Der Adorant vom Geißenklösterle

Der Adorant vom Geißenklösterle, Landesmuseum Württemberg, Foto Thilo Parg

In früheren Epochen unterlagen Bildwerke einem Proportionskanon. Er regelte das Ver- hältnis der Teile eines Kunstwerkes zum Gesamten.Die Frage der Proportion stellt sich auch bei einem Fund aus der Höhle Geißenklösterle, der von der Wissenschaft mangels anderer Idee als Adorant gesehen wird. Dieser Begriff leitet sich aus dem lat- einischen Wort adorare, anbeten und verehren ab. Figuren die in diese Gattung fallen haben in der Regel zum Himmel erhobene Hände, die eine Haltung der Anbetung dar- stellen. Zahlreiche dieser figürlichen Darstellungen gibt es von dem sumerischen Gott Abu aus Eschnunna. Bei ihnen wurde die Darstellung der Geste aber auf den Oberkörper mit erhoben Händen reduziert.

Abu, Un buste en provenance d’Adab. Foto Marie-Lan Nguyen et un auteur supplémentaire

Abu war einer der zahlreichen Kinder des sumerischen Gottes En-ki, dessen Name Herr der Erde bedeutet. Er war der oberste sumerische Schöpfergott und damit zugleich Herr des Ozeans, des Todes und des schöpferischen Geistes. Sein Sohn Abu war ein Schöpfungs- und Vegetationsgott, der aus seinem Schädel geboren wurde. Dies kann als Analogie zur im Frühling austreibenden Natur gesehen werden. Im Jahr 1970 wurde bei Grabungen in der Höhle eine Figur mit ähnlicher Geste gefunden Sie ist als Relief auf einem Elfenbeinplättchen zu erkennen, das auf seiner Rückseite 48 Markierungen in 4 Reihen. Besitzt. In einer Studie setzte sich der Astronom Rappenglück ausführlich mit dem Fund auseinander. Sein Schluss wird er von der Wissenschaft angezweifelt, auch unter dem Gesichtspunkt, dass die Kultur des Aurignacien zu solchen Komplexen Beo- bachtungen noch gar nicht fähig war. Rappenglück sieht in den Einkerbungen keine Liste gejagter Tiere, sondern eine wohl überlegte Reihe von Markierungen, die zur Kalender-führung dienten. Sie wurden in 4 Reihen zu 13, 10, 12 und 13 Kerben angebracht. Die Zählung kann so wahlweise zur Ermittlung unterschiedlicher Daten benutzt werden.

Adorant, Proportion

Ganz einfach stellt sich dies beim Zeitraum von Tag der Wintersonnenwende bis zum Frühlingsäquinoktium dar. Legt man bei der Zählung den von Alexander Thom entdeckten megalithischen Kalender mit Monaten zu 23 und 22 Tagen zugrunde, vermitteln die Reihen einen Sinn. So ergeben drei Monate zu 23 Tagen und einer mit 22 die Summe von 81 Tagen die es von der Wintersonnenwende bis zum Frühlingsäquinoktium dauert. Diesen Kalender hat Thom aus der Untersuchung zahlreicher Steinsetzungen in Großbritannien und Irland ermittelt und kam dabei auf eine Jahresteilung in 16 Monate. Auch die wird trotz Thoms umfang-reicher Nachweise von Wissenschaftlern angezweifelt. Das Niveau der Diskussionen liegt hier oft so tief wie die Fundlage selbst. Dies lässt sich auch am Aus- spruch eines Mus- eumsleiters ermessen, der das Ach- und Lonetal als Schlaraffenland für die Jagd bezeichnete.

