Vosegus und der Donon

Donon Südseite, Foto Jl staub

Der Name der Vogesen wird auf den keltisch-gallischen Gott Vosegus zurückgeführt, einen in der Region verbreiteten Gottheit. Ein Relief ohne Inschriften. das in Reichs-hoffen bei Straßburg gefunden wurde, wird als Bild jenes Vosegus gedeutet. Auf diesem Bildnis wurde er mit einen schweren Mantel, dem Sagum, dargestellt. Ausgerüstet mit Pfeil, Bogen und Schild, wird er dort von einem Hund begleitet. Seiner Kultustätte, dem Donon, gaben die Römer den Namen vosegus mons. Der Berg des Vosegus oder auch vosegus silva, der Wald des Vosegus. Gerade der letzte Name deutet daraufhin, dass Vosegus eine Berg- und Waldgottheit war. Die Bedeutung des Wortstammes seg-os wird jedoch unterschiedlich interpretiert. In der Übersetzung bedeutet er säen, doch in seiner Rolle wird er mit dem römischen Mercurius gleichgesetzt. Eine andere Inter-pretation leitet den Namen von dem Wort vo-sego ab, die große Kraft.ab, wobei auch das indogermanische Wort vokonos, sprechend, als Ausgangspunkt des Namens dien- en könnte. Folgt man der fünften von 5 Inschriften, auf denen Vosegus erwähnt wird, stand er nicht allein. Ähnlich den römischen Göttern hatte er eine weibliche Begleiterin und wurde auf dem Donon, dem Fundort jener Inschrift, zusammen mit Hekate erwähnt, Sie entsprach dem Bild der griechischen Göttin der Orakelkunst, der Magie und Totenbeschwörung. Als Orakelgottheit versprach sie ihren Verehrern Reichtum und Macht, wie es auch Mercurius als Schutzgottheit des Handels versprach.

Votivaltar für Vosegus aus Neustadt an der Weinstraße, Foto Haselburg-müller

Ein Hauch von Magie hafte auch dem 15. Mai, dem Feiertag des Mercurius an, denn dieses Datum ist der 55. Tag nach der Frühjahrs – Tagundnachtgleiche. Die Zahl ist ein Palindrom, kann also von beiden Seiten gelesen werden. Zugleich stellt sie auch die Summe der Zahlen 1 bis 10 dar und steht damit für das Zahlensystem. Damit war sie auch in würdiges Symbol für den Gott des Handels. Doch die Zahl 55 ist ebenso eine der Goldenen Zahlen, denn sie steht an 10. Stelle der Fibonaccifolge, einer Zahlen-folge. die auf dem Prinzip des Goldenen Schnittes aufbaut. Diese vielschichtige Bedeut- ung der 55 wurde in der Vergangenheit ebenso als Sinnbild religiöser Botschaften be- nutzt, wie die dies Beispiele aus dem Hebräischen zeigen. So hat die Bezeichnung Chokmah Michaelilu, die Weisheit Michaels, den gematrischen Wert 4 x 55 = 220 und auch das Wort Braut hat ebenso den Wert 55. Dies wird in der Bibel mehrmals im Zusammenhang mit Jesus Christus gebraucht, wo er als Bräutigam beschrieben wird und die Menschheit als seine Braut.

Die Eisheilige Sophia von Rom

Diese Erinnerung an eine göttliche Weisheit lebt heute noch Bauernkalender am 15. Mai im Lostag der Eisheiligen, der `Kalten Sophie´ weiter. Die legende der frühchrist-lichen Märtyrerin die während der Diokletianischen Verfolgungen um 304 zu Tode gekommen sein soll, wird oft mit der, der Sophia von Mailand vermischt. Beider Name geht aber auf das griechische Wort Weisheit zurück. Der Hintergrund des Namens ist aber jene göttlich Weisheit. die den Menschen zuteil werden kann. Die `Kalte Sophie´ ist die einzige der meist als gestrenge Eismänner bezeichneten Eisheiligen Tage liegen zwischen dem 11. und dem 15. Mai. Sie sollen, so der alte Volksglaube, vor einem plötzlichen Kälteeinbruch in der Mitte des Mai schützen. Rein statisch betrachtet ist der aber so selten, dass es nicht diese Reihe er gestrengen Eismänner benötigt hätte. Da der 15, Mai auch 37 Tage vor der Sommersonnenwende liegt, verweist dieser Abstand wieder auf das antike Denkmodell der Tetraktys und zeigt auch hier die besondere Qualität des Datums. Mit der vielschichtigen Bedeutung kann es auch als ein Verweis auf den eigentlichen Ursprung des Gottes Mercurius verstanden werden. Dessen Bild entwickelte sich ja aus dem griechischen Götterboten Hermes, wie auch dem ägypt-ischen Gott Thot, dem Gott des Mondes. Er hatte laut den ägyptischen Vorstellungen den Menschen die Magie, die Wissenschaft, die Kunst des Schreibens und die Weisheit des Kalenders gelehrt.

