgeht, seine eigentliche Bedeutung, denn an dies- em Tag wurde innerhalb des Isis-Osirismythos die Auffindung des Osiris gefeiert.

Murrhardt Kastell 1Kastell, die Sonne und Sirius

Murrhardt Plan1Die Bezüge des Kastells

Während Osiris durch das Sternbild Orion verkörpert wurde, spiegelt    sich die Göttin Isis im Stern Sirius des Sternbildes Großer Hund. Im alten Ägypten zählte sie zu den mächtigsten Gottheiten. Wie die sumerische Göttin Inanna wurde sie auf Bildern und in Reliefs als eine geflügelte Göttin dargestellt. Innerhalb der Mythologie galt Isis als die Hüterin der Weisheit, als Herrscherin des Universums, sowie als mächtige Magierin und Heil- erin. Sirius stellt aber in Wirklichkeit ein Doppelsternsystem dar, bei dem zwei weiße Riesen um einen gemeinsamen Masseschwerpunkt kreisen ein Vorgang der aber so mit bloßem Auge von der Erde aus nicht zu sehen ist. Doch genau dieses Bild greift die Isis-Osiris Mythologie auf. Isis bringt nach der Befruchtung mit dem goldnen Penis das Horuskind zur Welt das ständig in ihrer Nähe bleibt.

IsisHorusIsis mit dem Horuskind

Sie trägt es bei sich um es vor dem rachsichtigen Bruder des Osiris zu schützen. Nicht nur das Schauspiel Aufganges beiden Sternbilder am Himmel, sondern auch die Legende der schützenden Mutter mit ihrem Kind, die Verkörperung der Wiederauferstehung erfreute sich in der hellenistisch – römischen Welt einer großer Beliebtheit. Lieben, Geburt, Leben, Tod und Wiedergeburt – waren in Ägypten zu einer religiösen Botschaft entwickelt worden die Menschen in allen Ländern unmittelbar ansprachen. So wurden Isis und das Horuskind auch die Vorbilder für die spätere Gottesmutter Maria und Jesus. Wie an vielen andren Orten auch ist auch hier eine subtile Verwendung der Sprache zu beobachten. Mit dem Erstarken des Christentums wurde die einstige Herrscherin assimiliert und verschwand, doch die Bezeichnung bleib im Name Walterich erhalten, der übersetzt `der reiche Gebieter´ bedeutet. Die mächtige Herrscherin Isis, konnte natürlich nur durch einen ebenbürtigen Namen ersetzt werden. Hier in Murrhardt war es Walterich, der erste Abt des Murrhardter Benediktiner- klosters, ein illegitimer Sohn Karls des Großen.

WalterichskapelleWalterichskapelle

Auch seine Seligsprechung hielt sich an das Motiv von Tod und Wieder- geburt in der Isismythologie, denn sie fand an einem Karfreitag statt. Sie zeigt sich auch im Fisch, der zum Symbol der des Wiedergeburtsge- dankens im Christentum wurde. In Ägypten war die Göttin Hatemit die `Erste der Fische´, die Göttin der Wasserunterwelt. In späterer Zeit ver- schmolz ihr Bild mit der allmächtigen Herrscherin des Kosmos, der Göttin Isis. Für den Namen Walterich und den Flurnamen Waltersberg bietet sie also eine schlüssige Erklärung.

Hörschbachwestlich vom Waltersberg, der Hörschbach mit Wasserfällen

Bilder: Felsenmeer ,Murrhardt, Epona CC BY 2.5 von Marsyas / Hörschbach,Lukas Rieger
simulation: stellarium, http://www.volker-quaschning.de/

Der Wein, der Pass und die Saalburg

Saalburg HaupteingangSaalburg Hauptzugang

Drei Begriffe die scheinbar gar nicht zusammenpassen, doch der Reihe nach. Bereits der Name täuscht eine Burg vor, wobei sich dahinter eines der am besten erforschten Kastelle des Obergermanisch- Raetischen Limes verbirgt. Bereits in vorrömischer Zeit verlief über den sogenannten Saalburgpass ein Handelsweg, der von der Nidamündung kommend Richtung Norden führte. Um das Jahr 135, in späthadrianischer Zeit wird dort das Numeruskastel durch das etwa 3,2 Hektar große Kohortenkastell ersetzt, das für eine Besatzung von 500 Mann ausgelegt war. Erst einige Jahrzehnte später wurde der in Trockenbauweise errichtete Schutzwall durch eine gemörtelte Mauer mit den Längen von 150 und 100 passus ersetzt.

