Die Venus vom Hohle Fels

Hohle Fels Zugang

Der Felsendom des Hohle Fels wird als Karsthöhle betrachtet, die durch Verwitterungs- prozesse des Gesteins entstanden ist. Sie liegt östlich der Stadt Schelklingen am Berghang des Achtales. Seit dem 19. Jahrhundert zählt auch sie zu den bedeutendsten Fundstätten es Jungpaläolithikums in Mitteleuropa. Im Jahr 1871 erfolgten Hier erfolgten die ersten Grabungen Oscar Fraas und Pfarrer Josef Hartmann. Gefunden wurden Knochenreste von Höhlenbären, Rentieren und Wildpferden, sowie zahlreiche Werk- zeuge. Sie wurden später der Epoche des Aurignacien und Magdalénien, der jüngeren Altsteinzeit zugeordnet.

Venus vom Hohle Fels

Einer der berühmtesten Fundgegenstände ist die als Venus vom Hohle Fels bezeichnete Statuette. Sie wird auf ein Alter zwischen 35000 und 40000 Jahre geschätzt und zählt damit zu den ältesten Kunstwerken der Menschheit. Im Museum wird sie heute völlig nüchtern, ganz im Stil moderner Museumsdidaktik als Abbild einer zeitgenössischen Frau erklärt. Sie hatte kurz zuvor entbunden, so die Erklärung und deshalb wurden ihre Brüste auf Grund einschießender Milch übergroß dargestellt. Die querrechteckigen Proportionen der Venus könnten natürlich auch als Abbild einer gedrungenen und übergewichtigen Frau interpretiert werden, die sich für die nährstoffarme Zeit eine Art Fettpolster zugelegt hatte. So ein Verhalten, sich in nährstoffreichen Zeiten Fettreserven zuzulegen, wurde schon bei den Buschmännern Namibias beobachtet. Doch auch diese Ernährungsweise führt dennoch nicht zu diesen monströsen Übergewichtsformen, wie sie heute in westlichen Zivilisationen beobachtet werden und sie die Venus verkörpert..

Venus von Willendorf

So fehlt dieser Statuette mit ihrem querrechteckigen Format, den Beinstummeln und der miniaturisierten Andeutung eines Kopfes jede Nähe zum natürlichen Vorbild. Im Vergleich zu den harmonisch geformten Skulpturen des Pferdes oder des Mammuts wirkt die sogenannte Venus allein auf Grund ihrer wuchtigen Plastizität alles andere als ein Abbild. Dennoch hat sich der Gedanke einer Frauenfigur in den Köpfen der Forscher festgesetzt, zumal ähnliche Funde, allerdings aus anderen Zeitepochen vergleichbare Merkmale monumentaler Brüste aufweisen. Im Vergleich zur Venus vom Hohle Fels erweist sich die rund 10000 Jahre später entstandene Figur der Venus von Willendorf auf Grund ihrer schwungvollen Plastizität und dem geflochtenen Haarschmuck aber geradezu als dekorativ.

Die Venus und Orion

Doch steht die Venus vom Hohle Fels waagrecht, so weist sie zudem noch eine stark angeschrägte Schulter auf, die ihren den unnatürlichen, abstrakten Eindruck noch ver- stärkt. Betrachtet man die Kunstfertigkeit dieser Kultur und deren Proportionsver-ständnis, so ist kaum anzunehmen, dass beim Abbild eines Menschen nicht die gleichen Kriterien zur Anwendung kamen. Der Abendhimmel zur Wintersonnenwende jener Zeit bietet aber eine Erklärung, denn da stieg eben dieses Sternbild auf, das noch Jahrtausende später durch die mit ihm verknüpften Mythen die Fantasie der Menschen beflügelte. Bis heute hat das geometrisch klar erscheinende Sternbild des Orion mit den drei Gürtelsternen im Zentrum nichts von seiner Faszination verloren. In er Geschichte hat jede Kultur für das Sternbild eine eigene Mythologie erfunden. Das frühste dokumentierte Zeugnis innerhalb der europäischen Kulturentwicklung stammt aus der Vučedol-Kultur. Die spät- äneolithische Kultur lebte im 3. Jahrtausend im heutigen Kroatien. Dort ist auch eine Broschüre erhältlich, die vom ersten europäischen Kalender berichtet.

Der `erste Klender´ Europas

Gravierungen auf einem Tongefäß der Vučedol-Kultur lassen den Schluss zu, dass das Sternbild des Orion als Taktgeber den Kalender dieser Kultur bestimmte. Zu dieser Zeit war Orion am Morgen während des Frühlingsäquinoktiums sichtbar und ebenso am Abend während der Wintersonnenwende. Jahrtausende zuvor wurde führte seine Sicht auf der Schwäbischen Alb wohl zu ähnlichen Ergebnissen. In Wirklichkeit war die Venus wohl eine Serienfigur, die als eine Art Amulett an die Erscheinung des Sternbildes zur Wintersonnenwende erinnern sollte. Stieg Orion am Abend nach dem Sonnenuntergang auf, so erhofften sich die Beobachter von dem als Fruchtbarkeitsgöttin betrachteten Sternbild eine weitere fruchtbringende Periode für das nächste Jahr. Aus dieser Sicht haben die übergroßen Brüste nichts mit einschießender Milch zu tun, sondern mit den zwei leuchtenden Punkten, die die Achsel und die Schulter des Orion markieren. Vielleicht stellten die germanischen Vorstellungen von den Gürtelsternen des Orion als Friggs Rocken, der Spindel der Götttin Frigg, jenen Rest eines kulturellen Gedächtnisses dar, dessen Grundlage die Kultur des Aurignacien geschaffen hatte.

