Die Collage der Venus

Ansichten der Figurine von allen vier Seiten, Foro Bjørn Christian Tørrissen

Mehre Funde prähistorischer Figuren, die in unterschiedlichen Abstraktionsgraden Frauenkörper mit üppigen Büsten darstellen, werden als Venus-Figuren bezeichnet. Ob- wohl hinter der Bezeichnung ein völlig anderes Schönheitsideal steht, hielt sich diese Bezeichnung bis heute. Die Überbetonung des weiblichen Geschlechts in diesen Venus-Figuren nährte auch die Theorien eines prähistorischen Matriarchats, das erst durch eine patriarchale Herrschaftsform während des Neolithikums abgelöst worden sein soll. Die üppigen Formen dieser Venus-Figuren werden hier mit in erster Linie mit dem Aspekt der Fruchtbarkeit in Verbindung gebracht. Sie beinhaltet die Fähigkeit Nachkommen zu zeugen, die für de verstreut lebenden Gemeinschaften der Eiszeitjäger überlebensnotwendig war. Zugleich war die Betonung der Fruchtbarkeit auch ein Sinn- bild der Natur. Die heute meist idealisierenden Vorstellungen von einem frühgeschicht-lichen Matriarcht verstellen aber den Blick auf die Lebensumstände von Urgesell-schaften, wie sie noch bei indigen Stämmen im Amazonasbecken zu beobachten sind. Dort ist die Rolle der Frau zwiespältig, denn in der Rangfolge steht sie hinter den Männern, was sich auch in der Tötung weiblicher Säuglinge zeigt. Dies erfolgt, obwohl stets ein Frauen- mangel herrscht, was dann zu einem Frauenraub bei benachbarten Stämmen führt. Somit herrscht stets eine Konkurrenz unter Männern im Werben um vorhandene Frauen. Der Kampf um die Fruchtbarkeit für eigene Nachkommen, wie die Abhängigkeit von fruchtbarer Natur, könnten die Gründe für eine Überbetonung weib- licher Merkmale bei prähistorischer Figuren gewesen sein.

Paläolithische Figur, Venus vom Hohlefels (Mammutelefenbein), Foto Foto Ramessos

Trotz den meist gravierenden Abweichungen vom Ideal griechisch-römischer Vorbilder, werden die Figuren mit dem Namen der Liebesgöttin bezeichnet. Auch die als Venus vom Hohle Fels bezeichnete Figur passt in die Reihe von weiblichen Darstellungen mit überbetonten Körpermerkmalen. In zahlreiche Einzelteile zerfallen, konnte sie aus einer Schicht, 3 m unterhalb der Erdoberfläche geborgen werden, die auf einen Zeitraum zwischen 33.000 und 38.000 BC datiert wird. Das wuchtige Aussehen der Figur täuscht eine Größe vor, die sie gar nicht besitzt. Die 33,3 Gramm schwere Figur ist nur 5,97 cm hoch und 3,45 cm breit. Ohne Kopf, aber mit einer Öse am schräg gestellten Ober- körper sowie mit den rudimentär dargestellten Beinen passt die Plastik nur bedingt in das Schema der naturnah dargestellten Frauenfiguren.

Venus als Collage, eigen / Venus, Foto Claus Rudolph, Urgeschichtliches Museum

Auch die dünnen Beine sowie die Gestaltung der Brüste erwecken eher den Eindruck, dass die Figur, gleich einer Collage, aus mehreren Bildvorstellungen zusammengesetzt wurde: So etwa mit der Formung der Brüste, die an Eicheln erinnern, welche zu dieser Zeit als Nahrung und Nährstofflieferant von Proteinen in den geschützten Flusstälern gesammelt werden konnetn. Während die Eichel mit ihrer Symbolik der Fruchtbarkeit auf den Reichtum der Natur verweist, zeigt der Gesamtkörper der Venus eine auf- fallende Ähnlichkeit mit der Gestalt eines gebratenen Singvogels. Die Collage aus Vogelkörper und Eicheln könnte auf mehrere Beweggründe zurückzuführen sein. Ein Vogel, der auch in der Antike eine mythische Bedeutung hatte, war der Stieglitz. In Griechenland wurde er Akalanthis genannt und gleichzeitig war dies auch einer der Bei- namen der Jagd- und Waldgöttin Artemis. Als Tier der Artemis stand der Vogel für Aspekte wie Ausdauer, Fruchtbarkeit und Beharrlichkeit. Diese Symbolik wurde später auch in der christlichen Bildsprache adaptiert, wo sie in zahlreichen Marienbildern zu sehen ist. Aber auch das Bild des Zugvogels könnte ein Beweggrund für die Collage des Venuskörpes gedient haben. So sind doch Zugvögel verlässliche Zeitgeber und mit ihrem Auftauchen lässt sich auch die weitere Entwicklung des Klimas und damit die Fruchtbarkeit der Natur abschätzen. Der Vogelflug verweist aber auch auf die spirituelle Verbindung mit einer anderen Anderswelt, der Welt der verstorbenen und deren Seelen. Eine dieser Vorstellungen vom Vogel und seine Verbindung in eine Anderswelt lebt bis heute in de gestalt des Paradiesvogels weiter. Eichel und Vogel erklären aber noch den Kopflosen Körper der Venus. Erst das Bild des Sternbildes Orion erklärt die Schiefe, sowie die Proportion der Figur und durch ihn erhält die Collage der Venus  auch jenen Ausdruck universeller Fruchtbarkeit. Orion, der in vielen Kulturen ganz unterschiedlich gesehen wird, könnte hier als eine Art von Amulett gedient haben, und mit Hlfe der öse  bequem getragen werden.

Venus-Orion, Aufstieg Orion am Abend de WSW um 40000BC, Stellarium

 

Bilder: Ansichten der Figurine von allen vier Seiten, Foro Bjørn Christian Tørrissen – Own work, by uploader, https://bjornfree.com/travel/galleries/ CC BY-SA 4.0 / Paleolithic figure Venus of Hohlefels (of mammooth ivory), Foto Ramessos, CC BY-SA 3.0/ Venus als Collage, eigen / Venus, Foto Claus Rudolph, Urgeschichtliches Museum Blaubeuren (urmu)/ Venus-Orion, Aufstieg Orion am Abend de WSW um 40000BC, Stellarium

 

Die Insel des Cernunnos

Bardsey Island, von Braich y Pwll, Lleyn Peninsula, Foto Martin Connoll

Die Insel Bardsey wird im Wallisischen auch Ynys Enlli, die Insel de Gezeiten genannt. Während der Christianisierung hat die Insel wohl auch wegen ihre Vorgeschichte den Namen Insel der 20000 Heiligen erhalten. Die Insel, die seit dem frühen Neolithikum bewohnt war, wandelte sich bereits in den Anfängen des Christentums zu einem heilig- en Ort, als der heilige Cadfan dort im Jahr 516 das Kloster St, Marys errichten ließ. Durch dessen Bedeutung entwickelte sich die Insel Bardsey während des Mittelalters zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte im Norden, der der Bedeutung Roms gleich- kam. In dieser Zeit entwickelte sich auch die Vorstellung, dass dies der heilige Ort für die Bestattung der Tapfersten und Besten des Landes sei und zugleich wurde die Insel als ein Ort der Ablässe, der Absolution und Vergebung angesehen. Sie sollten Gläub- igen einen Weg zum Himmel bieten und zugleich Tor zum Paradies sein.

