Die Götterburg Houbirg

Die Houbirg und der Happurger See, Foto Caproni Ca.33

In Mittelfranken liegt in der Nähe des Städtchens Happurg die Houbirg, ein isoliert lieg- ender Berg. Auf befand sich einst das gleichnamige, abgegangene keltische Oppidum. Mit einer Fläche von fast einem Quadratkilometer zählte es von der Hallstatt – bis zur Latène- zeit, zu den größten, heute bekannten keltischen Anlagen in Süddeutschland.. Die Vorsilbe hou des Flurnamens wirft bereits ein Bild auf die frühe Sicht dieses Ortes. Zum einen verweist sie auf das mittelhochdeutsche Wort houwen, zuschlagen, was den krieger-ischen Aspekt der Anlage betont. Zum anderen lässt sich die Vorsilbe auch mit hou, dem Hag, das abgeholzte Waldstück in Verbindung bringen, was auf die Besonderheit dieses Ortes hinweist.

Reste des Walles und einer Trockenmauer (Murus Gallicus), Foto Derzno

In den Jahresberichten des historischen Vereines Mittelfranken aus dem Jahr 1843 wird die Houbirg noch mit die Schanz bezeichnet. Dort wird aber auch beklagt, dass trotz der eindrucksvollen Wälle, keine Sage entstand, die ihre Entstehung erklärt. In dem Artikel wird aber auch vermutet, dass die Anlage nicht erst im frühen Mittelalter, sondern weit vor der römischen Zeit entstanden sein muss. Bereits 8 Jahre früher veröffentlichte der Nürn- berger Johann Wolfgang Wörlein seine Schrift zur Kelto-germanischen Götterburg, der Houbirg. Darin spricht von einer Anlage auf einen Götterberg, der seiner Auffassung zu- folge eindeutig priesterlich-religiöse Züge trägt. Diesen Götterberg sieht er in der Tradition indogermanischer Völker, wie den Hindus, die den Berg Meru verehren, oder den die Griechen mit dem heiligen Olymp. Ebenso sieht er Parallelen zu den germanischen Himil- enbergen, den Geisterbergen. Allein auf Grund der Dimension der Wälle schätzte Wörlein, dass mehrere Generationen an der Fertigstellung der Houbirg gearbeitet haben mussten. Dabei sieht er aber nicht Nomaden als Baumeister der Burg, sondern eine weiterent-wickelte, sesshaft geworden Kultur. Sie hatte seiner Meinung nach die exponierte Lage des Berges erkannt und seine Gestalt entsprechend ihren Vorstellungen verändert. Da er die historische Erinnerung an das einstige Bergheiligtum als längst verloren sieht, versucht er in seiner Schrift dem Leser dessen Überreste nahezubringen. Dabei beklagt er sich wohl nicht zu Unrecht, dass Altertumshistoriker die Houbirg bei ihren Betracht- ungen stets vernachlässigten. Viele Merkmale, wie die Felsen oder den Rest eines Teich- es erkennt Wörlein als Teile eines Kultortes, der nach seiner Auffassung der Erdmutter Hertha geweiht war. Er sieht in den dortigen Gewässern ebenso eine Verbindung zur keltischen Kultur, die in jener Zeit ja nur wenig erforscht war.

Friedrich Wilhelm Heine, Die Esche Yggdrasil, 1886

Die spekulative Sicht Wörleins entsprang einem geistigen Umfeld, in dem nach nation- alen Epen, ähnlich er Ilias von Homer gesucht wurde denn sie sollten die Grundlage des deutschen Einigungsgedankens bilden. Man sah in dieser verklärenden Sicht, wie der Neubewertung des Nibelungenliedes, einen Beweis für völkische Heldenstärke und zu- gleich eine Absage an alles Fremde. Nach August Wilhelm Schlegel spiegelte ja gerade das im frühen Mittelalter entstandene Nibelungenlied den deutsche Nationalcharakter wied- er. Wesentlich nüchterner ist dagegen die heutige Sicht des Ortes, die in der Houbirg einen Herrensitz, oder eine befestigte Höhensiedlung sieht. Allein die auffällig gestalteten Perlenfunde weisen aber bereits auf jenes Bild des Götterberges hin, das Woerlein in seiner Schrift entwarf. Zahlreiche Schichtaugenperlen wurden an vier Stellen auf der Hou- birg gefunden. Sie dienten in der Antike dazu, vor dem bösen Blick zu schützen. Noch heute ist der Glaube, dass ein bestimmter Menschentyp durch seinen bösen Blick, den Nazar, Unheil heraufbeschwören kann, in Anatolien weit verbreitet. Um vor diesem Nazar zu schützen, wird das Nazar-Amulett auch heute noch gerne getragen, zugleich wird es aber auch an Hauseingängen angebracht, um sie vor Unheil zu schützen. Doch dieses Nazar-Amulett entstand wesentlich früher und fußt auf dem ägyptischen Symbol des Horus-, oder auch des Osiris Auges. Dort hatte es gleich drei Bedeutungen: eine mag- ische, eine mathematische und eine medizinische.