Saalburg von innenSaalburg Innenansicht

Natürlich kann auch hier das verwendet Modul des passus in 10-Schritten durch die notwendige Fläche zur Unterbringung der Legionäre als Grund für die Längen angeführt werden. Doch auch die Zahlen zeigen bereits eine symbolische Bedeutung die uns heute nicht mehr geläufig ist. In beiden Längen ist die 50 enthalten. Über die Zahl geriet der jüdische Relig-ionsphilosoph Philo von Alexandrien‹über seiner ›Vita Contemplativa rich- tig ins schwärmen und schrieb: `Sie ist die heiligste und der Natur am meisten entsprechende Zahl, da sie aus der Potenz des rechtwinkligen Dreiecks gebildet wurde, welches der Anfang für die Entstehung ist. 32+42+52 = 50. Dieses rechtwinkelige Dreieck ist ein wahres Symbol des Kosmos; die Summe der Katheten 3+4=7 ergibt die Zahl der Planeten, zählt man die Hypotenuse hinzu, 7+5=12, kommt man zur Zahl der Tier- kreiszeichen, die Potenz ergibt, wie schon gezeigt, die Zahl 50.` Die 250 in Faktoren zerlegt ergibt noch eine ganze Reihe weiterer Gesichtspunkte, doch die würden von der eigentlichen Betrachtung des Namens Saalburg wegführen.
Der Name ist erst seit 1613 bekannt und seitdem viel umstritten, aber nicht erklärt. Bislang wurde er als Ableitung des fränkischen Ausdruckes sala erklärt, dem Saal eines größeren Gebäudes. Dafür sprachen Funde früh- mittelalterlichen Anlagen von `Jagdhäusern´ aus der Epoche Zeit der `Markgenossenschaften´. Die Analyse der Ausrichtung auf en Sonnen- aufgangspunkt weist jedoch auf eine andere Spur, denn die Via Pincipalis ist hier auf den 23 . Aprilausgerichtet. An diesem Tag fand das erste Wein- fest Vinalia Priora statt, das dem obersten Gott Jupiter geweiht war.

Saalburg Sonne 1Saalburg, Sonnenaufgangspunkt

Weinbau war zu dieser Zeit bis hoch in den Norden möglich, da zu dieser Zeit das römische Klimaoptimum herrschte, das höhere  Durchschnitts- temperaturen aufwies als die heute erreichen. Neben dem Ausschank des ersten eines wurden an diesem Tag Wein als Opfergaben dargebracht. Dies entsprach den antiken Traditionen vor gefährlichen Unternehmung oder reisen den Göttern eine Weinspende zu überreichen. Auch beim Totenkult hatte Wein seit altersher einen festen Platz. Schon von Agamemmnons Grab ist überliefert, dass dort vorbeikommende Bauern ihren Weinschlauch öffneten, als kleine Spende an ihren König. Auch als der Troyanische Held Achill am Scheiterhaufen seines Freundes Patroklos stand gießt er Wein in die lodernden Flammen. Noch heute gibt es eine alte Sitte in Bayern, bei der man vor einer Reise ein Glas Johanniswein trinkt und dabei den Becher rückwärts über den Kopf schwingend, einige Tropfen des Weines auf den Boden gießt.In den gesamten Kontext des Jupiter geweihten Festes scheint das lateinische verb, salutaream, begrüßen, am besten zu beschreiben. Die Begrüßung des obersten Gottes mit den ersten Sonnenstrahlen erscheint wie maßgeschneidert für den genis loci des Ortes und liefert auch eine Erklärung für Ursprung des n späteren Namens Saalburg.

Büste Jupiter 1.JhdBüste Jupiter 1. Jhd.

Bislang scheinen wenige Kastelle direkt auf eine Jupitertag ausgerichtet zu sein. So scheint es wie eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet der oberste Regent des Reiches Wilhem II durch seine Begeisterung für Arch- äologie die Saalburg aus ihrem Dornröschenschlaf befreite. Bereits als 19 jähriger soll er während eines Ferienaufenthaltes der kaiserlichen Familie dort nach Schätzen gegraben haben. So berichtete eine Zofe, dass die Fahrt zur Saalburg immer als einer der Höhepunkte des Homburgaufent- haltes galten. Zu diesen Funden gibt es auch eine Liste, die in der Aus- stellung des Archäologischen Museums zu sehen ist. Doch der Kaiser schien eine große Schwäche für dem Jupiter geweihte Anlagen zu be- sitzen, denn bei einer Palästinareise erfuhr er von der römischen Tempel- anlage in Baalbek, die ein Erdbeben weitgehend zerstört hatte und fin- anzierte daraufhin die Ausgrabungen.

