Mondberg Hochblauen

Kornblume (Cyanus segetum), böhringer friedrich

Kornblumen sind heute nur noch selten anzutreffen. Die in frühgeschichtlicher Zeit in uns- ere Breiten eingewanderte Blume wuchs einst auf sandigem bis lehmigen, meist sauren Boden. Die intensive Verwendung von Breitbandherbiziden hat ihr auf den meisten landwirtschaftlich genutzten Flächen den Garaus gemacht. Doch dort wo sie noch wächst, kann man davon ausgehen dass nicht gespritzt wird. Der lateinische Name der Kornblume Centaurea cyanus geht auf den Zentauren Chiron zurück. In der griechischen Mythologie war er ein großer Lehrmeister der auch dem Halbgott Asklepios die Kunst des Heilens beibrachte. Dadurch war Chiron am Geschehen des Trojanischen Krieges beteiligt, wo er eine Wunde am Fuß des Helden Achilles heilte. Cyanus dagegen soll ein Verehrer der Blumengöttin Flora gewesen sein, den man tot neben einer Kornblumen-girlande fand. Entsetzt über den Tod ihres Liebhabers wünschte sie sich daraufhin dass die Pflanze seinen Namen tragen soll. Später wurde die Kornblume auch ein Attribut der römischen Göttin Ceres, der Göttin des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit.Auch im Mittelalter galt die Blume noch als ein Symbol der Treue. Erst im 19. Jahrhundert veränd- erte sich ihre Symbolik und sie wurde zum Zeichen eines politischen Bekenntnisses. Nach dem Tod der preußischen Königin Luise ernannte sie deren Sohn Kaiser Wilhelm I. zu seiner Lieblingsblume und fortan galt sie als die Blume Preußens.

Kornmutter, Kurt Derungs

Die Kornblume war früher auch ein Schmuck der Kornmutter oder des Kornbärs. In Eng- land hatte diese letzte, noch auf dem geernteten Feld verblieben Garbe den Namen `John Barleycorn´ und in Schottland heißt sie noch heute die Cailleach, die `alte Frau´. Volks-kundler identifizierten diese Korngestalt auch mit alten Vegetationsgöttern wie dem kelt- ischen Lugh. In manchen Gegenden Irlands gab es den Brauch ihn als Strohpuppe mit blauen Kornblumen, rotem Klatschmohn und anderen Blumen verziert, in einem Umzug, der einer Beerdigungsprozession glich, durch das Dorf zu fahren. Das keltische Feuerfest am 1. August markierte das Ende der Vegetationsperiode und den Beginn der Ernte. Die Temperatur hatte schon ihr Maximum überschritten und die Gefahr, von Ge- wittern die Ernteschäden verursachten, wurde größer. Die Zeit bis zum endgültigen Einbringen der Feldfrüchte war eine Zeit voller Risiken die es zu überstehen galt. Im keltischen Kulturkreis wurde am 1. August das Erntefest Lughnasad zu Ehren des Licht- und Sonnengottes Lugh gefeiert. Der soll es laut einer Legende zu Ehren der Göttin Tailtiu, seiner Pflege-mutter, einer Erscheinungsform der Großen Mutter dieses Fest gestiftet haben. Der Schutz einer Gottheit bedeutete eine gute Ernte, aber gleichzeitig auch sein Opfer zum Wohl des Volkes erwartet. Das Opfer war aber auch ein Bild der Transformation, das sich im Vorgang der Ernte wiederholt, bei dem sich das Korn zu Mehl und anschließend in Brot verwandelt.

Befreiung des Hl. Petrus durch einen Engel (San Pietro, 1710), Sebastiano Ricci

Auch das Christentum konnte sich diesen Ritualen der Ackerbauegesellschaft nicht entziehen. So wurde der 1. August mit Petrikettenfeier zu ein weiteren Petrusfest. Da dem Apostel laut einer Textes im Matthäusevangelium die Schlüsselgewalt im Himmel über- geben wurde, wurde ihm auch der Einfluss auf das Wetter zugesprochen. Petrus trat damit auch in die Fußstapfen des geltisch-gallischen Wettergottes Donar. Laut der Petrus- legende soll ihm an dem Tag in der Festung des Herodes Gefangenen ein Lichtengel erschienen sein, worauf Petrus dann seine Ketten abfielen und er seine Mission außerhalb von Jerusalem fortsetzen konnte.

