Sagenhafte Orte – der Ailenberg bei Esslingen

: Esslingen Mittelalter, Andreas Kieser 1683, Forstlagerbuch

Die Stadt Esslingen hatte einst eine innige Verbindung zu mehreren Katharinen. Dies ist sicher den Einflüssen der Katharinensage zuzuschreiben.. Wurde Die erste Katharina, Katharina von Alexandria wird mit dem Beginn des Heilwesens im mittelalterlichen Esslingen verbunden und eine zweite, mit dem pfälzischen Erbfolgekrieg. Ihre Erzählung spielt nicht weit entfernt von dem Ort, an dem der Legende zufolge, Katharina von Alexandria von den Soldaten des Kaisers Maxentius ermordet worden sein soll. Die ins Neckartal weisende Anhöhe Ailenberg liegt südwestlich der Katharinenlinde, etwas unter- halb des Ortes Rüdern. Die Anhöhe ermöglicht eine fantastische Aussicht in Richtung Albrand und ins Neckartal. Wenn man aber einer anderen Sage Glauben schenkt, sollte dieser Ort in der Zeit zwischen Weihnachten und Drei König möglichst gemieden werden. Dann soll der dort beheimatete Schlurker, ein uralter Weinbergeist, gleich Odins wilder Jagd, mit viel Lärm über den Hügel rasen. Von den dort ansässigen Wengertern wird sein Erscheinen aber als Anzeichen für ein gutes Weinjahr gedeutet. Der so verwunschene Ailenberg hinderte den Esslinger Stadtamtmann Jos Burkhardt aber nicht daran, dort test- amentarisch den Bau eines `Lustgheußlins´ zu verfügen. Dieses Bauwerk sollte aber auch als Zerstreuung für die Bürger der Stadt dienene. Erbaut wurde der Turm im Jahr 1574 und er ist heute Gegenstand einer weiteren Sage, der Mélac-Sage

Der Mélacturm auf einer alten Ansichtskarte

Sie entstand in ihrer ursprünglichen Fassung wohl einige Zeit nach der Besetzung Ess- lingens während des pfälzischen Erbfolgekrieges durch die Truppen des Generals Mélac. Mélac war ein ehrgeiziger Offizier, dessen Karriere nach der Ehe mit der Tochter eines französischen Marschalls richtig an Fahrt aufgenommen hatte. Unter seinem Kommando sprengten französische Truppen im Frühjahr 1689 das Heidelberg Schloss und steckten anschließend die gesamte Stadt in Brand. Nach dem gleichen Schema der verbrannten Erde zogen sie dann weiter nach Süden bis sie Esslingen erreichten. Aus Angst vor den brandschatzenden Truppen brachte der Hochdorfer Pfarrer Haug seine schöne Tochter Anna Catharina zu einem Verwandten nach Esslingen, dem Wirt zum Goldenen Adler. Dort hatte die Bürger ebenso Angst, dass Melac auch Esslingen niederbrennen würde und öffneten ihm deshalb ihre Stadttore. Schließlich bezog Mélac sein Quartier ausgerechnet im Goldenen Adler, wo auch die schöne Catharina logierte. Catharina wies Melac immer wieder ab, bis der wütende General damit drohte auch Esslingen niederzubrennen. Schließlich trafen sie sich aber im Turm auf dem Ailenberg. Dort versuchte Catharina den General zu erdolchen, was ihr aber nicht gelang. Wütend vor Zorn stach der nun selbst zu und traf die Angebetete mitten ins Herz. Von Schuld geplagt, soll er bald darauf Esslingen Hals über Kopf verlassen haben. Doch die Geschichte hat nicht nur in der Gestalt der Anna Catharina einen wahren Kern. Sie gab es tatsächlich und aus ihrer Verbindung mit Mélac soll ein Sohn hervorgegangen sein. Zwei Jahre nach dem Vorfall heiratete sie dann den Adlerwirt Rutenberger und nach dessen Tod ein drittes mal. Im Alter von 75 Jahren ist `das Mädchen von Esslingen´ im April 1743 gestorben.

