2017, das 125. Jubeljahr der Chronolgie

Verkündung des ersten Jubeljahres durch Bonifatius VIII. im Jahr 1300, Fresko von Giotto

So wie wir klimatischen Zyklen unterworfen sind, erleben wir wohl auch geschichtliche Zyklen. Ein Zyklus sind die im christlich-jüdischen Kulturkreis begangenen Jubeljahre. Das Jahr 2017 ist eines dieser Jubeljahre, das gemäß eines göttlichen Auftrages im Abstand von 50 Jhren begangen werden soll. In der römisch-katholischen Kirche erinnerte sich Papst Bonifatius VIII an diesen Auftrag aber erst im Jahr 1300 und rief da das erste Jahr aus, das zahlreiche Pilger nach Rom locken sollte um ihnen den vollständigen Sünd- enerlass zu gewähren. Dies ist auch heute noch einer der wichtigsten Aspekte des Jubeljahres und hat sich damit weit von seinen ursprünglichen Sinn entfernt.

Slichot-Gebete mit Shofarhorn vor dem Versöhnungstag

Obwohl Jubel gerne der Lobpreisung gleichgesetzt wird, entwickelte sich das Wort aus dem hebräischen Wort jobel, das ursprünglich Widder bedeutete. Aus eben diesen Widderhörnern bestand das Blasinstrument Shofar, das zur Eröffnung eines Jubeljahres geblasen wurde. Am Beginn seiner Geschichte hatte das Jahr ganz pragmatische Gründe. Die Feier des Jubeljahres erfolgte nach 7 Sabbatjahren, also nach dem 49 Jahr und sollte Israeliten, wie den untergeben Völkern einen vollständigen Schuldenerlass ermöglichen. Dass diese Regelung voller Weitsicht war und ein gravierendes soziales Problem löste, auf das wir heute keine vernünftige Antwort mehr wissen, verdient Hoch-achtung. So lässt sich das Anwachsen einer Schuld auf das Doppelte ganz leicht mit der einfachen T-72 Formel überprüfen. Sie führt vor Augen wie rasch die Schulden- höhe zu einem unlösbaren Problem für Schuldner und Gläubiger wird. Ein Zinssatz, multipliziert mit der Zeit der Jahre ergibt immer 72. Einfach darstellen lässt sich dies bei einem beliebigen Geldbetrag, der für einen gedachten Zinssatz von 10% geliehen wurde. Innerhalb von 7,2 Jahren verdoppeln sich dann die Schulden. Bei den Israeliten gab es einst eine ganze Reihe von Vorschriften, die das Jubeljahr betrafen. Das 50. Jahr sollte ein Jahr der Ruhe zur Ehre des Herrn sein. Doch nicht nur das Land und die Menschen sollten ruhen wie in jedem siebten Jahr, sondern alle Menschen sollten in Freiheit ein- stimmen können in das Jubeljahr. Das hieß für alle Bewohner des Landes wurde die Freiheit verkündet: Jeder, auch der Schuldsklave, sollte zu seinem Grundbesitz und zu seiner Sippe zurückkehren. Es sollte ein Jahr des Schuldenerlasses und der Befreiung aus der Sklaverei sein. Die Schuld sollte für alle Zeit getilgt, unabhängig ob die Schulden als Sklave abgearbeitet wurde, bezahlt wurden oder nicht. Die aus der Sklaverei Entlassenen durften aber nicht mit leeren Händen fortgeschickt werden, da sonst der Teufelskreis von Armut und Neuverschuldung ja von Neuem begann. Mit diesem Gesetz sollte deutlich werden, dass ein wirklicher Neuanfang gewährt und ermöglicht wurde. Niemand sollte auf Dauer in Not und von anderen Menschen abhängig leben müssen. Dies war der Grund zum Jubel, zur Freude. Doch das Schuldproblem geriet bald in Ver- gessenheit und innerhalb des 50-Jahrezyklus rückten der Sündenerlass und die Erfüllung einer biblischen Chronologie in den Vordergrund, die bis auf Adam und die Erschaffung der Welt zurückreichte. Trotz des sinnvollen göttlichen Gebotes missachteten die Israeliten dieses Gebot und mussten die Strafe erdulden. Während der Zeit der Könige Salomo bis Zedekia wurde kein Sabbatjahr und kein Jubeljahr gefeiert. Daher mussten sie nach der Zerstörung des 1. Tempels 70 Jahre warten, bis ein neuer 2. Tempel geweiht werden konnte.

