Rätselhafte Ritzungen auf Mammutrippe — ArchaeoNow

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Archäologen der Universität Tübingen präsentieren im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren einen seltenen Knochenfund – Markierungen lassen eine Nutzung als Informationsträger annehmen. Schon vor mehr als 30.000 Jahren nutzten Menschen die Rippenknochen großer Tiere als Werkzeug – etwa zum Walken von Leder. Da große fetthaltige Knochen aber auch ein guter Ersatz für das in der Eiszeit knappe […]

über Rätselhafte Ritzungen auf Mammutrippe — ArchaeoNow

Die Perle vom Hohle Fels

Perle vom Hohle Fels, http:// ebmeiersseite.blogspot..de- derStandard..at, 31. Juli 2017

Fast 6 Jahrtausende lang wurde in der Epoche des Aurignacien, also im 40. Jahrtausend v. Chr. ein Perlentyp hergestellt, der nur vom Lone- und Achtal bekannt ist. Diese Perlen wurden aus Mammutelfenbein gefertigt und anschließend mit Lochungen versehen, die mit Hilfe eines Feuersteinbohrers gefertigt wurden. Perlen in allen Stadien der Fertigung wurden bislang an verschiedenen Fundstellen entdeckt, doch der im Hohle Fels entdeckte blieb bislang einzigartig. Im Gegensatz zu anderen bestand er aus drei Lochungen. Eine ge nauere Betrachtung zeigt hier erstaunliche Proportionen, denn die Länge verhält sich zur Breite wie 36 zu 8, oder auch 9 zu 2. Dabei wird die Längsform der Perle durch Einkerbungen in drei Abschnitte von je 10 und mittig 16 Teilen geteilt.  Die Zahl 36 lenkt den Blick auf den Winkel des Vollkreises von 360°, von dem auch bei der Darstellung des Ur- kilometers zwischen Hohler Fels und Sirgensteinhöhle die Rede war. Die Kenntnis der Kreisgeometrie, die erst aus der Zeit der Sumerer dokumentiert ist, muss also bereits viel früher entstanden sein.

Auch das Maß der Perle verweist wieder auf dieses Maß des Urkilomter, denn sie misst 2,74cm. Wird die Länge eines Meters durch 36 geteilt ergibt dies den Wert 2,777, also eine Differenz zum Idealmaß von 1,3%. Die Bedeutung der Zahl für die Kreisgeometrie legt den Schluss nahe dass, hier bereits ein Sexagesimalsystem im Gebrauch war. Auch dessen schriftliche Nachweise reichen nur bis in die Zeit der Sumerer zurück. Das dort entwickelte Zählsystem wurde von den Babyloniern im 2. Jahrtausend zum Stellenwert-system mit 60 Ziffern weiterentwickelt. Sie entwickelten auch die astronomischen Grund- lagen der heutigen Zeitrechnung. Es diente dann gleichzeitig als Grundlage für die Einteil- ung von Zeit und Raum. 60 Sekunden hat die Stunde wiederum 60 Minuten. Somit hat ein Tag 60x60x24=86400 Sekunden. Damit entsprechen 240 Sekunden, also 4 Minuten einem Grad des Vollkreises. Diese Möglichkeit, Zeiteinteilung und Raumeinteilung auf eine gleiche Basis zu stellen, war von epochaler Bedeutung. Erst damit war eine Positionsbestim- mung auf hoher See möglich. Mit Hilfe von Tafeln, die den Sonnenstand zu be- stimmten Zeiten aufzeigten oder der Lage von Sternen zu bestimmten Zeiten, konnte dann ohne Landmarken die Position innerhalb eines Gradnetzes bestimmt werden. Über die Gründe für die Wahl eines Sexagesimalsystems gibt es mehrere Spekulationen. Eine führt zur Zählweise mit Hilfe der Fingerglieder, bei dem das einhändige Zählen der Fingerglieder 12 Ziffern ergibt. Nimmt man jedoch die Kreisfigur selbst als Ausgangspunkt, so bietet dessen geometrische Eigenschaft ebenso einen Grund. Ganz einfach lässt sich sein Umfang mit Hilfe des Radius in 6 gleiche teile aufteilen. Diese Abschnitte lassen sich nun mit Hilfe eines Zirkels wieder halbieren und ergeben dann die Zahl 12. Sie korrespondiert dann mit dem Tierkreis aus 12 Sternbildern, der ebenfalls aus Babylon dokumentiert ist.

