Der Löwe von Worms

Die „Alte Synagoge“ von der Gartenseite. Foto HOWI

Laut einer Womser Legende sollen Juden nach der Zerstörung ihres ersten Tempels nach Worms ausgewandert sein. Als ihnen dann der Perserkönig Cyrsus die Rückkehr anbot, soll sie der große Schriftgelehrte Esra aufgefordert haben, wieder nach Jerus- alem zurückzukehren um dort den Tempel wieder zu errichten. Die Wormser antworteten ihm daraufhin, nun in Kleinjerusalem zu wohnen und keine Absicht zu haben zurück-zukehren. Diese Erzählung ist zu den Gründungslegenden der Stadt zählen, denn die Anwesenheit einer jüdischen Gemeinde in Worms ist erst ab dem 9. Jahrhundert legt. Dieser Stadtname soll sich im Laufe der Zeit durch Lautverschiebung aus dem dem Name der römischen Civita borbetomagus entwickelt haben. Doch in ihm lebt un- verkennbar noch der alte hebräische Name Warmasia weiter. Ein ganz ähnliches Wort gibt es jedoch auch im Lateinischen, wo wormacia das Gewürm bedeutet. Dies ist ein Sammelbegriff unter den auch die Schlange fällt.

Die Eherne Schlange, Gustave Doré

Dieses Bild aber lässt an die eherne Schlange denken, die Moses auf das Geheiß Gottes aus Kupfer gießen ließ. Ihr Anblick solle alle Israeliten heilen, die während des Auszuges der Israeliten aus Ägypten durch feurigen Schlangen gebissen wurden. Gott selbst hatte sie gesandt, denn während der Wanderschaft hatte sich große Unzu- friedenheit breit gemacht und mit mit der kupfernen Schlange wollte er allen unzufriedenen ein neues Heilszeichen geben. Eine rettende Geste Gottes erwähnt auch Salomo im Buch der Weisheit, wie auch der Apostel Pauls dieses Motiv in einem Brief an die Korinther aufgreift. Darin verschiebt er aber den Akzent, denn er verweist hier mehr auf die Strafende Geste, die alle Sünder vernichtet. Gemäß den biblischen Be- schreibungen soll die Schlange dann im Tempel von Jerusalem aufgestellt worden sein, wo sie bei dessen Zerstörung verloren ging. In den biblischen Texten wird die Gestalt der Schlange ebenso ambivalent geschildert wie die des Löwen. Wird er mit negativen Eigenschaften geschildert, verkörpert er das Böse und mit seinen positiven und ge- radezu magischen Eigenschaften das Heilsversprechen. Seine Bedeutung beginnt im Alten Testament, wo Jakob seinen Sohn Juda als einem Gur Aryeh, einen jungen Löwen bezeichnet.

Der Löwe Judas auf dem Wappen Jerusalems, Foto Jüppsche

Obwohl sich der Begriff Aryeh vom hebräischen Verb sammeln ableitet und damit eine Persönlichkeit bezeichnet die Menschen um sich versammelt, wurde fortan der Löwe zu einem Symbol des größten Stammes Juda. Diese Symbolik wird später auch auf Jesus übertragen, der die mit Adam begonnene Heilsgeschichte beendet So wird er im 5.Kapitel der Apostelgeschichte als Löwe von Juda bezeichnet wird, in der Erwartung eines neuen Heilskönigs, der der Herrschaft der Römer ein Ende setzt. IDamit wird auch Maria Teil dieser Löwensymbolik, die in Gebeten des Mittelalters auch als Stimme des Löwen bezeichnet wird. Er tritt auch im letzten Buch des Neuen Testaments auf. wo er in der Vision des Johannes das 7. mit Siegeln versehene Buch öffnet um damit das Jüngste Gericht beginnen zu lassen. Geradezu magische Fähigkeiten wurden dem Löwen in der frühchristlichen Naturlehre, dem Physiologus zugesprochen. Gemäß der Beschreibung soll er mit offenen Augen schlafen, also immer wachsam sein. Ebenso soll er seinen totgeborenen Jungen das Leben mit seinem Atem einhauchen. Damit wurde der Löwe zu seinem Sinnbild des wachsam kämpferischen Glaubens, wie auch der Auferstehung nach dem Tod.

