Bull-Lion

Saturday, 19 December 2020

 

This is truly incredible object. Composite Lion and Bull, bronze, Iran, 1500-1000 BC. It is currently kept in the Cleveland Art Museum. The meaning of this object is unknown. It is presumed that it has served as an object of worship in a temple or shrine…

Worship of who? Who else. The beast of course. 

The beast in this case is The Sun during hot, dry season, which in Mesopotamia starts at the beginning of May, beginning of summer and ends at the end of October, the end of autumn.

The hot, dry season spans summer (symbolised by bull) and autumn (symbolised by lion). 

I talked about the animal symbols of the seasons and why these particular animals were chosen to be the symbols of the seasons in my article „Symbols of seasons

The dry season in Mesopotamia is the season of drought and death…Completely dominated by the blazing summer and autumn sun….The god of death: Nergal…The Late Summer Sun was equated with the God of Death, Mot, in Levant too. 

 

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Der Löwe des Tempelberges

Felsendom und Kettendom, Foto Ralf Roletschek

Die Jahrtausende alte Symbolik des Löwen prägt auch das Plateau des Tempelberges und erscheint hier als Bindeglied der 3 Religionen. Für alle ist der Tempelberg von großer Bedeutung, da such den Erzählungen zufolge, hier wichtige Ereignisse zuge- tragen haben. Damit steht das Herrschaftszeichen und solare Symbol für zahlreiche Gemeinsamkeiten der 3 Religionen, die auf einen gemeinsamen Stammbaum einer Grundidee mit all den daraus entsprungenen Erzählungen hinweisen. Wie in den bib- lischen Texten, so wird auch im Koran die Sonne häufig erwähnt. Sowohl als Him- melskörper, aber auch in gleichnishaften Bildern taucht sie dort auf. Bereits bei den Erzählungen zum Stammvater der Völker, Abraham, taucht die Sonne auf, Hier erzählt Abraham von seiner Erkenntnis, dass die Sonne selbst ein Geschöpf ist und es somit ein Fehler sei, sie als göttliche Macht anzubieten. Diese Natursicht entsprechend, wird im Koran auch von der Möglichkeit erzählt, die Sonne zur Vermessung und Wegebe-rechnung zu nutzen. Wie bei anderen Religion überwiegt in den Texten des Korans aber die symbolische Bedeutung der Sonne, Sie steht hier bildhaft für das Licht, das der Prophet Muhammad im Namen Allahs ausstrahlt.

Timuridische Darstellung Mohammeds; aus dem Miradschname, 1436, Herat.

Auch das reflektierte Licht des mondes dient als Metapher. denn wie das Licht der Sonne vom Mond reflektiert wird, so wird das Licht des Propheten vom Imam Ali zurück-gestrahlt. Ein letztes Mal tritt die Sonne in den Erzählungen dann als Ankündiger auf, wenn die Wiederkunft des Imam Mahdis unmittelbar bevorsteht. An diesem Tag soll sie aber nicht im Osten, sondern im Westen aufgehen. Nahezu mittig auf dem Plateau des Tempelberges steht heute der Ende des 7. Jahrhunderts errichtete Felsendom. Er wurde dort auf einem Felsen errichtet, wo nach Islamischer Überlieferung der Prophet auf seinem Pferd in den Himmel getragen worden sein soll. Auch die Israeliten sahen diese Stelle als einen heiligen Ort an, denn hier wird auch der Brandopferalter Abrahams vermutet. Auf dem soll der Stammvater der Völker, gemäß den biblischen Erzählungen Abraham, seinen Sohn Isaak als Beweis seiner Gläubigkeit Gott zum Opfer dargeboten haben.Nach diesen Überlieferungen soll Gott selbst den Ort ausgewählt und ihn dann als seinen Wohnort auf Erden bestimmt haben.

Fels im Innern des Felsendoms, Foto Earthsound

Dieser Bestimmung folgend, soll auch König Salomo hier seinen Tempel erbaut haben, der dann von ihm zum Mittelpunkt der jüdischen Religion erklärt wurde. Der oktogonale Baukörper des Felsendomes ist im Innern durch einen Säulenumgang gegliedert, der den Zentralraum einschließt. In ihm befindet sich auch der Fels liegt, über dem der Tambour mit der Goldenen Kuppel liegt. Die Anlage hat vier Eingänge, die den jeweil- igen Himmelsrichtungen entsprechen. Mit der Form des Oktogons wurde hier auch eine Bauform aufgenommen, die bereits bei der um 540 entstanden Kirche San Vitale in Ravenna verwirklicht wurde. Mit seiner Ausführung zählt der Felsendom zu den Meisterwerken des Umayyadenstils. Dies war der Baustil eines arabischen Stammes aus der Region Mekkas, aus dem auch der Prophet Mohammed stammte. Auf dem Plateau, das einst Herodes der Große errichten ließ, verbindet nun der himmlische Löwe alle Stätten dre 3 Relgionen. So wird durch ihn auch der Name des  Golden Tores oder auch Schönes Tor genannt, erklärt. In der Lage, wie sie der Sicht um den 23. April entsprach, liegt dann sein Hauptstern Rgulus, der kleine König, auf diesem Tor.