General Mélac

Im heutigen Flurname steckt die Vorsilbe `Ail´, die auch im Name Aileen enthalten ist und die Glänzende, oder Strahlende bedeutet. Der klangvolle Name führt auch zu einer Eigenart des abgelösten Bergspornes am Neckar, denn er weist genau in Richtung des Sonnenunterganges während er Wintersonnenwende über der Quelle des Katzenbachs bei Heumaden. Doch seine Lage eignet sich ideal für de Beobachtung zweier weiterer Sonnenuntergänge, den am 1. Mai über dem Lederberg und den während er Äquinoktien über dem Frauenkopf.

Ailenberg, Ausrichtung

Diese besondere Lage des Ailenberges bezuüglich der Sonnenausrichtung haben wohl auch die Alemannen geschätzt, denn am höchsten Punkt des Berges fand der Wein- gärtner Karl Kopp aus Rüdern im Jahr 1857 das Grab eines Fürsten. Dessen sterbliche Überreste waren exakt nach Osten ausgerichtet war. Der Archäologe Karl Eduard Paulus wurde anschließend mit einer Dokumentation der Funde beauftragt. Sie wurden damals noch mit indischen Einflüssen gesehen. Heute gelten sie vom byzantinischen Stil beeinflusst. Während die Verbindung von Katzen und der Wintersonnenwende, dem früheren Yulfest, in Sagen oft thematisiert wurde, wirft der Name Lederbeg heute immer noch Fragen auf. Doch der Autor Helmut Dölker glaubt, dass der Flurname Leder aus der einstigen Gewinnung von Rinde zur Ledergerbung herrühren könnte. Die offensichtliche Verbindung zum Sonnenuntergang während der Walpurgisnacht offenbart aber noch eine weitere Erklärung zur Rindengewinnung. Zur Zeit des weitverbreiteten Hexenwahns gab es zahlreich tiefschürfende pseudowissen-schaftliche Erkenntnisse über deren Abwehr. Eines er gebräuchlichen Mittel war damals Lindenbadt, also das Gewebe unterhalb der Borke. Insgesamt diente der gesamte Baum zur Hexenabwehr, doch dem Bast wurden ganz besondere Kräfte zugesprochen. Er schützte, in ein Amulett gefüllt, vor böser Zauberei und wenn Vieh am Johannitag mit diesem Bast angebunden wurde, war es so das Jahr über vor bösem Zauber geschützt.

Mélacturm von Osten

Bilder: Wikipedia / Esslingen Mittelalter, Andreas Kieser 1683, Forstlagerbuch / Der Mélacturm auf einer alten Ansichtskarte, Enslin / General Mélac unbekannter Künstler – Rudolf Haas: Die Pfalz am Rhein. Südwestdeutsche Verlagsanstalt, Mannheim 1967 / Blick zum Mélacturm von Osten. Xocolatl, Simulation, sunearthtools

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Die 2 Katharinen der Katharinenlinde

Die  mystische Hochzeit der hl. Katharina von Alexandrien. Hans Memling, 1479

Esslingen wurde früh zum Ort eines Reliquenkultes der uns heute völlig fremd ist. Bekannte Heilige wie Vitalis und Dionysius wurden hier verehrt. Als ausgleichende Kraft durfte da eine Frau wohl nicht fehlen. Mit der Katharinensage wurde die Legende der Katharina von Alexandria, eine der wichtigsten weiblichen Heiligen des Mittelalters mit der Stadtgeschichte verwoben. Den Aufzeichnungen zufolge soll Mitte des 13. Jahrhunderts eine Pflegestätte für Kranke Esslingen entstanden sein die ihren Namen trug. Sie ging aber auf eine noch ältere Einrichtung zurück. An die Gründung dieses Spitals knüpft die Legende der heiligen Katharina an. Sie soll die Tochter des Königs von Zypern gewesen sein, die die Hand des Kaisersohnes ausschlug. Katharina sah nur Christus als ihren wahren Bräutigam an. Nach ihrer Taufe reiste sie nach Alexandria, wo sie auf Kaiser Maxentius traf, der von ihr forderte ihrem Glauben abzuschwören. Katharina weigerte sich und selbst die vom Kaiser hinzugezogen besten 50 Philosophen fühlen sich im Disput mit ihr unterlegen. An dieser Stelle teilt sich Urlegende und führt zur Esslinger Sage. Sie berichtet, dass Katharina den Folterknechten des Maxentius entkommen sei und bis auf die Hochebene von Rüdern floh. Eine Abwandlung berichtet auch von ihrer Flucht bis zum Ort der Linde. Ihre Verfolger holten sie ein und Katharina bat dort um ein Gottesurteil. Nach ihrem Wunsch sollte eine Linde umgekehrt eingepflanzt werden und wenn sie trotzdem austreibe, sei ihre Unschuld erwiesen. Das Urteil wurde aber nicht abgewartet und Katharina grausam getötet. Wie sie dies vorhergesehen hatte, wuchs eine prächtige Linde.