Löwe. Abbildung aus dem Physiologus

Vor dem Hintergrund dieser Symbolik kann auch das Bild des spätmittel-alterlichen Grundrisses von Worms interpretiert werden. Er vereint das Herrschaftssymbol der Könige mit dem Sinnbild für Jesus und dem Löwe Judas. Das Sternbild des Löwen, seitenrichtig auf den Boden projiziert stellt, den Löwen mit seiner letzten Sicht am Michaelitag dar und in dieser Positionen definieren seine Sterne wesentliche Teile des Mauerverlaufes, sowie zwei der wichtigen Stadtzugänge. Wie der Löwe hier religiöse Vor-stellungen verbindet, so macht dies auch Michael. Er spielt sowohl im Christentum, im Judentum und dem Islam eine wichtige Rolle. Im Heilgeschehen der Bibel ist er es, der auch den letzten Kampf mit dem Drachen, dem personifizierten Bösen aus- trägt. Während dieses apokalyptischen Kampfes, sieht ihm Maria auf einer Mondsichel steh- end zu. Mit ihrer Jungfrauengeburt hatte sie das Heilsgegschichte vollendet, die Michael als Schlachtenhelfer stets verteidigte. Auf diese Geburt eines neuen Löwen von Juda, die durch mehrere Propheten vorhergesagt wurde, weist die zweite Position des Löwen in Worms am Tag von Mariä Verkündigung hin. Damit verkörpert der Stadtplan von Worms das Bild des kämpferisches Schutzes des Glaubens und die  spirituelle Ver- ehrung Marias während des Mittelalters, Mit diesen Motiven bietet die Stadt auch ein eindrucksvolles Beispiel für die bildhafte Gestaltung einer Stadt des Mittelalters, in der das Motiv des Löwen wie ein übergroßer Talisman die Grenzen und Zugänge dieser Stadt bestimmte.

2 Position des Löwen von Worms

Bilder: Die „Alte Synagoge“ von der Gartenseite. Foto HOWI – Horsch, Willy, CC BY-SA 3.0 , Die Eherne Schlange, The Bronze Serpent (Num. 21:4-9)., Gustave Doré/ Der Löwe Judas auf dem Wappen Jerusalems, Foto Jüppsche/ 2 Position des Löwen von Worms, Simulation Stellarium, Karte Stadt Worms

Braunschweig und der Löwe

Der Braunschweiger Löwe (entstanden zwischen 1164 und 1176), Foto User:Brunswyk

Eine der Sage erzählt wie Heinrich der Löwe seinen Beinamen erhielt. Um den über ihn verhängten Bann zu lösen und sich mit Kaiser Barbarossa zu versöhnen, zog Heinrich ins heilige Land. Dort bestand er zahlreiche Kämpfe und dabei besiegte er auch einen örtlichen Herrscher. Zum Dank, dass er ihm das Leben schenkte, überreichte der be- siegte ihm einen Löwen. Das Tier wich Heinrich fortan nicht mehr von der Seite. Eines Tages hatte Heinrich aber eine Begegnung mit dem Teufel, der ihm anbot ihn rasch heimzutragen damit er nach der klangen Zeit im Heiligen Land seine Frau wiederzu- sehen konnte. Den Löwe als geforderten wollte ihm Heinrich aber nicht bezahlen und ersann eine List Um ein Haar hätte der Teufel gewonnen, doch das Brüllen des Löwen rette Heinrich davor, dem Teufel in Braunschweig den geforderten Preis bezahlen zu müssen. Deshalb erhielt er auch Beinamen der Löwe. In Braunschweig wollte man das Tier aber nicht ihn den Domlassen und deshalb hat das Heinrich treu ergebene Tier seine Krallen in die Kirchentür gehauen.