Goldenes Tor 2018 von außen, Foto Fallane

Damit verweist hier die Farbe Gold, wie bei der Kuppel ds Felsendmes, auch auf die solare Symbolik des Löwen. Nach neueren Unterschungen stammt dieses Tor aus frühislamischer Zeit,. Es wurde als umayyadische Doppeltoranlage errichtet und stammt damit aus einer ähnlichen Epoche wie der Felsendom. Mit dem Beginn der Kreuzzüge gewann das Tor eine ganz andere Bedeutung, denn nach den Erzählungen soll hier Jesus auf einem Esel in die Stadt geritten sein. Deshalb wurde es in der Zeit der Kreuzfahrer auch nur zu den jährlichen Palmsonntagsprozessionen geöffnet. Deshalb befand sich vor dem Tor einst ein Friedhof, der aber nach de Rückeroberung durch den Islam aufgelöst wurde. Das Tor wurde dann dauerhaft geschlossen, doch christliche Reisende konnten aber weiterhin wundersame Fragmente des Tores bei muslimischen Händlern kaufen.

Tempel des Herodes, Asher S. Kaufman / Sicht des Löwe am Abend des 23. April (Jupiterfest Rom, Georgstag kath. Kirche…..)

Mit seiner Lage verbindet nun der Kopf des Löwen die Stätten der beiden großen Relig-ionen. Er ist das Zentrum des Löwen, der für Aspekte wie Beständigkeit, Leben, Macht, Würde, Vollendung, Eintritt und Übergang steht. So stehen die beiden Sterne Eta und Gamma Leonis, der die Mähne des Löwen verkörpert auch für unerschüttelichen Mut. Das dieser von Dauer sein soll, zeigt beide Sterne bei dieser Lage des Löwen, in dem sie die Ostwestrichtung vor dem Ausgängen des Felsedoms markieren. Ebenfalls Auch in symbolisch richtig liegt dann Epsilon Leonis, der im Arabischen Ras Elased Australis, der Kopf des Löwen bedeutet. Hier markiert er die Mittelachse des Herodanischen Tempels, direkt am Zugang. Mit diesem Stern verweist Damit verbindet hier die Symbolik des Löwen alle drei Religionen, und verweist nicht auf ihren gemeinsamen Ursprung, sondern wohl auch auf das Verständnis islamischer Astronomiekunde, die die Eurpäer im Laufe es 10.Jhd`s mit Begeisterterung aufnahmen Es wäre also ein Gebot der Stunde, im Löwen diese Gemeinsamkeit wieder zu erkennen.

Bilder: Wikipedia / Felsendom und Kettendom, Foto Ralf Roletschek , GFDL 1.2 / Timuridische Darstellung Mohammeds; aus dem Miradschname, 1436, Herat. Das Werk befindet sich in der Sammlung der Bibliothèque nationale in Paris.…, Autor unbekannt – „Mi‘rajnama: The Book of the Prophet Muhammads Ascension“ / Fels im Innern des Felsendoms, Foto Earthsound , gemeinfrei / Goldenes Tor 2018 von außen, Foto Fallane,, CC BY-SA 4.0 – Tempel des Herodes, Asher S. Kaufman / Sicht des Löwe am Abend des 23. April (Jupiterfest Rom)

Der Tempel und der Löwe Judas

relief of the Emblem of Jerusalem, Fotoשלמה – שלמה

Im Hebräischen steht das Wort Arjeh für den Löwen. Doch mit einer minimalen Ver- änderung der Vokale, sowie der Silbentrennung, ergibt das Wort or-jah die Bedeutung `das Licht des Herrn. Damit verbindet die Symbolik des Löwen die Sonne mit der göttlichen Macht. Auf die Sonne verweist nicht nur seine Lage im Zodiak, sondern auch die Mähne des männlichen Löwen. Sie sind ebenso ein Sinnbild der Sonnenstrahlen, wie sein goldbraune Fell. Sein astrologisches Zeichen steht für die heiße Jahreszeit, denn in dieser Zeit wandert die Sonne durch das Sternbild des Zodiaks. Auf seine astronomische , wie auch astrologische Bedeutung ging der griechische Naturforscher Claudius Ptolemäus In seinem im 2. Jhd.n. Chr. entstanden Buch Tetrabiblos ausführlich ein. In seinem Werk zeigt er, ganz in der Tradition der babylonischer Himmelskunde, dass die Stellung der Himmelskörper eben nicht nur reine Naturerscheinungen sind, sondern ihre Stellung zueinander mehr als nur Ebbe und Flut hervorrufen. Er sah in den Kräften der Himmelskörpern auch die Gründe der unterschiedlichen Charaktereigen-schaften und diese Kräfte ermöglichten auch die Vorhersagen zukünftiger Ereignisse. Im Orient galt de Löwe als traditionelles Herrschaftszeichen und mit ihm beginnt auch die Geschichte des Stammes Juda.