Zodiak, SCENOGRAPHIA SYSTEMATIS MVNDANI PTOLEMAICI, Andreas Cellarius

Doch die zahl 36 ist wesentlich komplexer. Sie ist nicht nur die Quadratzahl der ersten voll-kommen Zahl 6, sondern zugleich auch die 8 Dreieckszahl. Damit beinhaltet die 36 das Quadrat, das antike Symbol der Erde mit ihren 4 Himmelsrichtungen, wie auch das Dreieck als Symbol der göttlichen Trinität. Während die 36 hier noch wie eine mathe- matische Spielerei aussieht, so zeigt sie in den großen Zyklen der Astronomie, dass sie Teil eines großen Ganzen sein muss. Wird die 360 mit der Zahl 72 multipliziert, der Stundenanzahl von 3 Tagen, so erhält man die zahl 25920. Sie stellt den Idealwert des Platonischen Jahres dar, dem Zyklus, in dem sämtliche 12 Sternbilder des Tierkreises durch den Frühlingspunkt laufen. 4 dieser Zyklen addiert, ergeben wiederum den Zyklus der regelmäßig wiederkehrenden Eiszeiten.

Saroszyklus aus 71 Sonnenfinsternissen, Dr.-Ing. S.Wetzel alias Analemma

Wesentlich mehr als diese Großen Zeiträume tangierten die Menschen zu allen Zeiten jedoch die kleineren. Einer dieser Zeiträume ist die Chaldäische Periode, oder auch Sarosperiode genannt. Mit einer Dauer von 18 Jahren ist sie in der 36 gleich zweimal enthalten. Sie stellt eine der bekanntesten Finsterniszyklen dar, in dem sich während 223 synodischen Monaten in der Regel 71 Sonnen-und Mondfinsternisse ereignen. In einer solchen Reihe von Finsternissen, deren erste Aufzeichnungen ebenso aus Babylon erhalten sind, sind zwei aufeinander folgende Finsternisse einander sehr ähnlich. Obwohl Sonnen- und Mondfinsternisse in in einer gewissen Regelmäßigkeit erfolgen, riefen sie in der Vergangenheit unter den Menschen immer große Beunruhigung hervor. Sie wurden in der Antike meist mit Unglücken in Verbindung gebracht und deshalb war Kenntnis der Saroszyklen von evidenter Bedeutung für die damals praktizierte astrolo-gische Geschichtsbetrachtung. Die Kenntnis des Kreises, mit seine Bedeutung für kosmo-logische Abläufe. bietet also die Erklärung für einen Perlentyp, der bislang nur vom Hohle Fels bekannt ist.

Bilder:

Perle vom Hohle Fels) http://ebmeiersseite.blogspot.de/2017/07/neue-funde-im-hohlen-fels.html , aus derStandard.at, 31. Juli 2017, 11:45 /https://www.urmu.de/de/Museum%2BSteinzeith%C3%B6hlen/Sonderpr%C3%A4sentation/ Zodiak/ SCENOGRAPHIA SYSTEMATIS MVNDANI PTOLEMAICI, Andreas Cellarius: Harmonia Macrocosmica. 1660/61…Jan van Loon – http://nla.gov.au/nla.map-nk10241 / Saroszyklus/ Saroszyklus aus 71 Sonnenfinsternissen (−35 bis +35); gezeichnet ist nur jede zweite Finsternis, Dr.-Ing. S.Wetzel alias Analemma – eigene Graphik

Der Hohle Fels und die Zahl 20

Bemalter Stein vom Hohlen Fels, urmu

Warum werfen Punktereihen mit je 20 Punkten auf einem im Hohle Fels gefunden Stein auf mehr hin, als nur ein harmloses Eiszeitkunstwerk darzustellen? Die Darstellung des Urkilometers offenbarte ein Wissen des Raumes das sich nun im Wissen um die Zeit fortsetzt.

