Das Erbe Karls

Partitions of the initial Frankish kingdom. . Some interesting maps on the partition of the Frankish Kingdom by the treaties of Verdun (843) and Mersen (870). By the former treaty, the initial Frankish empire was divided into a West Frankish kingdom (ancestor state of modern France), an East Frankish kingdom (ancestor state of modern […]

über The origins of modern France and Germany: partition of the Frankish Kingdom (843) — Delving into History ® _ Periklis Deligiannis

Die Walser Birne

Birnbaum WalserfeldIm Westen Salzburgs steht ein legendäres Naturdenkmal, der Walser Birnbaum. Einge- rahmt mit einer Steinfassung gibt er ein Zeugnis vom sagenumwobenen Kaiser Karl der mit seinen Getreuen im Untersberg wohnen soll. Die Geschichte führt zurück zu jener Legende des Lazarus Gitschners, eines Knechtes des Stadtschreibers von Bad Reichenhall. 35 Jahre nach seinem Besuch im Berg und dem Kontakt mit den dort lebenden Mönchen liegt er auf dem Sterbebett. Mit seinen letzten Worten erwähnt er den Birnbaum und sagt: `Siehe, dort auf dem Walserfelde steht ein ausgedörrter Birnbaum zum An- und Vorgedenken dieser letzten Schlacht , so schon dreimal umgehauen worden; aber seine Wurzel wurde dermaßen beschützt, daß er wiederum zu grünen anfanget und wieder ein vollkommener Baum daraus werde. Viele Jahre, bevor sich die gräuliche Schlacht auf diesem Walser Feld wird ereignen, bleibt er ausgedörrt dastehn: wenn er aber zu grünen anfanget, wird es schon nahe sein; wenn er aber anfangen wird, Früchte zu tragen, wird das Ereignis bemeldeter Schlacht seinen Anfang nehmen´.

Karl der GroßeKarl der Große mit Gefolge im Untersberg

Während Gitschner die Schlacht noch mit dem bayrischen Kurfürsten in Verbindung bringt,  sieht eine Variation der Erzählung Kaiser Karl als den wahren Retter der Mensch- heit. So wird in der Salzburger Versionder Legende  erzählt, dass der Kaiser beim Anbruch der Schlacht auf dem Walser Feld mit seinem ganzen Heere aus dem Unters- berg herauskommen und sich in das Gemetzel stürzen wird. Dieses wird, so die Erzählung, so furchtbar sein, dass den Kriegern das Blut in die Schuhe hinein rinnt. Doch Kaiser Karl wird siegreich aus der Schlacht hervorgehen und am Ende sein Schild an jenen Birnbaum hängen, der auf dem Walser Feld steht.

Botanisch gehört der Birnbaum zur Familie der Rosengewächse. Er hat weiße Knospen, aus denen später die aromatischen Früchte hervorgehen. Im antiken Griechenland war die Birne der Göttin Hera geweiht, Kultfiguren wurden oft aus dem Holz des Birnbaumes geschnitzt, wie im Heraion, einem der Hera zu Ehren errichteten Heiligtum in Mykene. Auch im Mittelalter wurde das Symbol der Birne wieder aufgegriffen und sie auf die Jungfrau Maria übertragen. Aufgrund ihrer ungewöhnlichen Form, die entfernt an die Taille und Hüften einer Frau erinnert, ordnete man die Birne dem Weiblichen zu. Im Volksglauben verheißt eine üppige Birnenernte folgerichtig einen reichen Kindersegen. Mit dem Bild `Madonna Morelli´, die Madonna mit der Birne schuf der Maler Giovanni Bellini um 1487 ein Motiv das sich in der Folgezeit großer Beliebtheit erfreute und deshalb auch oft  kopiert wurde. Neben den bereits erwähnten Attributen des Weiblichen und dem damit verbundenen Kindersegen waren es auch die schneeweißen Blüten, die die Birne zu einem Symbol der Unschuld und Reinheit werden ließen. Diese Beliebtheit und Verbindung mit der Gottesmutter ließ auch die Zahl der Birnensorten rasch ansteigen. Waren im 4. Jhd. n. Chr. Gerade mal 46 Sorten bekannt, wuchs deren Anzahl bis um 1600 auf 62  und um 1700 gab es bereits 400 bekannte Birnensorten.