Jakob segnet seine Söhne (Buchmalerei von François Maitre, 1475 bis 1480)

Die Übertragung der Löwensymbolik beginnt mit den Segensspüchen des Patriarchen Jakob, den er seinen 12 Söhnen gab. Doch nur seinen 4. Sohn Juda bezeichnet er darin als jungen Löwen. Während einer Rede prophezeite er seinem Stamm eine ewige Herrschaft, in der auch der lange erwartete Erlöser erscheinen wird. Zu seiner hervorgehoben Rolle in der weiteren Geschichte passt auch der Name, der in der alttestamenterarisch Sicht von Verb preisen abgeleitet wird. (Gen.49.8-10) Der Segensspruch Jakobs hebt sich durch seine Länge, die positive Prophezeiung und auch durch das Motiv des Löwen von allen anderen ab. Dieser Löwe Judas soll auch den Charakter des letzten Tempels auf dem Tempelberg geprägt haben. Laut er ersten größeren Niederschrift der bis dahin mündlich überlieferten Tora, war die Breite des Heiligtums im Vergleich zum zentralen Raum selbst auffällig laut. Der Text weist hier auf den Vergleich mit einem ruhenden Löwen hin, de vorne breit und hinten schmäler ist. Dieses von Autoren als auffällig hoch beschriebe Eingangsportal war auch die einzige Lichtquelle des Tempels.Er ist ein Werk das unter dem König Herodes dem Großen entstand, der 21 v. Chr, mit der kompletten Umgestaltung des Tempelberges begann. Er wurde zugleich auch sein anspruchsvollstes Bauwerk, dessen Vollendung er aber selbst nicht mehr erleben durfte.

Der Tempelplatz mit äußeren Umfassungsmauer im Holyland-Modell (Blick von Osten) Foto FOTLbill.

Der Löwe und der Tempel des Herodes, am Abend des römisches Festes epulis Jovis

Khafre complex,Grafik HoremWeb – der gebaute Löwe in Gizeh

Auf Grund der Zerstörung des Tempels während römisch-jüdischen Krieges und der heutigen Situation auf dem Tempelberg, können Rekon-struktionen in Gestalt von Modellen nur auf 2 schriftliche Quellen zurückgreifen. Sie bestehen aus den Schriften des Flavius Josephus und seiner Beschreibung des jüdischen Krieges, sowie der 130 Jahre später entstandenen Mischna. Sie beschreiben das bereits erwähnte, überhöhte Eingangsportal im Osten durch das man über eine Doppeltür das Heiligtum betrat. Dort befand sich im vorderen Teil die Menora, der Räucheraltar und der Schaubrottisch. In dem nach diesen Quellen entstandenem Plan der Tempelanlage zeigt sich In der Baustruktur dann auch die Vorstellung ruhenden Löwen. Doch hier erscheint er als Abbild des himmlischen Löwen, der sinnbildlich am Abend des Äquinoktiums der am nächsten Tag aufgehenden Sonne entgegen schreitet. Zugleich vereint er hier aber auch die jüdische mit de römiche Kultur, denn so war die Sict des Löwen am Morgen des römischen Jupiterfestes epulis Jovis. Doch damit wird hier auch ein Motiv aufge-griffen, dass ganz ähnlich, bei der Sphinx und dem Tempel auf dem Gizeh-Plateau zu sehen ist. Herodes de nach einem Angriff der Parther nach Rom fliehen musste, galt dort als König ohne Land. Nur mit römischer Hilfe gelang es ihm das Land wieder zu erobern und die in Jerusalem regierende Familie der Hasmonäer zu ver- treiben. Mehr als 3 Jahrzehnte blieb er als römischer Klientelkönig dort an der Macht. Mit einem gewaltigen Bauprogramm, zu dem auch die Planstadt Caesarea Maritima, versuchte er sein An- sehen zu steigern und damit auch die Konflikte innerhalb der Bevölkerung zu befrieden. Trotz der vorherrschenden römischen Kultur stellt der Tempel eine Sonder- form dar, die sich nach den Erzählungen an der Stiftshütte orientierte. Auf- fällig sind jedoch die, im Vergleich zur riesigen Mauern des Plateaus, bescheidenen Dimens- ionen des Heiligtums. So drängt sich, ähnlich wie bei den Beschreibungen der Arche Noah oder auch der Bundeslade der Gedanke auf, dass mit den in den Erzählungen erwähnten Maßen. kein Gegenstand beschrieben wurde, sondern eine geistige Botschaft.

Bilder: Wikipedia/ relief of the Emblem of Jerusalem, Fotoשלמה – שלמה, CC BY-SA 3.0 / Jakob segnet seine Söhne (Buchmalerei von François Maitre, 1475 bis 1480) François Maitre – http://www.mnemosyne.org/mmw/fullsize/mmw_10a11_018r_min_1.jpg 7 Der Tempelplatz mit äußeren Umfassungsmauer im Holyland-Modell (Blick von Osten) Foto FOTLbill. Gemeinfrei /Der Löwe und der Tempel des Herodes, am Abend des römisches Festes epulis Jovis, eigen., Karten wikipedia, scan Gal m Stellarium/ Khafre complex,Grafik HoremWeb – der gebaute Löwe in Gizeh

 