Die Zahl 20 stellt eine Grenze dar und offenbart zugleich eine Weltsicht, die sich grund- sätzlich von unserer heutigen Sicht unterscheidet. Ihre einstige Bedeutung offenbart auch die Legende des Odysseus der 20 Bäume fällen muss, um sein Floß zu bauen. Jahr- tausende lang lebten die Menschen in Zyklen, die sie im Werden und dem Vergehen der Natur erkannten. Am Himmel spiegelte sich dies in der Veränderung der Sonnen- und Mondbahn wieder. Obwohl beide Himmelskörper von der Erde aus betrachtet die gleiche Ansichtsfläche besitzen, sind doch ihre Bewegungen ganz unterschiedlich. Dennoch stimmen sie in zyklischen Abständen wieder überein. Einer dieser Zyklen ist der nach dem griechischen Astronomen Meton benannte Zyklus, in dem eine Periode von 19 Sonnen-jahren mit 235 Mondmonaten übereinstimmt. Dieser Zeitraum entspricht 6490 Tagen. Diesen Zeitraum zu kennen war wichtig, um eine Kalenderführung zu erhalten, die die Bewegung beider Himmelskörper berücksichtigte. Diese Periode, die im 20. Jahr erneut beginnt, spiegelt sich auch im Vigesimalsystem, oder dem Zwanziger-system wieder. Dieses System ist ein altes Zählsystem, von dem vermutet wird, dass es durch den Gebrauch von Fingern und Zehen beim Zählen entstand. Es besteht entweder aus 10 Ziffern und weiteren 10 Zeichen, oder insgesamt aus 20 unterschiedlichen Zahlzeichen. Obwohl in europäischen Sprachen, wie der französischen, noch Reste dieses Zähl- systems durchklingen, ist dessen Gebrauch völlig verschwunden. Doch in den alten Kult- uren Mesoamerikas lässt sicher Gebrauch dieses Systems noch konsequent bis zu deren Untergang im 17. Jhd. verfolgen. Dort wurde die Zahl Zwanzig als Basis des Zahlen-  systems ebenso verwendet, wie bei der Bildung und Schreibung von Kalender-daten. Eines dieser Systeme verwendeten die Mayas, bei dem untereinander stehende Zahl- zeichen, ähnliche wie beim heute verwendeten Dezimalsystem addiert wurden.

Vigesimalsystem Mayas

Weit mehr als die Zahl 20, die sich in der Anatomie des Menschen spiegelt, hat ein 20-er Zyklus die Fantasie der Menschen beflügelt, die Große Konjunktion. Auf Grund der unterschiedlichen Umlaufzeiten von Jupiter und Saturn ereignet sich alle 20 Jahre eine Große Konjunktion der beiden Planeten. Unter ihnen ist aber jede dritte eine Drei- fachkonjugation. Dabei zieht Jupiter zunächst direktläufig, dann rückläufig in Richtung Saturn, bis er schließlich an ihm vorbeizieht. Gerade dieser Dreifachkonjunktion wurde in der Vergangenheit große Aufmerksamkeit geschenkt, denn in eine solche Planeten-konstellation soll den Hintergrund für die Schilderungen des Sternes von Bethlehem gebildet haben.

Jupiter in natürlichen Farben mit Schatten des Mondes, Raumsonde Cassini,       NASA/JPL/University of Arizona

Innerhalb der heutigen astrologischen Deutung, die hauptsächlich durch arabischen Lehren beeinflusst wurden, galten Große Konjunktionen als ein Königsaspekt (coniunctio aurea). Damit stehen sie symbolisch für eine Vereinigung von geistig-spiritueller Sphäre, vertreten durch den Jupiter, und der weltlich-politischen Sphäre in Gestalt des Saturn. Aus diesem Grund wurde der Ablauf des Weltgeschehen auch dem Einfluss und der Abfolge von Konjunktionen zugeschrieben. In der Reformationszeit wurde diese Lehre von Theologen als fatalistisch gegeißelt und sie als Bedrohung des Glaubens, sowie der Macht Gottes betrachtet. Doch ein 1564 veröffentlichtes Buch des Mathematiker Cyprianus Loewitz 1564 versetzte die Menschen denn in Angst und Schrecken. Mit seinem Berechnungen sagte er eine folgenschwere Großen Konjunktion im feurigen Dreieck voraus, bestehend aus den Sternbildern des Widder, Löwen und Schützen. In seinen Berech- nungen versuchte er ebenso nachzuweisen, dass unter einer solchen Konj- unktion einst Gott die Welt erschaffen hatte und sich später auch die Sintflut ereignet habe. Aus diesem Grund sah er eine große Wahrscheinlichkeit, dass sich im Jahr 1584 das lange erwarte Jüngste Gerichte ereignen würde. Als das Jahr unerwartet friedlich verlief, warnten Theologen in Europa die Menschen trotzdem vor allzu verfrühter Hoff- nungen und ermahnten sie sich weiterhin sich auf das Ende der Welt vorzubereiten.

