Venus und Jesus

Außenansicht von Südosten: große graue Kuppel über dem Grab (Rotunde)

Mehrere spätantike Schriftsteller, wie der Bischof Ambrosius von Mailand und Eusebius, berichten von der Jerusalem Reise Helena, der Mutter Kaiser Konstantins. Sie war vermutlich 76 Jahre alt als sie nach Palästina aufbrach und dort im Jahr 325, zusammen mit ihrem Gefolge, das Grab Jesu sowie das heilige Kreuz gefunden haben soll. Der Fund der Kreuzreliquen erfolgte in einer Felsenkammer unterhalb eines Tempels der Venus, der Stammmutter der Römer. Ein Jahr später wurde von ihrem Sohn der Bau einer Basilika in Auftrag gegeben, die das alte römische Heiligtum ersetzten sollte. Sie wurde genau über der Stelle des Grabes errichtet und am 13. September 335 geweiht. Im Gundriss liegt das Grab nun innerhalb einer nach Westen ausgerichteten Ädikula, während der Haupteingang der Basilika nach Osten weist. Schon bald wurde das Fest der Kreuzauffindung an jedem 14. September eines Jahres gefeiert. Wie sorgfältig auch in diesem Fall die Geschichte geplant wurde, zeigen die beiden Zahlen 335 und die 14.Die Zahl 335 ist das Produkt der Zahlen 5 und 67. Dabei weist die 5 auf den Menschensohn, aber auch die 67. In der 67 spiegelt sich nicht nur die Figur des Kreuzes, sondern auch das Leben von Jesus. Die Teile des Kreuzes setzen sich in der Figur jeweils aus 17 Punkten und 16 Längen zusammen, sowie aus 18 Punkten und 16 Längen.

Streckenmodell Zahl 67 (Tetrakys)

Punkte und Längen addiert ergeben so die Zahlen 33 und 34. Mit der 33 wird hier auf die Lebenszeit und mit der 34 auf die anschließende Himmelfahrt verwiesen. Dabei steht hier die Himmelfahrt in enger Beziehung zu Gericht und Neubeginn, denn die 34 ist auch ein Produkt von 2 und der 17 . So wird in (1. Mose 7.11) die Flut als das Gericht erwähnt die am 17. Tag des Monats losbrach und in (1. Mose 8.4) wird der Neubeginn nach der Flut beschrieben. Sie begann an einem 17. des Monats, denn zu diesem Zeitpunkt strandete laut den Überlieferungen die Arche auf dem Ararat. Wie die 17, so verweist auch die 14 auf einen Aspekt der biblischen Chronologie, denn sie entspricht dem Lautwert David im hebräischen Alphabet. Er wird im 1. Buch der Könige ja als der erste bedeutende König von Juda und Judäa genannt und gilt auch als Verfasser zahlreicher Psalmen. Die 14 ist eine Verdopplung der in vielen Kulturen als heilig geltenden zahl 7. Zudem kann sie auch als Relikt der älteren Mondmythologie gesehen werden. So spricht die Mondastrologie von 28 Mondhäusern, wobei 14 Tage die Zeitdauer vom Neu- bis zum Vollmond entsprechen.

Venus und Adonis, Tizian 1554

Beim Bau der Kirche scheint die Legende der Venus eine wichtige Rolle gespielt zu haben. Die griechische Aphrodite wurde von den Römern in Gestalt der als Venus adaptiert. Wie in der griechischen Mythologie war sie die Göttin der Liebe , der Schönheit , aber auch der sinnlichen Begierde. Das Fest der Venus, die Veneralia waren in der römischen Religion das Fest zu Ehren von Venus Verticordia, der Lenkerin der Herzen. Wie das Bild der griechischen Göttin, wurde auch die Legende ihres Geliebten Adonis von den Römern übernommen. In der griechischen Mythologie ist Adonis die männ- liche Entsprechung für die Schönheit und der Vegetation und einer der Geliebten der Aphrodite. Sein Name leitet sich aus dem nordwestsemitischen Wort Adon, der Herr ab. Das beliebte Motiv des schönen Mannes soll ursprünglich von einer phrygischen Vegetationsgottheit abstammen, deren Legende rund um das Mittelmeer verbreitet war. Da er so schön war, verliebte sich Venus in ihn. Doch als er zu einem jungen Mann heran-gewachsen war, wurde er von einem Eber getötet in den sich der rachsüchtige Mars verwandelt hatte. Untröstlich über den Verlust ihres Geliebten, lässt Venus aus dem Blut ihres Geliebten eine Blume wachsen, das Adonisröschen. Von nun an musste der Jüngling einen Teil des Jahres in der Unterwelt verbringen. Die Verehrung des Adonis weist in mancher Hinsicht Ähnlichkeiten mit der späteren Verehrung von Jesus auf. Adonis stirbt als irdische Gestalt und wird, wie auch der ägyptische Osiris wieder zum Leben erweckt. So berichtet eine syrische Quelle über das Adonisfest in Byblos: `Zunächst wird der Tod des Adonis beklagt, und man opfert ihn als einem Toten. Aber am anderen Tag erzählen seine Anhänger, er lebe.´ Auch der christliche Schriftsteller Horigenes berichtet im 2. Jahr- hundert über die Adonisfeiern: `Sie feiern jährlich Zeremonien, am ersten Tag beweinen sie in als Toten, am nächsten Tag freuen sie sich weil er von den Toten auferstanden ist.`

Ausrichtung der Grabeskirche Jerusalem

Die Ausrichtung der Kirche lässt jedoch nichts mehr vom beschriebenen Venuskult erkennen. Mit ihren Richtungen stellt sie einen Spiegel unterschiedlicher Kulturen dar. So ist die Grotte auf das jährliche Ceresfest der Römer und dem Geburtstag Konstantins ausgerichtet und die Kirche der Kreuzfahrer auf den Gedenktag der Enthauptung des Johannes.

Bilder: Wikipedia/ Außenansicht von Südosten: große graue Kuppel über dem Grab (Rotunde), kleine graue Kuppel über dem Katholikon, Berthold Werner / Streckenmodell Zahl 67,http://www.decemsys.de/system/zahlen/67.htm/ Venus and Adonis von Tizian / Simulation, sunearthtools