Bilder: Wikipedia Saalburg Holger Weinandt CC BY-SA 3.0 de, Jupiter Museum Wien / Simulation, Software – volkerquaschning- Sonnenstand

Baalbek – Heliopolis

Baalbek LandschaftBaalbek, Umgebung

Baalbek liegt auf einem beherrschenden Plateau in der Bekaa – Ebene. Obwohl eine schriftliche Erwähnung des Namens erst in einer Urkunde aus 5. Jahrhundert gibt die von Bischof Eusebius von Caesarea stammt ist der Name Baalbek bereits in der vorklassischen Zeit bekannt. Übersetzt bedeutet er `Herr der Quellen. Die unter der Herrschaft der Ptolemäer erweiterte Siedlung hieß in römischer Zeit Heliopolis, die Stadt der Sonne. Baalbek Heliopolis wurde durch seine gewaltigen Tempelanlagen bekannt. Der Jupiter- und der Bacchustempel zählten in der Antike zu den größten sakralen Anlagen des Römischen Reiches. In Baalbek gab es vergleichbar mit Delphi ein Orakel, das Jupiterorakel. Ihm wurde selbst noch in der Spätantike eine erhebliche Wertschätzung beigemessen. Dies illustriert eine Erzählung die von dem Philosophen und Schriftsteller s Macribius überliefert ist. Sie berichtet über ein Orakel des Jupiter Optimus Maximus Heliopolitanus das sich Kaiser Trajan im Jahr 114 n.Chr vor seinem Partherfeldzug geben ließ. Um den Gott aber zuvor zu prüfen, schickte er angeblich einen leeren, versiegelten Brief nach Baalbek. Als der Kaiser einen ebenfalls leeren Brief zurückbekam, war er, wie es heißt, von der Macht des Gottes überzeugt und fragte ihn erneut um Rat, Dieses Mal zum Erfolg seines Feldzugs. Als Antwort bekam er einen in mehrere Stücke zerbrochenen , die Wweihegabe eines römischen Zenturios, zu- rück. Laut dem Autor der erzählung wurde die mysteriöse Antwort so ausgelget dass nur die Knochen Trajans zurückkehren würden. Wie das Orakle vorusgeasgt hatte verstarb der Kaiser auf dem Rückweg vom Feldzug im Jahr 117 nach Christus. Der im dem Gott, Jupiter Optimus Maximus Heliopolitanus, geweihte Tempell wurde um einen Siedlungs- hügel herum errichtet. Die Kalksteine stammten wie bei allen Großbauten Baalbeks von denn umliegenden Steinbrüchen gewonnenen.

Baalbek HaupteingangBaalbek Hauptzugang

Das gesamte Heiligtum ist streng symmetrisch um eine Längsachse angelegt. Es setzt sich aus vier Komponenten zusammen: dem Jupiter- tempel, dem Altarhof, dem sechseckigen Vorhof und den Propyläen. Zum Jupitertempel führte eine breite dreiteilige Freitreppe hinauf. Seine 45m breite Frontseite hatte zehn Säulen mit einer Höhe von 20m Höhe, währ- end die 86m lange Langseite aus 19 Säulen bestand. Der Tempel wurde auf einem Podium errichtet das allein durch die Formate der verbauten Steine beeindruckt. Dort wurden die größten Steine der Antike mit Ge- wichten bis zu 650t verbaut.

MonolithBaalbek, Monolith

In den Steinbrüchen der Umgebung sind  noch Monolithe mit einem Ge- wicht von 1200t zu finden deren Verwend- ungszweck nicht geklärt ist.   Die bautechnische Leistung entsprach also dem Ansehen des obersten Gottes des römischen Pantheons und so wurde der Tempel entsprechend dem Sonnenaufgang an seinem Feiertag ausgerichtet. Am 23. April, dem Tag Jupiter Vinalia Priora geht die Sonne direkt in der Tempelachse auf.

Baalbek SonneBaalbek, Ausrichtung

Es war das erste der beiden altrömischen Weinfesten, die dem Jupiter geweiht waren. Der Legende zufolge beruht es auf den Kämpfen der Lateiner und den Etruskern. Nach einem Sieg der Etrusker wurden die Lateiner verpflichtet ihren Wein auszuliefern, doch die widersetzten sich und eröffneten den Kampf erneut. Ehe sie den Kampf erneut begannen gelobten sie zuvor Jupiter ihm Wein opfern . Prompt siegten sie und löst- en anschließend ihr Gelübde ein, indem sie Jupiter von jedem Fass den ersten Becher als Opfer brachten. Dass dies ausgerechnet der 23. April wurde hängt auch mit Jupiters Rolle als Wettergott zusammen.

