Palmanova – die Stadt der Palme

palmanova1600Palmanova als Idealstadt in Sternform nach Georg Braun und Frans Hogenberg

In einer Epoche in der Astronomie und Astrologie sich großer Wertschätzung erfreuten, wurde die Stadt Palmanova in der Provinz Udine.gegründet. Ihr Hauptzweck war eine nach neuesten Gesichtspunkten geplante Festung, die venezianischen Interessen dienen sollte.  Als Gründungsdatum der Stadt gilt der 7. Oktober 1593, 22 Jahre nach dem Sieg bei der Seeschlacht von Lepanto. Für die christlichen Mittelmeermächte war dies der erste strategische Sieg gegen die Expansionsbestrebungen des osmanischen Reiches. Nach der Besetzung Zyperns schien der Verlust des östlichen Mittelmeeres zu drohen und damit auch der Verlust der wichtigen Handelsverbindungen. Papst Pius V. Hatte daraufhin das Heer der Heiligen Liga organisiert, das unter dem Oberkommando Don Juan de Austria kämpfte und die Vormachtstellung der osmanischen Flotte beseitigen sollte.

schlacht-von-lepanto_1571Die Schlacht von Lepanto 1571.

Diesem Sieg von Lepanto ist auch der wichtige Marienfeiertag am 7. Oktober zu verdank-en, das Rosenkranzfest. Es wurde bereits ab 1547 in Spanien gefeiert, denn auch während der Reconquista hatte Maria die gleiche Funktion der Schlachtenhelferin, wie bei den Kämpfen im östlichen Mittelmeerraum. Nach dem Sieg, dem man im Nachhin- ein dem Rosenkranzgebet zuschrieb, feierte die Kirche den Tag als `Maria vom Siege´. Erst 1960, wohl auch als Geste der Aussöhnung, wurde der Tag in den heutigen Namen geändert. Als Erinnerung an diesen geschichtlichen Hintergrund trägt die Stadt auch heute noch die Palme in ihrem Wappen.

palmanova-wappenDie Palme Palmanovas

Zur Zeit als die Stadt unter dem Zeichen der Palme entstand, blickte dieses Symbol be- reits auf eine jahrtausende lange kulturelle Entwicklung zurück. Sie begann bei den Sumerern, wo sie das Zeichen des jährlich zu Neujahr begangenen Hochzeitsfestes der Götter Ea und Nirhusag darstellte und somit das weibliche und männliches Prinzip vereinte. Auch in der ägyptischen Kunst taucht die Palme als Symbol auf. Hier ist der Palmzweig ein Attribut der Göttin Renpet, der Göttin der Ewigkeit und der Jugend. In Bildern wurde sie deshalb meist als Frau mit einem Palmzweig über dem Kopf dargestellt. Die in Ägypten entwickelte Palmette hielt auch Einzug in die griechische Kunst. Hier erhielt sie die symbolische Bedeutung die dann auch das Christentum verwendete, das Zeichen des Sieges.

nikeNike, Siegesgöttin

So wurde die griechische Siegesgöttin Nike und später auch die ihr entsprechende röm- ische Siegesgöttin Victoria, meist als jugendliche Frauen mit Flügeln dargestellt. Sie trugen die Attribute Siegeskranz und Palmzweig, manchmal auch mit Trophäen. Die Palme war aber ebenso dem Heil- und Lichtgott Apollon geweiht. Dabei ist die Dattel-palme, griechisch `phoenix´ sprachlich verwandt mit dem Vogel Phoenix, der wie sie, ebenso ein Symbol der Auferstehung ist. Damit wurde die Palme zum Sinnbild des Sieges, wie auch des Sieges über den Tod. Diese Bedeutung machte sie schließlich zum Symbol des ewigen Lebens und deshalb wird der Palmzweig häufig einzeln, oder aber mit zwei gekreuzten Wedeln bei Todesanzeigen oder Trauerschleifen verwendet. Im Christen- tum wurde der Palmzweig zum Attribut von Engeln, Heiligen, aber auch der Maria, als ein Zeichen ihres Sieges über die Welt und deren Versuchungen. Zum entscheidenden Sieg hatte sie bei Lepanto verholfen und dies sollte sich auch in der Konzeption des Stadt-grundrisses niederschlagen.

