Das Heiligtum von Skellig Michael

Skellig Michael, Foto User:Gdr

Vor der Küste im Südwesten Irlands liegt ungefähr 12 Kilometer vom Dorf Portmagee entfernt die steil aufragende Felsinsel, Skellig Michael. Bereits in frühen Aufzeichnung- en taucht sie als fester Bestandteil der irischen Gründungslegenden auf. Eine dieser Legenden stammt aus der Zeit des 3. Jhd`s. n. Chr und erzählt, dass sich hier Daire Domhain, der König der Welt, auf eine Schlacht gegen die Riesen der Fianna – Armee vorbereitete. Domhain war ein Enkel des mythischen Conaire Mór, der als erster Hoch- könig Irland regiert haben soll. Er war das Kind der zauberkräftigen Mes Buachalla, die ihn nach einem Beischlaf mit einem Unbekannten in Vogelgestalt empfangen hatte. Im Irischen bedeutet der Name fian eine Kriegerschar, die im Sagenkreis des Finnzyklus eine Gruppe von freien Männern darstellte, die die Freiheit Irands verteidigten. Eine zweite Sage berichtet von der zweiten Landname Irlands durch die vom Norden Spaniens kommenden Milesier, bei der der 3. Sohn des Königs Milesius ums Leben kam.

The Coming of the Sons of Miled“, illustration by J. C. Leyendecker

Milesius war der Sohn des gallischen Königs Breohgan und wurde von ihm nach Skythien geschickt, wo er eine skytische Prinzessin heiratete. Nachdem sie verstarb, gelangte er nach Ägypten, wo er alles über die Künste, die Wissenschaft und die Schriften erfuhr. Dort blieb er einige Jahre und heiratete Sscotia, die Tochter des Pharaos. Mit ihr zeugte er die Söhne Heremon, Ir und Heber. Bei der Landnahme Irlands, die auf die Zeit um 1700 v. Chr. datiert ist, kommandierte ir eines der Schiffe der Flotte, doch ein Sturm trennte das Schiff von den anderen und es zerschellte an den Klippen von Skellig Michael. Dort wurde er dann auch begraben. In der Literatur wird der Name Skellig meist als `Fels im Meer´ interpretiert, ein Bild das sicher auch den Intentionen der Mönche entsprach, durch ein einsames Leben auf dem Fels inmitten des Meeres Gott möglichst nahe zu sein.

Klosterfriedhof auf Skellig Michael, Foto Jibi44

Wie die beiden Sagen aber nahelegen, muss es aber noch andre Gründe gegeben haben, die die Mönche veranlassten auf die Felseninsel ziehen. Da Skellig Michael der Endpunkt einer Linie ist, die mit geringen Abweichungen mehrere Michaelsheilgtümer verbindet, könnte der Ort bereits in der Frühgeschuchte Teil einer Reihe von bedeut- enden Kultorten gewesen sein. Eine weitere wichtige Verbindung besteht aber auch zwischen de Felseninsel und dem Mount Bolus an der Südwestspitze der irischen Küste. Das Wort Bol bedeutet in der indogermanischen Sprache Klumpen, also eine treffende Beschreibung für die isoliert liegende Landschaftsform des Mount Bolus. Doch der Sonnenaufgang, der von Skellig Michael aus, am 11. April, über dem Mount Bolus beobachtet werden kann, deutet auf eine besondere Beziehung beider Orte hin.

Einsiedlerhäuser(Bienenkörbe) und Mount Bolus. Foto Towel401

Dieses Datum markierte im römischen Reich das Ende der Magna Mater Feiern,dem Urbild der Muttergöttinnen. Mit ihr vergleichbar ist das Bild der Cailleachs, die in der schottisch-Irischen Mythologie eine Dreiheit bildeten, die sich aus der Cailleach Beara, der Cailleach Bolus und der Cailleach Corca Duidbne zusammensetzte. Als Dreiheit standen sie einst mit ihren unterschiedlichen Rollen für den Kreislauf der Natur. Doch vom Mount Bolus aus betracht, bot auch die Felsenspitze von Skellig Michael einst einen wichtigen Visierpunkt. Über ihr ging am 15. Oktober die Sonne unter, an dem Tag an dem im antiken Rom das Ritual des Oktoberpferdes zu Ehren des Mars gefeiert wurde. Mit einer Zeitspanne von 23 Tagen nach dem Herbstäquinoktium, erinnert die Feier aber auch an die Zeiteinteilung des einstigen megalithischen Kalenders.