Karl der Große, Chronik des Ekkehard von Aura. geboren im 100. Jubeljahr der Chronolgie

Die biblische Chronologie ist eine Abfolge von Ereignissen die mit der Ankunft des Messias endet. Darin eingewoben ist eine Sammlung der Prophetien und die Erfüllung dieser Voraussagungen, deren wichtigstes Ereignis eben die Erscheinung des Messias nach 85 Jubeljahren innerhalb der Chronologie darstellte. Obwohl die Israeliten den Prophezei- ungen anscheinend nicht glaubten, traf sie zu. In der 85 Jubeljahrperiode, also im Jahr 4200 a. H. der Chronologie wurde er geboren. Wie bei König David dauerte es noch 30 Jahre bis er dann öffentlich in Erscheinung trat. Eine ganze Reihe ein- schneidender Ereignisse prägte die Fortführung dieser Chronologie bis heute, so als ob jemand am Beginn zugleich die Geschichte der Zukunft mit entworfen hätte. Im Jahr 567 n. Chr. , also im Jahr 5000 a. H wird Karl der Große geboren, der wesentlich zur Verbreitung des Evangeliums in Europa beitrug. Ein entscheidendes Ereignis für die römisch-katholische Kirche war das Jahr 1517, das Jahr der Reformation. Es erfolgte im Jahr 5750 a. H. und damit 31 Jubeljahre nach der Geburt des Messias. Wohl nicht zu Unrecht erfolgte sie im Zeichen einer Rück- und Neubesinnung auf die Lehre, denn die Zahl 31 steht für die Vollkommenheit Christi und weist zurück auf das Alte Testament. Dort steht, dass Christus zuerst für sein Volk, die Juden gekommen war und in dieser Schrift hatte der Gottesname `El´ auch den Buchstabenwert 31.

Sechstagekrieg im 124. Jubeljahr

Auch die jüdische Geschichte erfolgte im Takt dieser Jubeljahre. 1917, also im Jahr 6150 a.H. der Chronologie beendeten die Briten die Herrschaft der Osmanen über Jerusalem. Damit fand das Ereignis nach 123 Jubeljahren statt. Im Hebräischen hat das Wort Erbteil im Alten Testament den Buchstabentotalwert 123. Vom Anspruch auf das vermeintliche Landerbe bis zum Kampf um das Land dauerte es dann nur noch 1 Jubeljahr. Im Jahr 6200 a. H., also 1967 brach der Sechstagekrieg aus, mit dem Ziel die alten Grenzen des Erbes wieder herzustellen. Das Jahr 2017 ist also nicht nur das Jahr des Zeichens der Johannesoffenbarung, wie im 1. Teil geschildert, sondern gleichzeitig auch das 125. Jubeljahr der biblischen Chronologie und entspricht damit der Quersumme 8 auch dem Produkt 5x5x5, der Zahl des Menschensohnes. Er steht für das ewig Feststehende, wie dies im Psalm125 zum Ausdruck kommt. `Die auf Jahwe vertrauen, sind gleich dem Berge Zion, der nicht wankt, der ewiglich bleibt.´ Mann darf also gespannt sein, wie sich dieser Zyklus der Jubeljahre weiter entwickelt.

Bilder: Wikipedia, Verkündung des ersten Jubeljahres durch Bonifatius VIII. im Jahr 1300, Fresko von Giotto (Freskofragment von Giotto in der Lateranbasilika), Codeispoetry /Slichot-Gebete mit Schofarhorn vor dem Versöhnungstag (Jom Kippur) – Westmauer, Jerusalemer Altstadt, 2008.Government Press Office (Israel)/ 6-Tage Krieg / Mehr Info zur Chronologie in http://www.zeitundzahl.de

 

Das Zeichen am 23. September – Teil 1

Die apokalyptische Frau und der Drache

Es gibt wohl keine prophetische Erzählung die lange Zeit eine so beeindruckende Wirkung auf die Menschen ausgeübt hatte, wie die Offenbarung des Johannes. Der Text ist das letzte Buch des neuen Testamentes und sollte eine Hoffnungsschrift für die unterdrückten Christen des Römischen Reiches darstellen. Die Situation scheint sich nicht wesentlich geändert zu haben. Betrachtet man heute die absolute Anzahl verfolgter Christen, so dürfte sie um ein Vielfaches höher sein als zu dieser Zeit und auch die grausamen Folterpraktiken gleichen sich immer noch. Als Ich-Erzähler verfasste Johannes 7 Send- schreiben an Gemeinden um Ephesus, wo einst das größte Artemis Heiligtum der Antike stand. Im Kapitel 12 beschreibt er mit dem Titel `Die Frau und der Drache´, jene Konstellation am Himmel, die am 23. September 2017 wieder am Himmel zu sehen sein wird. `Und es erschien ein großes Zeichen im Himmel: ein Weib, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone mit zwölf goldenen Sternen. Und sie war schwanger und schrie in Kindesnöten und hatte große Qual zur Geburt. Und es erschien ein anderes Zeichen im Himmel, und siehe, ein großer, roter Drache, der hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Häuptern sieben Kronen; und sein Schwanz zog den dritten Teil der Sterne des Himmels hinweg und warf sie auf die Erde. Und der Drache trat vor das Weib, die gebären sollte, auf daß, wenn sie geboren hätte, er ihr Kind fräße´.