palmanova-ausrichtungPalmanova, Ausrichtung

Ähnlich wie die Stadtgründungen der Römer oder die von griechischen Kolonisten in Kleinasien, wurde auch Palmanova als Planstadt angelegt. Ihre Geometrie folgte aber keinem Schachbrettmuster das bei Planstädten häufig anzutreffen ist, sondern sie wurde durch die konzentrische Figur des 9-Eckes bestimmt. Einst besaß diese Figur noch einen Kranz von vorspringen Bastionen, die eine ideale Verteidigung erlaubten. Der Gedanke entsprang den Vorstellungen der Idealstadt die Thomas Morus 1516 in seinem Buch Utopia beschrieb. Darin schildert er eine ideale Gesellschaft, die in einem sozialen Aus- gleich lebt. Angelehnt an Platons Beschreibungen von Atlantis, besaß auch der Stadtstaat Utopia eine konzentrische Form, die ebenfalls strahlenförmig gegliedert war und einem zentralen Platz besaß. Eine vergleichbare Gliederung findet sich auch in Palmanova, wo am zentralen Platz der nach Norden weisende Dogendom steht. Er ist dem heiligen Markus, dem Stadtpatron Venedigs, und der örtlichen Patronin Justina geweiht. Die Aus- richtung des Bauwerkes ist ungewöhnlich, denn in der Regel werden Kirchen, wenn auch mit einer gewissen Abweichung, nach Osten ausgerichtet. Doch hier steht Dom an einer Straßenachse, die um 3° von der Nordrichtung abweicht. Nur durch diese Abweichung zielte sie einst auf die Letztsicht von Stella Polaris am Marienfeiertag Maria Lichtmess. Seit dem frühen Mittelalter galt der Stern auch als Stella Maris, dem Symbol Marias. Er wurde nicht nur Navigation in der Hochseeschifffahrt benutzt, sondern diente auch als ein vielschichtiges Symbol zur Orientierung im Glauben.

apostel-markusApostel Markus

Mit dem Tag Lichtmess, dem Beginn des Bauernjahres wurde so auch ein symbolischer Bezug für den Neubeginn der Stadt gefunden. Zusätzlich finden sich in der Ausrichtung der zentralen Verkehrsachse zwei wichtige, mit der Geschichte Venedigs verbundene Heilsgestalten. So bestimmt der Sonnenaufgang am 15. Mai, dem Tag der heiligen Sophia die östliche Richtung. Auch ihr Attribut ist der Palmzweig. Diese Richtung korrespondiert damit mit dem Sonnenuntergang 31. Januar, dem Tag der Übertragung der Gebeine des Markus nach Venedig. Somit ist der Plan Palmanovas nicht nur ein Beispiel für den Gedanke der Idealstadt, sondern ebenso ein Symbol für die Vorstellungswelt christlicher Heils- und Schutzvorstellungen im ausgehenden 16. Jahrhundert.

Bilder: Wikipedia/ Palmanova als Idealstadt in Sternform nach Georg Braun und Frans Hogenberg / Die Schlacht von Lepanto 1571. / Wappen / Simulation: stellarium und sunearthtools

Der Stern vom Bogenberg

bogenberg-panoramaDer Bogenberg von Nordwesten

Der Bogenberg bei Bogen ist Teil einer der bedeutendsten Bruchlinien in der Erdkruste Mitteleuropas. Diese als Donaustörung bezeichnete geologische Formation zieht sich von der Oberpfalz bis weit nach Österreich hinein.. Dort, wo sie als geologisch auffällige Grenze in Erscheinung tritt, wird sie auch als Donaurandbruch bezeichnet. Gerade an den Felsklippen des Bogenberges sind besonders auffällige Störungsgesteine zu finden, die unterschiedliche Arten der Deformation aufweisen. Doch sein markantes Erschein-ungsbild erhielt der Bogenberg erst durch die Jahrmillionen andauernden Verwitterungs- und Erosionsprozesse der Erdneuzeit. Seine flach nach Nordosten abfallende Hochfläche ist der Überrest einer Einebnungsfläche, die erst im Tertiär entstand.

wallfahrtskirche_mariae_himmelfahrtWallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt

