Carnuntum und der Vindemitor

Idealrekonstruktion der Zivilstadt Carnuntum um 210 n. Chr., Foto Wolfgang Sauber

Carnuntum ist der Name einer römischen Zivilstadt und eines Legionlagers in der Nähe von Bad Deutsch-Altenburg. Die Ansiedlung trug mehrere unterschiedliche, aber ähnlich klingende Namen. Da einer der Namen, carnunto, mit der Grundform auf das keltische Wort carn, Horn oder Trompete verweist, erscheint im Ortsnamen auch das Bild des keltischen Hirschgottes Cernunnos.

Er wurde als Herr der Tiere und des Waldes, wie auch als Gott der Fruchtbarkeit verehrt. Eines der wenigen überlieferten Bilder des Cernunnos befindet sich auf dem Kessel von Gundestrop, wo er zwischen Schlange und Hirsch abgebildet ist.

Kessel von Gundestrup, Sitzende Figur mit Gehörn, Halsband und Schlange in den Händen haltend. Ausschnitt der Innenseite, Foto Nationalmuseet

Dieses Bild verweist auch auf die Abläufe in der Natur. Ein sichtbares Zeichen gibt der Hirsch, dessen Geweihabwurf ab Mitte Februar erfolgt und sich in den anschließenden 3 Monaten wieder erneuert Seine einem Schamanen ähnliche Geste und Haltung hat ihre Vorbilder im asiatischen Raum. Eines stammt aus der hinduistischen Religion, wo Pashupati, also Shiva, als Herr der Tiere und Schutzherr der Tiere angesehen wird.

Beide, Shiva und Cernunnos gleichen sich in den Darstellungen. Eine ganz ähnliche Rolle hatte wohl der in der römischen Provinz Noricum verehrte Mars Latobius, der als Hirten- und Totengott, aber auch als Heilgott galt. Entsprechend seiner Rolle soll der Name „der weithin Gewaltige“ bedeuten.

In Carnuntum verweist das Heidentor im Westen und die anschließende Hauptstraße mit der Ausrichtung auf den Sonnenaufgang am 19. März auf den Bezug zum römischen Mars und der Feier Quinquatrus.

Carnuntum, der Vindemitor(Boötes) und Mars

Damit verknüpfte die Richtung den Kult des römischen Mars mit dem des Cernunnos. Das viertägige Fest Quinquatrus war ursprünglich ein reines Fruchtbarkeitsfest, doch im Laufe der Geschichte wandelte sich der altitalisce Bauerngott Mars zu einem Kriegsgott. Damit wurde das Fest Quinquatrus zu einem wichtigen Bestandteil der römischen Militärreligion. Vor diesem Hintergrund bildete die Kultfeier auch den Auftakt der jährlichen Militäraktionen.

Der Glaube im Römischen Reich war zwar auf die Kapitolinische Trias ausgerichtet, doch unter deren Schutz gediehen auch andere Glaubensvorstellungen. Wie in Noricum, wo dem dort verbreiteten Kult der Göttin Noreia, der norischen Muttergöttin, eine Verbindung zum römisch-ägyptischen Isiskult zugesprochen wird.

Bereits Herodot verwies in seinem Werk Histories auf die Vielschichtigkeit des Isiskultes wo er schrieb: `Denn keine Götter werden von allen Ägyptern gemeinsam verehrt, außer Isis und Osiris, von denen sie sagen, dass sie Dionysos sind; diese werden von allen gleichermaßen verehrt. […] Osiris ist in der griechischen Sprache Dionysos.´ Wie der eingangs beschriebene Cernunnos übte auch Dionysos die Rolle eines Schamengottes aus. In der antiken Mythologie verkörperte er wie kein andre das Prinzip des Todes und der Wiederauferstehung.

Dionysos, der einst durch einen Seitensprung des Zeus entstand, wurde anschließend von Hera verfolgt und in ihrem Auftrag zerstückelten Titanen ihn in 7 Teile und kochten diese. Mehrere Mythen beschreiben dann seine Auferstehung von den Toten. Demeter lässt Dionysos als Weinstock auferstehen, doch im Heiligtum von Delphi vermischt Apollon seine Asche mit der eines Titanen, aus der dann das Menschengeschlecht entsteht.