Die große Konjunktion

Entwickelt wurde die Methode dieser astrologischen Geschichtsbetrachtung im sassanid- ischn Reich der Spätantike. Dort rangierte die Wissenschaft der Astronomie gleich hinter der der Theologie. Es herrschte die Vorstellung dass das Verständnis über den Kosmos, wo der Sitz Gottes gehen wurde, so auch den Weg zu Gott ermöglichen würde. Über die ersten Berührungspunkte der westlichen Kultur mit der des Islam in Byzanz kam dann die Lehre der Sassaniden dann nach Europa, wo sie gerade im Zeitalter der Renaissance große Popularität erlangte. Auch der bekannte Astronom Kepler war noch überzeugt davon, dass bestimmte Konstellationen einen Einfluss auf den Menschen besitzen. honterden mit Reihen zu je 20 Punkten bemalten Steinen verbirgt sich also wesentlich mehr, als kleine Eiszeitkunstwerke, so wie es die Wissenschaft derzeit darstellt..

Eine Serie großer Konjunktionen aus Keplers Buch De Stella Nova (1606)- das Trigon

 

Bilder: Bemalter Stein vom Hohlen Fels,https://www.urmu.de/ wikipedia, Vigesimalsystem der Mayas, Bryan Derksen / Jupiter in natürlichen Farben mit Schatten des Mondes Europa, fotografiert von der Raumsonde Cassini, NASA/JPL/University of Arizona – http://photojournal.jpl.nasa.gov/catalog/PIA02873/ Eine Serie großer Konjunktionen aus Keplers Buch De Stella Nova (1606) , Johannes Kepler – De Stella Nova in pede Serpentarii (1606) / Große Konjunktion, http://narrotibi.com/sterne

Der Hohle Fels und der Urkilometer

Kopie Nummer 27 des Urmeters aus Platin-Iridium, die 1889

Die Frage, welche Gestalt die Erde besitzt, dürfte so alt sein wie die Menschheit selbst. Knüpfen sich an das Wissen um die Beantwortung dieser Frage doch ganz wesentliche Punkte. Wer hier das Wissen um Zusammenhänge besitzt, besitzt auch unschätzbare wirtschaftliche Vorteile für die Erschließung gewinnbringender Handelswege. Zwar sind bereits aus dem 5. Jhd. v. Chr. Vorstellungen von einer Kugelgestalt der Erde überliefert, doch über lange Zeit soll sie in der Folgezeit als Scheibe betrachtet worden sein.

Ursprüngliche Definition des Meters: Zehnmillionster Teil der Entfernung zwischen dem Nordpol und dem Äquator auf dem Meridian durch Paris

Einer, dem die frühe Erkenntnis von der Kugelgestalt der Erde zugeschrieben wurde, ist der griechische Philosoph und Mathematiker Pythagoras. Er sprach sich sich im 5. Jhd. v. Chr. Bereits für eine Kugelgestalt von Mond und Sonne aus. Doch erst der im 4. Jhd. lebende Philosoph Aristoteles wies auf den kreisrunden Erdschatten auf dem Mond hin, der sich dort während einer Mondfinsternis zeigt. Daraus schloss er, dass die Erde tatsächlich die postulierte Kugelgestalt haben müsse. Dennoch blieb auch dessen Sicht vom Aufbau des Kosmos noch konventionell und war einem Sphärenmodell verpflichtet. Dies erklärte den Kosmos mit konzentrischen Schalen, die die Erde umhüllten. Auf denen bewegten sich die Planeten, die Sonne und die Fixsterne. Erst der Universalgelehrte Aristrach aus Samos wagte dann die radikale Neuerung und erklärte im 3. Jhd. die Sonne zum Mittelpunkt. Er behauptete, dass alle Planeten, einschließlich der Erde um die Sonne kreisten. Im Mittelalter wurde dieser Streit der Gelehrten dann zu einer Frage des richtigen Glaubens. Das Bild der Erde als einer Scheibe wurde dann zu einer Metapher der Be- strafung, denn an deren Rand ereilte jeden ein furchtbares Schicksal in dem er dort ins Nichts stürzte.

