Die Sicht der Geschichtsschreibung

Zeittafel aus dem Buch: Gott die MUTTER – Eine Streitschrift wider den patriarchalen Monotheismus von Armbruster, Kirsten, 2013 Zeitangabe: v.u.Z.: Vor unserer Zeitrechnung I. Zeit der Heiligen Steine : Zeit der Matrifokalität 1. Paläolithikum (Altsteinzeit) Älteste und längste Periode der Urgeschichte, Wildbeutertum als gemeinsame, sich ergänzende Ökonomie zwischen Frau und Mann 500 000 bis 300 […]

über Zeittafel der menschlichen Geschichte auf der Basis der Patriarchatskritikforschung — Kirsten Armbruster

Kultort Paris

Umrisskarte des Pariser Beckens, Grafik Rudolf Pohl

In der Geologie spricht man vom Pariser Becken, einer der Landschaft, die sich in Nord- ost- und Südwestrichtung von Metz bis Poitiers erstreckt. Über 3000m Sediment-schicht- en lagern in dieser, ab dem Perm entstandenen, von Gebirgszügen umrahmten Land- schaft. Sie besitzt einen Durchmesser von annähernd 600km. Doch hier ist der Begriff Becken durchaus mehrdeutig zu versehen, denn die Böden dieser Landschaftsform stehen ebenso für die Fruchtbarkeit, die früher mit einer Erdgöttin in Verbindung gebracht wurden.

Fontainebleau Gravuren / Inventaire du patrimoine de Larchant 77760

Aus diesem Grund widmet die Matriachatsforscherin Kirstin Armburster in ihrem Buch `Der Muschelweg. Auf den Spuren von Gott der MUTTER´ auch ein Kapitel der Stadt Paris. Aus der keltischen Ansiedlung Lutetia hervorgegangen, wird der Ort zum ersten Mal 53 v. Chr, von Cäsar als Sitz des Stammes der Parisii erwähnt. Obwohl die Verbindung zur keltischen Gottheit Lugh offensichtlich ist, wird der Name meist auf das keltische Wort für Schlamm und Dreck zurückgeführt. Auch das lateinische Wort parere weist auf einige Eigenschaften hin, die der Erde zu eigen sind, wie erzeugen, hervorbringen, oder erschaffen. Armburster sieht im Pariser Becken die Erde gleich einem fruchtbringenden Mutterleib. Dessen letzte Erinnerungen an diesen einstigen kulturellen Zusammenhang sind im Wappen der Stadt Paris zu finden das auffallend einer Mondsichel gleicht. Dieses Boot verweist zwar in erster Linie auf die Stadtheilige von Paris, Genoveva. Die segelte die mit dem Boot nach Troyes, um die Bürger von Paris vor einer Hungersnot zu retten. Doch gleichzeitig entspricht das Schiff auch einem Bild, das Barke und Wiege, also Tod und Leben in sich vereint.

Ostspitze der Île de la Cité und Notre Dame, Foto David Monniaux

Warum auf die Keimzelle von Paris, der Ile de Paris und jener Insel inmitten der Seine, der Begriff Erde tatsächlich zutrifft, zeigt die Verbindung des Ortes zur keltischen Gottheit Lug. Der Name lässt sich auf das keltische Wort lugiom, ehrlich reden, oder auch der Eid zurückführen. Der Tag des Gottes Lug war der 1. August, ein Datum, das wie der 1. Februar, 40 Tage Abstand zu einer der Sonnenwenden hat. Am Tag des Lug, dem Fest Lugnasadh versammelten sich in Irland die Menschen auch zu Ehren der Adoptiv-Mutter Erde, Tailtiu, der Ziehmutter Lugs. Nach dm blutigen Feldzug Cäsars und der Unter-werf- ung Galliens wurde das Fest des Lug politisch, ganz im Sinne Roms, umgedeutet.