Bacchus und Ampelos, Lithographie nach einer römischen Statue, Giovanni Domenico Campiglia (1692-1768).

Der Dionysosmythos bietet eine ganze Reihe an Erzählungen, der Dank Ovid´s Werk Fasti, dann mit dem Motiv des von Dionysos geliebten Jünglings Amepelos ihren Höhepunkt finden. So lebt der Name Ampelos heute noch in der Ampelographie, der Kunde vom Weinstock weiter.

Mit einer Meereshöhe von ungefähr 200 m, liegt Carnunutum in einer Landschaft, in der es warme Sommer gibt und deren nährstoffreiche Böden sich gut für den Weinbau eigneten. Den Bezug zum Weinbau und die Verbindung unterschiedlicher Mythologien verkörperte am 5. März, dem Fest der Ausfahrt der Isis(Noreia) das Sternbild des Boötes mit seiner seitenrichtigen Lage im Norden.

In dem Werk Fasti beschreibt Ovid dessen Entstehung so: Der Satyr Ampelos wird der Geliebte des Bacchus, dem griechischen Dionysos. Als Ampelos beim Pflücken von Trauben auf einer an einem Baum gewachsenen Weinrebe abstürzt und dabei getötet wird, versetzt ihn Bacchus als Vindemitor an den Himmel. Damit verkörperte der Sternbild Bärenhüter neben dem Motiv des Hirten, des Pflügers, des Aufsehers des Bären nun noch ein weiteres Bild. Dank Ovid wurde er zum Sinnbild des kosmischen Winzers, oder auch des kosmischen Weinstockes.

Bilder: Wikipedia /Idealrekonstruktion der Zivilstadt um 210 n. Chr., im Zentrum die Forumstherme („Palastruine“) und das Forum, im Hintergrund oben das Amphitheater II , Foto Wolfgang Sauber ,CC BY-SA 3.0 /Kessel von Gundestrup, Sitzende Figur mit Gehörn, Halsband und Schlange in den Händen haltend. Ausschnitt der Innenseite, Foto Nationalmuseet , CC BY-SA 3.0Giovanni Domenico Campiglia (1692-1768), Bacchus cum Ampelo“. Engraving of a Roman statue, gemeinfrei.Carnuntum, der Vindemitor(Boötes) und Mars, eigen

London, die Stadt des Mars

Brutus von Britannien (um 1450), Roll ‘Chronicle’

Sagen, sind sie auch noch so fantastisch bergen doch stets einen wahren Kern, der sich der sich entschlüsseln lässt. So auch bei den Sagen, die die Gründung der Stadt London beschreiben, denn sie soll auf eine Zeit vor der römischen Epoche zurück-gehen. Eine dieser Legenden erzählt. dass die Stadt durch Brutus, einem Nachfahre der Trojaner gegründet worden sein soll. In Italien, der Zufluchtsstätte der unter-ge- gangenen Trojaner, hatte er seinen Vater Silivius, der den Sohn des aus Troja ge- flüchteten Aeneas, versehentlich erschlagen. Nachdem er aus der Kolonie der Trojaner verbannt wurde, gelangte er mit Getreuen über die Gegend von Tours nach Britannien. Dort erschlug er die Riesen die auf der Insel lebten. In der griechischen Sagenwelt wird Trojas Gründung auf die beiden mythischen Könige Ilios und dessen Neffe Tros zurückgeführt. Beider Name führte schließlich zum Name der Stadt. Mit Tros verbindet sich aber noch eine weitere Sage, die des Ganymed.