JupiterstatueJupiterstatue aus dem 1. Jahrhundert

Bis in das 3. Jahrhundert zogen sich die Arbeiten am Heiligtum hin. Zu diesem Zeitpunkt hatte auch die Stadt Baalbek den Zenit ihrer Macht er- reicht. Um 554 wurde das Heiligtum von einem Blitzschlag getroffen und brannte aus. Weite Teile der Anlage wurden davor bewahrt in der Folge- zeit als Steinbruch zu dienen weil es arabischen Ayubiden ab dem 12. Jahrhundert zu einer Festung umbauten. Einen entscheidenden Impuls  zur Erforschung der Tempelanlage gab der deutsche Kaiser Wilhelm II während seiner Palästinareise im Jahre 1898. Anschließend legte eine deutsche Grabung unter der Leitung von Prof. Otto Puchstein zwischen 1900 und 1905 weite Teile der verschütteten Tempel wieder frei. Wilhelm II bewies schon während den Aufenthalten der kaiserlichen Familie in Bad Homburg sein großes Interesse an der Archäologie. Die Grabung an der Saalburg zählte zu den Höhepunkten der Aufenthalte. Vielleicht war es die Mythologie Jupiters, die den Herrscher schon damals in ihren Bann ge- zogen hatte, aber davon mehr im Artikel über die Saalburg.

Simulation: sunearttool/ Bilder:                                                                      Bilder wikipedia /Jupitertempel:JanHilgers/ Jupiter: G.dallorto / Monolith Ralph Ellis

Bonn und der Berg Ida

Bonn historischBonn in den 30-er Jahren mit Blick auf den Godesberg

Die Stadt mit dem ehemaligen Regierungssitz liegt in einer vielgliedrigen und fruchtbaren Landschaft. Hier ist die Temperatur höher als im Umland und deshalb beginnt hier der Frühling auch 14 Tage früher. Die Sommer sind heißer und die Winter dagegen meist kurz, mit wenig Schnee. Funde aus der Steinzeit belegen das die Landschaft schon früh besiedelt war. Aber erst nach der Varusschlacht im Jahr 9 n. Chr. blühte das Leben in Bonn auf. Das erste Kastell wurde erweitert und mit einer Legion belegt. In einer Siedlung die sich entlang der heutigen Adenauer Allee erstreckte lebten Handwerker und Kaufleute an. Erste schriftliche Hinweise zu der Siedlung am Rhein stammen von dem römischen Schriftsteller und Hist- oriker Florus. Um 120 verfasste er das zweibändige Werk `Epitoma de  Tito Livio bellorum omnium annorum DCC libri duo, in dem er die Ge- schichte Roms bis zur Varusschlacht beschreibt. Bei seinen Beschreib- ungen stützte er sich allerdings meist auf Sekundärquellen ohne die Orte je bereist zu haben. In diesem Werk findet man je nach Übersetzung den Satz: `Bonna und Gesoriacum verband er (Drusus) durch Brücken und verstärkte sie mit einer Flotte.´  In der Literatur wird diese Bezeichnung auf das keltische Wort bona zurückgeführt, das von den Römern übernomm- en worden sein soll. Hier offenbart sich jedoch ein ähnlicher Irrtum wie in dem bereits beschriebenen Kastell Vindobona.

Legionslager  PlanLegionslager Bonn

Bei der Spurensuche hilft auch die Anlage und Ausrichtung des Kastells das eine Unterkunft für 7000 Mann bot. Auch dieses große Bauwerk wurde nicht willkürlich angelegt, sondern seine Ausrichtung besaß ebenso eine mythologische Bedeutung. Obwohl es auf den ersten Blick auch mit heut- igen dem Uferverlauf des Rhens korrespondiert folgt es doch einer and- eren Ausrichtung . Als Anhaltspunkt bietet ist hier die Richtung der Via pincipalis an, die einen Deklinationswuinkel von rund 82.1 ° aufweist. Die Peilrichtung erstreckt sich über die flache Rheinebene, ehe sie bei Merten an einer Siegschleife auf eine Anhöhe trifft. Vergleicht man den Deklinat-ionswinkel und die Sichthöhe mit möglichen Aufgangspunkten der Sonne, so grenzt sich die Zeit auf den 4.-5. April ein.