Jungfrau, der Mond, die Sonne und 12 `Sterne´ am 23. September

Auf den ersten Blick könnte die Beschreibung als ein Bild der Fantasie gedeutet werden, doch in der von Johannes beschriebenen Form war die himmlische Erscheinung tat- sächlich vor rund 7000 Jahren zum letzten Mal zu sehen. Gemäß der Beschreibung steigt das Sternbild Jungfrau mit der Sonne auf ihren Schultern auf, Ihr ziehen die mit bloßem Auge sichtbaren Planeten voraus und bilden zusammen mit den Sternen des Löwen jene 12 Sterne. Der am Fuß der Jungfrau folgende Mond ,der sich in diesem Jahr mit schwacher Sichel zeigt, komplettierte das Schauspiel. Wie vor rund 7000 Jahren wieder- holt sich nun dieses Schauspiel, doch dieses mal ist es eingebunden in eine Reihe von Tagen die inhaltlich mit ihm in Verbindung stehen. Auf Grund des großen zeitlichen Abstandes dieser Konstellation wird dies auch das einzige Mal bleiben. Die Reihe der Tage beginnt mit Maria Geburt am 8. September, worauf am 12. der Tag Maria Namen folgt und am 15. der Tag Maria Schmerzen. Am 23. ist das Zeichen zu sehen und diesem Datum folgte einst am 24. ein Marienfeiertag der heute längst aus dem Kalender gestrichen und in seiner Tragweite vergessen ist: Mercedes. Das Fest Mercedes war bis 1961 das Fest der `allerseligsten Jungfrau vom Loskauf der Gefangenen´. Er wurde zuerst am 10. August im Orden der Mercedarier gefeiert, um damit an die Erscheinung Marias vor Petrus Nolaskus und Raimund von Peñafort zu erinnern. Sie führte 1218 zur Gründung des Ordens. Im Jahr 1696 wurde das Fest von Papst Innozenz XII. für die ganze Kirche eingeführt und auf den 24. September verlegt. Zwar war das Fest den zahlreichen Gefangen gewidmet, die islamischen Heeren und Piraten in die Hände gefallen waren, doch im engeren Sinne entwickelte sich im Zuge dieses Festes auch das Schutzmantelmotiv, das zum Kenn- zeichen vieler Mariendarstellungen des Mittelalters wurde.

Cäsarius von Heisterbach

Die wachsende Marienverehrung führte in dieser Zeit auch zu zahlreichen Beobachtungen wundersamer Ereignisse, die Cäsar von Heisterbach, ein Zisterziensermönch und zeitge-nössischer Chronist, sammelte und in seinem Werk Diagolus miraculorum veröffentlichte. Auch in Schwäbisch Gmünd soll sich im Jahr 1225 solch ein wundersames Ereignis zugetragen haben. Dort sollen 6 Schüler nach einer Leichenwache in der Nacht eine Himmelserscheinung gesehen haben. Auf einem gehörnten, dunklen Mond sahen sie 7 Kreuze stehen. Wenig später fielen von dort zwei brennende Kerzen vom Himmel, die anschließend in der neu erbauten Johanniskirche aufbewahrt wurden. Die 6 Schüler waren voller Entsetzen über das Zeichen des nahen Weltuntergangs und traten sofort in einen Orden ein. Heisterbach deutete den Mond als Sinnbild der bedrängten Kirche, denn Kreuzritter hatten während des 5. Kreuzzuges 1221 bei Damiette eine strategische Nied- erlage erlitten und musste ihre Hoffnung auf eine Rückeroberung Jerusalems begraben. Diesen Weg öffnete erst der Stauferkaiser Friedrich II durch sein diplomatisches Ge- schick.

Friedrich II. mit seinem Falken.

Doch mit diesem 23. September 2017 verbindet sich auch ein dramatischer Schicksals- tag der Juden. Sie gedenken an diesem Tag der Ermordung von Achikams Sohn Gedalja, 582 oder 581 vor Christus. Das Attentat der Ammoniter auf Gedalja, den Statthalter Nebukadnezars, wird als das Ende von Judäa angesehen, denn daraufhin flohen die Juden aus Angst vor Rache aus Judäa und gaben alle Hoffnung auf einen eigenen Staat auf. Die Zahl 23, innerhalb einer Reihe von Mariengedenktagen, verbunden mit der Endzeitprophezeiung und dem jüdischen Trauma, wird in dieser Form wohl einmalig bleiben. Taucht die Konstellation beim nächsten Erscheinen in 7000 Jahren wieder auf, wird sie sicher vor einem ganz anderen religiösen Hintergrund interpretiert werden. Aber gerade diese Einmaligkeit birgt auch die verführerische Gefahr den Heilsplan in Erfüllung gehen zu lassen. Immerhin ist das Jahr 2017 ein wichtiger Markstein innerhalb der biblischen Chronologie. Seit Adam sind 6250 Jahre vergangen und damit ist dieses Jahr innerhalb des 50 Jahre dauernden Zyklus wieder ein Jubeljahr bei den Juden und in der Kirche.

Bilder: Wikepedia/ Die apokalyptische Frau und der Drache, Bamberger Apokalypse (um 1000), vgl. Offb 12,3b-4 EU, Auftraggeber: Otto III. oder Heinrich II. – Bamberger Apokalypse / Friedrich II. mit seinem Falken. Aus seinem Buch De arte venandi cum avibus („Über die Kunst mit Vögeln zu jagen“), Süditalien zwischen 1258 und 1266. Città del Vaticano, Vatikanische Apostolische Bibliothek / Simulation Stellarium