Herzog Heinrich der Löwe, Kartular des Klosters Weissenau, Autor unbekannt

Diese Sage beruht auf auf einem historisch belegten Ereignis, denn Heinrich der Löwe brach am 13. Januar 1172 zusammen mit einem Heer von 1500 Mann und mehreren Er- zbischöfen nach Jerusalem auf. Diese Wallfahrt, zu den mittlerweile wieder zurüc-eroberten heiligen Städten galt als eine Frömmigkeistleistung und der Sicherung seiner Nachkommenschaft. Nach diese Reise trug Heinrich fortan mit seinen Beinamen und machte ihn zu einem Gegenspieler des Stauferkaisers Barbarossas.der ihn auf dem Hoftag in Gelnhausen Ende März 1180 entmachtete. Mit dem Löwen griff Heinrich eine ab dem 12. Jahrhundert beliebtes Symbol auf. Schon zuvor war er Löwe in vielen Kulturen der Antike und Frühgeschichte ein Begleiter von Gottheiten wie Artemis, Kybele oder Dionysos. Auch der Kult der Kybele beruhte wieder auf Vorstellungen die babylon-ischen Kult der Innana ihren Ursprung hatten. In der antiken Kultur wurden Löwen als Wächter der Toten, wie auch als Beschützer von Altären, Palästen und Toren angesehen.

Das Löwentor, Foto Andreas Trepte

Wächterfiguren in Stein verkörperten diese Vorstellung und sollten dieser Symbolik ein- en bildhaften Ausdruck verliehen. Obwohl das Löwenmännchen hauptsächlich nachts auf die Jagd geht, galt er auf Grund seiner Dominanz dennoch als solares Symbol, Mit ihm werden auch Eigenschaften wie Macht, Würde, Autorität, Beherrschung, aber auch Gerechtigkeit und Weisheit verbunden. Gleichzeitig verkörpert der Löwe aber auch die Eigenschaft der ungezähmten Wildheit und Stärke. Im biblischen Kontext verkörpert er de Stamm juda as erster die Symbolik des Löwen der in der Folge auf David und dann auf hesis beitragen wurde. Diese Symbolik hat ihren Ursprung in der Genesis, wo der Stammvater Jakob von seinem Sohn Juda als einem Gur Aryeh , als einem jungen Löwen spricht.(Genesis 49,9 LUT). Im Kontext des biblischen Geschehens taucht der Löwe taucht  auch im letzten Ereignis, dem jüngsten Gericht auf. Dort öffnet er das 7. Buch mit dem dieses Gericht eröffnet wird und an dessen Ende die Himmlische Jerusalem entsteht. Der Evangelist Johannes schildert diese neue Stadt aus felsartigem Gold in der Gestalt eines Würfels. Jeweils drei Tore auf jeder Seite des Würfels, ermöglichten dann den Zugang zu dieser Stadt Nur die Zahl 12, in Gestalt von 12 Toren, übernahm Heinrich der Löwe aus diesem Konzept bei der Gründung seiner Stadt,

Sternbild Löwe in 2 Poitionen und die Burg

Sternbild Löwe, 2 von 3 Positionen die die Geometrie der Stadt bestimmten.