Die Kapelle und das Kapellenhaus bei der Ruine von St, Marys, Foto David Medcalf

Die Bardsey zugeschriebene Zahl der 20000 verweist zum einen, auf ein ureuropäisch- es Zählsystem, das Vigesimalsystems und zugleich auf das biblische Symbolik der Zahl 20. Sie taucht an mehreren Stellen des Alten Testaments auf, wo sie immer mit einer Zeit des Wartens verknüpft ist. Beispiele sind: 20 Jahre lang wartete Jakob. – 1.Mose 31,38, 20 Jahre lang wartete die Bundeslade in Kir-jat-Jearim. – 1.Sam 7,2.oder 20 Jahre wartete Jerusalem zwischen seiner Einnahme und Zerstörung. Mit der Ver- dopplung der Zahl 10, verweist die 20 auch auf die 10 Gebote , dem Sinnbild einer vollständigen Gesetzgebung. Die Symbolik des Wartens kann hier auch als Verweis auf das Erwarten der Erlösung in einer anderen Welt gesehen werden. Als Grund- lage biblischer Symbolik dienten aber meist astronomische Bilder und Ereignisse. Auch hier verweist die Zahl 20 auf ein Schauspiel am Himmel, die Große Kon- junktion. Sie stellt die größt mögliche Annäherung der beiden Planeten Jupiter und Saturn dar, die durchschnittlich alle 20 Jahre erfolgt. Dieses biblische Zeit des Wartens erinnerte damit an die Zeit der Erwartung, bis zur Annäherung der zwei großen Planet- engottheiten. In einer Vorstellungswelt, in der Naturerscheinungen, wie Landschaften und Flüsse als Gottheiten wahrgenommen wurden, passte auch de Form der Insel ideal zum Prinzip eines analogen Aufbaus des Kosmos. So deckt sich hier das Bild der Landschaft mit dem himmlischen Bild einer der wichtigsten Gottheiten, die seit der Früh- geschichte die Mythologie vieler Kulturen prägte.

Bardsey und Orion (Cernunnos), seitenrichtig am Abend des 1. Mai, (2.Jhd.BC),

So wie Orion in der La Tene Zeit am Abend des 1. Mai, dem Beginn des Sommers,  am Himmel zu sehen war, deckte sich seine Struktur mit der Geometrie der Insel, Dabei führt der Gürtel des Orion, auch Himmelsleiter genannt, geradewegs zum Gipfel des Mynydd Enilii. Die Lage des Fußsternes Riegel lag dann so, dass von diesem Punkt aus, über dem Gipfel der Sonnenaufgang am 1 Februar zu sehen war. Orion war auch Teil der keltischen Mytho-logie, wo er mit dem gehörnten Gott Cernunnos identifiziert wird. Als Gott der Natur und der Fruchtbarkeit war er zugleich auch Herrscher der Unterwelt. Damit entsprach er sowohl dem griechischen Gott Dionysos, als auch dem ägyptischen Gott Osiris. Der hatte sich im Laufe seiner Geschichte vom Fruchtbarkeits- gott zum Herrscher des Totenreiches gewandelt.

Gehörnter Gott /  Schamane, sitzenden, auf dem Kessel von Gundestrup , Foto Malene

Die Darstellung des gehörnten Gottes scheint über mehrere Jahrtausende hinweg gleich geblieben zu sein. So gab es bereits in den Felsritzung im italienischen Val Camorica Darstellungen eines gehörnten Gottes, mit erhobenen Armen, Torques und Schlangen in en Händen. Diese, im 6. Jtsd. Entstanden Bilder glichen bereits der Darstellung auf dem berühmten Kessel von Gundestrup, der aus der La Tene Zeit stammt. In Europa war diese Vorstellung eines gehörnten Gottes weit verbreitet und so führt seine Spur bis nach Indien, wo er in seinem Wesen auch dem hinudistischen Gott Shiva entspricht. Cernunnos selbst, wie auch die Geweihsymbolik des Hirsches, wurd- en vom Christen ebenso adaptiert, wie andere Symbole des paganen Glaubens. Die Gestalt des Hirsches wurde zum Sinnbild von Jesus, während Cernnunos sich in seinen teuflischen Gegenspieler verwandelte. Eine über Jahrtausende gewachsene Vorstell- ungswelt, die den Naturzyklen entsprach, wurde so zerstört. Die Bedeutung des Cernunnos bietet damit auch eine Erklärung für die Umwidmung der Insel in einen Wallfahrtsort inmitten des Meeres. Auf die unendliche Weite des Wasser weist hier auch wieder die Zahl 20 hin, denn sie entspricht dem 5. platonischen Körper dem Ikosaeder. In der Antike verkörperte er das Element Wasser das Wasser. das im alten Volksglauben immer wieder eine Grenze zwischen den Lebenden und den Toten bildet. So findet man auch In den Mythologien vielen Kulturen Jenseitsorte oft in einem Unterwasserreich, auf einer Insel, der Toteninsel, oder auf der anderen Seite des (Lebens-)Flusses.

Bilder: Wikipedia / Bardsey Island Taken from Braich y Pwll – at the end of the Lleyn Peninsula Foto Martin Connoll, CC BY-SA 2.0 / The Chapel and Chapel house Near the ruins of St Mary’s Abbey., Foto David Medcalf, CC BY-SA 2.0 /Gehörnter Gott oder Schamane in sitzender Position auf dem Kessel von Gundestrup , Foto Malene eigen. Bardsey und Orion, seitenrichtig am Abend des 1. Mai, (1.Jhd.BC), Stellarium opentopomap

Die Jungfrau und ihr Mädlesfels

Der Mädlesfels, Sonnenuntergang über Eningen und Pfullingen, Fotot Dariusbenfoto

Mädlesfels, Talsicht, Foto: Klaus Hermann

Metlinstein wird der spätere Mädlesfels erstmals im Jahr 1521 in einer Urkunde erwähnt. Zum Mädlesfels wird er durch die Sage von einem Nachtfräulein, einer Jung- frau , die auf dem Fels mit Nadeln einen Schal strickte. Doch die Ruhe auf dem Fels wurde durch heftiges Hundegebell durchbrochen, Voller Angst erblickte das Nachtfräulein einen Jäger auf einem Pferd mit einer bellenden Hundemeute auf sich zustürmen. Um sich zu retten sprang sie vom Fels und als der Jäger ebenfalls zum Sprung über das Tal ansetzte erreichte stürzte er durch das beherzte Eingreifen der Urschel und wurde samt dem Pferd am Fels zerschmettert. Auf wundersame Weise wurde aber das Nachfräulein gerettet und entschwand.