Die Sonnenrichtungen von Sklellig Michael

Gemäß den Schriften des römischen Schriftstellers Sextus Pompeius handelte es sich bei diesem Fest um ein Ritual `für den Ausgang der Ernte. Am Ende des obligatorischen Pferderrennens wurde dann das beste Pferd geopfert und dessen blutender Kopf zum Herd der Vestalinnen gebracht. Damit knüpfte dieses Opferritual an die Verehrung von Pferdegottheiten an, die ab dem 20. Jhd.v. Chr. in Kleinasien fassbar sind. Diese Ver- ehrung setzte sich fort über die gallisch-römische Pferdegöttin Epona bis zum Mythos der irisch-wallisischen Göttin Rhiannon. Über sie wird berichtet, dass sie auf einem weißen Pferd, so schnell wie der Wind, über das Land ritt. Dabei wurde sie von Zaubervögeln begleitet, die Tote aufwecken und Lebende in einen 7 jährigen Schlaf versinken lassen konnten.Rhiannon wurde ebenso die Fähigkeit zugeschrieben, die Seelen Verstorbener in die Anderswelt zu tragen und ihnen dort zu helfen sich in ihren Dasein zurecht zu finden. Wie Rhiannon, hatte aber auch Michael am Beginn seiner Verehrung eine ganz ähnliche Rolle, in der er noch als Seelenbegleiter und Heiler gesehen wurde. War diese Verbindung am 15. Oktober entscheidend, so könnte Skellig Michael tatsächlich eine Toteninsel gewesen sein, auf die die Sage der Milesier hinweist. Damit bekäme auch der Name Skellig eine ganz andere Bedeutung. denn skellig könnte auch aus der Verbindung des griechischen Wortes skeletos und dem keltischen lica,dem Stein entstanden sein. War sie einst die steinerne Toteninsel, dann hat der Name Saint Michael hier durchaus seine Berechtigung. Auch das dem Orion/Òsiris gleichende frühe Bild des Michael als Heiler und Totenbegleiter fand auf Skellig Michael eine Entsprechung, denn während des Frühlingsäquinoktiums um 600 .Chr. ,tauchte Orion so am Südhimmel auf, dass sein Körper der Inselform entsprach.

Frühlingsäquinoktium und Skeilig Michael als `Körper´ des und Orion

Fotos: Wikipedia/ Skellig Michael, Foto User:Gdr,CC BY-SA 3.0 / The Coming of the Sons of Miled“, illustration by J. C. Leyendecker in T. W. Rolleston’s Myths & Legends of the Celtic Race, 1911 / Klosterfriedhof auf Skellig Michael, Foto Jibi44, Simmulation, opentopomap,stellarium, sunaerthtools

Die Heiligen des Heiligenberges

Der Heiligenberg von bneckaraufwärts gesehen, im Vordergrund Neuenheim, Foto BishkekRocks

Mit seiner Landschaftsform eignete sich der Heiligenberg in Heidelberg geradezu ideal um in der Frühgeschichte den Kulten mehrerer Gottheiten zu dienen. Mit gleich 2 Klöst- ern auf einer Kuppe wurde der Berg dann auch seinem später entstandenen Namen gerecht. So ist doch vom Plateau des Heiligenberg, den heutigen Ruinen des Michaels-kllosters der Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende über der Kuppe Am Einsiedler zu beobachten und 52 Tage früher, am 1 Mai über dessen östlicher. Entsprechend der Flurbezeichnung Heidenknörzel ist er dann auf dessen Mitte während den Äquinoktien zu beobachten.

