Nippur, die Stadt des Wissens

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Nippur-Elle im Archäologischen Museum Istanbul, Foto Aeroid

Ein in der Stadt Nippur gefundener Maßstab, die Nippur-Elle gilt als das älteste, überlieferte Maß der Welt. Der Maßstab, eine stark vergrößerte Form des sumerischen Schreibgriffels besteht aus einer bislang unbekannten Kupferlegierung und wird heute im Museum von Istanbul ausgestellt. Die Projektgruppe ‚Maße – Musik – Mathematik´, die zahlreiche vor- metrischen Maße untersuchte, hat für die Nippur-Elle mit einer Länge von 518,30 mm eine Maßdifferenz von +/- 0,87 mm festgestellt Damit liegt der Maximalwert der Nippur-Elle bei 0.51917 m. Erklärungen zur Grundlage des Maßes gibt es mehrere. Beginnt man bei der kleinsten sumerischen Maßeinheit, dem Sche, dann könnte die Bezeichnung für das Gerstenkorn tatsächlich die Grundlage für dieses Maß gebildet haben. So ergeben 6 Sche eine Länge von ca. 1,85cm. Damit hätte ein sumerisches Gerstenkorn die Länge von ca. 3 mm. Die Länge des Sche entspricht dann 1/28 einer Nippur-Elle, die damit der Länge von 168 Sche entspricht.

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Gerste (Hordeum vulgare), Foto CSvBibra

Bei beiden Zahlen fällt die Verbindung zum Aspekt der Vollkommenheit ins Auge, denn sowohl die 6, wie auch die 28, gelten mathematisch betrachtet, als vollkommene Zahlen. Gleichzeitig wäre der Ursprung des Maßes, das Sche, auch ein Verweis auf die Bedeutung der Landwirtschaft im Zweistromland. Die Vorstellung, dass ein Gerstenkorn die Grund- lage des Maßes bildete, hielt sich noch bis in die Zeit des Hochmittelalters in England. Dort war das barleycorn, ein gebräuchliches Längenmaß von 0.84ö6 cm, das der Länge von 3 Gerstenkörnern entsprach. Damit wäre das englische Gersternkorn sogar noch etwas kürzer als das sumerische gewesen, Mit weniger als 3mm unterschied ich dieses Länge aber deutlich von der heutigen Länge eines Gerstenkornes mit 8mm. Eine Frucht ist aber Maßschwankungen unter-  worfen die durch sich verändernde Witterungsbedingen verursacht werden. Bei dieser Methode bliebe dann nur der Ausweg über ein Mittel aus verschiedenen Ernten das eigentliche Maß festzulegen.

Nippur_Tempel_Haynes01Nippur Tempel, Ausgrabung, Foto John Henry Haynes in 1893.

Da viele der späteren Maßstäbe durch neue Teilungen der Nippur-Elle entstanden, wäre aber die Festlegung des Gerst-enkornmaßes ja nur einmal notwendig gewesen. Forscher tendieren aber heute zu einer rein mathematischen Festlegung des Maßes durch eine Multiplikation der folgender Zahlen.7^4 x 3^3 x 2^3 =0.5186. Dabei stellt der erste Teil 7²x 7² einen Verweis auf die Idealzahl der sumerischen Kosmologie dar, So verweist hier die 9 auf eine dreifache Trinität und das Produkt 2×3 auf die Vollkommenheit der 6. Zugleich ist sie auch Teiler der Tagesstunden wie de Gradzahl des Vollkreises. Trotz den Verweisen auf die sumerische Mythologie erscheint die Zusammenstellung der Zahlen willkürlich und keiner zwingenden Logik folgend. Eine viel schlüssigere Erklärung , de aber bislang außerhalb der Vorstellung liegt, bietet das reale Maß der Erde.

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Die magische Zahl 193, Tetrkatys

Betrachtet man hier den Umfang der Erde über die Pole gemessen, beträgt der heute 40007863m. Die anschließende Teilung durch das mittlere Maß der Nippur-Elle von 0.5183 ergibt =77190551.8 Ellen. Die Idealzahl 77200000 enthielte dann eine Ungenauigkeit von 4,9 km und entspräche damit auch der einst errechneten Maßdifferenz bei der Festlegung des Urmeters. Bezieht man hier die geringfügige Ausdehnung der Erde von ca. 0.195cm pro Jahr mit ein, bliebe somit eine Ungenauigkeit von ca. 3 Kilometer übrig. Die Zahl 772 gewinnt ihre symbolische Bedeutung aber erst als Produkt aus 4×193. Beide Zahlen verbinden so das Maß mit einer philosophisch-kosmologischen Vorstellung. Die 4 verweist hier auf die Erde mit ihren vier Himmelsrichtungen und die 193 stehen für die Punkte des Hexagrammes, das aus zwei spiegelbildlichen, gleichseitigen Dreiecken besteht. Diese Figur zählt zu den ältesten Kult- und Schutzsymbolen, die auf sumerischen Tontafeln gefunden wurden. Doch Gültigkeit von Maßen ist immer zeitabhänig und war sicher auch immer von einer mythologischen Sicht abhängig. So könnte irgendwann auch die 2 als störend empfunden worden sein. Doch die Zahl 77, das ideale Bild des Kosmos entsprach dieser Messung nur, wenn auch einen anderes Maß für die Elle gewählt wurde. Mit dem maximal errechneten Maß der Nippur-Elle von 0.51917m ergeben sich beim Polumfang dann 77061199.6 Nippur Ellen. Die Abweichung von der tatsächlichen Länge des Erdumfangs beträgt nun aber ca, 30km. Da Maße die Grundlage jeder Kultur sind, zeugen sie auch vom Wissen über den Raum und die Zeit. In der Stadt Enlils waurde mit dem Maß der Erde auch die Grundlage des heutigen Wissens geschaffen worden.

Bilder: Nippur-Elle im Archäologischen Museum Istanbul, Foto Aeroid ,CC BY-SA 4.0 / Nippur-Elle im Archäologischen Museum Istanbul, Foto Aeroid,CC BY-SA 4.0 / Gerste (Hordeum vulgare), Foto CSvBibra – Eigenes Werk Original book source: Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, gemeinfrei / The Nippur temple excavation photographed by John Henry Haynes in 1893. (Courtesy University of Pennsylvania Museum of Archaeology and Anthropology) John Henry Haynes – archive.archaeology.org( Nippur Tempel, Ausgrabung, Foto John Henry Haynes in 1893.) Die magische Zahl 193 , Tetrkatys, http://www.decemsys.de/zahlen/193.htm