Der Löwe von Lorsch

Westseite der Torhalle, 2009, Foto Kuebi

Im Kloster Lorsch wird heute ein Segensspruch aus dem frühen 9. Jahrhundert aufbe-wahrt, in dem der Jungfrau Maria die Befehlsgewalt über die Bienen zugesprochen wird. Mit ihm sollte vermutlich,im übertragenen Sinn, ein schwärmendes Bienenvolk wieder in den Bienenstock zurückgerufen werden. Der Spruch beginnt mit denm Worten: `Christ, der Bienenschwarm ist hier draußen! Nun fliegt, ihr meine Bienen, kommt.Im Frieden des Herren, unter dem Schutz Gottes kommt gesund zurück. – Sitzt, sitzt, Bienen. Der Befehl kommt von der Jungfrau Maria…..`

Codex Palatinus latinus 220, Fol. 58r, mit dem Lorscher Bienensegen.. Foto Autor unbe.

Die Verbindung der Bienensymolik mit Maria beginnt mit dem Konzil in Ephesos im Jahr 431. Dieses 3. Konzil der Kirchenoberhäupter sollte den Streit über den Begriff Gottes-gebärerin befrieden, der durch die Lehre der Nestorianiane entstanden war. Im Gegen-satz zur Kirche in Rom, sahen die in Christus 2 getrennte Personen, eine ird- ische und eine göttliche. Somit konnte Maria auch keine Gottesgebärerin sein, wie es die Lehre Roms forderte. Unter der Führung des Patriarchen und Kirchenlehrers Cyrill von Alexanderia einigten sich schließlich die 200 in Epheseos tagenden Bischöfe doch auf den Marientitel `theotokos´ die Gottesgebärerin. Diese wegweisende Entscheidung erfolgte an einem Ort, an dem das größte Artemisheiligtum der Antike stand. Ihr heiliges Tier war die Biene, die auch auf zahlreichen, in Ephesos aufgefundenen Münzen auf- taucht.

Münze aus Ephesos, mit Biene

Auf Grund der Bedeutung der Bienen im Artemiskult nannten sich auch die Priester- innen Melissai, was übersetzt weibliche Bienenarbeiterinnen bedeutet. Entsprechend zum Aufbau eines Bienenstaates entsprachen dann die Eunuchen-Priester dann den Drohnen. In der Zeit als der Lorscher Bienensegen entstand, wurde das heutige Lorsch noch mit dem Name Lauresheim bezeichnet, ein Name der dessen Ursprung bis heute ungeklärt ist. Führt man den auf das althochdeutsche Wort laurin, den Lorbeer zurück, bietet der eine Verbindung zur Symbolik des Mittelalters, wie auch zur Sonnen-ausrichtung der Klosteranlage. In der griechischen Mythologie war der Lorbeerkranz ein Attribut des Licht- und Heilgottes Apollon. Er soll auch in Delphi einen Tempel aus Lorbeerzweigen gebaut haben. Erst viel später wurde dan der gleichen Stelle, so die Legende, dann ein Tempel aus Stein erbaut. Mit seiner Symbolik steht der Lorbeer für Ruhm und Zuneigung. Zugleich ist er mit der Sonne verbunden und steht damit auch für das Sternzeichen Löwe. Auch in der Marienlegende taucht der Lorbeer auf, denn ihre Mutter Anna war einst in Sorge ob ihrer Kinderlosigkeit. Doch kurze Zeit nach dem Gebet unter dem Lorbeerbaum in ihrem Garten, erschien ihr ein Engel und verkündete ihr die nahe Geburt. Im Christentum wird der immergrüne Lorbeer dann zum Symbol der Auferstehung und damit auch zum spirituellen Triumph über den Tod. So weitere Verbindung des Lorbeer zu Maria und dem Löwen zeigt sich in der Ausrichtung der Anlage auf den Sonnenuntergang an Mariä Himmelfahrt.

Kloster Lorsch, Ausrichtung, eigen,Uni-Heidelberg,

Die ist das Datum an dem auch der Frauendreissiger beginnt, jene 30 Tage, in denen nach altem Brauch die reifen Heilkräuter gesammelt wurden. In der frühen Zeit des Christentums wurde das Hochfest „Mariä Himmelfahrt“ noch als Fest der „Dormition“, der „Entschlafung“ Mariens begangen. Erst im 6. Jahrhundert wurde es auf die Mitte des August gelegt, also jenen Zeitpunkt, an in dem die Sommertemperatur in der Regel ihr Maximum überschritten hat. Aus der Vorstellung der Entschlafung entwickelte sich dann im frühen Mittelalter das Himmelfahrtsfest. Ein entsprechendes Schauspiel war zu dieser Zeit auch in Rom, zumindest ideell, am Himmel zu sehen. So erfolgte dort in der Zeit des 15. Augustd der Aufstieg des Sternbildes Virgo. zusammen mit der Sonne in ihrer Hand. Auf diese Zeit der Kräutersuche verweist auch eine weitere Marienlegende, in der der von der Öffnung des Mariengrabes erzählt wird. Hier finden die Jünger aber keinen Leichnam mehr, sondern nur noch Blumen und Kräuter. Die theologische Ent- wicklung der Himmelfahrt Marias fand 1950 eine vorläufiges Ende, denn in diesem Jahr verkündetete. Papst Pius XII. das Dogma „von der ganzmenschlichen Aufnahme Mariens in den Himmel“. Die Anlage in Lorsch vereinte beide Motive, die Himmelfahrt in Gestalt des Sonnenuntergangs an diesem Tag und den Lorbeer als Zeichen der Auferstehung im Symbol des Löwen. Ein Löwenkopf in der Mauer der verbliebenen Kirche erinnert heute noch an die symbolische Bedeutung des Tieres.