Der Raub des Ganymed, Rubens 1636–1638, Museo del Prado,

Er war der jüngste Sohn des Tros und wird in den Erzählungen als wunderschön beschrieben Zeus fand ihn so reizend, dass er ihn in Gestalt eines Adlers auf den Olymp entführte. Dort sollte er den Göttern fortan als Mundschenk dienen. Als Ge- genleistung für sein Opfer erhielt Tros einige besonders schnelle Pferde. In seiner neuen Aufgabe löste Ganymed Hebe, die Tochter des Zeus ab. Aus Dank für sein Zuneigung verlieh Zeus später dem geraubten Ganymed die Unsterblichkeit indem er ihn als das Sternbild Aquarius in den Himmel versetzte. Damit wurde er auch zum Symbol für den Winterregen, der den Mittelmeerbewohnern das lebensspendende Wasser brachte. Als die Römer im Jahr 43 n. Chr. Britannien eroberten, gründete sie an der heutigen Themse den Ort Londinium. Zum Ursprung des Namens gibt es unter-schiedliche Deutungsversuche. In der im 12 Jahrhundert geschriebenen Historia Regum Britanniae wird berichtet, dass er von einem König Lud stammen soll. Der Linguist Richard Coates sieht aber den Ursprung des Namens in dem gallischen Wortstamm Llyn din, dem späteren Begriff Lin, der übersetzt, Schild oder Schutz bedeutet. Somit könnte der Name auch als Schutzburg interpretiert werden Da die Hauptrichtung der Stadtanlage aber auf en Sonnenaufgang am 19. Oktober, dem Fest Armilustrium zu Ehren des Kriegsgottes Mars weist dies auf einen anderen Ursprung hin.

Londinium und Mars Camulos

Seine Entsprechung hatte er der einstige römische Bauerngott im Mars Camulus oder Camulos, einer im keltischen Raum beliebten Gottheit. Im altkeltischen Wörterbuch von Manfred Tischner wird camulos mit mächtig oder stark übersetzt. Diese Eigenschaft, die auch das altkeltische Wort londos ausdrückt, das wild oder kühn bedeutet. Damit wurde Londinium wohl einst als die Burg des `Kühnen´ angesehen. Einen Verweis auf den `Kühnen´ bot aber auch das Sternbild des Bärenhüters oder auch des Ochsentreibers am Morgen des 19. März dem ersten Tag des Quinquatrus, dem 4-tägigen Fest zu Ehren des Mars. Dieses Frühlingsfest war in der Regel auch der Beginn der jährlichen Feldzüge. Damit zeigt der Plan auch die Verbindung von zwei Mythologien, denn Mars war in seiner frühen Phase ebenso ein Fruchtbarkeitsgott, wie der keltische Gott Cernunnos. Auf Mars Camulos weist in London eine WeiheInschrift hin, die von Tiberinius Celerianus undam Tabard Square im London Borough of Southwark ge- funden wurde.Es ist die bislang älteste gefundene Inschrift, die auf die römische Stadt Londinium hinweist. Die Tafel wurde in einer Grube gefunden, die sich auf dem Gelände eines ehemaligen gallo-römischen Tempelbezirkes befand. Eine Drehung um weitere 31° in östliche Richtung, offenbart dann eine weitere Übereinstimmung von Stadt-geometrie und dem Sternbild des Ochsentreibers. In dieser Position lag dann dessen hellster Stern Arcturus dort, wo sich das Amphitheater Londiniums befand. In römische Theater und die dort stattfindenden Spiele wurden oft gewaltige finanzielle Mittel investiert, Diese Orte dienten aber nicht nur der reinen Unterhaltung, sondern ebenso der Pfelge der hellenistischen Kultur und er der politi-schen Interaktion. So konnten die politischen Ziele Roms und deren Philosophie am besten verbreitet werden. Gleichzeitig wurde mit diesen prachtvollen Versammulung-räumen ein Gefühl der Zusammen-gehörigkeit unterschiedlicher Volksgruppen inszeniert.

Rekonstruktion von Londinium, Carole Raddato

 

Bilder: Wikipedia / Brutus von Britannien (um 1450), Roll ‘Chronicle’ – Society of Antiquaries of London , gemeinfrei / Der Raub des Ganymed, Rubens 1636–1638, Museo del Prado, Madrid. gemeinfrei Reconstruction drawing of Londinium c. 120 AD, Carole Raddato from FRANKFURT, Germany , CC BY-SA 2.0 (Rekonstruktion von Londinium, Carole Raddato) – Londinium und Mars Camulos, sunearthtools, stellarium

 