Auge des Horus mit Heqat-Einteilungen, Grafik Benoît Stella

Die Götterburg Houbirg, Orion blickt auf sein Bild am Südhorizont

Als magisches Zeichen wurde es alten Ägypten ebenso zum und Schutz vor dem bösen Blick noch bis zum Ende der Pharaonenzeit verwendet. Das Auge des Osiris diente dort ebenso als Amulett, wie als Schmuck von Grabkammern. Dabei unterlag die Form des Osiris Auges einer exakten mathematischen Konstruktion, deren Stammbrüche selbst eine symbolische Bedeutung besaßen. Diese Brüche dienten auch Medizinern wiederum dazu um das Mischungsverhältnis ihrer Arzneien zu bestimmen. Dass bei dieser Bedeutung des Osiris/Orion als Schutzzauber, dessen Gestalt für die Anlage der Houbirg vpn Bedeutung war, erscheint dadurch auch plausibel. Zwar weckt die amorphe Form des Ringwalles den Eindruck, dass sie der Form der Landschaft folgte , doch das Sternbild des Orion, bietet wie in Rathgall ebenso eine Erklärung. Wie dort, so ist auch auf der Houbirg eine Übereinstimmung der Stellung des Orion mit der Linienführung des Ring- walles zu erkennen. Um 400 v. Chr, entstand sie seitenrichtig beim Aufstieg des Orion am Abend der Wintersonnenwende, kurz nach Sonnenuntergang.

Bilder: Wikipedia / Die Houbirg und der Happurger See, Foto Caproni Ca.33 , CC BY-SA 3.0 / Die sichtbaren Reste des Walles und einer Trockenmauer (ggf. Murus Gallicus), Foto Derzno, CC BY-SA 3.0 / Auge des Horus mit Heqat-Einteilungen, Grafik Benoît Stella alias BenduKiwi. CC BY-SA 3.0 – Friedrich Wilhelm Heine, Die Esche Yggdrasil, 1886, Simmulation: Stellarium, Sunearthtools

 

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Rathgall und Lugh

 

Lughs magischer Speer, Celtic Myth and Legend.1905

An Lughnasadh wurde einst in Irland dem Gott Lugh das erste Brot geopfert. Die erste Kornabgabe sollte dazu dienen, eine weitere gute Ernte zu erhalten. Zu dieser Zeit war dies das erste von drei Erntefesten die mit dem Herbstäquinoktium endeten. Dass der Kult durchaus seine Berechtigung hatte, wird an Hand einer Temperaturkurve schnell er- sichtlich. Um den 1. August ist die höchste mittlere Temperatur erreicht und gleichzeitig steht das Korn dann in voller Reife. Doch die hohe Tagestemperatur birgt auch die Gefahr von Gewittern, die die Ernte dezimieren können. Es war aber nicht nur ein Erntefest, sondern gemäß den Erzählungen, soll es an Lughnasadh, und an Samhain, auch möglich gewesen sein, die Schwelle zur Anderswelt zu überqueren.

Hillfort Rathgall im County Wicklow , Foto von Simon Dowling , CC BY-SA 4.0

So bietet gerade der Ringwal Rathgall ein Beispiel dafür, wie Kult und Bauen zu einer Symbiose finden. Lugh war einer der höchsten keltischen Götter und stammte noch von den mythischen Urvölkern ab, den Fomorern und den Tuatha de Danaan. Seiner Bedeutung angemessen ist er deshalb auch noch im Namen zahlreicher Orte enthalten, deren Ursprünge auf keltische Ansiedlungen zurückgehen. Darunter finden sich Orte wie Lyon, Laon, oder auch Luzern. Durch seine überragende Bedeutung für die Kultur erhielt Lugh auch viele Ehrentitel, wie Samildánach, der Meister aller Künste, oder auch Lamhfhada, der mit dem langen Arm. So wurde Lugh zum Gott des Handwerks, der Kriegs- wie auch der Dichtkunst. Aber er wurde auch als Spender des Heils und als Gott der Magier gesehen. Ethne, die Tochter des Fomoren-Königs Balor. ist seine Mutter und sein Vater der Druidensänger Cian. Eine Prophezeiung hatte Balor davor gewarnt, dass er durch die Hand seines Enkels sterben würde, weshalb er seine Tochter in einem Turm aus reinem Kristall einsperren ließ. Doch Cian gelang es mit Hilfe der Zauberkraft einer Druidin in diesen Kristallturm einzudringen und Ethne zu schwängern. Kurz nach seiner Geburt entdeckt Balor den Neugeborenen und schleuderte Lugh ins Meer, wo er bald darauf gerettet und der Amme Tailtiu übergeben wurde. Zu deren Gedenken soll Lugh dann später das Fest am 1. August gestiftet haben. Der Verweis auf seinen langen Arm, die Liebe zu Frauen sind beides Motive, die auch bei den Legenden Orion auftauchen.