Neustrelitzer Adorant, Foto Ruchhöft-Plau

Bei der Figur des `Adoranten´stellt sich aber ebenso die Frage, ob und in welchem Pro- portionsschema das Werk entstanden ist. Ein gemeinsames Vielfaches von Breit- und Längsseite ergibt sich hier tatsächlich durch die Teilung in 16 Teile in der Klänge und 6 Teile in der Breite, also ein Verhältnis von 8 zu 3. So folgt auch die Einteilung der Figur nahezu exakt diesen Teiler 16. Bei 10 Teilen in der Länge lässt sich dies ebenso ablesen, wie bei 5 Teilen. Zudem lassen sich die Ergebnisse dann auf entsprechende Tage im Jahr umrechnen. So entsprechen 10 Teile dem Zeitraum von der Wintersonnenwende bis etwa zum 4. August, dem Beginn der Ernte. Damit passen auch der erhobenen Hände als eine symbolische Geste für den Empfang der Gaben der Natur. Auch der abknickende Schenkel passt zum klimatischen Verlauf während des Jahres. Beginnend von der Winter-sonnenwende ist bei 5 Teilen dann der Zeitraum um den 4. Mai anzusetzen. In der kelt- ischen Welt wurde dieser Zeitpunkt dann als der Beginn der sommerlichen Halb- jahres betrachtet. Die Figur, die auf den ersten Blick den Charakter einer spontanen Gestaltung erweckt, folgt bei näherer Betrachtung doch einem Proportionskanon, für den die Zeit- einteilung eine Erklärung bietet. Die mögliche Wahl eines 16 teiligen Jahres-kalenders, der vom englischen Ingenieur Thom für die Megalithepoche postuliert wurde, würde zu einem Weltbild passen, das durch die Zahl vier bestimmt war. Vier Himmelsrichtungen bestimm- en den Raum und auf der Berechnung eines Viertelkreises des Erdumfanges beruhte das Maß zwischen Hohle Fels und Sirgensteinhöhle.

Letztsicht des Orion, kurz nach Sonnenuntergang, am 4. Mai, um 38.000 v Chr.

Wie es Rappenglück in seiner Studie beschrieb, stieg das Sternbild Orion zu dieser Zeit am Morgen des Frühlingsäquinoktiums über Horizont auf. Ebenso stand es im bereits erwähnten Zeitraum um den 4. Mai, am Morgen während seines Unterganges knapp über dem Horizont. Beide Male war das Sternbild also ein wichtiger Zeitmarker, der durch seine Gestalt am Himmel eine besondere Faszination ausübte. Damals stand Orion noch aufrecht und majestätisch am Himmel, etwa genau so, wie der Künstler der Elfenbein-schnitzer den Augenblick am Himmel auf der Platte verewigte.

Fotos: Wikipedia / Der Adorant vom Geißenklösterle, Mammutelfenbein, Landesmuseum Württemberg (Stuttgart), Thilo Parg – Abu, Un buste en provenance d’Adab. Foto Marie-Lan Nguyen et un auteur supplémentaire / Neustrelitzer Adorant, Foto Ruchhöft-Plau / Simulation, Stellarium

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Die Botschaft des Mammuts

Mammut Vogelherdhöhle neu, Foto Landesmuseum Stuttgart

Im 37. Jahrtausend v. Chr. reichten die Gletscher und Schneefelder noch bis zum Main. Während der letzten Kaltzeit bedeckten sie die Landmasse von Mitteleuropa bis hoch in den Norden fast 100000 Jahre lang. Die mittlere Jahrestemperatur sank in dieser Zeit um fast 8°. Ungefähr 5000 Jahre zuvor ereignete sich eine Katastrophe, die in Europa ver- heerende Schäden hinterließ. Die Katastrophe, die sich innerhalb von 10000 Jahren noch einmal wiederholen sollte, wurde durch die Explosion der Phelgräischen Felder bei Neapel hervorgerufen. Es war eine Vulkanexplosion der höchsten Kategorie und nach Schätz- ungen von Vulkanologen wurden dabei mindestens 150 km³ Tephra ausgestoßen. Andere Schätzung sprechen hier sogar von der doppelten Menge an Vulkanasche, die bei der Ex- plosion des Supervulkans freigesetzt wurden. Selbst im 1500km entfernten Rumänien wurden Ascheschichten identifiziert, die mit dem Ausbruch im Zusammenhang steh- en. Damit entspricht die Menge der stärksten, bisher dokumentierten Vulkanexplosion, des Tambora in Indonesien. Sie hatte im Jahr 1814 in Europa zum Jahr ohne Sommer und zu gewaltigen Missernten geführt.