Eine der ältesten Marienwallfahrtskirchen Bayerns steht auf Berg, der auch als heiliger Berg Niederbayerns bezeichnet wird. Auf einer Steintafel in der Vorhalle der Kirche wird über die Entstehung der Wallfahrt berichtet, die auf ein wundersames Ereignis im Jahr 1104 zurückgehen soll. In diesem Jahr soll das Gnadenbild der Jungfrau Maria auf der Donau stromaufwärts angeschwommen sein, das Graf Aswin von Bogen dann in seiner Schlosskapelle aufstellte. Über 100 Jahre später wurde 1223 der Bogenberg dann als `Berg der heiligen Maria´ erstmalig in einer Urkunde des Papstes Honorius III. erwähnt. Der Zeitpunkt des wundersamen Ereignisses an der Donau fiel auch zusammen mit dem Aufstieg des ostbayerischen Adels-Geschlechtes, dessen frühe Genealogie aber im Dunkeln liegt. Ab dem 11. Jahrhundert nannte sich der Adelszweig die Grafen von Wind- berg und nach der Umwandlung dieser Burg in ein Kloster, schließlich die Grafen von Bogen. Von der Mitte des 12. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts waren sie eines der mächtigsten Adel-geschlechter Bayerns.

grafen-von-bogenAswin von Unterzeitldorn, 1. Graf von Bogen (re)

Doch archäologische Funde belegen, dass der Berg bereits in der Bronzezeit besiedelt war. Allein auf geologische Prozesse lässt sich wohl das Aussehen des Berges wohl nicht zurückführen denn die Landschaftsformation, weist doch eine auffällige geometrische Ausrichtung auf. Sie führt vom Sonnenuntergang am 23. April, den heutigen Georgstag zum Sonnenaufgang am 14. Februar, dem Valentinstag. Beide Gedenktage existieren aber nicht erst seit der Christianisierung , sondern wurden als Ersatz bereits bestehender griechisch-römischer Feiern in Leben gerufen. So feierten die Römer am 23. April das 1. Jupiterfest des Jahres und am 14. Februar mit den Lupercalien eines ihrer ältesten Feste überhaupt. Auch in Griechenland wurde zu diesem Zeitpunkt ein Blumenfest zu Ehren der Aphrodite gefeiert. Die Georgslegende ist dem heutigen Ort Lod verbunden, seinem einstigen Geburtsort Diospolis. Hier weist der Name auf das einstige Heiligtum des Zeus / Jupiter hin. Im bäuerlichen Kalender ist dieses Datum ist auch wichtiger Lostag, der eine Wetterschau für die kommenden Wichen ermöglicht. Dieses Datum muss aber auf weit- aus älteren Traditionen beruhen, denn auch der im 1. Jahrhundert n. Chr. auf den Ruinen eines Heiligtums aus der Bronzezeit errichtete Jupiter Tempel in Baalbeck ist ebenfalls auf den Sonnenaufgangspunkt an diesem Tag ausgerichtet.

Bogenberg, Sonne, Sirius und Arktur

Bereits die Sonnenrichtung zeigte eine Besonderheit des Berges und so hilft ein weiterer Blick in den Himmel auch eine Erklärung für die wundersame Erscheinung des Gnaden-bildes im Jahr 1104 zu finden. So erschien am Abend des 2. Februar, dem Tag Mariä Lichtmess, zu dieser Zeit in Blickrichtung des weiteren Donauverlaufes der Stern Sirius am Abendhimmel. Die 1295 errichtete Wallfahrtskapelle ist, umgerechnet auf den julianischen Kalender, auf den Sonnenuntergang am Tag der Kreuzauffindung am 3. Mai ausgerichtet. Heute weist aber ihr Chor, bedingt durch die Datumsverschiebung des Gregorianischen Kalenders,  wieder in die Richtung wo im 11. Jahrhundert am Abend des 2. Februar der Stern Sirius zu sehen war.

stella-marisStella maris

Der im 4. Jahrhundert lebende Kirchenvater Hieronymus begründete diese Tradition der Sternensymbolik Marias mit der Anrufung der Jungfrau unter dem Namen `Stella maris´, indem er den hebräischen Namen Mirjam, `bitteres Meer, auf den Namen Marias übertrug. Hieronymus´war Kirchenvater, Heiliger, Gelehrter und auch Theologe der spätantiken Kirche. Zusammen mit Ambrosius von Mailand, Augustinus und Papst Gregor I. gehörte er in der katholischen Kirche zu den vier wichtigen spätantiken Kirchen-lehrern des Abendlandes. Der heute noch bekannte Marienhymnus Ave Maris Stella stammt aus dem 8. oder 9. Jahrhundert. Als Verfasser gilt der im 8. Jahrhundert lebende Abt Ambrosius Autpertus. Seine Hymne beginnt mit der Anrufung: `Ave maris stella, Meerstern, sei gegrüßet…´ Doch dieses Bild ist weitaus komplexer. Darin enthalten ist die feindliche Welt des Meeres, auf der das Schiff der Gläubigen treibt und als dessen Mast wurde Christus gesehen. Der Stern Sirius diente hier aber weniger im Sinne der Navigation, sondern war mehr eine Metapher für das Licht in der Dunkelheit des Glaubens.