Blauen von Süden, Ramessos

Erstmal wurde der Blauen bei Badenweiler als Blauwen oder Blawen urkundlich erwähnt. Auch Matthäus Merians behielt den Namen bei und bezeichnete ihn in seiner Topographia Sueviae Mitte des 17. Jahrhunderts als Hoche Blawen. Der Kulturhistoriker Michael Buck versuchte 1880 eine Deutung des Namens und schlug damals eine Verbindung des Namens zum Bergwesen vor, indem er den Ursprung in bla, der Schmelzhütte sah. Nahe- liegender wäre aber die Farbe Blau. Das mittelhochdeutsche Wort blæwe oder blāwe, bedeute Bläue. In seiner indogermanischen Urform aber auch hell, blond oder eben blau. Dass die Farbe als Ursprung des Namens ebenso möglich ist, liegt nicht nur an den Tannenwäldern die aus der Ferne bläulich wirken, sondern auch an der Kornblume. An sie erinnert der Blauen an jenem 1. August, denn an diesem Morgen sieht man unter einem Winkel von 64° zum Meridian die Sonne über dem Belchen aufgehen. So wie sich im Winkel der 8. Monat spiegelt, so zeigt sich im Name des Berges ein Verweis auf das längst vergange Ritual, den Kornblumenschmuck einer Vegetationsgottheit.

Mond- und Sonnenrichtung auf dem Blauen

Das der Blauen auch mit dem Mond in Verbindung gebracht wird, ist nicht nur eine Folge der Mondwende die von hier aus über dem Belchen zu sehen ist. Verschwindet am Abend die Sonne hinter dem Horizont so erzeugt die Lichtbrechung in der Dämmerung, die auch Blaue Stunde genannt wird, ein bläuliches Licht. Nun ist der Mond die größte scheinbare Lichtquelle. Deshalb wird er gerne, wie u einem Bild von Van Gogh, mit bläulichen Licht in Verbindung gebracht.

Van Gogh Sternennacht

Bilder:Wikipedia / Kornblume (Cyanus segetum), böhringer friedrich / Sebastiano Ricci: Befreiung des Hl. Petrus durch einen Engel (San Pietro, 1710), Sebastiano Ricci – The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei. DVD-ROM, 2002. ISBN 3936122202. Distributed by DIRECTMEDIA Publishing GmbH./ Blauen von Süden, Ramessos / Van Gogh Sternennacht / Kornmutter, Kurt Derungs /Simulation sunearthtools, opentopomap

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Dolmen im Mondlicht

Zahlreiche Gravuren auf dem Deckstein des Dolmen Hendraburnick Quoit in Cornwall sind nur im Mondlicht zu sehen. Truro (Großbritannien) – Auf den Steinen des Hendraburnick Quoit, einem Dolmengrab nahe Davidstow in Cornwall, haben Archäologen zusätzlich zu den bereits bekannten 13 Gravuren 105 weitere Steinzeichnungen entdeckt, die auf fast schon magische Weise nur bei Mond- und Fackelschein […]

über Mondschein bringt unbekannte Gravuren auf Megalithen zum Vorschein — Wissenschaft-Mysterien-Legenden-Geschichte

Mythos Dünsberg – die Mondlinie, Teil 2

Dünsberg GleibergDünsberg mit Vetzberg und Gleiberg

Tief im Innern soll das Geheimnis des Dünsberges verborgen sein. Dies behaupt- et eine Sage die Johann Georg Theodor Grässe 1868 in seinem Sagenbuch des Preußischen Staates veröffentlichte. Er schildert die Ereignisse mit folgenden Wort- en: `In der Nähe von Gießen liegt der sogenannte Dünsberg. Auf seinem Gipfel hat einst ein Schloss gestanden. Zu gewissen Zeiten öffnet sich der Berg und wer das Zauberwort weiß, der kann in das Innere treten und die dort verborgenen Schätze heben. Zwischen dem Dünsberg aber und der Stadt liegen die sogenannten sieb- en Hügel, zu diesen gehören auch der Gleiberg, der Vetzberg und der Wetteberg.   Auf diesen letzteren haben aber drei Brüder ebenso viele Burgen gehabt. Der erste nannte die seine, weil sie sehr fest war, Vetzberg, der zweite, weil er dieser eine gleiche entgegenstellte, Gleiberg, der dritte aber wettete, die seine müsse die and- ern noch an Festigkeit übertreffen und nannte sie Wetteberg. Der Besitzer des Wette- bergs aber war ein Bösewicht, deshalb haben die beiden andern Brüder mit verein- ter Kraft ihn angegriffen und seine Burg zerstört´.

Dünsberg Burg GleibergBurg Gleiberg

Doch eines der Geheimnisse die den Dünsberg umgeben liegt nicht in seinem Innern, sondern in der Linie die ihn mit dem Kloster Schiffenberg verbindet. Sie entspricht vom Kloster aus betrachtet der Linie der großen Mondwende Nord, oder umgekehrt in südöst-licher Richtung, der großen Mondwende Süd. Der Ort an dem das Kloster im 12. Jahrhundert errichtet wurde muss bereits im 4. Jahrtausend  eine besondere Bedeutung besessen zu haben. Zahlreiche Scherbenfunde zeigen eine Siedlungstätigkeit zur zeit der Brandkeramischen und der Michelfelder Kultur. Zahlreiche Quellen und der auffällige Bezug zur Mondrichtung lassen den Schluss  zu, dass der Ort bereits in der Frühgeschichte eine ähnlicher Kultort war. Ähnlich   wie der Odilienberg im Elsaß. Dafür spricht auch seine Lage auf der Mondlinie zum Dünsberg.