Phlegräischen Felder, die Solfatara bei Pozzuoli, Foto Stanley-goodspeed

Querschnitt durch einen Supervulkan (Long Valley Caldera), Grafik Kilom691

Das in der Vogelherdhöhle gefundene Mammutfigur aus Elfenbein wird mittlerweile auf ein Alter von ungefähr 40.000 Jahre geschätzt. Zwischen dem einschneidenden Ereignis und der Entstehung dieses Eiszeitkunstwerkes liegt also eine Zeitspanne, in der die Erinner- ungen an die Katastrophe durchaus noch lebendig gewesen sein dürften. Über die einstige Bedeutung dieses Tieres gibt es noch Überlieferungen sibirischer Völker. In deren mytho-logischen Vorstellungen ist das Mammut immer noch präsent. Beim Volk der Uiguren wird das Mammut heute als eine Art Geist gesehen, der in Wasser-strudeln haust. Dort wo sein Platz vermutet wird, dürfen ein auch keine Pferde den Fluss überqueren. Sonst laufen sie Gefahr, dass dieser Geist sie in die Tiefe zieht. Bei den Ostjaken am Jenesei wird das Mammut als jor, als mythisches Tier gesehen, das unterirdisch lebt und eher die Gestalt einer Eidechse hat. Eher fassbar sind die Mythen des mit dem Mammut verwandten Elefanten. Ähnlich wie die Schildkröte in Nordamerika, in vielen asiatischen Kulturen gilt er ebenso als der Weltenträger, der die Erde auf seinem Rücken durch das All trägt. Im Buddhismus wird der Elefant als heiliges Tier betrachtet, weil die Geburt Buddhas seiner Mutter im Traum von einem weißen Elefanten vorhergesagt wurde. Auch im Hinduismus wurde der Elefant zu einer zentralen mythischen Gestalt. Dort verkörpert er in der Gestalt Ganeshas den Gott der Weisheit, der die Menschen vor Gefahren warnen und beschützen soll.

Ganesha, Träger des Alls – Zeitgenössische Ganesha-Statue. Foro Jonoikobangali

Verkörperte das Mammut zu jenen Zeiten ähnliche Vorstellungen, so ist verständlich, dass es auch mit Proportionen dargestellt wurde, die die vollkommene Harmonie verkörpern, der Goldene Schnitt. Der Goldene Schnitt ist ein Teilungsverhältnis wo sich der kleine Teil zum großen, wie das Ganze zum kleiner Teil verhält. Dieses Teilungsverhältnis, das auch in der Natur oft zu beobachten ist, wird vom Mensch als harmonisch empfunden. Es lässt sich mit der Formel a/b=a+b/a beschreiben. Die klassische Konstruktion dieses Maßver-hältnisses erfolgt mit Hilfe einer Streckenteilung innerhalb eines rechtwinkligen Dreiecks. In der einschlägigen Literatur taucht dieses Proportionsverhältnis erstmals in den Schriften Euklids von Alexandria im 3. Jhd. v. Chr. Als historisch belegt gilt aber, dass der Goldene Schnitt bereits ab dem 5. Jhd. v. Chr, bekannt gewesen sein musste. Ähnlich der ersten Dokumentation, taucht der Goldene schnitt dann auch als bestimmende Proportion bei griechischen Tempeln auf.