Landschaft PlanKastell, Ausrichtung Sonnenaufgang

Im römischen Festtagskalender sind hier die Ludi Megalenses verzeichnet. Sie dauerten vom 4. bis 11.April und waren als offizielle Feriae stativae der Magna Mater gewidmet. Der letzte Tag dieses Festes war zugleich ein Ge- denktag für den 191v.Chr. gegründeten Tempel der Magna Mater Idaea, der auf dem Palatin an der dem Circus Maximus zugewandten Seite erbaut wurde. Dazu wurde die Figur der Kybele in Gestalt eines Meteoriten nach Rom überführt und dort in eine schwarzgesichtige Silberstatue einge- arbeitet. Der Magna Mater Kult geht auf die Verehrung der phrygischen Göttin Kybele zurück. Ihren Namen erhielt sie nach ihrem Heiligtum, dem Berg Ida, wo sie auch mit dem lateinischen Namen Mater Deum Magna Ideae bezeichnet wurde.

kybele attis löwenwagenKybele auf dem Löwenwagen

Der in Kleinasien entstanden Kult breitete sich über Griechenland Thrakien und Rom bis nach Zentraleuropa aus. Im Zentrum des Kultes stand das Paar Kybele und Attis, als Sinnbild des männlichen und weiblichen Prin- zips. Nach dem vom griechischen Reiseschriftsteller und geographen Pausanias überlieferten Mythos war Zeus auf dem Berg Agdos in Phyrg- ien, dem späteren Berg Ida, eingeschlafen und dabei fiel sein Samen zu Boden. Er befruchtete das Felsgestein worauf die Zwittergestalt Agdistis entstand.  Auf Grund seines furchterregenden Wesens wurde es von and- eren Göttern kastriert und wurde so zur Kybele. Schließlich entstand aus den Genitalien Attis, ihr Geliebter. Bei Wissenschaftlern ist der Begriff der Großen Göttin, einer Urmutter deren Gestalt bereits in Figuren der Altsteinzeit erkennbar ist , heftig umstritten.

Zeus Berg IdaZeus auf dem Berg Ida

Ludi Megalenses waren ein beliebtes Fest mit Wagenrennen und Theater- spielen die die Kultfeierlichkeiten umrahmten. Bis zu Beginn der Kaiserver- ehrung stand dabei die Verehrung der mütterlichen Schutzfunktion Kybeles im Vordergrund. Während bei den Römern anfänglich die Rolle Attis fast nebensächlich war, erstarkte diese ab dem 1. Jahrhundert wieder und Kybele wurde zu einer der wichtigsten Göttinnen des Pantheons. Dabei verschmolz ihr Bild auch mit der guten Göttin Bona Dea und der Semele. Der Paargedanke wie er bei Kybele auftaucht scheint Bonn aber treu ge- blieben zu sein. In der im11.Jahrhundert verfassten Schrift `Passio sanct- orum Gereonis, Victoris, Cassii et Florentii Thebaeorum martyrumß´ wur- den Cassius und Florent- ius als Mitglieder einer legendären Thebäischen Legion genannt, die für ihre Bekenntnis zum Christentum mit dem Martyrium bezahlen mussten.

Cassius und FlorentiusCassius und Florentius

Über den Gräbern der beiden Heiligen wurde die romanische Stiftskirche St.Cassius und Florentius die ihnen geweiht ist. Wenige Jahrhunderte nach dem Kybele-Attis Kult wurden sie zu den neuen Stadtpatronen der Stadt. Doch ihr Gedenktag wurde in den Oktober gelegt, also weit genug entfernt von den fröhlichen Tagen der Kybele- Bona Dea- Semele Feiern. So betrachtet, scheint auch die Interpretationsmethode, Namen auf ver- meintlich keltische Ursprünge zurückzuführen durchaus System zu be- sitzen. Mit diesem Vorgehen konnte der eigentliche Ursprung vieler Orts-, Flur- und Gewäs- sernamen am besten verschleiert werden.