Ile de Paris, die Sonnenrichtung

Er wurde in Lugdunum, dem heutigen Lyon begangen. Dort hatte der römische Statthalter Drusus den Altar der drei gallischen Provinzen errichtete, den Ara trium Galliarum, oder auch Ara Romae et Augusti genannt. Der prachtvoll gestaltete Altar war Roma, der Personifikation des römischen Imperiums sowie dem römischen Kaiser geweiht. Hier tagte an jedem 1. August auch das Concilium Provinciae, der Landtag der gallischen Provinzen, zu dem die gallischen Stämme Vertreter entsandten. Aufgabe dieses Concilium Provinciae, war die Entrichtung des Kaiseropfers und die damit verbundenen Abgaben, sowie die Ausrichtung von Spielen zu Ehren des Kaisers. Mit diesem Ritus mussten die unterworfenen Kelten ihre Loyalität gegenüber Rom zur Schau stellen. Augustus erklärte den 1. August dann zum Staatsfeiertag und die nach Lug benannte Stadt Lugdunum wurde zur römischen Hauptstadt Galliens. Die einstige Bedeutung des Feiertages ist längst Geschichte und wurde im Monat August durch das Fest Mariä Himmelfahrt abgelöst. Die keltische Tradition des Landtages und des Schwures hat einzig in der Schweiz überlebt. Doch erst am 1. August 1891 wurde dieses heute legendäre Bundesfest zum ersten Mal gefeiert. Mit diesem Fest wird an den Rütlischwur, dem Geburtstag der Schweiz erinnert.

Rosette Notre-Dame de Paris, Foto Albertus

Perfekt zu einer Glaubenswelt zwischen Frauengottheit und dem keltischen Lugh passt auch die Ausrichtung jener Seineinsel auf der die Kathedrale Notre-Dame de Paris er- richtet wurde. Sie folgt exakt der Richtung, in der der Sonnenaufgang am 1. Februar und der Sonnenuntergang am 1. August erfolgt. Diese Ausrichtung auf zwei Feste, die ebenso bestimmend für die Landwirtschaft waren, deutet auf einen Kultort hin und führt nun zu- rück zum eingangs erwähnten Begriff des Beckens. In ihrem Text erwähnt Armbuster auch Marie König und deren Erforschung der Kulthöhlen im 70 Kilometer von Paris entfernt liegenden Fontainebleau. Dort stieß die Forscherin immer wieder auf die Zahl 3 und das damit verbundene Dreieck. das sie als Symbol der Vulva deutete. Sie schreibt dazu: `Vulven sind in den meisten Höhlen des Waldes von Fontainebleau anzutreffen … Es ist auch nicht zu übersehen, dass diese Vulven oft tief im Innern der Höhle angebracht wurden. In der Erde suchte – und sah – man das Geheimnis der Wiedergeburt, und wir heutigen müssen uns oft tief in den Fels hinabzwängen, um die Vulven zu finden.´  Heute ist die ab 1163 erbaute Kathe- drale `Unsere Liebe Frau von Paris´ jener Ort in der die alte Sonnensymbolik weiterlebt, denn ihre Baulinie ist auf den Sonnenaufgang an Mariä Lichtmess ausgerichtet. Die nach Nordwesten ausgerichtete Fensterrose steht auch als Symbol für Liebe, Lebensfreude, Schöpfungskraft und Fruchtbarkeit. Gleichzeitg spiegelt sich in ihr das alte Bild des Sonnenrades.

Bilder: Wikipedia/ Umrisskarte des Pariser Beckens. Die umgebenden Grundgebirgs-massive in rot, gelb-gestrichelt die Verbindungen zu anderen Becken, Rudolf Pohl / Ostspitze der Île de la Cité und Notre Dame, Foto David Monniaux / Rosette Notre-Dame de Paris, Foto Albertus teolog derivative work: Eusebius / Lyon, Siedlung, http://www.rheinland-saga.de/RLSIIILyon.html / Fontainebleau Gravuren / Inventaire du patrimoine de Larchant 77760 / Simulation sunearthtools, Opentopomap

 

Das falsche Bild des Menschen

Der Denkfehler der Anthropologie ist, zu glauben, dass der Mann im Zentrum menschlicher Evolution stand, Foto: Franz Armbruster, Museo de la Evolución Humana, Burgos, Spanien Neben der Archäologie und der Theologie gehört auch die Anthropologie zu den Hochburgen des Patriarchats. Hand in Hand verteidigen sie die falsche Lehre der weiblichen Bedeutungslosigkeit. Frauen werden in der […]