Mammut und der Goldene Schnitt

Aus der Epoche des Aurignacien sind derartige Proprtionskenntnisse bislang nicht bekannt. Einzig eine Studie von JOHN A.J. GOWLETT von der University of Liverpool weist nach, dass Faustkeile aus unterschiedlichen Produktionen nur minimal von dieser Proportion abweichen. Natürlich hängt dies auch mit dem vermuteten Gebrauch zusam- men, denn auch die Mechanik der Hand wird vom Goldenen Schnitt bestimmt. Wie die Mythen Sibiriens jedoch zeigen, verkörpert das Mammut mythologisch bedeutende Ge- stalten und dies führt zu einer möglichen Erklärung für dessen Verwendung. Hatte die Elfenbeinfigur die Eigenschaften einer Götterfigur bekommen, so musste diese auch für die damalige Kultur von Bedeutung gewesen sein. Der Orion bietet hierfür eine Erklärung.

Orion am Morgen des Frühlingsäquinoktiums, um 41000 v. Chr.

Während der Entstehungszeit des Mammuts hab es ein Sternbild , das am Morgen des Äquinoktium den Beginn des Frühlings markierte, das Sternbild Orion. Das streng geo- metrisch geformte Sternbild wird durch vier leuchtkräftige Sterne, sowie den 3 Gürtel- sternen bestimmt. .Genau diese Linie der Gürtelsterne teilt aber auch das Sternbild im Verhältnis des Goldenen Schnittes. Relativ leicht lassen sich durch genaue Beo bachtung diese Proportionen, auch ohne Kenntnis der klassischen Konstruktion in ein Schema übertragen. Somit stellt das Mammut wesentlich mehr dar, als nur eine rein kunst- handwerklich präzis gearbeitete Figur. Es ist Träger der Proportion Orions, der  während des Äquinoktiums die fruchtbringende Zeit nach dem Winter ankündigte. Sie hatten die Menschen nach der Katastrophe zwischen dem 50. und 40. Jahrtausend wohl für lange Zeit vermisst. Damit erinnert das Mammut auch an die fragilen Grundlagen einer Kultur..

Bilder: Landesmuseum Stuttgart,http://www.landschaftsmuseum..de / Bilder /Mammut-Vogelh_ne / Wikipedia / Phlegräischen Felder, die Solfatara bei Pozzuoli, Foto Stanley-goodspeed / Querschnitt durch einen Supervulkan (Long Valley Caldera), Grafik Kilom691Ganesha, Träger des Alls – Zeitgenössische Ganesha-Statue. Foro Jonoikob-angali, Simulation/ Stellarium

Die Keule des Orion

Sunday, 28 January 2018

Grandmother’s cudgels (clubs)

God works in mysterious ways…

Recently I published two articles related to Orion: „Bowls from Los Millares“ and „Supernova„. Both of them were talking abut artifacts, from Spain and Northern India, which depicted Orion linked with deer. These artifacts were dated to some time during the 3rd millennium BC. And it turned out that during the 3rd millennium Orion was best visible during the month of September, the month of the beginning of the deer rut (mating season).

I thought that this was going to be the end of my dealing with Orion. But yesterday while I was browsing through the Etimološki rečnik Srpskog jezika 2,  (Etymological dictionary of Serbian language) I came across this strange expression recorded in Vranje area of South eastern Serbia:

Babine tojage – stars

The expression „babine tojage“ literally means „grandmother’s cudgels (clubs)“.
Now that is a very very strange euphemism for stars don’t you think?

These are stars:

And these are cudgels (clubs)

???

This made no sense to me. But at the same time I knew that at the time when this expression was first used to mean stars, this must have made perfect sense to everyone. So what did the Ancient Serbs see in the sky to make them start calling stars „grandmother’s cudgels (clubs)“?
I started looking through Slavic ethnographic data that deals with astronomy and soon I found this:

Созвездие Орионрус. Кривая Палка, Пояс, Собачка, Коло, Проходня, Кружилие, Косарь, Кичага (цеп для обмолота), украин. Косари, Чепига (ручка плуга), помор. Коромысло, Грабли, македон. Рало (Орало), Небесный Плуг, белорус. Князь Бой, серб. Бабини штапи, болг. Тояги (Посох)

The important bit is in bold: The constellation Orion was among the Russians known as „crooked, bent stick“, among Bulgarians as „cudgels (clubs)“ and among the Serbs as „grandmother’s sticks“…

This was very very interesting. But it still didn’t make much sense.