Löwenkopf, Portal Klosterkapelle, Kloster Lorsch

Bilder: Wikipedia/ Codex Palatinus latinus 220, Fol. 58r, mit dem Lorscher Bienensegen.. Foto Autor unbekannt, gemeinfrei / Westseite der Torhalle, 2009, Foto Kuebi – Armin Kübelbeck, CC BY-SA 3.0 /Kloster Lorsch, Ausrichtung, eigen,Uni-Heidelberg, sunerathtools/ Münze aus Ephesos, mit Biene/ Löwenkopf, Portal Klosterkapelle, Kloster Lorsch

Die Reichenau und der steinerne Löwe

Münster St. Maria und Markus von Norden, Foto © Hilarmont

Der Mythus der Markusreliquien auf der Insel Reichenau entstand gut 170 Jahre nach deren Erwerb durch den Heiligen und Veroneser Bischof Radolt. In der Legende `De miraculis et virtutibus beati Marci evangelistae´ wird geschildert, wie Radolt unter dem Siegel strengster Verschwiegenheit die Gebeine des Markus bei einem Kaufmann in Venedig erstanden hatte. Unter Eid musste er ihm versprechen, die wahre Identität des der Gebeine nicht zu seinen Lebzeiten zu offenbaren. Doch um sicherzugehen, dass dies auch die Gebeine des Evangelisten Markus waren, musste der Kaufmann ihm dies beim Kesselfang schwören. Diese sogenannte Wasserprobe war ein archaisches Element der Rechtsgeschichte und wurde bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. im Codex Ur-Nammu, e-wähnt, wo sie als Flussprobe bei Zauberei empfohlen wurde. Gerade im Mittelalter galt die juristische Wasserprobe mit heißem Wasser (iudicium aquae ferventis) als ein Mittel, um die Wahrheit durch ein sogenanntes Gottesurteil ermitteln.zu lassen Auch hier wurde diese Methode wieder in Gesetzestexten, wie dem des Hinkmar von Reims aufgeführt. Damit musste auch der Verkäufer der Markusgebeine, getreu der Methode, seine Hand zum Schwur heben und dabei gleichzeitig mit der linken Hand einen Stein aus kochendem Wasser herausheben. Da das kochende Wasser bei ihm aber keine Spuren hinterlassen hatte, galten die Relikte des Markus fortan als echt. Im Jahr 830 schenkte sie Radolt dem Kloster auf der Reichenau, wo sie in der ersten Zeit als Reliquien des heiligen Calens verehrt wurden. Die Gebeine genossen anscheinend nur wenig Aufmerksamkeit, so dass der Heilige laut der Legende nun selbst zur Tat schritt und dem Konstanzer Bischof Gebhard im Traum erschien. Dabei beklagte er sich über die höchst unwürdige Unterbringung. seiner Gebeine. Doch es bedurfte aber noch zwei weiterer Erscheinungen des Markus bis der Bischof endlich für eine angemessene Aufbewahrung der Gebeine sorgte.

Inneres nach Westen; Markusaltar, Klosterkirche Reichenau, Foto Wam

Aber auch später erschien Markus noch einmal einer Gruppe von Ordensbrüdern, die an der Echtheit der Gebeine zweifelten. Nachdem Markus sie vor kommenden Über- fällen warnte, die sich in Gestalt der Ungarneinfälle tatsächlich ereigneten, verstum- mten fortan alle skeptischen Stimmen. Die nun besser aufbewahrten Reliquien wurden dann während des Mittelalters von zahlreichen Herrschern besucht. Erst die Stiftung Königin Elisabeth, Gemahlin König Albrechts I. ermöglichte im Jahr 1303 den Bau des vergoldeten Markusschreines, der heute in der Schatzkammer des Münsters aufbewahrt wird. In Gestalt eines Hauses, das mit einem Walmdach versehen wurde, weist der Schrein auf die ewige Wohnstätte des Markus hin. Dass Markus mit dem Löwen identi- fiziert wurde, hatte er im Wesentlichen dem im 4. Jahrhundert lebenden Kirchenlehrer Hieronymus zu verdanken, der den 4 Evangelisten die vier noch heute gültigen Symbole zuordnete. Diese Ordnung der vier Gestalten gründet auf der babylonischen Himmels-ordnung, die von 4 Planetengöttern bestimmt wurde. In den den biblischen Erzählungen taucht diese Symbolik der Vier nun mit Adler, Löwe, Stier und Mensch auf.in unter- schiedlichen Zusammenhängen auf. Hieronymus ordnete diese Symbolik und wies dabei dem Evangelisten Markus endgültig den Löwen zu. Mit der Tiersymbolik nahmen dann die 4 Evangelisten jenes Bild vorweg, das im 4. Kapitel der Offenbarung des Johannes geschildert wird. Dort ist von vier Wesen die Rede: Löwe, Stier, Mensch und Adler. Sie stehen alle neben dem Thron Gottes. Als Sternbilder am Himmel stehen sie jeweils eine unterschiedliche Jahreszeit, wobei der Mensch durch das Sternbild des Aquarius vertreten ist. Das Münster St.Maria und Markus wird von dieser christlichen Symbolsprache gleich auf 2-fache Weise bestimmt. So war zur Zeit der Erbauung die Baulinie auf den Sonnenaufgang an Mariä Lichtmess ausgerichtet und in entgegen- gesetzter Richtung auf den Sonnenuntergang am Gedenktag des Evangelisten Markus.