Bilder : Wikipedia/ Höhleneingang, Dr. Eugen Lehle / Venus vom Hohlefels 1, Ramessos /Venus von Willendorf, User:MatthiasKabel / simulation, sunearthtools

 

Die Zahl des Goliath

Städte der Philister

Die biblische Erzählung berichtet von einem Riesen aus der Stadt Gat. Sie zählte zu ein- em von Philistern gegründeten Städtebund, zu denen die Küstenmtädte Gaza, Aschkelon, Aschdod, Gat und Ekron zählten. Anfänglich stand die Ansiedlung noch ganz unter der Schirmherrschaft des fernen Ägypten, wo bei die Städte von lokalen Fürsten regiert wurd- en. An vier Stellen wird im Alten Testament jener Kampf geschildert, der sich zwischen den Riesen Goliath und David, dem zukünftiger Herrscher der Israeliten ereignet haben soll. Im Vertrauen auf die Hilfe Gottes trat David schließlich seinem hünenhaften Gegner entgegen und nahm den Kampf auf. So steht in 1. Buch Samuel (1.S/ 17 EU):

David präsentiert den Kopf des Goliath, Gustave Doré (19. Jhd.)

`Da trat aus dem Lager der Philister ein Vorkämpfer namens Goliat aus Gat hervor. Er war sechs Ellen und eine Spanne groß. Auf seinem Kopf hatte er einen Helm aus Bronze und er trug einen Schuppenpanzer aus Bronze, der fünftausend Schekel wog. Er hatte bronzene Schienen an den Beinen und zwischen seinen Schultern hing ein Sichelschwert aus Bronze. Der Schaft seines Speeres war (so dick) wie ein Weberbaum und die eiserne Speerspitze wog sechshundert Schekel. Sein Schildträger ging vor ihm her.´

Höhlen bei Qumran

In einer in der Höhle bei Qumran gefunden Schriftrollen wird die Größe Goliaths mit vier Ellen und einer Handbreit angegeben. In späteren Übersetzungen wurde der Wert dann auf 6 Ellen und eine Handbreite erhöht. Da eine Handbreite 1/7 Elle entspricht, betrug als das ursprüngliche Maß des Riesen 29/7 Ellen. Legt man hier das Maß der ägyptischen Königselle zugrunde, dürfte also die reale Größe des vermeintlichen Riesen bei knapp 2.20 gelegen haben. Im Vergleich zur damaligen Körpergröße der Israeliten war dies kein allzu großer Unterschied. Allein diese Größe hätte das Bild eines übergroßen, unbesiegbaren Wesens nicht rechtfertigen können. Doch auch hier bieten die Zahlen einen Weg zum Verständnis des Riesen. Die 29 wird im hebräischen als 20+9 geschrieben. Dabei hat der Buchstabe Kaph den Lautwert 20 und bedeutet `die Hand die zupackt´. Diese Handlungsfähigkeit öffnet nun eine weitere Möglichkeit und führt zum Lautwert 9, dem Teth. Dieser Buchstabe symbolisiert die Gebärmutter, den Ort aus dem sich alles Neue entwickelt. Im Quotient 29/7 steht all dies nun im Verhältnis zur Zahl 7. Sie wird durch den Buchstaben   Sajin verkörpert , der auch als Sinnbild für eine Waffe steht.  Das Neue entwickelt sich also mit der angemessenen Verwendung einer Waffe. In diesem Fall war aber sicher das Potential des Geistes gemeint und keine reale Waffe. Dieses sich entwickelnde Neue erforderte auch einen neuen Mittelpunkt, den David schließlich nach seinem Sieg mit der Steinschleuder bildete. Dass die 29 diesen Mittelpunkt darstellt, zeigt ein Beispiel aus dem Modell der Pythagoreeschen Tetraktys. Werden in einem Kreis, vom Mittelpunkt aus, beidseitig die Punkte 1 bis 5 mit den dazwischen liegen Strecken abgetragen, so ergeben ihre Summen die 29. Dieses Fähigkeit die Mitte zu strukturieren ist aber nur eine ihrer mathematischen Eigenschaften, denn die 29 zugleich die erste Primzahl, die die Summe dreier Quadratzahlen darstellt: 2² + 3² 2 + 4 ² = 29  Der röm- ische Dichter Horaz, der in seinen Versen immer eine komplexe Zahlensymbolik verbarg, räumte wohl auch aus diesem Grund der 29 eine so herausragende Bedeutung ein und spricht ihr damit den Ausdruck einer höchsten göttlichen Seinswirklichkeit zu.

Die göttliche Zahl 29

David hatte sich geprüft und einen Weg gefunden, sich seiner verantwortungsvollen Aufgabe zu stellen. Kein jüdischer Feiertag dürfte diesen Aspekt der Prüfung besser verkörpern als der Feiertag Jom Kippur. Die Vergebung steht zu Jom Kippur im Mittelpunkt , doch der zweite Aspekt ist die Pflicht zur Selbstprüfung und der Entschlossenheit, es besser zu machen, um die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Aber gerade zu dieser Zeit war das Schicksal eines gestürzten Riesen am Horizont sichtbar, dort wo auch seine Heimatstadt Stadt Gat lag. Hier stürzte jener Riese hinter den Horizont, von dem die Legende erzählt, dass er zahlreichen jungen Kriegern neben dem Kampf mit dem Schwert auch den Kampf mit der Steinschleuder gelehrt hatte. In der Stellung des stürz- enden Riesen war Orion während des Jom Kippur Festes am Morgen kurz vor Sonnen- aufgang zu sehen. In dieser Position war es für David wohl kein Kunststück ihn zu Fall zu bringen.