Here are some sticks (from my post about knobsticks):

Related image

And here is the constellation Orion:

So what is going on here?

Orion is a prominent constellation located on the celestial equator and visible throughout the world. It is one of the most conspicuous and recognizable constellations in the night sky. But in mythology of many people from Eurasia, Orion was also imagined as a gigantic mythical hero hunter.

Supernova, Orion und der Hirsch

Indian archaeologists have discovered a very interesting drawing etched into the wall of an ancient dwelling place in Kashmir Burzahom archaeological site.

Rock art is difficult to date with precision, but Vahia had a solid starting point. The rock was buried in a wall (though hidden from view of residents) of a house that had already been dated to around 2100 BC. This suggests that its importance had been lost to the people by then and the stone had been reused for another structure.

The oldest known settlement in the region was founded around 4100 BC. So the rock art is likely to have been made sometime between those two millennia—then inadvertently used to construct a new dwelling.

The drawing shows what at first glance appears to be hunters and animals beneath a sky with not one but two bright sun-like objects. Because the sun and the full moon never appear that close together in the sky,  Indian astrophysicist Mayank Vahia and his team at Mumbai’s Tata Institute of Fundamental Research have introduced a theory that the picture does not represent two suns, but instead a moon and a supernova, a star exploding some hundreds or thousands of light years away.

Based on data collected by astronomers, Vahia was able pinpoint one supernova from the time period, that matched the period during which the mysterious drawing was made. This is supernova HB9 which exploded around 3,600 BC. The supernova would have been large and bright enough to have been seen from earth and would have been comparable in brightness to the moon.

Interestingly, the mysterious drawing seems to not only depict the moon and the supernova, but also the surrounding stars. The other figures aren’t part of a hunting scene, but instead represent the nearby constellations. This makes the whole painting, in effect, likely one of the earliest star charts.

“The whole hunting scene along with the Moon and the Supernova fits quite well into the pattern of stars in the sky,” wrote Vahia in a paper for the Indian Journal of History of Science. “The image of one of the hunters coincides with the Orion; the central stag is same as the Taurus. The hunter on the right may have been formed from stars of Cetus and other animal on the right may be Andromeda and Pegasus. The long, curved line in the carving, traditionally interpreted as spear, may well be an arc of bright stars.”

Der Meister von Meßkirch

Dreikönigenschrein im Kölner Dom, Arminia

in einer aufwendig beworbenen Ausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart wird ein Altarbild des Meisters von Meßkirch gezeigt. Es stammt aus der Kirche St.Martin, für die der nicht namentlich bekannte Künstler 12 Altäre mit Bildern ausgestattet hatte. Dieses Werk steht auch stellvertretend für die beginnende katholischen Prachtentfaltung, die als Gegen-strömung zur Reformation inszeniert wurde. Sie sollte all das Leid überstrahlen, das die folgenden Glaubenskriege über das Volk brachten. Geradezu prädestiniert für diese Prachtentfaltung ist das Motiv der Heiligen Drei Könige. Ihre Gebeine sollen von Kaiserin Helena während ihres Aufenthaltes in Palästina entdeckt wurden sein. Von dort gelangten sie nach Mailand, wo sie im Jahr 1162 in den Besitz von Kaiser Barbarossa gelangten, der sie dem Kölner Erzbischof Rainald von Dassel zum Geschenk machte.1164 gelangten ihre Gebeine nach Köln wo sie in einem aufwendig gestalte Schrein aufbewahrt werden. Von Köln aus breitete sich im 12. Jahrhundert dann die Legende der Heiligen Drei Könige aus, von denen es außer einer Menge von Vermutungen, keinerlei historische Zeugnisse gibt. Als Kürzel C+M+B bleibt ihr Zeichen jedes Jahr nach dem Sternsingen auf den Eingangs-türen zurück. Doch das Motiv der Könige, aber auch ihre Namen