KLoster Schiffenberg altKloster Schiffenberg in den 30-er Jahren

Betrachtet man diese genauer, so zeigt sich in den beiden Entfernungen Dünsberg   – Gleiberg und Gleiberg-Schiffenberg ein erstaunliches Verhältnis der Entfernungen. Beide Strecken entsprechen dem Verhältnis 8 zu 13 und diese Zahlen stehen auch sinnbildlich für den Mond. Während die 8 auch in den 8 Phasen des Mondes wied- erzufinden ist, zeigt sich in der 13 die Dauer eines Mondjahres von 13 Mondmonat- en. Auch die Summe beider Zahlen, die 21, genoss in zahlreichen Kulturen einen besonderen Stellenwert. Als Produkt der 3 und 7 enthielt sie Zahlen die Sinnbild mytho- logischer Vorstellungen waren. So steht die 3 als Ausdruck der Stabilität für eine göttliche Trinität und die 7 für die Vereinigung des Geistigen mit dem Mater- iellen. Aus babylonischer Zeit ist erstmals die besondere Bedeutung überliefert,    die sich in den 7 damals bekannten, als Götter verehrten Planeten spiegelt. Ihnen stand eine spiegelbildliche Ordnung auf er Erde gegenüber. So existierten in den Vorstellungen der Babylonier 7 Weltteile durch 7 Flüsse voneinander getrennt. Sichtbares Abbild dieser göttlichen Ordnung der 7  waren die in 7 Ebenen geglied- erten Stufentempel.

Dünsberg MondlinieDünsberg Mondlinie

Wie das Verhältnis der Entfernungen den Code eine Mondkultes zeigt, sondern, so weist auch das Maß auf eine Entstehungszeit wie sie auch die Scherbefunde in der Nähe des Klosters dokumentieren. So entspricht die Entfernung Gleiberg Kloster 9043m und damit 18200 Einheiten mit 0.467m während die Entfernung zum Düns- berg mit 5564m 11200 Einheiten entspricht. Da sich diese Maßeinheit nicht in der Tabelle der vormetrischen Längeneinheiten von R.C. Rottländer findet, könnte es durch die Abwandlung eines der zu dieser Zeit bekannten Maßstäbe entstanden sein. Ähnlich wie noch im Europa des 18 Jahrhunderts hunderte unterschiedlicher Maßstäbe parallel existierten bevor sich das metrische System durchsetze, ist eine ähnliche Situation auch für die Zeit des 4. Jahrtausends v. Chr. Zu vermuten. Tatsäch- lich zeigt sich bei der ermittelten Einheit von 0,467 eine Verwandtschaft zum Maß des Megalithischen Yard, einem Maß das der schottische Ingenieur Alexander Thom bei zahlreichen megalithischen Steinsetzungen identifizierte. Diese aus großformatigen Steinen erbaute Anlagen entstanden in Europa während des 4. Jahrtausend v. Chr. Wird nun das megalithische Yard mit 0.829m durch 30 Einheiten dividiert und das Ergebnis mit 18 multipliziert, eine durchaus übliche Methode in der Frühgeschichte Maßstäbe abzuwandeln und umzurechnen, so entsteht das Dünsbergmaß von 0,497m. Es weicht um 2,5% von der bei Rottländer für diesen Zeitraum aufgeführt- en Salamiselle ab. Das Verhältnis 8 zu 13 weist aber auch einen Bezug zur Venus auf, denn die Umlaufzeiten von Erde und Venus verhalten sich wie 8 zu13. Die eng- en Beziehungen von Mond und Venussymbolik wird auch daran deutlich dass die Venus Dank ihrer näheren Umlaufbahn zur Sonne ebenso Phasen aufweist wie der Erdmond.

MondphasenDie 8 Mondphasen

Dass die Bedeutung von Sonnen- und Mondausrichtung mit dem Untergang der frühen Kulturen keinesfalls an Bedeutung verloren hat, zeigt die Geometrie der im 12. Jahrhundert entstanden Burg Gleiberg. Ganz verließ man sich auch zu dieser Zeit nicht auf den Schutz solider Mauern. Auch sie mussten noch mit den alten Planetengöttern in Verbindung stehen. So folgt die polygonale Geometrie Aus- richtung der Burg nicht allein wehrtechnischen Überlegungen, sondern weist doch eine erstaunliche Übereinstimmung mit den Sonnenwenden und der großen Mondwende auf.

Burg GleibergBurg Gleiberg

Wikipedia: CC BY-SA 3.0 , Dünsberg von Gießen aus, Grundriss Gleiberg, Magadan / Simulation sunearthtools