Religion und Raum in Hechingen-Stein

Rekonstruiertes Hauptgebäude, Südansicht. Foto Rainer Halama

Das Wort Garten leitet sich aus dem indogermanischen Wort gher ab, das Haselnuss-oder Weiden- ruten bedeutet, Ursprünglich wohl der Zaun wohl nur als Gehege für Tiere gedacht, doch damit wurde auch ein Rutenzaun bezeichnet, der ein Stück der Natur abtrennt um sie zu kultivieren. In der historischen Entwicklung wird der Garten neben seiner Funktion als Nutzgarten auch zu einer Pro- jektionsfläche für philosophische Modelle. In ihnen erscheint er oft als ein Kunstobjekt, das als Allegorie für das Paradies oder der Insel der Seligen dient.Auch Religionen benutzen dieses dieses Bild auf und ließen den Garten zu einem Teil des Schöpfungsmythos werden.Innerhalb der Garten-baugeschichte schlüpfte der Gärtner selbst in die Rolle eines Schöpfer des Lebens, der mit Hilfe der gestalteten Natur nun ein Idealbild der Schöpfung entwirft. Auf diese, dem Garten zu Grunde liegen Philosophie weist auch die Einfriedung der Villa rustica in Hechingen-Sten hin.

Sonnenrichtungen und Zahlenmythologie im Plan der Villa Hechingen-Stein

Während die Längsseite zwei parallele Mauerzüge aufweist, weichen die Schmalseiten um 13° von einander ab und verweisen damit auf die komplexe Symbolik der Zahl 13 innerhalb des Tetraktysmodelles, aber auch auf die Ideen Platons. So entspricht die Zahl den 13 Elemente einer Doppelraute mit 5 Punkten, 6 Strecken und 2 Flächen. Dabei ergeben drei dieser Figuren das zu dieser Zeit beliebte Schutzsymbol, das Hexagon, Zugleich verweist die Doppelraute auch auf den römischen Buchstaben chi. Das einem Andreaskreuz gleichende chi ist heute als konstantinisches Kreuz oder auch als Christusmonogramm bekannt. Doch bereits in einer Rede Platons wird das chi zu einem Bild des Kosmos, als er erklärt, dass der Schöpfer einst die Weltseele gespalten und in zwei Kreise aufgeteilt habe. Beide, den Äquator und die Ekliptik habe er dann gekreuzt übereinandergelegt. Diese Vollständigkeit der Schöpfung verkörpert auch die Abweichung des Gart- entableaus um 10° vom Meridian. Auch diese Zahl ist wieder ein wichtiger Bestandteil der Tetraktys, mit 9 Punkten an den Außenseiten des Deieckes und dem 10. Punkt in der Mitte. All diese zahlenmthyologischen Überlegungen beruhen auf dem Gedankenmodell des Pythyagoras. Doch dieses Modell spielte bereits innerhalb der Gründungslegende Roms eine Rolle und wurde dann auch Teil des VESTA-Kultes. Nach den römischen Überlieferungen wurde er um etwa 700 v. Chr. unter dem zweiten König Numa Pompilius eingeführt und gelegentlich wird Pompilius auch als einer der Schüler von Pythagoras bezeichnet.

Reste des Tempels der Vesta auf dem Forum Romanum.Foto Tobias Helfrich

Im Rahmen des VESTA-Kultes erwarben sich die Römer ein um- fassendes Wissen über die Bedeutung der Zahlen und in deren Bedeutung. In ihnen spiegelte sich getreu den Lehren der phyagoreischen Schule die göttliche Ordnung des Kosmos wider. Passend zur Gründungslegende erkannten die Römer In diesem Zahlensystem Beziehungen zur ihrer Sprache, deren Alphabet 21 Buchstaben umfasste, und brachten damit auch ihre Schriftstücke in Übereinstimmung mit den Sinn- strukturen dieser Zahlen. Über die eigentliche Bedeutung der Phlosophie des Tetrakty-modelles ist heute nur noch wenig bekannt. Mit ein Grund könnten die Praktiken des VESTA-Kultes gewesen sein, der den Eingeweihten Schweigen über ihr Wissen aufer-legte. Dies geht auch aus einem Anagramm des Wortes hervor das heißt: `VESTA VETAS´ das übersetzt bedeutet `VESTA, du verbietest´. Doch allen die Zahlen-symbolik genügte für den Plan der Anlage wohl nicht, denn jedes Bauwerk hatte individuelle Aufgaben und damit auch einen anderen mythologischen Bezug. Dabei ist bei allen Gebäuden auch ein Bezug zwischen dem Sonnenaufgangspunkt und einer wichtigen Landschaftsmarke am Albtrauf zu erkennen.

