Das Gudensberg Dreieck – die Wiege Hessens

Gudensberg Dreieck2

Ganz in der Nähe der Spitze des Gudensberg Dreieckes liegt eines der zahlreichen Megalithdenkmale die in der Region um Fritzlar zu finden sind: der Wotansstein. Der bearbeitete Stein ist im Boden verankert worden und ragt knapp 2 Meter in die Höhe. Sein Standort  liegt in unmittelbarer Nähe zur Spitze des Schlossberges bei Gudensberg, der den nördlichen Punkt des Dreieckes besetzt.

WodansteinMaden

Wotansstein

Dessen Stadtteil Maden gilt als einer der ältesten Orte Hessens und war einmal Mittelpunkt des Chattenlandes, einem Volks- stamm der zwischen der Fulda und dem Oberlauf der Lahn seinen Siedlungsschwerpunkt hatte. Ob es sich bei dem Ort um den von Tacitus in seinen Werk Germania beschriebenen chattischen Hauptort `Mattium´ handelt, ist nicht zweifelsfrei zu belegen. Nordöstlich des Wotansteines liegt die Basaltkuppe Maderstein, der auf der östlichen Seite des Gudenberg Dreieckes liegt, wo die Länge zwischen dem Schlossberg und dem östlich gelegenen Heiligenberg im Verhältnis 1 zu 5 teilt.

MaderStein

Blick von der Obernburg über Maden am Mader Stein nach Gensungen am Heiligenberg

Ein Sage bringt den Stein mit dem Teufel in Verbindung, denn der wollte die von Bonifatius in Fritzlar errichtete Kirche mit dem Stein zerschmettern. Da ihm aber der Stein beim Wurf im Ärmel hängen blieb, fiel er auf das Feld zwischen Maden und Obervorschütz. Doch in einer anderen Version der Legende spielt der Erzengel Michael eine entscheidende Rolle in dem      er den Wurf mit seinem Schild stoppte, so dass der Stein bei Maden auf das Feld fiel. Aus diesem Grund werden die Löcher  im Stein auch als Abdrücke seiner Teufelskrallen gedeutet.
Der Fund einer neolithischen Siedlung zeigte, dass hier bereits früh eine rege Siedlungstätigkeit herrschte.

Gudensberg Merian

Gudensberg, MattäusMerian

Der markante Hüg- el mit der heutigen Obernburg mag mit ein entscheidender Grund für die Entstehung eines Zentrums an dieser Stelle gewesen sein. In der Literatur wird der Ortsname Gudensberg in einer Beziehung zum Name Wotansberg geseh- en. Dass auf dem Schlossberg tatsächlich ein Ort für die Verehr- ung des höchsten germanischen Gottes war, drückt auch das indogermanische Adverb `ud´ aus, das empor oder hinauf be- deutet. In der Tat musste der Ort von einer zentralen Bedeutung gewesen sein, denn die Entfernungen innerhalb eines Systems der Sonnenbobachtung hatten auch eine symbolische Bedeutung.
Wird hier die Entfernung mit vormetrischen Maßen verglichen, so zeigt sich dabei eine Auffälligkeit im Maß des megalithischen Yards. Dieses Maß wurde bereits in zahlreichen Abmessungen von Gebäuden aus der Epoche der Brandkeramiker nachgewiesen. Seinen Namen erhielt es durch den schottischen Ingenieur Alexander Thom, der es in zahlreichen Steinsetzungen aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. entdeckte. In der Tabelle der vormetr- ischen Maße die Rolf C.A. Rottländer zusammen mit anderen Wissenschaftlern entwickelte, misst das MY 0,8291m und weist  eine Varianz von +/- 0,9 mm auf. Umgerechnt in MY misst einer der beiden gleichlangen Schenkel des Dreieckes, die sich auf der Spitze des Schlossberges treffen, genau 10.000 MY. Die Ganzzahligkeit des Maßes offenbart die Symbolik der 10.   Die Zahl bildet die Summe der ersten vier Zahlen (1+2+3+4). und  wurde bereits in der Frühgeschichte als ein Zeichen der   Gesamtheit, der Vollkommenheit und Vollendung gesehen. Dabei ist nicht nur die austarierte Geometrie des Dreieckes von Interesse, sondern auch seine Lage bezüglich des Äquators. Nimmt man die Spitze als Ausgangspunkt der Betrachtung liegt sie bei einem Winkle von 51.1833 ° nördlicher Breite auf einem Großkreis der eine Länge von 24768km besitzt. Zur Äquatorlänge von 40075km verhält sie sich wie 34 zu 55. Die beiden Zahlen haben die Quersumme 7 und 10, wobei die 10 auch im Maß der Entfernung zwischen den Dreieckspunkten wieder auftaucht. In der antiken Planetenlehre entsprachen beide Zahlen auch den Planeten Mond und Erde. Die Bedeutung der  Zahl 34 ist aber weitaus komplexer als dies das heutige Zahlen- verständnis erahnen lässt. In der Antike galt sie auch als Zahl des Jupiter, denn die Ziffern 3 und 4 stehen für die Trinität und den Erdkreis. Wahrscheinlich war dies auch der Grund, weshalb die 34 bis ins Mittelalter Gegenstand zahlreicher magischer Quadrate war, wie sie auch Dürer in seinem Bild der Melancholia verewigte.

