Die Venus vom Hohle Fels

Hohle Fels Zugang

Der Felsendom des Hohle Fels wird als Karsthöhle betrachtet, die durch Verwitterungs- prozesse des Gesteins entstanden ist. Sie liegt östlich der Stadt Schelklingen am Berghang des Achtales. Seit dem 19. Jahrhundert zählt auch sie zu den bedeutendsten Fundstätten es Jungpaläolithikums in Mitteleuropa. Im Jahr 1871 erfolgten Hier erfolgten die ersten Grabungen Oscar Fraas und Pfarrer Josef Hartmann. Gefunden wurden Knochenreste von Höhlenbären, Rentieren und Wildpferden, sowie zahlreiche Werk- zeuge. Sie wurden später der Epoche des Aurignacien und Magdalénien, der jüngeren Altsteinzeit zugeordnet.

Venus vom Hohle Fels

Einer der berühmtesten Fundgegenstände ist die als Venus vom Hohle Fels bezeichnete Statuette. Sie wird auf ein Alter zwischen 35000 und 40000 Jahre geschätzt und zählt damit zu den ältesten Kunstwerken der Menschheit. Im Museum wird sie heute völlig nüchtern, ganz im Stil moderner Museumsdidaktik als Abbild einer zeitgenössischen Frau erklärt. Sie hatte kurz zuvor entbunden, so die Erklärung und deshalb wurden ihre Brüste auf Grund einschießender Milch übergroß dargestellt. Die querrechteckigen Proportionen der Venus könnten natürlich auch als Abbild einer gedrungenen und übergewichtigen Frau interpretiert werden, die sich für die nährstoffarme Zeit eine Art Fettpolster zugelegt hatte. So ein Verhalten, sich in nährstoffreichen Zeiten Fettreserven zuzulegen, wurde schon bei den Buschmännern Namibias beobachtet. Doch auch diese Ernährungsweise führt dennoch nicht zu diesen monströsen Übergewichtsformen, wie sie heute in westlichen Zivilisationen beobachtet werden und sie die Venus verkörpert..

Venus von Willendorf

So fehlt dieser Statuette mit ihrem querrechteckigen Format, den Beinstummeln und der miniaturisierten Andeutung eines Kopfes jede Nähe zum natürlichen Vorbild. Im Vergleich zu den harmonisch geformten Skulpturen des Pferdes oder des Mammuts wirkt die sogenannte Venus allein auf Grund ihrer wuchtigen Plastizität alles andere als ein Abbild. Dennoch hat sich der Gedanke einer Frauenfigur in den Köpfen der Forscher festgesetzt, zumal ähnliche Funde, allerdings aus anderen Zeitepochen vergleichbare Merkmale monumentaler Brüste aufweisen. Im Vergleich zur Venus vom Hohle Fels erweist sich die rund 10000 Jahre später entstandene Figur der Venus von Willendorf auf Grund ihrer schwungvollen Plastizität und dem geflochtenen Haarschmuck aber geradezu als dekorativ.

Die Venus und Orion

Doch steht die Venus vom Hohle Fels waagrecht, so weist sie zudem noch eine stark angeschrägte Schulter auf, die ihren den unnatürlichen, abstrakten Eindruck noch ver- stärkt. Betrachtet man die Kunstfertigkeit dieser Kultur und deren Proportionsver-ständnis, so ist kaum anzunehmen, dass beim Abbild eines Menschen nicht die gleichen Kriterien zur Anwendung kamen. Der Abendhimmel zur Wintersonnenwende jener Zeit bietet aber eine Erklärung, denn da stieg eben dieses Sternbild auf, das noch Jahrtausende später durch die mit ihm verknüpften Mythen die Fantasie der Menschen beflügelte. Bis heute hat das geometrisch klar erscheinende Sternbild des Orion mit den drei Gürtelsternen im Zentrum nichts von seiner Faszination verloren. In er Geschichte hat jede Kultur für das Sternbild eine eigene Mythologie erfunden. Das frühste dokumentierte Zeugnis innerhalb der europäischen Kulturentwicklung stammt aus der Vučedol-Kultur. Die spät- äneolithische Kultur lebte im 3. Jahrtausend im heutigen Kroatien. Dort ist auch eine Broschüre erhältlich, die vom ersten europäischen Kalender berichtet.

Der `erste Klender´ Europas

Gravierungen auf einem Tongefäß der Vučedol-Kultur lassen den Schluss zu, dass das Sternbild des Orion als Taktgeber den Kalender dieser Kultur bestimmte. Zu dieser Zeit war Orion am Morgen während des Frühlingsäquinoktiums sichtbar und ebenso am Abend während der Wintersonnenwende. Jahrtausende zuvor wurde führte seine Sicht auf der Schwäbischen Alb wohl zu ähnlichen Ergebnissen. In Wirklichkeit war die Venus wohl eine Serienfigur, die als eine Art Amulett an die Erscheinung des Sternbildes zur Wintersonnenwende erinnern sollte. Stieg Orion am Abend nach dem Sonnenuntergang auf, so erhofften sich die Beobachter von dem als Fruchtbarkeitsgöttin betrachteten Sternbild eine weitere fruchtbringende Periode für das nächste Jahr. Aus dieser Sicht haben die übergroßen Brüste nichts mit einschießender Milch zu tun, sondern mit den zwei leuchtenden Punkten, die die Achsel und die Schulter des Orion markieren. Vielleicht stellten die germanischen Vorstellungen von den Gürtelsternen des Orion als Friggs Rocken, der Spindel der Götttin Frigg, jenen Rest eines kulturellen Gedächtnisses dar, dessen Grundlage die Kultur des Aurignacien geschaffen hatte.

Bilder : Wikipedia/ Höhleneingang, Dr. Eugen Lehle / Venus vom Hohlefels 1, Ramessos /Venus von Willendorf, User:MatthiasKabel / simulation, sunearthtools