Villingen und das himmlische Kreuz

Villinger Riettor, Foto Erbrechtler1

Villingen ist eine der 12 Stadtgründungen der Zähringer. Die Besonderheit dieser Stadt ist ihre Struktur, die durch ein schiefwinkliges Kreuz bestimmt wird, dem die beiden Haupt-wegeachsen folgen. Die Gründung erfolgte wie zahlreiche andere in einer Welle von Stadt-gründungen im 10. Jahrhundert. In dieser Zeit forderte der wachsende Lebensstandart die Einrichtung von Marktorten, die den Handel mit Waren sicherstellen konnten. Einer dieser Orte war Villingen, das verkehrsgünstig an der vom Kinzigtal heraufführenden Schwarz-waldstraße lag. Die früheste Erwähnung des Gründungsdatums findet sich in der Villinger Chronik von Heinrich Hugs, wo es in der Einleitung heißt: `Anno 1119 ist die statt Villingen von den Hertzogen von Zäringen erbauwen worden´. Damit liegt der Beginn der Stadt ungefähr 11 Jahre vor der Grundsteinlegung des Villinger Münsters das heute das Patrozinium `Unsrer Lieben Frau trägt. Der für die damalige Zeit ungewöhnlich klare Stadt-grundriss war bereits Gegenstand einiger Untersuchungen, die hier ein proportionales Ge- füge feststellten, das durch Zahlenverhältnisse symbolische Bezüge zur Geisteswelt des Mittelalters aufweist. Doch diese Gedanken greifen zu kurz, da die dargelegten Zahlenver-hältnisse ja nur wenigen geläufig waren und deren Sinn damit auch nur schwer vermittelt werden konnte.

Münster zu Unserer Lieben Frau, Foto GFHund

Um also die Ausrichtung des Villinger Kreuzes besser verstehen zu können, ist es not- wendig die Ausrichtung des Münsters näher zu betrachten. In Villingen sind die Gedanken der frühen Kirchenlehrer, die Ausrichtung des Kirchenschiffes auf die Sonne und der Ein. beziehung deren Symbolik in die Raumgestaltung, konsequent umgesetzt worden. Um- gerechnet vom Julianischen Kalender ist hier die Baulinie des Kirchenschiffes auf zwei Daten ausgerichtet: In Richtung Westen auf den Sonnenuntergang am 23. September, dem Feiertag der Empfängnis der Elisabeth und in Richtung Osten zum Sonnenauf-gangspunkt am Tag von Maria Geburt, am 8. September. Beide Daten liegen 15 Tage auseinander und markieren so zwei wichtige Ereignisse im biblischen Geschehen. Mit der Empfängnis von Johannes dem Täufer durch Elisabeth wird später der letzte große Prophet geboren, der das Kommen von Jesus vorbereitet. Ihn gebärt Maria, die nach dem Konzil von Ephesos zur Gottesgebärerin erhoben wurde. Auf Grund dieser Wahl musste die Baulinie auch von den bereits für die Stadt eingemessenen Richtungen abweichen.

Baulinie Münster

In römischen Stadtanlagen lässt sich der Gedanke der Sonnensymbolik noch eindeutig nachvollziehen. Im Mittelalter bestimmt sie ebenso die Ausrichtung von Burgen und Kirch- en. Doch erst in der Renaissance und im Barock bestimmt sie wieder die Struktur von Idealstädten. Ihre Sichtachsen wurden nun durch die Sonnenauf – und Untergangspunkte an wichtigen liturgischen Feiertagen, oder auch durch das Geburtsdatum des Städtgründ- ers bestimmt. Ein gutes Beispiel für diese Sonnensymbolik bietet die Stadt Freudenstadt mit ihrer Ausrichtung des Achsenkreuzes auf den Sonnenaufgang am Georgstag, dem Schutzpatron der Bergleute. Auch im Kreuz von Villingen ist dieser Gedanke erkennbar, durch die Ausrichtung der Achsen eine sichtbare Verbindung zum Himmel zu erhalten. Sie wurde durch die zeittypische Verehrung eines Heiligen bestimmt, dessen Lanze mit zum Sieg von Otto I. beigetragen hatte. Die Legende erzählt von Mauritius als einem römischen Offizier und Angehörigen der legendären thebäischen Legion. Während den Christen-ververfolgungen unter Maxentius und Diokletian soll sie sich geweigert haben den Göttern zu opfern und weitere Christen zu töten. Deshalb wurde Mauritius zusammen mit den An- gehörigen der Legion getötet. Anlässlich seiner Hochzeit mit Adelheid, der Tochter des Königs von Burgund im Jahr 951, erhielt Kaiser Otto I. 960 die Reliquien des Mauritius für seinen Dom in Magdeburg. Seit dem Sieg 955 über die Ungarn, den Otto der Mithilfe des Mauritius und der heiligen Lanze zuschrieb, blühte die Verehrung des Heiligen im Reich auf. In dieser Zeit wurde er auch zum Reichsheiligen erhoben und vom Hochadel als Schlachtenhelfer verehrt. Dessen heilige Lanze, mit der ein römischer Legionär Jesus den Todesstoß versetzt haben soll, wurde nun in wichtigen Kriegszügen des Reiches den Rittern immer vorangetragen.