über Die Evolution frisst keine Kinder – eine anthropologische Revision — Kirsten Armbruster

Die Kapelle auf dem Käppele

Linde auf dem Käppele

Jedes Jahr veranstaltet die freiwillige Feuerwehr Dettingen ihr Sonnwendfest bei der Fried- enslinde auf der nahegelegenen Anhöhe Käppele. Der Höhenrücken bietet nicht nur eine fantastische Aussicht auf Albtrauf, Zeugenberge und Filderebene, sie blickt auch auf eine jahrtausende alte Geschichte zurück. Fast scheint es, als würde mit diesen jährlichen Sonnwendfest ein Teil jenes kulturellen Gedächtnisses weiterleben, das an die einstige Bedeutung dieses Ortes erinnert. Heute steht an dem Ort, wo die Funde von hunderten von Feuersteinen darauf hindeuten, dass er über Jahrtausende aufgesucht wurde, die Käppeleslinde. Sie soll 1874, nach dem Deutsch Französischen Krieg gepflanzt worden sein.

Pfeilspitzen aus dem Neolithikum

Zahlreiche Funde von Pfeilspitzen und Feuersteinen weisen hier darauf hin, dass der Ort bereits im 20. Jahrtausend v. Chr. Eine Bedeutung hatte. Auf Grund dieser Funde wird das Käppele als einer der interessantesten Siedlungsplätze der Steinzeit betrachtet. Doch nach dieser Epoche scheint auf Grund der Fundlage das Interesse an dem Ort erloschen zu sein. Der Flurname wird heute auf eine Kapelle zurückgeführt, die einst hier gestanden sein soll. Hinweise dazu gibt es aber nur einen einzigen. Er stammt aus einem Forstlag-erbuch von 1556, wo der Verfasser an dem Ort eine Kapelle vermutete. Auf Grund mangelnder Hinweise für diese Kapelle, erscheint das althochdeutsche Wort `kappa´, das sich aus `kaphen´, schauen, entwickelte, eine wahrscheinlichere Erklärung für den Flur- namen. Nur über die beiden Burgen, die dort im Mittelalter errichtet wurden, ist mehr be- kannt. Doch auch sie haben kaum 150 Jahre überdauert. Die Burgen die dort zusammen mit mehren Höfen standen war auf Grund des kargen Bodens wenig Glück beschwert.

Vulva-Ritzzeichnungen bei Les Eyzies-de-Tayac, Frankreich

Auf Grund der zahlreichen hier gefundenen Pfeilspitzen und Faustkeilen wird hier der Treff- punkt von Jäger-Nomaden vermutet, doch diese Funde können aber auch ganz anders interpretiert werden. Vertreter des Matriarachtsgedankens, wie Kirstin Armbruster, sehen in den dreiecksförmig bearbeiten Steinen Symbole einer schöpferischen Göttin, die eine Wiedergeburt ermöglichte. Als Erste Anzeichen dieses Glaubens wird ein dreieckiger Kalkstein gesehen, mit dem vor über 100 000 Jahren ein Kinderskelett bedeckt wurde. Diesen Gedanken äußerte auch der Kunsthistoriker Siegfried Giedion, der glaubte, dass die dreicksförmigen Zeichen auf Vorstellungen einer Wiedergeburt hindeuten. Die tradit-ionelle Wissenschaft sieht die Funde jedoch als Relikte von Jägern, die den Ort als Treffpunkt während ihrer Jagden nutzten. So schreibt der Prähistoriker Hansjürgen Müller-Beck dem Faustkeil eine universale Werkzeugeigenschaft zu und er sieht ihn als ständigen Begleiter des Steinzeitmenschen an. Ganz anders ist dagegen die Sicht von Materiarchatsforschern. Sie sehen in den formvollendeten Werkzeugen, deren Form in den meisten Fällen der Proportion des Goldenen Schnitts entspricht, sakrale Gegenstände an. Damit wäre auch der martialische Ausdruck Faustkeil völlig fehl am Platz, denn er passt ja gerade zum kriegerischen Aspekt des als Werkzeug angesehenen Gegen-standes. War das Käppele also viel mehr ein sakraler Ort, an den die Dettinger Feuerwehr heute mit ihrer jährlichen Sonnwendfeier erinnert?.