Statue des Mars Ultor, Kapitolinischen Museen, Foto Rabax63

So wurde hier das Hauptgebäude auf den Sonnenaufgang am 21. März, der Mitte des Quinquatrus, zu Ehren der Minerva und des Mars ausgerichtet Damit erinnerte die Ausrichtung an die Rolle der Minerva als Gesetzgeberin und zugleich auch an die alte Rolle des Mars als Bauerngott. Dass Mars vom Bauern- zum Kriegsgott wurde, hängt auch von der Sehweise der Tätigkeiten in beiden Bereichen ab, denn in der Vorstellung der Römer war alles außerhalb der Stadteine Wildns , die gezähmt werden musste. Diese Aufgabe fiel den Landwirten zu, die hinausgingen um diese Wildnis zu zähmen und sie in kultiviertes Ackerland zu verwandeln. Ganz ähnlich wurde das Handwerk des Soldaten betrachtet, der die Barbaren außerhalb de Grenzen zu zähmen hatte, um deren Land für die Kultivierung vorzubereiten. Da- gegen wurde der heilige Bezirk, der außerhalb der Gartenanlage liegt, auf den Sonnenaufgang am 5. Februar gerichtet, dem Tag der Faunalia Rustica. Dies war der Feiertag des Gottes Faunus, der Gegensatz zur Stadt Rom, nicht am 15. Februar, sondern auf dem Land 10 Tage früher gefeiert wurde. Her gehörte es zur Tradition, den Feiertag mit Prozessionen in den Wald zu begehen. Ein ganz andere Aufgabe hatte das Badehaus. Entsprechend dem Zweck die Gesundheit und Lebenslust zu erhalten, wurde die Anlage auf den Farrenberg ausgerichtet, wo der Sonnenaufgang am 4. April, dem Beginn der Ludi Megalenses, zu Ehren von Magna Mater zu sehen ist. Die vom Berg Ida stammende Göttin war gemäß einer Interpretation des Sprach- und Kulturwissenschaftler Harald Haarmann die Große Muttergöttin. Sie als Lebenspenderin, Herrin der Vegetation und Schutzpatronin des Ackerbaus. Gleich- zeitig war sie aber auch Hüterin der tierischen und menschlichen Fruchtbarkeit und wurde deshalb auch im Hinblick auf die Sexualität, verehrt. Gerdade deshalbt wurde diese Ausrichtung wohl auch bei mehreren Andren Badeanlagen, wie den Thermen in Badenweiler verwendet. Die Geometrie zeigt nun auch hier, wie die Mythologie und die Religion den gebauten Raum in römischer Zeit bestimmte.

Bilder. Wikipedia/ Rekonstruiertes Hauptgebäude, Südansicht. Foto Rainer Halama , CC BY-SA 3.0 / Reste des Tempels der Vesta auf dem Forum Romanum.Foto Tobias Helfrich, CC BY-SA 2.5 /Statue des Mars Ultor (Der Rächer) in den Kapitolinischen Museen in Rom (frühes 2. Jahrhundert, ursprünglich aus dem Forum Transitoriu , Foto Rabax63 , CC BY-SA 4.0 / Sonnenrichtungen und Zahlen- mythologie im Plan der Villa Hechingen-SteinTetraktys – ttps://www.decemsys.de / system/zahle, Sunearthtools