Doch der biblische Löwe lebte hier weiter. Er wurde ab dem 12. Jahrhundert zu einem äußerst beliebten Wappen und damit Markenzeichen christlicher Herrscher in Europa.Er bestimmte mit den 2 Positionen an St Blasisus, dem Stadtheiligen, und St. Martin die geometrisch bestimmenden Punkte der Burganlage. In 3 Positionen bestimmte er auch die wichtigsten Punkte der Stadtmauer, einschließlich ihrer Hauptzugänge.Damit wurde die Stadt Braunschweig, sinnbildlich zum Körper des Löwen, der seinen Bewohnern fortan Schutz garantieren sollte. Dieser Bedeutung des Sternbildes Leo Löwe folgte auch die Ausrichtung des berühmten, wohl im Jahr 1166 aufgestellten Löwendenkmals. Die Plastik, die eine Mischung aus Bracke und Löwe darstellt, ist nach Osten aufgerichtet, dort wo zu dieser Zeit der hellste Stern des Löwen aufging.

Bilder:Wikipedia/ Der Braunschweiger Löwe (entstanden zwischen 1164 und 1176)Foto User:Brunswyk, CC BY-SA 3.0 , Herzog Heinrich der Löwe, Kartular des Klosters Weissenau (um 1220), St. Gallen, Kantonsbibliothek Vadiana, VadSlg Ms. 321, S. 48, Autor unbekannt – Scan aus Buch Jörg Peltzer: Der Rang der Pfalzgrafen bei Rhein. Die Gestaltung, Wikipedia gemenfrei/ Das Löwentor, Foto Andreas Trepte , CC BY-SA 2.5 /Simulation, Karte Stadt Braunschweig Stellarium

Göbekli Tepe und Portasar Teil 3

Die Stele des Löwen

Einer der ungewöhnlichesten Bauwerke in Göbekli Tepe fällt durch seine rechtwinklige Geometrie auf. Auf Grund von Darstellungen katzenartiger Tiere wird es auch als `lion pillar building´ bezeichnet. In seiner Mitte stehen vier Stelen mit jeweils unterschied-lichen Abständen zu den Außenwänden. Mit den Darstellungen vergleichbare Tierkulte gab es auch in Ägypten, wo die Göttinnen Mafed in Panther- und Sachmet in einer Löwengestalt erschienen. Mafdet ist seit der ersten Dynastie belegt, also ab dem frühen 3. Jahrtausend und bedeutet die Kletterin oder auch die Läuferin.

Mafdet trägt Osiris während ihn Anubis besucht, Bild aus dem Grab des Sennedjem

Obwohl sie meist mit einem Panther gleichgesetzt wird, ist ihre Gestalt nicht eindeutig belegt. Aus den Pyramidentexten ist jedoch überliefert, dass die Wildheit des Löwen den König und Re vor dem Angriff von Schlangen und Skorpionen schützte. Ist dies aber so wortwörtlich zu sehen? Das Bild des Sternbildes weist hier in eine andere Richtung. In der Zeit der 1. Dynastie tauchte das Sternbild des Löwen kurz nach Son- nenuntergang zur Wintersonnenwende auf und mit ihm auch die Sternbilder Schlange und der Skorpion. Der Löwe folgte so in sprungbereiter Haltung und ebenso angriffs-lustig dem vorauseilenden Orion mit seinen Hunden. Doch auch die Katzengöttin Bastet wurde in Ägypten in der Regel meist als sanftmütige Göttin angesehen und in dieser Rolle galt sie als Göttin der Freude, der Musik und des Tanzes.

Bastet, Foto FDRMRZUSA

Zugleich war sie aber auch die Àmme und Mutter des Pharaos. Ihre negative Seite, die sie als das strafende Auge des Re offenbarte, gab sie später an die Göttin Sachmet ab. Auch diese Vorstellung vom strafenden Auge ist vor dem Kontext des Sternbildes besser zu verstehen. Mitte August, also in der Zeit um Mariä Himmelfahrt, erreicht die Temp- eratur in Ägypten ihr Maximum. Zu dieser Zeit, als Bastet noch das Auge des Re dar- stellte, stieg das Sternbild des Löwen kurz vor Sonnenaufgang über den Horizont und stand damit auch für die heißeste Zeit des Jahres. Wie in Ägypten, wurde die Gestalt des Löwen auch in den indischen Mythen mit einer Göttin verbinden. Hier wurde er um Reittier der meist mit 10 Armen dargestellten Göttin Durga.