Käppele und die Sommersonnenwende

Bereits die Form der Landschaft spricht für diesen Gedanken. So weist der nach Dett- ingen reichende Geländesporn auf den Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende, der von der Linde aus, über dem Hohenstaufen zu sehen ist. Doch die bestimmende Land- marken sind die Teck und der Bosler mit der vorgelagerten Limburg. So ist der Sonnen- aufgang am 1. Februar in der Einkerbung des Teckberges zu sehen und der zur Winter- sonnenwende am Ende des Berges.

Käppele und Wintersonnenwende

Über der Limburg und dem östlich gelegen ist der Sonnenaufgang zu den Äquinoktien zu sehen. Dieses Datum ist aber nicht nur ein astronomisches Ereignis, sondern setzt auch eine Zäsur im Zyklus der Naturkreislaufes. Noch heute gibt es eine Bauernweisheit die für den 25.März sagt: `Ist der Sonnenaufgang an Mariä Verkündigung klar, dann gibt es ein gutes Jahr. Aus Babylon ist das erste Frühlingsfest der Geschichte überliefert das ebenfalls Ende März gefeiert wurde. Das Akitu-Fest war die wichtigste Zeremonie im babylonischen Festtagskalender in der die heilige Hochzeit vollzogen wurde, um den Segen der Götter zu erhalten. Höhepunkt des 11 Tage dauernden Festes mit Prozessionen, Spielen und Opferungen, war das Hochzeitsritual des Königs mit der Himmelskönigin Ištar, als Dank an die Götter für das erfolgreiche letzte Jahr und dem Segen für das neue Jahr.

Sonnenkalender Käppele

Das Käppele bietet sich also als Beobachtungspunkt von Sonnenaufgängen an wichtigen Jahresabschnitten an. Der Ort der heutigen Friedenslinde war damit in der Frühgeschichte auch sicher ein Ritualort des damaligen Glaubens. Die frühe Vermutung über die Entstehung des Namens deutet also in die richtige Richtung. Das Käppele als Land- schaftpunkt erfüllte einst wohl einen Zweck, für den das Christentum später den Bautyp der Kirche einführte.

Bilder: ttps://kirstenarmbruster.files.wordpress.com/2014/01/vulvaritzzeichnungen-bei-les-eyzies-de-tayac1.jpg / Vulva-Ritzzeichnungen bei Les Eyzies-de-Tayac, Frankreich / Eigen/ Friedenslinde Käppele, Panorama Hohenstaufen( Käppele und die Sommer-sonnenwende, Simulation Suneartthools, opentopo map

Die Wurzel liegt im Baskenland

Das einzige Volk in Europa, das bis heute vorindoeuropäische matrifokale Wurzeln erhalten hat, ist das Volk der Baskinnen in Südfrankreich und Nordspanien, wo nicht zufällig der Caminos Francés, der Hauptweg des Muschelwegs beginnt, den das Patriarchat Jacobsweg nennt. Die Baskinnen sind nicht nur religionssoziologisch von besonderem Interesse, weil , wie der baskische Archäologe José Miguel […]

über Die Baskinnen und warum drei Viertel unserer Gene von ihnen abstammen — Kirsten Armbruster

Der Muschelweg

Vorwort aus dem Buch: Armbruster, Kirsten: Der Muschelweg – Auf den Spuren von Gott der MUTTER – Die Wiederentdeckung der matrifokalen Wurzeln Europas, 2014 “Rot wie Blut – Weiß wie Schnee – Schwarz wie Ebenholz. Diese, uns aus Märchen bekannten Farben, geben die Farben der göttlichen Kosmischen Mutter wieder, die als aseitätische, parthenogenetische Gott die […]

über Rot wie Blut – Weiß wie Schnee – Schwarz wie Ebenholz – Die Religion von Gott der MUTTER — Kirsten Armbruster