Bilder: Reichslimeskommssion, Wikipedia, Heinz Weingartz-Bonner Münster / Simulation: sunearthtool

Lorch, Isis und das Kloster

Kloster LorchKloster Lorch

Orte wie das Kloster Lorch entstanden nicht zufällig. Durch die heraus-ragende Lage über dem Remstal und die Sichtbverbindung zum Rech- berg  hatte es eine ideale Lage, doch die war sicher.schon viel früher erkannt worden  Doch die überlieferte Geschichte der Stadt Lorch beginnt mit erst dem Bau eines Kohortenkastells am süd lichsten Punkt des Obergermanischen Limes.. Ab dem Kastell Walldürn verläuft die die Grenzbefestigung mit einer unerklär-lichen Präzision von 50cm Abweich- ung auf einer Länge von 50 Kilometern. Diese Abweichung hatte keine verteidigungstechnischen Gründe sondern muss als Machtdemonstration des römischen Ingenieurwissens gesehen werden mit dem die hiesige Bevölkerung beeindruckt werden sollte. Dies lässt auch darauf schließen dass bei der Eroberung mehr vorgefunden wurde als ein kaum bevölkerter Landstrich.

Lorch KastellLorch Kastell

In der Zeit um 140 n. Chr. wurde das Kastell in der Talaue der Rems auf dem Gebiete der heutigen Kirche errichtet. Doch auch diese Anlage weist ein leichte Verdrehung aus der Ostwestachse auf die nicht durch geolog-ischen Ursachen bedingt war. Wie alle römischen Kastelle entlang des Limes war auch das Kastell in Lorch auf einen Punkt am Horizont ausge-richtet, der entweder durch den Sonnenaufgang zu einem bestimmten Datum oder den Aufgang eins Sterne bestimmt war. In Lorch war das Kastell ca. 9.6° aus der Ostwestachse nach Süden verschwenkt und damit auf die Fläche beim heutigen Kapellenhof in Straßdorf ausgerichtet. Vergleicht man die Daten mit dem Sonnenaufgang, so ist hier, vom Kastell aus betrachtet, der Sonnenaufgang um den 5. März zu sehen. An diesem Tag begannen in Rom die Feierlichkeit zu Ehren der ägyptisch-römischen Göttin Isis. In der Spätantike zählte der Isis-Osiriskult zu den beliebten Mysterienkulten die im gesamten römischen Reich verbreitet waren und mit Legionären nach Germanien kam.

Isis MuseiCapitolini beIsis Statue, Capitolinische Museen

Der Isis-Osiris Kult hatte sich im ägyptischen Reich entwickelt, wo die Insel Philae zu den bedeutendsten Heiligtümern der Göttin zählte. Im römischen Reich wandelte sich ihr Bild zur Herrscherin der Unterwelt, aber auch der Muttergöttin und damit zu einem Symbol des ewigen Leb- ens. Im Isis-Oosirismythos wurde ihr Gemahl von seinem Bruder Seth getötet, der seinen Leichnam in den Gauen Ägyptens verstreute. Isis gelang es jedoch ihren Gemahl wieder zusammenzusetzen und seinen Samen aufzunehmen. Der so gezeugte Horusknabe rächte seinen Vater und wurde damit zum Herrscher der Oberwelt. Die Zeremonien zogen sich über mehrere Wochen hin, wobei in Ägypten im November die Auf- findung des Osiris gefeiert wurde und seine Leiche, als tönernes Abbild  mit den Tränen der Isis benetzt wurde. Der Dezember stand ganz im Zeichen der Passion des Osiris und seinem Abtauchen in die Unterwelt. Erst zur Wintersonnenwende erfolgte sein Wiedergeburt zeitgleich mit der Geburt des Horuskindes.

isis Fresco Ägypten  beIsisdarstellung Ägypten, mit Sonnenscheibe

Die Lage in Lorch bot auch dafür den idealen Ort. Auf dem Gebiete des heutigen Klosters. kann man am Tag der Winterson-nenwende den Sonnenaufgang über dem Rechberg, dem heutigen Marienwallfahrtsort verfolgen. Für diesen Standort dürfte auch ein Grundsatz römischer Politik ausschlaggebend gewesen sein, die örtlichen Gottheiten zu adaptieren und in das eigene Götterimperium aufzunehmen. An diesem Ort lassen zwei Visurlinien zu Sonnenaufgangspunkten den Schluss zu, dass hier bereits lange vor der Besetzung der Römer eine Kultstätte der Kelten existierte ein wichtiger Punkt war der Rechberg und ein weiterer lag unweit der heutigen Kirche St. Cyriacus in Straßdorf, wo der Sonnenaufgang am 01. Februar verfolgt werden konnte.