Dürer Melancholia

Das magische Quadrat ais Dürers biöd Melancholia

Legt man jedoch das um 500 v. Chr. in Griechenland auftauchende System der Tetraktys zugrunde erschließt sich eine weitere Bedeutung der 34. Werden die Zahlen 1 bis 10 in das System des Dreiecks übertragen, so entstehen in ihm 3 Ebenen, die symbolisch auf den dreiteiligen Aufbau des Kosomos hinweisen der vielen Mytholgien zugrunde liegt.
Dem dritte Punkt des Gudensberg Dreieckes war in der jüngeren Geschichte weniger Glück beschert. Nach der Aufgabe einer Ansiedlung aus der La Tène B Zeit auf dem Heiligenberg, wurde dort im frühen Mittelalter eine Allerheiligen Kapelle errichtet. Sie machte später einer Burg Platz, um deren Besitz sich die Landgrafen von Hessen mit den Erzbischöfen von Mainz strit- ten. Im Jahr 1232 wurde sie während eines Sturmes endgültig zerstört.

HeiligenburgHeiligenberg

Heiligenberg

Diese Zahlensymbolik dieses Dreieckes, in dem die Eder die Basis bildet, spricht wenig für eine Laune der Natur, sondern mehr für eine bewusst gestaltete Kultanlage Anlage an die auch der naheliegende Wartenberg angebunden war. Die Kenntnis darüber muss wohl Jahrtausende lang vorhanden gewesen sein, bis sie schließlich zum Herz des Landes Hessen wurde.

 

Bilder: Wikipedia/Wotansstein, Armin Schönewolf ,Wdwdbot /Blick von der Obernburg über Maden am Mader Steinnach Gensungen am Heiligenberg , Armin Schönewolf ,Wdwdbot / Obernburg, Magnus Manske) /Heiligenberg, Armin Schönewolf ,Wdwdbot /Simulöation, sunearthtools

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Fritzlar und der Stuhl des Petrus

Dom Fritzlar1

Dom Fritzlar

Die Achse des Bauwerkes Domers in Fritzlar weicht kaum erkenn- bar um 5 Grad aus der Linie der Tag- und Nachtgleiche nach Nord- en abweicht und erfüllt so die landläufige Vorstellung von der strikten Ausrichtung von Kirchen in die Ost-Westrichtung. Den- noch lässt sich hier die Frage der Ostung von Kirchenbauten gut ergründen. Die Abweichung als Baufehler auszulegen, oder auf die Zwänge von Vorgängerbauwerken zu führen wäre zu vorschnell. Auch hier verrät die Ausrichtung , wie auch bei andren Kirchen viel über die Intentionen der Erbauer und die Geschichte des Ortes.
Einiges zum Verständnis des genius loci des Ortes trägt die Krypta bei, die unterhalb des Domes liegt . Sie stammt aus dem frühen 12. Jahrhundert und war ursprünglich dreischiffig angelegt. Heute besteht sie aus der Hauptkrypta, dem Grab des Hl. Wigbert und einer Seitenkrypta, in der eine Skulptur des Apostel Petrus auf  einem steinernen Thron sitzt.

Krypta Petrus

Petrus auf dem Thron

Wie der Missionar Bonifatius kam auch Wigbert aus England. Der Mönch, dessen Name übersetzt ` der Glänzende´ bedeutet, stam- mte aus dem angelsächsischen Kloster Glastonbury. Dort war er Schüler von Bonifatius. Von ihm wurde er auch als erster Abt und Schulvorsteher des neu gegründeten Benediktinerklosters in Fritzlar eingesetzt. Hier bildete Wigbert auch den Mönch Sturm- inius aus, der später ebenfalls Missionar wurde und das Kloster in Fulda gründete. Wigberts Attribute sind ein Stab in der rechten Hand, sowie ein Buch in der linken mit einer darauf liegenden Traube. Diese Traube geht zurück auf ein wundersames Ereignis das sich das sich während einer Messe zugetragen haben soll. Als bei der Messfeier einmal kein Wein vorhanden war, soll Wigbert der Erzählung zufolge nach einer Traube in einem imaginären Weinstock gegriffen haben, die er anschließend über dem Kelch ausgepresste. Aus einer noch nicht zerdrückten Beere, die er dann vor der Kirche in den Boden gesteckt haben soll, wurde dann ein mächtiger Weinstock. Nach langer Krankheit starb Wigbert in Fritzlar und hier ruhten auch lange Zeit seine Reliquien. Im Jahr 780 wurde dann der größte Teil in das neu gegründete Kloster in Hersfeld überführt.

