Der Hohenzollern, ein Michaelsberg

Der Erzengel Michael von Raffael (1518), Louvre

Das Jahr 1566 überschatteten 2 Katastrophen. Im Juli wurden nach lang anhalten Regenfällen zahlreiche Städte entlang des Hochrheins und im Bodenseegebiet überflutet. Wenig später, am 10. August, wurde durch die Zerstörung religiöser Bilder in einer Kirche in Steenvoorde die Grundlage für den 80 Jahre dauernden Krieg der Niederlande gegen Spanien gelegt. Angesichts dieser Ereignisse erscheint die Arbeit des Froben Christoph von Zimmern nur allzu verständlich, denn er verfasste im Schloß Meßkirch die nach ihm benannte Zimmerische Chronik. Neben einer fantasiereich geschilderten Geschichte des Landes, erwähnt er auch den heutigen Hohenzollern mit dem heute völlig unbekannten Namen Michaelsberg. Später wurde dies, wie auch andere Details, als reine Erfindung des Herrn von Zimmern abgetan.

Zimmersche Chronik,Handschrift B, aufgeschlagen, Foto FA2010

Doch bei genauer Betrachtung liefert die Beschreibung des Hohenzollern einen Hinweis zu einem bislang weitgehend unbeachteten Phänomen, der Ausrichtung der Landschaft auf Gestirnssichtungen. Dies ist nicht nur bei einem den Kelten zugeschriebenen Kultstätten auf Bergen wie dem Donon zu sehen, sondern auch bei kretischen Bergheiligtümern. Die Geschichte des Erzengels Michael beginnt im Alten Testament mit der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies. Später besuchte er Abraham und teilte während des Exodus mit seinem Schwert das Rote Meer. Im Christentum wurde er dann in sehr unterschiedlichen Funkt-ionen verehrt. Diese Verehrung begann mit dem Wunder im süditalienischen Gargano, auf dem heutigen Monte Sant Angelo. Am 8. Mai 492, so die Erzählung, soll Michael einigen Hirten erschienen sein und ihnen mitgeteilt haben: `Diese Grotte ist mir heilig, ich habe sie mir erwählt, …´ In der Folgezeit entstanden nicht nur auf dem Mont-Saint-Michel, sondern auch an zahlreichen anderen Orten Kirchen die dem Erzengel geweiht wurden. Unter diesen Kirchen befindet sich auch die auf dem Michaelsberg bei Cleebronn. Neben dem Feiertag am 8. Mai gab es noch den eigentlichen Michaelitag am 29.September, dem Tag seiner dritten Erscheinung in Gargano. Ebenso wurde auch das Wunder von Alexandria am 6. Juni und ebenso seine Erscheinung bei Kaiser Konstantin am 9. Juni gefeiert. Auch die Kirche auf dem Mont Saint-Michel entstand nach einer Traumvision des Bischofs von Avranches, in der er im Jahr 708 vom Erzengel den Auftrag zum Bau der Abtei erhielt. Die meisten Berge, die den Namen Michael tragen, verbindet aber nicht nur die Aussicht, sondern ebenso die Ausrichtung der Landschaft hin zu einem Sonnenauf- oder Untergang an einem der Gedenktage des Michael. Deutlich wird dies beim symmetrisch geformten Mont Saint-Michel dessen Mittellinie auf den Michaelitag am 29.September gerichtet ist oder auch beim Michaelberg in Heidelberg.

Ausrichtung des Mont-Saint-Michel

Von ihm aus betrachtet ist der Sonnenaufgang bezeichnerzweise über dem nordöstlich gelegenen Heidenknörzel zu sehen. Auch die Landschaftsform des gleichnamigen Berges in Cleebronn weist auf ein Michaelsdatum. So deckt sih die Ausrichtung des als Wächter des Zabergäus bezeichnete Berg es mit der Verehrung in Konstantinopel wo er im von Kaiser Konstantin errichteten Michaelion am 9,Juni als Türwächter Konstantinpols verehrt wurde. Ähnlich diesen bekannten Michaelsbergen weist auch der Hohenzollern diese eigentümliche Ausrichtung der Lamdschaftsform auf. So zielte hier im Mittelalter die Mittellinie des elliptisch geformten Berges noch auf den Sonnenaufgang an jenem 8. Mai, an dem die Sonne über der Hornisrinde im Schwarzwald aufging.

Die Ausrichtung des Hohenzollern

Die Burg Hohenzollern

Mit dieser Sonnenausrichtung weist der Hohenzollern eine Eigenschaft auf die auch bei mediterranen Bergheiligtümer, wie denen der Minoischen Kultur zu beobachten ist. Auch dort standen Götterkulte und die Sonnenausrichtung der Landschaft immer in enger Verbindung. Eine Ideallinie ergibt sich beim Hohenzollern aber beim Sonnenaufgang am 2. Februar und dem Sonnenuntergang am 6.Mai. Beide Daten verweisen auf hier auf den vom schottischen Ingenieur Alexander Thom bei Stein-setzungen in England gefundenen megalithischen Kalender. Dieser Kalender hatte eine Unterteilung von 16 Monaten, in Monate mit je 23 und 22Tagen. So sind die, die Ideallinie des Hohenzollern bestimmenden Daten, genau zwei Monate vom in vielen Kulturen gefeierten Frühlungsäqutionoktium entfernt. War dies der Zeitraum der Angleichung der Landschaft an den Sonnenlauf, so bot im 30.Jhd. v. Chr. die letzte Sicht auf Acrturus, den hellsten Stern des Bärenhüters am 2. Februar eine weitere Möglichkeit einen Sonnenkalender abzustimmen. Es ist die gleiche Zeit, in der in Carnac und in England mit Steinsetzungen ebenfalls Kalenderanlagen errichtet wurden. Die Bezeichnung Michaelsberg, wie er in der Zimmerschen Chronik genannt wird, hat also hier durchaus seine Be- rechtigung. Vor diesem Hintergrund der Sonnenausrichtung gewinnt auch der in der Literatur erwähnte Name `Mons solarius´, der Sonnenberg, eine neue Bedeutung. Er bot in einer Zeit ohne Uhren hier die Möglichkeit, mit Hilfe der Sonne die Zeit zu ordnen und damit war er gleichzeitig auch ein Ort göttlicher Macht. Dass sich diese Macht ebenso in der Symbolik der Zahlen offenbart, zeigen die Daten der Michaelsfeiertage. So beträgt ist der Zeitabstand vom 8.Mai, dem Wunder von Gargano, bis zum Michaelitag am 29. September 144 Tage. Die 144 ist das Quadrat der 12. Im biblischen Kontext stehen die 1 und die 2i gemeinsam für Gort und seine Schöpfung. Als 144 taucht die Zahl  3 mal im Text der Johannesoffenbarung auf in der das letzte Weltgericht geschildert wird. Dort besiegt Michael dann das Böse in Gestalt eines Drachens und am Ende des Gerichtes werden 144000 gerettet.

Bilder: Wikipedia / Hohenzollern, Postkarte um 1938 / Der Erzengel Michael von Raffael (1518), Louvre,Raffael – Retouched from File:Le Grand Saint Michel, by Raffaello Sanzio, from C2RMF.jpg, originally C2RMF. Wiki gemeinfrei / Zimmersche Chronik,Handschrift B, aufgeschlagen, Foto FA2010 / Simmulation Sunearthtools, opentopomap, Heinrichs Kalenderumrechner