Kloster Rechberg beRechberg

Plan SonneLorch Sonnenkalender

Der heilige Cyriacus zählt zu den 14 Nothelfern der katholischen Kirche. Häufig wird er mit einem Teufel dargestellt den er an einer Kette herum-führt. Cyriacus wurde um das Jahr 300 durch Papst Marvcellinus zum Diakon geweiht und war anschließend hauptsächlich mit der Verkündung des Evangeliums betraut. Seine Gebeine liegen heute in der mehrfach zerstörten Stiftskirche St: Cyriakus in Neuhausen bei Worms. Legenden berichten dass Cyriakus aber auch als Arzt und Exorzist tätig war. Unter anderem soll er in dieser Funktion die Tochter Diokletians von ihrer Be- sessenheit erlöst haben. Hier zeigt sich nun eine Parallelität zu den Riten des keltischen Imbolcfestes das an 1.Februar gefeiert wurde. Ein alter Brauch war es an diesem Tag mit viel Lärm, oder auch Peitschenhieben die bösen Geister des Winters zu vertreiben.
Nach dem Untergang des Römischen Reiches tauchte der Ort erst um  die Mitte des 11.Jahrhunderts in der Geschichte wieder auf, als die Staufer dort ein Kollegialstift gründeten. Dieses Stift wählten sie ursprünglich zu   ihrer Grablege, doch wenig später ließen sie weiter östlich, auf einer An- höhe bei Lorch , das Kloster als Benediktinerabtei errichten. Diese Kloster sollte fortan als Grablege der Dynastie dienen. Im 12. Jahrhundert wurde der Ort in verschiedenen Schrift- stücken mit der lateinischen Bezeich- nung Laureacus und Laureacum monasterium erwähnt. Das ganz ähnlich klingend lateinische Wort laureatus bedeutet `mit Lorbeeren bekränzt´. Hier schließt sich der Kreis, denn eines der Symbole der Isis war die goldene aus Lorbeer-zweigen geflochtene Getreideschwinge, die als Symbol für das Gedeihen des Horuskindes wie auch des Korns diente.

Bilder: Kloster-Wikipedia/BernH/Rechberg-Remstalhöhenweg/Simulation Sunearthtools

Der Schönberg und das Kegelspiel

schönberg und Rechbegrle

Schönberg und Rechbergle

Der Schönberg ist eine Bergkuppe zwischen den Dreikaiserbergen (Hoh- enstaufen, Rechberg, Stuifen) und der Albhochfläche beim Kalten Feld. Wie auch die Dreikaiserberge be- findet sich der Schönberg auf dem Bergrücken zwischen dem Filstal im Süden und dem Remstal im Norden. Im Gegensatz zu den Nachbarbergen ist der Schönberg nicht be- waldet, sondern mit einer Wacholderheide überzogen, die ihm einen eigentüm- lichen Reiz vermittelt. Schon frühzeitig unter den Deckmantel des Natur- schutzes gestellt ist nichts über ihn bekannt. Obwohl Erosionsspuren deutliche Hinweise geben dass er nicht zum Schichtengefüge der  Schwäbischen Alb gehören kann, wurde nicht weiter auf ihm geforscht.   Im Süden liegen vor ihm der Bergsporn Granegg und das Rechbergle, das in seiner Form dem größeren Rechberg durchaus ähnlich kommt. Sagen von einem Ritter paar und einem golden Kegelspiel bieteen einen ersten Hinweis auf die frühere Funktion der beiden Berge. Fast zwei Dutzend Sagen über ein goldenes Kegelspiel gibt es in den deutschsprachigen Ländern. Eines dieser Beispiele ist das Kegespiel das ein Bergkönig im Rasselstein bewachen soll, der in der Nähe des Tiroler Ortes Obernberg liegt.

Wappen Obernberg

Wappen Obernberg

Wappen v Wissgoldingen

Wappem von Wißgoldingen

Auch auf der Burg Granegg sollen Ritter ein solches Kegelspiele besessen haben, das sie in Kriegszeiten in einer Höhle vergruben. Dieses Schatz verbindet sich auch mit der Sage des Bauern Veit, der eines Tages einen Zugang zu dem Schatz fand und später in geistiger Umnachtung verstarb. Eine weitere Sage berichte von den beiden Brüdern die in zwei Bur gen auf dem Rechbergle und dem Granegg wohnten. Beide verliebten sich in ein wunder- schönes Mädchen, worauf es zum Streit zwischen beiden kam. Bei dem anschließenden Zweikampf fanden beide den Tod.

Ruine Granegg be

Ruine Granegg

Betrachtet nun die Beziehungen des Schönberg zu den beiden Bergen näher, so zeigt sich eine erstaunliche Parallelität mit der Sage der beiden Brüder. In unterschiedlichen Zeitabschnitten gab es zur Wintersonnen- wende jeweils zwei Himmelsereignis über den beiden Bergen die eng miteinander verknüpft waren. Wenn um 3500 v.Chr. über dem Granegg zur Wintersonnenwend die Sonnee unterging, erschien kurz darauf der Stern Aldebaran aus dem Sternbild Stier über der Bergkuppe und gab damit ein weiteres Zeichen für das Datum

Schönberg Plan 1

Der Schönberg Kalender um 3500 v. Chr.