Vierköpfiger Brahma; Tempel von Phnom Bok, Kambodscha (9./10. Jh.), Foto Vassil

Seine Entstehung erklären nicht nur griechische Mythen, sondern auch Erzählungen aus dem indischen Kulturkreis. Dort erzählt eine Sage vom Gott Brahma, der auch Pradschapati genannt wird, von dessen Liebe zu seiner Tochter Uschas, der Morgenröte. Um sie zu gewinnen verwandelte sich Pradschapati in einen Bock und näherte sich so seiner Tochter die sich in eine Ziege verwandelt hatte. Die Götter sahen dies und waren hellauf entsetzt, da dies noch nie geschehen war. Da sich aber niemand fand, der Pradschapati bestrafen wollte, vereinigten sie die bösesten Dämonen in Gestalt des Gottes Bhutavan. Der verlangte nun für die Durchbohrung des Brahma als Lohn der neue Herrscher über das Vieh zu werden. Der durchbohrte Brahma schwang sich aber in die Höhe des Himmels und wurde fortan zum Sternbild Orion und wurde mriga, der Hirsch genannt. Ebenso sind aber auch die beiden Namen `Jäger des Hirsches´ und `Rohint´ als Name seiner Tochter überliefert. Die Sage dient in Indien auch als Erklärung dafür, wes- halb dem Gott Brahma dort keine Tempel erbaut wurden. Als Gott Dumuzi wurde Orion auch in Sumer und ebenso als Osiris in Ägypten verehrt. Die ähnliche Rollen Orions deuten aber auch darauf hin, dass es gemeinsame Wurzeln dieser Verehrung gab, die noch viel weiter zurückreichen.

Orion und Rathgall

Die Übereinstimmung von Formen eines Sternbildes mit Bauwerken ist bislang nur wenig untersucht worden und erscheint auch heute noch immer außerhalb unseres Vorstell- ungsvermögens zu liegen. In Anbetracht der Mythen, in denen Orion als wichtige Gottheit erscheint, wäre aber dies ein naheliegender Gedanke seine Form als eine Art Schutz-zeichen für ein Bauwerk zu verwenden. Eines der wohl bekanntesten aber zugleich um- strittensten Beispiele sind die Pyramiden von Gizeh, deren Anordnung der ägyptisch-französische Autor Bauval auf die drei Gürtelsterne des Orion zurückführte. Als der britische Forscher Graham Hancock im Jahr 2011 den Steinkreis von Stonehenge unt- ersuchte, fand er in der Steinsetzung ebenfalls  ein Abbild des Orion, dessen Position mit seiner Stellung am Himmel korrespondierte.

Orion und Stonehenge, nach einer Illustraion von Graham Hancock (Nordpfeil nach unten)

Wie in Stonehenge, so stellt sich auch bei dem amorph geformten Ringwall von Rathgall die Frage, ob die Geometrie nur dem Unvermögen der damaligen Baumeister geschuldet ist, oder aber auch hier ein konkretes Bild die Umrisslinie bestimmte? Vergleicht man den in der mittleren Bronzezeit entstandene Anlage mit dem Sternbild des Orion, so ist auch hier eine Übereinstimmung von dessen Aufstieg um den 1. August und der Geometrie des Ringwalles zu erkennen. Deuten bereits die Eigenschaften Lughs auf Orion hin, so ist die Geometrie von Rathgall ein weiteres Indiz für die besondere Wertschätzung des him- mlischen Riesen in jener Zeit.