Darstellung im Sigismundschrein von St.-Maurice, Foto Spurzem

Über den Sonnenaufgang am Mauritiustag ist im Bauernkalender zu lesen: `Ist St. Moritz hell und klar, stürmt der Winter, das ist wahr´. Dieser einst wichtige Tag bietet auch eine Erklärung für die Ausrichtung des Villinger Wegekreuzes in östlicher Richtung. Da die in Nord-Südrichtung verlaufende Wegeachse außerhalb des Sonnenpendelbogens liegt, kann hier also nur eine Sternsichtung als Richtungsmarke gedient haben. Einer dieser wichtigen Kalendersterne und in jener Zeit neben Arktur auch hellster Stern am Nord- himmel, war der Stern Capella aus dem Sternbild des Fuhrmann. Verblasste er am Nord- horizont, kündigte sich in der Morgendämmerung der Tag Epiphanias an. Dass die südliche Richtung auch durch den Tag von Maria Geburt bestimmt war, hängt mit der Sichtung des Meersternes zusammen, der zu einem der zahlreichen Beinamen der Jungfrau Maria wurde, Verblasste der Stern Sirius am Morgen von Maria Geburt am Nordhorizont, tauchte wenig später die Sonnenscheibe in der Baulinie des Münsters auf. Somit stellt sich das gebaute Wegekreuz von Villingen auch als ein himmlisches Kreuz dar. Dessen Zusammenhänge haben sich wie beim Münster im Laufe der Zeit ziemlich verschoben, so daß heute die Gedanken nur noch schwer erkennbar sind..

Villingen, Idealplan

Bilder: Wikipedia / Villinger Riettor, Foto Erbrechtler1 / Münster zu Unserer Lieben Frau, Foto GFHund / Darstellung im Sigismundschrein von St.-Maurice, Foto Spurzem , Cimulutation, stellarium, sunearthtools, googlemap.

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Der Ursprung des Kreuzes

Monday, 25 July 2016

Two crosses

This is Sun’s sunlight cross. It marks the transitional points on the sunlight cycle in the northern hemisphere:
1. Winter solstice – the shortest day and the longest night
2. Spring equinox – the equal day and night
3. Summer solstice – the longest day and shortest night
4. Autumn equinox – the equal day and night

This is Earth’s, climate, vegetation cross. It marks the transitional points of the climatic, vegetative cycle in the northern hemisphere:

Celtic calendar:

1. Imbolc- the beginning of the spring
2. Bealtaine – the beginning of the summer
3. Lughnasa – the beginning of the autumn
4. Samhain – the beginning of the winter

Serbian calendar:

1. St Sava – the beginning of the spring
2. St George – the beginning of the summer
3. St Ilija – the beginning of the autumn
4. St Mitar – the beginning of the winter

As you can see the sun cross and earth cross are out of sync. The earth cross is rotated forward by 45 degrees and the earth circle cardinal points fall right in between the sun circle cardinal points. This is because the earth climatic, vegetative cycle lags behind the solar cycle.

Winter solstice (21st of December) is the the shortest day. So we would expect that this is also the coldest day. We would also expect that from that day on, as the days start getting longer, the days also start getting warmer. But this is not the case. The days do get longer, but the earth continues to cool. It is only at the beginning of February that we start seeing the first signs of the earth warming up. This is why the beginning of spring is at the beginning of February (Imbolc, St Sava (27th of January, but probably a replacement for the old Imbolc which is celebrated on the 1st of February)). The actual mid point is 4th of February.

Spring equinox (21st of March) is the moment when the day is as long as night. From that day the days are longer than nights. We would expect that this would mark the beginning of the summer. But the real heat does not start until the beginning of May. This is why the beginning of summer is at the beginning of May (Bealtaine, which is today celebrated on the 1st of May, but there are indications that it was once celebrated on the 6th of May just like St George’s day). The actual mid point is 6th of May.

Summer solstice (21st of June) is the longest day of the year. We would expect that this would also be the hottest day of the year. We would also expect that from that day on, as the days get shorter, the days also get colder. But that is not the case. The days do get shorter, but earth continues to warm. It is only at the beginning of August that we start seeing first sings of earth cooling down. This is why the beginning of autumn is at the beginning of August (Lughnasa which is today celebrated on the 1st of August but was once probably celebrated on the, 2nd of August, just like , St Ilija’s day). The actual mid point is 2nd of August.

Autumn equinox (21st of September) is the moment when the day is as long as night. From that day the days are shorter than nights. We would expect that this would mark the beginning of the winter. But the real cold does not start until the beginning of Novermber. This is why the beginning of winter is at the beginning of November (Samhain, St Mitar (8th of November, but probably the replacement for the old Samhain which is celebrated on the 31st of October)). The actual mid point is 5th of November.

This last drawing is the diagram of transformation of Sun’s sunlight cycle into Earth’s climatic, vegetative cycle.

The Sun cross transitions into the Earth cross. This transition is governed by the slow accumulation and release of the heat which is transferred from the Sun to the Earth through sunlight…

Does this golden cross which symbolizes this transition of light into heat into life energy remind you of anything?