Neue Studie: Himmelsscheibe von Nebra stammt aus der frühen Bronzezeit — grenzwissenschaft-aktuell.de

Lesezeit: ca. 4 Minuten Wien (Österreich) – Die „Himmelsscheibe von Nebra“ gilt als die älteste astronomische Darstellung der Welt einer der am besten untersuchten archäologischen Funde der letzten Jahrzehnte. Eine neue Studie widerlegt nun einmal mehr jüngst erhobene Behauptungen, die „Himmelsscheibe“ sei rund 1000 Jahre jünger als bislang angenommen und stamme nicht aus der Bronze-,…

Neue Studie: Himmelsscheibe von Nebra stammt aus der frühen Bronzezeit — grenzwissenschaft-aktuell.de

Nebra – Antikythera

Vorderseite des Fragments A mit vierspeichigem Hauptantriebsrad, Foto, Marsyas

In einem um das Jahr 70 v. Chr. vor griechischen Insel Antikythera gesunken Schiffs- wrack machten Schwammtaucher einst einen spektakulären Fund. Im Jahr 1900 entdeckten sie dort zusammen mit Münzen und Amphoren einen Gegenstand aus Metall, der auf eine mechanische Konstruktion mit Zahnrädern hinwies. Bereits 1903 glaubten die Wissenschaftler in den Einzelteilen den Mechanismus ein Astrolabium zu erkennen. Doch die hochentwickelte Technik des Kalendariums von Antikythera wurde erst Jahrzehnte später in vollem Umfang erkannt und sie stellte sich dann als extrem anspruchsvoll heraus In seiner Funktion übertraf das Gerät selbst die des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit.

Derek d.S. Price 1982, Rekonstruktion des Mechanismus von Antikythera, Familienfoto

Dies erkannte aber erst der britische Wissenschaftshistoriker Derec Price bei seinen Untersuchungen des Mechanismus ab dem Jahr 1959. In den Jahrzehnte lang dau- ernden weiteren Untersuchungen, die auch noch andre Wissenschaftler durchführten, wurde dann die gesamte Funktion entschlüsselt. Es stellte sich heraus, dass der Mechanismus einen Sonnenkalender mit einer Tagesskala und einer Monatsskala besaß, die zudem über die Tierkreiszeichen verfügte. Ebenso verfügte er übe einen gebundenen Mondkalender mit Monatsskala und einen Finsterniskalen, der zusätzlich eine Monatseinteilung besaß. Zusätzlich verfügte das Gerät auch einen kleinen Olymp- iakalender. Mit seiner komplizierten Zahnradkonstuktion aus Metall war der Mechan- ismus eine Überraschung, denn aus dem antike Griechenland waren bislang nur ein- fache Zahnräder bekannt, wie die bei Mühlen verwendet wurden. Hier stellt sich naturgemäß die Frage, ob die Konstruktion ein singuläres Produkt war, das vielleicht im Kreis um den Gelehrten Archimedes entstanden sein könnte, oder es bereits andere Vorläufer gegeben hatte.

Die Astronomische Uhr und die Himmelsscheibe, Hans Hampl

Konstruktionzechnung des Räderwerkes, Hans Hampl

Auf diese oft zu beobachtende Entwicklung, dass eine Epoche ähnliche technischer Innovationen hervorbringt, weist die astronomische Uhr des Grafikers Hans Hampl hin. Hampl betrachtete die Himmelsscheibe von Nebra nicht als Peilinstrument, wie dies viele Wissenschaftler vor ihm taten, sondern als Teil eines Mechanismus. So sah er die 39 Löcher am äußeren Rand der Scheibe als Teil eines mechanischen Antriebes und zu gleich als Teil eines Ziffernblattes. Umfangreiche Berechnungen führten ihn zur Be- messung und der Lage einzelner Radgrößen und deren Funktion. Dabei sah er aber keine Zahnräder als Antrieb, sondern r sondern mit Tierfell überspannte Holzscheiben, die Kräfte ebenso exakt übertragen konnten. Mit dieser einfach herzustellenden Mech- anik könnte dieser Mechanismus auch das Missing Link zum Mechanismus von Antikykthea darstellen. Mit seiner nachgebauten astronomischen Uhr kann Hampl heute mühelos deren Funktionsfähigkeit beweisen. Dabei sah er der Goldplättchen aber nicht als Abbild eines Nachthimmels, sondern als Marker für die Einstellung der Uhr. Die 39 Löcher am Rande der Scheibe nutzte er dabei als Raster für den Zeigermechanismus, der dazu diente, Wochtentage, wichtige Kalendertage wie Jahresbeginn, die Äquin-oktien, oder Wintersonnenwende anzuzeigen.

Detail des Zeigers Hans Hampl

Beim Drehen wird der Mechanismus dann auf einer Spiralbahn geführt und zugleich wird der Zeiger mit Hilfe der sich hinter der Scheibe drehenden Räder auf einem ge- spannten Seil versetzt. Die Konstruktion besteht einschließlich der Scheibe aus einfachsten Materialien, die zu dieser Zeit auch verfügbar waren Auch die in der Uhr eingesetzte Spirale, die Hampl auf einer CNC Maschine fräste, könnte seiner Über- zeugung zufolge auch aus Weidenholz gefertigt werden. Auch darin zeigt sich eine Verwandtschaft zum Mechanismus von Antikythera, denn auch in dieser astronomische Uhr wirde eine ähnliche Spirale gefunden. Dass die Wissenschaft gerade in diesem Bereich völlig eindimensional denkt, liegt wohl auch an den Schranken die sich selbst auferlegt.Es liegt aber auch an mangelnder Kooperation mit anderen Fachdisziplinen, um Objekte, wie die Hmmelsscheibe aus mehreren Blickwinkeln betrachten zu können. Die kürzlich veröffentlichte Untersuchung zweier Professoren, die nun die Entstehung der Himmelscheibe von Nebra in die Eisenzeit verlegten, öffnet nun auch eine Mög- lichkeit die Studie Hampls mit dem Mechanismus von Antikythera in Verbindung zu bringen. Vor diesem Hintergrund betrachtet, könnte ungefähr 2300 Jahren vor Konrad Zuses Erfindung des Computers in Berlin, in Nebra der erste Zeitcomputer erfunden worden sein.

Berechnung der Räder, Hans Hampl

Bilder: Wikipedia/ Die Vorderseite des Fragments A mit vierspeichigem Hauptantriebsrad Foto, Marsyas , CC BY 2.5 & Derek de Solla Price 1982 mit einem Modell seiner Rekonstruktion des Mechanismus von Antikythera, Familienfoto ( Derek deSolla Price (1922-1983) (family photo, contributed by his son) gemeinfrei – Die Astronomische Uhr und die Himmelsscheibe, Konstruktionzechnung, Detail des ZeigersBerechnung der Räder, Hans Hampl