Bilder: Wikipedia/ Lughs magischer Speer ,scanned and made available online at sacred-texts.com, uploaded by QuartierLatin1968 Illustration of Lugh’s magic spear by Harold Robert Millar, published in by Charles Squire (1905) / Hillfort Rathgall im County Wicklow , Foto von Simon Dowling , CC BY-SA 4.0, File:Rathgall.png / Vierköpfiger Brahma; Tempel von Phnom Bok, Kambodscha (9./10. Jh.), Vassil und ein weiterer Urheber- Stonehenge/https://grahamhancock.com/burleyp2/ Simulation, sunearthools, stellarium

 

Der Code der Kaaba Teil 2

Frontalaufnahme des Schwarzen Steins, Foto Amerrycan Muslim

Der Legende zufolge soll der Patriarch Abraham den Schwarzen Stein der Kaaba aus der Hand des Erzengels Gabriel empfangen haben. Innerhalb der biblischen Chronologie steht Abraham für das dritte Geschlecht nach Noah, denn auf Noahs Sohn Sem folgte Therach aus der Stadt Ur in Chaldäa. Er wird als Feldherr des legendären Nimrod beschrieben, des ersten Herrschers auf Erden. Nach den Texten der Bibel war er der Gründer des assyrisch-babylonischen Reiches. Doch seine Person ist historisch nicht fassbar und in ihr erscheinen einige Aspekte, die auch Orion, dem himmlischen Jäger zugeschrieben werden.

König Nimrod nimmt die Huldigungen der Steinmetze entgegen, Detail des Turmbau zu Babel von Pieter Bruegel d.Ä., 1563

Therachs Sohn Abraham wanderte zusammen mit seiner Frau und seinem Neffen Lot in das Land, das im Gott bestimmt hatte. Auf dieser Wanderung weilte er auch eine Zeit lang in der Stadt Aleppo. Anschließend gelangte über Sichem nach Bethel, wo er auch dort ein Altar errichtete. In den biblischen Texten wird Bethel nach Jerusalem am zweithäufigsten erwähnt. In der Islamischen Erzählung soll er auch nach den Ereignissen der er Sintflut die erste Kaaba erbaut haben. Die Baustruktur, mit einigen, heute vermauerten Fenstern lässt darauf schließen, dass das Bauwerk wahrscheinlich schon frühen Christen als Heiligtum gedient hat. Auch die Maßverhältnisse verweisen in diese Richtung.

Kaaba um 1840 – die Reste einer Apsis sind in der Achse noch sichtbar

Nach der Einnahme Mekkas im Jahr 630 übergab der Prophet einer Familie den Schlüssel der Kaaba mit den Worten `Geht damit bis in alle Ewigkeit in geziemender Weise um. Nur ein Gewalttäter wird ihn euren Händen entreißen.´ Bei einem Angriff des umayyadischen Kalifen Yazid I. Im Oktober 683 geriet das Gebäude dann in Brand und stürzte ein. Beim anschließenden Neubau wurde es gemäß dem Zustand im 7. Jahrhundert errichtet. Fast 1000 Jahre stand das Gebäude, bis es nach Überschwemmungen im Jahr 1630 wieder einzustürzen drohte. Noch im selben Jahr veranlasste aber der osmanische Sultan Murad IV. den Neubau der Kaaba.

Orion als Sternbild, Illustration aus Johann Bayers Uranometria, 1603, Scan User:Mouser

Wie Therach, ist auch der Patriarch Abraham historisch nicht fassbar. Doch der Autor Eduard Stucken weist in seinem 1907 erschienen Buch Astralmythen auch auf Parallelen zwischen Abraham und Orion/Osiris hin, die als Erklärung für den Schwarzen Stein dien. en können. Auf diese Legende wieß um 1630 auch der Fußstern des Orion, der Rigel hin. In dieser Zeit des Neubaus der Kaaba,  war der Stern in der Diagonale, in der auch der Schwarze Stein liegt, an zwei bedeutenden Tagen im Jahr zu sehen.

Ausrichtung der Kaaba

Der gemeinsame Urvater Abraham ist aber nur eine der Spuren, die auf eine gemeinsame Wurzel der monotheistischen Religionen hinweisen. Auch die Symbolik der Maße deutet darauf hin. Obwohl der Name des Bauwerkes sich vom arabischen Wort Würfel ableitet, entspricht dessen Maßverhältnis von Länge zu Breite mit 52 zu 44 keinesfalls diesem platonischen Körper. Die Zahl 52 verweist hier nicht nur auf die Jahreswochen, sondern in der hebräischen Sprache mit dem Buchstabenlautwert 2+50 auf den Sohn des Menschen, den Sohn Gottes. Doch der 52.. Vers der Bibel gibt auch einen Hinweis zur Entstehung der Frau, mit der die Geburt der Geschlechter erst erfolgen konnten. So steht in im 1. Buch Mose (2.21): `Und Jahwe Gott ließ einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, und er entschlief. Und er nahm eine von seinen Rippen und verschloss ihre Stelle mit Fleisch;´ Eine Verbindung zur Frau bietet auch eine Legende aus der Entstehungszeit der Kaaba, denn sie erzählt wie Mohammed die dort vorhandenen Bilder und Statuen entfernen ließ. Nur ein Marienbildnis mit ihrem Sohn ließ er unberührt. Der Zahlenwert 44 entspricht im Alten Testament auch dem Buchstabenlautwert 4+44 und damit dem Wort Blut. Mit der44 werden die Gläubigen aufgefordert den Weg Kains zu verlassen und sich dem Opfer des Messias zuzuwenden. Laut dem Religionswissenschaftler J. Pasedag steht die Zahl 44 auch als Symbol für die Umkehr. Beide Zahlen verweisen mit ihrer Quersummen 7 und 8 wieder auf den Mondmonat und die 8 Mondphasen. Die Quer- summe 8  ver- weist damit auch auf die babylonische Ishtar, die Himmelskönigin. Im Judentum bedeutet die 8 den Übergang von der Zeitlichkeit in die Überzeitlichkeit, und hat damit einen brückenbauenden Charakter. Auf die Überzeitlichkeit verweist sie auch in der liegenden Form, wo sie das Symbol der Unendlichkeit darstellt. Ein späterer Artikel zeigt wie sie die Kaaba dann mit dem Tempelberg in Jerusalem verbindet.