Martyrium der Heiligen Katharina von Alexandrien, Ferrari Gaudenzio um 1510

Ihr Tod in Esslingen glich dem in der Urlegende geschilderten. Dort brach während der Räderung das Rad auseinander. Da Katharina auch das Abreißen der Brüste überstand, wurde sie schließlich enthauptet. Engel trugen sie anschließend zum Berg Sinai. Dort wurde das um 550 entstanden Kloster zum brennenden Dornbusch nach ihr benannt. In der Basilika des Katharinenkloster befindet sich heute der Sarkophag, der angeblich ihren Leichnam enthalten soll. Ab dem 8 Jahrhundert begann sich die Martyriumslegende der Katharina zu verbreiten und so wurde der Katharinentag am 25. November zu einem wichtigen Tag der Vorweihnachtszeit., denn ab da begann die 40-tögige Fastenzeit vor dem Weihnachtsfest Einer der Bauernregeln an diesem Tag lautet: `Die Kathrein hat den Winter im Schrein´. Fortan war die kluge und schöne Heilige sie Patronin der Frauen, der Nonnen, der Philosophen, der Handwerker, aber auch der Kreuzritter. für die sie als Schlachtenhelferin diente. Um an dem Ort über dem Neckar das Gedächtnis an die Heilige aufrecht zu erhalten, wurde dort eine Feldkapelle erbaut, die bis 1580 existierte. Aber es gibt auch noch eine andere Version der Sage die Klaus Graf aufzeichnete. Sie berichtet von einer Gräfin Katharina die viel Gutes tat, das Christentum unterrichtete und auch die Stifterin des Spitals war. Neider und Feinde behaupteten aber, dass sie ihre Worte vom Teufel eingeflüstert bekam und deshalb wurde sie auch zum Tode verurteilt. Nach einem Lichtwunder wurde sie laut der Sage an der Stelle beigesetzt, wo heute die Katharinen- linde steht.

Die Katharinenlinde im Landschaftsschutzgebiet Esslingen

Doch der Ort erinnert nicht nur an die Esslinger, sondern auch an die Württemberger Katharina. Der Legende zufolge sollen die Gebeine der Katharina von Alexandrien an einem 13. Mai, irgendwann in der Zeit zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert auf dem Berg Sinai aufgefunden worden sein. Genau an diesem Tag sieht man auch den Sonnenauf- gang über dem nordöstlich gelegen Katzenkopf. Die Legende erzählt aber noch von einer weiteren Auffindung ihrer Gebeine am 26. Mai und an diesem Abend steht die Sonnen- scheibe beim Untergang für wenige Augenblicke hinter der Grabkapelle auf dem Roten- berg.

Sonnenrichtung Katharinenlinde

Dort ließ König Wihlem I, von 1820-24 die Grabkapelle für seine 2. Frau Katharina Pawlowna errichten. Ihre Eheschließung erfolgte in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit die ganz wesentlich von einer Naturkatastrophe beeinflusst wurde. Missernten, Teuerung, Hungersnot erforderten besondere Maßnahmen, die Katharina beherzt anging und der Not mit einer umfangreichen Wohltätigkeitsarbeit begegnete. Wie die legendäre Esslingerin, gründete auch sie mehrere Institutionen, um das Heilwesen und die Bildung in der Stadt Stuttgart zu verbessern. Auf ihre Initiative gingen die Gründung des Katharinenhospitals, des Katharinenstiftes, die Württembergische Landessparkasse, sowie das Wohlfahrts- werk für Baden-Württemberg zurück.