Dionysos und Kaiser Konstantin

Konstantinssäule an der Yeniçeriler Caddesi, Foto eigen

Konstantinssäule, Rekonstruktion

Die heute noch erhaltene Konstantinssäule bildete ab 328 den Mittelpunkt des Konstantinsforums, einer ellipsenförmigen Platzanlage in Konstantinopel. Die Säule be- stand ursprünglich aus 8 Porphyrtrommeln und stand auf einem quaderförmigen Sockel. Nicht nur über die nach der Eroberung Konstantinopels verschwundene Skulptur, die auf der Spitze der Säule stand, auch über einen Raum unterhalb der Säule, gab es in der Vergangenheit zahlreiche Spekulationen So entstand bereits im 9. Jhd. die Leg- ende, dass Konstantin hier, im Mittelpunkt seines Forums, zahlreiche Heiligtümer aus paganen Mythologien, wie auch aus dem noch jungen Christentum aufbewahrt haben soll. In den Erzählungen ist die Rede vom Palladion, einem geschnitzten Kultbild der Athene, das einst auf der Burg Troja aufbewahrt wurde und ebenso vom Beil des Noah, mit dem er die Stämme zum Bau der Arche gefällt hatte. Auch die katholische Kirche ist noch heute davon überzeugt, dass in diesem unterirdischen Raum Teile des Kreuzes, sowie Nägel der Kreuzigung liegen. Einhellig herrscht dabei die Überzeugung, dass die Reliquien Teil des Fundes sind, die Helena, die Mutter Konstantins, auf ihrer Reise nach Jerusalem im Jahr 324 gemacht hatte.

Sitzende Statue (2. Jhd.) mit dem Kopf Helenas, Foto Jebulon

Geradezu perfekt passt auch die Jahreszahl des Fundes in den Kanon bibilischer Zahl- ensymbolik, denn in ihr sind zwei der wesentlich Zahlen enthalten. So entspricht die 324 dem Produkt 9×36, wobei beide Zahlen jeweils das Quadrat der 3 und der 6 darstellen. Glaubt man einer anderen Erzählung aus Istanbul, ging der Glaube an das Versteck der Reliquien sogar so weit, dass während des 1. Weltkrieges Abgesandte des Vatikans hier versuchten, mit Hilfe eines Tunnels in das Versteck zu gelangen. Doch auch sie scheiterten mit ihrem Vorhaben die Schätze Konstantins zu finden. Legt man bei der Betrachtung den ursprünglichen Stadtplan, mit der Säule inmitten des Forums zu Grunde, so offenbart sich dann ein Wesenszug Konstantins, der den vermuteten Schätzen entspricht. Dieses Bild entspricht aber ganz und gar nicht den weit ver- breiteten Vorstellungen von einem zum Christentum bekehrten Herrscher. Die einstige Hauptverkehrsachse, der Mese, die in etwa der heutigen Yeniçeriler Caddesi entspricht, führte direkt auf die Säule und sie entsprach damit zwei wichtigen Sonnenrichtungen: In nordwestlicher Richtung ging am 23.März,dem letzten Tag der Quinquatria zu Ehren des Mars die Sonne unter und in Gegenrichtung war am 14.März der Sonnenaufgang zu beobachten. Somit war auch symbolische Bedeutung der Statue auf der Spitze der Säule mit diesen beiden Tagen verknüpft.

Sonnenrichtungen Forumsachse – Modell Konstantinopel. Foto:DeliDumrul

Der 23.März erklärt sich durch die besondere Beziehung Konstantins zum Kriegsgott Mars denn sein Geburtsdatum ist mit dem Marsfest am 27 Februar identisch, an dem die Equirra zu Ehren des Kriegsgottes abgehalten wurde. Das 2. Datum ist jedoch auß- erhalb der Reihe römischer Feste. Am 15.März wurde der Feiertag der eher kleinen Göttin Anna Perenna begannen und am 17.März die Feiern der Liberalia, das Fest zu Ehren der Fruchtbarkeitsgötter Liber und Libera. An diesem Tag stand aber die Sonne bereits über dem Horizont, so dass dieses Fest als Grund für die Wahl der Straß-enrichtung wohl ausscheidet. Doch es gab noch ein weiteres Ereignis, das eine Erklärung für die Ausrichtung bietet, der Beginn der Großen Dionysien. Den einzigen Anhaltspunkt für den exakten Beginn dieses Festes, dessen Beginn in der Literatur mit dem 10 Tag des Monats Elaphebolion angegeben wird, bietet die Buchreihe der Deutschen Encyclopädie. Sie wurde von Heinrich Martin Gottfried Köster und Johann Friedrich Roos ab 1778 beim Verlag Varrentrappund Wenner in Frankfurt am Main herausgegeben. Dort wird bei der Beschreibung auf den Beginn des Monats Elaphebolion verwiesen, den 4.März. Da die Dionysien am 10 Tag dieses Monats begannen und 8 tage dauerten bietet also der Beginn dieses, in der Antike beliebten Mysterienkultes eine Erklärung für die Ausrichtung.