Beide Seiten stellen ein Rechteck dar, dessen Diagonale die beiden Winkel 49°und 41° einschließt. Diese Diagonale bestimmt auch die Ausrichtung des Meteorsteines. Um 1630 wieß sie noch genau in jene Richtung, in der Rigel am Abend des ersten Tages im neuen Jahr des Sonnenkalenders zum ersten Mal zu sehen war. In der gleichen Richtung war er auch am 17. Juli, dem Tag der Flucht des Propheten nach Medina zu sehen. Damit hatte der Stein auch jene visuelle Verbindung zum Symbol Abrahams, dem Orion. Er ist eines der ältesten Astralsymbole der Menschheit. Somit kann die Kaaba durchaus auch als ein Bauwerk Abrahams bezeichnet werden.

Bilder: Wikipedia / Frontalaufnahme des Schwarzen Steins, Foto Amerrycan Muslim , CC BY-SA 3.0 / König Nimrod nimmt die Huldigungen der Steinmetze entgegen, Detail des Turmbau zu Babel von Pieter Bruegel d.Ä., 1563 / Orion als Sternbild. Illustration aus Johann Bayers Uranometria, 1603 uploaded by en:User:Mouser – Kaaba um 1840 / Simmulation, stellarium – Mehr zur Bedeutung von Zahlen in der Bibel gibt es auf der Website: (http://www.zeitundzahl..de)

nächster Teil: Die Kaaba und Medina

Der Adorant vom Geißenklösterle

Der Adorant vom Geißenklösterle, Landesmuseum Württemberg, Foto Thilo Parg

In früheren Epochen unterlagen Bildwerke einem Proportionskanon. Er regelte das Ver- hältnis der Teile eines Kunstwerkes zum Gesamten.Die Frage der Proportion stellt sich auch bei einem Fund aus der Höhle Geißenklösterle, der von der Wissenschaft mangels anderer Idee als Adorant gesehen wird. Dieser Begriff leitet sich aus dem lat- einischen Wort adorare, anbeten und verehren ab. Figuren die in diese Gattung fallen haben in der Regel zum Himmel erhobene Hände, die eine Haltung der Anbetung dar- stellen. Zahlreiche dieser figürlichen Darstellungen gibt es von dem sumerischen Gott Abu aus Eschnunna. Bei ihnen wurde die Darstellung der Geste aber auf den Oberkörper mit erhoben Händen reduziert.

Abu, Un buste en provenance d’Adab. Foto Marie-Lan Nguyen et un auteur supplémentaire

Abu war einer der zahlreichen Kinder des sumerischen Gottes En-ki, dessen Name Herr der Erde bedeutet. Er war der oberste sumerische Schöpfergott und damit zugleich Herr des Ozeans, des Todes und des schöpferischen Geistes. Sein Sohn Abu war ein Schöpfungs- und Vegetationsgott, der aus seinem Schädel geboren wurde. Dies kann als Analogie zur im Frühling austreibenden Natur gesehen werden. Im Jahr 1970 wurde bei Grabungen in der Höhle eine Figur mit ähnlicher Geste gefunden Sie ist als Relief auf einem Elfenbeinplättchen zu erkennen, das auf seiner Rückseite 48 Markierungen in 4 Reihen. Besitzt. In einer Studie setzte sich der Astronom Rappenglück ausführlich mit dem Fund auseinander. Sein Schluss wird er von der Wissenschaft angezweifelt, auch unter dem Gesichtspunkt, dass die Kultur des Aurignacien zu solchen Komplexen Beo- bachtungen noch gar nicht fähig war. Rappenglück sieht in den Einkerbungen keine Liste gejagter Tiere, sondern eine wohl überlegte Reihe von Markierungen, die zur Kalender-führung dienten. Sie wurden in 4 Reihen zu 13, 10, 12 und 13 Kerben angebracht. Die Zählung kann so wahlweise zur Ermittlung unterschiedlicher Daten benutzt werden.