Anbetung der Magier, Fresko in der Cappella degli Scrovegni, Giotto di Bondone. 1305, Darstelllung mit Komet

So stammt der Name Caspar, der für das C steht, aus dem Persischen und bedeutet so viel wie `Hüter des Schatzes´ In Bildern wird er oft als Afrikaner dargestellt und überreicht Myrrhe als Geschenk. Sie steht als Sinnbild für das Menschsein und wird auch mit dem späteren Leidensweg Jesu in Verbindung gebracht. Das Geschenk des Afrikaners führt zurück in das alte Reich Ägyptens. Dort begann die Verwendung von Myrrhe, dem aromat-ischen Gummiharz zur Einbalsamierung eines Leichnams. Auch im Judentum gehörten Myrrhe und Aloe zur ordnungsgemäßen Bestattung des Leichnams, gleichzeitig waren beide Substanzen auch Bestandteil von kultischen Salbungen. Das M des Kürzels steht für Melchior, was in der hebräischen Sprache `König des Lichts´ bedeutet. Er überbringt als Geschenk Gold. Gold wurde als kostbarstes Gut angesehen, aber gleichzeitig war es auch ein Symbol für die Sonne, die im Neuen Testament ein Sinnbild für Christus darstellt. Auch der Name des dritten Königs, Balthasar, stammt aus dem Hebräischen und bedeutet `Gott schütze den König´. Er überbringt als Geschenk Weihrauch, dessen Gebrauch im Vorderen Orient auf eine lange Tradition zurückblickt. Der Weihrauch ist eng verbunden mit den Vorstellungen der ägyptischen Osirismythologie. Ägypter sahen die Seele des Menschen geteilt, wo bei eine durch die magische Wirkung des aufsteigenden Weih- rausches zu einem Teil des Gottes Osiris wurde.

Zwei Thuriferare(Ministranten mit Weihrauchfass) beim Inzensieren im Kölner Dom, © Raimond Spekking

Wie bereits angedeutet wurde viel über die Person der Heiligen Drei Könige gerätselt. Inzwischen gelten sie nur noch als drei Weise, die einem lange vorher prophezeiten Licht-ereignis am Himmel folgten, das ihnen den Weg zum Ort Bethlehem zeigte. Doch weder über ihre Ankunft, noch über den exakten Geburtstermin des Messias gibt es historisch relevante Zeugnisse. Vielmehr deuten alle Indizien darauf hin, dass das himmlische Ereig- nis erst im Nachhinein mit Figuren ausgestattet wurde. Auf Grund dieser Situation wurde bereits in der Spätantike versucht, die Sternerscheinung über Bethlehem astronomisch zu deuten. Eine der Erklärungen sieht darin eine besondere Stellung der Planeten Jupiter und Venus, oder auch Jupiter und Saturn. Ebenso wurde ein Komet als Ursache gesehen, denn se galten in der Antike als Ankündiger wichtiger Ereignisse. Ebenso wird das Licht einer Sternenexplosion, einer Supernova als eine mögliche  Erklärung betrachtet. Keiner der Theorien war aber letztendlich so schlüssig und keine erklärte das Bildmotiv der drei. Doch bereits der Name Caspar führt auf ein Bild am Himmel, das zumindest im Volks- mund ab dem Mittelalter mit den drei Königen in Verbindung gebracht wird, das Sternbild Orion. Dessen drei Gürtelsterne werden auch als Jakobs Himmelsleiter, oder eben auch als die drei Könige bezeichnet. Dies hat seinen Grund in der Aufgangssituation des Stern-bildes, das auch den Beinamen Lichtbringer trägt. Zur Wintersonnenwende, um Christi Geburt, ging es über dem Punkt am Horizont auf, an dem am nächsten Tag auch die Sonne aufging.

Aufstieg des Orion, Jerusalem , Wintersonnenwende 4. v. Chr.