Wigbert

Heiliger Wigbert

Auch der Apostel Petrus war als Missionar tätig und gelangte  den Überlieferungen zufolge bis nach Antiochia, dem heutigen Antakya in der Türkei. Dort wurde er im Jahr 42 Bischof der Stadt. Als deren Statthalter ihn ins Gefängnis werfen ließ, erreichte der mitreisende Paulus seine Freilassung auf Probe. Als es Petrus gelang den längst verstorbenen Sohn des Statthalters wieder zum Leben zu erwecken, ließ sich Theophilus bekehren. Damit alle den Apostel sehen und seine Worte hören konnten, setzte er ihn auf einen hohen Stuhl. Danach blieb Petrus sieben Jahre lang als Bischof in Antiochia und in dieser Zeit trafen sich die Gemeinden in einer Höhle oberhalb der Stadt. Die Höhle wird heute Petrusgrotte genannt und gilt als erste christliche Kirche. Heute ist in der Grotte ein weißer Steinaltar der Thron des Petrus zu sehen, die beide noch aus der Zeit des Apostels stammen sollen.

Petrusgrotte

Petrusgrotte

Dieser Stuhl diente auch als Name für eines der ältesten christlichen Feste, Cathedra Petri oder auch Petri Stuhlfest genannt. Mit diesem, in Rom ursprünglich am 18. Januar gefeierten Fest, gedachte die Kirche an die Übertagen des Hirtenamtes an Petrus und die Errichtung seines Bischofsstuhles (cathedra) in Rom. Auch in Gallien wurde dieses Fest am 18. Januar gefeiert, doch im Laufe  der Geschichte hatte es sich mit dem in Rom am 22. Februar statt- findenden Sesselmahl vermischt und dieses Datum gilt heute auch als offizieller Gedenktag für den Stuhl des Petrus. Mit ein Grund für diese zweite Datum liegt in der Tradition des römischen Toten- gedenkens begründet, denn die Zeit vom 13. bis zum 22. Februar waren den Tagen des Totenkultes vorbehalten. In der Zeit der Parentalia wurde den verstorbenen Eltern, `parentes´ und auch den anderen Familienvorfahren gedacht. Das Gedenken an die abgeschiedenen Seelen war ein eminent wichtiges und auch vielgestaltiges Thema in der römischen Religiosität. So begannen die Feiern mit einem mittäglichen Opfer, der vestalis maxima, und endeten am letzten Tag mit der Hauptfeier am 21. Februar, den feralia. Ovid schreibt dazu, dass an den Gräbern Gebete gesproch- en und zur Besänftigung der Totenseelen kleine Opfergaben, wie Kränze, Früchte, Salzkörner und weingetränktes Brot dargebracht wurden. Familienzwistigkeiten ruhten selbstverständlich in dies- en Tagen und bei den Feiern stand stets ein leerer Stuhl für die Ver- storb enen mit am Tisch. Da die Kirche diese Form des Totenge- denkens strikt ablehnte, wurde das Motiv des leeren Stuhles      einfach als Lehrstuhl oder Bischofsstuhl des Petrus umgedeutet.

Fritzlar Dom2

Ausrichtung  St. Peter in Fritzlar

Das Motiv mit Petrus auf dem Thron dient in Fritzlar auch zur Erklärung für die Winkelabweichung des Domes aus der Ostricht- richtung, denn sie resultiert aus den beiden Sonnenaufgangs-punkten, umgerechnet auf den Julianischen Kalender. Der erste Winkel resultiert aus dem Sonnenaufgang am Tag von Cathedra Petri und der zweite aus dem am 15.Mai, dem Tag als die Gebeine des heiligen Wigbert nach Fritzlar übertragen wurden. Durch diese Überlegung konnte die Kirche annähernd nach Osten ausgerichtet werden, was auch ihre städtebauliche Situation auf dem Domhügel unterstrich. Auch eine  Verbindung zum Heiligen- berg blieb gewahrt, denn innerhalb des Gudensberg Dreieckes ist  vom Domhügel aus dort der Sonnenaufgang während des Äqui- noktiums zu beobachten. Dieses Dreieck folgt aber nicht nur den Richtungen der Sommersonnenwende, sondern hat auch eine bemerkenswerte Abmessung. Umrechnet in Megalithische Yard, entsprechen zwei Seitenlängen dieses Dreieckes genau 10000 MY.

Gudensbergdreieck dt

Gudensberg Dreieck

 Bilder:Wikipedia, Dom Fritzlar, HubiB/ Innenansicht,Wogner / Petrus. Domgemeinde/Hl. Wigbert in St. Marien Burlo mit Traube und Weinfass,Günter Seggebäing Watzmann / Petrusgrotte,Rotatebot /Simulation sunearthtools