Bellini madonnaMadonna col Bambino ,Giovanni Bellini

Warum ausgerechnet die Birne die Brücke zu jenem mythischen Kaiser schlägt, erklärt auch ein Amulett aus dem Besitz Karls des Großen. Dieses Reliquienamulett wird im Reimser Musée du Palais du Tau aufbewahrt und soll heute Partikel vom wahren Kreuz Christi enthalten. Doch eine Legende erzählt hier eine ganz andere Geschichte. Einst soll dieses Amulett Haare der Jungfrau und Gottesmutter Maria enthalten haben und bei der Öffnung des Karlsgrabes im Aachener Dom durch Otto III. im Jahre 1000 am Hals des Frankenkaisers gefunden worden sein. Diese Entdeckung ereignete sich 38 Jahre nach einem weiteren denkwürdigen Datum, denn an Mariä Lichtmess, am 2. Februar 962. wurde Otto I. In Rom zum Kaiser gekrönt und begründete damit den Beginn des Heiligen Römischen Reiches . Einst hatte ja Karl der Große das weströmische Kaisertum erneuert und dieses Erbe wurde damit auf den ostfränkischen Staat übertragen, mit dem es über 800 Jahre verbunden blieb. Wohl aus diesem Grund wurde dieser Marienfeiertag später auch als die Geburtsstunde `Heiligen Römischen Reiches´ genannt. Die Marienverehrung Karls des Großen war auch die Grundlage zahlreicher Kirchengründungen. So wurde 4 Jahre vor seiner Körnung die Capella regia in Aachen vollendet. Eine in der ersten Hälfte des 9. Jhd.`s entstandene mittelalterliche Handschrift, die Chronik von Moissac berichtet über diese Kirche, dass sie wie viele andere Kapellen die im Auftrag Karls des Großen errichtet wurden, der Jungfrau Maria geweiht wurde.

Talismann Karl der GroßeTalisman Karls des Großen

Über die in Aachen während der Herschafft Karls des Großen gesammelten Reliquien berichtet die Zeitschrift Gartenlaube 1874 in ihrer 33 Ausgabe aber in ganz andrem Tenor. In dem Artikel wird ein Curiositätenkabinet geschildert, in dem Knochen Edelsteine und Gewänder buntgemischt zur Schau gestellt wurden. Dieser unermessliche Schatz an gesammelten Reliquien diente Karl dem Großen auch zum Ausbau seiner Macht. Unter den Sammelstücken befand sich zu seinem besonderen Stolz auch die Kleiderkammer des Herrn, in der sich nicht nur das Unterkleid der Maria, sondern auch ihr Gürtel und Schleier befanden . Ebenso fanden sich hier die Windeln, das Lendentuch, der Gürtel und das Schweißtuch des Erlösers.

Dass sich ausgerechnet dieser Birnbaum bei Salzburg auch noch zum Symbol einer endzeitlichen Schlacht wird, Mariä Lichtmess und die alte Legende des dürren Baumes mit dem Untersberg verknüpft, macht wohl einen weiteren Ausflug in die Geschichte notwendig.

Bilder: Wikipedia, Birnbaum Luckyprof /Madonna col Bambino ,Giovanni Bellini (1430 circa–1516) – from ruwiki /Sog. Talisman Karls des Großen, Musée du Palais du Tau, Vassil

Der Venuscode des Untersberges

Karl DürerAlbrecht Dürer: Karl I., 1512, im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg

Der Nimbus Karl des Großen strahlt bis heute, obwohl er mit vielen Opfern und Deportationen aus den eroberten Gebieten das Frankenreich geschaffen hat. Trotzdem wird alljährlich in Aachen der Karlspreis an Persönlichkeiten verliehen, die sich um die europäische Ein- igung verdient gemacht hatten. In der Geschichte Europas überdauerte aber das rom- antisch verklärte Bild eines gerechten Herrschers, der ein Reich des Friedens geschaffen hatte. Im Laufe der Zeit vermischte sich dieses Bild jedoch mit den Vorstellungen eines Goldenen Zeitalters, das in antiken Erzählungen als friedliche Urphase der Menschheit vor der Entstehung der Zivilisation geschildert wird. In seinen Meta- morphosen schildert der römische Dichter Ovid Mitte des 1.Jds. v. Chr. dass seit der Entstehung des Mensch-engeschlechts 4 Zeitalter, vergangen sind. Das erste sah er als das Goldene Zeitalter unter der Regierung des Saturn und schreibt: `In dieser Epoche lebten die Menschen frei, ohne Gesetz und ohne Richter. Sie kannten nur ihre Ufer, keine Schiffe, keine Waffen, keine Krieger und Kriege; ihre Felder trugen Früchte, ohne geackert zu werden; es herrschte in diesem Zeitalter ein immerwährender Frühling´.

Goldenes Zeitalter CranachLucas Cranach der Ältere um 1530, Das Goldene Zeitalter

