London, die Stadt des Mars

Brutus von Britannien (um 1450), Roll ‘Chronicle’

Sagen, sind sie auch noch so fantastisch bergen doch stets einen wahren Kern, der sich der sich entschlüsseln lässt. So auch bei den Sagen, die die Gründung der Stadt London beschreiben, denn sie soll auf eine Zeit vor der römischen Epoche zurück-gehen. Eine dieser Legenden erzählt. dass die Stadt durch Brutus, einem Nachfahre der Trojaner gegründet worden sein soll. In Italien, der Zufluchtsstätte der unter-ge- gangenen Trojaner, hatte er seinen Vater Silivius, der den Sohn des aus Troja ge- flüchteten Aeneas, versehentlich erschlagen. Nachdem er aus der Kolonie der Trojaner verbannt wurde, gelangte er mit Getreuen über die Gegend von Tours nach Britannien. Dort erschlug er die Riesen die auf der Insel lebten. In der griechischen Sagenwelt wird Trojas Gründung auf die beiden mythischen Könige Ilios und dessen Neffe Tros zurückgeführt. Beider Name führte schließlich zum Name der Stadt. Mit Tros verbindet sich aber noch eine weitere Sage, die des Ganymed.

Der Raub des Ganymed, Rubens 1636–1638, Museo del Prado,

Er war der jüngste Sohn des Tros und wird in den Erzählungen als wunderschön beschrieben Zeus fand ihn so reizend, dass er ihn in Gestalt eines Adlers auf den Olymp entführte. Dort sollte er den Göttern fortan als Mundschenk dienen. Als Ge- genleistung für sein Opfer erhielt Tros einige besonders schnelle Pferde. In seiner neuen Aufgabe löste Ganymed Hebe, die Tochter des Zeus ab. Aus Dank für sein Zuneigung verlieh Zeus später dem geraubten Ganymed die Unsterblichkeit indem er ihn als das Sternbild Aquarius in den Himmel versetzte. Damit wurde er auch zum Symbol für den Winterregen, der den Mittelmeerbewohnern das lebensspendende Wasser brachte. Als die Römer im Jahr 43 n. Chr. Britannien eroberten, gründete sie an der heutigen Themse den Ort Londinium. Zum Ursprung des Namens gibt es unter-schiedliche Deutungsversuche. In der im 12 Jahrhundert geschriebenen Historia Regum Britanniae wird berichtet, dass er von einem König Lud stammen soll. Der Linguist Richard Coates sieht aber den Ursprung des Namens in dem gallischen Wortstamm Llyn din, dem späteren Begriff Lin, der übersetzt, Schild oder Schutz bedeutet. Somit könnte der Name auch als Schutzburg interpretiert werden Da die Hauptrichtung der Stadtanlage aber auf en Sonnenaufgang am 19. Oktober, dem Fest Armilustrium zu Ehren des Kriegsgottes Mars weist dies auf einen anderen Ursprung hin.

Londinium und Mars Camulos

Seine Entsprechung hatte er der einstige römische Bauerngott im Mars Camulus oder Camulos, einer im keltischen Raum beliebten Gottheit. Im altkeltischen Wörterbuch von Manfred Tischner wird camulos mit mächtig oder stark übersetzt. Diese Eigenschaft, die auch das altkeltische Wort londos ausdrückt, das wild oder kühn bedeutet. Damit wurde Londinium wohl einst als die Burg des `Kühnen´ angesehen. Einen Verweis auf den `Kühnen´ bot aber auch das Sternbild des Bärenhüters oder auch des Ochsentreibers am Morgen des 19. März dem ersten Tag des Quinquatrus, dem 4-tägigen Fest zu Ehren des Mars. Dieses Frühlingsfest war in der Regel auch der Beginn der jährlichen Feldzüge. Damit zeigt der Plan auch die Verbindung von zwei Mythologien, denn Mars war in seiner frühen Phase ebenso ein Fruchtbarkeitsgott, wie der keltische Gott Cernunnos. Auf Mars Camulos weist in London eine WeiheInschrift hin, die von Tiberinius Celerianus undam Tabard Square im London Borough of Southwark ge- funden wurde.Es ist die bislang älteste gefundene Inschrift, die auf die römische Stadt Londinium hinweist. Die Tafel wurde in einer Grube gefunden, die sich auf dem Gelände eines ehemaligen gallo-römischen Tempelbezirkes befand. Eine Drehung um weitere 31° in östliche Richtung, offenbart dann eine weitere Übereinstimmung von Stadt-geometrie und dem Sternbild des Ochsentreibers. In dieser Position lag dann dessen hellster Stern Arcturus dort, wo sich das Amphitheater Londiniums befand. In römische Theater und die dort stattfindenden Spiele wurden oft gewaltige finanzielle Mittel investiert, Diese Orte dienten aber nicht nur der reinen Unterhaltung, sondern ebenso der Pfelge der hellenistischen Kultur und er der politi-schen Interaktion. So konnten die politischen Ziele Roms und deren Philosophie am besten verbreitet werden. Gleichzeitig wurde mit diesen prachtvollen Versammulung-räumen ein Gefühl der Zusammen-gehörigkeit unterschiedlicher Volksgruppen inszeniert.

Rekonstruktion von Londinium, Carole Raddato

 

Bilder: Wikipedia / Brutus von Britannien (um 1450), Roll ‘Chronicle’ – Society of Antiquaries of London , gemeinfrei / Der Raub des Ganymed, Rubens 1636–1638, Museo del Prado, Madrid. gemeinfrei Reconstruction drawing of Londinium c. 120 AD, Carole Raddato from FRANKFURT, Germany , CC BY-SA 2.0 (Rekonstruktion von Londinium, Carole Raddato) – Londinium und Mars Camulos, sunearthtools, stellarium