bogenberg-waelleBogenberg,  Wälle aus der Bronzezeit

Wie für das Donauwunder findet sich auch die annähernd rechtwinklige Gelände-formation eine Erklärung. In der Bronzezeit, um 2000 v. Chr, stand Arktur auf der Sonnenaufgangslinie, wenn am 14. Februar die Sonne im Südosten aufging. Zur Wintersonnenwende tauchte er aber am Abend im Norden auf und entsprach damit auch der Geländeausrichtung des nördlichen Teiles des Bogenberges. Vielleicht erklärt diese temporäre `himmlische´ Übereinstimmung mit dem Gelände auch die Siedlungsdauer auf dem Berg, die dann auf heute unerklärliche Weise wieder endete.

Bilder: Wikipedia, /Ansicht des Bogenbergs, Donaulustig / Wallfahrtskirche Märiä Himmelfahrt, Angela Monika Arnold / Simmulation sunearthools, stellarium

Augsburg und das Fest der Ceres

Unter dem Pseudonym Joseph Fischer vom Peterhof verfasste der Schulrektor der Elias-Holl Schule in Augsburg den 40-erJahren ein Buch mit dem Titel `Augsburger Frauen´. Darin beschreibt er auch eine der Stadt treu verbundene Göttin mit dem Namen Cisa. Sie soll lange vor dem Vordringen der Römer vom keltisch-vindelikischen Volke als Förderin des Kornbaues und Pflanzens und als Göttin der Fruchtbarkeit hoch verehrt worden sein. Ihr Heiligtum vermutete er auf dem gleichen Platz an dem später der Perlachturm errichtet wurde.

Augbsugr CisaCisa auf dem Perlachturm

Im Verlauf der Stadtgeschichte unterlag der Name mehreren Deutungs-versuchen. Sie reichten von der Interpretation der Cisa als Isis, als Ceres, oder auch als Kybele reichten. Selbst die Stadt, deren Wurzeln heute eindeutig im Name Augustus zu suchen sind, soll soll einige Zeit den Namen Cisara getragen haben. Heute scheinen die Ursprünge geklärt zu sein, denn der Name wird auf die etwa 30 n. Chr. gegründete römische Stadt, zurückgeführt, die seit dem 3. Jahrhundert unter dem Namen Augusta Vindelicum bekannt ist. In dem Wort Vendelicum lebt auch der bereits erwähnte Name des keltischen Stamm der Vindeliker weiter, in dessen Siedlungsgebiet die Stadt und der Regentschaft von Kaiser Augustus gegründet wurde. Aus der Zeit des 9. Jahrhunderts sind mehrere Abwandlungen des Namens bekannt, die aber alle auf den Namen des römischen Kaisers zurückzuführen sind. So ist aus dem Jahr 826 der Name Augusburuc und aus dem Ende des 9. Jahrhunderts der Name civitas Augustensis id est Ogesburc, bekannt.

Augustus GlyptothekKaiser Augustus mit Bürgerkorne, München Glyptothek

Augustus, auch der Erhabene genannt war der Großneffe und Haupterbe von Gaius Iulius Caesars. In zähem Kampf gewann er von 31 v. Chr. bis 14 n. Chr. alle Machtkämpfe um die Nachfolge des ermordeten Regenten. Am Ende war er Alleinherrscher des Römischen Reiches und begründete nach langen kriegerischen Auseinandersetzungen die nach ihm benannte Friedensperiode, die Pax Augusta. Sein Name `der Erhabene´ war ein Ehrennamen den der Senat Octavian am letzten Tag des Staatsakts vom Januar 27 v. Chr. Verliehen hatte,
Mit zahlreichen Maßnahmen, bei denen ihm üppige Kriegsbeute des besetzten Ägypten zu Hilfe kam, förderte Augustus einen nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung im Reich. Er entließ ein Drittel der Legionäre und Dank einer neuen Rechtssicherheit kehrte in den Provinzen Ruhe ein, denn sie hatten bis zu diesem Zeitpunkt am meisten unter den von Kontributionen und Truppenaushebungen gelitten. Augustus hatte auch frühzeitig erkannt, dass nur eine im ganzen Reich praktizierte einheitliche Religion den Zusammenhalt gewährleistete.