Münster St. Maria und Markus, Sonnen-und Löwensymbolik, eigen

Auch die dreischiffige Kreuzbasilka, die unter Abt Haito I.entstand spiegelt das Symbol des Evangelisten wider. Sie wurde im ersten Abschnitt im Jahr 816 geweiht  Abt Erlebad ergänzte die Basilika um ein Langhaus-Joch und fügte das Westwerk hinzu. Doch erst Mitte des 15. Jahrhunderts erhielt die Kirche unter Abt Friedrich von Wartenberg einen Chor und damit ihr endgültiges Erscheinungsbild. Nun blickte der steinerne Löwe des Markus  auch der unt- ergehende Sonne am Makustag entgegen. Fast 1400 Jahre, nachdem ursprünglich nur mündlich weitergegebene Botschaft des Markus im Jahr 330 von dem Kirchenlehrer Athanasius aufgezeichnet und später durch den Bischof Cyril von Alexandria stark erweitert wurde, hatten die Reliquien des Markus einen würdigen Ort gefunden.

Bilder:Wikipedia/Münster St. Maria und Markus von Norden, Foto © Hilarmont (Kempten)CC BY-SA 3.0 de / Inneres nach Westen; Markusaltar, Klosterkirche_Reichenau_20090821_011.jpg: Foto Wam, Wikipedia gemeinfrei    Münster St. Maria und Markus, Sonnen-und Löwensymbolik, eigen, Stellarium sunearttools

Maria und der Löwe von Aachen

Die Verkündigung, um 1472–1475, Leonardo da Vinci,Google Cultural Institute,

Der 84. Tag ist im einem Normaljahr nicht nur mathematisch ein besonderes Datum. So lässt sich die Zahl als Produkt aus 3x4x7beschreiben und damit sind in dem Datum alle biblisch bedeutsamen Zahlen enthalten, die so auch eines de heilsgeschichtlich wichtig- sten Ereignisse markieren: Mariä Verkündigung. Ausführlich wird dieses Ereignis mit zwei ineinander verwobenen Erzählungen im Lukasevangelium geschildert. Zum einen ist dies die Geburt von Johannes dem Täufer, dem letzten großen Propheten, dessen Geschichte im 1. Kapitel beginnt, Hier erzählt der Verfasser von blinden Zacharias, der in hohem Alter noch immer keinen Nachkommen hatte. Doch eines Tages erschien ihm der Engel Gabriel und der verkündet ihm, dass seine Gebete erhört wurden. und seine Frau Elisabeth doch noch einen Sohn bekommen würde. Ihn sollte Zacharias dann Johannes nennen. Dennoch zweifelte Zacharias daran, ob all dies geschehen würde und verlor deshalb bis zur Geburt seines des Sohnes die Stimme.

Taufe Christi, Joachim Patinir, um 1515. Kunsthistorisches Museum Wien

Nur 6 Monate später erzählt der Verfasser von einer erneuten Erscheinung des Gabriel bei Maria, einer engen Verwandten der Elisabeth. Dieses Ereignis fand in Nazareth statt, kurze Zeit nachdem sich Maria mit Josef aus dem Hause David.verlobt hatte, Gabriel verkündet auch ihr, dass sie ebenfalls ein Kind empfangen werde und es Jesus nennen soll. Diese Verkündigung wird auch als Zeitpunkt der Empfängnis gedeutet, über deren eigentlichen Vorgang später Theologen sich noch Jahrhunderte lang den Kopf zerbrechen. In Bezug zum m Jahreslauf erfolgt die Geburt beider biblischer Ge- stalten genau zum richtigen Zeitpunkt. Johannes der Täufer, mit dem Elisabeth am 25. März im 6.Monat schwanger war, wird kurz nach der Sommersonnenwende, am 24. Juni, dem Johannitag, geboren. Jesus, kommt dann folge-richtig, kurz nach der Winter- sonnenwende, am Weihnachtstag zur Welt. Der Bedeutung des Baues entsprechend, sind hier alle drei, Johannes, Jesus und Maria mit Reliquien vertreten.das Kleid Marias, über das seit dem 5. Jahrhundert in Erzählungen berichtet wird

