Der Felsenturm von Hausen

Die Ruine des Schlosses Hausen im Tal, Foto Andreas Praefcke

Ein oft zu lesende Erklärung für die meist exponierte Lage mittelalterlicher Burgen ist ihre strategische Lage, die eine gute Sicht auf zu kontrollierende Verkehrswege er- laubte. Doch der Aufwand für diese Anlagen war meist hoch und ihre Versorgung schwierig, ganz abgesehen vom mangelnden Komfort in luftiger Höhe. Gerade bei den Burgen an der oberen Donau zeigt sich aber ein bis heute weitgehend unbeachtetes Merkmal. Alle die Orte, auf den heute noch die Ruinen mehr oder weniger großer Burgen stehen, eignen sich auch hervorragend zur Sonnenbeobachtung. Dies dürfte auch den frühen Bewohnern des Paläolithikums nicht entgangen sein. Auch auf das Schloss Hausen, das auf einem hohem Felsenturm knapp 6 km vom Kloster Beuron entfernt.über der Donau liegt, trifft dies zu.

Historische Ortsansicht im Ruine Hausen. Lithografie,, M. F. Ring.1829

Der Ort liegt also unweit der Jägerhaushöhle und den dort entdeckten Relikten aus der Zeit des Beuronien. Diese Kulturstufe folgte einem Ereignis das erdgeschichtlich von historischer Bedeutung war: der Dryas Impact. Der Einschlag eines Asteroiden im Raum Kanada lösten durch Erdbeben und großflächige Waldbrände verheerenden Verwüst- ungen auf der Nordhalbkugel aus. Aufgewirbelte Asche, deren Wirkung noch vulkan- ische Auswürfe verstärkt wurde, führten deshalb zu einer raschen Abkühlung der be- ginnenden Warmzeit, die um 12000 v. Chr. begann. Spuren dieser großflächigen Zer- störungen lassen sich bis heute in Bodenschichten anhand der Iridiumanomalie er- kennen, eines Metalls, das bei Impacten entsteht. Diese erneute Kälteperiode, eine Minieiszeit wird als Dryas III bezeichnet und dauerte etwa von 10700 bis ca. 9000 v. Chr., dem vermuteten Beginn Beuronien Kultur. Ihren Namen erhielt dieser Zeitabschnitt von der damals weit verbreiteten Pflanze Dryas octopetala. Die Verwüstungen ließen eine karge, nur von niederem Bewuchs bedeckte Landschaft zurück, in die heimische Gehölze erst wieder im 9. Jtsd v. Chr. zurückkehrten. Die dann entstandene Kultur wird als eine Jäger- und Sammlergesellschaft beschrieben, die als Nomaden lebte. Die Fels- landschaft an der oberen Donau bot diesen Nomaden aber nicht nur ein ideales Jagdgebiet, sondern auch zahlreiche Orte für die Sonnenbeobachtung und damit ver- bundene kultische Zwecke.

Das Maß von Hausen

Als einer dieser Orte offenbart sich auch das Dreieck der Ruinen Schloss Hausen, der exakt im Osten gelegenen Ruine Schauenburg und der Ruine der Wagen- oder auch  Lägelinburg genannt. Wie noch an mehreren anderen Orten entlang der Donau zeigt sich auf Grund der exakten Beziehung dieser Orte, dass in der Frühgeschichte bereits die Kenntnis der Erdgeo-metrie vorhanden gewesen sein musste. So beträgt die Entfernung vom Plateau des Schlosses Hausen bis zur Schauenburg, die auf dem gleichen Breitenkreis liegt, 2,67 Kilometer. Auf den ersten Blick erscheint dies zufällig zu sein, doch die Strecke entspricht genau dem 15000-fachen der Äquatorlänge. Wird jedoch die Gradzahl eines Vollkreises von 360° durch 15 geteilt, ergibt dies dann die Anzahl von Stunden eines Tages. Auch die Entfernung zur Wagenburg ist auffällig, denn auch hier beträgt der Abstand 1km, bei einem Winkel zur Ostwestachse von 60°. Wird die Entfernung zur Schauenburg noch einmal durch 10000 geteilt, entsteht das Maß 0,267m, das sich leicht mit dem Teiler 15/12 in das vormet-rische Längenmaß des Drusischen Fußes von 333,75m umwandeln lässt. Damit wird bereits die Länge eines gedrittelten Meters sichtbar, der ja auch in der Entfernung zur Wagenburg mit 1km auftaucht. Über den Teiler 18/16 führt der Drusianische Fuß  dann zum Kretisch-Äginetische Fuß von 0,2962mund schließlich zum Pes Romanus, dem bis um Mittelalter gebräuchlichen Maß. Damit zeigt sich hier eine identische Situation wie bei den beiden Höhlen Hohle Fels und Sirgenstein.

Hausen, vom Schloss Hausen aus gesehen, Foto Photo: Andreas Praefcke

Ideal eignet sich der Ort zur Beobachtung des Sonnenaufganges während des Äquin-oktiums über der Schauburg und während des Untergangs zur Sommersonnenwende in den nach Hausen führenden Taleinschnitt. In knapp 200m Höhe liegt Schloss Hausen auf reinem Felsenturm über der Donau. Das Bauwerk entstand in 4 Bauphasen ab dem frühen 11. Jhd. und wird 1094 erstmals als Besitz des edelfreien Geschlechts derer von Hausen erwähnt.Knapp 800 Jahre später, wurde nach mehreren Besitzerwechseln mit dem Abbruch des Schlosses begonnen. Ale einer der ersten Schrifttsteller beschreibt der 1808 in Hausen im Tal geboren Dichter Anton Schulde die Landschaft, sowie die Burg in seinem Buch `Das Donau-Thal von Tuttlingen bis Sigmaringen´ und erwähnt dabei auch die Sage von der Lägelinburg. Einer alten Volkssage zufolge soll in einer Höhle unter der Burg eine verwunschene Jungfrau wohnen und zusammen mit einem schwarzen Hund einen Schatz hüten. Auch hier bietet, wie an anderen Orten, die Sicht auf Sternbilder eine mögliche Erklärung. Im 17. Jhd. markierte von Schloss Hausen aus. die letzte Sicht des Sternes Sirius aus dem Sternbild des Großen Hundes den Tag von Maria Namen, dem Feiertag der Befreiung Wiens während der 2. Belagerung durch ein türkisches Heer. Der Ankündiger Sirius galt seit den Römern als der Hundsstern, weil sein Aufgehen vor der Sonne in der heißesten Jahreszeit statt fand. Hunde wurden jedoch, seit dem Mittelalter nicht mehr wie in den alten Mythologien als Seelenführer gesehen, sondern standen nun mit dem Teufel in Verbindung.

Bilder: Historische Ortsansicht im Ruine Hausen. Lithografie,, M. F. Ring.1829 / Wikipedia / Die Ruine des Schlosses Hausen im Tal, Foto Andreas Praefcke, CC BY 3.0 / Ruine Hausen vom Tal aus (Schloss Hausen im Tal), Gemeinde Beuron, Landkreis Sigmaringen, Foto Andreas Praefcke / Hausen, vom Schloss Hausen aus gesehen, Foto Photo: Andreas Praefcke / Simulation stellarium, sunerathtools, opentopomap