Pierre Méchain, 1824 von Narcisse Garnier

Eine neue Epoche begann, als Christoph  Kolumbus Amerika entdeckte. Doch dessen Küste, wie sich zunehmend herausstellt, hatte er wohl nicht als erster Europäer betreten. Aber erst die Weltumsegelung Fernando Magellans bewies, dass die Erde tatsächlich jene Kugel- gestalt hatte, die Aristrach aus Samos bereits 2000 Jahre zuvor postulierte. Es sollte aber noch bis zur Französischen Revolution dauern ehe diese Erkenntnis als Ausgangs-punkt eines allgemein verbindlichen Maßes dienen konnte. Am 26. März 1791 war ein denk- würdiger Tag in der Geschichte der Maße, denn da beschloss verfassunggebende Ver- sammlung in Paris auf Vorschlag der Académie des Sciences die Einführung einer universellen Längeneinheit. Auf Grind dieses Beschlusses machten sich im Juni 1792 zwei der herausragendsten Astronomen Frankreichs, Pierre Méchain und Jean Delambre, zu einer Expedition auf.

Jean- Baptiste Joseph Delambre, Julien-Léopold BoillyThe Dibner Library Portrait Collection – Smithsonian Institution

Bepackt mit neuesten wissenschaftlichen Präzisionsinstrumenten, zog der eine in Richt-ung Dünkirchen und der andere in Richtung Barcelona. Beide hatten sich vor- genommen die Teillänge jenes Meridians der durch Barcelona und Dünkirchen verläuft mit Hilfe der Triangulatur exakt zu vermessen. Durch die genaue Kenntnis dieses Kreisbog-enausschnittes konnte dann der exakte Umfang der Erde ermittelt werden. Doch Delambre hatte aber frühzeitig erkannt, dass die Vorstellung eines Urmeters, der dem 10 millionstel Teil von einem Viertel des Erdumfanges entsprechen sollte, nur ein Ideal war. In der Tat stellt e sich der Umfang über die Pole gemessen, als geringfügige Abweichung von 40000 Km heraus. Jahrelang kämpfte er mit sich und den Berechnungen, bis er schließlich erschöpft nach Paris zurückkehrte, wo die Nationalversammlung 1498 den- noch die Idealvorstellung vom Urmeter als Gesetz erließ. Ein Unzahl regionaler Längen- maße war mit dessen Einführung nun überflüssig.

Der Urkilomter vom Hohlen Fels

Eine genaue Betrachtung der beiden Höhlen Hohler Fels und Sirgenstein weckt den Verdacht, dass diese Definition schon früher einmal bekannt war. Ähnlich den Erkennt-nissen von Aristrach aber wieder in Vergessenheit geriet. Beide Höhlen sind exakt 1 Kilometer voneinander entfernt, zudem in einem Winkel von 60° zur West-Ostrichtung angelegt. Der Winkel 60° stellt einen 1/6 des Volkreises dar, der mit einem einfachen Kreisschlag in 6 Abschnitte geteilt werden kann. Nicht nur die Zuordnung der Höhlen wurde hier exakt eingemessen, auch der Ort selbst scheint bewusst gewählt worden zu sein. Er liegt auf einem Breitenkreis, der sich zur Länge des Äquators wie 2 zu 3 verhält. All die angeführten Aspekte sprechen also gegen eine Häufung von Zufälligkeiten und weisen auf eine detaillierte Kenntnis des Raumes hin.

Höhleneingang Hohle Fels , Foto Dr. Eugen Lehle

Dabei sind diese Erkenntnisse bei hinreichend genauer Beobachtungsgabe mit einfachen Mitteln zu gewinnen. Eine Möglichkeit wird aus der Website Virtual Maxim beschrieben. Am Ende der Berechnung steht die einfache Formel für den Erdradius R mit R=h1cos(φ) –1 und h1 als Beobachtungshöhe der Sonne, sowie (φ) als Beobachtungs-winkel. Doch diese Formel wäre auch ohne Winkelfunktion, allein durch die Ermittlung von Verhältniswerten denkbar. War also diese Erkenntnis über den Raum bereits im Zeitalter des Jungneolithikums vorhanden, so nutzten sie die Menschen jener Epoche sicher auch, um über die Meere hinweg ihre Kontakte zu pflegen.