Sicht von Jerusalm: Der Sturz Goliaths

Gemäß der biblischen Erzählung machte der Sieg David zum ersten bedeutenden König über Juda und Israel. Doch aus Sicht der Forschung wird dies bis heute angezweifelt. Von einem Großreich Israel kann auf Grund fehlender archäologischer Nachweise und den fehlenden Erwähnungen in den Aufzeichnungen benachbarter Reiche keine Rede sein. Auch von David ist bislang nur ein einziger Namenshinweis aus einem Siedlungshügel im Norden Israels bekannt. Doch der Name war zu dieser Zeit weit verbreitet und deutet keinesfalls auf die biblische Gestalt hin. Ist der Mythos Goliaths also  ein weiterer Hinweis auf einen konstruierten Geschichtsverlauf, dessen Hintergrund in Wahrheit eine Sternen-legende ist? Aber wenn Goliath durch Orion verkörpert wurde, wer war dann David? Gemäß den Überlieferungen war sein Vater Isais, über den kaum etwas erzählt wird und dessen Herkunft im Dunkeln liegt. Auf Grund des von ihm begründeten Stammbaumes erhielt David später in der christlichen Lehre auch den Beinamen  `Blüte aus der Wurzel Isais´. Wenn sich aber Goliath aus einer Sternenlegende entwickelte, so dürfte dies bei David wohl ganz ähnlich sein. Ist Goliath/Orion am Horizont verschwunden, so strahlt der ihm folgende Sirius noch immer und der bietet dann die Erklärung für den Sieger mit der Steinschleuder.

Bilder:Wikipedia/ Der Hebräer David präsentiert den Kopf des Philisters Goliath (Gustave Doré), 1832-1883 / Höhlen bei Qumran, Grauesel / Grafik Zahl 29, http://www.decemsys.de/horaz/carmen-saeculare/cs5-tb.htm; Simulation, Stellarium

Der Gott Arkonas

Der vierköpfige Svantovit, künstlerische Nachbildung am Kap Arkona

Laut den Überlieferungen besaß das aus Holz gefertigte Kultbild des Hauptgottes der Rügenslawen vier Gesichter. in einer Hand trug Svantevit ein Schwert und in der anderen ein Trinkhorn. Bis zur Christianisierung war er der oberste Gott aller Slawen und in seiner Bedeutung vergleichbar mit dem altnordischen Wotan. Mehrere archäologische Funde belegen, dass slawische Völker in ganz unterschiedlichen Regionen Svantevit-Heiligtümer besaßen. Dazu gehörten die Heiligtümer von Tarnopol und Kaminiec (Galizien). Doch das Hauptheiligtum Svantevitkultes befand sich einst auf der Insel Rügen und stand auf der Landspitze von Arkona. An die Priester dieses Heiligtums zahlten auch die festländischen Slawen ihre jährlichen Abgaben. Die wichtigsten Zeugnisse, in denen das Heiligtum von Arkona beschrieben wird, sind die Gesta Danorum des dänischen Priesters Saxo Grammaticus, die Chronica Slavorum Helmolds von Bosau, sowie die skandinavische Knytlingasaga. Saxo hatte nach der Eroberung der Burg von Arkona durch den dänischen König Waldemar und dessen Bischof und Heerführer Absalom Im Jahr 1168 die Ge- legenheit das Heiligtum zu besichtigen und beschrieb es eingehend.

Saxo GrammaticusPhantasievolle Darstellung des Saxo Grammaticus, Louis Moe 1898

`Im Tempel stand ein gewaltiges Götterbild, den menschlichen Körper an Größe weit übertreffend, wunderlich anzusehen durch seine vier Köpfe und ebenso viel Hälse. Zwei der Köpfe schienen nach der Brust und ebenso viele nach dem Rücken zu sehen. Im Übrigen schien von den vorderen wie von den hinteren der eine nach links, der andere nach rechts zu blicken. Die Bärte waren rasiert dargestellt, die Haare geschnitten, so daß es schien, der Fleiß des Künstlers hätte die Art der Rugianer in der Pflege der Haare nachgeahmt. In der Rechten hielt die Figur ein Trinkhorn, aus verschiedenen Metallen gebildet, das der Priester jährlich neu zu füllen gewohnt war, um aus der Beschaffenheit der Flüssigkeit die Ernte des kommenden Jahres zu weissagen. Der linke Arm bildete, in die Seite gestemmt, einen Bogen. Der Rock war so beschaffen, daß er an die Schenkel reichte, die aus verschiedenem Holz geformt und mit dem Kniegelenk verbunden waren, daß man den Ort der Verbindung nur bei genauem Hinsehen erkennen konnte. Die Füße berührten den Boden, ihre Basis war in der Erde verborgen. Nicht weit davon hingen Zaum und Sattel und andere Herrschaftszeichen der Gottheit; seine Bewunderungs-würdigkeit vermehrte ein Schwert von ungeheurer Größe, dessen Scheide und Griff, abgesehen von dem sehr schönen Treibwerk, das silberne Äußere auszeichnete.´

Svantowitstein in der Pfarrkirche Altenkirchen

Der Archäologe Zdenék Váňa deutet den Namen Svantovit als heiliger Herrscher, oder auch als der Sieger. Damit sieht der den Namen als eine Verbindnung der beiden Worte svet, heilig oder mächtig, und vit, das in zahlreichen slawischen Personennamen in der Bedeutung von Herr, Herrscher, oder Sieger vorkommt. Das charakteristische Merkmal der Statue, deren Vierköpfigkeit sieht er als Verweis auf den erhabenen Status Svantovits. Der Blick in alle vier Himmelsrichtungen deutet nicht nur die Macht über die Erde an, sondern auch dessen Macht über den gesamten Kosmos. Neben dem Schwert, das ihn auch als Kriegsgott ausweist, war das weiße Pferd sein Hauptattribut. Im Heiligtum stand es stets bereit zum Ausritt. Zuweilen soll es auch Nachts, obwohl es dort angebunden war, mit Schweiß bedeckt gewesen sein. Im Vergleich mit den europäischen Mythologien verweist auch hier das Pferd auch auf eine solare Bedeutung des Gottes hin. Der Name heiliger Herrscher führt zum Name des Ortes Arkona. Seinen Ursprung sieht der deutsche Slawist Heinrich Kunstmann im griechischen Wort Archon, was ebenfalls Herrscher bedeutet.