Sonnenrichtungen auf dem Heiligenberg

Wie an vergleichbaren Orten auch, wurden die bestehenden Heiilgtümer der Kelten von den Römern mit Bauwerken überformt, so dass Kult und Erinnerung an sie ver- schwanden. Meist waren dies dann Ensembles mit kleineren Tempel wie sie in der Eifel noch sehen sind. So wird die dortigen Reste eines Tempels gallisch-römischen Gott Mercurius Cimbrianus zugeordnet. Doch die Ausrichtung des Tempels lässt keine Ver- bindung zum Feiertag des Mercurius erkennen. Viel mehr deutet die Ausrichtung der Querachse Tempels daraufhin, dass bei dessen Bau der Sonnenaufgang am Tag des Beginns der Magna Mater Feiern von entscheidender Bedeutung war. Dass gerade Michael als Schutzpatron gewählt wurde hängt aber nicht nur mit der einstigen Be- deutung des Kultortes während der Frühgeschichte und in römischer Zeit zusam- men.Während im Jahr 709 Bischof Aubert von Avranches nach einer Vision auf dem heutigen Mont St Michel eine Kirche bauen ließ, hatten die Mauren bereits die Pyrenäen überschrittten und drangen bis in die Mitte Europas vor. Dort wurden sie 732 von Karl Martell und seinen Verbündeten bei Poitiers unter dem Zeichen der Michaels- fahne geschlagen. Durch diesen Sieg verbreitet sich die Michaelsverehrung noch rascher in Europa und diente damit auch einer gemeinsamen Identifikation. Mit Karl dem Großen und der Weihe seiner Länder dem heiligen Michael bekam diese Verehrung dann eine staatspolitissche Dimension. Fortan trug sein Heer auch bei jeder Schlacht die Fahne mit seinem Bild. Im Jahr 813 legte er dann auf er Synode in Mainz den Feiertag des Michael, der bis dahin an unterschiedlichen Tagenund, meist nur regional gefeiert wurde, auf dem 29. September. An diesem Tag hatte bereits im 5.Jahrhundert Papst Leo I. In Rom die Kirche S.Michele geweiht. Doch dieses Datum offenbart gleich in mehrfacher Hinsicht eine Symbolik eng verknüpft ist mit der biblischen Zahlenmystik. So liegt das Datum 7 Tage nach dem Herbstäquinoktium, dem vermuteten Beginn der Feiern zu Ehren des germanischen Gottes Wodan/Odin. und zugleich auch 87 Tage vor dem Weihnachtstag. Als Produkt von 3×29 verweist die Zahl sowohl auf die Symbolik der 87, der 3, wie auch in der 29, So verkündet der 87.Vers im des letzten Buch der Bibel , dass Christus auf die Erde kommen musste, um das Böse zu überwinden.

Das Doppelrautenkreuz und die Zahl 29, aus http://www.decemsys.de/horaz

Die eigentliche Bedeutung der Zahl 29 hatte auch der römische Dichter Horaz erkannt, der in ihr eine der wichtigsten Zahlen des pythgoreischen Tetraktys sah, einem Zahl- enmodell zur Erklärung des Kosmos. Diese Bedeutung offenbart sich in der Summe der Elemente des Doppelrautenkreuzes, wie auch in der Summe der zahlen 1 bis 5 auf einem Kreisdurchmesser. Werden die jeweils beidseitg aufgetragen, ergeben sie so die Summe 25.Aber auch die erste Zeitspanne, vom Datum des Wunders von Garagano am 8. Mai, dem 128.Tag im Jahr, bis zum Michaelitag verweist noch deutlicher auf die Heilsbotschaft der Bibel und die Rolle des Michael. Sie beträgt 144 Tagen und verweist mit der Zahl auf das biblische Ereignis, das am Ende der Heilsbotschaft geschildert wird, wo 144000 Menschen gerettet werden: So steht im Text der Offenbarung des Johannes (Offenbarung 14,1) „Keiner vom Volk Gottes wird vom Gericht Jesu getroffen. Sie alle können in der Endzeit bestehen und werden vor den sieben Plagen verschont, denn Jesus hat sie durch seinen Namen und den Namen des Vaters als sein Eigentum gekennzeichnet.  50 Jahre nach der Entscheidung Karls des Großen,den Feiertag auf den 29. September zu legen, wurde im Jahr 863 des Michaelklosters auf dem Heiligenberg bei Heidelberg gegründet. Aber auch beim anschließenden Neuau des Klosters im Jahr 1023, durch Abt Reginbald, dem späteren Bischof von Speyer, wurde auf ein symbolisches Datum geachtet. So erfolgte der Neubau doch genau 160 nach der Gründung. Trotz der Michelsweihe des Klosters lassen sich auf den ersten Blick aber keine Verbindung in der Ausrichtung der Anlage zu den Michaelsfeiertagen erkennen. Doch zwei Gedenktage von Heiligen, denen Michael in einer Vision erschien und die auch ein Vorbild für Reginbald gewesen sein könnten, bieten hier eine Erklärung. So war zur Zeit des Neubaues der Sonnenaufgang in der Bauachse am 3. September zu sehen, dem Feiertag von Gregor dm Großen.