Urschels Gesicht, Pfullinger Sagenweg

Der Fels ist tatsächlich ein besonders geformter Ort. Nicht nur die beiden Risalite lassen ihn symmetrisch erscheinen, auch seine Ausrichtung weist exakt auf den Sonnenunter- gang zur Sommersonnenwende. Wie wie an anderen Orten, so führen auch hier astro-nomische Sichtungen zum Motiv der alten Sage. So ist das Bild des einsamen Mädchens noch im alten Brauchtum der Sommersonnenwende erkennbar. Sie war einst auch ein wichtiger Orakeltag für noch Unverheiratete. Ein geflochtener Kranz rückwärts in einen Baum geworfen, sollte einer Jungfrau zeigen, wie viele Jahre sie noch unverheiratet blieb. Auch das Motiv des Sprunges führt zum alten Brauchtum, denn am wenig später folgenden Johannitag wurden die Johannifeuer entzündet und ein Sprung durch solch ein Feuer sollte das ganze Jahr vor Schmerzen bewahren. All dies erklärt aber noch nicht den wilden Jäger au dem Pferd und die ihn begleitenden bellenden Hunde, die vom Übersberg kommend, dem Nachtfräulein den Weg versperrten. Für dieses wilde Schauspiel bietet nun der Himmel eine plausible Erklärung, die die Sage vom Mädlesfels mit dem weitaus bekanntere Epos aus Sumer verbindet, dem Gilga-mesch-Epos. Nach der Weihnachtszeit, also der Zeit der Rauhnächte, zog im früheren Volksglauben ein wildes Heer mit Hexen , Zaubern und einem Jäger über das Land. Eine Menge Ratschläge gab es zu diese Zeit, um sich vor diesem Heer zu schützen. Betrachtet man nun den Himmel zur Zeit der Sagenentstehung, so tauchte der wilde himmlische Jäger vom Mädlesfels aus betrachtet, genau dort auf, wo es die Sage schildert: über dem Übersberg stieg er um die Weihnachtszeit, kurz nach Sonnenunter-gang mit seinem Gefolge auf. Zwei Hunde und das Einhorn begleiten ihn dabei. Genau dort war wenige Stunden zuvor noch das Sternbild der Jungfrau zu sehen. Der wilde Jäger, der sich bereits im Sumerischen Epos in die Himmelskönigin Ischtar verliebt hatte, begann in der nun anbrechenden Nacht auch die Jungfrau wieder zu verfolgen. Die Nacht bot dazu ja beste Voraussetzungen und so war es unabdingbar, dass die Urschel als guter Geist hier eingreifen, musste um die Jungfrau vor ihrem Verfolger zu schützen. In wenigen Stunden sollte die Jungfrau ja in Gestalt des Sternbildes wieder über dem Horizont aufsteigen.

Mädelsfelsen, Sommesinnenwende und der `wilde Jäger´Oron

Vor dem Hintergrund der Sternkonstellation gewinnt die fantastisch anmutende Er- zählung durchaus realistische Züge und zeigt gleichzeitig, wie variantenreich das sumerische Epos vom himmlischen Jäger, der einer Jungfrau nachstellt, in der Folgezeit abgewandelt wurde. Wenngleich das Schauspiel mit der Jungfrau und dem Jäger den Name Mädlesfels nahelegt, weist doch der ursprüngliche Name in eine ganz andere Richtung.So deutet der erste Teil des ursprünglichen Namens Met noch auf das mittelhochdeutsche Wort mēte, das wie die lateinische Entsprechung mētīrī, messen oder auch abmessen bedeutet. Um mit der Beobachtung der Sonnenwenden das Jahr zu vermessen, ist der darauf ausgerichtet Fels ja geradezu ideal. Für jemand der im bäuerlichen Kalender aber andere Daten benötigte, sind zwei Punkte im Tal von Bedeutung. So sieht man vom Hakenbühl aus den Sonnenaufgang am 15. Februar, dem Tag an dem heute noch das Pflugverbot auf dem Feld endet. Doch der viel wichtigere Tag, an dem einst das Bauernjahr begann, ist an der Mündung von Arbach und Fallbach zu sehen. Dort wo sich an Mariä Lichtmess Sonne und Wasser verbinden, ist dann der Sonnenaufgang über dem Fels zu sehen. Insofern bot der Fels für unterschiedliche Zwecke jeweils einen geschickten Visierpunkt um die Zeit zu messen. Das Wissen darüber ging längst verloren und nur in der schaurigen Sage ist dieses Geheimnis noch zu erkennen.

Bilder: Wikipedia/ Der Mädlesfels wie er im Sonnenuntergang über Eningen und Pfullingen wacht Dariusbenfoto , Wikipedia Commons, 4.0 international“ / Mädlesfels Talsicht,www.morgenspatziergang.wordpress.com / Klaus Hermann/ Simmulation, stellarium suneathtools, googlemap

Merlin und die `Isle of Glass´

Bardsey from Braich y Pwll, Foto Kevin Davies

3 Kilometer von der Landsitze von Uwchmynydd die wie ein Finger aiuf das meer weist . Liegt die Felseninsel Bardsey. bevor dort der heilige Cadfan,im Jahr 516 ein Kloster errichtete,wurde sie bereits als heilige Stätte verehrt. Über viele Jahrhunderte hinweg galt Bardsey als `der heilige Platz des Begräbnisses für die Mutigsten und Besten im Land´. Die fahrenden Sänger die Barden des Mittelalters, nannten die Insel auch `das Land des Ablass, der Absolution und Vergebung, die Straße zum Himmel und das Tor zum Paradies´. Auf Grund seiner Bedeutung Bardseys wurde eine Pilgerreise auf die Insel den Pilgerfahrten nach Rom gleichgestellt. Darüber hinaus verklärten zahlreiche, ab dem frühen Mittelalter aufgezeichnete Legenden, die Insel zu einen mystischen Ort. Durch ein Ende der 90-er Jahre erschienenes Buch der Autoren Barber & Pykitt ge- wann eine dieser Erzählungen in jüngster Zeit wieder an Aktualität .In dem Buch identifizieren Bardsey als das eigentliche Avalon, jenem mythischen Land, in dem Artus nach der Schlacht von Camlann seine Wunden ausheilen ließ.