Arkona , Ausrichtung- Aufstieg Orion zur Wintersonnenwende im 9. Jahrhundert

Über die Ursprünge des Kultes gibt es ur wenige detaillierte Studien wie die des Slawisten Ignác Jan Hanuš. Hanuš veröffentlichte 1842 unter dem Titel `Die Wissenschaft des Slawischen Mythos´ eine umfangreiche Studie, in der er zahlreiche Parallelen zwischen der slawischen Mythologie und der in den Veden beschriebenen indischen Mythologie aufzeigte. Dort ist Prajapati der Herr der Geschöpfe, das erste aller Wesen. Prajapati schuf aus eigener Kraft unzählige Kinder, darunter auch Ushas, die Göttin der Morgenröte. Er ist das männliche Weltprinzip, das sich mit Vac, der Göttin der Sprache und dem weiblichen Prinzip, paart.

Prajapati

In seiner Rolle als erstes aller Wessen ist er auch der Schöpfergott des Kosmos und wird so auch Vishvakarman genannt. In der Vorstellungen der indischen Mytholgie zeigt sich Prajapati am Himmel in der Gestalt des Orion. Auch Svantovits Mythologische Gestalt gleicht den antiken Vorstellungen des mythischen Jägers und scheint auch im Svantovitstein von Altenkirchen durch. Am besten verkörperte er diese Vorstellungen bei seinem Aufstieg über den Osthorizont am Abend der Wintersonnenwende im 9. Jahrhundert. Auf diesen Punkt am Horizont zielte auch das Heiligtum.

Bilder: Wikipedia, Der vierköpfige Svantovit als künstlerische Nachbildung am Kap Arkona, Lapplaender / Phantasievolle Darstellung des Saxo Grammaticus, Louis Moe (1857–1945), 1898, Louis Moe / Svantowitstein in der Pfarrkirche Altenkirchen, Lebrac / Simulation, Stellarium

Rosslyn Chapel und der Green Man

Green Man – Dore Abbey

Der Mythos des Green Man führte seit dem 2. Jahrhundert zu einem häufig verwendeten Bildmotiv. Als erste verwendete es wohl römische Bildhauer bei Masken, die eine Misch- ung aus vegetativer Struktur und menschlichem Antlitz darstellten. Sie verwiesen damit auf die Verbindung zwischen der Natur und Gottheiten wie Dionysus , Silvanus, Pan oder Bacchus. Unter diesen Gottheiten ihnen entwickelte sich Dionysus im Laufe der Zeit zum beliebten Gott Bacchus, der für Ausgelassenheit, Freude, aber auch Tod und Wieder-geburt stand. Das frühe Christentum adaptierte die Symbolik der Dionysischen Mythos. Sie vermischte sich mit der keltischen Vorstellung vom Kopf als Sitz der Seele. Wohl aus diesem Grund tauchten erste Bilder des Green Man auch erstmals in irischen Hand- schriften auf, wie dem aufwendig gestalteten `Book oft Kelts`.Trotz der wachsenden Kirchenmacht während des Mittelalters, ist die Blütezeit der Green Man Darstellungen in der Zeit zwischen dem 11. und dem 15, Jahrhundert . In diesem Zeitraum entstanden in zahlreichen Kirchen und öffentlichen Gebäuden seine Bildnisse. Dabei waren sie stets eingebunden in florale Dekoration. Unter dem Einfluss muslimischer Handwerker, die im Laufe der ersten Kreuzzüge nach Europa kamen, wurden diese Motive zunehmend aufwendiger dargestellt. In vielen dieser Reliefs quellen Attribute der Natur aus dem Mund des Green Man. Sie sollten zeigen, dass was er sagt und denkt im Einklang mit den Ge- setzen der Natur steht. Deshalb ist auch die Maskendarstellung insgesamt in grüner Farbe gehalten. Neben dieser Reminiszenz an die paganen Kulte existieren aber auch groteske Varianten des Green Man mit erigierendem Glied, die den abschreckende Charakter ungezügelter Sexualität darstellen sollten. Die Neuübersetzung griechisch-römischer Mythen während der Renaissance machten dann das Motiv allgemein salonfähig. Die floralen Masken wurden wieder zu dem, was sie darstellten sollten: Bilder der alten Vege- tationsgötter.

Green Man,  Rosslyn Chapel

Einer der Kirchen, die in erster Linie durch Dan Browns `Da Vinci Code berühmt wurde, ist Rosslyn Chapel bei Edinburgh. in der dem Apostel Matthias und der Maria geweihten Kirche ist das Green Man Motiv fast 100 mal zu sehen ist. Doch die Kirche bereitet Forschern auf Grund ihrer zahlreichen symbolischen Zeichen seit Jahrhunderten Kopf- zerbrechen. Einer der Gründe sind auch die Reliefs von Maiskolben und Kakteen, die zum Entstehungszeitpunkt der Kirche, als dem Jahr 1456, in Europa noch gar nicht bekannt sein konnten. Die rätselhafte Symbolik von Rosslyn Chapel ist wohl auch Ursache mehrerer Gerüchte die berichten, dass in der Kirche ein wichtiges Relikt des Christen- tums verborgen wird. Die Rede ist von den vermissten Schriftrollen von Salomons Tempel oder gar der Kopfrelique von Johannes dem Täufer. Sie soll während der Kreuzzüge aus Jerusalem in die Kapelle gebracht worden sein. Die Kirche wurde von einem Mitglied der angesehenen Familie der Sinclairs erbaut, der auch Verbindungen zu dem 1312 auf- gelösten Orden der Templer nachgesagt werden. Vorbild für die überlängte Form des Grundrisses soll der Tempel des Herodes gewesen sein. Das Bauwerk ist auf vierzehn Säulen errichtet, wobei am östlichen Ende die vierzehnte Säule mit drei weiteren eine Arkade zwischen dem Kirchenschiff und der Lady Chapel bilden.