Adorant, Proportion

Ganz einfach stellt sich dies beim Zeitraum von Tag der Wintersonnenwende bis zum Frühlingsäquinoktium dar. Legt man bei der Zählung den von Alexander Thom entdeckten megalithischen Kalender mit Monaten zu 23 und 22 Tagen zugrunde, vermitteln die Reihen einen Sinn. So ergeben drei Monate zu 23 Tagen und einer mit 22 die Summe von 81 Tagen die es von der Wintersonnenwende bis zum Frühlingsäquinoktium dauert. Diesen Kalender hat Thom aus der Untersuchung zahlreicher Steinsetzungen in Großbritannien und Irland ermittelt und kam dabei auf eine Jahresteilung in 16 Monate. Auch die wird trotz Thoms umfang-reicher Nachweise von Wissenschaftlern angezweifelt. Das Niveau der Diskussionen liegt hier oft so tief wie die Fundlage selbst. Dies lässt sich auch am Aus- spruch eines Mus- eumsleiters ermessen, der das Ach- und Lonetal als Schlaraffenland für die Jagd bezeichnete.

Neustrelitzer Adorant, Foto Ruchhöft-Plau

Bei der Figur des `Adoranten´stellt sich aber ebenso die Frage, ob und in welchem Pro- portionsschema das Werk entstanden ist. Ein gemeinsames Vielfaches von Breit- und Längsseite ergibt sich hier tatsächlich durch die Teilung in 16 Teile in der Klänge und 6 Teile in der Breite, also ein Verhältnis von 8 zu 3. So folgt auch die Einteilung der Figur nahezu exakt diesen Teiler 16. Bei 10 Teilen in der Länge lässt sich dies ebenso ablesen, wie bei 5 Teilen. Zudem lassen sich die Ergebnisse dann auf entsprechende Tage im Jahr umrechnen. So entsprechen 10 Teile dem Zeitraum von der Wintersonnenwende bis etwa zum 4. August, dem Beginn der Ernte. Damit passen auch der erhobenen Hände als eine symbolische Geste für den Empfang der Gaben der Natur. Auch der abknickende Schenkel passt zum klimatischen Verlauf während des Jahres. Beginnend von der Winter-sonnenwende ist bei 5 Teilen dann der Zeitraum um den 4. Mai anzusetzen. In der kelt- ischen Welt wurde dieser Zeitpunkt dann als der Beginn der sommerlichen Halb- jahres betrachtet. Die Figur, die auf den ersten Blick den Charakter einer spontanen Gestaltung erweckt, folgt bei näherer Betrachtung doch einem Proportionskanon, für den die Zeit- einteilung eine Erklärung bietet. Die mögliche Wahl eines 16 teiligen Jahres-kalenders, der vom englischen Ingenieur Thom für die Megalithepoche postuliert wurde, würde zu einem Weltbild passen, das durch die Zahl vier bestimmt war. Vier Himmelsrichtungen bestimm- en den Raum und auf der Berechnung eines Viertelkreises des Erdumfanges beruhte das Maß zwischen Hohle Fels und Sirgensteinhöhle.

Letztsicht des Orion, kurz nach Sonnenuntergang, am 4. Mai, um 38.000 v Chr.

Wie es Rappenglück in seiner Studie beschrieb, stieg das Sternbild Orion zu dieser Zeit am Morgen des Frühlingsäquinoktiums über Horizont auf. Ebenso stand es im bereits erwähnten Zeitraum um den 4. Mai, am Morgen während seines Unterganges knapp über dem Horizont. Beide Male war das Sternbild also ein wichtiger Zeitmarker, der durch seine Gestalt am Himmel eine besondere Faszination ausübte. Damals stand Orion noch aufrecht und majestätisch am Himmel, etwa genau so, wie der Künstler der Elfenbein-schnitzer den Augenblick am Himmel auf der Platte verewigte.