Der Tod König Arthurs mit der Barke zur Überfahrt nach Avalon, James Archer,1860

Wie über die Lage Avalons, gibt es auch über den Ort dieser letzten Schlacht des mythischen Königs nur Vermutungen. Erst im 11.Jhd. gibt es in den Annales Cambriae einem Vermerk, in dem die Schlacht auf das Jahr 537 datiert wird. Zur gleichen Zeit schreibt auch der Geistliche und Geschichtsschreiber Geoffrey von Monmouth in seiner Historia Regum Britanniae, über die Schlacht und verortet sie bei Camelford in Corn- wall. Avalon, dessen Name sich aus dem Kymrischen Wort `abal´, der Apfel bildete, wird auch die Apfelinsel genannt. Auf dieser Insel des ewigen Glücks soll laut den Erzählungen, die Heilerin Morgan le Fay zusammen mit ihrem Halbbruder geheilt und gepflegt haben. Morgan, auch Morgaine genannt, war die Tochter von Artus Mutter und ihrem ersten Mann Gorlois, dem Herzog von Cornwall.

Morgan le Fay, Anthony Frederick Sandys, 1864

In einer weiteren Legende wird Bardsey auch mit der `Isle of Glass´ in Verbindung ge- bracht, jenem legendären Glas-schloss, in dem der Zauberer Merlin lebte.Die ur- sprüngliche Erzählung war jedoch noch nicht mit dem Artus Mythos verknüpft und schilderte noch das Leben eines einsamen, schamengleichen Zauberers in der Wildnis. Auf Grund seiner Eigenschaften, der Heil- und Orkakelkunde gleicht er der keltischer Druiden, die eingeweiht waren, in die Geheimnisse der Natur. Erst in der Prosa des 15. Jhd`s wird Merlin zu jenem magischen Zauberer dessen Bild in der Literatur immer wieder erscheint. Er wird hier auch als ein Hüter eines Königreiches geschildert, das er selbst mit geschaffen hat. Doch seine Existenz ist in ein Mysterium gehüllt Dies zeigt auch sein Rückzugsort, das mehrere wallisische Legenden als das Glashaus auf Bardsey. beschrieben Dies soll er dort für seine geliebte Viviane, die Herrin der See erbaut haben, um dort mit ihr zu leben.

Merlin und seine Geliebte, Idylls of the King

Laut einer Erzählung befindet sich auf der Felseninsel auch sei Grab. So fantasievoll jenes unsichtbare Glashaus beschrieben wird, um so ärmlicher sieht aber die verwitterte Grotte, Merlins vermutetes Grab aus. Merlin ist eine Gestalt, die an der Schwelle zur neuen Epoche des Christentums lebt und vom neuen Glaube wird auch der Rest der einstigen keltischen Tradition adaptiert. Ein Ursprung des Namens Merlin wird in den Worten Mori, oder Maridunum gesehen, was übersetzt `die Meerburg´ bedeutet. Für die Felsennsel und Ort der Spiritualität wäre dies ein durchaus zutreffender Name. Be- trachtet man aber den Sternenhimmel jener Zeit, der ja seit dem sumerischen Gilgamesch Epos als Ursprung zahlreicher weiterer Mythen gesehen werden kann, so weist er auf einen anderen Mythos.Blickte man im 6. Jhd. vom Aussichtspunkt des Mynydd Bychestyn in Richtung der Insel der 20000 Heiligen, so sah man dort den Stern Sirus über Bardsey untergehen. Er verkörperte im ägyptischen Isis/ Osiris Mythos die Göttin Isis.Isis galt als Göttin der Liebe, der Fruchtbarkeit, des Meeres und der Sonne, wie auch als Schutzherrin der Magie und Heilung.

Bardsey, Samhain undOrion/Osiris

Auf Grund ihrer vielfältigen Rollen besaß die Göttin auch zahllose Beinamen, so dass ihr die Griechen auch den Namen Myrionýmos gaben, was übersetzt bedeutet `die mit 100000 Namen´. Neben dem Isis/ Osiriskult, der sich im gesamten römischen Imperium verbreitete, deutet die irisch-schottische Legende der Scotaauf eine weitere Verbindung des Landes ins alte Ägypten hin. Laut der Erzählung war Scota eine Tochter des Pharaos Nectanebus Gattin des Míl Espáne und deren Söhne sollen später Irland besiedelt haben. Osiris/ Orion wurde im alten Ägypten als Totengott verehrt. Er hatte den Tod überwunden hatte und lebte im Jenseits als Herrscher der Totenreiches weiter.Beide Bilder sind auch mit Bardsey verbunden. So ist der Sonnenuntergang zur Wintesonnen-wende vom bereits beschrieben Aussichtspunkt zu sehen und wenn im 6. Jhd., am Morgen nach Samhain Orion zum letzten Mal zu sehen war,deckte sich dessen Position mit der Inselform. Die See war dann im übertragenen Sinn das Haus aus Glas. Ähnliche Bezeichnungen und Bilder deuten hier an, dass in der Legende von Merlin und Viviane wohl der Isis/ OsirisMythos weiterlebte und so die Fantasie der Menschen weiter beflügelte.

Bilder: Wikipedia / Bardsey from Braich y Pwll, Foto Kevin Davies, Wiki CC BY-SA 2.0 / Der Tod König Arthurs mit der Barke zur Überfahrt nach Avalon, James Archer,1860Morgan le Fay, Anthony Frederick Sandys, 1864./ Frederick Sandys – Art Renewal Center / Merlin und seine Geliebte, Idylls of the King / Simulation, sunearthtools, stellarium,opentopomap

Das Heiligtum von Skellig Michael

Skellig Michael, Foto User:Gdr

Vor der Küste im Südwesten Irlands liegt ungefähr 12 Kilometer vom Dorf Portmagee entfernt die steil aufragende Felsinsel, Skellig Michael. Bereits in frühen Aufzeichnung- en taucht sie als fester Bestandteil der irischen Gründungslegenden auf. Eine dieser Legenden stammt aus der Zeit des 3. Jhd`s. n. Chr und erzählt, dass sich hier Daire Domhain, der König der Welt, auf eine Schlacht gegen die Riesen der Fianna – Armee vorbereitete. Domhain war ein Enkel des mythischen Conaire Mór, der als erster Hoch- könig Irland regiert haben soll. Er war das Kind der zauberkräftigen Mes Buachalla, die ihn nach einem Beischlaf mit einem Unbekannten in Vogelgestalt empfangen hatte. Im Irischen bedeutet der Name fian eine Kriegerschar, die im Sagenkreis des Finnzyklus eine Gruppe von freien Männern darstellte, die die Freiheit Irands verteidigten. Eine zweite Sage berichtet von der zweiten Landname Irlands durch die vom Norden Spaniens kommenden Milesier, bei der der 3. Sohn des Königs Milesius ums Leben kam.