Letzsicht Spica, Sternbild Jungfrau, Wintersonnenwende 4. v. Chr.

Wenige Stunden später folgte Orion das Sternbild der Jungfrau mit ihrem hellsten Stern Spica, die Kornähre. Betrachtet man aber Jerusalem als Mittelpunkt der biblischen Handlung, so war vom Tempelberg aus betrachtet, in der Morgendämmerung des folg- enden Tages, die Kornähre dann über jenem Ort zum letzten Mal zu sehen, der übersetzt, der Brotkorb bedeutet. Dieses Bild  der aufgehenden Sonne greift auch der Meister von Meßkirch am Kopf seines Altarbildes auf. Dort leuchtet ein 12-strahliger Stern. Er führt damit eine Astralsymbolik weiter, die mit der akkadischen Planetengöttin Ishtar begann. Sie konnte sowohl in männlicher, wie in weiblicher Gestalt auftreten und ihr Symbol war der 8-strahlige Stern. Mit dem 12-strahligen Stern lenkt der Künstler das Auge des Betrachters auf eine versteckte Botschaft des Bildes die sich in seinen Proportionen verbirgt und durch die beiden Zahlen 18 und 10 bestimmt wird.

Dreikönigsbild, Meßkirch, Meister von Meßkirch / Rainer Halama

 

Bilder: Wikipedia / Dreikönigenschrein im Kölner Dom , Arminia – File:Dreikönigsschrein im Dom1.JPG, Dreikönigsschrein im Kölner Dom, CC BY-SA 3.0, Adorazione dei Magi, Fresko in der Cappella degli Scrovegni (Padua) von Giotto di Bondone mit Darstellung eines Kometen (um 1305), Giotto di Bondone – Web Gallery of Art:   Image  Info about artwork, Gemeinfrei / Zwei Thuriferare(Ministranten mit Weihrauchfass) beim Inzensieren im Kölner Dom, © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 /Dreikönigsbild, Meßkirch, Meister von Meßkirch – Selbst fotografiert, Rainer Halama,CC BY-SA 3.0 / Simulation, Stellarium, Google Map

 

Das Licht des Orion

Friday, 15 December 2017

Bowls from Los Millares

Los Millares is a Chalcolithic occupation site 17 km north of Almería, in the municipality of Santa Fe de Mondújar, Andalucía, Spain. The complex was in use from the end of the fourth millennium to the end of the second millennium BC and probably supported somewhere around 1000 people.

The site covers 2 hectares (4.9 acres) and comprises three concentric lines of stone walls, the outer ring the largest, running more than 650 feet with nineteen ‚bastions‘ and a gate guarded by foreworks. A cluster of simple dwellings lay inside the wall. The road to the site is guarded by four smaller outlying stone forts. There is an extensive cemetery of eighty passage grave tombs. The site was occupied between around 3200 BC and 1800 BC, when the Los Millares culture was replaced by El Argar civilisation.

Although primarily farmers, the inhabitants of Los Millares had crucially also learned metal working, especially the smelting and forming of copper. A large building containing evidence of copper smelting. Because of this, the site is considered highly important in understanding the transition from the Neolithic to the Bronze Age. The Los Millares culture eventually came to dominate the Iberian peninsula.

Pottery excavated from the site included plain and decorated wares including engraved bowls bearing oculus (a round or eye-like opening or design) motifs. Similar designs appear on various carved stone idols found at the site.

This is these ceramic bowls decorated with the „ocular“ motif. It was dated to the period 3200–2300 BC. The bowl is currently displayed in Ashmolean museum.

Here is another example from the Museum of Almeria.

So what about the meaning of this „occular“ decoration. The Ashmolean has this to say about it: „The meaning of the eye motif is unknown, but it must have had significance for Los Millares people. Some researchers believe that it may be related to the sun. Another interpretation is that it may represent an owl…

That this motif indeed represents eyes can be seen from the fact that it is framed with what looks very much like eyebrows. Also the same motif is found on idols exactly where eyes are supposed to be.