Fotos: Wikipedia / Der Adorant vom Geißenklösterle, Mammutelfenbein, Landesmuseum Württemberg (Stuttgart), Thilo Parg – Abu, Un buste en provenance d’Adab. Foto Marie-Lan Nguyen et un auteur supplémentaire / Neustrelitzer Adorant, Foto Ruchhöft-Plau / Simulation, Stellarium

Die Botschaft des Mammuts

Mammut Vogelherdhöhle neu, Foto Landesmuseum Stuttgart

Im 37. Jahrtausend v. Chr. reichten die Gletscher und Schneefelder noch bis zum Main. Während der letzten Kaltzeit bedeckten sie die Landmasse von Mitteleuropa bis hoch in den Norden fast 100000 Jahre lang. Die mittlere Jahrestemperatur sank in dieser Zeit um fast 8°. Ungefähr 5000 Jahre zuvor ereignete sich eine Katastrophe, die in Europa ver- heerende Schäden hinterließ. Die Katastrophe, die sich innerhalb von 10000 Jahren noch einmal wiederholen sollte, wurde durch die Explosion der Phelgräischen Felder bei Neapel hervorgerufen. Es war eine Vulkanexplosion der höchsten Kategorie und nach Schätz- ungen von Vulkanologen wurden dabei mindestens 150 km³ Tephra ausgestoßen. Andere Schätzung sprechen hier sogar von der doppelten Menge an Vulkanasche, die bei der Ex- plosion des Supervulkans freigesetzt wurden. Selbst im 1500km entfernten Rumänien wurden Ascheschichten identifiziert, die mit dem Ausbruch im Zusammenhang steh- en. Damit entspricht die Menge der stärksten, bisher dokumentierten Vulkanexplosion, des Tambora in Indonesien. Sie hatte im Jahr 1814 in Europa zum Jahr ohne Sommer und zu gewaltigen Missernten geführt.

Phlegräischen Felder, die Solfatara bei Pozzuoli, Foto Stanley-goodspeed

Querschnitt durch einen Supervulkan (Long Valley Caldera), Grafik Kilom691

Das in der Vogelherdhöhle gefundene Mammutfigur aus Elfenbein wird mittlerweile auf ein Alter von ungefähr 40.000 Jahre geschätzt. Zwischen dem einschneidenden Ereignis und der Entstehung dieses Eiszeitkunstwerkes liegt also eine Zeitspanne, in der die Erinner- ungen an die Katastrophe durchaus noch lebendig gewesen sein dürften. Über die einstige Bedeutung dieses Tieres gibt es noch Überlieferungen sibirischer Völker. In deren mytho-logischen Vorstellungen ist das Mammut immer noch präsent. Beim Volk der Uiguren wird das Mammut heute als eine Art Geist gesehen, der in Wasser-strudeln haust. Dort wo sein Platz vermutet wird, dürfen ein auch keine Pferde den Fluss überqueren. Sonst laufen sie Gefahr, dass dieser Geist sie in die Tiefe zieht. Bei den Ostjaken am Jenesei wird das Mammut als jor, als mythisches Tier gesehen, das unterirdisch lebt und eher die Gestalt einer Eidechse hat. Eher fassbar sind die Mythen des mit dem Mammut verwandten Elefanten. Ähnlich wie die Schildkröte in Nordamerika, in vielen asiatischen Kulturen gilt er ebenso als der Weltenträger, der die Erde auf seinem Rücken durch das All trägt. Im Buddhismus wird der Elefant als heiliges Tier betrachtet, weil die Geburt Buddhas seiner Mutter im Traum von einem weißen Elefanten vorhergesagt wurde. Auch im Hinduismus wurde der Elefant zu einer zentralen mythischen Gestalt. Dort verkörpert er in der Gestalt Ganeshas den Gott der Weisheit, der die Menschen vor Gefahren warnen und beschützen soll.

Ganesha, Träger des Alls – Zeitgenössische Ganesha-Statue. Foro Jonoikobangali

Verkörperte das Mammut zu jenen Zeiten ähnliche Vorstellungen, so ist verständlich, dass es auch mit Proportionen dargestellt wurde, die die vollkommene Harmonie verkörpern, der Goldene Schnitt. Der Goldene Schnitt ist ein Teilungsverhältnis wo sich der kleine Teil zum großen, wie das Ganze zum kleiner Teil verhält. Dieses Teilungsverhältnis, das auch in der Natur oft zu beobachten ist, wird vom Mensch als harmonisch empfunden. Es lässt sich mit der Formel a/b=a+b/a beschreiben. Die klassische Konstruktion dieses Maßver-hältnisses erfolgt mit Hilfe einer Streckenteilung innerhalb eines rechtwinkligen Dreiecks. In der einschlägigen Literatur taucht dieses Proportionsverhältnis erstmals in den Schriften Euklids von Alexandria im 3. Jhd. v. Chr. Als historisch belegt gilt aber, dass der Goldene Schnitt bereits ab dem 5. Jhd. v. Chr, bekannt gewesen sein musste. Ähnlich der ersten Dokumentation, taucht der Goldene schnitt dann auch als bestimmende Proportion bei griechischen Tempeln auf.