Die Ausrichtung des Donon

Die gallisch-keltische Kultstätte auf dem Donon wurde auch von den Römern weiter genutzt. Sie errichteten hier einen Tempel der Merkur geweiht war. Der heute dort zu sehende Tempel wurde jedoch 1869 im neoklassizistischen Stil unter Napoleon III errichtet. Er war zunächst als Museum gedacht und sollte damit wieder an die heilige Stätte erinnern, deren Spuren irische Mönche verwischt hatten. Neben diesem Tempel zeigen jedoch die Spuren von drei gallo-romanischen Bauwerken immer noch die einstige Bedeutung dieses mythischen Ortes. Das Bauwerk, aber auch der Berg ist eines zu eigen: Ihre Ausrichtung ist auf den Sonnenaufgang an jenem Tag gerichtet, der durch die magische Zahl 55 verkörpert wird. Diese Richtung wird aber auch dem Mond gerecht, denn Hekate teilt sich ja mit Selene und Artemis den Titel Göttin des Mondes.

Bilder. Wikipedia/ Donon Südseite, Foto Jl staub, CC BY-SA 3.0 / Votivaltar für Vosegus aus Neustadt an der Weinstraße im Historischen Museum der Pfalz Speyer, Foto Haselburg-müller / Votivaltar für Vosegus aus Neustadt an der Weinstraße, Foto Haselburg-müller / Der rekonstruierte Tempel Donon, Foto Cham / Simulation, sunearthtools, opentopomap

Straßburg, die Stadt des Merkur

Als er Frankenkönig 496 n Chr. die ehemalige Römerstadt Argentoratum   in sein Reich eingliederte, bekam sie auch ihren neuen Namen. Er wurde einem Charakteristikum gerecht, dass die Lage der Stadt schon vor der römischen Landnahme auszeichnete – sie war, ein Kreuzungspunkt von Fernhandelswegen.

LegionslagerLegionslager Argentoratum

In der Literatur wird der Ursprung des römischen Namens unterschiedlich ausgelegt. Zum einen wird er für das Toponym einer schon existierenden keltischen Siedlung gehalten und als Bezeich- nung für eine weiße Burg interpretiert. Viel klarer ist jedoch die Ableitung aus dem lateinischen Wort argentum, das Silber oder Geld bedeutet. Eine Möglichkeit zur Interpre- tation bietet auch der Begriff argentarium, der Kammer für Silber. Diese Bedeutung des Silbers für den römischen Ort könnte natürlich durch den Münzumschlag begründet gewesen sein, mit dem sich die Stadt als Hand- elskontenpunkt ihren Reichtum erworben hatte. Ein Blick in die Münzwirt- schaft jener zeit weist aber in eine andere Richtung. Das Hauptzahlungs- mittel, der Sesterz tauchte erstmals im 3. Jahrhundert v. Chr. auf und wurde in der Anfangszeit hauptsächlich in Silber geschlagen.

 SesterzSesterz, geprägt unter Gallienus

Mit Cäsar begann dessen schleichende Entwertung Änderung, denn in seiner Regierungszeit wurde der Sesterz vermehrt in Bronze ausgegeb- en. Mit der Münzreform unter Kaiser Augustus erhielt der Sesterz seine endgültige Frm. Ab da wurde er in einer messingähnlichen Kupfer-Zink- Legierung, geprägt, dem Metal Aurichalkum. Da große Mengen echten Silbers als Zahlungsmittel also auszuschließen sind, könnte der Name also auch als Metapher des Wohlstandes von Argentoratum gesehen werden. Doch der Begriff war ebenso die Bezeichnung für ein ganz and- eres Metall, das unter der Bezeichnung argentum vivum, das lebendiges Silber gehandelt wurde. Heute ist dieses Metall unter dem Namen Queck- silber bekannt. Bereits die Römer kannten bereits die Gewinnung des flüssigen Metalls aus dem Rohstoff Zinnober, den sie in den Minen der spanischen Almaden gewannen.