The Coming of the Sons of Miled“, illustration by J. C. Leyendecker

Milesius war der Sohn des gallischen Königs Breohgan und wurde von ihm nach Skythien geschickt, wo er eine skytische Prinzessin heiratete. Nachdem sie verstarb, gelangte er nach Ägypten, wo er alles über die Künste, die Wissenschaft und die Schriften erfuhr. Dort blieb er einige Jahre und heiratete Sscotia, die Tochter des Pharaos. Mit ihr zeugte er die Söhne Heremon, Ir und Heber. Bei der Landnahme Irlands, die auf die Zeit um 1700 v. Chr. datiert ist, kommandierte ir eines der Schiffe der Flotte, doch ein Sturm trennte das Schiff von den anderen und es zerschellte an den Klippen von Skellig Michael. Dort wurde er dann auch begraben. In der Literatur wird der Name Skellig meist als `Fels im Meer´ interpretiert, ein Bild das sicher auch den Intentionen der Mönche entsprach, durch ein einsames Leben auf dem Fels inmitten des Meeres Gott möglichst nahe zu sein.

Klosterfriedhof auf Skellig Michael, Foto Jibi44

Wie die beiden Sagen aber nahelegen, muss es aber noch andre Gründe gegeben haben, die die Mönche veranlassten auf die Felseninsel ziehen. Da Skellig Michael der Endpunkt einer Linie ist, die mit geringen Abweichungen mehrere Michaelsheilgtümer verbindet, könnte der Ort bereits in der Frühgeschuchte Teil einer Reihe von bedeut- enden Kultorten gewesen sein. Eine weitere wichtige Verbindung besteht aber auch zwischen de Felseninsel und dem Mount Bolus an der Südwestspitze der irischen Küste. Das Wort Bol bedeutet in der indogermanischen Sprache Klumpen, also eine treffende Beschreibung für die isoliert liegende Landschaftsform des Mount Bolus. Doch der Sonnenaufgang, der von Skellig Michael aus, am 11. April, über dem Mount Bolus beobachtet werden kann, deutet auf eine besondere Beziehung beider Orte hin.

Einsiedlerhäuser(Bienenkörbe) und Mount Bolus. Foto Towel401

Dieses Datum markierte im römischen Reich das Ende der Magna Mater Feiern,dem Urbild der Muttergöttinnen. Mit ihr vergleichbar ist das Bild der Cailleachs, die in der schottisch-Irischen Mythologie eine Dreiheit bildeten, die sich aus der Cailleach Beara, der Cailleach Bolus und der Cailleach Corca Duidbne zusammensetzte. Als Dreiheit standen sie einst mit ihren unterschiedlichen Rollen für den Kreislauf der Natur. Doch vom Mount Bolus aus betracht, bot auch die Felsenspitze von Skellig Michael einst einen wichtigen Visierpunkt. Über ihr ging am 15. Oktober die Sonne unter, an dem Tag an dem im antiken Rom das Ritual des Oktoberpferdes zu Ehren des Mars gefeiert wurde. Mit einer Zeitspanne von 23 Tagen nach dem Herbstäquinoktium, erinnert die Feier aber auch an die Zeiteinteilung des einstigen megalithischen Kalenders.

Die Sonnenrichtungen von Sklellig Michael

Gemäß den Schriften des römischen Schriftstellers Sextus Pompeius handelte es sich bei diesem Fest um ein Ritual `für den Ausgang der Ernte. Am Ende des obligatorischen Pferderrennens wurde dann das beste Pferd geopfert und dessen blutender Kopf zum Herd der Vestalinnen gebracht. Damit knüpfte dieses Opferritual an die Verehrung von Pferdegottheiten an, die ab dem 20. Jhd.v. Chr. in Kleinasien fassbar sind. Diese Ver- ehrung setzte sich fort über die gallisch-römische Pferdegöttin Epona bis zum Mythos der irisch-wallisischen Göttin Rhiannon. Über sie wird berichtet, dass sie auf einem weißen Pferd, so schnell wie der Wind, über das Land ritt. Dabei wurde sie von Zaubervögeln begleitet, die Tote aufwecken und Lebende in einen 7 jährigen Schlaf versinken lassen konnten.Rhiannon wurde ebenso die Fähigkeit zugeschrieben, die Seelen Verstorbener in die Anderswelt zu tragen und ihnen dort zu helfen sich in ihren Dasein zurecht zu finden. Wie Rhiannon, hatte aber auch Michael am Beginn seiner Verehrung eine ganz ähnliche Rolle, in der er noch als Seelenbegleiter und Heiler gesehen wurde. War diese Verbindung am 15. Oktober entscheidend, so könnte Skellig Michael tatsächlich eine Toteninsel gewesen sein, auf die die Sage der Milesier hinweist. Damit bekäme auch der Name Skellig eine ganz andere Bedeutung. denn skellig könnte auch aus der Verbindung des griechischen Wortes skeletos und dem keltischen lica,dem Stein entstanden sein. War sie einst die steinerne Toteninsel, dann hat der Name Saint Michael hier durchaus seine Berechtigung. Auch das dem Orion/Òsiris gleichende frühe Bild des Michael als Heiler und Totenbegleiter fand auf Skellig Michael eine Entsprechung, denn während des Frühlingsäquinoktiums um 600 .Chr. ,tauchte Orion so am Südhimmel auf, dass sein Körper der Inselform entsprach.

Frühlingsäquinoktium und Skeilig Michael als `Körper´ des und Orion

Fotos: Wikipedia/ Skellig Michael, Foto User:Gdr,CC BY-SA 3.0 / The Coming of the Sons of Miled“, illustration by J. C. Leyendecker in T. W. Rolleston’s Myths & Legends of the Celtic Race, 1911 / Klosterfriedhof auf Skellig Michael, Foto Jibi44, Simmulation, opentopomap,stellarium, sunaerthtools

Göbekli Tepe – Portasar 01

Gesamtansicht des Grabungsfelds mit den Anlagen A–D, 2011,Foto Teomancimit

Der prähistorische Fundort Göbekli Tepe liegt knapp 15 Kilometer nordöstlich der Stadt Sanliurfa, in der nach den Erzählungen des Alten Testaments auch islamischeTradition der Patriarch Abraham geboren wurde. Göbekli Tepe, das am höchsten Punkt des einer in südöstlicher Richtung verlaufenden Bergkamms von Germus liegt und entspricht mit der Verteilung der vier Fundorte der Geometrie einer Raute. In der kurdischen Sprache bedeutet der wird der Ort auch `bauchiger Hügel´ beeichnet, was die kahle, abge- rundete Landschaftsform treffend charakterisiert. Doch der Autor Freddy Silva hat in seinem Buch `The Missing Land, von dem ein Auszug im Online Magazin Ancient Origins erschien, noch weitere Namen entdeckt. Sie beschreiben seiner Auffassung zu- folge die einst dort praktizierte Götterverehrung viel treffender. So lautet der armenische und damit wesentlich ältere Name dagegen Portasar. Er gliedert sich in die Silben `port´ und `asar´. Mit `port´ kann der Nabel oder auch die Nabelschnur identifiziert werd- en. Diese Begriffe könnten nach Silvas Meinung auch an das Epizentum, dem Kultort, der längst vergangen Welt von Gölbeki Tepe stehen.