Rosslyn Chapel

Die drei Säulen im Chor des Kirchenschiffes sind jedoch besondere Säulen und tragen auch alle einen Namen: Master Pillar, Journeyman Pillar und der Apprentice Pillar. Unter den Säulen ist jedoch der Apprentice Pillar am bekanntesten. Diese Säule, auch Prentice Pillar genannt, erhielt ihren Namen aufgrund einer Legende. Sie erzählt von einem Meister der seinem Gehilfen nicht zugetraut habe, dass der die komplizierten Reliefs erschaffen könne, ohne die Originalvorlage dazu zu sehen. Der Meister soll daraufhin nach Rom ge- reist sein um das Original selbst zu sehen. Bei seiner Rückkehr hatte der Gehilfe jedoch die Säule schon in meisterhafter Form bearbeitet. Das rief den Zorn des Meisters hervor, der dann den Gehilfen voller Neid mit einem Hammer erschlug. Zur Strafe wurde das Gesicht des Meisters in die gegenüberliegende Ecke gemeißelt, auf dass er in alle Ewigkeit auf die geniale Arbeit seines Gehilfen schauen muss. Hier sieht der Freimaurer Henning Kolvekorn aber eindeutige Hinweise, dass die Säule sich direkt auf den Mythos von Yggdrasil bezieht, den Lebensbaum der germanischen und nordischen Mythologie.

Rossly Chapel – Orion,Osiris / Letztsicht am Morgen des Rosenkranzfestes

Dass jedoch die Legende jenes mythischen Green, die Erinnerung an den alten Frucht-barkeitsgott, auch die Proportion des Gebäudes beeinflusst hatte, zeigt ein Verglich mit dem Sternbild Orion. Nicht nur seine vier hellsten Sterne begrenzen das Bauwerk, auch die ab dem Mittelalter als Jakobs Himmelsleiter bezeichneten Gürtelsterne des Orion liegen dort,  wo sich der Altar von Rosslyn Chapel die Weihehandlung der Wandlung vollzog. Orion in der Gestalt des Green Man wäre auch eine Erklärung für die Legende seines Todes und der Wiedergeburt, ähnlich des ägyptischen Osiris. Auf diese Weise findet sich hier eine Fülle von symbolischen Bezügen zueinander, die ebenso keltische, christliche, jüdische, aber eben auch Verweise auf ägyptische Mythologie enthalten.

Osiris, Grab des Nefertari), 1295-1253 BC

Bilder: Wikipedia/ This wood carving of a „foliate head“ type is on the Renaissance screen at Dore Abbey., SiGarb /Osiris, ruler of the underworld and of rebirth and regeneration, was typically shown with a green face. (Tomb of Nefertari), 1295-1253 BC / Scottland, Roslyn Chapel , Sabine Perry /Green Man Rosslyn Chapel. British Heritage/ Simulation Stellarium

Bornholm, Insel des Bonavede – Teil 2

Bornholm, Schrägluftbild

Die Insel Bornholm entstand während der letzten Eiszeit, als sich durch die Gletscher-schmelze im westlichen teil der Ostsee ein Flussdelta herausbilde und abfließendes Wasser größere Sandmengen aufschwemmte. Nach dem Schmelzen der Gletscher breitete sich eine Tundralandschaft aus, die den dort üblichen Tierbestand aufwies. Un- gefähr um 8000. v. Chr. zogen erste Jägergruppen auf die Insel. Zahlreiche Siedlungs-plätze aus dieser Zeit wurden bis heute gefunden. Wie in Süd- und Mitteleuropa ver- drängten Ackerbauern um 6000 v. Chr. die Jägerclans und errichteten in der Folgezeit zahlreiche Hünen- und Ganggräber. Mehr Relikte gibt es jedoch aus der Bronzezeit ab 1700 v. Chr. Aus dieser Epoche sind zahlreiche Steinkisten, Steinkreise und Schiffs-setzungen, Bautasteine oder Runensteine bekannt. Relikte aus der Bronzezeit sind jedoch auf der Insel Bornholm weitaus häufiger anzutreffen als in allen vergleichbar großen Regionen Dänemarks. Dieser fruchtbaren Epoche folgte die Eisenzeit, aus der auch der sagenumwobene Bornholmer Goldschatz stammt der im kulturhistorischen Museum von Rönne zu besichtigen ist.

Guldgubber aus Sorte Muld auf Bornholm, 6. Jahrhundert n. Chr.

Über die Entstehung  des Inselnamens herrscht Uneinigkeit. Allein der erste Teil `born´ deutet auf den mittelhochdeutschen Begriff für Quelle, `born´. Tatsächlich entspringen auf der Insel auch zahlreiche Quellen. Eine andere Überlegung zielt auf die Zusammen-ziehung gleich dreier Wörter: `Borg under holmen´, also die Burg auf der Insel. Aber auch die Interpretation `Bur-gun-al ru- ma´, das Wasserburgland wäre hier möglich. An der von Rönne nach Aakirkeby führenden Straße liegt der Rispebjerg, auf dem heute noch die Reste eines Walls zu sehen sind. Eine Sage berichtet hier, dass der Berg einst von Riesen und Zwergen bewohnt wurde. Eine andere Bornholmer Sage erzählt auch von einem Riesen mit dem Namen Bonavede. Er soll einst Stammvater der Inselbewohner ge- wesen sein. Sein Vater war von Beruf Bauer, ein `Bonde´, während seine Mutter eine `Vaette´, eine Meerjungfrau gewesen sein soll. Verbindet man beide Namen zu Bonde-vaetta oder bondevede, so gleicht der Name dann dem ähnlich klingenden Wort bonavede, das gutmütig oder schlau bedeutet. Laut der Sage war der Riese dies auch, denn er konnte sehen was andere nicht sehen konnten. Kamen die Unterirdischen einmal ans Tageslicht, um ihm einen Streich zu spielen, kannte er diesen bereits. Deshalb wusste er auch, dass ihn die Berggeister eines Tages töten wollten und nahm den Becher mit Gift an. Doch dann ritt er mit dem Pferd davon und schenkte später den Pokal der Pederskirche in Aakirkeby, wo er heute noch sehen ist.