Bilder: Wikipedia / Kopie Nummer 27 des Urmeters aus Platin-Iridium, die 1889 angefertigt wurde. Sie war von 1893 bis 1960 in den USA als Maßverkörperung der Längeneinheit Meter in Gebrauch. / Der Meter sollte ursprünglich ein Zehnmillionstel der Entfernung zwischen dem Nordpol und dem Äquator auf dem Meridian durch Paris betragen.US Government / Jean- Baptiste Joseph Delambre, Julien-Léopold Boilly – The Dibner Library Portrait Collection – Smithsonian Institution / Postumes Porträt Pierre Méchains, 1824 von Narcisse Garnier nach Kupferstichen gemalt Hurle – Stoyan R. et al. Atlas of the Messier Objects: Highlights of the Deep Sky. — Cambridge: Cambridge University Press, 2008. — P. 23. Original painting is located at the Bibliothèque de l’Observatoire de Paris./ Höhleneingang Hohler Fels , Foto Dr. Eugen Lehle / Simmulaztion sunearttools, Karte:https://www.iceageart.de

Welterbe Hohle Fels

Zugang Hohler Fels

Mit einer Höhle werden noch immer die Vorstellungen vom Lagerplatz, oder gar einer Wohnort verbinden. Auf anschauliche Weise wird dieses Bild einer Steinzeitgesellschaft im Roman Rulaman kolportiert. Doch kaum eine Höhle würde sich für diese Vorstellungen eignen. Die meisten sind Dank der Zugluft kalt und den Gefahren von Wassereinbrüchen ausgesetzt. Niemand würde wohl freiwillig dort für längere Zeit wohnen. Diese Vorstell- ungen entstanden durch die zahlreichen Funde von Tierknochen und Werkzeugen, die diese als Resultat üppiger Jagdmahlzeiten sahen. Wenige Höhlen, wie die in Lascaux, die durch ihre Tierdarstellungen bekannt wurden, scheinen aus diesem Bild auszubrechen. Auch in Lascaux ist ein Phänomen festzustellen was auch den Höhlen des Weltkultur- erbes zu eigen ist. Die meisten folgen identifizierbaren Sonnenrichtungen, wie der der Wintersonnenwende. Dies ist beim Hohle Fels ebenso der Fall, wie bei der benachbarten Sirgensteinhöhle.

Hohler Fels- Sirgensteinhöhle und die Sonnenwenden

Die Ausrichtung und ihre Lage vom Eingang aus den Himmel zu beobachten spricht weniger für Karsthöhlen, sondern für bewusst angelegte Kultorte. Waren es Nomaden die sich hier trafen, so stellten die Höhlen feste Bezugsorte dar, die keines Unterhaltes be- durften. Zogen die Clans weiter, konnten die Räume unbeaufsichtigt gelassen werden, da sie ja nicht zerstört werden konnten. Aber die hochentwickelte Handwerkskunst und die Zahl der Funde spricht aber eher dafür, dass es sich hier um eine frühe Hirtenkultur gehandelt haben könnte, die in festen Siedlungen auf Anhöhen rund um die Höhlen lebte. Eine vergleichbare Kultur ist die aufs die Zeit um 24000 v. Chr. identifizierte Malta Kultur im Tal der Angara, 80 km nordwestlich von Irkutsk. Dort fanden sich halb unterirdisch ange- legte Rundhäuser mit Fundamenten aus Stein und Dächern aus mit einander verflocht- enen Tierknochen. Forschungen im Umfeld der Höhlen würden auch hier das Bild der Höhlenomaden grundlegend korrigieren.