Blick vom Göbekli Tepe in die Harran-Ebene Vordergrund Anlage E mit zisternenartigen Vertiefungen, Foto Klaus-Peter Simon

Dass die besondere Situation Göbekli Tepes nicht allein von der Sichtbarkeit auf dem Höhenzug bestimmt wurde zeigt die Lage auf dem Breitenkreis von 37.2230 N, denn der hat eine Länge von 31905 km verhält sich bis auf einen geringen Fehler zur Länge des Äquators wie 70 zu 88. Die Silben `asar´ weisen aber noch auf eine weitere Spur des Namens, denn der ägyptische Gott Osiris trug mehrere Namen wie Wesir, Ausar, Ausir oder eben auch Asar. Damit wäre Göbekli Tepe auch eine der Kultstätten in denen Osriris / Orion verehrt wurde. Was aber spricht für Silvas Theorie? Die Tierdarstell- ungen selbst geben darüber noch keinen Aufschluss. Auffallend an den vier Fundorten ist die Rautenform und sie offenbart bereits ein geometrisches Verständnis, das eine Zeichenhaftigkeit des Ortes nahelegt.

Orion und Göbekli Tepe zur Wintersonnenwende um 8000 v. Chr. (Orion am Südhorizont)

Diese Raute setzt sich aus zwei Dreiecken zusammen, die je einen Winkel von 56 und 67 Grad einschließen. Heute haben diese Zahlen ihre Bedeutung verloren, doch werden sie vor dem Hintergrund des antiken Tetraktysystems betrachtet, offenbaren sie ihre Zeichhaftigkeit. Mit 5 oder auch 6 Elementen (Punkt und Strecke) lassen sich sowohl ein Kreis, wie auch dessen Achsenkreuz darstellen. Auch die Zahl 67 weist wieder auf die Tetraktys, denn sie offenbart sich ebenfalls im Achsenkreuz und als Umkehrzahl im Hexagramm. Alle Zahlen als Gesamtsumme addiert, ergeben dann die Zahl 24, die Anzahl der Stunden eines Tages. Allein durch Zahlen entsteht aber keine Figur, denn für sie ist ein bildhafter Gedanke notwendig. Betrachtet man hier das Sternbild Orion. Eine bestimmende Richtung für Göbekli Tepe ist die Sommersonnen- wende bei der die Sonne im südwestlichen Punkt des Höhenzuges untergeht. Um 9000 v. Chr. wurde kurz nach Sonnenuntergang, im Süden das Sternbild Orion sichtbar.. Wird dieses Sternbild seitenrichtig auf die Raute projiziert, liegt dann der Schulterstern Bellatix auf dem südwestlichen Hügel und zwei weiter Sterne des Orion auf den Seiten der Raute. Mit Hilfe von Fluchtlinien,  die durch die Positionen der Sterne laufen, lassen sich so auch die Punkte der Raute bestimmen.

Orion, um 4000 v. Chr. , der himmlische Jäger

Damit würde die Geometrie Göbekli Tepes Silvas Vermutung bestätigen. Dieser optische Bezug des Orion zur Sommersonnenwende verschob sich bis um 7.Jahrtausend und bot dann am 1. August ein ähnliches Erscheinungsbild am Himmel. Vor diesem Hintergrund betrachtet, vermutet Silva wohl zurecht nicht nur einem Zusammenhang des alten Flurnamens mit Orion, sondern auch eine Verbindung zum Gizeh Plateau, das ebenfalls als Haus des Osiris bezeichnet wird. Dass beide Orte eine Verbindung unter- einander gehabt haben könnten zeigt ihre Entfernung 1080,3km. Bis auf eine Differenz von 2 Kilometern entspricht sie genau 13000 megalithischen Yards.

Alle Pyramiden von Gizeh auf einem Bild. Foto Ricardo Liberato

War das Gizeh Plateau, wie manche Autoren behaupten, bereits vor der Ersten Dynastie Ägyptens ein mythologisch bedeutender Ort, wäre dies eine Erklärung für den Bezug. Dass dieser Gedanke, Bauwerke durch die Wahl der Entfernung oder der Ausrichtung auf mythologisch bedeutsame Orte noch bis ins Mittelalter fortbestand, zeigt der der Dom in Worms. Seine Bauachse ist nach Südosten gerichtet, aber außerhalb des Sonnenpendelbogens. Im Mittelalter ermöglichte diese Ausrichtung in der Weihnachtszeit einen wandernden Lichtfleck am Rande des Hochaltars. Gleich einer göttlichen Erscheinung wies dieses Licht auf die Existenz Gottes im Allerheiligsten hin. Doch dies ist nur ein Aspekt, denn die Baulinie weist auch auf einen Ort der zur zu den Grundpfeilern der jüdisch christlichen Geschichte gehört, der Tempel Salomos auf dem Tempelberg in Jerusalem. Trotz der Bedeutung ist das streng geometrische Bild des Orion auf keiner der bislang kartierten 43 Stelen als Figur zu entdecken. Dort dominiert ein Vogel, der bisher Gegenstand zahlreicher Spekulationen ist.

Fotos: Wikipedia/ Gesamtansicht des Grabungsfelds mit den Anlagen A–D, Zustand 2011, Foto Teomancimit, CC BY-SA 3.0 / Blick vom Göbekli Tepe in die Harran-Ebene (Mesopotamien), im Vordergrund Anlage E mit zisternenartigen Vertiefungen, Foto Klaus-Peter Simon / Alle Pyramiden von Gizeh auf einem Bild. Foto Ricardo Liberato / Simulation, Karte,  stellarium

Die Eresburg, der Kultort der Sachsen

Irminsul gezeichnet nach alten Quellen, Marianne Klement-Speckner

Die Irminsul gilt als das eigentliche Heiligtum der Sachsen. Über mythische Säule und ihre Zerstörung durch Karl den Großen berichten die im Jahr 772 verfassten fränk-ischen Analenwerke. Obwohl in der Schrift der Standort nicht eindeutig beschrieben ist, gilt die einstige Eresburg, die auf der Fläche des heutigen Obermarsberg lag, als der Standort der Irminsul. Als gewaltige Säule soll sie dort, in der Nähe der Stiftkirche gestanden sein und hier die Verbindung zwischen Himmel und Erde verkörpert haben. Sie war nach dem Hauptgott Irmin benannt, dessen Name mit der `Erhabene´übersetzt werden kann. Er war der Sohn des Mannus, der als Stammvater der Hermionen be- trachtet wurde. Wie diese Säule genau aussah, wurde nicht überliefert. Dennoch haben die Beschreibungen über ihre Zerstörung unzählige Spekulationen ausgelöst.