Peders Kirche Bornholm

Größere Ansiedlungen gab es seit früher Zeit in Rönne, einer der ersten Hafenstädte und im Zentrum, wo die Hauptburg Bornbolms lag, die Gamleborg. Die Reste der Gamleborg liegen versteckt im Waldgebiet bei Almindingen. Sie war die erste große Burganlage auf der Insel. In der Zeit der Völkerwanderung diente sie um 750 dann auch als Zufluchtsort der Bevölkerung vor Überfällen. in der Wikingerzeit. Ab dem 8. Jahrhundert war die Burg Hauptfestung der Insel und zugleich Sitz des Königs. Aus dieser Epoche des Wandels vom heidnischem zum christlichem Glauben stammen auch zahlreiche Amulette. Sie wurden mehrheitlich in Gräbern von Frauen gefunden und stehen unter Umständen mit Fruchtbarkeitsriten und Eheweihungen in Verbindung. Unter den gefundenen Zeichen befindet sich auch der bereits vorgestellte Hammer Thors, Möljnir.

Thors`Hammer´, das Amulett

Bereits die sprachliche Interpretation auf den Runen von Thors Hammer lenkt nach Auf- fassung von Lis Imer, Kuratorin am dänischen Nationalmuseum, das Verständnis von Thors Hammer in die falsche Richtung. Sie versteht H M A R x I S als eine fehlerhafte Schreibweise von hamar is, `Hammer ist´, wobei das x ein Worttrenner ist. Da das R übergroß erscheint, sieht sie die Runenfolge im Kontext des Wortes raiðo, was die Ausfahrt bedeutet. Diese Ausfahrt lässt sich nun auch mit dem Bild des schlauen Riesen Bonavede in Verbindung bringen. Einer, der dieses Bild in der Eisenzeit ausfüllte ist der mythische Riese Orion. Zur Wintersonnenwende erschien er zu seiner wichtigsten Aus- fahrt. An diesem Abend erschien er zu dieser Zeit kurz nach Sonnenuntergang am Ost- horizont. Er könnte aber auch der Grund für die Legende des Bonavede, dem Stammvater der Bornholmer gewesen sein, denn seine Geometrie spiegelt sich in der Insel wieder. Während des Frühjahrsäquinkotiums stand Orion/Thor am Abend im Südwesten zum letzten Mal so am Horizont, dass er mit der Geometrie der Insel übereinstimmte. Auch die wichtigsten Städte der Insel liegen so verteilt, dass sie dann mit den Positionen seiner hellsten Sterne übereinstimmen.

Bornholm und der Riese

Bilder: Wikipedia / Bornholm, Schrägluftbild, Andreas Faessler / Hestestenene an der Küste westlich von Gudhjem, Hans-Peter Balfan / Guldgubber aus Sorte Muld auf Bornholm, 6. Jahrhundert n. Chr., Martin Stoltze / Simulation, sunearthtools, stellarium

Der Riese des Untersberges

König Artur kämpft gegen einen Riesen

Legenden und Sagen sind voll von Erzählungen über Riesen. Sie werden als gewalttätige Naturgeister, Wetterriesen oder auch als übergroße wilde Männer, wie der Riese Rübe- zahl dargestellt. In vielerlei Erzählungen werfen sie mit Felsblöcken um sich, oder hinter-ließen in felsigen Landschaften ihre Fußabdrücke. Als archetypische Figur verkörperte der Riese ein ungebändigtes Triebwesen, das mit seiner Gier zerstörerisch wirkt und erst durch die Götter gebändigt werden musste.

Der heilige Christophorus. Rechter Teil des Flügelaltars –  Die Perle von Brabant

Einer der Riesen, die das Leben der Gläubigen bis zur Neuzeit begleitete, war der heilige Christophorus. Prägend für die Entstehung seiner Legende ist die Schrift Legenda Aurea des Jacobus de Voragine die zwischen 1263 und 1273 geschrieben wurde. Sie berichtet von frühesten Ereignissen seiner Verehrung durch die Weihe einer Kirche im Jahr 454 in Chalkedon – dem heutigen Stadtteil Kadiköy in Ístanbul. Der Ort wurde nicht ohne Grund gewählt, fand doch hier 3 Jahre zuvor eines der wichtigsten Konzile statt. In Chalkedon entstand die Lehre der Chalcedonense, der bis heute gültigen christologischen Lehrgrundlage der orthodoxen, katholischen, anglikanischen und der protestantischen Kirche. Die Legende des Christophorus erzählt von einem Riesen der ursprünglich Reprobus, der Verworfene genannt wurde und aus Kanaan stammte. Einst wollte er dem mächtigsten aller Herrscher dienen. Deshalb wurde er zunächst Knecht des Königs. Da er dort immer wieder den Namen des Teufels hörte, glaubte Reprobus endlich den wahren Herrscher gefunden zu haben dem er dienen müsste. Als der eines Tages vor einem Kreuz floh, wusste er, dass noch einen mächtigeren Herrscher gab. So gelangte er zu einem Einsiedler der ihm den Weg wies. An einem Fluss baute er eine Hütte und brachte Reisende auf seinen Schultern über den Fluss. Eines Tages kam ein Kind. Mitten im Fluss wurde es immer schwerer und Reprobus tauchte unter. Dabei wurde er getauft und erhielt den Namen Christophorus, der Christusträger. Am anderen Ufer erkannte er endlich den, den er immer gesucht hatte.

