Rosslyn Chapel und der Green Man

Green Man – Dore Abbey

Der Mythos des Green Man führte seit dem 2. Jahrhundert zu einem häufig verwendeten Bildmotiv. Als erste verwendete es wohl römische Bildhauer bei Masken, die eine Misch- ung aus vegetativer Struktur und menschlichem Antlitz darstellten. Sie verwiesen damit auf die Verbindung zwischen der Natur und Gottheiten wie Dionysus , Silvanus, Pan oder Bacchus. Unter diesen Gottheiten ihnen entwickelte sich Dionysus im Laufe der Zeit zum beliebten Gott Bacchus, der für Ausgelassenheit, Freude, aber auch Tod und Wieder-geburt stand. Das frühe Christentum adaptierte die Symbolik der Dionysischen Mythos. Sie vermischte sich mit der keltischen Vorstellung vom Kopf als Sitz der Seele. Wohl aus diesem Grund tauchten erste Bilder des Green Man auch erstmals in irischen Hand- schriften auf, wie dem aufwendig gestalteten `Book oft Kelts`.Trotz der wachsenden Kirchenmacht während des Mittelalters, ist die Blütezeit der Green Man Darstellungen in der Zeit zwischen dem 11. und dem 15, Jahrhundert . In diesem Zeitraum entstanden in zahlreichen Kirchen und öffentlichen Gebäuden seine Bildnisse. Dabei waren sie stets eingebunden in florale Dekoration. Unter dem Einfluss muslimischer Handwerker, die im Laufe der ersten Kreuzzüge nach Europa kamen, wurden diese Motive zunehmend aufwendiger dargestellt. In vielen dieser Reliefs quellen Attribute der Natur aus dem Mund des Green Man. Sie sollten zeigen, dass was er sagt und denkt im Einklang mit den Ge- setzen der Natur steht. Deshalb ist auch die Maskendarstellung insgesamt in grüner Farbe gehalten. Neben dieser Reminiszenz an die paganen Kulte existieren aber auch groteske Varianten des Green Man mit erigierendem Glied, die den abschreckende Charakter ungezügelter Sexualität darstellen sollten. Die Neuübersetzung griechisch-römischer Mythen während der Renaissance machten dann das Motiv allgemein salonfähig. Die floralen Masken wurden wieder zu dem, was sie darstellten sollten: Bilder der alten Vege- tationsgötter.

Green Man,  Rosslyn Chapel

Einer der Kirchen, die in erster Linie durch Dan Browns `Da Vinci Code berühmt wurde, ist Rosslyn Chapel bei Edinburgh. in der dem Apostel Matthias und der Maria geweihten Kirche ist das Green Man Motiv fast 100 mal zu sehen ist. Doch die Kirche bereitet Forschern auf Grund ihrer zahlreichen symbolischen Zeichen seit Jahrhunderten Kopf- zerbrechen. Einer der Gründe sind auch die Reliefs von Maiskolben und Kakteen, die zum Entstehungszeitpunkt der Kirche, als dem Jahr 1456, in Europa noch gar nicht bekannt sein konnten. Die rätselhafte Symbolik von Rosslyn Chapel ist wohl auch Ursache mehrerer Gerüchte die berichten, dass in der Kirche ein wichtiges Relikt des Christen- tums verborgen wird. Die Rede ist von den vermissten Schriftrollen von Salomons Tempel oder gar der Kopfrelique von Johannes dem Täufer. Sie soll während der Kreuzzüge aus Jerusalem in die Kapelle gebracht worden sein. Die Kirche wurde von einem Mitglied der angesehenen Familie der Sinclairs erbaut, der auch Verbindungen zu dem 1312 auf- gelösten Orden der Templer nachgesagt werden. Vorbild für die überlängte Form des Grundrisses soll der Tempel des Herodes gewesen sein. Das Bauwerk ist auf vierzehn Säulen errichtet, wobei am östlichen Ende die vierzehnte Säule mit drei weiteren eine Arkade zwischen dem Kirchenschiff und der Lady Chapel bilden.

Rosslyn Chapel

Die drei Säulen im Chor des Kirchenschiffes sind jedoch besondere Säulen und tragen auch alle einen Namen: Master Pillar, Journeyman Pillar und der Apprentice Pillar. Unter den Säulen ist jedoch der Apprentice Pillar am bekanntesten. Diese Säule, auch Prentice Pillar genannt, erhielt ihren Namen aufgrund einer Legende. Sie erzählt von einem Meister der seinem Gehilfen nicht zugetraut habe, dass der die komplizierten Reliefs erschaffen könne, ohne die Originalvorlage dazu zu sehen. Der Meister soll daraufhin nach Rom ge- reist sein um das Original selbst zu sehen. Bei seiner Rückkehr hatte der Gehilfe jedoch die Säule schon in meisterhafter Form bearbeitet. Das rief den Zorn des Meisters hervor, der dann den Gehilfen voller Neid mit einem Hammer erschlug. Zur Strafe wurde das Gesicht des Meisters in die gegenüberliegende Ecke gemeißelt, auf dass er in alle Ewigkeit auf die geniale Arbeit seines Gehilfen schauen muss. Hier sieht der Freimaurer Henning Kolvekorn aber eindeutige Hinweise, dass die Säule sich direkt auf den Mythos von Yggdrasil bezieht, den Lebensbaum der germanischen und nordischen Mythologie.

Rossly Chapel – Orion,Osiris / Letztsicht am Morgen des Rosenkranzfestes

Dass jedoch die Legende jenes mythischen Green, die Erinnerung an den alten Frucht-barkeitsgott, auch die Proportion des Gebäudes beeinflusst hatte, zeigt ein Verglich mit dem Sternbild Orion. Nicht nur seine vier hellsten Sterne begrenzen das Bauwerk, auch die ab dem Mittelalter als Jakobs Himmelsleiter bezeichneten Gürtelsterne des Orion liegen dort,  wo sich der Altar von Rosslyn Chapel die Weihehandlung der Wandlung vollzog. Orion in der Gestalt des Green Man wäre auch eine Erklärung für die Legende seines Todes und der Wiedergeburt, ähnlich des ägyptischen Osiris. Auf diese Weise findet sich hier eine Fülle von symbolischen Bezügen zueinander, die ebenso keltische, christliche, jüdische, aber eben auch Verweise auf ägyptische Mythologie enthalten.

Osiris, Grab des Nefertari), 1295-1253 BC

Bilder: Wikipedia/ This wood carving of a „foliate head“ type is on the Renaissance screen at Dore Abbey., SiGarb /Osiris, ruler of the underworld and of rebirth and regeneration, was typically shown with a green face. (Tomb of Nefertari), 1295-1253 BC / Scottland, Roslyn Chapel , Sabine Perry /Green Man Rosslyn Chapel. British Heritage/ Simulation Stellarium