röm minen GalerieGalerie einer römischen Mine

Das aus Zinnober gewonnene Pigment, auch Vermilon genannt, war       bei den Römern sehr beliebt. Aus ihn konnte ein häufig verwandter roter Farbstoff gewonnen werden. Doch der Rohstoff diente auch als Grund- lage für das Amalgamationsverfahren das seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. bekannt war. Dabei wird mineralhaltiges Goldgestein zerkleinert und mit Quecksilber versetzt, das dabei eine Legierung eingeht. Bei der an- schließenden Erhitzung verdampft das Quecksilber und das Gold bleibt zurück. Auch in China war zu diesem Zeitpunkt die Verarbeitung von Quersilber bereits bekannt. Um 210 v. Chr. wird über den Gottkaiser von Qin berichtet, der es in einem sagenumwobenen Relief verwendete. In dem sollen Flüsse und Seen mit dem Metall gefüllt sein worden , die dort `auf ewig fließen sollten.´ Auf Grund seiner Bedeutung gehörte es damals zu den sieben Metallen der Antike und war bei den Römern als Symbol für den Wandel und Beweglichkeit dem Merkur, dem Gott des Handels, zuge- ordnet. Ein Erbe dieser Zuordnung ist heute die englische Bezeichnung mercury für das Schwermetall.

MercuriusMercurius, Statue aus dem 1. Jahrhundert n. Chr.

Innerhalb der Mythologie wurde der römische Gott Mercurius mit dem griechischen Hermes gleichgesetzt. Als Götterbote verkündete er die Be- schlüsse des Zeus und war gleichzeitig auch Seelenbegleiter für die Ver- storbenen auf ihrer Reise in die Unterwelt. Doch Hermes wurden auch zahlreiche Erfindungen zugeschrieben, die für die kulturelle Entwicklung der Menschheit von großer Bedeutung waren. Neben dem, Würfelspiel  und der damit zusammenhängenden Weissagung, wurde ihm die Erfind- ung des griechischen Alphabetes, die Entdeckung astronomischer und musikalischer Gesetze, die Erfindung von Maßen und Gewichten, sowie die Kultur des Olivenbaumes zugeschrieben. Seine Botschaften sind war nicht als reine Mitteilungen zu verstehen, sondern forderten Einsicht und Verständnis. Deshalb wurde die Wissenschaft vom Erklären und Ver- stehen auch als Hermeneutik bezeichnet. In Rom wurde galt er als Be- schützer des wichtigen Kornhandels und so wurde ihm schon 495 v. Chr. ein Tempel am Circus maximus eingerichtet. In seiner Funktion war er  Gott der Händler, aber auch der Diebe. Zu seinen Attributen gehörte der Caduceus, ein geflügelter Helm, ebenso Flügelschuhe und häufig ein Geld- beutel, den er in seiner rechten Hand hält. Durch den Handel wurde die Mythologie des Mercurius im gesamten römischen reich verbreitet, wobei seine Verehrung in den keltischen und germanischen Provinzen sogar noch größer war als in Rom selbst. Cäsar selbst setzte den gallisch-keltischen Stammesgott Teutates der Kelten dem römischen Gott Merkur gleich. Bei den Kelten erfüllte er neben der Funktion als Gott des Handels die Rolle die eines Fruchtbarkeitsgottes und die eines Kriegsgottes.

 ArgentoratumAusrichtung des Lagers

Vor diesem Hintergrund ist es auch verständlich, dass das Kastell Argent- oratum auf den Sonnenaufgang des 15. Mai ausgerichtet wurde, dem Tag des Festes Mercuralia, zu Ehren von Mercurius und Maia. In der Region musste Verehrung der beiden Gottheiten lange Zeit fortbestanden haben, denn die Ausrichtung wurde auch beim Bau des Straßburger Münsters beibehalten. So lebt die römische Göttin des Frühlings, der Wärme und des Wachstums in der Gestalt der Marias weiter, der das Straßburger Münster geweiht ist. Genauso bestimmt Merkur noch immer die Haupt- achsen des Stadtkerns von Straßburg.

Bilder:Legionslager /european-cultural-news.com, AIRDIASOL. Rothan/ dessin Ch. Gaston, Inrap / Wikipedia, Sesterz, Saperaud~commonswiki / Las Médulas, Province of León ,von Xauxa
Mercurius, Jastrow / Simulation: sunearthtools