Zugang Hohler Fels, Proportionen und Fibonaccispirale

Bereits der Zugang zum Hohle Fels ist ungewöhnlich proportioniert. Die Schrägen der Zugangsöffnung folgen einem rechtwinkligen Dreieck mit einem Öffnungswinkel von 36°. Dieser Winkel lässt an die Verwendung des Goldenen Schnitts beim Mammut aus der Vogelherdhöhle denken. Tatsächlich ist auch hier der Hochpunkt des Dreiecks an der Stelle wo die Basislinie im Goldenen Schnitt geteilt wird und so eine Fibonaccispirale einbeschrieben werden kann. Die Merkmale eines steinernen Symbols lassen sich auch im Innern der höhle entdecken. Auch sie folgt der Sonnenrichtung der Wintersonnen-wende, wobei die hintere Querwand rechtwinklig dazu steht. War die Venus ein Sinnbild des Sternbildes Orion, so war die Höhle auch dessen Kultort. Ausrichtet auf den Sonnen- aufgang zur Wintersonnenwende, war dies um 41000 v. Chr. auch die Richtung, in der Orion zu diesem Zeitpunkt vollständig zu sehen war. In umgekehrter Richtung musste er also folgerichtig in der Unterwelt verweilen. Doch gerade diese Richtung ist für die Inter-pretation der Höhlengeometrie interessant. Betrachtet man sie genauer gleicht, sie einer sitzenden menschlichen Figur, mit einem Kopf an der Spitze der im Verhältnis 1 zu 4 zur Länge der Figur steht.

Hohler Fels und Orion

Wie bei der Venus scheint auch hier die Geometrie des Orion als Vorbild für den Umriss gedient zu haben. Doch im Gegensatz zu seinem Auftauchen am Morgen über dem südöstlichen Horizont, ist er in dieser Position auf seiner Reise in der Unterwelt, was die Höhle vom Hohle Fels als Nachbildung gerade dieser Unterwelt erscheinen lässt. In Verbindung mit dem Fruchtbarkeitsaspekt der Venus drängt sich ein Vergleich mit den wahrscheinlich um 1500 v. Chr. entstanden Mysterien von Eleusis auf. In deren Mittelpunkt stand die griechische Fruchtbarkeitsgöttin Demeter und ihre Tochter Kore. Während der Mysterienspiele wurde der Raub Kores durch den Unterweltsgott Hades rituell nachvoll- zogen und ihre Befreiung durch Demeter gefeiert. Dies war notwendig, da Demeter währ- end der Suche nach ihrer Tochter ihre Pflichten vernachlässigte und die Erde gefror, so dass die Menschen hungerten. Da die Entführung ein glückliches Ende nahm, konnte sich Demeter wieder um die Erde kümmern und der nächste Frühling nahte. Betrachtet man den Hohle Fels als ähnlichen Zeremonialort wie das griechische Eleusis, so muss er mit der Sirgensteinhöhle in Verbindung gestanden sein. Während der Hohle Fels wohl an eine Fruchtbarkeitsgöttin in der Unterwelt erinnerte, entsprach die Sirgensteinhöhle ihrem Gegenbild, dem Aufstieg aus dieser Unterwelt. Wie es scheint, wurde auch die Höhlen-öffnung so angelegt, dass sie genau der Sicht auf das Sternbild angepasst war. Noch ein weiterer Punkt spricht für die Verbindung beider Orte: Die Verbindungslinie und ihr Winkel bezüglich des Äquinoktiums. Gegenüber der Ost-Westrichtung hat diese Verbindungslinie einen Winkel von 60°, was dem 6. Teil des Erdkreises entspricht. Eine Kreisteilung in 360° und die Verwendung des Goldenen Schnitts müssen also lange bevor sie Eulklid be- schrieb, bereits bekannt gewesen sein..

Am Golf von Neapel anagoria (Phlegräische Felder), Catel, 1831

Betrachtet man diese Epoche, könnte die Verwendung der Proportion als Ausdruck der Schönheit durchaus ernstere Hintergründe gehabt haben. Weltumspannende Kata- strophen hatten diese Kultur wohl gelehrt, wie rasch Leben zerstört werden kann. Mit dem Ausbruch der Phlegräischen Felder vor rund 39000 Jahren, der den Ascheauswurf des Krakatau 1815 um das Doppelte übertraf, brach eine der größten Katastrophen der jüngeren Geschichte über Europa herein. Insofern ist der Hohle Fels im Achtal weit mehr als nur ein rein künsterlisches Erbe, sondern mahnt auch daran, wie rasch eine Kultur enden kann.

Die Solfatara bei Pozzuoli – das dampfende Grauen der Phlegräische Felder

Bilder: Wikipedia / Höhleneingang, Dr. Eugen Lehle / 1831 Catel Am Golf von Neapel anagoria, Franz Ludwig Catel /Die Solfatara bei Pozzuoli , Stanley-goodspeed / Iseageart / Grundriss hohler Fels /Simulation sunearthtools/

Die Solfatara bei Pozzuoli