Zerstörung der Irmansäule bei Paderborn, Rathaus Aachen, Alfred Rethel, CopiArte

So beschrieb sie im 1923 erschienen Handbuch der Germanischen Mythologie der Autor Wolfgang Golther mit folgenden Worten: `Tempel und zugleich Wald…Da wohnt die Gottheit und birgt ihr Bild in rauschenden Blättern der Zweige. … Nur Bäume hegten den Gott und über Bäumen stand er Himmel offen. …´ Vom kriegerischen Eindruck war das Bild geprägt das 1939 im Diemeltalboten veröffentlicht wurde, denn dort stand. “Dies Götzenbild war in Gestalt eines bewaffneten Mannes, der stund unter blauem Himmel im grünen Feld in den Blumen bis an den Leib, mit einem Schwert umgürtet.´ Die wesentlichen Mutmaßungen über das Aussehen der Säule bewegten sich jedoch zwischen einem mächtigen Baum und einer T-förmigen Säule, die mit Bildreliefs ge- schmückt war. Ähnliche Säulen sind in unterschiedlicher Gestalt aber auch aus anderen Kulturkreisen bekannt. So stellte der ägyptische Djed-Pfeiler, ein zylinderförmiges Ob- jekt mit vier aufgesetzten Scheiben, ein Ideogramm für die Dauer und die Beständigkeit dar. In Ägypten wurde ihm eine kultische Verwehrung zuteil und der `ehrwürdige Djed´ wurde während einer jährlichen Zeremonie immer wieder durch einen Priester und den Pharao neu errichtet. Der untermauerte damit die Beständigkeit seiner Herrschaft.

Djed-Pfeiler mit Schwingen

Djedpfeiler Errichtung

Durch die Verbindung zum Totengott Ptah und dem Fruchtbarkeitsgott Osiris wurde der Pfeiler auch in den Osiriskult mit übernommen. Als Urbaum ist er Teil der Erzählungen aus dem Isis/Osiris-Mythos. Dort soll aus dem bei Bylos angespülten Sarg des von seinem Bruder in 14 Teile zerhackten Osiris später der Urbaum der Zedern gewachsen sein. Ornamente auf kunstvoll gefertigten Djed Pfeiler deuten noch auf diesen Ursprung hin. Manchmal ist auch deren Spitze mit den Flügelschwingen der Isis umgeben und in dieser Gestalt gleichen sie dann einer verkleinerten Form der Irminsul. Im Laufe der Entwicklung wurde der Pfeiler dann im Neuen Reich als Wirbelsäule des Osiris ge- deutet. Auch im Hinduismus wird ein säulenähnliches Symbol verehrt. In stilisierter Form verkörpert einen Phallus und ist zugleich ein Zeichen des Gottes Shiva. Lange nach der Zerstörung der Säule schrieb der Mönch Rudolf von Fulda im Jahr 863 dazu in dem Werk `De miraculis sancti Alexandri´:`Sie verehrten auch unter freiem Himmel einen senkrecht aufgerichteten Baumstamm von nicht geringer Größe, den sie in ihrer Muttersprache ,Irminsul‘ nannten.´ Das Heiligtum muss ein hart umkämpfter Ort ge- wesen, denn erst im dritten Anlauf gelang es den Franken die Eresburg im Jahr 776 dauerhaft in ihre Hand zu bringen. Diese Besonderheit des Ortes ist auch heute noch spürbar, denn der geometrisch geformte Berg ragt deutlich über die Anhöhen entlang der Diemel heraus.

Obermarsberg, Luftbild (2013), Foto Teta,

Eine genauere Betrachtung dieser Geometrie offenbart hier die Form einer Raute, deren Mittellinie in das Herz Paderborns, zur Paderquelle zielt. Die Raute stellt ein altes Fruchtbarkeitszeichen dar und entspricht mit ihrer Geometrie in etwa der Rune ingwaz. Ganz ähnlich lautet auch der aus den nordischen Sagen überlieferte Name Ingwio, der wichtigsten Gottheit des Germanenstammes der Ingaevonen. Das Plateau der Eresburg weist aber noch eine weitere Besonderheit auf, denn der Taleinschnitt in nordwestliche Richtung weist auf den Sonnenaufgang am 1. August. Durch dieses Datum ist damit auch ein Zusammenhang mit dem Bauch erkennbar , den Thing an diesem Tag em Thing abzuhalten. In südöst-licher Richtung verlängert, stand die Mittellinie der Eres- burg mit dem Sternbild Orion, jenem, Riesen am Himmel und mythischen Städtegründer des Orients in Ver- bindung. Sie zielte einst am Abend des 15. Februar, kurz nach Sonnenuntergang seinen am Abendhimmel auftauchenden Schulterstern. Er markiert seinen erhobener Arm der scheinbar am Band der Milchstraße festgekettet erscheint. Zugleich entsprach die Anlage auch der Stellung des Orion am Südhimmel. Entsprach Irmin dem Orion/Osiris, so ist auch sein Vater Mannus, der Mondgott im Bild der Landschaft zu erkennen, denn nur auf der Höhe der Eresburg fließt die Diemel in Richtung der großen nördlichen Mondwende.

Ausrichtung der Eresburg

In der Landschaft oder einem Bauwerk ein Ebenbild des Himmels zu sehen, sind Merkmal, die aus der ägyptischen Kultur bekannt sind. Sie verliehen Kultstätten eben jenen überzeitlichen Charakter und damit wird auch klar, weshalb um diese Burg ein so erbitterter Kampf tobte. Sie war eine einzigartige Kultanlage, deren Ursprünge sicher noch viel weiter zurückreichen.

Nachbildung der Irminsul in Marsberg, Foto Wolfgang Poguntke 2

Bilder: Wikipedia/ Die aufgerichtete Irminsul gezeichnet nach der Beschreibung alter Quellen und angelehnt an die Darstellung eines geknickten Baumes im Kreuzabnahmerelief an den Externsteinen.Marianne Klement-Speckner, Steenkamp 17, 22607 Hamburg, / Aachener Rathaus, Krönungssaal. Historienmalerei von Alfred Rethel: „Zerstörung der Irmansäule bei Paderborn“,CopiArte / Obermarsberg, Luftbild (2013), Foto Teta, CC BY-SA 3.0 / Nachbildung der Irminsul in der Kirche Petrus und Paulus Obermarsberg, Foto Wolfgang Poguntke 2 / Djedpfeiler, eigen, Simulation sunerathtools, stellarium, opentopmap

 

Die Gräber der Könige

„Uppsalahovet“, the Uppsala hov, Carl Johan Billmark. Mitte 19. Jhd.