Durgas Kampf gegen den Büffeldämon, Foto Mahisasur,

Im Sanskrit bedeutet der Name Festung oder Palast, der gut geschützt und unzu- gänglich ist. Sie verkörpert die reine Energie, die hilft die moralische Ordnung und Tugendhaftigkeit der Schöpfung zu bewahren. Durga gilt auch als die Unüberwindbare, die das Leid beseitigt, indem sie sich ohne Furcht dem Bösen, sowie den bedrohlichen und mächtigen Dämonen entgegenstellt die sie im Kampf tötet. In den Motiven der klassischen indischen Kunst wird Durga meist nur in ihrer Rolle als Töterin des Büffel-dämons dargestellt und auch hier zeigt sich der Ursprung dieser mythologischen Vor- stellungen in der Konstellation von Sternbildern. Verschwindet das Sternbild Stier hinter dem Horizont, sieht er aus als würde er von einem Speer getroffen, auf die Hinterbeine fallen. Währenddessen steigt aber der angriffslustig wirkende Löwe weiter in den nächtlichen Himmel auf. Die Verbindung des Löwen in unterschiedlichen Mythologien mit der Gestalt einer Muttergottheit scheint die Auffassung des Archäologen Guilo Magli zu bestätigen, der den Ursprung der runden Bauformen von Göbekli Tepe in einer Muttergöttin sah. Trotz dieser Vermutungen fehlen aber an diesem Or,t bis auf die Darstellung einer Frauenfigur mit gespreizten Beinen, eindeutige Bildnisse die diese Theorie stützen. Dies könnte aber auch ein Indiz für eine Vermutung des Archäologen Klaus Schmidt sein. Er glaubte dass die die Gesellschaft von Halbnomaden, die sich hier versammelte, weitaus abstrakter denken konnte, als es Wissenschaftler heute für möglich halten. Eine Beispiel dafür bietet der Löwe, dessen ungestüme Wildheit und Kraft  auch zum Sinnbild des plötzlichen Wachstums der Natur nach einer langen Phase der Sommerdürre wurde. Auf diese Zeit des Wachstums weist auch die Löwengestalt im `lion pillar building´ hin.

Der Löwe und die Fruchtbarkeit, Löwenstele, Foto Nelson

Hier wurde der Löwe so abgebildet, wie er während des Herbstäquinoktiums, kurz nach Sonnenuntergang, zum ersten Mal am Nachthimmel zu sehen war. Ähnlich wie später die Sphinx in Ägypten, blickte er auch hier dem aufgehenden Sternbild entgegen. Mit diesem Datum begann auch die erneute Einsaat und damit stand der Löwe für die kommende fruchtbare Periode. Die hier von den übrigen Bauformen abweichende Geometrie des Raumes ist auffällig und könnte wie das Motiv des Löwen, auf eine bereits im 1. Teil dargestellte, mögliche Verbindung zur ägyptischen Kultur hinweisen. Die Bilder des Schwans, des Löwens oder auch des Skorpions zeigen aber auch, dass Sternbilder bereits wesentlich früher als Gesamtform erkannt wurden und sie wie erst viel später dokumentiert, als Zeitmarkierung dienten. Die Größe des Kultortes und seine aufwendige bauliche Struktur stellen aber auch die Frage nach dem Wohnort der Menschen die sich hier versammelten. War dies etwa Sanliurfa, in dem nach den biblischen Beschreibungen Abraham das Licht der Welt erblickte?

