Mythos Bethlehem Teil 2

 Die Heiligen Drei Könige

Anbetung der Heiligen Drei Könige,Sandro Botticelli, um 1475

Das 2. Kapitel des Mathäusevangeliums machte Bethlehem zum Sehnsuchtsort schlechthin. Die bereits geschilderte Lichterscheinung am Himmel führte nicht nur die Hirten zur Krippe des Kindes, sondern auch Magiern wies sie den Weg dorthin. Dies schildert der Verfasser des Evangeliums mit folgenden Worten: `Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Bethlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem. Bereits in den ersten Übersetzungen wurde die ur- sprüngliche griechische Bezeichnung magoi, das Scharlatan oder Zauberer bedeutet,  völlig abgewandelt. Aus Magiern, die erst als Sterndeuter oder Priesterastronomen gesehen wurden, wurden dann Gelehrte aus dem Morgenland und schließlich die heute bekannten Heiligen Drei Könige. Die Herkunft der Sterndeuter blieb unklar und wurde dann nach Persien verlegt, weil dort zororastrische Priesterastronomen scheinbar weitreichende Kenntnisse der Sternkunde besaßen. Die Anhänger dieser Religion waren aber zu dieser Zeit im Partherreich nur eine verschwindend geringe Minderheit. Auch die Parther selbst glänzten in ihrer Geschichte nicht gerade mit hervorragenden astronomischen Kenntnissen. Ihr mangelndes Verständnis für Astronomie bewiesen sie 28. Mai 585 v. Chr, denn an diesem Tag wurden sie im Krieg gegen die Lyder von einer Sonnenfinsternis überrascht. Die Lyder jedoch, hatten sich das Ereignis von Thales von Milet vorhersagen lassen und drängten dann die bestürzten, kampfunfähigen Parther zum Friedensschluss.

Balthassar, Melchior, Caspar – Mosaik 6. Jhd., Sant’Apollinare Nuovo, Ravenna,       Foto Nina-no

Die Erzählung über den Besuch der `Magier´ führte ab dem 3.Jhd. zu einer umfang- reichen Legendenbildung und ab dem 6. Jhd. tauchtem dann erstmals auch die Namen der drei Männer auf. Die wurden fortan als Könige bezeichnet. Dies waren nun Caspar, dessen Name auf persisch Schatzmeister bedeutet und Melchior, dessen Name aus dem Hebräischen abgeleitet, König des Lichts bedeute. Der dritte König wurde Balthasar genanntn dessen Name die griechische Form des babylonischen Vornamens Bel-šarru-uṣur darstellt und soviel bedeutet wie, Baal, oder Gott schütze den König. Dem Gott Baal war in jener Zeit das große Jupiterheiligtum in Baalbek geweiht, in dem die Römer Baal als `Jupiter Heliopolitanusa´verehrten. Damit bildete Balthasar auch eine Verbindung zum Planeten Jupiter, dessen Untergang während der Großem Konjunktion, vom Tempelberg aus, über Bethlehem zu sehen war. Doch Weisheit, wie es die Bezeichnung der Weisen aus dem Morgenland andeutet, bedeutet nicht nur den Lauf der Gestirne berechnen zu können. Wie das Schicksal der Meder zeigt, konnte diese Kenntnis in der Antike aber entscheidend für den Ausgang eine Schacht sein. Weisheit bedeutet aber auch, sich der im Menschen innewohnenden Kraft bewusst zu sein und mit ihr die Schöpfung zu erfassen. So gab es in der altägyptischen Mythologie dazu den Begriff des Ka, der die Kräfte der Seele eines Menschen beschrieb und die nach dessen Tod überdauerten, indem sie den Körper verließen und eigenständig weiterlebten.

Ka-Statue von Hor I. Foto Jon Bodsworth

Ka beschreibt eine Zusammenfassung vom Geist, Kraft, Persönlichkeit, Lebenskraft, Lebensgeist bzw. Lebensgeister, eine Kraft, die in Hieroglyphen durch sei nach oben gestreckte Arme dargestellt wurde.Dieses Ka war immer eng mit dem lebenden König, dem Pharao verbunden und wohl ursprünglich am königlichen Palast verankert. Deshalb wurde es auch als das lebende Königs-Ka des Pharao bezeichnet. In den Schriften der frühen Kirchenlehrer diente die Schilderung von Jakobs Traum der Himmelsleiterin ähnlicher Forn als Metapher eines Weges zur der Weisheit. Gemäß dem Text hatte Jakob im Ort Bethel, nördlich von Jerusalem, eine Himmelsleiter erblickt, die nun zum Sinnbild für das Erlangen der Weisheit im christlichen Sinn wurde. Die Himmelseiter, diente nun als Vorbild für den geistlichen Aufstieg der Gläubigen. Damit wurde auch das Bild der ägyptischen Mythologie weder aufgegriffen, denn hier wurden die Gürtelsterne des Orion/Osiris als Sinnbild des Aufstiegs eines Pharaos in den Leib des Osiris gesehen. Der Kirchenlehrer Hieronymus schrieb über die Himmelsleiter dazu in seinem 54 Brief und betrachtete sie als Bild für den Weg des Lebens, auf dem Gott die Aufsteigenden ermuntert und den Ermattenden seine Hand reicht. Zugespitzt gilt die Himmelsleiter nun als Tugendleiter, die über die Stufen der Tugenden zur Vollkom-menheit führt und über die der Mensch, insbesondere der Mönch, zu Gott gelangt. Betrachtet man vor diesem Hintergrund die Situation des Sternes von Bethlehem, so spielt dieses Motiv der Himmelsleiter eine wichtige Rolle. Am Abend der Geburt stieg Orion im Osten, der Richtung des Morgenlandes über den Horizont und zu diesem Zeitpunkt befanden sich Jupiter und Saturn am Scheitelpunkt ihrer Bahn. Orion mit seinen drei Gürtelsternen folgt ihnen, was auch die Verlängerung der Linie von Saiph und Rigel zeigt. Sie triftf dann auf die beiden eng beieinander liegenden Planeten. Während Orion noch eine Zeit lang der Großen Konjunktion, dem Stern von Bethlehem folgte, ging der von Tempelberg aus betrachtet über der Geburtsstadt unter. In diesem Augenblick hat Orion, nicht nur am Himmel seinen Zenit überschritten, denn dessen Mythologie wurde an diesem denkwürdigen Abend durch die neue abgelöst.

Die Drei Weisen und Orion, am Tage der Geburt, Sicht vom Tempelberg, stellarium

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Bilder: Wikipedia / Sandro Botticelli: Anbetung der Heiligen Drei Könige, Tempera auf Holz, um 1475 (Galleria degli Uffizi, Florenz) , gemeinfei / Balthassar, Melchior, Caspar – Mosaik 6. Jhd., Sant’Apollinare Nuovo, Ravenna,Foto Nina-no, / SCS Balthassar, SCS Melchior, SCS Caspar[12] mit phrygischen Mützen, Mosaik des 6. Jahrhunderts (Basilica Sant’Apollinare Nuovo, Ravenna). Die Tracht ähnelt der Kleidung sassanidischer Priester.…, Foto Nina-no, CC BY-SA 2.5 / Ka-Statue von Hor I. Foto Jon Bodsworth gemeinfrei -Die Drei Weisen und Orion, am Tage der Geburt, Sicht vom Tempelberg, stellarium