St Georg Hohensalzburg,Christophorus Relief, Blick zum Gaisberg (Aufstieg des Orion)

Auch in der Kirche auf der Festung Hohensalzburg hat der Heilige einen Platz ge- funden, denn dort ist ein überlebensgroßes Relief des Christophorus zu finden. Aber auch im dortigen Kloster St Peter wird noch ein Kunstwerk auf bewahrt das der heilige Thiemo, Erzbischof von Salzburg geschaffen hat. Es ist die aus Elfenbein geschnitzte Figur des Christusträgers. Nicht nur die ersten Beschreibungen des hundsköpfigen Reprobus, auch sein ungestümes Wesen und vor allem das Motiv des Kindes auf der Schulter des Riesen, erinnern an die Legende des Riesen Orion. Nachdem Orion auf der Insel Chios, Merope, die Tochter des Oinopion, verführt hatte, wurde er geblendet. Orion befragte das Orakel was er tun solle um wieder sehend zu werden. Es rät ihm gegen Sonnenaufgang zu gehen. So folgt er blind den Hammer-schlägen der Kyklopen und gelangt so nach Lemnos in die Schmiede des Hephaistos. Dort erbittet er einen Führer der ihn zu Helios bringen soll. Der Gott des Feuers gibt ihm Kedalion, einen seiner jungen Schmiedelehrlinge als Führer mit. Orion setzt ihn auf seine Schulter, und mit ihm durchwatet er das Meer. Hier erlangt er im Licht der aufgehenden Sonne sein Augenlicht wieder.

Orion und Kedalion

Östlich vom erwähnten Stift St Peter liegt Aigen und der Gaisberg. In dieser Gegend beginnt die Legende eines weiteren Riesen lebendig zu werden, der Abfalter vom Untersberg. Von ihm berichtet die Erzählung, dass Abfalter am Fuße des Gais- berges einst einer Riesenjungfrau begegnet sei, welche vom Abersee kommend, Steine in der Schürze trug. Die wollte sie benutzen um auf ihnen als Trittsteine über die Salzach zu schreiten. Doch ihre Schürze hatte ein Loch, weshalb sie die Steine unterwegs bei Plainfeld verlor. Der kräftige Abfalter soll sie dann aber über die Salzach getragen haben. Doch fortan führte er ein ruheloses Leben und wartete auf die Sonne, um die Jungfrau wieder sehen zu können. Auch Abfalter soll wie andere Riesen mit großen Steinen geworfen haben die er auf dem Untersberg sammelte. Von seinen Würfen sollen mehrere große Felsbrocken stammen, die heute in der Nähe zahlreicher Kirchen rund um den Untersberg noch zu sehen sind. Sein Lager, so die Legende, hatte der Abfalter aber in einer Felsspalte auf dem Berg. Wie die Legende den Gaisberg und den Untersberg auf geschickte Weise verband, zeigt das Sternbild des Orion, des wilden Jägers, der jeden Tag mit seinen beiden Jagdhunden über den Horizont aufsteigt. Um 1600, also dem Zeitraum der ersten schriftlichen Fassung der Abfaltersage innerhalb der Erzählung des Lazarus, stieg Orion am Gedenktag des heiligen Christophorus über dem östlich von Salzburg gelegenen Gaisberg auf. Viel später ging er dann über dem Untersberg wieder unter, wo auch das Lager Abfalters vermutet wurde. Der Name Abfalter entwickelte sich aus dem althochdeutschen affrolta, der Apfelbaum. Hier schwingt noch die keltische Bedeutung des Apfels mit, der einst vor 7000 Jahren von Zentralasien nach Mitteleuropa kam. In der keltischen Mythologie galt der Apfel als ein Symbol der Weisheit und des Wissens. Ihm wurde die Kraft zugeschrieben, ewige Jugend zu verleihen und den Tod zu überwinden. Mit dieser Weisheit verbindet der Abfalter bis heute zwei energetisch bedeutsame Berge.

Abfalter / Orion, der Gaisberg und der Untersberg

Wikipedia / König Arthus bekämpft einen Riesen (Kupferstich von Walter Crane)/ Der heilige Christophorus. Rechter Teil des Flügelaltars Die Perle von Brabant Meister der Perle von Brabant, (1467–1468), Dierick Bouts / St Georg Hohensalzburg,Andrew Bossi, Wikimedia, CC BY-SA 2.5 / Landscape with Orion or Blind Orion Searching for the Rising Sun, Metropolitan Museum of Ar /Simulation Stellarium

Die Schlacht am Himmel

Konstantin der GroßeKopf der Kolossalstatue Konstantins des Großen Kapitolinische Museen

Im Jahr 311 war Konstantin neben Galerius, Maxentius und Licinus einer der Kaiser der römischen Tetrachie. Doch Maxentius wehrte sich gegen die durch die Tetrachie eingeschränkten Erbansprüche. Nachdem Galerius 311 plötzlich verstarb und Konstantin durch die anderen Tetrachen anerkannt wurde, war eine Konfrontation unvermeidlich. Im Frühjahr 312 marschierte Konstantin von Trier aus nach Italien. Doch inzwischen war der in Rom residierende Maxentius auf den Angriff gut vorbereitet. In der Zwischenzeit hatte er mehrere Städte in Norditalien befestigen lassen und neue Truppen aufgestellt, so dass er über eine Heerestärke von 100.000 Mann verfügte. Da er wegen der Sicherung der Rheingrenzen nur ein Viertel seines Heeres entbehren konnte, war Konstantin schon zu Beginn des Feldzuges zahlenmäßig unterlegen.

Mit 40.000 Mann zog er schließlich gegen Rom. Mit seinem Heer errang er bereits in Oberitalien mehrere Siege und war somit für die entscheidende Schlacht bestens vorbereitet. Maxentius der bereits zwei Angriffe auf Rom überstanden hatte wollte Konstantin außerhalb der Mauern Roms stellen. In seinem Schlachtplan spielte dabei die Milvinische Brücke eine wichtige Rolle. Zum Schwein sollte den Truppen Konstantins der Durchbruch ermöglicht werden, um über die inzwischen durch eine Holzkonstruktion ersetzte Brücke auf die Stadt vorrücken zu können. Im entscheidenden Augenblick sollte diese dann in Brand gesteckt werden und Konstantins Truppen in der Falle sitzen.