Gregor I. ,Idealporträt von Antonello da Messina, um 1472/1473, The Yorck Project

Prozession von Papst Gregor, aus den Très Riches Heures (um 1415), Foto. R.M.N. / R.-G. Ojéda

Der hatte im Jahr 590, während einer Bittprozession zur Beendigung der in Rom grass-ierenden Pest eine Vision des heiligen Michael. Den Erzählungen zufolge, sah er Flammen über dem Hadriansmausoleum und über ihnen Michael mit dem Schwert. 9 Jahre vor dem Baubeginn des Klosters auf dem Heiligenberg fand auch die Pilgerreise es heiligen Franziskus nach Gargano statt. Von dort wird berichtet, dass er die Schwelle des Heiligtums küsste und anschließend ein Tau in den Stein geritzt hat. An dieses Ereignis erinnert heute auch der Franziskusaltar gleich hinter dem Eingang des Heilig- tums. Damit erzählen die Reste des einstigen Klosters nicht nur von den Vorbildern des Erbauers, sondern auch von Menschen, die an eine der wichtigsten biblischen Gestalten glaubten. Sie rahmt das Heilsgeschehen einm denn einst vertrieb sie Adam und Eva aus dem Paradies und bei Letzten Gericht würde sie, gemäß der Vision des Johannes, den Teufel in Gestalt eins Drachens besiegen.

Heilige des Heiligenberges – Michaelskloster auf dem Heiligenberg, Sonnenrichtung

Bilder; Wikipedia / Der Heiligenberg neckaraufwärts gesehen, im Vordergrund Neuenheim BishkekRocks ,CC BY-SA 3.0 / Gregor I. ,Idealporträt von Antonello da Messina, um 1472/1473) Antonello da Messina – The Yorck Project (2002) /Prozession von Papst Gregor, um das Ende der Pest zu erflehen: Michael erhört ihn und steckt sein Schwert in die Scheide. Miniatur aus den Très Riches Heures (um 1415) Brüder von Limburg – Photo. R.M.N. / R.-G. Ojéda / Doppelrautenkreuz, gematrischeAnalyse, http://www.decemsys.de/horaz /sapere-aude3.htm / Das Doppelrautenkreuz und die Zahl 29, aus http://www.decemsys.de/horaz / Sonnenrichtungen auf dem Heiligenberg, Opentopomap, googlemap sunearthtools

Das Fenster zum Himmel – der Dom zu Speyer

speyer-dom-chor Ostseite des Kaiser- und Mariendoms zu Speyer

Die präzise Ausrichtung des Domes offenbart nicht nur einen Blick auf die Heiligenver-ehrung jener Zeit sondern, auch die machtpolitischen Zielsetzungen ihrer Herrscher. Inner- halb der romanischem Architektur nimmt der Kaiserdom in Speyer eine ganz besondere Stellung ein, da er durch seine konstruktiven und stilistischen Ansätze neue Impulse für die kommende Raumentwicklung im Kirchenbau gab. Zum ersten Mal wurde hier wieder die Überwölbung großer Räume versucht, eine Kunstfertigkeit, die ja im Laufe der Spät- antike verlorenging. Dieses völlig neue Raumgefühl prägte fortan den Kirchenbau. Der Bau begann vermutlich im Jahr 1025 unter dem salischen König und späteren Kaiser Konrad II. Er hatte das wagemutige Ziel in Speyer die größte Kirche des Abendlandes zu errichten. Knapp ein Jahr vor dem eigentlichen Baubeginn fand am 8. September 1024, dem Ge- denktag von Mariä Geburt seine feierliche Krönung statt. Sie war mit einem Umzug zum Mainzer Dom verbunden, wo Konrad sichtbare Beweise seiner Fähigkeit in den wichtigen Herrschertugenden, der clementia (Milde), der misericordia (Barmherz-igkeit) und der iustitia (Gerechtigkeit) leisten musste. Nach dieser Krönungszeremonie folgte der Königsumritt Konrads von Mainz über Köln nach Aachen. Dort nahm er Platz auf dem Thron Karls des Großen, um sich damit bewusst in die Nachfolge der karolingischen Tradition zu stellen.

aachen-thron-karl-der-grosseSeitenansicht des Thronsitzes Karls des Großen

Dieser Thron ruht auf einem von vier Säulen getragenen steinernen Podest, die die Vor- stellung einer vom Weltenherrscher regierten Erde repräsentierten. Dabei erinnerte die vier an die Lehre der vier Elemente, wie an die vier Himmelsrichtungen der Erde, oder die vier biblischen Paradiesflüsse. Hinter diesen Thron vermutet man, dass hier einst ein dem hl. Michael geweihter Altar gestanden hat. So durfte der hier Gekrönte auf dem Königsstuhl Platz nehmen und darauf vertrauen, dass ihm der Erzengel wortwörtlich `den Rücken stärkte´. Diese Vorstellung passt auch zu einer Weihehandlung die Karl der Große im Jahr 813 durchführte. In diesem Jahr endete das Konzil in Mainz, wo Karl seine Staaten und seine Banner dem Erzengel Michael mit dem Spruch weihte: ` Von nun an trägt das Reichsbanner das Bildnis des Erzengels und die Inschrift: Ecce Michael, Princeps magnus, venit in adiutorium mihi´ (Das ist Michael, der große Fürst, er kommt mir zu Hilfe).