 

Bilder: Wikipedia Bastet, Foto FDRMRZUSA ,/ Durgas Kampf gegen den Büffeldämon, Foto Mahisasur/ Karte Pillar room, homers heimat/ Lion Pillar, Foto Nelson, Simulation, sunearthtools, stellarium

Nächster Text: Masada und der Mythos des Pflügers

 

Der Löwe von Mykene

Modell der Ruinen von Mykene, Foto Qwqchri

Vom 16. bis zum 13. Jhd. v. Chr. war Mykene zugleich ein Königspalast, eine Festung und auch die Hauptstadt der Region Argolis. Dieses Machtzentrum der mykenischen Könige liegt auf einem erhöht liegende Taleineinschnitt zwischen zwei Bergen, am Rande der Ebene von Argos. Berühmt wurde die Bergfestung durch Bauwerke wie dem Schatzhaus des Artreus und dem Löwentor, dem Hauptzugang zur Anlage. Seit ihrer Entdeckung waren Forscher und auch Künstler von der Darstellung der beiden Löwen auf einer trapezförmigen Steinplatte fasziniert.

Richard Ridley Farrer,1882, The Lions Gate at Mycenae

Dieses Tor wird von vier monolithischen Blöcken umschlossen, die ohne Mörtel zu- sammengesetzt wurden und damit eine nahezu quadratische Öffnung umschließen. Verschlossen wurde die Öffnung mit einem Holztor das mit einer Bronzeauflage ver- stärkt war: Über der Öffnung ist ein trapezförmige Relief in das Zyklopenmauerwerk integriert, auf dem zwei spiegelsymmetrisch angeordnete Löwen dargestellt sind, die sich einer Säule zuwenden. Seit seiner Entdeckung fielen aber die Interpretationen und kunsthistorischen Beurteilungen des Reliefblocks sehr unterschiedlich aus. Sie reich- en von einer vermuteten Nähe zum Mithraskult, bis zur Verbindung zu Apollon Agyieus, dem klassisch-antiken Wächtergott. Diese Ratlosigkeit bei der Beurteilung be- schrieb der Althostoriker Ernst Curtius im Jahr 1852:.`.. das älteste Denkmal euro- päischer Skulptur ist in seinem Stile … so fremdartig, dass nichts an ihm griechisch genannt werden kann als das Material und der Boden, auf dem es steht.´

Gate of the Lions at Mycenae, Edward Dodwell

Seine Beschreibung bringt die schwierige Einordnung des Löwenmotives, das scheinbar zwischen den mediterranen und den orientalischen Kulturen beheimatet ist auf den Punkt. Es ist insoweit eine Besonderheit, da es sich bislang um das einzige erhaltene Monument der bronzezeitlichen Ägäis mit einem Bildschmuck handelt. Archäologische Funde und vor allem detailreiche Schilderung literarischer Überlieferungen stützen hier Vermutungen für ein Bild des Löwen den es in der Zeit der archaischen Epoche Griechenlands noch gegeben hat. Seiner Bedeutung entsprechend, fand das Monument bereits bei den Geschichtschreibern des klass-ischen Altertums seine Beachtung. Pausanias und mehrere andere erwähnten es deshalb in ihren Schriften.

Mahes aus Bronze aus der 26. Dynastie (660–525),Foto, A,Ocram

Wie der Adler, so hat auch der Löwe aber auch einen engen Bezug zur Sonne. Schon optisch verkörpert er dies durch sein sandfarbenes Fell, wie durch seine strahlenartige Mähne. Im alten Ägypten verkörperte er mit der Sonnenscheibe auf dem Kopf den Gott Mahes. Diese Sonnensymbolik nutzte auch der Mithraskult, wo der Löwe die Sonne selbst darstellt. Damit verkörperte er ähnlich wie im Buddhismus die Weisheit und die Reinheit des Geistes. Geist und Stärke waren also zwei Wesensmerkmale des Löwen, die die Herrscher seit der Frühgeschichte auf sich selbst übertrugen. Da dem Löwen eine magische Kraft zugesprochen wurde, wurde er auch als Wächterfigur zur Abwehr von Feinden, wie auch Dämonen gerne benutzt und bewachte als steinerne Figur Tempel und Throne.