Bronzestatue des Bacchus aus Pompeji,Foto Claus Ableiter

Stellte die Figur Konstantin dar, so blickte sie am Tag des Dionysos der aufgehenden Sonne entgegen. In Griechenland wurde Dionysos als Gott dr Ekstase, des Rausches und als Gott des Weines verehrt und ihm zu Ehren wurden im Frühling die städtischen Dionysien gefeiert. Dieses Fest beinhaltete neben den obligatorischen Opferungen. Umzüge, Theaterspiele und Gesang. Während des 8-tägigen Festes standen dann die letzten 3 Tage ganz im Zeichen der Wettbewerbe der Dramendichter. Innerhalb der Mythologie stand Dionysos für den Glaube an einer Wiederauferstehung und nicht nur bei diesem Aspekt weist seine Legende mehrere Parallelen zu Jesus auf. Auf diesen Aspekt der Wiederauferstehung verweisen auch die Feiern der Brumalien zu Ehren des Bacchus/Dionysos, die am 24. November begann, also 27 Tage (3³ Tage) vor der Wintersonnenwende, oder 31 Tage vor der Verehrung des Sol vnvictius. Wie Zahl 27 eine Erhöhung der Trinität verkörpert, so steht die 31 innerhalb des kosmologischen Systems der Tetraktys für eine Verbindung von Kreis und Dreieck. Beide Zeitabschnitte stehen damit für Vollkomnenheit und Kreislauf. Damit vereinigte die Ausrichtung der Anlage zwei Glaubensvorsellungen des Herrschers. Er wird in der Geschichte zwar als erster christlicher Kaiser beschrieben, doch im Grunde seines Herzens war doch noch tief in den vorchristlichen Kulten verwurzelt. Diese Verbindung von altem und neuem Glauben verkörperte auch der Figurenschmuck des Forums, der neben der Statue der Athene, der Amphitrite, der Thetis noch zahlreiche andere der griechisch-römischen Götterwelt enthielt.

Bilder: Konstantinssäule an der Yeniçeriler Caddesi, Foto eigen /Wikipedia: Die Konstantinssäule (Rekonstruktion des ursprünglichen Zustands durch Cornelius Gurlitt) ,User:Marsyas – Gurlitt, C. (1912), Die Baukunst Konstantinopels, Berlin: E. / Sitzende Statue aus der Zeit der Antonine (Ende 2. Jahrhundert), deren Kopf in konstantinischer Zeit zu einem Porträt der Kaisermutter umgearbeitet wurde (Kapitolinische Museen, Rom), Foto Jebulon / Sonnenrichtungen Forumsachse – Modell Modell Konstantinopel in spätbyzantinischer zeit. Im Vordergrund der Große Palast und das Hippodrom, dahinter das runde Konstantinsforum ,Foto:DeliDumrul, gemeinfrei / Bronzestatue des Bacchus aus Pompeji, verschüttet 79 n. Chr., entstanden zur Zeit des Augustus etwa 100 Jahre früher.Foto Claus Ableiter/ Simulation sunearthtools,googlemap

The Sun / Mars in Mythology — Cradle of Civilization

Zitat

A solar deity (also sun god or sun goddess) is a sky deity who represents the Sun, or an aspect of it, usually by its perceived power and strength. Solar deities and Sun worship can be found throughout most of recorded history in various forms. Shivini which is Utu in Sumeria, Shiva in Hinduism, Mithra […]

über The Sun / Mars in Mythology — Cradle of Civilization