Ceres  LouvreDie fruchttragende Ceres, Louvre in Paris

Eine der Göttinnen die er besonders unterstützte war Ceres, eine eine alte italische Göttin. Sie wurde von den Römern als Herrin der Erdkräfte, des Wachstums und des Reifens verehrt. In Rom wurde sie in einem Tempel auf dem Aventin verehrt, den Augustus nach seiner Zerstörung durch ein- en Brand wieder erneuern ließ. Bis in die spätrömische Zeit blieb er eines der wichtigsten Heiligtümer der Stadt. Während es vor der Kaiserzeit noch getrennte Kulte der phrygischen Göttin Kybele und der Ceres-Demeter gab, sollen beide im Laufe der Zeit zu einer Gestalt verschmolzen sein. Diese Entwicklung lenkt den Blick auf ein Symbol, das in Augsburg an vielen Stellen zu finden ist, den Pinienzapfen oder auch die Zirbelnuss genannt.

Kybele Getty MuseumKybele, Paul Getty Museum

Da der Pinienzapfen eine Vielzahl von Kernen enthält, galt er über lange Zeit als Symbol der Fruchtbarkeit und des Lebens und wurde auch zu einem Symbol der Göttin Kybele. In der griechischen Mythologie tauchte der Pinienzapfen auch als Bacchus-, oder auch als Phallussymbol auf. In Bildnissen der Kybele ist er ein Attribut der Fruchtbarkeitsgöttin und Be- schützerin der Städte. Aus diesem Grund wurde sie meist auf einem Thron sitzend mit einer Mauerkrone auf dem Kopf dargestellt. Aber nicht nur Kybele hatte dieses Symbol, auch die Rätien stationierte Legion trug sie als Feldzeichen. Betracht man nun die Ausrichtung des Kastells, so offenbart sich innerhalb der Ausrichtung die auch her nicht willkührlich ge- wählt sein kann bei den beiden Hauptachsen eine komplexe Bildthematik.

Augsburg  Plan1Kastell Augsburg, 2. bis 4. Jhd. n. Chr

So ist in nordöstlicher Richtung der via decumanta unschwer ein Sonnen- aufgangspunkt auszumachen. Hier beginnt die Sichtung der Sonne am 12. April, dem Tag des Beginns der Ludi Cereris, den Spielen zu Ehren der Göttin Ceres. Das Fest der Getreidegöttin schloss sich unmittelbar an das Ende der Ludi Megalenses an, die am 11. April endeten. Am gleichen Tag war der hellste Stern des Adlers, dem Symbol Jupiters, sichtbar, bis er die Fluchtrichtung der via prätoria erreichte. Dann verblasste er in der aufgehenden Sonne. Auch im Christentum wurde von der einstigen Tradition der Ceresverehrung nur wenig abgewichen. So ist es nicht verwunderlich dass die Längsachse des im 11. Jahrhundert errichteten Domes `Unserer Lieben Frau vom Guten Rat´ nur wenig von der alten Ausrichtung abweicht und auf den Sonnenaufgangspunkt des 26. Aprils zielt. Gerade eine Woche Abstand zum Ende alten Ceresfestes, das am 19. April endete sollten genügen um die Tradition vergessen zu lassen.
Der römische Dichter Ovid beschreibt Ceres auch als weise Gesetzgeberin. Ihre Fackel die ein Symbol des eleusinischen Mysterienkult war galt auch Wegeleuchte. Die Ausrichtung des Kastells auf den Tag der Ceres macht die Existenz einer später vom Volk verehrten Göttin Cisa durchaus wahrscheinlich. Jedenfalls lebt ein Teil ihrer Eigenschaften
im Bild Marias weiter, der der im 8. Jahrhundert erbaute Dom `Unserer Lieben Frau vom guten Rat´ geweiht ist.

Augsburg Plan2die Kontiuität in Augsburg, Dom `Unserer Lieben Frau vom guten Rat´

Bilder: Jüdisch-historischer Verein Augsburg: Cisa auf dem Perlachturm/ Wikipedia / Bibi Saint-Pol, Kaiser Augustus / Statue der fruchttragenden Ceres (Louvre, Paris) ChrisO,CC BY-SA 3.0/ Pinenzapfen Vatikan, lance_mountain , http://www.flickr.com/photos/lance_mountain/138343253/  Simulation: Sunaerttools, Stellarium