Zahlreiche im 16. Jahrhundert entstandene Sagen um Karl den Großen erfüllten diese Sehnsucht eines in der Zukunft wieder anbrechenden Goldenen Zeitalters. Schriftsteller nahmen es als willkommenes Motiv auf und auch Ludwig Uhland sah Karl den Großen als Held und Heiligen des deutschen Rechts, einen Urquell aller Gesetzgebung und Rechts-pflege. Berge in die einst den vorchristlichen Göttern vorbehalten waren dienten nun als Aufenthaltsort der legendären Gestalt. Als einer der berühmtesten gilt der Untersberg über den die Brüder Grimm berichten: `In dem Wunderberg sitzt außer andern fürstlichen und vornehmen Herren auch Kaiser Karl, mit goldener Krone auf dem Haupt und seinem Zepter in der Hand. Auf dem großen Walserfeld wurde er verzückt und hat noch seine Gestalt behalten, wie er sie auf der zeitlichen Welt gehabt. Sein Bart ist grau und lang gewachsen und bedeckt ihn das goldene Bruststück seiner Kleidung ganz und gar. An Fest- und Ehrentagen wird der Bart auf 2 Teile geteilt, einer liegt auf der rechten Seite, der andere auf der Linken, mit einem kostbaren Perlenband umwunden. Der Kaiser hat ein scharfes und tiefsinniges Angesicht, und er zeigt sich freundschaftlich und gemein-schaftlich gegen alle Untergebenen, die da mit ihm auf einer schönen Wiese hin- und hergehen. Warum er sich da aufhält und was sein Tun ist, weiss niemand und steht bei den Geheimnissen Gottes´.

Karl im BergKarl der Große im Untersberg

Karte Hochthronder Hochthron

Ein Ort der die Vorstellungen des saturnischen Zeitalters von einer kosmischen Harmonie der verkörpert ist der Salzburger Hochthron, denn seine Lage steht in einem ganz besonderen Verhältnis zum Äquator. Er liegt auf 47.71802° nördlicher Breite, was bei einem Cosinus von 0,6727 einer Länge des Breitenkreises von 26959 km entspricht. Wird der jedoch Äquator mit seiner Länge von 40075km mit dem Faktor 37/55 multipliziert erhält man das Ergebnis 26958.5. Beide Längen verhalten sich also wie 37 zu 55. Frühe Kulturen haben diesen Zahlenverhältnissen noch eine ganz besondere Bedeutung bei- gemessen die heute völlig verloren gegangen ist. Den Planetengöttern, den Herrschern über den Kosmos, waren Zahlen zugeordnet. So standen in der babylonischen Kos- mologie die 5 für die Venus, die 7 für den Mond, während die 1 für den Saturn, die 2 für den Jupiter, die 3 für den Mars und der Sonne die 4 zugeordnet waren. Die größte Zahl, die 8, war der Erde vorbehalten. So zeigt sich im Zahlenverhältnis des Hochthrones auch ein Idealbild der Vollständigkeit das den Vorstellungen des saturnischen Zeitalter entspricht. Während die 3 die in vielen Religionen die göttliche Trinität verkörpert stellt die 7 die Anzahl der in der Antike bekannten Planetengötter dar. Bei Pythagoras genoss die 37 eine große Wertschätzung, den sie verkörperte die Gesamtheit der Elemente des Tetraktysdreieckes mit dem er den Aufbau des Kosmos erklärte.

Tetraktys 3737 Elemente der Tetraktys:10 Punkte, 9 Flächen,18 Strecken

Die Zahl 55 ist zugleich die 8. Zahl der Fibonaccifolge und damit auch Symbol für die antike Planetenzahl der Erde. Doch die 55 ist gleich in zweifacher Hinsicht das Symbol einer Gesamtheit. Als Quersumme ergibt sie die 10 und damit das Sinnbild des vollendeten Ganzen. Mit den 10 Geboten wurde die 10 so zu einem Symbol der christ-lichen Religion. Zugleich steht die 55 als Summe für die ersten 10 Zahlen. Die hebräische Zahlenwertsprache hat der 55 eine besondere Bedeutung zugeordnet. Während die 5 die Zahl des Sohnes ist, stellt die 55 die Zahl der Braut dar und weist durch ihre Stellung im Primzahlkreuz auf ihre Beziehung zum Himmel. Die 5 verwiest aber auch auf die Sage vom Riesen Abfalter, der über mehre hundert Jahre auf dem Untersberg gehaust haben soll. Der Name des Riesen verweist auf den Apfelbaum als verbotenen Baum der Erkenntnis und damit auch auf die Frucht des Apfels. Bereits in der Frühgeschichte galt sie als Zeichen der Venus,  weil ihre Kerne in der Gestalt eines Pentagramms verteilt sind.

PostkarteDer Untersberg

Obwohl der Salzurger Hochthron nur der zweithöchste Gipfel des Untersberges ist, weist sein Zahlencode Code nicht nur auf die Venus, sondern auch auf die Sehnsüchte der Menschen nach der Wiederkehr eines Goldenen Zeitalters, das im Sagenkreis um Karl den Großen angesprochen wird.

Bilder: Albrecht Dürer: Karl I., 1512, im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg/Das Wikipedia/Goldene Zeitalter. Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren, um 1530, Alte Pinakothek, München / http://www.untersberg.org, Kaiser Karl im Berg /Tetraktys , http://www.decemsys.de /Sonnenblume mit 34 und 55 Fibonacci-Spiralen, Dr. Helmut Haß, Koblenz ,Esculapio