Büste der Königin Katharina von Johann Heinrich Dannecker

Ab Mitte des 18. Jahrhunderts ist hier von einer Linde an diesem Ort die Rede und der erwies sich bald als beliebtes Ausflugsziel. Auch Freimaurer der Stadt Esslingen fühlten sich dem Baum verbunden und gründete die Loge `Zur Katharinen Linde´. Er ist aber nicht nur ein Ort um das Leben der beiden Katharinen zu verbinden, sondern auch unabhängig von allen Legenden ein Ort um einen weiteren Sonnenaufgang zu beobachten. Hervor-ragend eignet er sich am Tag der Sommersonnenwende, denn da steigt die Sonne fast exakt im Sattelbogen zwischen Kernen und Katzenkopf auf. Auch dies zeigt, wie an vielen Punkten in der Region, dass Orte wie die Katharinenlinde, bereits zu einem viel früher entstandenen Bezugssystem gehören. Dessen Spuren führen auch nach Fellbach und dem südlich gelegenen Kappelberg.

Rotenberg Grabkapelle

Bilder: Wikipedia/ Triptychon der mystischen Hochzeit der hl. Katharina von Alexandrien. Hans Memling, 1479 / Martyrium der Heiligen Katharina von Alexandrien, Ferrari Gaudenzio um 1510/ Die Katharinenlinde im Landschaftsschutzgebiet Esslingen, CatalpaSpirit / Grabkapelle auf dem Württemberg (Luftaufnahme), Galgenberger / Büste der Königin Katharina von Johann Heinrich Dannecker, Enslin / Simulation sunearthtools.

Die Esslinger und ihr Teufel

Stadttor Neckarhalde

Die Zeiten in denen der Schrecken regiert erleben wir wieder. Scheinbar zufällig beginnt auch heute der Schrecken den früher der Teufel verkörperte, wieder mit der gleichen Vorsilbe Te, und wird jetzt Terror genannt. Die Reise in die Vergangenheit führt nach Esslingen, dessen Bürger ungestraft, die Zwieblinger, genannt werden dürfen. Der Grund ist in einer alten Sage zu finden, die über den Besuch des Teufels in Esslingen berichtet. Dort soll vor langer Zeit der Teufel durch das Tor an der Neckarhalde in die Stadt gekommen sein. Auf seinem Weg durch die Stadt grüßte er jeden und freute sich, dass ihn keiner in seiner Verkleidung erkannte. Als er auf dem Marktplatz ankam, war dort gerade Wochenmarkt. Hier sprangen ihm die Esslinger Äpfel sofort ins Auge und er fragte eine Marktfrau. `Wollt Ihr einen hungrigen Fremden nicht einen versuchen lassen?´ Die Frau war geschmeichelt, doch sie war wachsam genug um den Teufel am Bocksbein zu erkennen, das unter seinem Mantel hervorragte. Auch durch dessen schwefliger Geruch gewarnt, griff sie zu einer List. Die Esslingerin gab sich freundlich und reichte dem Fremden eine Frucht aus ihrem Korb. Sofort biss der Teufel gierig hinein. Bereits nach dem ersten Biss schüttelte er sich und spuckte voll Abscheu die prächtige Zwiebel aus, die die listige Marktfrau ihm gereicht hatte. `Das sollen eure Äpfel sein!´, schrie er voller Zorn. Spott über euch Esslinger!´ `Künftig sollt ihr nicht mehr Esslinger heißen, sondern Zwieblinger!´ Kaum hatte der Teufel die Verwünschung ausgesprochen, war er wieder verschwunden.

Heiliger Dionysius , Notre Dame de Paris

Die Gründe für die Entstehung der Sage sind bis heute unklar und deshalb vermuten Historiker, dass die Geschichte als eine identitätsstiftende Sage während der Reichs-gründung 1871 erfunden wurde. Natürlich ließe sich die Teufelssage auch als Seitenhieb auf die frühe Entwicklung Esslingens verstehen, die ja ebenfalls mit einer teuflischen Legende verknüpft ist. Abt Fullrad aus dem berühmten Kloster St. Denis vermachte im 8. Jhd. der Stadt Reliquien des heiligen Vitalis und des heiligen Dionysius. Die Reliquen machten den Ort zum Ziel von Wallfahrten und führten dadurch zu einer ersten wirtschaftlichen Blüte der Stadt. Doch gerade im Schicksal des heiligen Dionysius wurde den Bürgern auch vorgeführt, welche Macht der Teufel hatte. Dionysius, vom Papst als Missionar nach Gallien gesandt und bekehrte in Paris viele zum christlichen Glauben. Dort war der Teufel war neidisch auf seinen Erfolg und verklagte ihn höchst persönlich beim römischen Präfekten. Der ließ ihn enthaupten, doch Dionysius marschierte mit dem Kopf unter dem Arm, von einem Engel geführt, noch bis zum Mons martyrium, dem heutigen Montmarte