michael-und-der-dracheDer Erzengel Michael erschlägt den Drachen (spanische Illustration aus dem späten 14. oder frühen 15. Jahrhundert), unbekanner Maler

Der Sonnenaufgang an beiden Tagen, dem Gedenktag Michaels als einer der ideellen Stützen des karolingischen Reiches, sowie Maria Geburt, ein wichtiger Feiertag und Krön- ungstermin Konrads erklärt nun auch die Ausrichtung des Kirchenschiffes. Zwar glaubt der österreichische Ingenieur Reidinger, dass allein das Datum des Michaelitages dafür ausreicht, doch dieses Datum würde nur beim Sonnenstand im gregorianischen Kalender zutreffen. Ein interessantes Detail in der langen Ausführungszeit des Domes zu Speyer stellt der Achsknick innerhalb der Vierung und des Chorabschlusses dar. Fast scheint es, dass hier Unentschlossenheit oder auch ein Messfehler vorliegen könnte. In einer großen Dokumentation von Hans Erich Kubach , Walter Haas und Dethard von Winterfeld (Der Dom zu Speyer, 3 Bände, Berlin 1972) wurde die Meinung vertreten, dass dieser Knick bereits in den Fundamenten der Krypta erfolgte und somit zu diesem Zeitpunkt Teil eines Gesamtplanes war. Da das Patrozinium St. Maria und St. Stephan also seit Anbeginn bestand musste dieser, seit der Spätantike beliebte Heilige auch in das Gesamtkonzept integriert werden. Sein Feiertag wird aber am 26. Dezember gefeiert und so bedurfte es eines spätren Kunstgriffes um diesen Sonnenaufgang in den Plan zu integrieren. Der Gedenktag des heiligen Stephanus ist der 1. Feiertag nach dem Weihnachtsfest und zugleich der Gedenktag des ersten christlichen Märtyrers. Er galt als Mann der Wunder, der in seiner Bedeutung an die Apostel heranreichte. Stephanus war der erste von sieben Diakonen der urchrist- lichen Gemeinde in Jerusalem. Gemäß den Überlieferungen wurden sie von den Aposteln durch Handauflegung geweiht,

stephanusDer hl. Stephanus, Altartafel von Hans Memling, um 1480

Eine seiner Predigten brachte Stephanus in Konflikt mit den hellenistischen Juden in Jerusalem. Als er während seiner Verteidigungsrede dem hohen Rat seine Vision mitteilte, dass er Jesus zur Rechten Gottes sehe, wurde er als Gotteslästerer beschuldigt. Eine empörte Menge soll ihn dann vor dem Damaskus-Tor gesteinigt worden sein. Mit der 484 durch Kaiserin Eudokia erbauten Stephanuskathedrale begann sich seine Verehrung im römischen Reich auszubreiten. Wundersame Ereignisse gab es im Leben des Stephanus ebenso, wie bei der Auffindung und die Wanderung seiner Relikte von Jerusalem über Konstantinopel, 1104 nach Venedig und dann später nach Speyer. Schon bei Stephanus zeigte es sich, dass die Vielzahl seiner Reliquien, von denen allein drei Arme überliefert sind, der Machtpolitik von Adel und Kirche dienten. Zudem bildeten sie für alle Kirchen und Klöster in denen sie aufbewahrt wurden, einträgliche Geldquellen durch die Pilger.

speyer-dom-ausrichtungAusrichtung des Domes (umger. Jul. Kalender)

Zur Zeit des Baubeginns des Domes waren die Reliquien allerdings noch in Konstantin- opel, so dass der Stephanustag als einziger Anhaltspunkt einer Ausrichtung dienen konnte. Betrachtet man nun den Sonnenaufgang an diesem Tag, so weist die Winkelhalbierende des Chores den Punkt am Horizont, wo die Sonnenscheibe genau über dem Gelände steht. Diese Richtung teilt den südlichen Teil es Chores in zwei gleiche Teile mit dem symbolischen Winkelwert 33°.

Bilder: Wikipedia/ Ostseite des Kaiser- und Mariendoms zu Speyer, Alfred Hutter / Seitenansicht des Thronsitzes Karls des Großen , Torsten Maue / Der Erzengel Michael erschlägt den Drachen (spanische Illustration aus dem späten 14. oder frühen 15. Jahrhundert), unbekanner Maler, Metropolitan Museum NY / Simulation, Sunearthtools