Aachener Gnadenbild, Foto Arnoldius

Gemäß diesen, soll Maria den Apostel Johannes damit beauftragt haben, ihre Kleider frommen Bewohnern in Galiläa zu schenken. Pilger sollen das Kleid Marias dann bei einer Frau entdeckt und nach Konstantinopel gebracht haben. Dort wurde es lange Zeit in der Hagia Sophia aufbewahrt, ehe es im 8, Jahrhundert zu Karl dem Großen gesandt wurde. Wie die Reliquie den Nimbus der Kirche beeinflusste, so war des der Tag der Verkündigung der das Ausmaß der Kaiserpfalz bestimmte. SIe stellte den bis dahin größten Sitz eines karolingischen Herrschers dar. Die Anlage weist für damalige Bauwerke eine ungewöhnliche Weite und strenge Achsialität der Einzelbaukörper auf. Beide Hauptbauwerke, die Aula regia im Norden mit dem Grannusturm und im Süden, die Pfalzkapelleund heutigem Dom,, waren über einen langen Gang verbunden, in dessen Mitte ein ebenfalls achsial angeordnetes das Torbauwerk stand.

Die Kaiserpfalz Aachen, Sonnen – und Löwensymbolik

In einer der Bauforschungsstudien wird hier als Grund ein ein Rastermaß vermutet, das dem, Konzept der Pfalz zugrunde lag. Doch auch dieses Raster erklärt nicht die Länge des Verbindungsbaues, sowie die Zuordnung der beiden Hauptbauwerke. Königshalle und Kapelle. Eine Erklärung für diese Komposition bietet hier das Sternbild des Löwen mit seiner Position, wie es am Abend von Maria Verkündigung zum ersten Mal zu sehen war. Die beiden Sterne Zosma Leonis, der Gürtel des Löwen, sowie Chort Leonis, die kleine Rippe, markierten hier die Aula regia und der Grannusturm, die vermutete Wohn- ung von Karl dem Großen. Auf der Südseite markierte Eta Leonis, der Beginn des Löwenkopfes, den Eingang der Pfalzkapelle und Regulus, der kleine König, den zugang zum Vorhof der Anlage. Beide Sterne wiesen dann in die Richtung des damaligen Thronsitzes von Karl dem Großen. Damit verkörpert die Anlage eine zeitgenössische christliche Symbolik, die auch das Selbstverständnis von Karl dem Großen zum Ausdruck brachte. Es wurde auch von Alkuin geformt, den Karl der Große als den größten zeitgenössischen Gelehrten an die Hofschule nach Aachen holte. Dort wurde er auch zu seinem ein- flussreichsten Ratgeber. In dieser Funktion formte Alkuindas Bild Karls des Großen und dessen Reichsgedanke. So entwickelte er die Idee eines neuen Sakralkönig- bzw. Kaisertums. Damit sah Alkuin Karl auch in der Nachfolge Davids, der als Verteidiger der Kirche und Herrscher, der ein ein neues christliches Universalreich regierte. Das Sinnbild Davids, der Löwe, war auch das einzige Bild auf den beiden riesigen Bronze-türen, den Zugängen zur Pfalzkapelle. Die beiden Löwenköpfe weisen hier ebenso auf die Symbolik des himmlischen Klwen hin, der mit seiner Struktur auch das Ausmaß der  Gesamtanlage der Kaiserpfalz bestimmte.

 

Bilder:Wikipedia/ Leonardo da Vinci: Die Verkündigung, um 1472–1475, Leonardo da Vinci – sAErNLFH1KFYmw at Google Cultural Institute, gemeinfrei/ Taufe Christi, Joachim Patinir, um 1515. Kunsthistorisches Museum Wien / Joachim Patinir – Kunsthistorisches Museum Wien, Bilddatenban, gemeinfrei / Aachener Gnadenbild, Foto Arnoldius – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0/ Die Kaiserpfalz Aachen, Sonnen – und Löwensymbolik eigen, stelaium, sunearttools

 

Der Löwe von Worms

Die „Alte Synagoge“ von der Gartenseite. Foto HOWI

Laut einer Womser Legende sollen Juden nach der Zerstörung ihres ersten Tempels nach Worms ausgewandert sein. Als ihnen dann der Perserkönig Cyrsus die Rückkehr anbot, soll sie der große Schriftgelehrte Esra aufgefordert haben, wieder nach Jerus- alem zurückzukehren um dort den Tempel wieder zu errichten. Die Wormser antworteten ihm daraufhin, nun in Kleinjerusalem zu wohnen und keine Absicht zu haben zurück-zukehren. Diese Erzählung ist zu den Gründungslegenden der Stadt zählen, denn die Anwesenheit einer jüdischen Gemeinde in Worms ist erst ab dem 9. Jahrhundert legt. Dieser Stadtname soll sich im Laufe der Zeit durch Lautverschiebung aus dem dem Name der römischen Civita borbetomagus entwickelt haben. Doch in ihm lebt un- verkennbar noch der alte hebräische Name Warmasia weiter. Ein ganz ähnliches Wort gibt es jedoch auch im Lateinischen, wo wormacia das Gewürm bedeutet. Dies ist ein Sammelbegriff unter den auch die Schlange fällt.