Mammut und der Goldene Schnitt

Aus der Epoche des Aurignacien sind derartige Proprtionskenntnisse bislang nicht bekannt. Einzig eine Studie von JOHN A.J. GOWLETT von der University of Liverpool weist nach, dass Faustkeile aus unterschiedlichen Produktionen nur minimal von dieser Proportion abweichen. Natürlich hängt dies auch mit dem vermuteten Gebrauch zusam- men, denn auch die Mechanik der Hand wird vom Goldenen Schnitt bestimmt. Wie die Mythen Sibiriens jedoch zeigen, verkörpert das Mammut mythologisch bedeutende Ge- stalten und dies führt zu einer möglichen Erklärung für dessen Verwendung. Hatte die Elfenbeinfigur die Eigenschaften einer Götterfigur bekommen, so musste diese auch für die damalige Kultur von Bedeutung gewesen sein. Der Orion bietet hierfür eine Erklärung.

Orion am Morgen des Frühlingsäquinoktiums, um 41000 v. Chr.

Während der Entstehungszeit des Mammuts hab es ein Sternbild , das am Morgen des Äquinoktium den Beginn des Frühlings markierte, das Sternbild Orion. Das streng geo- metrisch geformte Sternbild wird durch vier leuchtkräftige Sterne, sowie den 3 Gürtel- sternen bestimmt. .Genau diese Linie der Gürtelsterne teilt aber auch das Sternbild im Verhältnis des Goldenen Schnittes. Relativ leicht lassen sich durch genaue Beo bachtung diese Proportionen, auch ohne Kenntnis der klassischen Konstruktion in ein Schema übertragen. Somit stellt das Mammut wesentlich mehr dar, als nur eine rein kunst- handwerklich präzis gearbeitete Figur. Es ist Träger der Proportion Orions, der  während des Äquinoktiums die fruchtbringende Zeit nach dem Winter ankündigte. Sie hatten die Menschen nach der Katastrophe zwischen dem 50. und 40. Jahrtausend wohl für lange Zeit vermisst. Damit erinnert das Mammut auch an die fragilen Grundlagen einer Kultur..

Bilder: Landesmuseum Stuttgart,http://www.landschaftsmuseum..de / Bilder /Mammut-Vogelh_ne / Wikipedia / Phlegräischen Felder, die Solfatara bei Pozzuoli, Foto Stanley-goodspeed / Querschnitt durch einen Supervulkan (Long Valley Caldera), Grafik Kilom691Ganesha, Träger des Alls – Zeitgenössische Ganesha-Statue. Foro Jonoikob-angali, Simulation/ Stellarium

Die Keule des Orion

Sunday, 28 January 2018

Grandmother’s cudgels (clubs)

God works in mysterious ways…

Recently I published two articles related to Orion: „Bowls from Los Millares“ and „Supernova„. Both of them were talking abut artifacts, from Spain and Northern India, which depicted Orion linked with deer. These artifacts were dated to some time during the 3rd millennium BC. And it turned out that during the 3rd millennium Orion was best visible during the month of September, the month of the beginning of the deer rut (mating season).

I thought that this was going to be the end of my dealing with Orion. But yesterday while I was browsing through the Etimološki rečnik Srpskog jezika 2,  (Etymological dictionary of Serbian language) I came across this strange expression recorded in Vranje area of South eastern Serbia:

Babine tojage – stars

The expression „babine tojage“ literally means „grandmother’s cudgels (clubs)“.
Now that is a very very strange euphemism for stars don’t you think?

These are stars:

And these are cudgels (clubs)

???

This made no sense to me. But at the same time I knew that at the time when this expression was first used to mean stars, this must have made perfect sense to everyone. So what did the Ancient Serbs see in the sky to make them start calling stars „grandmother’s cudgels (clubs)“?
I started looking through Slavic ethnographic data that deals with astronomy and soon I found this:

Созвездие Орионрус. Кривая Палка, Пояс, Собачка, Коло, Проходня, Кружилие, Косарь, Кичага (цеп для обмолота), украин. Косари, Чепига (ручка плуга), помор. Коромысло, Грабли, македон. Рало (Орало), Небесный Плуг, белорус. Князь Бой, серб. Бабини штапи, болг. Тояги (Посох)

The important bit is in bold: The constellation Orion was among the Russians known as „crooked, bent stick“, among Bulgarians as „cudgels (clubs)“ and among the Serbs as „grandmother’s sticks“…

This was very very interesting. But it still didn’t make much sense.

Here are some sticks (from my post about knobsticks):

Related image

And here is the constellation Orion:

So what is going on here?

Orion is a prominent constellation located on the celestial equator and visible throughout the world. It is one of the most conspicuous and recognizable constellations in the night sky. But in mythology of many people from Eurasia, Orion was also imagined as a gigantic mythical hero hunter.