Komainu, Wächterfigur vor buddhistichem Tempel in Kyoto, Typ, Foto 663highland

Die Rolle des Wächters in Gestalt eines Sternes spielte auch der Stern Regulus aus dem Sternbild des Löwen bereits im 3. Jtsd. v. Chr. In dieser Zeit wurden in Persien 4 Sterne als Himmelstiere, oder auch als himmlische Wächersterne identifiziert. Alde- baran, oder auch Tascheter, wurde dem Osten zugeordnet und stand hier für den Früh- lingsbeginn. Regulus, auch Venant, wurde dem Süden und damit auch der Sommer- sonnenwende zugeordnet. Antares, oder auch Satevis, stand für den Westen und den Herbstbeginn und Fomalhaut,Haftorang, stand für den Wächter des Nordens und damit zugleich für die Wintersonnenwende. Während im alten Ägypten sie dann als Horus- söhne verehrt wurden, wurden die 4 Sterne um 600 v. Chr. in Babylon als Himmelsg- enien verehrt und später auch in ganz anderer Form in die Tora aufgenommen. Dort sieht Ezechiel den Thron Gottes dann von viergesichtigen Engeln eingerahmt. Dass dieses Bild der vier auch in unsrer Kultur noch nicht verschwunden ist, zeigen die vier Evan- gelien die in der katholischen Kirche durch die Gestalten Adler Löwe, Stier und den Mensch selbst symbolisiert werden. In Mykene wurde diese Jahrtausende alte Symbolik gleich doppelt in das Baukonzept integriert, um so die Zyklopenmauern mit der kraft-strotzenden Stärke des Löwen zu verbinden.

Ausrichtung des Löwentores

Mykene und der Löwe, Aufsteig über den Horizont im Osten

Das Sternbild des Löwen brachte dies auch während der Blütezeit Mykenes zum Ausdruck, denn es stieg bis zum Himmelspol auf und auf diesen Zenit des Löwen zielte auch das Löwentor der Burg. War der Löwe mit seinem Kopf dort angelangt, stand er so am Himmel, wie er auf dem trapezförmigen Relief abgebildet wurde. Er war somit die mächtigste Schutzgestalt am Himmel. Damit kann die mittig liegende Säule auch als de tragende Stütze des Firmaments interpretiert werden und hat damit eine ähnliche Symbolik wie de ägyptische Djed-Pfeiler der für die immerwährende Stabilität stand. In dieser Rolle sahen sich auch Könige von Mykene. So wie Agamemnon, den der Dramatiker Aischylos als den Löwen beschrieb. Damit spielte er auch auf die Abstamm-ungslegende an, denn Agamemnon stammte von Rhea und Kronos aus dem Ge- schlecht der Tantaliden ab. Bereits hier tauchte der Löwe als heiliges Tier der Rhea auf.

 

Bilder: Wikipedia / Modell der Ruinen, Foto Qwqchri, CC BY-SA 3.0 / Richard Ridley Farrer,1882, The Lions Gate at Mycenae / Gate of the Lions at Mycenae, Edward Dodwell – Edward Dodwell: Views in Greece, London 1821/ Mahes aus Bronze aus der 26. Dynastie (660–525), im Naturhistorischen Museum Wien, Foto, A,Ocram / Komainu, Wächterfigur vor buddhistichem Tempel, Agyō/chinesischer Typ, Foto 663highland / Simulation, Stellarium

Leo, The Lion: Mazzaroth Series Part 41 — emmausroadministries

Zitat

Revelation 5:1-5 “And I saw in the right hand of Him who sat on the throne a scroll written inside and on the back, sealed with seven seals. Then I saw a strong angel proclaiming with a loud voice, “Who is worthy to open the scroll and to loose its seals?” And no one in […]

über Leo, The Lion: Mazzaroth Series Part 41 — emmausroadministries