Konstantin Vision

Konstantins Vision, Raffael Santi um 1520

Über den Vorabend der Schlacht berichtet der Bischof und Kirchenschriftsteller Eusebius von Caesarea Vita Constantini von einer Vision des Kaisers. Während ihm Christus erschien, soll Konstantin im Traum ein leuchtendes Kreuz am Himmel gesehen haben. Mit dem Spruch `In diesem Zeichen wirst du siegen´ befahl er es ihm gegen seine Feinde einzusetzen. Noch in der Nacht, so die Erzählung, sollen die Feldzeichen und Embleme auf den Schildern der Soldaten gegen das Christusmonogramm ausgetauscht worden sein. Dieses Zeichen wird als Mischung der beiden Buchstaben Chi und Rho gedeutet, den ersten beiden Buchstaben des Namens Christus. In der späteren Zeit änderte sich die Interpretation des Symbols und wurde nun als Kurzform des lateinischen Pax, der Frieden oder auch als Pax Christi gesehen.

ChristusmonogrammSteintafel mit Christusmonogramm Chi-Rho ☧, Calixtus-Katakombe, Rom

Doch die Brücke und der Tag der Schlacht am 28. Oktober 312 haben aber auch noch einen ganz anderen Zusammenhang. Es war ein himmlisches Bild das das den Untergang des alten römischen Reiches nicht deutlicher hätte zum Ausdruck bringen können. Kurz vor Sonnenaufgang stand der himmlische Riese Orion, in dem sich der Gott Serapis/Osiris verkörperte, von der Milivinischen Brücke aus betrachtet im Südwesten am Himmel. Vor ihm kippte der Stier hinter den Horizont. In diesem Moment , kurz vor Sonnenaufgang, sah alles sah danach aus als ob Orion ihm noch vor dem Erscheinen der Sonne letzten und entscheidenden Todesstoß versetzen würde. Dieser tödliche Stoß richtete sich aber nicht allein gegen den Stier, sondern zielte direkt auf das Herz des römischen Selbstverständnisses. Da der Stier das heilige Tier der Venus war, der Stammmutter der Römer, war mit dem Tod des Stieres auch ihr Ende besiegelt.

Milvinische Brücke 01iPieter Lastman, die Schlacht bei der Milvischen Brücke, 1613

Rom bestand bereits seit viereinhalb Jahrhunderten, als man dort den ersten offizielle Venustempel errichtete. Im Jahre 295 v. Chr. wurde er der Göttin Venus obsequens, der erhörenden Venus geweiht. Während der kritischen militärischen Lage im 2 Punischen Krieg ließ Fabius Maximus 217 v. Chr. einen weiteren der Venus geweihten Tempel errichten. Als ein überaus glühender Verehrer der Venus erwies sich Pompeius im 1. Jahrhundert v. Chr. Das durch ihn errichtete erste steinerne Theater Roms war mit einem Tempel der Venus Victrix, der siegreichen Venus, verbunden. Innerhalb der römischen Mythologie wurde Venus zur Mutter des aus Troya geflüchteten Aeneas schließlich zur Ahnherrin der Römer erhoben. Dieses Sicht nutzte Cäsar politisch aus und sah seine Familie als direkte Nachfahren aus der Verbindung der Venus mit einem Irdischen. Im 2. Jahrhundert wurde der Kultes unter Kaiser Hadrian noch einmal erneuert. Einer der unter ihm errichteten Tempel war der Venus Felix und Roma Aeterna geweiht. Er wurde in der Spätantike wieder hergestellt und zur prächtigsten Kirche im spätantiken Rom umgebaut. Die aufgeh- enden Sonne ließ den Stier, das Symbol der Venus dann endgültig verblassen und machte das neue Zeichen von Konstantins Armee zum Sieger.

Milvinische Brücke OrionLetztsicht des Orion vor der Schlacht

Doch dieses Zeichen ist doppeldeutig, denn es ist mit Christus ebenso verbunden wie mit dem himmlischen Riesen Orion. Werden seine hellsten Sterne verbunden, ergeben sie die Form dies Chi, während die Linie der drei Gürtelsterne die Basis des Rho ergibt. Mit ihm zielt Orion seiner Kopf des untergehenden Stieres. Rho steht im griechischen Alphabet an 17. Stelle, was eine weitere symbolische Deutung ermöglicht, denn die Zahl verbindet die 10, das Sinnbild des Alten Testamentes und die 7 des Neuen. Auch der Buchstabe selbst, von dem Sokrates sagte dass er die Bewegung verkörperte, unterstützt die himmlische Geste des Orion, den Stier über den Horizont hinabzustoßen. Alle Vermutungen ber den Ort der Schlacht zum Trotz lässt sich das Ereignis im Verlauf dr Brücke erkennen. Eine Senkrechte zur damaligen Visurrichtung des Sternes `Beteigeuze, die Schulter des Riesen´, bildet die Ausrichtung der Brücke. Viele Gemeinsamkeiten verbinden Serapis/Osiris und so dürfte auch Serapis, dessen Kult sich größter Beliebtheit erfreute, an diesem Tag der eigentliche Sieger gewesen sein und war gleichzeitig Geburtshelfer der neuen Religion.

Milivinische Brücke 2Milivinische Brücke Rom

Bilder:Bilder: Wikipedia, Kopf der Kolossalstatue Konstantins des Großen Kapitolinische Museen, Rom, Jean-Pol GRANDMONT / Konstantins Vision, Raffael Santi um 1520 / Steintafel mit Christusmonogramm Chi-Rho ☧, Calixtus-Katakombe, Rom,Dnalor 01 / Milvinische Brücke, Anthony Majanlahti , Pieter Lastman, die Schlacht bei der Milvischen Brücke, 1613 Rabax63, Konstatin, Jean-Pol GRANDMONT , Simulatation Stellarium