Die Eherne Schlange, Gustave Doré

Dieses Bild aber lässt an die eherne Schlange denken, die Moses auf das Geheiß Gottes aus Kupfer gießen ließ. Ihr Anblick solle alle Israeliten heilen, die während des Auszuges der Israeliten aus Ägypten durch feurigen Schlangen gebissen wurden. Gott selbst hatte sie gesandt, denn während der Wanderschaft hatte sich große Unzu- friedenheit breit gemacht und mit mit der kupfernen Schlange wollte er allen unzufriedenen ein neues Heilszeichen geben. Eine rettende Geste Gottes erwähnt auch Salomo im Buch der Weisheit, wie auch der Apostel Pauls dieses Motiv in einem Brief an die Korinther aufgreift. Darin verschiebt er aber den Akzent, denn er verweist hier mehr auf die Strafende Geste, die alle Sünder vernichtet. Gemäß den biblischen Be- schreibungen soll die Schlange dann im Tempel von Jerusalem aufgestellt worden sein, wo sie bei dessen Zerstörung verloren ging. In den biblischen Texten wird die Gestalt der Schlange ebenso ambivalent geschildert wie die des Löwen. Wird er mit negativen Eigenschaften geschildert, verkörpert er das Böse und mit seinen positiven und ge- radezu magischen Eigenschaften das Heilsversprechen. Seine Bedeutung beginnt im Alten Testament, wo Jakob seinen Sohn Juda als einem Gur Aryeh, einen jungen Löwen bezeichnet.

Der Löwe Judas auf dem Wappen Jerusalems, Foto Jüppsche

Obwohl sich der Begriff Aryeh vom hebräischen Verb sammeln ableitet und damit eine Persönlichkeit bezeichnet die Menschen um sich versammelt, wurde fortan der Löwe zu einem Symbol des größten Stammes Juda. Diese Symbolik wird später auch auf Jesus übertragen, der die mit Adam begonnene Heilsgeschichte beendet So wird er im 5.Kapitel der Apostelgeschichte als Löwe von Juda bezeichnet wird, in der Erwartung eines neuen Heilskönigs, der der Herrschaft der Römer ein Ende setzt. IDamit wird auch Maria Teil dieser Löwensymbolik, die in Gebeten des Mittelalters auch als Stimme des Löwen bezeichnet wird. Er tritt auch im letzten Buch des Neuen Testaments auf. wo er in der Vision des Johannes das 7. mit Siegeln versehene Buch öffnet um damit das Jüngste Gericht beginnen zu lassen. Geradezu magische Fähigkeiten wurden dem Löwen in der frühchristlichen Naturlehre, dem Physiologus zugesprochen. Gemäß der Beschreibung soll er mit offenen Augen schlafen, also immer wachsam sein. Ebenso soll er seinen totgeborenen Jungen das Leben mit seinem Atem einhauchen. Damit wurde der Löwe zu seinem Sinnbild des wachsam kämpferischen Glaubens, wie auch der Auferstehung nach dem Tod.

Löwe. Abbildung aus dem Physiologus

Vor dem Hintergrund dieser Symbolik kann auch das Bild des spätmittel-alterlichen Grundrisses von Worms interpretiert werden. Er vereint das Herrschaftssymbol der Könige mit dem Sinnbild für Jesus und dem Löwe Judas. Das Sternbild des Löwen, seitenrichtig auf den Boden projiziert stellt, den Löwen mit seiner letzten Sicht am Michaelitag dar und in dieser Positionen definieren seine Sterne wesentliche Teile des Mauerverlaufes, sowie zwei der wichtigen Stadtzugänge. Wie der Löwe hier religiöse Vor-stellungen verbindet, so macht dies auch Michael. Er spielt sowohl im Christentum, im Judentum und dem Islam eine wichtige Rolle. Im Heilgeschehen der Bibel ist er es, der auch den letzten Kampf mit dem Drachen, dem personifizierten Bösen aus- trägt. Während dieses apokalyptischen Kampfes, sieht ihm Maria auf einer Mondsichel steh- end zu. Mit ihrer Jungfrauengeburt hatte sie das Heilsgegschichte vollendet, die Michael als Schlachtenhelfer stets verteidigte. Auf diese Geburt eines neuen Löwen von Juda, die durch mehrere Propheten vorhergesagt wurde, weist die zweite Position des Löwen in Worms am Tag von Mariä Verkündigung hin. Damit verkörpert der Stadtplan von Worms das Bild des kämpferisches Schutzes des Glaubens und die  spirituelle Ver- ehrung Marias während des Mittelalters, Mit diesen Motiven bietet die Stadt auch ein eindrucksvolles Beispiel für die bildhafte Gestaltung einer Stadt des Mittelalters, in der das Motiv des Löwen wie ein übergroßer Talisman die Grenzen und Zugänge dieser Stadt bestimmte.

2 Position des Löwen von Worms

Bilder: Die „Alte Synagoge“ von der Gartenseite. Foto HOWI – Horsch, Willy, CC BY-SA 3.0 , Die Eherne Schlange, The Bronze Serpent (Num. 21:4-9)., Gustave Doré/ Der Löwe Judas auf dem Wappen Jerusalems, Foto Jüppsche/ 2 Position des Löwen von Worms, Simulation Stellarium, Karte Stadt Worms