Noch im 17. Jahrhundert verbreiteten die alten Mythen des Nordens die Vorstellung, dass der Ort Gamla Uppsala als Wiege der Kulturen anzusehen ist. Diese Gedanken untermauerte der Universalgelehrte Olof Rudbeck einst mit der Behauptung, er hätte in unmittelbarer Nähe zu den drei, als Königshügel bezeichneten Hügeln, Spuren des untergegangen Atlantis entdeckt. Diese Vorstellungen existierten noch bis weit 19. Jahr- hundert hinein und selbst in dieser Zeit war es ein Brauch, dass jeder Politiker und jeder König auf Odins Hügel, dem östlichen der Dreiergruppe, auf das Großschwedische Reich anstieß. Diese drei in nordöstlicher Richtung aufgereihten Hügel werden auch als Königshügel, die Kungshögarna von Gamla Uppsala bezeichnet.

königliche Begräbnishügel in Gamla Uppsala, Schweden, Foto .Erik Frohne

Berühmt wurde der Ort Gamla-Uppsala durch eine Schrift des christlichen Geschichts-schreibers Adam von Bremen, der in seiner Geschichte der Hamburgischen Bischöfe, der Gesta Hamma-burgensis Ecclesiae Pontificum, über einem Golden Tempel in Uppsala. Dort , so Bremens Ausführungen, seien Thor, Odin und Freyr verehrt worden. Ganz in dessen Nähe sei auch ein immergrüner Baum an einer Quelle gestanden, an dem alle 9 Jahre ein großes Opferfest stattfand. Auffällig ist hier nicht nur die Analogie zum Weltenbaum der nordischen Mythologie, sondern auch zum Mondzyklus mit seiner Dauer von 18 Jahren. Zu diesem kultischem Fest wusste Bremen zu berichten, dass dann neun von jeder Art männlicher Lebewesen geopfert wurden, Darunter waren Hunde, Pferde und auch Menschen, die auf den, den Tempel umgebenden Bäumen aufgehängt wurden. Auch wenn eine Seuche drohte, oder auch bei einer Hungersnot, opferte man, so Bremen dem Standbild Thors. Jedoch bei Kriegen wurde das Opfer vor dem Standbild Odins und bei Hochzeiten vor dem des Frejr gefeiert. Niemandem war es erlaubt diesen Festen fernzubleiben. Wer sich in dieser Zeit bereits zum Christentum bekannt hatte, der war gezwungen sich von der Teilnahme an diesen Zeremonien freizukaufen.

„In Freyers Tempel bei Upsala“. Wägner, Wilhelm. 1882

Adam von Bremens Werk stellt zwar eines der bedeutendsten mittelalterlichen Geschichts- und Geographiewerke des nördlichen Europa dar, doch inzwischen zeigen jüngste Forschungen, dass Bremens Beschreibungen der Kulte in Uppsala in großen Teilen erdachten Fabeln gleichen. Die im Süden Schwedens gelegene Provinz Schonen wurde von ihm als die schönste Provinz Dänemarks bezeichnet. Vielleicht deshalb siedelte Bremen hier auch ein heidnisches Zaubervolk an, das so kräftige Sprüche kannte, mit deren Hilfe selbst die gewaltigsten Walfische an Land gelockt werden konnten. Auch in der Beschreibung von Landschaften, wie dem Baltischen Meer, ließ er sich Bremen mehr von der Fantasie leiten als von den tat- sächlichen Gegebenheiten. So leitete er den Namen von der Form eines Gürtels ab, der sich seiner Auffassung zufolge von den skythischen Ländern bis nach Griechenland erstreckte.

Besucher bei den Hügeln der Könige, Foto Bengt A Lundberg

Dies schmälerte jedoch alles nicht die sagenumwobene Aura der drei Hügel in Gamla Uppsala. Nachdem im Ost- und Westhügel Reste von Brandbestattungen aus dem 5. Jhd. n. Chr. gefunden wurden, gab es die Vermutung, in den drei Hügel seien Könige aus der Frühzeit Schwedens in zeitlicher Reihenfolge bestattet worden. So erhielt der mittlere der drei Hügel den Namen König Aun oder `Ane der Alte´ aus dem Ynglinga-Geschlecht der nordischen Mythologie. Der Osthügel bekam den Namen von König Auns Sohn Egil und der Westhügel den von König Egils Enkel Adil. Aun war einer der sagenumwoben Könige Schwedens der laut den Erzählungen in Uppsale 2 seiner Söhne opfern ließ und erst das Aufbegehren seiner Landsleute die Opferung des dritten Sohnes verhinderte. Da er hochbetagt im Greisenalter, ohne jegliches Siechtum starb, nannte man dieses Ableben fortan die Auns – Krankheit.

Ausrichtung auf den Sonnenaufgang am 23. April und die erste Sicht des Orion am Abend des 15. Februar, kurz nach Sonnenuntergang im Süden – seitenrichtige Über- einstimmung von Hügeln und Gürtelsternen des Orion

Die drei Hügel weisen jedoch neben den Brandbestattungen mehrere Aspekte auf die eine Verbindung zu mediterranen Mythologien darstellen. Einer ist die Fluchtrichtung ihrer Reihung, die auf den Sonnenaufgang am 23. April gerichtet ist, dem Datum, an dem im römischen Reich das erste Jupiterfest gefeiert wurde. Im Mittelalter wurde dieses Fest dann durch den beliebten Georgstag ersetzt. Dieses Datum entspricht auch dem Klimadiagramm, denn Ende April endet hier die nieder-schlagsarme Zeit auf und mit dem Wachstum der Pflanzen setzt der Regen wieder ein. Diesem Sonnenaufgang am 23. April steht auf der gegenüberliegenden Seite dann der Sonnenuntergang am 15. Februar gegenüber. Auch dieses Datum biete eine Verbindung zu römischen Mythologie, denn an diesem Tag wurde mit den Lupercalien das Frühlings- und zugleich das Stiftungsfest Roms gefeiert. Mit dieser Ausrichtung erweist sich das Ensemble der drei Hügel auch als eine ausgeklügelte Konstruktion, denn am 15. Februar war im 5. Jhd. n. Chr. Orion kurz nach Sonnen-untergang zum ersten Mal exakt im Süden, in aufrechter Haltung zu sehen. In dieser Haltung erweist sich dann das Ensemble der Hügel als ein Abbild jener drei Sterne, die in der christlichen Welt auch mit den Heiligen Drei Königen identifiziert wurden, den drei Gürtelsternen des Orion.

Bilder: Wikipedia / Panorama der königlichen Begräbnishügel in Gamla Uppsala, Schweden, Foto .Erik Frohne – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 / „Uppsalahovet“, the Uppsala hov, painted by Carl Johan Billmark. Carl Johan Billmark – From http://www.arild-hauge.com/arild-hauge/carl-johan-billmark-uppsalahovet.jpg,/“In Freyers Tempel bei Upsala“. Wägner, Wilhelm. 1882. Nordisch-germanische Götter und Helden. Otto Spamer, Leipzig & Berlin. Page 23. / Notera Av dokumentationsskäl har originalbeskrivningen från Riksantikvarieämbetet behållits. Foto Bengt A Lundberg / Riksantikvarieämbetet / Simulation, sunearttools, stellarium