Tobias Mayer Stadtplan Esslingen 1739

Doch das Tor an der Neckarhalde führt zu einer möglichen Erklärung des Sagenstoffes. Obwohl der Teufel im Mittelalter 28 Tore zum Eintritt in die Freie Reichstadt Esslingen zur Auswahl hatte, musste wohl gute Gründe gehabt haben, ausgerechnet dieses Tor an der Neckahalde zu wählen. Es wurde im 14. Jahrhundert errichtet, also in einer Zeit als die phantastische Ausmalung der Teufelsgestalt ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte. Das Tor wurde vor die Stadtmauer gesetzt, um am Neckarhang den Zugang nach Esslingen besser schützen zu können. Innerhalb der Ausgestaltung des mittelalterlichen Teufels-bildes spielte der gefallene Engel, der Antagonist Gottes. der das Böse verkörpert, eine immer wichtigere Rolle. Der als `Fürst der Welt´ bezeichnete Teufel´ repräsentierte die Verkörperung der Sünde, die die Kräfte des Menschen auf die Probe stellte und mit ganzer Kraft bekämpft werden musste. Da der Mensch als schwach galt, lebte er in ständiger Angst vom Teufel besiegt, sogar besessen zu werden um ihm dienen zu müssen. Selbst sehr gläubige Menschen waren von der Furcht beherrscht, den Schmeicheleien des Teufels zu verfallen um dann hre Seele für Gefälligkeiten einzutauschen. Parallel zu dieser mittelalterlichen Teufelsbild entwickelte sich auch eine regelrechte Geographie der Hölle, die in Kartenwerken aufzeigte, wo Sünder jeweils nach ihrer Schuld beurteilt und gemart- ert werden. Eine Fülle von Lagepläne und Grundrissen der Hölle wurden angefertigt, um die Menschen immer mehr an die Existenz der Hölle zu gewöhnen, die als Gegenpart zum Himmel diente. Aus diesem Grund wurden Teufelsabwehr und Austreibungen im Mittelalter zu florierenden Geschäftszweigen. Davon war der Schutz vor dem Teufel durch Zwiebeln sicher noch die preiswerteste Möglichkeit.

8. Höllenkreis im 18. Gesang der Göttlichen Komödie, Sandro Botticelli.

Vor diesem Hintergrund ist auch die Schilderung der Sage zu sehen, wo der Teufel aus- gerechnet über das Tor an der Neckarhalde die Stadt betritt, denn am 1. August ist von hier aus der Sonnenuntergang über der westlichen Kante der Neckarhalde zu sehen. Es ist der Abend, der auf Grund einschlägiger Literatur im Mittelalter als einer der 4 Hexen-sabbate angesehen wurde. Doch wie oft in der Geschichte diente die Furcht vor dem Teufel auch ganz anderen Zielen, denn im 14. Jhd. gab es zahlreiche Abspaltungen von der Amtskirche. Alle Gruppen wurden verdächtigt teuflischen Ritualen zu huldigen. So wurden kirchliche Ab- spaltungen wie Bogomilen, Katharer oder Waldenser bezichtigt mit dem Teufel zu paktieren und dies erlaubte der Obrigkeit und der Kirche sie grausam foltern und töten zu lassen. Die Esslinger Teufelssage und der Name Zwieblinger, der heute für das Ziebelfest steht, erinnert also trotz der listigen Begleitumstände beim Besuch des Teufels in Esslingen, auch an eines der dunkelsten Kapitel europäischer Geschichte.

Neckarhaldentor, Hexensabbat

Bilder: http://stuttgartwege.blogspot.de/2013/05/stadttore-und-turme-in-esslingen.html, Stadttor Neckarhalde/ Tobias Mayer Stadtplan Esslingen 1739 / 8. Höllenkreises im 18. Gesang der Göttlichen Komödie durch Sandro Botticelli./ Simulation,sunearthtools