Auch für den in alten Kulturen gebräuchlichen lunisolaren Kalender bot der Schönberg als Zeitmessberg die besten Voraussetzungen, denn die Ab- stimmung mit den Mondzyklen konnte jeweils an den äußersten Wende- punkten, dem Rechbergle, sowie dem Stuifenhorn abgelesen werden. Während das Rechbergle durchaus natürlichen Ursprungs sein kann steht dies beim Stufenhorn außer Frage. Gut zwei Dutzend Querwände unter- teilen das aufgeschichtete Gestein und stabilisierten es an der Nordseite des Tafelberges, der auf seinem Plateau ein riesiges Gräberfeld enthält. Um dieses Jahresereignis gebührend feiern zu können, diente wohl auch das größere Gebäude auf der Kuppe des Schönberges, der einst mit einer kleinen befestigten Siedlung umgeben war. Deren Hausgeometrie scheint mit den Bautypen  der frühen Bronzezeit übereinzustimmen. Die Geo- metrie sowie der künstlich aufgeschüttete Hügel würde auch zu den Siedlungen der Tell-Kultur passen, die sich ab dem 6. Jahrtausend vom Orient aus über das südliche Europa ausbreitete. Dort und auch haupt- sächlich in Ungarn haben sich diese Tells noch gut erhalten.E iner der ältesten Siedlungshügel ist der Tell von Karanowo in Bulgarien. Er gab auch der Kultur ihren Namen, die von 6000 v. Chr. bis zur frühen Bronze- zeit auf dem Balkan identifiziert ist. Damit überschneidet sie sich mit der brandkeramischen Kultur Mitteleuropas. Wie die Brandkeramiker ihre Kenntnisse zur  Datumsbestimmung mit den Kreisgrabenanlagen unter Beweiß stellten, verfügte auch die Karanowo Kultur bereits Vorstellungen von astronomischen Zusammenhängen.Zodiak Kanovokultur

Darstellung des Tierkreises, um 4800 v. Chr.

Doch hier in Mittel europa sind wahrscheinlich die meisten dieser Aklagen durch üppige Vegetation überwuchert, oder werden bestenfalls, wie beim Schönberg als Naturdenkmäler betrachtet.

Tell 01

Tell Es-Safi, südlich der Stadt Aschdod

Die Bedeutung der Sonne ergibt nun auch den gesuchten Anknüpfungs- punkt zur Sagenwelt der beiden Berge Rechbergle und Granegg. Das Gold des Kegelspiels ist ein arche- typisches und auch ambivalentes Motiv in der Geschichte. Bereits in der Frühgeschichte symbolisierte Gold die fruchtbringende Sonne und stand damit für das Gedeihen der Nahrung, doch zugleich förderte sein Besitz Neid, Gier und Eifersucht. Die Sage des Bauern Veit der nach seinem Fund in einer Höhle des Granegg im Unglück endet kann so als ein- deutige Warnung verstanden werden vom alten Glauben Abstand zu halten. Das Motiv der Kegel führt zum eigentlichen Grund der Sage. Peter Asmus findet dafür in seinem Buch Indogerman- ische Religionen eine überzeugende Erklärung. Das Kegeln galt als Spiel der Unterschichten und im Fallen der Kegel reflektierte sich auch das Bild der während der Christianisierung umgeworfenen Götterstatuten, die damit einen niederen Rang zuge- wiesen kamen. Die Sagen um das Goldene Kegelspiel, die beiden unglücklichen Brüder oder dem Hauptmann Roth der mit kopflosen Hunden am Reiterles Kapelle zu sehen sein soll ent- standen also nicht zufällig. Mit diesen Sagen wurde die einstige Bedeutung der Orte in Abrede gestellt und mit dunklen, bösartigen Mächten in Verbind- ung gebracht, um die einfache Bevölkerung von ihrem noch bis weit in die Neuzeit hinein gepflegten vor- christlichen Glauben abzubringen. Darüber geriet der Schönberg völlig in Vergessenheit. Nur sein Name erinnert noch an den schönen Ausblick auf das kommende Jahr.

Bilder Wickipedia/PWagenblast, Tell/Jakob Wimmer- Simulation: Stellarium